Teil 2

Hermine lag in ihrem Krankenhausbett und starrte an die Decke. Sie fühlte sich noch sehr schwach und die Tränke von Madam Pomfrey taten ihr übriges.

Sonst wäre sie längst aufgestanden und hätte nach Severus gesucht.

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an als sie in seinen Armen gelegen hatte. Sie fühlte die Sehnsucht aufsteigen.

Nur nicht daran denken.

Viel wichtiger war die Fragen, wie es ihm ging.

War er verletzt ?

Vielleicht lag er irgendwo im Wald und rief nach Hilfe ?

Oder war er vielleicht tot ?

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Nein, das durfte nicht sein.

Plötzlich wischt ihr jemand die Tränen ab.

Scampy.

„Miss brauchen keine Angst haben. Mister Harry Potter hat gesagt, dass Master Severus lebt. Er wird sicher bald hier sein."

Erleichtert sah Hermine die Hauselfe an.

Dann schloss sie die Augen.

Alles würde gut werden. Jetzt wollte sie noch ein wenig schlafen.

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Im Laufe des Vormittags hatte Hermine die ersten Besucher.

Harry und Ron ließen sich in die Stühle neben Hermines Bett fallen.

Diese konnte sie nicht sehen, nur hören. Verdammt, es wurde langsam Zeit, dass sie sich wieder normal bewegen konnte.

Schweigend hörte sie dem Gespräch zu. Es ging um die Auroren, die die noch lebenden Todesser verhörten.

Und sie erfuhr außerdem, dass Snape (Ron war wirklich unmöglich) Dumbledore's Armee im Verbotenen Wald unterstützt hatte.

An diesem Punkt merkten die beiden endlich, dass sie Hermine nicht bewegen konnte.

Vorsichtig beugte sich sich über ihre Freundin und lächelten sie an.

Aber bevor sie sich besser verständigen konnten, kam Madam Pomfrey herein.

„Die 15 Minuten sind um. Nein, Mister Potter. Es gibt keine Diskussion."

„Aber wir kommen später wieder", hörte Hermine noch bevor sich die Tür schloß.

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Severus saß in seinen Schaukelstuhl, eine Flasche in der Hand und starrte ins Feuer.

Vergeblich hatte er versucht nicht an sie zu denken.

Wie sollte das auch möglich wo doch überall Spuren von ihr waren.

Neben ihm tauchte plötzlich eine Hauselfe auf.

„Sir müssen essen", tönte ihre piepsige Stimme.

„Lass mich in Ruhe, Winky."

Er nahm eine weiteren Schluck aus seiner Whiskeyflasche.

Winky schnipste mit seinen Fingern und Severus Lieblingsessen stand auf dem Tisch.

Der Duft zog ihn in die Nase.

„Na gut", grollte er.

Aber so leicht machte es ihm Winky nicht.

„Erst ein Bad, dann Essen."

Zitterig stand Severus aus. Er hatte ganz vergessen, dass er noch immer die Todesser-Robe trug.

„Soll Winky die Roben säubern lassen?"

Severus Blick sprach Bände. Er nahm die Sachen und warf sie ins Feuer. Zuerst das Mal, nun der Umhang.

Als letztes hielt er seine Maske in der Hand.

Weg damit.

Das Feuer fraß alles auf und Severus sah den Flammen dabei zu.

Das Ganze hatte eine heilsame Wirkung. Er war wieder nüchtern.

„Halt das Essen warm, Winky."

Die Hauselfe nickte zufireden. Aber er hatte noch eine schlechte Nachricht für seinen Herren.

„Sir, wenn Sie fertig sind, die Auroren wollen Sir sprechen."

„Das kann ich mir vorstelllen."

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Der Tag für Hermine lief nicht optimal.

Am Nachmittag hatte sie einen schrecklichen Traum gehabt und war daraus schreiend aufgewacht. Da halfen keine Beruhigstränke, denn es war Morgen Singer gewesen, die sie verfolgt hatte.

Kalter Schweiß lief an ihrem Körper herunter.

Sie musste sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie Morgen besiegt hatte und diese nun in Askaban gefangen war.

Sie war sicher, oder ?

In Gedanken ging sie das Duell immer wieder durch. Jede Bewegung, jeden Fluch.

Und sie hörte wieder Morgens Schrei, voller Entsetzen und Wut. Dann lag Morgen zu ihren Füßen und Hermine konnte in ihre Augen schauen.

Die Frau hatte Severus verletzt und gedemütigt. Sie verspürte noch nie den Drang jemanden zu töten, aber hier wollte sie nichts lieber als das tun.

Aber sie erkannte, dass Morgen verrückt war und wehrlos.

Nein, sie Hermine Granger, wollte keinen wehrlosen Menschen töten, auch wenn es dieser verdiente.

Trotzdem musste sie sich die Frage stellen, war sie überhaupt in der Lage jemanden zu töten ? Als Kämpferin sollte sie dazu in der Lage sein. Aber als Mensch? Als Frau ?

Plötzlich verstand sie in welchen Dilemma sich Severus in all den Jahren befunden hatte. Bisher hatte sie das verdrängt. Er war Spion, sicher. Er war Todesser, oder. Natürlich würde er Menschen töten. Kein Zweifel.

Aber erst jetzt wußte sie was das bedeutete. Sie, die ihn liebte, hatte nie wirklich darüber nachgedacht was er dabei fühlen würde.

Wieder musste Scampy ihre Tränen trocknen.

„Master Severus geht es gut", wiederholte sie immer wieder bis es Hermine endich glaubte.

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Als die Sonne langsam unterging, kam Madam Pomfrey herein und zündete die Gaslampen an.

„Ich löse jetzt den Zauberspruch damit Du dich hinsetzen kannst. Du bekommst eine Suppe von mir."

Scampy half ihr dabei, aber Hermine fühlte sich wirklich viel besser.

„Kannst du mir das Haar kämmen, Scampy?"

Die Hauselfe nickte begeistert.

„Master Severus wird sich freuen, dass es Miss wieder gut geht."

Als die Haare gekämmt waren, klopfte es an der Tür. War das endlich Severus, dachte sie noch. Aber dann steckte Professor McGonagall ihren Kopf durch die Tür.

„Darf ich hereinkommen?"

„Ja", flüsterte Hermine.

Anscheinend hatte Madam Pomfrey vergessen, sie wieder ruhig zu stellen.

„Ich bin froh, dass es Dir wieder besser geht. Du hast alles überstanden und nun beginnt dein Leben neu."

„Was ist mit Voldemort?"

Niemand hatte Hermine diese Frage beantworten können.

Professor McGonagall sah sie überrascht an.

„Haben denn Potter und Weasley nichts erzählt ? Nun, dann muss ich das wohl nachholen."

Im Schnelldurchlauf berichtete die Lehrerin vom Kampf um Hogwarts und dann von Harrys und Severus Kampf. Auch das goldene Schutzschild fehlte nicht.

Schließlich gelang es Hermine sie zu unterbrechen und nach Severus zu fragen.

„Wie geht es dem Professor?"

Minerva sah sie merkwürdig an.

„Warum fragst du, mein Kind. Der Fluch ist mit dem Tod von Voldemort erlöscht, nicht war."

Hermine nickte.

„Das ist gut. Du bist sicher erleichtert, oder?"

Anscheinend erwartete die Lehrerin keine Antwort, denn sie redete sofort weiter.

„Professor Snape wird von den Auroren verhört. Schon den ganzen Nachmittag. Ich glaube sie haben viele Fragen an ihn."

Beruhigend legte sie ihre Hand auf Hermines Arm.

„Hab keine Angst. Professor Dumbledore ist bei ihm. Er wird helfen wo er kann und Severus bestimmt entlasten."

Plötzlich stockte sie. Auf dem Nachttisch stand die kleine Statuette von Nimue und Merlin.

Vorsichtig nahm sie sie in die Hand.

„Ich habe so etwas einmal in einem Museum gesehen. Ich glaube in Edinburg."

„Oh, ich wußte nicht, dass die Statue so selten ist."

„Auf jeden Fall. Darf ich fragen wem sie gehört?"

„Madam Prince. Ich glaube Scampy hat sie aus Versehen eingepackt."

Erschöpft sankt Hermine in die Kissen.

„Ich werde gehen, mein Kind. Ruh Dich weiter aus. Ich bin sehr stolz auf Dich."

Hermine lächelte sie dankbar an. Dann drehte sie sich um und schlief wieder ein.

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Sehr spät in der Nacht kehrte Severus in seine Gemächer zurück. Müde setzte er sich hin.

Die Auroren hatten ihn nicht einfach befragt, nein es war ein Verhör gewesen. Und noch schlimmer wurde es als Gawain Robards die Leitung übernahm. Er war zwei Jahre älter als Severus und ein Ravenclaw. Schon in der Schule konnte er Severus nicht ausstehen und endlich sah er seine Chance.

Die Dinge wurden immer unangenehmer und der Tränkemeister sagte schließlich kein Wort mehr. Erst als man Dumbledore zur Hilfe rief und dieser Robards rauswarf, wurde es besser.

Kingsley übernahm das Verhör und ihm gab Severus alle Informationen, die nötig waren.

Schließlich und endlich war er fertig und konnte gehen. Natürlich nicht ohne die Drohung, dass man vielleicht weitere Fragen an ihn hatte.

„Sie wissen wo ich zu finden bin."

Dann drehte er sich dramatisch um und ging.

Nun war er wieder allein und kannte an nichts anderes denken als Hermine. Er hatte solche Sehnsucht nach ihr. Zweifelnd sah er auf die Flasche Whiskey. Nein, besser nicht.

Er sah sich im Zimmer um und erinnerte sich daran, wie und wo sie sich geliebt hatten. Er musste den ganzen Räume ausrächern lassen um diese Erinnerung auszulöschen. Verdammt.

Dann fiel ihm ein, dass sie Hermine am Morgen duelliert hatte. Sie war sicher erledigt, wenn nicht verletzt.

Nein, er konnte die Ungewissheit einfach nicht ertragen. Er musste wissen wie es ihr ging.

Verdammter Dumbledore. Mit welchem Recht konnte er ihm verbieten, Hermine zu sehen ?

Nein, dazu hatte er kein Recht.

Severus stand auf und machte sich auf den Weg in dem Krankenflügel.

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Nun, wenigstens macht sich Severus schon einmal auf den Weg. Besser als garnichts :)

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