.

.

Als Kurt am nächsten Morgen erwachte, sahen ihn zwei bernsteinfarbene Augen liebevoll an und sein Herz begann sofort schneller zu schlagen. An so ein Erwachen konnte er sich wirklich gewöhnen.

„Gute Morgen!" sagte er schläfrig und rieb sich die Augen.

„Guten Morgen, Sonnenschein!" erwiderte Blaine und strahlte ihn an.

„Du bist schon länger wach, oder?" Kurt drehte sich zu ihm. „Bist du morgens immer so gut gelaunt?"

„Nur, wenn ich am Abend zuvor meine Jungfräulichkeit an den hübschesten und tollsten Mann der ganzen Welt verloren habe, den ich auch noch zufällig über alles liebe!" flüsterte Blaine und strahlte dabei wie ein kleiner Junge am Weihnachtsmorgen.

Kurts Herz quoll über vor Liebe für Blaine. Er seufzte. „Weißt du, dass du einfach nur wundervoll bist?" Zärtlich strich er ihm über die Wange. „Ich bin so glücklich, dass ich das gestern mit dir erleben durfte!"

„Und ich bin glücklich, dass du mein Erster warst, Kurt!" Blaines Unterlippe zitterte etwas und Kurt beugte sich schnell vor und küsste ihn sanft.

„Ich auch!" murmelte er, als er sich von den Lippen seines Freundes löste.

„Wie wäre es mit Frühstück?" fragte Blaine und grinste. „Ich habe einen Bärenhunger!"

„Das glaube ich!" antwortete Kurt und grinste ebenfalls. „Wie wäre es, wenn du Brötchen holst und ich schnell unter die Dusche springe?"

„Viel lieber würde ich wieder mit dir zusammen duschen!" erwiderte Blaine und fuhr mit dem Zeigefinger aufreizend langsam über Kurts Brust. Anschließend wollte er Kurt küssen, doch der legte einen Finger an Blaines Lippen und wehrte den Kuss so ab. Er beugte sich zu Blaine vor und flüsterte ganz nah in sein Ohr: „Beim nächsten Mal, okay? Und dann zeige ich dir, was ich mit meiner Zunge noch so alles kann!" Er leckte kurz an Blaines Ohrläppchen und hörte zufrieden, wie sein Freund leicht aufkeuchte. Als er schnell aus dem Bett verschwand und nackt wie er war in Richtung Badezimmer lief, hörte er Blaine noch ein empörtes „Kurt!" hinter ihm herrufen.


Eine halbe Stunde später saßen sie sich gegenüber am Küchentisch und frühstückten. Santanas Worte aus der vergangenen Nacht fielen Kurt wieder ein. „Santana hat gestern Nacht deinen Scheck gefunden und ist damit zu uns reingeplatzt!"

Blaine sah ihn erstaunt an. „Wirklich? Ich habe gar nichts davon mitbekommen." Er griff nach einem Croissant und nach der Butter.

„Sie war ziemlich laut, weil sie verständlicherweise völlig aus dem Häuschen war bei dem Betrag. Du, mein lieber," Kurt zeigte mit dem Messer auf ihn, „hast geschlafen wie ein Stein, was wohl an dem gelegen hat, was du vorher mit mir gemacht hattest!" Er sah seinen Freund grinsend an und biss sich leicht auf die Unterlippe. Die Erinnerungen an letzte Nacht brachten sein Herz erneut zum schneller Klopfen. An der Reaktion von Blaine sah er, dass es ihm anscheinend genauso ging.

Blaine wurde rot und verschluckte sich an seinem Croissant. Erst nach einem kräftigen Hustenanfall und einem Schluck Kaffee konnte er wieder sprechen. „Ähm, hast du ihr gesagt, wo das Geld herkommt?" fragte er und hustete noch einmal.

„Ja, habe ich und sie meinte nur, dass es jetzt ja wohl klar wäre, dass wir beide bald zusammen ausziehen und uns eine eigene kleine Wohnung nehmen würden. Hast du darüber schon mal nachgedacht, Blaine? Ich meine, ich liebe dieses Apartment, aber die Idee zusammen mit dir in einer eigenen Wohnung zu wohnen, ist wirklich verlockend. Das heißt, ähm… natürlich nur, wenn du das überhaupt möchtest!" Nun war Kurt es, der leicht rot geworden war. „Ich meine, mit mir!"

Blaine beobachtete ihn und lächelte. Er griff nach Kurts Hand. „Weißt du, dass du richtig niedlich aussiehst, wenn du verlegen bist! Natürlich würde ich gerne mit dir zusammen wohnen, aber…" Er stockte und sah sich um.

„Aber?" fragte Kurt neugierig.

Blaine holte tief Luft. „In diesem Apartment fühle ich mich sehr wohl, Kurt. Du hast es mit so viel Liebe eingerichtet, das erkenne ich in jedem Detail hier und es ist das erste Mal, dass ich mich seit langer Zeit irgendwo wirklich wohl und willkommen fühle. Natürlich ist die Abgrenzung der Zimmer mit diesen Tüchern nicht das, was man unter wirklicher Privatsphäre versteht und sich das Bad mit Santana und Rachel zu teilen, ist manchmal auch eine große Herausforderung, aber ob du es glaubst oder nicht, ich liebe dieses Apartment mit Sicherheit genauso wie du." Er sah sich erneut um. „Was ich besonders daran mag ist, dass ich, auch wenn du noch arbeiten musst oder länger in der NYADA bist, meist immer jemanden habe, mit dem ich reden oder essen oder einfach nur lachen kann. Ich fühle mich hier nie allein und so bin ich immer abgelenkt von meinen manchmal sehr düsteren Gedanken, die von Zeit zu Zeit wie aus dem Nichts auftauchen und mich bedrängen." Er drückte Kurts Hand und sah seinen Freund liebevoll an. „Irgendwann möchte ich eine Wohnung mit dir, weil das wirklich sehr verlockend klingt, aber verstehst du mich, wenn ich im Moment viel lieber genau hier wohnen bleiben würde?"

Kurt stand auf und ging zu seinem Freund hinüber. Vorsichtig setzte er sich auf seinen Schoß und schlang seinen Arm um seinen Hals. Er gab ihm einen kurzen Kuss. „Ich verstehe dich, Blaine! Ich bin froh, wenn wir noch eine Weile hier wohnen. Auch wenn es mit Rachel und Santana manchmal nicht einfach ist, habe ich sie aber wiederum auch sehr gerne um mich. Das einzige ist, wir werden lernen müssen beim Sex etwas leiser zu sein, obwohl ich so gerne höre, wie du stöhnst und meinen Namen rufst, wenn du zum Höhepunkt kommst!" Seine letzten Worte hatte Kurt in Blaines Ohr geflüstert.

Kurts Worte ließen Blaines Atem schneller gehen und er zog ihn enger an sich. „Du kannst dich nach der letzten Nacht nicht einfach auf meinen Schoß setzen und so etwas zu mir sagen, Mr. Hummel!" Blaine fasste ihn im Nacken und zog ihn in einen innigen Kuss.

„So? Kann ich nicht?" neckte ihn Kurt und bewegte sich etwas auf seinem Schoß hin und her. Mit Freude beobachtete er, wie Blaine seine Augen schloss und geräuschvoll nach Luft schnappte.

„Kurt, hör auf…!" flüsterte Blaine.

„Sonst was?"

„Sonst müssen wir deine Theorie mit dem leisen Sex sofort ausprobieren!" erwiderte Blaine und sah, wie Kurt sich auf die Unterlippe biss, was ihn nur noch mehr anmachte.

Kurt spürte, dass sich bei Blaine durch seine Worte und seine Bewegungen auf seinem Schoß bereits Auswirkungen spüren ließen und ein Kribbeln durchzog seinen Körper. Er stand auf und reichte seinem Freund seine Hand. „Lass es uns ausprobieren!" sagte er verführerisch. Blaine griff sofort nach seiner Hand und ließ sich von seinem Freund mitreißen.


Einige Zeit später lagen sie völlig außer Atem nackt und eng aneinandergepresst im Bett und genossen den Nachklang ihrer beider Höhepunkte. Leise zu sein, war erregend gewesen und immer, wenn Kurt zu laut stöhnte, hatte Blaine seinen Mund mit seinem verschlossen.

Kurt lag mit seinem Kopf auf Blaines Brust und lauschte fasziniert seinem langsamer werdenden Herzklopfen. In seinem Kopf drehte sich noch immer alles und er wusste, er würde morgen und die nächsten Tage wund sein und wahrscheinlich humpeln, doch das war ihm egal. Zu schön war das gewesen, was er gerade mit dem Mann, den er liebte, hatte erleben dürfen. Sein Körper würde sich wieder erholen, aber die Spuren dieser innigen Verbundenheit, die er erneut mit Blaine verspürt hatte, würden für immer auf seiner Seel e zu finden sein.

„Das … das war … einfach … wow…"" Blaine fand keine Worte.

Eine Weile lagen sie nur still und genossen die Nähe des jeweils anderen.

„Ich denke, das mit dem leise sein, haben wir ganz gut hinbekommen, doch ich befürchte, dass wir das nicht immer so schaffen werden!" flüsterte Blaine und strich Kurt sanft über die Schulter.

„Willst du doch ausziehen?" fragte Kurt. Er würde Blaine für keine Nacht mehr freiwillig allein lassen. Wenn es sein musste, würde er auch dieses Apartment und damit auch Santana und Rachel verlassen. Wenn es sein musste, würde er mit Blaine nach Alaska ziehen, nur um bei ihm zu sein.

Blaine dachte eine Weile nach. Ihm war beim Anblick der Vorhänge ein Gedanke gekommen, der ihm sehr gefiel. „Wie wäre die Idee, nicht auszuziehen, dafür aber diese Vorhänge durch Wände zu ersetzen? Immerhin habe ich jetzt Geld zur Verfügung und wir könnten alles so ändern, wie wir es wollen."

Kurt hob seinen Kopf interessiert und legte sein Kinn auf Blaines Brust. „Du meinst, wir lassen Handwerker kommen, die hier Wände einziehen und somit richtige Zimmer für jeden schaffen? Diese Idee hatten Rachel und ich am Anfang auch, aber das war uns alles viel zu teuer und wir konnten es uns auch nicht leisten."

„Genau so meine ich es!" Blaine nickte. „Diese Wände wären zwar nicht so gut und so dick wie gemauerte, dafür hätte jeder von uns mehr Privatsphäre und …", er machte eine kleine bedeutsame Pause, „es gäbe eine Zimmertür, die man abschließen kann."

„Das, Mr. Anderson, klingt wirklich mehr als nur verlockend." Kurt fing an zu lächeln. „Lass uns das gleich mit den Mädels besprechen, wenn sie aufgewacht sind!" In Gedanken fing Kurt bereits an zu planen, was er an die neuen Wände seines und Blaines Zimmer hängen könnte. Blaines Idee war seiner Meinung nach brillant.

Dies fanden auch Rachel und Santana, die ein paar Stunden später natürlich nicht nur für diese Idee schnell Begeisterung fanden, sondern denen auch der Gedanke gefiel, nicht ausziehen oder sich neue Mitbewohner suchen zu müssen.


Blaine kümmerte sich bereits am nächsten Tag um die Genehmigung des Eigentümers sowie um eine Baufirma, die in etwa zwei Wochen mit den Arbeiten beginnen konnte. In diese Vorbereitungen hinein erreichte ihn ein Anruf seines Bruders, der ihm den genauen Termin der Taufe seines Neffen durchgab und der mit ihm abmachte, dass er bereits ein paar Tage eher zusammen mit Kurt nach L.A. kommen sollte. Cooper hatte Flüge für sie beide besorgt und Blaine kam gar nicht dazu, ihm von seinem plötzlichen Reichtum zu erzählen. Er beschloss es von Angesicht zu Angesicht in L.A. zu tun. Er freute sich schon sehr auf den Gesichtsausdruck seines Bruders, wenn er davon erfahren würde.

Das Geld war mittlerweile auf sein Konto eingezahlt worden und den Blick des Bankangestellten, der den Scheck in Empfang genommen hatte, würde Blaine wahrscheinlich niemals vergessen können. Er war einfach unbezahlbar gewesen. Er hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Angestellte in Ohnmacht fallen würde, doch dies war nicht geschehen. Kurt hatte unbemerkt ein Foto mit seinem Handy von dem Mann in der Bank gemacht und dieses Foto hing jetzt mit einem Magneten befestigt an ihrem Kühlschrank.

Blaine hatte zusätzlich zu der großen Einzahlung ein Konto auf den Namen seines Neffen eröffnet und 250.000 Dollar darauf eingezahlt. Das Geld sollte für Devons Ausbildung und für eine vernünftige Universität seiner Wahl ausreichen. Blaine wollte so dafür sorgen, dass sich sein Neffe niemals Gedanken darüber machen brauchte, welche Universität er sich leisten konnte. Er sollte immer die Möglichkeit haben, all seine Träume in Erfüllung gehen zu lassen.


Zwei Tage bevor Kurt und Blaine nach L.A. fliegen würden, erreichte Kurt ein merkwürdiger Anruf. Er war gerade auf der Arbeit, als sein Handy klingelte. Der Anrufer war Cooper und Kurt nahm den Anruf sofort entgegen.

„Hallo Cooper, alles in Ordnung bei euch?" fragte er etwas besorgt, weil ihm schon wieder tausend beunruhigende Gedanken durch den Kopf schossen, warum Blaines Bruder ihn wohl anrufen würde.

„Hey, Kurt! Ja, alles bestens hier! Du wunderst dich bestimmt warum ich anrufe, daher spanne ich dich nicht zu lange auf die Folter. Weißt du, ob Blaine einen schwarzen Anzug hat?"

„Einen schwarzen Anzug? Wieso willst du das wissen?" fragte Kurt irritiert.

„Hat er einen oder nicht?" fragte Cooper zurück.

„Ja…ja, er hat einen oder sogar zwei. Er braucht sie ab und zu für formelle Konzerte, aber wieso fragst du?"

„Das werde ich dir nicht erklären, weil es auch für dich eine Überraschung sein soll, liebster Kurt! Bitte sorge einfach dafür, dass du einen schwarzen Anzug für ihn und auch für dich mitnimmst, aber mein Brüderchen sollte nichts davon erfahren, okay?"

„Ähm, okay!" erwiderte Kurt immer noch leicht irritiert.

„Super!" hörte er Coopers begeisterte Stimme durch sein Handy. „Dann sehen wir uns morgen!"

Und schon hatte er aufgelegt. Kurt betrachtete sein Handy verwundert und überlegte, was dieser Anruf wohl zu bedeuten hatte. Nach einer Weile gab er auf, da ihm einfach kein Grund einfiel, wieso Blaine und er schwarze Anzüge bräuchten. Vielleicht sollte die Taufe nur formeller stattfinden als geplant, eine andere Erklärung fiel Kurt nicht ein.


.

.

Was meint ihr? Was plant Cooper? Warum brauchen Kurt und Blaine einen schwarzen Anzug?