Kapitel 48
26. August, London
Verdammt noch mal, Severus - hören Sie endlich damit auf, jedes Mal das Meer zu beschreiben, wenn Sie zornig auf mich sind!
Ich hasse dieses verfluchte Meer - es trennt mich von Ihnen! Wäre es nicht da - wären da nicht die Sicherheitsvorkehrungen, die widerwärtige, schreckliche und überaus gefährliche Kriminelle wie Sie, von braven Bürgern wie mir trennen, so würde ich jetzt vor Ihnen stehen und Ihnen geben, was immer sie von mir haben wollen.
Nein - ich spreche nicht von Liebe - ich werde dies nie wieder tun!
Aber ich spreche von Lust, von Leidenschaft, von meinem Körper unter dem Ihren!
Können Sie sich das vorstellen? Es wäre nicht der Schoß einer Frau, die nur vorgibt ich zu sein - es wären mein Mund, meine Brüste, mein Schoß, die Sie Ihr Eigen nennen könnten. Aber da ist das Meer - da sind die Sicherheitsvorkehrungen und da ist Severus Snape, der zwanghaft von sich stoßen muss, was ihm ein Gefühl von Liebe entgegenbringt.
Sie sind zufrieden, wenn ich Ihnen nicht verzeihen kann, was Sie vielleicht tun werden?
Ich habe leider schlechte Neuigkeiten für Sie - ich kann Ihnen verzeihen!
Wenn es so ist, wie Sie sagen - woran ich keine Sekunde zweifle - wenn Narcissa ihren Mann gerne auf diese Weise vorführt, so haben Sie meinen Segen...der Ihnen ohnehin nichts bedeutet und der keinen Einfluss auf Ihr Handeln haben wird.
So wie ich die Sache sehe, treffen Sie Lucius Malfoy viel härter damit, wenn Sie es nun sind, der seine Frau nimmt - es wird ihn mehr schmerzen, als wenn es zehn andere Männer täten.
Da Sie bislang der Einzige sind, der Narcissa noch nicht besessen hat, wird es Lucius Malfoy einen Pfahl durch das Herz jagen, wenn Sie es nun doch tun.
Doch erwarten Sie kein Bedauern von mir, wenn es Sie anekelt, Narcissa für die Wiederherstellung der Ordnung auf Ihrer Insel ficken zu müssen.
Es sind die verdammten Regeln Ihrer Insel, die dafür sorgen, dass Sex zur Bestrafung eingesetzt wird.
Ich bin mir jetzt völlig klar darüber, dass es mir immer Schmerz bereiten wird, mit Ihnen in Kontakt zu stehen und von den Dingen zu hören, die Ihnen widerfahren.
Sie können nichts dafür, dass es mir wehtut, und Sie haben mich nun oft genug gewarnt.
Aber ich bin immer noch hier!
ICH BIN NOCH HIER!
Wollen Sie, dass ich gehe?
Sie versprachen mir, weiter für mich da zu sein - doch nun habe ich das Gefühl, dass Sie dafür sorgen wollen, dass ich es bin, die sich zurückzieht.
Ja, ich werde für Hadass da sein, egal was Sie mir antworten.
Ich werde für die Frau sorgen, für die Sie sich in eine Schlucht gestürzt haben, die so tief ist, dass ich nicht sicher bin, ob Sie den Weg tatsächlich wieder hinaus finden.
Ich kann Ihnen nur meine Hand anbieten - Sie wollen alles von mir? Sie hatten alles von mir, aber Sie wiesen es zurück.
Sie hatten alles, außer meinen Körper. Wollen Sie ihn?
Dann sollten Sie jetzt wissen, dass meine Hand sich zwischen meine Schenkel schiebt, während ich mir vorstelle es ist die Ihre.
Das Zittern der Schrift sollte Sie nicht irritieren, stammt es doch lediglich daher, dass ich an Sie denke, während mein Finger durch die Nässe gleitet, die so schnell zunimmt, dass die Reibung nicht intensiv genug ist. Also muss ich den Druck erhöhen. Ich spüre die Anspannung, deren Wellen immer höher schlagen und stelle mir vor, dass dies lediglich das Vorspiel einer langen Nacht zwischen uns ist. Einer Nacht, in der Sie mir zeigen, was es für Sie heißt, sich das zu nehmen was Sie brauchen. Ich spüre die nahende Ekstase und ich sehe Ihre Augen vor mir, die mich voller Verlangen anfunkeln. Mein Atem setzt für einen Moment aus, als das lustvolle Vibrieren mich überrollt - und es sind Ihre Finger, die sich in mich schieben und das Zucken meiner Muskeln lässt Sie nach mehr verlangen - denn dies wäre nur der Anfang!
Sex ohne Liebe - ja, dies ist möglich!
Aber ich stelle mir inzwischen die Frage, ob auch Sex trotz Liebe möglich ist.
Wenn ich Sie nun doch lieben würde...auch wenn Sie meine Fähigkeit diesbezüglich anzweifeln, es in solch kurzer Zeit überhaupt erkennen zu können, ob ich Sie wahrhaft liebe...doch angenommen es wäre so...dann frage ich mich, ob ich in der Lage wäre mit einem anderen Mann das zu erleben, was ich mir vergeblich erträume mit Ihnen zu erleben.
Ich denke ich sollte es herausfinden, nicht wahr?
Sie sagen, es ist nicht gut, dass wir uns schreiben - was könnte uns jetzt noch passieren, frage ich Sie?
Warum haben Sie solche Angst, dass ich in Ihnen das Gute sehe? Ja, ich weiß, dass Sie immer noch Severus Snape sind...von mir aus der dunkle Lord...nennen Sie sich wie Sie wollen...nennen Sie mich wie Sie wollen... wir wissen wer wir sind - wir haben uns gegenseitig in die Karten gesehen und jeder Bluff kann jetzt nur noch gelingen, wenn wir dafür auch uns selbst hereinlegen.
Sie wünschen sich, dass meine Gefühle wahr wären, können Sie aber nicht mit Ihrer Realität in Einklang bringen?
Ihre Realität ist so von den grausamen Gesetzen Ihrer Insel bestimmt, dass es mich kaum wundert, dass Sie mir mein Gefühl von Liebe nicht glauben können.
Ich werde Sie nicht mehr damit bedrängen und es tut mir leid, dass ich nun schon wieder davon sprach.
Eben war ich bei Hadass. Sie ist jetzt längst nicht mehr so schläfrig, sondern sitzt im Bett und scheint nachzudenken. Ich bot ihr an, ihr beim Aufstehen zu helfen, doch sie hielt es noch für zu früh. Sie sah mich lange an und ich wich ihrem Blick aus, so gut es ging. Als ich mich abwandte um das Fenster zu öffnen, sagte sie plötzlich: "Er hat Ihnen weh getan, nicht wahr?"
Ich drehte mich zu ihr um und fragte: "Wer soll mir weh getan haben?"
Sie antwortete mir nicht sondern sagte: "Er kann manchmal nicht anders."
Ist es wahr...können Sie manchmal nicht anders?
Harry will später vorbeikommen und mich besuchen. Ich vermute sein Besuch gilt nicht wirklich mir und ich freue mich, dass er Hadass etwas Abwechslung bringen wird. So gern ich ihr auch Gesellschaft leiste, so sehr fühle ich mich befangen in ihrer Gegenwart.
Es ist ihr Blick - ihre harmlos gestellten Fragen, die mir zeigen, dass sie über Dinge Bescheid weiß, von denen ich eben noch sagte, dass ich sie nicht wieder erwähnen würde.
Es ist inzwischen der Mittag des 26. August und so habe ich das Datum meines Briefes korrigiert, denn ich begann ihn noch am Abend des 25. zu schreiben.
Ich muss Ihnen etwas mitteilen.
Sie schienen mir plötzlich so unendlich fern, Severus, dass ich es nicht länger aushielt...ich habe Sie gesehen.
Ich musste das Gefühl bekämpfen, dass Sie für mich genauso unerreichbar sind, wie Pluto und Charon.
Da Sie mir schrieben, dass Sie sich für diese Nacht keine Frau ins Bett geholt hatten, konnte ich mir sicher sein, Sie nicht bei etwas zu beobachten, was mich höchstens noch mehr aufgewühlt hätte.
Es tat so unglaublich gut, Sie friedlich schlafen zu sehen. Ich weiß nicht, ob Ihre Träume wirklich friedlich waren, aber ihr Gesicht sah im Mondschein entspannt aus - wenn ich auch nur einen Teil erkennen konnte, da Ihr Haar darüber lag. Es ist so lang, wie meines - vielleicht sogar länger - und ab und an ließ eine Brise vom Meer her, die durch Ihr geöffnetes Fenster hereinwehte, es leicht schwingen. Ihr Arm zuckte mehrfach, so dass es wohl nur mein Wunschdenken ist, dass Ihr Traum sie entspannte.
Sie gaben mir die Erlaubnis mir den Zeitpunkt selbst auszusuchen, an dem ich Sie auf diese Art besuche - und ich weiß, dass ich Ihnen andeutete, es würde der Sonntag sein...ich konnte nicht warten...sehen Sie es als eine Bestätigung meiner immensen Neugier - aber ich habe doch schon lange durchgehalten, dies müssen Sie mir wenigstens zugestehen!
Wenn Ihre Abschiedsworte des letzten Briefes ernst gemeint waren, so antworten Sie mir einfach nicht...ich sagte Ihnen ja, dass ich die Bedeutung eines kalten, schnellen Schrittes verstehen würde.
Ihre Hermine Granger
