48. Kapitel

William und Elizabeth auf großer Fahrt – Wien

Auch ohne Einkaufsbummel waren sie für die große Reise im Endeffekt gut vorbereitet. Natürlich mangelte es ihnen an nichts. William hatte akribische Vorbereitungen getroffen – schließlich war er schon einmal auf dem Kontinent gewesen – und so konnte er seiner Gattin eine luxuriöse und komfortable Passage ermöglichen.

Elizabeth verliebte sich vom ersten Moment an in die Metropole an der Donau. Bei weitem nicht so groß wie London hatte die Stadt ihren ganz eigenen Charme und Elizabeth war entschlossen, so viel wie möglich davon zu sehen, zu erleben, trotz der herbstlichen Witterungsbedingungen. Abgestiegen waren sie im Gasthof „Goldener Ochs" in der Seilergasse, einem der besten Gasthöfe der Stadt und sehr zentral gelegen. Niemanden dort interessierte es, daß das junge Ehepaar ein gemeinsames Zimmer bewohnte – auch wollte man sich die großzügigen Trinkgelder, die William gab, nicht unbedingt durch müßiges Getratsche darüber gefährden.

Und sie hatten eine wundervolle Zeit. Elizabeth war die treibende Kraft, was nicht verwunderlich war, und schleppte ihren Gemahl durch die ganze Stadt. Natürlich waren die vielen kleinen Geschäfte für sie eine besondere Attraktion und vor allem die verschiedenen Leckereien hatten es ihr angetan. Konditoreien, die vielfältigen Stände auf dem Naschmarkt, Weinhändler – William knüpfte so manch neuen Handelskontakt mit den einheimischen Händlern und ließ tonnenweise, so schien es jedenfalls Elizabeth, die unterschiedlichsten Waren nach Pemberley schicken – Weine, diverse Naschereien, aromatisierte Kakaosorten und Kaffees, Stoffe und vieles andere mehr.

Die Abende gehörten meist der Kultur. Sie besuchten Theateraufführungen, Orgelkonzerte im Stephansdom und verschiedene Matineen. Am Hoftheater sahen sie Grillparzers „Sappho", aber William wäre beinahe eingeschlafen, da seine Deutschkenntnisse es nicht zuließen, sich auf das ganze Stück zu konzentrieren. Elizabeth konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn sein Kopf manchmal gefährlich nahe in die Nähe ihrer Schulter sank. Er war nur ihr zuliebe mitgekommen, wie sie wußte und sie revanchierte sich an diesem Abend ausführlich für seine Geduld, als sie alleine in ihrer Kammer waren. Gerne hätten sie weitere Konzerte angehört, zumal der große Ludwig van Beethoven in der Stadt lebte, aber zu Elizabeths aufrichtigem Bedauern gab der Meister seit kurzem krankheitsbedingt keine Konzerte mehr. William tröstete sie damit, indem er einen Musikalienhändler ausfindig machte und bergeweise die neuesten Noten für sie erwarb.

Es war keineswegs so, daß William sich keine Gedanken gemacht hatte, was er seiner Frau alles bieten konnte. An einem Tag überraschte er sie damit, daß er sie zur Spanischen Hofreitschule führte. Sie waren auf ihren Exkursionen durch die Stadt schon öfters an dem Gebäude vorbeigekommen und Elizabeths Blicke fuhren stets sehnsüchtig über die Fassaden in der Hoffnung, das ein oder andere der berühmten Pferde zu Gesicht zu bekommen, was selbstverständlich nie geschah.

William hatte insgeheim einige Hebel in Bewegung gesetzt und Elizabeth traute ihren Augen nicht, als sie diesmal nicht einfach an dem Gebäude der Winterreitschule vorbeigingen, sondern in der Tat an einem Seiteneingang anklopften! Ein Bediensteter ließ sie ein, nachdem William sein Anliegen vorgebracht hatte, ein weiterer Mitarbeiter, offenbar mit nicht geringer Entscheidungsbefugnis, nahm sie in Empfang und wenige Minuten später durfte Elizabeth tatsächlich für kurze Zeit dem Unterricht der stolzen Pferde beiwohnen, verborgen hinter einer Balustrade, damit die Tiere nicht abgelenkt würden.

Zwanzig Minuten lang dauerte die private „Vorstellung", dann wurden sie höflich wieder hinausbegleitet. Elizabeth war aufgewühlt und wußte gar nicht, was sie sagen sollte. „Oh William, wie hast du das geschafft?" fragte sie immer wieder und war ganz aufgeregt. „Die Öffentlichkeit hat keinen Zutritt zum Unterricht! Woher wußtest du überhaupt..." William lachte und versuchte, sie wieder zu beruhigen. „Schh...Liebes, wir sind hier nicht alleine! Ich habe einfach gefragt, ob meine Frau sich die Pferde anschauen darf, ganz einfach." Elizabeth schüttelte den Kopf. „So einfach war das bestimmt nicht, William! Ich danke dir so sehr für dieses Erlebnis!" Sie blieb stehen, stellte sich auf die Zehenspitzen und küßte ihn vollkommen skandalös auf den Mund, wenn auch nur kurz. „Elizabeth!" flüsterte er schockiert und schaute sich schnell um, doch es schien keiner gesehen zu haben. Aber sie lächelte nur und zog ihn weiter in Richtung Hofburg. „Danke, Liebling," hauchte sie, zwinkerte ihm zu und drückte seinen Arm. William schüttelte halb resignierend den Kopf über seine lebhafte Gemahlin und folgte ihr. Vielleicht konnte man an der Hofburg ja einen Blick auf den Kaiser erhaschen...

William hatte sich erhofft, daß sie die Wochen in Wien möglichst für sich alleine haben würden, ohne jegliche gesellschaftlichen Verpflichtungen, doch diese Hoffnung erfüllte sich nur zum Teil. An einem besonders milden und schönen Sonntagnachmittag eine Woche vor ihrer Abreise ließen sie sich im Fiaker zur Sommerresidenz des Kaisers chauffieren, nach Schloß Schönbrunn. Elizabeth war begeistert über die Parkanlagen und den Tiergarten und sie konnte kaum genug davon bekommen. Obwohl es im Park von Besuchern nur so wimmelte, die alle das überraschend schöne Wetter ausnutzten, ließen sie sich viel Zeit, spazierten bis hoch zur Gloriette und genossen den Ausblick auf die Stadt.

Als sie gerade wieder in Richtung Schloss gehen wollten um sich eine Transportmöglichkeit für die Fahrt zurück in die Stadt zu suchen, wurden sie überraschenderweise von einem Mann in Offizierskleidung aufgehalten. Sein Rang gab ihn als Oberst aus. „Da schau her! Wenn das nicht Mr. Darcy aus England ist!" rief er und eilte auf das Ehepaar zu. William runzelte die Stirn und schaute den Herrn fragend an. „Gestatten, Oberst von Wedel," stellte dieser sich vor und verneigte sich. „Wir haben uns vor drei Jahren kennengelernt, als ich ihren werten Herrn Onkel, den Earl of Matlock, besucht habe auf meiner Studienreise durch England. Habe die Ehre! Der Earl ist ein alter Freund von mir."

William erinnerte sich an den österreichischen Oberst, der so gerne lachte, und lächelte. „Natürlich, ich erinnere mich. Wie geht es Ihnen, Oberst? Darf ich Ihnen meine Frau Elizabeth vorstellen?" Oberst von Wedel betrachtete die junge Dame an Williams Seite und ihm gefiel, was er sah. „Küß die Hand, gnä Frau," murmelte er und verneigte sich tief.

Die Herren tauschten noch einige Freundlichkeiten aus und als sich ihre Wege wieder trennten, waren William und Elizabeth für kommenden Freitag zu einem Dinner beim Oberst und seiner Gattin eingeladen. Sie hatten gehofft, sich gesellschaftlichen Verpflichtungen entziehen zu können während ihres Aufenthaltes in der Stadt, aber sie konnten die Einladung schlecht ablehnen. Nur zwei Tage nach besagtem Dinner würden sie sowieso wieder abreisen, von daher konnten sie glücklicherweise keine Gegenbesuche mehr empfangen, wie es anstandshalber von ihnen erwartet werden würde.

Ohne große Lust machten sie sich am nächsten Freitag auf, um am „kleinen, intimen" Dinner im Haus des Oberst teilzunehmen. Das kleine, intime Dinner entpuppte sich als Gesellschaft von knapp dreißig Personen, die meisten davon waren ebenfalls Offiziere. Einige hatten ihre Ehefrauen dabei, andere waren unverheiratet. Da Frau von Wedel um einiges jünger war als ihr Ehemann, befanden sich auch einige junge, ledige Damen der höheren Kreise unter den Gästen, allesamt Freundinnen der Gastgeberin. Für diese Ladies eine hervorragende Gelegenheit, ebensolche junge Herren kennenzulernen.

Der Oberst empfing die illustren Gäste aus England überschwenglich und bemühte sich stolz, sie jedem Anwesenden persönlich vorzustellen. William kam sich fast vor wie auf dem Roßmarkt, so wurden er und Elizabeth angestarrt und beäugt. Wie exotisch konnte ein englisches Ehepaar wohl sein? dachte er mißmutig, aber ließ sich selbstverständlich nichts von seinem Unmut anmerken. Höflich, aber etwas reserviert ergab er sich in sein Schicksal und tauschte pflichtbewußt Artigkeiten mit den anderen Gästen aus. Elizabeth hingegen war wie immer charmant und liebreizend, plauderte munter drauflos und bezauberte vor allem die Herren mit ihren drolligen Versuchen, vornehmes Deutsch zu sprechen.

Sehr zu Williams Verdruß entführte Frau von Wedel seine Gattin schon sehr bald in eine, wie sie sagte, strikte Frauenrunde und William wurde im Gegenzug von seinem Gastgeber sofort in eine Diskussion mit anderen Gentlemen einbezogen, die sich naturgemäß um Krieg und Politik drehte und William bald zu Tode langweilte. Williams Unmut wurde noch viel größer als er feststellte, daß sich immer mehr der jungen, unverheirateten Offiziere dieser sogenannten „strikten Frauenrunde" anschlossen und Elizabeth schon bald regelrecht umlagert war von „Kavalieren". Aber es wäre unhöflich gewesen und hätte wahrlich keinen guten Eindruck gemacht, wenn er nun an ihre Seite gestürzt wäre. Gegen seinen Willen mußte er grinsen. Oh ja, er hätte sich später von ihr einiges anhören können, würde er heute abend den eifersüchtigen Ehemann spielen!

Aber William behielt seine Gattin wachsam im Auge. Nicht, daß er ihr mißtraute, nein nein. Aber er traute den Kerlen nicht über den Weg, die wie Motten um das Licht um sie herumschwirrten und denen es offensichtlich vollkommen gleichgültig war, daß sie es mit einer verheirateten Frau zu tun hatten! Mit einer glücklich verheirateten Frau, fügte William im stillen befriedigt hinzu.

Elizabeth fing dann und wann seinen sehnsüchtigen Blick auf und schenkte ihm ein funkelndes Lächeln. Sie hatte – im Gegensatz zu William, der in dieser Beziehung eher ignorant war – sofort die Mienen der jungen Ladies bemerkt, die ihren attraktiven Ehemann mal mehr, mal weniger offen anhimmelten und amüsierte sich köstlich darüber. Gerade auch deswegen, weil William davon überhaupt nichts mitbekam, was die jungen Damen wiederum natürlich grämte.

Aber endlich wurde zu Tisch gebeten und William durfte sich wieder zu Elizabeth gesellen. Sie nahm demonstrativ seinen Arm, schenkte ihm ein weiteres, strahlendes Lächeln und zeigte somit auch dem dickfelligsten ihrer Verehrer, daß sie sehr in ihren Ehemann verliebt war. Das hielt die Herren zwar nicht davon ab, mit ihr zu flirten, aber sie wußten zumindest, wo ihre Grenzen waren. Williams grimmiger Blick tat ein weiteres.

Nach dem Essen wurde das Paar jedoch gleich wieder getrennt. Die Herren zogen sich wie es üblich war zu Port und Zigarre in die Bibliothek des Gastgebers zurück, die Damen nahmen ihren Kaffee im Musikzimmer ein. Elizabeth spürte sofort, daß sich die Atmosphäre unter den Frauen verändert hatte. Während die Gastgeberin sowie die anwesenden Ehefrauen wie gehabt freundlich zu ihr waren und ihr viele Fragen zu ihrem Leben in England stellten, beäugten sie die Jüngeren argwöhnisch, ja fast feindselig. Sie war zwar in dem Sinne keine Konkurrenz für sie, da sie verheiratet war, aber sie lenkte trotzdem die jungen Männer von den „Fräuleins" ab, obwohl sie doch bereits einen attraktiven, reichen Gentleman wie Mr. Darcy an Land gezogen hatte! So war Elizabeth gleich zweifach unbeliebt bei ihren Altersgenossinnen, was sie jedoch eher amüsierte als ärgerte. Was konnte sie schließlich dazu, daß sich die Herren in ihrer Nähe wie eine Herde Schafe benahmen!

So waren die Damen in ein müßiges Gespräch vertieft, als sich eine der Jüngeren, ein Fräulein von Vetsera, zu Wort meldete. „Ach bittschön, Mrs. Darcy, erzählen Sie uns doch etwas über die neueste Mode, die man in London so trägt! Wir sind hier ja immer noch sehr provinziell und bei weitem nicht so weitgereist wie sie… ihre Robe ist sicher von den feinsten Londoner Tuchmachern?" Elizabeth war auf der Hut, das falsche Lächeln der jungen Frau gefiel ihr überhaupt nicht. „Ich fürchte, in dieser Beziehung bin ich keine gute Ratgeberin, Fräulein von Vetsera. Ich frequentiere die einschlägigen Geschäfte in London nur sehr selten, müssen sie wissen. Im übrigen…" sie deutete auf ihr Kleid, „gibt es hier in der Stadt ganz ausgezeichnete Schneiderinnen. Dieses Kleid hab ich hier anfertigen lassen, kurz nach meiner Ankunft." Die Frauen warfen einen ungläubigen Blick auf Elizabeths edles, aber schlichtes Seidenkleid. Elizabeth schmunzelte und Fräulein von Vetsera warf ihr einen finsteren Blick zu.

Eine andere der jungen Damen, fast noch ein Mädchen, lächelte Elizabeth errötend an und platzte dann aufgeregt heraus: „Oh bitte verraten Sie uns, Mrs. Darcy, sehen alle Männer in England so gut aus wie Mr. Darcy?" Zunächst trat für einen Moment eine peinliche Stille ein, dann fing Elizabeth an zu kichern und die anderen Frauen giggelten schließlich unterdrückt mit. „Gertrud!" zischte ihre Nachbarin, offenbar die Mutter. „Was stellst du für impertinente Fragen, Kind!" „Oh, Fräulein Gertrud, das ist nett, daß sie Mr. Darcy als gutaussehend empfinden," lächelte Elizabeth. „Ich bin da übrigens ganz ihrer Meinung." Sie zwinkerte und Fräulein Gertrud lächelte sie schüchtern an. „Aber ich denke, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, finden sie nicht auch? Vielleicht sollten sie bei Gelegenheit einmal nach England reisen und sich selbst ein Bild von den einheimischen Männern machen?"

Die Damen lachten und Fräulein Gertruds Mutter wäre am liebsten im Boden versunken aus lauter Scham über ihre Tochter. Aber Elizabeth beruhigte sie, daß noch nichts schlimmes dabei sei. Fräulein von Vetsera hingegen mochte noch keine Ruhe geben. „Sagen Sie, Mrs. Darcy, würden sie, wo sie doch auf Hochzeitsreise sind, nicht viel lieber die Zeit mit ihrem Herrn Gemahl verbringen als mit einer Horde völlig fremder Frauen?" Für diese Frage erntete sie einige verärgerte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln. Aber Elizabeth lächelte nur sanft. „Seien sie unbesorgt, Fräulein von Vetsera, mein Gatte und ich verbringen unsere Zeit durchaus auf sehr angenehme Art und Weise miteinander. Wie angenehm, werden sie hoffentlich auch eines Tages feststellen, sollten sie jemals heiraten."

Das Fräulein lief knallrot an bei Elizabeths schockierender Antwort und die anderen Damen schnappten regelrecht nach Luft. Diese junge Frau aus England war wahrhaftig ein Kapitel für sich!

Die Herren betraten nur wenige Augenblicke später den Salon und Elizabeth war noch nie so froh gewesen wie heute, ihren Mann zu sehen. Sie hoffte, sie konnten die Gesellschaft bald verlassen! William warf ihr einen liebevollen Blick zu, doch bis er sich zu ihr ans andere Ende des Zimmers durcharbeiten konnte, war sie schon wieder von Verehrern umlagert. Dieses Mal trat er jedoch entschlossen hinzu und Elizabeth nahm sofort seinen Arm und strahlte ihn an. Sie genoß seine Nähe und konnte es kaum erwarten, ihn wieder ganz allein für sich zu haben.

„Wie schade, daß sie nicht die komplette Saison hier in Wien verbringen, gnädige Frau!" beklagte sich einer der jungen Offiziere und ignorierte Williams Anwesenheit vollkommen. „Zu gerne hätte ich ihnen den Walzer beigebracht!" William verdrehte die Augen. Das könnte diesem Lackaffen so passen! „Seien sie versichert, Mrs. Darcy ist des Walzertanzens durchaus mächtig," sagte er indigniert. Elizabeth konnte sich nur mühsam ein Kichern verkneifen. Der junge Herr ignorierte Williams Einwurf. „Und leider gibt es heute abend keine Möglichkeit mehr zum Tanz," sagte er bedauernd. „Ich würde die ganze Nacht mit ihnen durchtanzen, Verehrteste!" Und ich würde dich umgehend zum Duell fordern, du Frechling! dachte William erbost.

Elizabeth schmiegte sich ein Stückchen enger an William und sah lächelnd zu ihm auf. „Ich fürchte, diese Ehre könnte ich ihnen nicht erweisen, mein lieber Herr," sagte sie fast abwesend und mit einem leichten Knicks in Richtung der Herren zog sie William mit sich. Sie hatte diese unaufrichtige, schmeichlerische Gesellschaft bis obenhin satt und wollte nur noch mit ihrem Ehemann alleine sein. „Möchtest du gehen, Liebling?" flüsterte er und sie nickte. Oberst von Wedel machte noch einen großen Wirbel um ihren Abschied, so stolz war er darauf gewesen, daß sich dieses illustre Paar herabgelassen hatte, seine Dinnerparty zu besuchen. Er hielt sie sicherlich noch fünfzehn Minuten mit allerlei Geplauder auf bis sie endlich gehen konnten.

Sie seufzten beide erleichtert auf und mußten lachen, als sie endlich das Haus verlassen konnten und auf der Straße standen. Es war nicht allzu weit weg von ihrem Gasthof, also gingen sie das kurze Stück zu Fuß. „Was für ein Abend," grinste William und zog seine Frau an sich. „Weißt du jetzt, warum ich Veranstaltungen dieser Art nicht mag?" „Warum? Weil dich die jungen Damen alle so anhimmeln?" lachte Elizabeth. William sah sie überrascht an. Wie sie geahnt hatte, war er sich darüber nicht im geringsten bewußt gewesen, was er in den Köpfen der Ladies für Fantasien verursachte!

„Mich anhimmeln? Gott behüte! Nein, Liebes, ich kann es nicht ertragen, dich mit diesen ganzen schrecklichen Männern zu teilen..." Die Straße war menschenleer, also blieb er stehen und zog Elizabeth in seine Arme, um sie ausgiebig zu küssen. „Hmm...das wollte ich den ganzen Abend schon tun, Mrs. Darcy..." Elizabeth erwiderte den Kuß nur zu gerne, schüttelte dann aber gespielt schockiert den Kopf. „Mr. Darcy, ich muß mich doch sehr wundern! Auf offener Straße...Skandalös, wie sie sich verhalten!"

William grinste bloß, nahm ihren Arm und sie setzten ihren Fußweg fort. Wenige Minuten später erreichten sie den Gasthof und zogen sich sofort zurück in ihre geräumige Schlafkammer. Ohne die Hilfe einer Zofe oder eines Bediensteten in Anspruch zu nehmen kleideten sie sich aus – sie halfen sich dabei gegenseitig, und kletterten müde ins Bett.

Elizabeth kuschelte sich sofort in Williams einladend geöffnete Arme und schnurrte behaglich. Das war ihr Lieblingsort, hier fühlte sie sich wohl und geborgen und vor aller Welt beschützt. „Bedauerst du, daß wir übermorgen abreisen?" fragte er und fuhr gedankenverloren über ihren nackten Rücken. „Nein, nicht wirklich. Es war ganz wundervoll hier und ich habe die Zeit sehr genossen, aber ich freue mich auch wieder auf Pemberley." Elizabeth bahnte sich einen Weg mit kleinen Küssen an seinem Hals entlang und seufzte. „Auch wenn ich mich sicherlich danach zurücksehnen werde, den ganzen Tag mit dir alleine verbringen zu können!"

Sie quiekte überrascht auf, als William sie plötzlich auf seinen Bauch zog. „Wir werden auch weiterhin so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen, Elizabeth. Das verspreche ich dir. Wir haben jede Nacht..." seine Hände fuhren langsam über ihre Pobacken, „und jeden Morgen..." ein vorwitzig aufgerichteter Nippel verschwand zwischen seinen Lippen, was Elizabeth zum Aufstöhnen brachte, „und außerdem habe ich gehört, ein täglicher Mittagsschlaf soll der Gesundheit und dem allgemeinen Wohlbefinden sehr förderlich sein..." wieder ein Quieken Elizabeths, als ihre Hüften kurz angehoben wurden und sie sich auf einmal in einer sehr delikaten Position wiederfand. Danach war William erst einmal zu sehr abgelenkt, um weiterzureden und konzentrierte sich ganz auf die angenehme Aufgabe, seine anspruchsvolle und unersättliche Frau Gemahlin so gut es ging zufriedenzustellen.

Elizabeth erwachte am nächsten Morgen als erste und grinste, als sie feststellte, daß sie immer noch auf Williams Bauch lag. Rot wurde sie, als sie ebenfalls feststellte, daß sie sozusagen immer noch vereinigt waren. Elizabeth konnte seinen ruhigen Herzschlag hören und sog genüßlich seinen Geruch ein. Williamgeruch. Er roch immer ein bißchen nach Pfefferminz, Seife und Sandelholz – oh ja, er war durchaus ein wenig eitel – und jetzt kam noch der Duft ihrer leidenschaftlichen Vereinigung hinzu, und ein wenig Leder, ein bißchen Zigarre, frischer Schweiß. Es war ein sehr, sehr männlicher Geruch, fand Elizabeth und überaus anregend noch dazu. Unbewußt begann sie, ihr Becken kreisen zu lassen, was ihn aber nicht aufweckte.

Sie zog die Decke über sie beide und genoß Williams warmen Körper unter sich. Jetzt hatten sie schon so viele Nächte miteinander verbracht, leidenschaftlich miteinander verbracht – ob sich nicht auch bald ein Baby einstellen würde? Elizabeth fragte sich, ob sie das jetzt überhaupt schon wollte. Natürlich wollte sie ihm weitere Kinder schenken, aber eine Schwangerschaft wäre zunächst einmal das Ende ihres Liebeslebens, wie sie es momentan kannten und genossen. Sie seufzte. Man konnte es nicht beeinflussen. Und ob sie überhaupt in der Lage war, Kinder zu bekommen, wußte sie schließlich auch nicht, nicht wahr?

Ihre schläfrigen Gedanken beschäftigten sich damit, sich vorzustellen, wie William so als Vater sein würde. Als Vater eines Babys, wohlgemerkt. Er hatte die Zwillinge praktisch alleine großgezogen und sie wußte, wie sehr er die beiden liebte, aber sie hatte ihn noch nicht erlebt, wie er mit einem Säugling umging. Aber wieso sollte es anders sein als bei den Zwillingen - natürlich wäre er ein vorbildlicher Vater, der alle seine zukünftigen Kinder bedingungslos lieben würde... Natürlich... Ihre Lider wurden schwer und während Elizabeth langsam wieder auf seinem Bauch eindöste sah sie William vor sich, der Hannah und Alexander voller Stolz seine neugeborene Tochter, ihre kleine Schwester vorstellte.

Sie konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, daß sich diese kleine Vision schon in wenigen Monaten bewahrheiten würde.

Anmerkungen:

Ich habe absichtlich auf Zeitangaben bei der Hochzeitsreise verzichtet, da ich überhaupt keine Ahnung habe, wie lange ein Trip von England nach Wien in etwa dauert. Auch mag es nicht gerade geschickt gewesen sein, im Oktober eine solche Reise anzutreten, aber egal.

Die Namen auf der Dinnerparty sind frei erfunden, Fräulein von Vetsera hat auch nicht das geringste mit Rudolf von Habsburg bzw. Mayerling zu tun (war ja auch viel später). Ich fand den Namen einfach so passend.

Den Gasthof „Goldener Ochs" in der Seilergasse gab es tatsächlich (Casanova soll da schon genächtigt haben). Das Hoftheater ist das heutige Burgtheater. Schloß Schönbrunn mit Gloriette, Park und Tiergarten war in der Tat damals schon ein Ausflugsziel für die Wiener. Auch Beethoven und Grillparzer haben zu der Zeit in Wien gelebt. Beethoven war zu diesem Zeitpunkt bereits völlig taub und hat keine Konzerte mehr gegeben. Grillparzers Sappho wurde 1818 in Wien uraufgeführt.

Mit Regent ist übrigens George (der zukünftige IV.) gemeint, der für seinen erkrankten Vater, George III. die Amtsgeschäfte übernommen hatte und nach dessen Tod im Jahr 1820 König wurde. Nach ihm wurde die Epoche „Regency" benannt. Wenn man alle historischen Fakten so zusammennimmt, müßte die Reise der beiden Darcys im Jahr 1819 stattgefunden haben.

Tja, und das war die Geschichte von Elizabeth Bennet, beinahe Thornton, jetzige Darcy. Danke, lieber Leser, daß Du bis hierher durchgehalten hast! Es fällt mir richtig schwer, mich von meinen beiden Helden zu verabschieden, aber die Zeit des Abschieds ist definitiv gekommen. Es folgt noch ein kleiner Epilog, und dann ist Schluß. Und zwar endgültig... :-)