LII. Asialäden sind böse!
Wenn nur diese Schreie nicht wären. Wieder ertönte das schrille kreischen des Jungen, der zum Glück eine Bettdecke zwischen den Zähnen hatte. Obwohl sich Percy und der Gargoyle alle Mühe gaben den Burschen niederzuhalten war es ungemein schwierig die Hautlappen über der dünnen gelblichen Fettschicht abzuziehen, erst recht wenn man etwas so unhandliches wie ein kleines Küchenmesser hatte. Aber ein Skalpell hatte ein Geschichtsprofessor natürlich nicht im Haus gehabt, wozu auch? Es war eine blutige Arbeit, mir stand der Schweiß auf der Stirn, ich durfte nicht zu tief schneiden. Schließlich wollte ich Hautlappen, nicht Hautlappen mit vergammelnden Muskeln dran. Ich nahm die Desinfektionsflasche und sprühte noch einmal um zu verhindern, dass sich Bakterien einnisteten. Früher hätte man eine solche Wunde ausgebrannt, aber da wir hier weder ein Feuer hatten noch ich über Erfahrung verfügte würden wir das bleiben lassen. Nach weniger als 5 Minuten hatte ich alles frei geschnitten und begann dann die Säge anzusehen. Schnell merkte ich, dass sie eigentlich nicht dafür geeignet war Knochen zu sägen. Der Junge schrie und jaulte herzerweichend, verdammt das musste man in der ganzen Stadt hören so leise wie es draußen war. Bestimmt bekamen wir gleich unfreundlichen Besuch. Am liebsten hätte ich Percy nach unten geschickt, aber man brauchte zwei Leute um den Jungen niederzuhalten, nicht weil Percy oder de Miseré zu schwach gewesen wären, sondern weil man allein einfach keinen gesamten Körper stillhalten kann. Kratzend sägte sich die Säge durch den Oberschenkelknochen, unmittelbar über dem noch freilegenden Kniegelenk. Wenigstens erwischte ich kein Knochenmark, aber trotzdem fragte ich mich wie ich das wieder zukriegen sollte. Während der Gargoyle offensichtlich nicht sonderlich große Probleme hatte. war Percy mal wieder kurz davor zu koten, naja, viel besser als ihm ging es mir wohl kaum - jedenfalls dem Gefühl nach. Meine Hände blieben dennoch ruhig, ich zwang mich dazu in dem warmen, blutigen Oberschenkel herum zu sägen.
Schließlich fiel der Rest des Beines ab und ich konnte die Hautlappen stramm ziehen. Ich nutzte das Panzertape, welches Percy aufgetrieben hatte und klebte den Stumpf stramm zusammen. Er blutete dennoch ein wenig. Also legte ich am Oberschenkel noch einen Druckverband an und löste nun die dreckige Kordel welche dafür gesorgt hatte das der Junge nicht schon längst verblutet war. Nun musste ich das Ganze noch einmal machen. Es klappte beim zweiten Mal besser, auch wenn meine Augen brannten in meine Muskeln sich verspannten. Ich hätte die verdammte Rüstung gar nicht erst anziehen sollen. Ich saß hier oben in Unterhosen herum und flickte die geschundenen Beine Eines kleinen Jungen wieder zusammen, das glaubte mir wohl nicht einmal ein Biograph mit Spitzenhonorar. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wahrheit kaum mehr als 45 Minuten gewesen sein konnte war ich endlich fertig. Der Junge war schweißgebadet und mehrfach Bewusstlos geworden. Er atmete heftig und blickte ins Leere. Das Gesicht verzerrte sich zu einer Ängstlichen Grimasse, er begann zu quietschen wie an abgestochenes Schwein, die Arme zuckten. "Mama! Hilfe nein, sag doch was!" der Junge begann zu schluchzen und fuchtelte mit den Armen. Ich legte ihm die Hand auf die nasse Stirn, sie war heiß, entweder er hatte Fieber oder der Stoffwechsel bullerte einfach nur wie verrückt, weil zu viel Adrenalin in seinen Adern unterwegs war. Ich tippte auf letzteres, um seinetwillen. "Ich kümmere mich um ihn." sagte der Gargoyle. "Ich denke der Junge kann noch eine Ordentliche Portion Schmerzmittel vertragen. Habt ihr eigentlich etwas zu Essen hier?" fragte Miseré ich fragte mich wie man in dieser Situation ans Essen denken konnte.
"Ja - in den Rücksäcken. Aber wir können sie jetzt ans Essen denken!" knurrte ich "Essen beruhigt junger Freund - außerdem muss ich mich doch erst vergewissern ob überhaupt etwas für ein zivilisiertes Mahl vorhanden ist. Eine Zwiebelsuppe wäre vorzüglich - überbacken mit echtem Camembert, Emmentaler und Mozzarella, herrlich gerösteten Charlotten, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer, geröstetes Baguette!" schwärmte der Gargoyle dem die französische Lebensart ziemlich nahe zu gehen schien. "Verdammt wir haben doch kein Baguette dabei Mann - wir haben nicht mal unsere Rücksäcke gepackt!" protestierte Percy aufgebracht. "Wirklich,. ich hatte von Halbgöttern mehr Lebensart erwartet, habt ihr wenigstens einen guten Wein dabei?" fragte Francois de Miseré fast schon verzweifelt. "Nein, ich glaube nicht. Davon abgesehen haben wir echt wichtigeres zu tun." erklärte ich. "Wie wichtigeres?" fragte Percy verdattert. Dann schlug er sich mit der Hand vor die Stirn. "Natürlich, wie konnte ich das vergessen. Wir müssen erst einmal noch Beverly Hills." stellte er verärgert fest. "Einen von Euch könnte ich vielleicht hinfliegen." stellte der Gargoyle fest. "Ohne die Rüstung und Gepäck versteht sich." stellte er fest. "Das würde aber wohl kaum etwas bringen." antwortete er. Damit hatte er statistisch gesehen recht, er konnte ja nicht wissen das vor ihm die beiden mächtigsten Halbblute seit Achilles standen!" Wenn er sich wunderte das ich keinerlei blaue Flecken hatte, dann ließ er es sich nicht anmerken. Davon abgesehen das die ja auch nicht unbedingt zu sehen sein mussten. "Nein, wir müssen schon beide dort hin." stellte ich klar.
"Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass hier noch mehr in der Gegend ist, wenn Lykaon sich hier häuslich eingerichtet hatte." stellte ich fest. Der Gargoyle nickte. "Dem stimme ich zu - auch wenn ich eigentlich nur hier war um eine Weinkollektion für mein Restaurant zu erwerben ist mir doch nicht entgangen, welch eine Masse an Monstern sich hier herumtreibt. Als dann diese schrecklichen Kämpfe begannen." de Misere schauderte, während des Zitterns hörte es sich so an als schabten Steine übereinander. "Es war grauenvoll, Blitze - Feuer Hagel und Wasser, es war wirklich als hätten sich alle Götter gegen die Welt verschworen! Gut das hatten sie auch. Hades schickte gewaltige Truppen los und ein seltsames Automatenheer tauchte auch noch auf." er räusperte sich. "Ich hatte mehr Glück als so ziemlich jeder im Zentrum von los Angeles. Auch wenn das fliegen undmöglich war konnte ich doch immerhin davonlaufen, auch wenn ich mich schwer verletzt habe. Ich habe über eine Woche verletzt in einer dieser Häuserruinen gelegen. Und wenn ihr ein bisschen über Gargoyles wisst, dann könnt ihr euch vorstellen was für Verletzungen es gewesen sind die mich so lange niedergehalten haben." erklärte er mit einem schütteln das mächtigen Schädels. Die Flügelhaut war inzwischen schon fast wieder zusammengewachsen, nur noch kleine Löcher waren vorhanden und diese bluteten schon nicht mehr. Diese Heilungsgeschwindigkeit war wirklich beeindruckend. "Es wundert mich, dass noch keine Monster hier sind." bemerkte Percy. "Um so wichtiger ist es, dass wir sie ablenken und zerstreuen, ich denke wir sollten uns trennen und ein bisschen durch die Vorstadtstraßen stromern." fügte dieser hinzu. Das war wirklich ein cleverer Gedanke, für den kleinen Jungen konnte man nichts tun, außer ihm Wasser geben wenn er aufwachte und das konnte auch der Gargoyle tun. "Also gut, bringt eure Sachen alle hier hoch und dann versucht es - aber ich warne euch, die Monster sind gefährlich, nur die stärksten haben bis jetzt überlebt.
Ich würde es mir an eurer Stelle mehr als einmal überlegen ob ich mich wirklich mit denen anlegen wollte!" warnte der Gargoyle. "Sie werden euch ohne Zweifel zerreißen, wenn ihr euch erwischen lasst - die meisten dürften schneller sein als ihr." er klang entweder ernstlich besorgt, oder er wollte uns einfach bei sich behalten. Entweder um uns irgendwann zu überrumpeln, oder um von uns vor Feinden geschützt zu werden. "Wir haben schon ganz anderes überlebt als ein bisschen Versteckspielen mit Monstern, oder Percy?" wandte ich mich an meinen Freund der nickte. "Das kann man so sagen. Machen sie sich keine Sorgen Mr. passen sie nur auf den kleinen auf." wendete sich Percy an seinen Gesprächspartner. "Und wenn sie ihn auch nur anknabbern werden sie es bereuen." stellte er mit einem zuckersüßen lächeln fest. Der Gargoyle runzelte die Stirn, sein breites Maul verzog sich und die Kristalle auf seiner Haut begannen zu wachsen und bildeten eine schwarze, funkelnde Rüstung. "Reize mich nicht Halbgott, ich könnte mich entscheiden dich weich zu klopfen wie ein gutes Wiener Schnitzel!" grollte de Miseré, seine Augen waren zu gelb glühenden Schlitzen geworden. "Wir gehen dann jetzt erst einmal." klärte ich die Situation und zerrte Percy nach unten. Dort im Keller lagen immer noch unsere Rucksäcke herum, deren Inhalt durch den Kampf mit Lykaon sicherlich gelitten hatte. Als wir unten ankamen erkannten wir beide recht schnell, dass Percys Rucksack wohl kaum noch zu gebrauchen war. Er war nur noch etwa halb so dick wie meiner und von Wasser nur so durchtränkt, alles darin war nass und angequetscht. Dennoch bestand mein Kumpel darauf sich selbst ein Bild zu machen und öffnete sein Gepäckstück. Die Karte war nur noch ein aufgeweichtes Blatt Papier welches zerriss als Percy sie aus dem Rucksack holte und auf dem diffuse Farbkleckse herumschwammen. Gut - damit war eine Wegplanung auch schon gegessen. Wir konnten uns also nur auf unseren ach so renommierten Orientierungssinn verlassen. Dieser Tag war beschissen, wäre ich doch bloß gar nicht erst aufgewacht! "Ok - Also die Essensrationen können wir glaub ich vergessen." bemerkte Percy schlecht gelaunt als er mehrere aufgeweichte Keksschachteln und einige ausgelaufene Ölsardinenbüchsen aus seinem Rucksack schüttelte der ziemlich übel nach Fisch roch.
"Percy, ich glaube du solltest deinen Rucksack hier lassen, das Teil riecht so lecker das mein Magen gleich anfängt zu knurren." jammerte ich kläglich. Ich hatte jetzt einen wahren Bärenhunger. "Sehe ich genauso - aber willst du wirklich dieses Zug Futtern, Prinzenrollen mit Ölsardinen? Wer hat sich den Scheiß überhaupt ausgedacht?" brummte der Halbgott schlecht gelaunt, er war vermutlich genauso hungrig wie ich. "Tja, ich habe hier ." ich kramte im größten Fach meines Rucksacks. "Einen Bohneneintopf und - zwei Schokoladentafeln?" das war alles? Was war denn der Rest in meinem vollen Rucksack. Ich öffnete die anderen Fächer und stellte erstaunt fest, dass irgendjemand ein Kevlarseil und eine Kletterausrüstung dort eingepackt hatte. Und natürlich eine gefüllte Wasserflasche die aus jeder x-beliebigen Wallmart Filiale stammen konnte. "Jaaa, das ist es was ich auf jedenfall brauche - ein Seil." stellte ich sarkastisch fest. Percy begann zu lachen - ja sollte er doch lachen, er würde schon noch weinen, wenn der Bohneneintopf alle war! "Super - Also gut, ich bring den Rucksack hoch und du überlegst dir schon einmal eine Route die du heute ablaufen möchtest." stellte ich fest und stapfte wieder nach oben. Wir hatten jetzt einen ernsten Auftrag vor uns, und waren in denkbar schlechter Verfassung. Müde, nach einem halben Tag in diesen schweren Rüstungen, mit nicht gerade leichtem Gepäck und einem - zumindest für Percy - recht harten Kampf. Dazu kam das wir gerade einmal eineinhalb Liter Wasser besaßen, nicht einmal genug für eine Tagesration - von ausreichenden Nahrungsmittelvorräten einmal ganz zu schweigen. Hier im Haus befand sich ja auch nichts essbares mehr. Dann musste ich eben irgendwo etwas auftreiben, zum Glück war die Vorstadt hier nicht ganz so zerstört wie es auf den ersten Blick den Anschein hatte, denn auch wenn viele Dächer Stellenweise durchschlagen waren, oder manche Holzfassaden ziemlich verkohlt wirkten waren die meisten Häuser noch recht intakt. Bestimmt hatte dort auch der ein oder andere Dosenstapel überlebt, notfalls würden wir uns eben von Baked Beans und Sprudelwasser ernähren! Als ich wieder runterkam saß Percy schon bereit für die Schlacht im Flur und wartete.
"Hast dir ja wirklich Zeit gelassen alter Mann - musstest du dem Gargoyle noch ein Schlafliedchen beibringen oder was?" witzelte mein Kumpel und stand ächzend auf. "Na klar, ich hab doch nix besseres zu tun oder? Ich mein, was gibt's cooleres?" konterte ich und verließ mit ihm zusammen das Haus. "Ich habe vor den Südlichen Teil der Vorstadt hier zu durchkämmen, also den der weiter von den Innenstadt entfernt ist, wenn es dir nichts ausmachst nimmst du den Norden." erläuterte Percy seinen doch recht groben Plan. Etwas besseres war mir auch nicht eingefallen, anders ausgedrückt - ich hatte gar nicht wirklich über das Problem nachgedacht. Gut, warum also nicht. "Gut machen wir es so - Pass auf dich auf und spiel nicht den Helden Percy." sagte ich und klopfte mit dem wieder gepanzerten Handrücken gegen seinen Oberarm. "Jaja." antwortete der genervt und machte sich langen Schrittes auf Richtung Süden. Ich bewegte mich also in die entgegengesetzte Richtung fort. Ich nutzte die Deckung die mir ausgebrannte Autokarosserien und Heckenüberreste boten so gut aus wie es ging. Auch wenn ich mich vor keinem Menschen mehr fürchten musste war es dennoch nicht angenehm direkt in ein großes Monster hineinzulaufen, ein Drachen oder Drakon würde mich bestimmt an meine Grenzen bringen, trotz all meiner neuen Fähigkeiten, die ich zu allem Überfluss nicht wirklich koordinieren konnte. Ich hatte das Gewehr geladen über die rechte Schulter gelegt, so war es schneller zur Hand und ich musste nicht ständig die schwere Waffe in den Armen halten. Ich gebe freimütig zu das ich etwas gegen an Geschirren herum baumelnde Waffen habe, sogar mein jetzt an einem Waffengurt hin und herpendelndes Schwert regte mich gerade tierisch auf, als ich mit leisen Schritten hinter den Überresten eines Geparkten Geländewagens vorbeischritt.
Schließlich erblickte ich etwas, das mich fast in lauten Jubel ausbrechen ließ. Es handelte sich um ein ganz gewöhnliches Gebäude, das ich unter normalen Umständen bestenfalls als ausdruckslos klassifiziert hatte. Aber die nicht funktionierende Leuchtreklame die über dem ramponiert wirkenden Eingangsbereich hing war einfach zu verlockend. "Woo´s Asia Shop" stand da in großen, asiatisch wirkenden Lettern. Die großen Schaufenster waren angesplittert, kein Wunder, bestimmt waren gewaltige Hagelkörner auf sie niedergegangen. Das obere Stockwerk des Flachdachhauses war komplett ausgebrannt, während das untere, in welchem sich offenbar der Laden befinden hatte noch relativ ordentlich aussah. Also nichts wie rein - vielleicht war ja etwas essbares zu holen! Ich spähte über die Motorhaube des Geländewagens - niemand war zu sehen, weder ein Mensch noch ein Monster. Dennoch huschte ich schnell über die offene Straße, nur für den Fall der Fälle. Die Tür das Ladens war abgeschlossen, na schön, dann eben auf die unsanfte Tour. Ich nutzte meinen Gewehrkolben um die Glastüre einzuschlagen. Es handelte sich um eine dieser Typischen Glastüren mit Metallrahmen hinter denen diese chinesischen Papyruskalender herumhingen um den ganzen ein fern östliches Flair zu geben. Die Chinesen wussten eben was der dumpfe Durchschnittsamerikaner für Chinesisch hielt und was er wollte. Oder aber die fanden diesen Kitsch wirklich schön, ein interessanter Ansatz über den ich vielleicht einmal nachdenken sollte, wenn ich Zeit dafür fand. Ich vergrößerte das Loch in der Fensterscheibe, die zum Glück nicht aus Panzerglas bestand und trat in den Laden ein, der ein typisch Asiatischer Kramladen war. Neben jeder Menge asiatischen Lebensmitteln gab es auch noch verschiedene Dekogegenstände wie Katanas, Messingbuddhas, Räucherschalen, Winkekatzen und - Quietscheenten?
Nun diese Dinge interessierten mich herzlich wenig, ich suchte vor allen Dingen eins, Getränke und Essen. Der Raum roch ein wenig unschön, irgendwie so als habe sich jemand in einer Ecke übergeben. Ohne zu denken legte ich den Finger an den Abzug des Gewehrs und hielt es vor mich. Man konnte ja nie wissen, da natürlich der Strom ausgefallen war und die Regale Großteils parallel zur Straße standen war es hier drinnen nicht gerade hell und übersichtlich wie in einem Stadtpark. Nein, ich würde jetzt nicht fragen ob jemand hier ist, schalt ich mich selbst. Hm wo konnte denn etwas sein? Erst einmal den ganzen Laden überprüfen bevor ich die Waffe absetzte und begann meinen Rucksack zu packen. Ich durchsuchte alles, jedoch fand ich nicht die Quelle des seltsamen Geruchs, auch wenn das Frischgemüse welk war und muffig roch erklärte es diese seltsame Note in der Luft keinesfalls. Sonderlich mutige Monster befanden sich hier jedenfalls nicht, die hätten mich schon längst angefallen. Außerdem war hier unten ja wirklich niemand. Dennoch irgendwie sagten mir meine Instinkte das ich beobachtet wurde, ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären wovon! Schließlich schob ich das Ganze auf meine Überbeanspruchten Nerven, sicherte die Waffe und stellte sie auf den Boden. Wenn ihr euch fragt warum ich sie sicherte, seit sich Shigeru einmal fast einen Fuß weggeschossen hatte weil sein Gewehr losging als er es frustriert auf den Boden schmiss war ich da ziemlich vorsichtig geworden. Was eignete sich am besten zu Mitnehmen? Natürlich die in Tüten gepackten chinesischen Nudelsuppen von denen ich gleich einmal dreißig Portionen in den Rucksack stopfte, ich achtete natürlich auf verschiedene Geschmacksrichtungen, wenn man das Angebot schon hatte konnte man es ja auch ausnutzen.
Ebenso fanden rund 10 Liter Wasser ihren Weg in meinen Rucksack, der jetzt schon ziemlich voll - und verdammt schwer war. Vielleicht sollte ich ihn wirklich hier stehen lassen bis ich von meinem geplanten Jagdausflug zurückkam. Aber egal, zuerst würde ich mich erst einmal sättigen. Ich schnappte mir also eine weitere Wasserflasche und leerte sie in einem Zug, ich hatte wirklich Durst gehabt. Hoffentlich war Percy ähnlich glücklich wie ich und fand etwas zu beißen. Danach packte ich Glasnudeln, Soja, Knoblauch und Fischsoße und machte mich auf die Suche nach einem Herd. Gerade als ich die durch die hinter der Kasse gelegene Tür ins Treppenhaus gehen wollte wurde ich von den Beinen gerissen, bevor ich irgendetwas tun konnte krachte ich mit der schweren Rüstung auf den Boden, die Gläser zerbarsten und auch meine Nudelpackung viel zu Boden. Hart schlug mein Kopf auf dem Boden auf, meine Sicht verschwamm ein paar Minuten lang von meinen Augen. Schließlich klärte sich die Sicht wieder, auch wenn man Kopf sich immer noch recht bescheiden anfühlte. Was hatte mich überhaupt umgerissen, hier war eindeutig niemand zu sehen! Ich viel zurück auf den Boden als irgendetwas wild auf meinen Brustpanzer eindrosch und mir dabei fast die Rippen zerschmetterte. Panik packte mich, wie sollte ich gegen einen Gegner vorgehen den man nicht sehen konnte, unbeholfen schlug ich um mich und einmal meinte ich sogar etwas gespürt zu haben. Jedenfalls hörte ich einen kurz zischen, als würde ein Mensch die Luft einsaugen weil ihm etwas weh tat. Ich versuchte mich aufzurichten und wurde von der Seite wieder umgetreten wie ein Käfer. Dies wiederholte sich mehrere Male, meine Angst verwandelte sich und Wut und diese nach einiger Zeit in blanken Horror, denn wer immer da auch gegen mich kämpfen mochte - er spielte mit mir.
Als ich nämlich vor Erschöpfung nach Atem ringend auf dem Boden liegen blieb tat sich nichts. Sobald ich aber auch nur meinen kleinen Finger bewegte um nach dem Schwert zu greifen zischte ein Klinge auf meinen gerüsteten Körper ein und prügelte mich windelweich. Abgesehen von so geistreichen Kommentaren wie "Aua." "uaaa" und einigen nicht ganz stubenreinen Flüchen hatte ich bislang noch nichts herausgebracht. Wenn man mit Waffengewalt nichts ausrichten kann sollte man es auf jedenfall noch mit Diplomatie versuchen wenn man es nicht schon vorher getan hat. "Ok - ich ergebe mich. Zufrieden?" fragte ich in den Raum. Es wag gespenstisch still und ich strengte meine Ohren aufs Äußerste an - wer immer hier unsichtbar heurmtigerte er hatte offensichtlich einen materiellen Körper wie ich messerscharf von meinem schmerzenden Körper ausgehend schloss. "Zieh deine Rüstung aus und denk gar nicht dran eine Waffe anzupacken." befahl mir eine Stimme die sich direkt links von mir befand. Ich widerstand dem Impuls aufzuspringen und zu versuchen meinen Gegner niederzureißen. Erstens konnte es durchaus sein, dass ich diesen Ringkampf verlor und zweitens war er verdammt schnell, das hatte ich schon gemerkt. Nichtsdestotrotz war ich ein bisschen beängstigt als ich die tiefen Kratzer auf meiner Rüstung bemerkte. "Also zuerst einmal gebe ich dir mein Schwert." stellte ich trocken fest während ich die Waffe langsam aus der Scheide zog und neben mir auf den Boden legte. Vielleicht schluckte er ja den Köder und kam sich die Waffe holen. Jeder der ein bisschen Ahnung von Magie hatte - und davon ging ich hier aus - wusste sofort was für ein Schatz meine Klinge war wenn er sie zu Gesicht bekam. Leider näherte sich niemand und das Schwert blieb da liegen wo es lag. Stattdessen bekam ich einen Tritt in die Rippen, ich krümmte mich wie ein Wurm, da ich nichts derartiges erwartet hatte.
"Jetzt hoch." befahl die schneidende Stimme, es war eine helle Stimme. Sie könnte einer Frau gehören - aber welche Frau war denn unsichtbar! "Eine einfache Aufforderung hätte es auch getan." knurrte ich ungehalten und rappelte mich auf. Puuh, ich schwankte sogar und hielt mich an einem der Regale fest, ein Glück das die am Boden festgeschraubt waren, sonst wäre mir bestimmt eines Auf den Schädel gefallen wie ich meinen Gegner einschätzte. Ich meinte so etwas wie einen Schritt zu hören und bemerkte jetzt den seltsamen Geruch ziemlich stark. Baaahhh wie ekelhaft stank dieses Wesen, nach irgendeiner ekligen Jauche! Bevor ich reagieren konnte und mit dem Ellbogen nach hinten stoßen konnte wurde ich am Helm umgerissen , wie von selbst griff ich hinter mich um Halt zu finden, ich blieb auch an etwas Hängen und hörte das reißen von Stoff! Wenn mich die dicken Panzerhandschuhe nicht trogen hatte sich das ziemlich weich angefühlt - vielleicht war der Gedanke mit der Frau doch nicht ganz so abwegig. Mein Gedanke bestätige sich als ich auf dem Boden aufkam und er Tritt, mein Bewusstsein erst einmal ausschaltete! Schließlich erwachte ich doch wieder. Meine Rüstung war ich inzwischen losgeworden. Ich versuchte aufzustehen und stellte sehr zu meinem Ärgernis fest, dass meine Hände auf dem Rücken verschnürt waren, mit verdammten Handschellen. An diesen Dingern herumzuzerren würde nichts bringen, außer dass ich mir meine Handgelenke aufriss, also beschloss ich meine Wut herunterzuschlucken und sitzenzubleiben. Ich befand mich immer noch in dem Laden. Ich blickte mich um. In einer Ecke lag ein ziemlich schmutziger, nicht ganz taufrischer Schlafsack, einer dieser Bunten Treckingrucksäcke stand direkt daneben, mehrere leere Pflaumenweinflaschen lagen davor, direkt unter den Armen einer vor Dreck starrenden Frau. Ihre Haut hatte in etwa den Ton eines Schlammloches in den Rocky Mountains, das Haar hin in einem verfilzten und schmutzigen Pferdeschwanz bis weit auf den Rücken hinunter - welche Farbe der mal gehabt hatte, fragt mich was leichteres!
Sie wirkte abgemagert, straff spannte sich die Haut über ihre Wangenknochen und füllig war sie auch nicht gerade, ich hatte den Ausschnitt ihres T-Shirts ein wenig eingerissen, vielleicht so 5 bis 10 Zentimeter, wie ich jetzt erkannte war es offensichtlich orange, zumindest auf der Innenseite. Sie schnarchte laut, hm vielleicht konnte ich aufstehen, ihr eine Beinklammen anlegen und sie dazu zwingen mir den Handschellenschlüssel zu geben. Wohl kaum, so wie sie gekämpft hatte würde ich sie wohl umbringen müssen um an den Schlüssel zu kommen. Ich fragte mich allerdings warum sie sich überhaupt gegen mich gewandt hatte, eigentlich sollte man doch annehmen sich über einen Mitmenschen in einer derartig trostlosen Welt zu freuen oder? Ich setzte mich auf und stand auf, natürlich konnte ich das auch ohne Arme. Ich betrachtete das Sammelsurium von leeren Flaschen, Pflaumenwein, Wodka - Reisschnaps. Die Dame hatte gesoffen wie ein ganzes Bataillon und würde zweifelsohne einen Kopf haben der sich von schrieb wenn sie aufwachte. Sogar meine Stiefel hatte sie mir ausgezogen, wie entwürdigend! Meine Rüstung lag übrigens fein säuberlich aufgetürmt ein einer Ecke. Ich ging leise zu dem Rucksack und zog ihn an den Träger zu mir in die Ecke. Jetzt musste ich ihn nur noch aufkriegen. Versucht einmal einen Stift vom Boden aufzuheben, wenn ihr Barfuß unterwegs seid. Das ist nicht gerade leicht, wenn man dann versucht einen Reißverschluss zu öffnen und Socken trägt dann gestaltet sich das schon fast unmöglich.
Ich versuchte es ungezählte Male und hatte zwischendurch mehrmals frustriert aufgegeben, nicht nur weil ich ein steckendes Hungergefühl hatte und dringend pinkeln musste. Aber schließlich schaffte ich es doch. Ich stieß einen lautlosen Triumphschrei aus als der Reisverschluss sich so weit geöffnet hatte, dass ich mit bloßen Händen in den Rucksack greifen konnte. Meine Hände tasteten darin herum. Es war nicht viel drin, ein Bilderrahmen oder sowas ähnliches, eine Tüte mit diffusem Inhalt. Ein dickes Buch, endlich fand ich etwas kühles. Es war klein und relativ scharfkantig. Vielleicht handelte es ich um die Schlüssel. Es dauerte eine Ewigkeit bis ich es umfasst und meine Hände wieder aus dem Rucksack gezogen hatten. Dann betastete ich den Gegenstand genauer. Es konnte sich wirklich um den Schlüssel handeln. Ja - er war es, oder sagen wir besser es war ein Schlüssel, maßregelte ich mich. Hoffentlich passte er, klein genug wäre er dafür jedenfalls. Ich kratzte lange an dem Metall herum, mehrmals bewegte die frau sich im Schlaf und schmatzte wobei sie zwei Reihen ziemlich weißer, ebenmäßiger Zähne sehen ließ. Schließlich klickte es endlich, ha, er war drin. Meine Finger kugelten sich fast aus den Gelenken als ich mit aller Kraft versuchte den Schlüssel zu drehen. Als ich dachte meine Sehnen müssen reißen drehte er sich um schloss und an dem rastenden Geräusch hörte ich das die Handschellen offen waren die schmerzlichen Druck auf meine Handgelenke ausübten. Schließlich konnte ich meine rechte Hand befreien und kurz darauf war auch meine Linke frei. Meine Arme kribbelten und ich ließ sie befreit kreisen. Neben der Frau lag ein Bronzekurzschwert auf dem Boden. Ich nahm es an mich, damit sollte sie eigentlich kein Problem darstellen. Da fiel mein Blick auf eine blaue Baseballkappe - sie war sogar sauber.
Warum sollte sie sauber sein? Sie war auf jedenfall etwas besonderes für die Frau die sich ziemlich gehen hatte lassen. Also nahm ich sie am mich, vielleicht konnte sie ja noch von Nutzen sein. Ich nahm nun ihre Hände und fesselte sie mit den Handschellen, sie wachte davon beinahe auf. Dann öffnete ich den Rucksack um nachzusehen was noch alles darin war. Außerdem sah ich nirgendwo mein Schwert. Verdammt, wenn dieses Weib es versteckt hatte würde ich es aus ihr raus prügeln. In dem ersten Fach des Rucksacks wurde ich schließlich fündig, beruhigt zog ich mir den Armreif wieder an. Das Buch war interessant - "Die Prinzipien der Architektur", von Platon? Seit wann hatte der sich denn mit dem Thema beschäftigt. Sicher die Philosophen der alten Griechen allen voran der eben genannte hatten sich auch mit Gesellschaftlichen Fragen befasst, allerdings nie mit Architektur soweit ich wusste. Ich legte es wieder zurück und holte das Bild heraus - mir fiel die Kinnlade runter! Das Bild zeigte nämlich niemand anderes Als Percy - vor einem komischen blauen Hintergrund. Er war eindeutig jünger. Ich legte das Bild weg und schaute sie mir näher an. Doch - das konnte passen, wenn ich sie mir ein wenig fülligen und sauberer vorstellte, das dreckig braune Haar blond färbte und die Nase ohne den Knick den sie durch einen schlecht gerichteten Bruch erhalten hatte vorstellte, dann war das bestimmt Annabeth Chase! Kaum zu glauben das die mir noch einmal lebendig über den Weg lief. Sie hatte bestimmt eine ziemlich harte Zeit hinter sich gebracht - und das saufen angefangen - wie meine rationale Stimme missbilligend bemerkte. Dennoch heute würde ich Percy hoffentlich eine Freude machen. Dass ich sie mitnehmen würde war so klar wie Kloßbrühe, und wenn ich sie tragen musste! Ich begann zu lachen, bei den Göttern - ihr habt da bestimmt euren Spaß da oben!" rief ich aus und kicherte wie so laut das sie endgültig aufwachte und sich stöhnend den Kopf reiben wollte und schließlich ungläubig auf die Handschellen blickte die da an ihren Handgelenken saßen. "Wa - wass." stöhnte sie mit einer Stimme die in der Tat letzte Zweifel beseitigte. Sie blickte mich ungläubig aus aufgerissenen grauen Augen an. "Jack Schmidt! wie - " stieß sie ungläubig aus und ich meinte so etwas wie Furcht in ihren Augen zu sehen - und das nur weil ich mit Narbenbedecktem Oberkörper, einer wirren Haarmähne und einem Bronzeschwert auf den Knien lachen auf dem Boden eines chinesischen Krämerladens hockte und mir die schmerzenden Rippen hielt. "Guten Morgen Miss Chase." stellte ich fest, nachdem ich ein Pokerface aufgesetzt hatte, jetzt war es an ihr dreinzuschauen wie ein nach Luft schnappender Karpfen.
sooo es geht endlich weiter, der Pudel bittet um Verzeihung
