A/N: Wir nähern uns langsam dem Ende des ersten Teils dieser Fanfiction. Der zweite Teil wird als eigene Fanfiction online gehen und der "Pace" wird etwas anziehen. (Wir haben bisher gerade einmal ein dreiviertel Jahr bearbeitet).


Sie erschienen einige hundert Meter von dem Anwesen der Malfoys entfernt. Eine Razzia beinhaltete immer, dass so schnell wie möglich alle Mitglieder des Hauses ausgeschaltet wurden. Harry hatte sich direkt an das Einsatzteam geheftet, das von August geleitet wurde, aus dem einfachen Grund, dass dieses Team das Haus von den Malfoys stürmen würde. Thomas wirkte an der Einsatzorganisation mit und war daher nicht direkt an Kämpfen beteiligt. Natürlich würde er dazu stoßen, wenn es Probleme gab. Die Tatsache, dass vereinzelte Personen so viel stärker waren als der Rest machte die Planung von Einsätzen nicht nur schwierig, sondern sorgte auch dafür, dass alle Methoden der Muggel keine Anwendung fanden.

Flankieren ging nicht, wenn die Trupps dafür nicht ausgebildet waren. Fluchtwege abschneiden war durchaus schwierig, denn es konnte sein, dass irgendeiner der Malfoys einen Portschlüssel zur Hand hatte. Es gab keinen Hinterhalt, wenn der Gegner ungleich stärker war.

Es war bereits dunkel geworden und die Unsäglichen erhofften sich dadurch einen strategischen Vorteil. Das Anwesen der Malfoys war unbeleuchtet, was für den Wohnsitz von Magiern nicht unüblich war.

August verteilte die Befehle schnell und effizient. Die Routen und Pläne für die einzelnen Trupp- und Staffelverbände waren klar und Harry hätte sich gewundert, wie erstaunlich präzise August arbeitete, hätte er nicht genau gewusst, wo der Mann das gelernt hatte.

August war kalt und ihm war es egal, wenn er Leute auf die Füße trat. Wenn jemand in seinen Augen nicht dazu fähig war, ein Team zu leiten, tat er das auch nicht. Wenn er jemanden für schwach oder ungeschickt hielt, wurde die Personen einer größeren Gruppe zugeteilt.

„Kurze Randnotiz: Draco Malfoy hat explizit danach gebeten, dass seine Mutter nicht getötet wird. Solltet ihr sie also festnehmen können, bitte ich Sie, dem Wunsch zu entsprechen. Unfälle können passieren, aber wir wollen uns keinen Vorsatz vorwerfen lassen.", sprach August kalt an alle. Wie Malfoy in den Orden gekommen war, wunderte Harry noch immer.

Malfoy hatte sie mit erstaunlich detailreichen Informationen versorgt, wie die Familie im Notfall agierte. Die Unsäglichen hatten den Bericht gelesen und konnten sich besser koordinieren.

„Potter! Aufgrund besonderer Veranlagungen werden wir beide einen kleinen Stoßtrupp bilden, der über den Keller in das Haus einfallen wird. Traust du dir zu uns nicht beide umzubringen?", fragte August kalt und Harry nickte stumm.

„Gut. Wir springen um die Feldzauber herum auf die andere Seite des Anwesens. Wie wir hereinkommen, erkläre ich dir gleich. Der Rest ist eingeteilt und jeder weiß, was die Trupps zu tun haben. Kommt sicher zurück."

August packte Harry und zog ihn mit sich durch einen eiskalten Wind auf die andere Seite des Anwesens. Sie landeten in einem anderen Teil des umgebenden Waldes. In dem Wald selber gab es praktisch keine Anzeichen dafür, dass sie den Ort gewechselt hatten. In der Ferne waren die Turmspitzen des Anwesens zu sehen, diesmal aus einem offensichtlich anderen Blickwinkel.

„Wenn du auf einmal laute Geräusche hörst, nicht erschrecken, das sind nur Pfauen.", sprach August darauf, „Die anderen Trupps werden anfangen, die Feldzauber zu attackieren, um sie zu Fall zu bringen. Sie werden dabei nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern ebenfalls die Feldzauber kurz instabil machen. Wir werden in dem kleinen Zeitfenster, das wir haben, direkt in den Keller springen und von dort aus vorgehen. Bleib bei mir und Grundgütiger, bring uns bitte nicht um!"

Es dauerte nicht lange, bis sie das Zeichen erhielten. August empfing es über sein Abzeichen und direkt darauf spürte Harry, wie die Feldzauber des Anwesens gestört wurden.

Er konnte weder den Gärten, den imposanten Türmen oder den Hofgängen, noch den Pfauen Beachtung schenken, denn mit August zusammen trug ihn ein kalter Wind direkt in den Keller des Anwesens.

Es war dunkel und er konnte im ersten Moment nichts erkennen. Runde Steinbögen hielten die Decke über ihnen und sie mussten sich leise bewegen. August ließ seinen Zauberstab erglühen und Harry tat es ihm gleich. Für solche Dinge waren die Zauberstäbe sinnvoll. Es war als Schattenmagier nicht leicht, Licht zu erschaffen, was bei dem Namen kein Wunder war. Einen festen Punkt zu haben, der das Licht hielt, war hilfreich.

Harry und August blickten schnell durch den Keller und fanden nichts außer kahlen Wänden und einem unbestimmten Geruch nach Verrottung. Alle Leichen oder Gefangenen waren wohl schon entfernt worden.

Im Erdgeschoss über ihnen hörten sie gehetzte Schritte und jemand schrie etwas Unverständliches. Anscheinend waren die Malfoys nicht die Einzigen hier. Die Unsäglichen draußen waren wohl soweit vorgestoßen, dass sie Aufmerksamkeit erregten.

Sie würden sie in ein Gefecht verwickeln, während August und Harry weiter das Gebäude durchsuchen würden. Ob die Ablenkung funktionierte, konnte Harry nicht sagen. Die Malfoys hielten sich sicherlich im Obergeschoss auf. Harry spürte, wie die Feldzauber des Anwesens fielen – nicht fähig, den Angriffen standzuhalten.

Es herrschte Stille im Erdgeschoss und Harry und August schritten über die Treppe in die Halle. Die Tür zum Salon stand offen und sie bemerkten, dass von dort die Todesser losgestürmt waren. Doch wie viele es ursprünglich waren, wusste Harry nicht. Undeutlich konnte er verschiedene magische Abdrücke sehen – kleine leuchtende Flecken am Boden. Die Dunkelheit erlaubte es, die Spuren etwas deutlicher wahrzunehmen.

August trieb ihn durch den Salon in einen Seitengang, in denen ihre Schritte von dem Teppich gedämpft wurden. Harry konnte niemanden in einem der Räume spüren, und August lief direkt zum Ende des Ganges, wo sich eine Treppe befand.

Mit einer Handbewegung wirkte August etwas, das Harry für einen Schallschutzzauber hielt, bevor sie die Treppenstufen nach oben erklommen.

„Draco ist noch immer in der Schule. Wie können wir so etwas von ihm verlangen?", hörte Harry eine Stimme fragen. Sie war weiblich und er erkannte sie nicht – wohl Narcissa Malfoy.

„Oh, der liebe Draco hier und daaa… Er hat SCHANDE über uns gebracht.", zischte eine weitere Stimme und Harry gefror das Blut in den Adern, als er erkannte, dass Bellatrix hier war.

August zeigte keine Gesichtsregung, doch sicherlich musste auch er besorgt sein.

Er bedeutete ihm, die rechte Flanke zu übernehmen.

Sie schritten zum Durchgang. August machte schnelle Handzeichen – Bellatrix und Narcissa schienen sich in einem Nebenraum aufzuhalten. Harry spürte, dass ein Schutzzauber auf dem Flur lag – allerdings nicht gegen Eindringlinge. Mit einem irritierten Blick sah er August an, welcher nur mit den Schultern zuckte. Narcissa wurde anscheinend gefangen gehalten – sie konnte die Räume nicht verlassen und wenn Harry raten würde, würde er sagen, sie hatte ebenfalls keinen Zauberstab.

„Cissy, du kannst noch immer alles wieder gut machen! Es wird alles gut! Ich verstehe dich nicht – du warst immer auf unserer Seite und jetzt wo unser Siegeszug durch die Welt beginnt, verhältst du dich so…", flüsterte Bellatrix. Harry hatte das Gefühl, dass das der Höhepunkt ihrer geistigen Verfassung war – so komplette Sätze würde er sie wohl nie wieder sagen hören.

August würde die Vorhut übernehmen und Harry würde so gut er konnte versuchen, ihm den Rücken zu decken. Draußen waren die ersten Kampfgeräusche zu hören. Bellatrix schreckte hoch.

„Bleib hier!", zischte sie Narcissa zu und zog ihren Zauberstab. Sie versteckten sich in Ecken und Bellatrix machte einige vorsichtige Schritte. Harry schlug das Herz bis zum Hals – wenn sie sich so langsam bewegte, hatte sie sie sicher gespürt!

„Raus mit dir!", kreischte sie in den Gang, niemand direkt ansprechend, „RAUS MIT DIR! Zeige dich ehrenwert und gehe mit Stolz in den Tod!"

Sie wusste nicht wie viele sie waren. August machte ein paar Signale mit der Hand, bevor er sich kampfbereit machte. Harry sollte in seiner Deckung bleiben und August vor Angriffen aus dem Hinterhalt schützen.

August beendete den Zauber um seine Schritte und schritt langsam in den Gang hinein.

„Na wunderbar!", flüsterte Bellatrix leise. Harry hätte ihrem Blick vielleicht nicht standgehalten, doch August war innerlich wahrscheinlich die Ruhe in Person.

„Bellatrix. Immer eine Freude.", konterte August ruhig. Es kam keine Antwort, sondern es flog ein blauschimmernder Fluch an August vorbei und schlug in der Wand ein, die Harry direkt gegenüber war.

Es folgten diverse Knalle in dem Gang und als Harry über seine Schulter blickte, sah er, dass August Bellatrix zu ihm trieb. Sie hatten die Seiten gewechselt und August sandte ihr Fluch um Fluch zu und sie tanzte durch seine Magie durch.

JETZT, schallte es durch seinen Kopf und Harry gehorchte und sprang aus seiner Deckung und feuerte gegen Bellatrix.

Diese unterbrach ihr Manöver und ließ sich fallen und Harrys Fluch rauschte an ihr vorbei. August stieß seine Hand nach vorn und der Boden schien sich zu Wellen und seine Magie raste auf Bellatrix zu. Die riss sich vom Boden und wurde von einer ungesehenen Machte in Richtung der Decke gezogen. Mit einem unmenschlichen Satz landete sie im Nebenzimmer und die Tür schlug zu.

„Potter, alles in Ordnung?", keuchte August und Harry nickte und starrte die Tür an.

„Deckung.", sagte August und augenblicklich wurde die Tür aufgerissen. Sie wurden zurückgeworfen von einer Druckwelle und Harry konnte nichts mehr sehen, ein roter Nebel hüllte den Gang komplett ein: Er spürte dumpf, wie er gegen die Wand geworfen wurde.

Schritte waren zu hören und Bellatrix floh. Die Kampfgeräusche von draußen wich mehreren Schreien. Harry fürchtete Schlimmes.

Es ertönten Knalle um sie herum und Harry brauchte einen Moment, um seine Sicht frei zu machen und mit seinem Zauberstab fand er sich plötzlich den anderen gegenüber. Es waren die anderen Trupps, die zu ihnen appariert waren.

Harry atmete aus und starrte in Richtung der Tür, wo er sah, dass Narcissa auf der Schwelle lag, Arme ausgebreitet, mit gesprengtem Brustkorb.

Plötzlich wurde er an der Seite angefasst und er schreckte zurück. „Weiter, Potter."

Harry spürte die zweite Präsenz arbeiten und er war wieder vollkommen klar. Sie formierten sich und durchsuchten den Rest des Stockwerkes, in dem sich jedoch niemand weiter befand.

„Wir müssen nach unten! Sind unsere Feldzauber bereit?", bellte August.

„Ja! Wurden vorhin aufgestellt! Keine Apparationen sind hier möglich! Keine Portschlüssel aufgespürt!", rief einer der Unsäglichen knapp zurück.

Das Erdgeschoss war in Stücke gerissen worden. Die Hauswand war eingefallen unter dem Beschuss von Flüchen und verwirrte Todesser versuchten, Kontrolle über die Situation zu erlangen. Die Unsäglichen kamen im Salon an und August bedeutete Harry, zu den Unsäglichen zu gehen, die sich verschanzten.

Er verschwand und mehrere Unsägliche fingen an, weitere Teile des Hauses zu durchkämmen. August musste seinen Fähigkeiten sehr vertrauen, denn Schatten konnten in das Gelände eindringen und alle verbliebenden Personen mitnehmen.

„Alles klar, Potter?", fragte einer der anderen Unsäglichen. Der blonde Mann sah ihn seltsam an und sprach einen Sauberkeitszauber. Harry hatte nicht bemerkt, dass seine Kleidung komplett voll mit Blut gewesen sein musste.

„Ja, alles gut.", antwortete Harry aber bekam keine Antwort mehr, denn sie hörten, wie jemand brüllte.

„CRUCIO!", schrie ein Todesser draußen und sie gingen augenblicklich in Deckung. Harry spürte die Macht des Zaubers sich aufbauen und unterbrach die Energie mit einem Kraftstoß. Einer der Unsäglichen keuchte kurz auf und sah ihn verwundert an.

Gemeinsam feuerten sie auf die Todesser, die im Hof hinter einer großen Hecke in Deckung gingen, bis der Unsägliche neben ihm einen Flammzauber sprach. Es blitzte im Hof und die Hecke ging in Flammen auf, die die Todesser nicht zu löschen vermochten.

Das Feuergefecht ging ohne große Verluste beider Seiten aus. Sie schienen festzustecken.

Du musst sofort hinter sie springen und einen von ihnen gefangen nehmen. Einer weiß von einem Ort, der sehr wichtig ist. Doch beeile dich. Unter ihnen ist auch ein Werwolf.

Harry wusste nicht genau wieso, doch er gehorchte. Er verschwand und ein kalter Wind trug ihn inmitten des Gartens. Er war hinter einem der Todesser aufgetaucht und mit einer peitschenden Zauberstabbewegung riss er den Mann von den Füßen und Handschellen bildeten sich an seinen Händen. Ein einfacher Zauber, den er von Thomas gelernt hatte.

Zu seiner Rechten waren die Todesser in Deckung gesprungen, nachdem einer von ihnen gefallen war.

„WER IST DA?", schrie einer von ihnen.

„DAS IST POTTER! TÖTET IHN!", schrie ein anderer, wie von Sinnen.

Grüne Strahlen und unverständliches Geschrei zogen an Harry vorbei und er sprang erneut. Es waren Amateure.

Harry löste sich und sprang hinter einen der Todesser, riss ihn rum und ein grüner Strahl aus dem Zauberstab des Anderen tötete sein menschliches Schutzschild.

Die Todesser waren verwirrt. Harry sprang erneut und riss einen von ihnen mit sich. Als er hinter ihnen auftauchte, rammte er seinen Dolch in dessen Seite, bevor der Todesser sich orientieren konnte. Er schrie einen gar unmenschlichen Schrei – er hatte den Werwolf verwundet.

Er rangelte sich frei und fiel wenige Meter vor Harry in den schlammigen Weg. Harry keuchte und die kalte Atemluft biss sich in seine Lunge.

„HAB ICH DICH!", schrie ein Todesser, „CRUCIO!"

Harry konnte nicht in Deckung gehen und es nicht mehr abhalten. Er fiel zu Boden und der Schmerz überwältigte ihn. Verschwommen erkannte er, wie der Todesser von Unsäglichen überwältigt wurde und zu Boden ging. Ein Streufluch traf ihn am Bein und er schrie kurz auf.

Als er wieder klar war, richtete Harry sich auf.

„Wir haben Malfoy noch immer nicht gefunden. Narcissa ist tot und Bellatrix scheint sich irgendwo versteckt zu haben. Wir haben keine Informationen darüber, dass jemand den Rand der Feldzauber passiert hätte."

August tauchte neben ihnen auf.

„Kommt. Hier ist niemand mehr. Vielleicht können wir Dokumente sichern. Bestellt Leute hierher, die Kameras holen. Sowohl unsere als auch Muggelkameras. Bevor sich die Pergamente hier selbst vernichten."

„Aber das kann nicht sein! Ich dachte, hier wären keine Portschlüssel!", rief einer der anderen aus.

Harry wurde etwas schummrig vor den Augen und er stützte sich kurz an einem der Unsäglichen ab, welcher ihn besorgt anblickte.

„Alles gut, nur ganz kurz. Bin gleich sofort wieder fit.", versicherte Harry.

Als er im Krankenflügel der Zentrale aufwachte, konnte Harry keinen klaren Gedanken fassen. Es war alles verschwommen und erst dachte er, er wäre wieder bei den Dursleys. Dann kam ihm seine Gefangenschaft durch den Sinn. Doch es war viel zu Hell dafür. Hatten sie ihn irgendwo anders hingebracht? Er verstand es nicht und wusste nicht, ob er sich rühren konnte.

„Aufwachen.", sprach eine sanfte Stimme neben ihm, und er schreckte auf und wie im Wahn sandte er einen Fluch in die ungefähre Richtung. Er sah nichts und alles um ihn herum war vernebelt.

Plötzlich war alles verschwommen und das Licht wurde dunkler. In der Ferne hörte er Rufe, teils panisch teils beruhigend. Dann spürte er, wie zwei Zauber ihn berührten und seine Sicht klärte sich augenblicklich.

Ein Mann im Arztkittel war über ihn gebeugt. Er versuchte, ihn zu untersuchen.

„Was ist passiert?", fragte Harry nun, ein wenig panisch. Er hatte einen Fluch gefeuert.

Als er einen Blick zur Seite wagte, sah er, wie eine Gestalt mit blondem Haar einige Meter weiter weg stand und unsicher wartete. Sein Gehirn war wohl sehr langsam, denn tatsächlich musste die Stimme nachhelfen.

Luna Lovegood. Keine Sorge, du hast sie nicht getroffen. Ohne Schrecken kommt sie aber nicht davon.

Harry versuchte aufzuatmen.

„Mister Potter, sie hatten Krämpfe. Können Sie sich erklären, was das ausgelöst hat?" Die Stimme des Heilers drang durch seinen Wahn und Harry wusste nicht, wie er sich verhalten sollte.

„Ich weiß es nicht.", sagte Harry schließlich. Er hatte eine vage Ahnung, natürlich, allerdings wollte er sie nicht aussprechen.

„Sie haben Miss Lovegood einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Wenn sie können, setzen sie sich auf und trinken ein wenig. Ihr Magen muss arbeiten. Allerdings sehen sie in Zukunft doch bitte davon ab, innerhalb der Zentrale Flüche durch die Gegend zu werfen. Sie scheinen mir stabil, abgesehen von ihrem Anfall, also werde ich sie wieder alleine lassen." Ob es so sinnvoll war, direkt wieder alleine zu sein, nachdem er einen Anfall hatte, wusste Harry nicht. Hinterfragen würde er das aber jetzt nicht.

Die Schritte des Heilers hallten ein wenig in den Gängen und in diesem kahlen Zimmer, das durch eine offenstehende Tür mit dem Rest des Gebäudes verbunden war, war er wieder allein. Wobei das nicht der Wahrheit entsprach.

Eine in einem seltsamen Gewandt gekleidete Luna Lovegood stand noch immer in der Ecke des Raumes. Ihr Zögern gefiel Harry gar nicht und war auch vollkommen untypisch für Luna.

„Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe.", flüsterte Harry nun. Er meinte es wirklich so. Er wusste, dass Luna nicht unbedingt zart besaitet war – jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Ihre Angewohnheit, ohne zu Zögern die Wahrheit auszusprechen und sich nicht darum zu scheren, wie ihr Gegenüber darauf reagierte, war legendär. Dass er sie verschreckt haben könnte versetzte Harry einen Stich ins Herz.

„Ich habe von Papa gehört, dass du Dinge über mich gefragt hast." Ihre Stimme war ruhig, jedoch noch immer etwas vorsichtig.

Harry konnte nur leicht nicken. Noch immer war alles verschwommen, doch langsam wurde sein Kopf wieder klar und er korrigierte seine Sicht. Das war mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Sie trug eine rote Jacke und einen Rock, der eher dunkellila war. Eine merkwürdige Kombination, aber an Luna irgendwie nicht unpassend.

„Wieso bist du nicht zu mir gekommen?"

Harry wusste darauf keine Antwort. Er hatte sich vor sich selbst gerechtfertigt. Vielleicht hatte er nur nach einer Ausrede gesucht.

„Ich musste es sehen. Den Ort, von dem…", setzte er an, doch brach ab. Luna legte ihren Kopf schief und schien zu verstehen. „Wie bist du eigentlich hierhin gekommen?", fragte er dann.

„Monsieur Delacour hat mich hierhin gebracht.", war die Antwort. Tatsächlich wirkte Luna nicht so, als wäre das seltsam. Aber auf der anderen Seite, es war halt Luna.

„Natürlich hat er das.", erwiderte Harry erschöpft.

Harry hob seinen Arm und bemerkte, dass er wieder diese komische Box an seinem Handgelenk hatte. Er verwies Luna auf einen Stuhl neben sich, „Bitte, setz dich. Du musst da nicht stehen. Tut mir nochmal leid."

Ein verlegenes Lächeln zierte ihr Gesicht und Harry fragte sich, warum sie auf einmal so unsicher ihm gegenüber war.

Es ist nicht verwunderlich. Sie kann deine Aura sehen. Du musst verstehen, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn deine Präsenz unangenehm wirkt. So wie du auf Thomas Aura reagierst, spüren andere Leute deine.

Die Antwort deprimierte Harry ein wenig. Aber wofür war denn sonst eine Stimme im Kopf da, wenn nicht um einen zu deprimieren.

„Ich… kann verstehen, wenn du dich unwohl fühlst. Aber ich habe nicht immer die Kraft oder die Konzentration, meine Aura zu unterdrücken."

Sie saß nun neben ihm und schlug die Beine übereinander. Harry ließ sich ins Bett fallen.

„Du solltest etwas trinken. Das hilft gegen die Schlickschlupfe. Um einen klaren Kopf zu bewahren."

Sie hat Recht.

Natürlich musste die Stimme in seinem Kopf Luna auch noch beipflichten.

„Also, ja, ich habe deinen Vater unter Anderem zu dir befragt. Aber du warst in der Schule und deinen Vater zu befragen schien mir wie die beste Möglichkeit. Immerhin darf ich dich nicht befragen, weil du minderjährig bist. Und ich glaube nicht, dass Dumbledore mir für jede Privatsache die Erlaubnis gibt, ob er darf oder nicht.", versuchte Harry sich zu erklären.

Luna lächelte nur kurz und nickte. „Ich verstehe schon, Harry."

Der Satz war knapp und seltsam angespannt. „Also, was hast du mir gegeben?"

„Ein Verbindungstrank. Du musstest erhalten, was dir gegeben werden sollte. Ich war persönlich bei Hermine und Ron war natürlich an der Quelle. Du musst verstehen, dass man nicht immer eine Wahl hat bei den Dingen, die man tun muss. Ich habe etwas geschworen und musste es einhalten."

Harry zögerte ein wenig. Er hatte das dringliche Gefühl, dass sie sehr persönliches Terrain betraten. „Ist der Schwur eingelöst?"

Luna lächelte traurig, „Beinahe. Ich weiß nicht, wie ich meine Schuld aufheben kann. Es ist nichts, was man so einfach bestimmen kann."

„Ich verstehe allerdings nicht wie du irgendwem etwas schwören konntest, während du ein Kind warst, dass um seine Mutter trauert!"

Luna lächelte, „Das musst du nicht. Das kommt mit der Zeit. Ich hatte… Als meine Mutter gestorben ist, war ich alleine und traurig. Wir hatten Probleme und Papa war mindestens genauso verloren wie ich. Doch sie hat etwas hinterlassen, etwas… Magisches. Es war das einzige, was von ihr übrig war und es hatte sich mächtig angefühlt. Ich hatte gefleht, es möge mir meine Mutter wiedergeben. Auf irgendeine Weise wurde mein Flehen sogar erhört. Doch wir Sterblichen bekommen nichts ohne einen Preis zu zahlen."

Harry war geschockt und versuchte, das Gesagte zu verdauen. Einige von Lunas Eigenheiten machten jetzt viel mehr Sinn. Jetzt verstand er auch, wieso ihr Vater sich schuldig fühlen musste. Seine Tochter hatte sich auf einen Handel mit irgendeiner Macht eingelassen und er hatte nichts mitbekommen.

„Und du bist seitdem daran gefesselt? Kannte Freyja dich deswegen?", hakte Harry nun nach und Luna nickte. Wenn überhaupt möglich, sank er noch weiter in sein Kissen ein, „Das ist ein hartes Los."

„Jeder von uns hat ein hartes Los. Es herrscht Krieg, Harry." Dass in ihrer Stimme die übliche Realitätsferne fehlte, gefiel Harry auch nicht. Es machte alles so real, wenn selbst Luna bei der Sache blieb.

Vielleicht wollte er ein wenig Normalität in die Sache bringen. „Wie läuft die Schule? Ich weiß, du hattest letztes Jahr Probleme und ich weiß nicht, ob…"

„Es ist alles geklärt, Harry Potter. Aber danke. Du bist eine der wenigen Menschen, die wirklich sieht, was geschieht.", sprach Luna darauf und ihre Stimme wirkte überhaupt nicht so verträumt wie sonst.

„Aber wenn nochmal was ist dann… Und wie laufen die Vorbereitungen auf deine Prüfungen?", fragte Harry darauf. Er wusste nicht, wieso er gerade im Gespräch mit Luna so nach Strohhalmen griff.

Diese ergriff seine Hand, „Du sehnst dich nach Normalität, das ist verständlich. Aber nichts ist gerade normal. Wenn alles vorbei ist, dann ja, aber wir sehen einer Katastrophe entgegen und sich jetzt an etwas festzuhalten macht es am Ende nur schlimmer."

„Wieso sehen wir irgendwas entgegen? Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, waren wir am Gewinnen.", erwiderte Harry bissig.

Doch sie schüttelte sachte ihren Kopf, „Niemand gewinnt, wenn es Krieg gibt. Alle verlieren. Auch du."

„Das ist mir klar, Luna. Aber ich möchte mich nicht vom Leben abhalten lassen von jedem dahergelaufenen dunklen Lord. Es steht sowieso nur so schlimm um England, weil dieses Land ein Keimboden für Idioten ist!", rief Harry aufgebracht.

Er setzte sich auf. Ihm war ein wenig schwindelig und er konnte nicht sonderlich klar denken. Was war nur in ihn gefahren?

Luna lehnte sich zurück und bedachte ihn mit steinerner Miene. „Du willst sicher wissen, wieso das mit euch geschehen ist."

Harry schüttelte den Kopf, „Nein, das musst du mir nicht erklären. Ich habe eine eigene Informationsquelle was solche Dinge angeht. Aber ich habe noch immer das Gefühl, dass ich irgendwie das mieseste Los gezogen habe. Hermine hat zwar Migräne bekommen aber ich glaube nicht dass eine Stimme im Kopf sonderlich der Psyche zuträglich ist."

Lunas Augen weiteten sich, „Eine Stimme im Kopf? Wow. Das… Die Erfahrung ist für jeden anders, das musst du verstehen. Nicht alle erleben die Welt so wie du und daher ist auch das Empfangen der Gaben anders für jeden Menschen."

„Weißt du was das Schlimmste ist?", fragte Harry nun stoisch, „Ich kann mich an alles erinnern. In meinem Kopf sind alle Erinnerungen aufgeknackt worden wie Nüsse. Ich… versuche ein wenig mich da durchzufinden aber… es ist schwierig. Ich erinnere mich an einfach alles."

„Ich weiß, dass das schwer für dich sein muss. Aber sieh es positiv! Ich kann deinen Kopf jetzt mit allerhand nützlichen Dingen füllen und du vergisst sie nie! Wusstest du, dass in der Größenordnung in der Schlickschlupfe leben, sich die Luft so anfühlt als wäre sie Pudding?"

Harry starrte Luna an und wusste nicht, ob sie das nun ernst meinte oder nicht. Für einen Moment war sein Kopf leer und er starrte Luna an, bis er sah, dass ihre Mundwinkel ein wenig nach oben zuckten.

„Du verarschst mich.", kommentierte er trocken, „Sehr lieb von dir."

„Immer gerne. Außerdem mag ich Pudding!", rief sie jovial und mit ihrer üblichen, leicht verträumten Stimme.

„Das hast du schon mal erwähnt.", erwiderte Harry.

Er wusste nicht wieso, allerdings hatte er das dringende Bedürfnis, seine Aura zu unterdrücken. Er nahm ein paar tiefe Atemzüge, und versuchte sich zu konzentrieren. Den Gegeneffekt zu seiner Aura herzustellen war nicht einfach – ein Zeugnis davon, dass sie nicht gerade schwach war. Luna blickte ihn erstaunt an.

„Du bist ja weg!", rief sie.

Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, „Ist gut wenn man unterm Radar abtauchen will!"

„Ich muss jetzt aber. Ich habe noch Zeitungen zu verteilen!", sprach sie nun fröhlich und richtete sich auf. Sie zupfte ihren Rock zu recht und machte einige Schritte Richtung Tür, ehe sie Harry aufhielt.

„Luna, warte."

Sie drehte sich um und blickte ihn verwirrt an.

„Geh mit mir aus.", rief Harry ihr nun zu.

Vielleicht war er wirklich bekloppt geworden. Ihrem Blick nach zu urteilen, auf jeden Fall.