Er muss sie finden, sonst wird man ihn für sein Versagen bestrafen. Warum musste Aiden dieser Narr unbedingt seine Nase in fremden Angelegenheiten stecken? Vincent würde es lieber vermeiden, seinen langjährigen Partner auszuschalten, aber im Zweifelsfall würde er ihn töten.

Das Haus ist groß und das Arbeitszimmer gut geschützt, aber irgendwie muss er die Beweise vom Projekt finden.

Nicht auszumalen was passieren würde, wenn Aiden sie Al geben würde!

Er hält kurz inne, ein Geräusch hat ihn aufschrecken lassen. Er lauscht, aber als er auch nach einigen Minuten keinen weiteren Laut hört, fährt er fort. Er durchsucht gerade die Schublade von Aidens Schreibtisch, als die Tür aufgestoßen wird.

»Was isn hier los?« Ein Junge, noch keine zehn Jahre alt, schaut Vincent verschlafen an. Ach stimmt ja, Aiden hat ja jetzt Familie. Auch Vincent hat eine Tochter, in etwa das gleiche Alter wie dieser Knabe mit den orangen Haaren.

»Daddy, ich hab dir doch gesagt dass hier jemand ist.« Vincent möchte dem Kind gerade den Mund zu halten, aber schon taucht die Gestalt seines ehemaligen Partners hinter dem Jungen auf.

»Mach dir keine Sorgen, Tibor. Das ist nur ein alter Freund. Geh wieder ins Bett, sonst weckst du noch deinen Bruder auf.«

Widerwillig geht das Kind wieder die Treppe hoch zu seinem Zimmer, er hätte gern mehr über diesen unbekannten Mann erfahren.

Kaum ist sein Sohn weg, packt Aiden Vincent am Kragen. »Was machst du hier? Habe ich dir nicht schon einmal gesagt, dass du dich von meiner Familie fern halten sollst?«

»Netter kleiner Junge, sicher dass er von dir ist?«

Mit einem harten Schlag presst Aiden seinen Gegner gegen die nächste Wand.

»Ich wiederhole mich nur ungern, Vincent: Was machst du hier?«

»Ich bin nicht hinter deiner lächerlichen kleinen Familie her, sondern hinter den Informationen, die ihr und die Devonshires über das Projekt gesammelt habt. Gib sie mir freiwillig oder...«

»Oder was? Du kannst mich nicht besiegen Vincent, und das weißt du genau.«

Trotz der Wut in Aidens Augen verschwindet dieses Grinsen nicht von Vincents Gesicht.

»Dich kann ich nicht verletzen, aber deine Kinder schon.«

Aidens Faust bricht ihn die Nase, der Zorn des Agenten kennt nun keine Grenzen mehr.

»Bist du wirklich so feige, dass du schon Kinder angreifen musst? Und du warst mal mein Partner!«

»Und das könnte ich immer noch sein«, sagt Vincent, während das Blut aus seiner Nase seine Wangen herab läuft, »Wenn du mich nicht durch diese Isabelle ersetzt hättest. Warum bist du mir nicht gefolgt? Du hättest alles haben können, aber du hast dich für eine Familie entschieden.«

»Nicht jeder ist wie du. Ich habe meine Frau nicht mit einem Kind sitzen lassen.« Der Schrei seines dreijährigen Sohnes Julius hält Aiden von einer weiteren Bemerkung ab. Rauch steigt in seine Nase, sie haben doch nicht...

Ein letztes Mal schlägt er Vincent in den Mangen, dann stürmt der die Treppen hoch zu den Kinderzimmern. Isabelle steht schon dort, den weinenden Julius auf den Arm. »Wo ist Tibor?« Sein ältester Sohn ist nicht in seinem Zimmer. So wie Aiden ihn kennt, hat es sich der Achtjährige nicht nehmen lassen, zu lauschen.

Der Knall eines Schusses lässt ihn das Schlimmste vermuten, und zusammen mit seiner Frau und den Kleinen rennt er die Holztreppe herunter, die an einigen Stellen schon Feuer gefangen hat. Durch den Rauch hinweg sieht er Tibor am Boden liegen, sein Kopf blutet stark. Aiden eilt zu seinem Sohn, der zu seiner Erleichterung nur eine Platzwunde davon getragen hat.

Aber für wen war der Schuss bestimmt?

Mit den bewusstlosen Tibor auf den Schulten rennt zurück zum Arbeitszimmer, wo Vincent sich keuchend an seinem Schreibtisch abstützt, seine Hand auf das blutende Loch in seiner Brust gedrückt.

»Hilf mir!«, keucht er hervor, eine riesige Feuerwand trennt ihn von seinem alten Partner. Aiden versucht, Vincent zu erreichen, aber der Rauch und das Feuer hindern ihn daran. Tibor wird den Rauch nicht mehr länger ertragen können.

Mit seinem Sohn rennt der Agent aus seinem alten Zuhause, die Trauer und Schuldgefühle über den Verrat an seinem alten Freund werden Aiden noch sein ganzes Leben lang verfolgen.