Vielen Dank für eure Reviews, an dieser Stelle auch noch mal an Susanna (Wow, deine Review hat mich echt aus den Socken gehauen! Ich hoffe, du hast inzwischen ein wenig Schlaf nachgeholt... ;)) und Zephyr (Kaum Standardbeschreibungen? Dann hab ich mein Ziel erreicht. :D)!
Nachdem Hermine und Severus nun ausreichend Zeit hatten, sich umeinander zu kümmern, wird es heute mal wieder ein bisschen wissenschaftlicher. Viel Spaß dabei!


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I still remember the world
from the eyes of a child.
Slowly those feelings
were clouded by what I know now.

(Evanescence – Field of innocence)


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Kapitel 51 – Experimente

Es kostete Hermine viel Kraft und Selbstbeherrschung, nach ihrem Geburtstag in den alten Trott zurückzufinden. Sie musste sich zwanghaft davon abhalten, mit allzu guter Laune durch die Schule zu laufen, auch wenn ihre Freunde sofort bemerkten, dass irgendetwas anders war. Allerdings berichtete sie vorerst nur Ginny grob von dem, was geschehen war.

„Ihr seid jetzt also zusammen?", fragte sie, während ihr Pigwidgeon um den Kopf sauste und darauf wartete, dass sie ihm endlich den Brief an ihre Eltern ans Bein band. Ginny hingegen bekam davon nichts mit. Sie starrte lediglich Hermine mit großen Augen an.

Diese wiederum kaute auf ihrer Unterlippe und zuckte mit den Schultern. „Ich denke schon..." Es war ein absolut verrücktes Gefühl, an ihrem ehemaligen Lehrer Professor Severus Snape als ihren Freund zu denken. Verrückt aber süchtig machend. Verlegen grinsend schnappte die sich die Eule und hielt Ginny das kleine Bein des quirligen Tiers entgegen.

„Das klingt ja sehr überzeugt", lachte Ginny und ließ sich nun endlich dazu herab, Pig mit Arbeit zu versorgen.

„Na ja, also er hat mir immerhin gesagt, dass er mich liebt..." Das Rot wurde dunkler und Hermine wandte sich schnell zum Fenster um und warf die Eule unsanft hinaus. „Aber er meinte auch, dass wir zumindest bis Ende des Schuljahres ein Geheimnis draus machen müssen", fügte sie rasch hinzu, als sie Ginnys nun noch größere Augen sah. „Also bitte erzähle niemandem davon, schon gar nicht Harry oder Ron!"

„Natürlich nicht. Aber ich finde das alles furchtbar aufregend! Wie ist er denn so? Also privat, meine ich..."

Hermine sah sie empört, sprangen ihre Gedanken doch sofort zu den Dingen, die er mit ihrem Körper angestellt hatte. Ihr wurde noch immer ganz warm, wenn sie nur daran dachte. Und das war gefährlich häufig. „Anders. Ich will nicht sagen, dass er viel umgänglicher wäre als im Unterricht. Er verlangt Konzentration bei Gesprächen und duldet keine Ablenkung. Das allerdings in jeder Beziehung..." Sie wurde erneut rot.

„Bei allen Göttern des Himmels, Hermine!", quietschte Ginny und schlug sich eine Hand vor den Mund. „Ihr habt doch nicht wirklich... oder?"

Hermine lachte amüsiert, aber auch angemessen nervös auf. „Was dachtest du, dass er die ganze Nacht mit mir tut? Händchen halten?"

Ginny sah recht zerknirscht aus. „Nun ja... ja."

„Du hast ja keine Ahnung...", intonierte Hermine und ein zweideutiges Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht.

„Das befürchte ich auch." Ginny schluckte. „Es ist nur, dass ich irgendwie nie... direkt so... an ihn gedacht habe."

„Und du tust es besser auch jetzt nicht!" Die Augen der Brünetten verengten sich mahnend.

„Zu spät", nuschelte Ginny verlegen und verbarg für einen Moment das Gesicht hinter ihren Händen. „Aber falls dich das irgendwie beruhigen sollte, der Gedanke ist nicht schlecht."

„Oh ja, das beruhigt mich ungemein." Hermine konnte die aufgesetzte Empörung allerdings nicht lange halten und so fingen beide nach ein paar befangenen Sekunden an zu lachen.


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Diese recht unbeschwerten Unterhaltungen, die Hermine hin und wieder mit Ginny führen konnte, machten ihr regelmäßig bewusst, dass sie sich das alles nicht nur einbildete. Es schien so unwirklich, dass sie mit Severus geschlafen und er ihr versichert hatte, dass er sie liebte, wenn er morgens nach dem Frühstück an ihr vorbei rauschte, als würde sie gar nicht existieren. Wüsste sie nicht, dass er für gewöhnlich gar nicht am Frühstück teilnahm, hätte es sie vermutlich schwer getroffen, diese Gleichgültigkeit zu spüren. So hingegen sagte sie sich selbst, dass er nur kam, um sie sehen zu können.

Hach ja, Einbildung ist eine tolle Bildung.

Zwei Tage nach ihrem Geburtstag ging sie abends hinunter in die Kerker. Morgen war Samstag und so hätten sie viel Zeit, sich den Dingen zu widmen, die außerdem ihre Aufmerksamkeit verlangten. Sie musste ihm irgendwie beibringen, dass sie sein Mal entfernen mussten, damit er die Zerstörung Voldemorts überlebte.

Professor Dumbledore hatte nie behauptet, dass mit Sicherheit alle Todesser sterben würden, wenn man Voldemort zerstörte. Doch Hermine ging vorerst davon aus, dass es so sein würde. Niemals würde sie es riskieren, dass Severus einfach abwartete und sein Schicksal mit Gleichmut hinnahm.

Und deswegen würde sie ihm auch nicht sagen, dass es sich nur um eine Vermutung handelte. Sie würde auf Nummer Sicher gehen und wenn das bedeutete, zumindest zum Teil eine Lüge vorzuspielen, so würde sie das tun. Mit ein bisschen Glück würde er es nie herausfinden.

Sie war erstaunlich ruhig, als sie an die Tür zu seinem Büro klopfte. Es dauerte nicht lange, bis er öffnete und Hermine versuchte den Ausdruck auf seinem Gesicht zu identifizieren. „Guten Abend, Sir. Haben Sie etwas Zeit für mich?", begrüßte sie ihn in dem distanzierten Ton, den sie ihm auch früher immer entgegengebracht hatte.

„Wenn es nicht zu lange dauert...", erwiderte er theatralisch und trat zur Seite.

Während Hermine noch darüber nachdachte, ob er das jetzt wegen des äußeren Scheins gesagt hatte oder weil er wirklich so dachte, stieß er die Tür hinter ihr ins Schloss, fasste sie beinahe grob am Oberarm und zog sie zu sich herum. Hermine wusste kaum, wie ihr geschah, als er sie hart und verlangend küsste, doch nach ein paar überraschten Sekunden drängte sie ihren Körper dicht gegen seinen und genoss das wilde Prickeln, das er in ihr auslöste.

Beide schnappten nach Luft, als sie sich voneinander lösten und Hermine wischte sich befangen über das Gesicht. „Das ist mal eine Begrüßung...", nuschelte sie und lächelte verklärt.

Severus wich ihren Blicken aus und räusperte sich. „Es tut mir Leid, ich hätte mich kontrollieren müssen."

Hermine stöhnte, während er sich umwandte und zum Kamin ging. Seufzend setzte er sich in einen der Sessel und sie folgte ihm mit verschränkten Armen. „Hör endlich auf, dich wegen solchen Dingen zu entschuldigen! Ich hätte mich schon gewehrt, wenn ich es nicht gewollt hätte." Sie setzte sich in den anderen Sessel, sehnte sich aber eigentlich danach, ihm näher zu sein. Der Kuss hatte das tiefe Verlangen nach seinem Körper wieder geweckt. Vor allem da er anscheinend beschlossen hatte, sie nicht wieder alleine zu lassen.

„Wir wissen beide, dass es Situationen gibt, in denen du keine Chance hättest", schmetterte er ihren Einwand ab und sie hob eine Augenbraue.

„Meinst du, ich hätte mich bei unserem ersten Mal nicht wehren können? Und ob ich gekonnt hätte. Aber ich wollte es nicht... Wobei mir das im Nachhinein ehrlich gesagt mehr Angst gemacht hat als die Geschehnisse an sich." Verlegen senkte sie den Blick.

„Was führt dich zu mir?", wechselte er nach ein paar Momenten das Thema und beschwor eine Kanne Tee und zwei Tassen herauf.

„Der Haken an der Sache", antwortete Hermine mechanisch und er hielt kurz inne, ihre Tasse zu füllen. Erstaunte Blicke musterten ihr Gesicht und sie wusste, dass er verstanden hatte, worauf sie hinaus wollte.

„Ich hatte gehofft, dass du mir irgendwann sagen wirst, was dieser Haken ist."

„Du hättest mich fragen können."

„Das habe ich." Die Kanne gab einen klingenden Laut von sich, als er sie auf das schmale Tischchen zwischen den Sesseln stellte. „Aber du wolltest mir nicht antworten."

„Das war noch bevor du Harry die Macht Professor Dumbledores gegeben hast!", verteidigte sie sich.

„Ich bin nicht der Typ, der zweimal fragt, Hermine." Er nippte an seinem Tee und sie kniff frustriert die Augen zusammen.

„Das stimmt nicht. Du hast mich dreimal gefragt, warum ich mich um dich kümmere."

„Weil ich eine ehrliche Antwort wollte!" Seine Stimme war merklich scharf geworden. „Und als ich die hatte, habe ich mir gewünscht, du hättest weiter gelogen." Seine Blicke wanderten zum Feuer zurück.

Hermines Mund stand ein Stück offen. „Hast du denn die ganze Zeit nicht bemerkt, wie ich für dich empfinde? Was glaubst du, warum ich immer und immer wieder auf den Ländereien auftauchte? Dachtest du, ich lasse mich gerne ankeifen? Du warst es, wegen dem ich diesen Trank genommen habe, Severus!"

„Das weiß ich doch!", polterte er plötzlich und stand auf. Hermine hingegen zog ihre Füße auf die Sitzfläche des Sessels und wartete ab, wohin dieses Gespräch noch führen würde. Sicherlich nicht in die Richtung, die sie sich vorgestellt hatte. „Aber du warst meine Schülerin. Glaubst du, ich habe dir gesagt, wie du den Trank modifizieren sollst, damit er bekömmlicher wird, wenn ich nicht gewusst hätte, dass er nötig war?" Er blitzte sie ungehalten an. „Ich hätte dich am liebsten der Schule verwiesen, weil du deine Laborzeit dafür genutzt hast, ihn zu brauen!"

Hermine blinzelte ihn von unten herauf an und schlang die Arme um ihre Knie. „Ich habe den Trank danach nie wieder genommen", antwortete sie monoton.

Er nickte. „Auch das weiß ich. Sonst wärst du wohl kaum in Scarborough aufgetaucht." Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare.

Hermine schluckte und zweifelte für einen Moment, ob sie diese Frage, die ihr auf der Zunge lag, wirklich stellen sollte. Schließlich entschied sie sich dafür: „Hast du es jemals bereut, mich damals nicht weggeschickt zu haben?"

Er drehte sich langsam zu ihr um und sah sie nachdenklich an. Dann nickte er. „Natürlich habe ich das. Jeden Moment, den du da warst. Jede einzelne Sekunde, in der du mich so ertragen musstest. Und ich habe Albus verflucht, dass er es von dir verlangt hat. Habe es verflucht, dass er diese Macht in mir hinterlassen hatte, die mich gleichermaßen schwächer und stärker gemacht hat."

Sie runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?"

Severus schnaubte verächtlich. „Wäre dieser vermaledeit sensible Teil von Albus nicht in mir gewesen, hättest du mich nie mit diesem ersten Kuss erreichen können. Ich bin immer wirklich abwesend gewesen nach diesen Treffen, Hermine. Es hat Stunden, manchmal sogar Tage gedauert, ehe ich meinen Geist nach den Übergriffen des Lords wieder soweit geordnet hatte, dass ich irgendetwas von außen mitbekam. Dein Kuss traf mich wie ein Schlag ins Gesicht." Er kehrte zu seinem Sessel zurück und ließ sich erschöpft hineinfallen. Tiefe Müdigkeit zeichnete sein Gesicht und er schloss die Augen.

„Ich habe es nicht bereut, dass ich geblieben bin", versicherte sie ihm mit leiser, aber nachdrücklicher Stimme. Er stieß die Luft laut aus seiner Nase.

„Das hatte ich befürchtet. Ich hoffe, es bleibt dabei." Träge drehte er seinen Kopf zu ihr und ein verdrehter Teil in Hermine wünschte sich, dass ihre Klassenkameraden ihren Lehrer einmal so sehen würden. Sicherlich würden sie dann anders über ihn denken.

„Das hoffe ich auch", war alles, was sie auf seine Feststellung antworten konnte, denn sie wollte realistisch bleiben. Wer wusste schon, wie sie diesen Mann in fünf Jahren sehen würde? Oder in zehn Jahren?

Garantiert niemals wieder so wie vor zwei Jahren.

„Das war aber nicht der Grund für dein Kommen", besann er sie beide schließlich wieder auf das Thema und Hermine riss sich aus ihren Gedanken.

„Nein, das war er nicht." Sie senkte den Blick in ihren Schoß und spielte mit dem Saum ihres Pullovers. „Severus, weißt du, wie genau Voldemort vernichtet werden soll?"

Er zuckte angedeutet mit den Schultern. „Ich habe eine Ahnung, aber erklär' es mir ruhig! Der Direktor…" Er unterbrach sich, räusperte sich erneut und fuhr dann fort: „Albus hat sicherlich sehr genaue Vorstellungen davon, wie er es angehen möchte."

Hermine überging seinen Stolperer und nickte. „Er will Voldemort dazu zwingen, sich einen Körper suchen zu müssen. Harry wird der Einzige sein, der zur Verfügung steht. Und Harry wird dagegen ankämpfen, dies zuzulassen, solange bis Voldemort daran zugrunde geht."

Severus ließ diesen Plan ein paar Mal durch seinen Kopf wandern, dann nickte er anerkennend. „Ich mag die Idee. Potter sollte sich schon mal darauf vorbereiten, seinen Okklumentik-Unterricht fortsetzen." Ein durchaus schadenfrohes Grinsen huschte über das Gesicht des Mannes und Hermine verdrehte die Augen.

Er ist und bleibt ein Bastard…

„Ich werde es ihm ausrichten. Vorher muss er aber erstmal lernen, mit Professor Dumbledores Macht umzugehen. Ich denke, das war ein ziemlicher Hammer." Severus nickte abwesend. „Wie lange hast du gebraucht, um damit klarzukommen?"

Er wandte langsam seinen Blick zu ihr und Hermine befürchtete, dass ihr seine Antwort nicht gefallen würde. „Ich hatte eine Stunde." Sie keuchte entsetzt.

„Mehr nicht? Wann war das?" Sie rappelte sich aus ihrer bequemen Sitzposition und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

„An dem Abend, an dem ich Albus tötete. Als du an der Grenze auf mich gewartet hast, war es gerade eine Stunde her, dass er mir seine Macht gab. Sie hat mich furchtbar verwirrt und gefühlsduselig gemacht. Unter normalem Umständen hätte ich mich dir damals nie so genähert."

Sie schluckte schwer, fing sich dann aber rasch wieder und sagte: „Unter normalen Umständen hättest du es bis heute nicht getan. Ich sollte ihm wirklich dankbar sein."

Severus deutete ein Lächeln an. „Möglicherweise."

Hermine erwiderte das Lächeln und legte ihre Hand auf das Tischchen, hoffte, dass er sie ergreifen würde. Severus tat ihr den Gefallen und begann, mit seinem Daumen sanft über ihren Handrücken zu streicheln.

„Also, was ist nun der Haken?"

Hermine blinzelte einige Male und versuchte den Faden wiederzufinden, den sie irgendwann im Laufe dieses Gespräches verloren hatte. „Es geht um das Dunkle Mal", hakte sie schließlich wieder ein und griff nun ihrerseits nach seiner Hand, damit er sie nicht zurückzog.

„Was ist damit?" An dem distanzierten und beinahe scharfen Ton seiner Stimme konnte sie spüren, wie wund dieser Punkt bei ihm noch immer war. Und vermutlich auch immer sein würde.

„Professor Dumbledore vermutet, dass alle Todesser über dieses Mal auf eine Art und Weise mit Voldemort verbunden sind, die sie töten wird, wenn Voldemort stirbt. Wir müssen eine Möglichkeit finden, das Mal zu entfernen, bevor Harry sich Voldemort stellt." Ihre beinahe entschuldigenden Blicke trafen ihn und nun schaffte er es doch, seine Hand ihrem Griff zu entwenden. Stöhnend stand er auf.

Hermine verfolgte seinen Lauf durch das Zimmer, der schließlich damit endete, dass er sich erneut mit einer Hand am Kaminsims abstützte und die andere in die Seite stemmte. „Das wird nicht möglich sein, Hermine. Man kann das Mal nicht entfernen. Ich habe es lange Zeit versucht."

Er sah sie dabei nicht an und Hermine musste hart gegen den Knoten ankämpfen, der sich in ihrer Brust zusammenballte. Sie stand nun ebenfalls auf und ging zu ihm hinüber. Ihre Hand legte sich auf seinen Arm und mit ausdruckslosem Gesicht sah er sie an. „Du wirst sicherlich verstehen, dass ich diese Tatsache nicht hinnehmen kann, ohne es selbst versucht zu haben", sagte sie dann ruhig und konnte zu ihrer Erleichterung sehen, dass ein missmutiger Ausdruck auf sein Gesicht trat.

„Natürlich nicht."

„Ich verlange nicht, dass du mir hilfst. Aber ich fürchte, ich brauche deinen Arm zu Testzwecken." Sie streckte die Hand aus und strich mit ihren Fingerspitzen über das schmale Stück freier Haut an seinem Handgelenk, über dem sie das Dunkle Mal wusste. Flüchtig spürte sie seinen Puls, schneller als sonst, aber nicht übermäßig aufgeregt.

Schließlich wandte er sich vom Feuer ab und drehte sich ihr zu. „Es wird nichts bringen, Hermine", sagte er inständig.

„Lass das meine Sorge sein. Darf ich dich nun regelmäßig nerven und die Resistenz dieses Mals austesten?" Sie legte ihren Kopf zur Seite und hoffte, dass ihn das überzeugen würde, zumal sie ihn nur ungern an sein Versprechen erinnern wollte. Er sollte es zulassen, weil er es jetzt wollte, nicht weil er es vor einigen Wochen versprochen hatte.

Ein tiefes Seufzen entwich ihm und schließlich zuckte er ergeben mit den Schultern. „Eher gibst du sowieso keine Ruhe."

Ein zufriedenes Kopfschütteln folgte und Hermine trat die letzten paar Schritte auf ihn zu, um sich von ihm in den Arm nehmen zu lassen. Ihre Hände krabbelten um seine Taille und rutschten hinab bis auf den Po, der sich unter der Robe fest und wohlgeformt abzeichnete. Der herbe moschusartige Geruch stieg ihr in die Nase und sie sog ihn gierig auf, rieb zuerst nur ihr Gesicht, dann auch die Innenseite ihres Beines an ihm.

„Hast du... heute Abend eigentlich noch was vor?", fragte sie vorsichtig und blinzelte unschuldig zu ihm hoch.

Ein Glänzen hatte sich über seine schwarzen Augen gelegt und er nickte. „Ich habe da noch eine sehr anhängliche Ex-Schülerin, die einen Großteil meiner Aufmerksamkeit für sich beansprucht."

Hermine setzte eine ernste Miene auf. „Die solltest du ihr unbedingt schenken. Man weiß nie, bei wem sie sich sonst beschwert." Nach ein paar Sekunden lachte sie leise auf und streckte sich, um seine Lippen kosten zu können.

Und dann noch so viel mehr.


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Die nächsten Wochen verbrachte Hermine ausschließlich mit Unterricht, Recherche, Hausaufgaben und Schlafen. Dazwischen quetschte sie hin und wieder noch eine Mahlzeit, ansonsten sah man sie kaum. Sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, Severus von diesem Mal zu befreien und sie würde nicht aufgeben, ehe sie es geschafft hatte. Und da es ohnehin noch fragwürdig war, wann Harry endlich mit dieser neuen Macht so sicher umgehen konnte, dass er einen weiteren Kampf gegen Voldemort auch nur in Betracht ziehen konnte, hatte sie alle Zeit der Welt.

Da Severus bei ihren Versuchen anwesend sein musste – und wenn es nur um den testenden Teil ging – hatte er sich Beschäftigung gesucht und verbrachte die Stunden, die Hermine konzentriert im Labor arbeitete, an seinem Schreibtisch sitzend. Meistens schrieb er etwas, hin und wieder las er auch einfach nur. Doch er störte sie nie, sprach sie nicht an und weigerte sich nicht, sie ihre Tränke testen zu lassen.

Hermine hatte eine Liste erstellt mit allem, was sie als interessant für ihre Zwecke erachtete. Sie hatte beschlossen, mit den vielversprechenden Tränken anzufangen, die sie in der Literatur gefunden und leicht modifiziert hatte. Sicherlich hatte Severus dies selbst bereits getan, doch sie wollte seine Gedankengänge verfolgen und für sich selbst sehen, wie das Mal auf welchen Trank reagierte.

Der Erste, den sie testen wollte, war ein recht simpler und sie war von vornherein davon ausgegangen, dass er nicht wirken würde. Es war der Trank, mit dem gewöhnliche Tätowierungen entfernt wurden; er drang in die obersten Hautschichten ein und zerstörte die dort liegenden Farbpartikel.

Severus sah sie ungläubig an, als sie damit bei ihm aufkreuzte. „Glaubst du wirklich, dass der Lord so einfallslos war, dass dieser Trank das Mal beseitigen könnte? Und glaubst du, ich hätte es damit nicht auch schon versucht?"

Hermine hob ihren Blick und sah ihn ruhig an. „Zum Einen scheine ich ja nicht die Einzige zu sein, die Voldemort für so einfallslos hält, wenn du es auch schon versucht hast." Sie ließ dieses Argument auf ihn wirken und sah, wie seine Augenbrauen noch weiter nach oben rutschten. „Und zum Anderen will ich sehen, ob das Mal irgendwie darauf reagiert, auf welche Art auch immer. Ich muss es verstehen und noch ist es ein ziemlich großes Rätsel für mich."

Nachdenklich runzelte sie die Stirn, denn mit exakt diesem Gedanken hatte die ganze Geschichte damals begonnen. Für einen Moment fragte sie sich, ob sie jetzt auch nach einer Möglichkeit suchen würde, das Mal zu zerstören, wenn sie sich nicht um Severus gekümmert und sich in ihn verliebt hätte.

Vermutlich nicht.

„Das ist es auch für mich noch immer", wandte er ein, krempelte dabei allerdings seinen Ärmel hoch.

Hermine überging seinen Einwand und träufelte etwas von dem Trank auf das Mal. Dann zog sie Pergament und Feder herbei und notierte was sie sah – nämlich gar nichts. „Vollkommen reaktionslos", murmelte sie leise und schrieb genau diese Worte auf.

„Wie ich sagte", stimmte Severus zu und reinigte seinen Arm mit einem Wink seines Zauberstabes.

Hermine kehrte zu ihrem Kessel zurück, strich den ersten Trank auf ihrer Liste weg und wandte sich dem nächsten zu.

Dieser sollte Fremdkörper aus der Haut entfernen, die dort von Menschenhand platziert worden waren. Normalerweise wurde er benutzt, um Sender oder Wanzen ausfindig zu machen (welche nicht unbedingt aus Drähten und Kunststoffen bestehen mussten; die Zaubererwelt hatte da ihre ganz eigenen Exemplare entwickelt), die direkt unter die Haut gesetzt wurden, um nicht aufzufallen. Hier würde er vielleicht andere Dienste erfüllen.

„Du könntest mir deine Hausaufgaben mitbringen. Dann habe ich was zu tun, während ich hier rumsitze", sagte Severus, als sie zwei Stunden später mit diesem Trank zu ihm kam und er erneut seinen Ärmel hochkrempelte.

Du willst meine Hausaufgaben machen?", fragte sie und sah ihn ungläubig an.

Er schnaubte abwertend. „Sehe ich so aus? Ich will sie durchsehen! Ich weiß, dass du mehr Aufmerksamkeit auf dieses Mal verwendest, als gut für dich ist. Zweifellos hat die Qualität deiner Arbeiten gelitten. Ich will wenigstens die gröbsten Fehler raussuchen."

Zuerst wollte sie fragen, warum er das für sie tun wollte, doch dann konnte sie sich diese Frage selbst beantworten. Sie tat das alles für ihn und er wollte ihr zumindest ein bisschen dafür danken (und möglicherweise spielte auch Professor McGonagall eine gewisse Rolle bei diesem Vorschag). Auch wenn ihr die Art und Weise nicht besonders zusagte. Denn sie musste ihm Recht geben, sie war nachlässig geworden mit der Erfüllung ihrer Aufgaben.

„Ich werde sie dir morgen mitbringen", fügte sie sich allerdings und er nickte einverstanden. Dann hielt er ihr den Arm hin und Hermine träufelte erneut den Trank auf seinen Unterarm.

Abwartend griff sie nach Pergament und Feder und wartete, was geschah. Severus stöhnte leise und sie sah ihn neugierig an. „Ist alles in Ordnung?"

Seine Hand ballte sich zu einer Faust. „Wie man es nimmt... Die Farbpartikel wehren sich gegen den Trank und sie werden erfolgreich sein. Es tut bloß weh."

Hermine nickte und notierte sich diese Details. Sie glaubte sogar, die feinen Linien des Mals ein wenig wabern zu sehen, während sie dem Einfluss des Trankes auswichen. Doch nichts schien sie an die Oberfläche treiben zu können.

„Hast du genug beobachtet?", fragte Severus schließlich scharf und die Venen zeichneten sich bereits auf seinem Unterarm ab, da er so viel Kraft aufwandte, um den Schmerz zu kontrollieren. Hermine nickte hastig und wiederum entfernte er den Trank mit seinem Zauberstab. „Das reicht für heute. Du sitzt seit vier Stunden hier unten, was mich nicht stören würde, wenn ich dir nicht Gesellschaft leisten müsste."

Hermine schmunzelte und legte ihre Aufzeichnungen zur Seite. „Ich denke, ich muss das sowieso erstmal wiedergutmachen", erwiderte sie mit verführerischer Stimme und umfasste sein Gesicht, zog es zu einem Kuss heran.

„Der erste vernünftige Satz seit vier Stunden", knurrte Severus genießend und sie lachte leise gegen seinen Mund, während er sie auf seinen Schoß zog und so dichter an sich brachte. Bereitwillig ließ Hermine sich auf eine ganz andere Art der Recherche ein und stellte fest, dass ihr diese sehr viel mehr zusagte.


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Am nächsten Tag trafen sie sich zur gleichen Zeit im Labor und nachdem sie ihn mit einem flüchtigen Kuss begrüßt hatte, legte sie ihm ihre Hausaufgaben auf den Schreibtisch. „Viel Spaß dabei, Professor Binns hatte heute seine sadistischen fünf Minuten", sagte sie dabei und wandte sich ihren Versuchen zu.

„Das heißt?", fragte Severus skeptisch, während er sich hinter seinen Schreibtisch setzte und die Pergamentrollen auseinander sortierte.

„Fünf Rollen über die Koboldaufstände als Wiederholung für die Abschlussprüfungen", murmelte sie beiläufig und suchte sich bereits die Zutaten für den ersten Trank heraus.

„Wunderbar", war der einzige Kommentar, den sie vom anderen Ende des Raumes vernahm und lächelte schadenfroh. Dann wurde es still zwischen ihnen und beide arbeiteten konzentriert.


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Anderthalb Stunden später schob Severus stöhnend die Pergamentrollen beiseite und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Du bist wirklich eine Meisterin der Füllwörter", stellte er fest und Hermine zuckte mit den Schultern.

„Bei solchen Aufgaben bleibt mir nichts anderes übrig!" Während sie dies sagte, schöpfte sie einen Messbecher des Trankes ab und kam zu ihm hinüber.

„Was ist das?", fragte er interessiert und Hermine schwenkte die wunderschöne, dunkelblaue Flüssigkeit, die wie verdünnte Tinte aussah, mehrmals im Becher.

„Ein Trank, der nichtorganische Stoffe in organische umwandeln soll. Vielleicht reicht das, um das Mal zu entfernen. Oder hast du den auch schon probiert?"

Severus nickte. „Aber meiner war violett. Ich finde es faszinierend, wie sehr eine abgewandelte Zutat das Aussehen eines Trankes ändern kann."

Hermine lächelte, als sie verstand, worauf er hinauswollte. Die letzte Zutat dieses Trankes war Blut, denn er musste eine menschliche Komponente enthalten. Dementsprechend sah das Endresultat auch immer anders aus, weil sich immer anderes Blut darin befand. „Gib mal deinen Arm", bat sie dann und er machte sich dieses Mal nicht die Mühe, den Ärmel zu krempeln, sondern schob ihn nur nach oben.

Hermine träufelte erneut etwas von ihrer Mischung auf das Mal und beobachtete aufmerksam, was geschah. Die schwarzen Linien begannen sich zu verfärben, wurden braun und dann immer heller, bis sie ganz verschwanden. Ihr Herzschlag setzte aus und sie keuchte. „Severus, sieh dir das an!"

Er nickte seufzend. „Warte ab", erwiderte er resigniert und Hermine runzelte die Stirn. Widerwillig wandte sie ihre Blicke wieder auf seinen Unterarm und keine zwei Minuten später konnte sie den gleichen Prozess erneut beobachten, allerdings in umgekehrter Abfolge.

Enttäuscht seufzte sie. Dann tippte sie sich nachdenklich mit einem Finger gegen die Unterlippe und sah Severus unverwandt an. „Wie lange braucht Harry in etwa, um Voldemort zu zerstören?"

Severus machte ein abschätzendes Gesicht. „So wie er sich im Moment schlägt, noch mindestens drei Monate." An seinem Tonfall bemerkte Hermine, dass das eher ironisch gemeint war und verdrehte die Augen. „Ich weiß es nicht. Vielleicht zehn Minuten", mutmaßte er dann und sie nickte abwägend.

„Vielleicht müssen wir das Mal ja gar nicht ganz entfernen. Vielleicht reicht es, es für diesen Zeitraum verschwinden zu lassen." Sie stemmte eine Hand in die Hüfte und während Severus seinen Arm wieder reinigte, schien er über ihren Vorschlag nachzudenken.

„Es wäre eine Möglichkeit. Aber das Mal muss jede Verankerung in meinem Körper verlieren. Das könnte schwer bis unmöglich werden, wenn es nicht ganz entfernt wird."

Hermine schüttelte den Kopf. „Das denke ich nicht. Es müsste leichter sein, weil es kein permanenter Zustand werden soll. Mann könnte es zum Beispiel einkapseln und für diese zehn Minuten zwar in deinem Körper belassen, aber faktisch davon getrennt aufbewahren."

„Und wie willst du das machen?", stachelte er ihre Gedankengänge an und Hermine sah, dass ihm sehr gefiel, was dabei zutage trat.

„Indem ich einen Trank mit einem Zauberspruch koppele!" Sie sah ihn begeistert an und ein beinahe leidenschaftliches Blitzen tauchte in seinen Augen auf. Hermine kannte dieses Blitzen; er bekam es immer, wenn er sie verführen wollte.

Deswegen räumte sie rasch ihre Aufzeichnungen zusammen und murmelte begeistert vor sich hin: „Ich muss sofort recherchieren gehen! Wenn das funktioniert... Severus! Weißt du eigentlich, was das bedeuten würde?" Ohne auf eine Antwort zu warten, drückte sie ihm einen raschen Kuss auf die Lippen und stürmte aus dem Labor.

„Dass ich dich lange Zeit aus der Ferne begehren muss", kommentierte er seufzend und sah sich im Raum um, ehe er dennoch zufrieden die Arme hinter dem Kopf verschränkte.


TBC...