Kapitel 48

War das wirklich die Lösung ihres Problems? Akira spürte, wie neue Hoffnung in ihm aufkeimte.

Doch war er wirklich bereit dieses Opfer zu bringen? Am Ende lag es nicht in seiner Entscheidung, schließlich konnte er die zwei Frauen nicht zwingen, sich für sie zu opfern…

„Warum sollte es auch nur einmal einfach von Statten gehen…" murmelte Jun, ihr war anzusehen, dass sie sich in einem Zwiespalt befand. Ihnen lief die Zeit davon und sie konnten es sich nicht leisten noch länger hier zu bleiben.

Sie mussten jetzt eine Entscheidung treffen…

„Ihr müsst das nicht tun, wenn ihr nicht wollt…" flüsterte Akira. Momentan hatten die beiden definitiv die besseren Überlebenschancen in dieser Welt.

Und wer weiß, vielleicht war es ihnen auch diesmal vorherbestimmt hier zu sterben…

„Du würdest ihn also tatsächlich aufgeben, nur um uns einen Gefallen zu tun?"

Er ließ die Schultern hängen: „Ich kann nicht für ihn sprechen, aber welches Recht habe ich zu entscheiden, wer lebt und wer stirbt…"

„Stur bis zum Ende…"

Verwundert blickte er in Lan's Richtung.

Er schaffte nicht mal mehr einen überraschenden Laut, als diese ohne jede Vorwarnung ihre Hand auf Ryo´s Brust legte.

„Ich bin kein Idiot! Glaubst du etwa, ich hätte nicht gewusst, warum man uns hierher geholt hatte? Nutzt diese Chance und vermasselt es ja bloß nicht!"

Ein gleißendes Licht umgab sie und zwang die anderen beiden wegzusehen.

„Lan?"

Jun öffnete als erste ihre Augen, aber ihre Freundin war verschwunden, Ryo lag noch immer reglos vor ihnen, aber im Vergleich zu eben, wirkte er nun um einiges besser.

„Es hat wirklich funktioniert..." flüsterte Lan, bevor sie sich Akira zuwandte: „ Ich schätze, dass ich jetzt an der Reihe bin..."

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie das getan hat..."

„Sie mag nicht die freundlichste Person sein, aber wenn es darauf ankommt, kann man sich auf sie verlassen," lächelte sie, „Und deswegen wirst du mir hoffentlich verzeihen, dass ich sie gern wiedersehen möchte."

„Ich schätze es wäre ganz schön herzlos von mir dir diesen Wunsch abzuschlagen..." Er hatte sie nur für eine kurze Zeit gekannt und es fiel ihm schwer, sich jetzt schon wieder von ihr verabschieden zu müssen, aber er konnte sie auch nicht zwingen hier zu bleiben.

„Euch werden noch einige harte Kämpfe bevorstehen und da werdet ihr alle Kraft benötigen, die ihr bekommen könnt. Sieh es als Geschenk."

„Danke..." er lächelte sie traurig an, „Was auch immer geschieht, ich wünsche euch alles gute. Und ich verspreche, dass wir diese Welt retten werden."

„Daran hege ich keinen Zweifel. Zeigt ihnen aus welchem Holz ihr geschnitzt seid."

„Versprochen."

Sie umarmten sich und als er die Augen wieder öffnen konnte, waren er und Ryo die einzigen, die noch übrig geblieben waren.

„Ich schätze, es wird Zeit, dass wir gehen."

Vorsichtig hob er den anderen hoch und machte sich auf den Weg. Lange würde sich diese Welt nicht mehr aufrecht erhalten können und dann wollte er nicht mehr hier sein.

„Siehst du das auch?" fragte Draco und zeigte auf einen Punkt vor ihnen. Schon seit einiger Zeit war es gespenstisch ruhig gewesen und ließ sie im unklaren, was das nun für sie bedeutete.

„Was meinst du?" fragte dieser nur und versuchte zu erkennen, was sich da auf sie zubewegte.

„Sind das etwa?" Draco war aufgesprungen und seine Miene hatte sich augenblicklich erhellt. „Sie haben es tatsächlich geschafft!"

Harry konnte es nicht glauben. Er hatte bereits damit abgeschlossen, dass sie hier ihr Ende finden würden und so fühlte es sich an wie ein kleines Wunder, dass dies scheinbar doch nicht der Fall war. Er rannte ihnen entgegen und warf einen besorgten Blick auf Ryo, der leblos in Akira's Armen lag.

„Ist er?"

„Keine Sorge," beruhigte Akira ihn, „Er braucht nur ein wenig Ruhe. Morgen ist er wahrscheinlich wieder der Alte."

„Was ist da hinten passiert? Wir haben schon mit dem schlimmsten gerechnet."

„Später," drängte er sie, „Jetzt sollten wir erstmal hier verschwinden."

Sie rannten, wobei die beiden Jungen sich nicht sicher waren, wohin es überhaupt ging, aber Akira schien sich sicher und so vertrauten sie ihm, dass er sie heil hier herausbrachte.

„Da vorne!"

Es war kaum zu erkennen, aber vor ihnen tat sich ein Riss auf. Unmöglich, dass sie diesen ohne den Halbdämonen gefunden hätten. Sie nahmen noch einmal alle ihre Kraft zusammen und sprangen hindurch.

Unsanft landeten sie auf dem harten Steinfußboden. Noch nie waren sie so glücklich gewesen, die Hallen von Hogwarts zu sehen. Zum Glück war momentan niemand in dieser Ecke des Schlosses unterwegs. Denn das, was eben passiert war zu erklären wäre unmöglich gewesen.

„Ich bringe Ryo erstmal auf sein Zimmer und ihr seht zu, dass ihr auch auf euer Zimmer kommt. Für heute hatte ich persönlich genug Stress und euch wird es wahrscheinlich ähnlich gehen."

„Das kannst du laut sagen," stimmte Harry ihm zu, „Dann sehen wir uns morgen?"

„Falls nicht wieder etwas unvorhergesehenes geschieht…"

Ungesehen schlich Akira durch die Flure und erreichte ihr Zimmer ohne weitere Zwischenfälle.

Behutsam verfrachtete er Ryo in sein Bett und setzte sich neben ihn. Er konnte die Kraft spüren, die durch seine Adern floss und seit langem fühlte er sich endlich wieder wie er selbst. Er spürte Amons Anwesenheit, dem es danach drängte, endlich wieder Dämonen zu bekämpfen. Und lange würde er höchstwahrscheinlich nicht mehr warten müssen…

Die Dämonen von diesem Voldemort waren auf dem Vormarch und es würde wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis es zum ersten Angriff kam...