Kapitel 43
Die nächsten zwei Wochen verliefen schleppend und voller Unsicherheit. Zumindest für einen der Schüler in Hogwarts.
Täglich wartete Severus darauf, dass ihm irgendein Gryffindor seinen Status entgegen schrie. Wenn es einer wusste, reichte das normalerweise schon aus, um zumindest Gerüchte zu erzeugen.
Doch nichts geschah.
Nichts... außer dass er fast ständig Blicke im Rücken spürte. Und wenn er sich vorsichtig umsah, waren es immer grüne Augen, die hastig abgewandt wurden und ihm leicht rote Ohren bescherten.
Das erste Hogsmeade Wochenende des Schuljahres kam näher und Lucius hatte sich nicht nochmals gemeldet, sodass Severus schon fast glaubte, all das wäre nur ein böser Traum gewesen.
Doch dieser Glaube wurde beim Frühstück jäh zerstört, als eine schwarze Eule vor ihm landete und ihm ihr Bein entgegen streckte.
Mit leicht zitternden Fingern band er den Brief los und öffnete ihn. Noch während des Lesens der wenigen Zeilen erbleichte der Schwarzhaarige. Dann stand er auf und verließ hastig die Halle, um sich seinen Umhang zu holen und in Richtung Hogsmeade zu verschwinden.
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In den vergangenen zwei Wochen hatte Lily Evans jede freie Minute, die ihr zwischen dem Unterricht und dem Lernen verblieb dazu genutzt, mehr über das herauszufinden, was sie bisher in der Magischen Welt für undenkbar gehalten hatte. Trotz dem dessen-Name-nicht-genannt-werden-durfte und all dem Bösen, das dieser und seine Anhänger verbreiteten, hatte sie dennoch fest daran geglaubt, dass es hier in dieser Welt niemanden gab, der so tief gesunken war, um einen anderen Menschen zu versklaven.
Dass es dies offenbar doch gab, ließ in ihr den Entschluss wachsen, etwas dagegen zu tun, ja tun zu müssen, wollte sie Morgens noch einigermaßen Selbstachtend in den Spiegel blicken können.
Doch um etwas tun zu können, hieß es zuerst mehr zu erfahren. Sie musste lernen und dies nicht nur das, was man sie in ihrem Abschlussjahr noch lehrte, sondern all das, worüber anscheinend niemand sprach und auch sie nicht sprechen sollte. Selbst Professor McGonagall hatte sich geweigert, ihr mehr preiszugeben, außer sie darauf hinzuweisen, das,s wenn sie einem Menschen auch noch die letzte Würde nehmen wollte, sie ja nur jemanden erzählen bräuchte, was sie herausgefunden hatte.
Dass Lily Evans das nun bestimmt nicht wollte, war beiden klar gewesen.
Doch so sehr Lily sich auch bemüht hatte, so sehr sie auch suchte, konnte sie so gut wie nichts über Sklaven in der Magischen Welt finden. Nur einige wenige Hinweise, dass diese Besitztümer – Lily wurde immer noch ganz schlecht bei dem Gedanken, dass ein Mensch einen anderen besitzen konnte – extrem selten und daher kostbar waren.
Kostbar nicht als Mensch, nicht als Person, nicht das Wissen was diese besaß, oder deren Persönlichkeit – nein. Immer war von einem Sklaven als Besitztum geschrieben worden. Als Objekt, das zu behandeln dessen Eigentümer keinerlei Schranken auferlegt waren, auch wenn Lily daran zweifelte, dass sie das wirkliche Ausmaß dieser … dieses Anspruches verstanden hatte.
Als sie nun beim Frühstück saß, tat sie wieder das, was sie in der restlichen ihr verbliebenen Zeit getan hatte – sie war Ihm gefolgt. Hatte ihn beobachtet, auf etwas gehofft, das ihr verriet, dass sie sich täuschte, doch hatte sie nichts gefunden. Nichts das dafür, aber auch nichts das dagegen sprach.
Es war immer noch Schniefelus mit den fettigen ungewaschenen Haaren und einem Verstand, den sie im Unterricht als scharfe Konkurrenz wahrzunehmen gelernt hatte und das war es auch, was sie an dem zweifeln ließ, was sie gehört zu haben glaubte. Denn nach allem was sie gelesen hatte, auch wenn es noch so wenig war, so würde ein Sklave bestimmt nicht nach Hogwarts gehen.
Da nun das erste Hogsmeadewochenende des neuen Schuljahres anstand, entschied sich Lily kurzerhand dafür, das Lernen erstmal lernen sein zu lassen und dem Slytherin zu folgen. Vielleicht würde sie ja so endlich mehr erfahren, oder konnte eine günstige Gelegenheit abpassen, um mit ihm zu sprechen.
Als sie dann schließlich sah, dass er in Richtung Hogsmeade ging, folgte sie ihm in einigem Abstand. Noch waren zu viele andere Schüler da, die denselben Weg gingen, alle froh hinunter ins Dorf zu kommen, um dort einzukaufen, oder sich anderweitig ihre Zeit zu vertreiben.
Severus sah nichts von all dem, was ihn umgab. Innerlich bebend vor Angst lief er in schnellen Schritten in Richtung Hogsmeade, bog aber, noch bevor er die hineinführende Straße erreichte, nach links ab und ging am Rand eines Waldstücks weiter, bis dieses sich nach rechts öffnete und den Zugang zum Haus seines Meisters freigab.
Bleich wie eine Wand öffnete er die Tür und schlüpfte hinein.
Lily war nicht wenig verwundert, als sie sah, dass der Slytherin nicht ins Dorf hineinlief, sondern schon vorher abbog. Nun nur noch neugieriger geworden folgte sie ihm, nun jedoch einen größeren Abstand halten müssend und beinahe glaubte sie schon ihn verloren zu haben, doch dann kam sie plötzlich an eine Einbuchtung zwischen den Bäumen, die ihr zuvor nicht aufgefallen war. Vielleicht wäre es auch diesmal nicht, wäre da nicht ein frisch abgebrochener Ast.
Vorsichtig ging Lily weiter und blieb schließlich überrascht stehen, als sie plötzlich zwischen den Bäumen hindurchging und ein Haus erblickte, das sie zuvor noch nie gesehen hatte. Auch hatte sie keinen der anderen Schüler darüber sprechen hören und selbst Potter oder einer seiner Freunde hatte nie etwas in der Richtung erwähnt.
Neugierig geworden lief Lily weiter und sah so gerade noch eben, wie ein Stück Schulrobe hinter der zufallenden Haustüre verschwand. Entschlossen dem auf den Grund zu gehen, setzte sich die Gryffindor in den Schatten der Bäume und beschloss zu warten, bis ihr Mitschüler wieder herauskam. Denn wo sonst konnte sie so ungestört mit ihm reden wie hier?
Drinnen ging Severus langsam durch die Halle und in das kleine Kaminzimmer, wo er auch tatsächlich Lucius in einem... doch bedenklich geringen Bekleidungszustand fand.
Der Blonde saß mit noch feuchten Haaren und vermutlich nur in den sichtbaren Bademantel gehüllt in einem der Sessel und blickte ins Feuer.
Heftig schluckend blieb der Sklave kurz stehen, ehe er sich leise räuspernd auf sich aufmerksam machte. "Meister?"
Langsam wandte Lucius seinen Kopf der leisen Stimme zu, sich sehr wohl der dunklen Ringe unter seinen Augen bewusst, die trotz des eigentlich erfrischend sein sollenden Bades nicht fort gingen. Zu deutlich zeigte sein Gesicht, dass er auch die letzten beiden Wochen, so wie die zwei davor kaum Schlaf und nach ihrer letzten Begegnung noch weit weniger Ruhe gefunden hatte.
Nichts hatte er mehr tun können, als an die Ereignisse auf der kleinen Lichtung zu denken und an den Zustand, in welchem er gegangen… nein regelrecht geflohen war. Noch in der Nacht war die Erregung nicht verschwunden und es brauchte nicht viel, um sie abermals wachsen zu lassen. So wie sie abermals unbefriedigt blieb… in seinem Inneren einzig das Verlangen nach dem Körper des Anderen spürend.
Severus erschrak regelrecht, als er Lucius sah. Das bleiche Aussehen wurde durch die dunklen Ringe noch verstärkt und ließ den Blonden krank wirken. "Was.. Was habt Ihr, Meister?", fragte er besorgt nach und lief einige Schritte auf den Sessel zu, ehe er unsicher wieder stehen blieb.
Als Lucius Ihn - den Grund für all die Ruhelosigkeit - nun sah, flammte der Hunger nur noch heftiger in ihm auf. Verlangte danach gestillt zu werden - jetzt hier und möglichst sofort. Langsam strich Lucius' pelzig belegte Zunge über seine ausgetrockneten Lippen und mit seinen Augen verschlang er bereits, wonach er sich so lange verzehrt hatte.
Doch hielt er sich zurück… konnte es nicht. Selbst jetzt, wo er einfach nur seine Hand auszustrecken und zu nehmen brauchte, was ihm gehörte.
Doch noch nicht… erst musste er es wissen, brauchte eine Antwort. Wollte Gewissheit.
Es geschah nicht oft, dass Lucius um Worte verlegen war, doch nun musste er sich regelrecht dazu zwingen, sie auszusprechen: "Wirst du mich jemals lieben, Severus?", und weil er die Antwort fürchtete, es einfach nur hinter sich bringen wollte, es ausgesprochen haben musste, setzte Lucius noch rasch hinterher, "…oder… oder zumindest mich jemals begehren?"
Severus wurde bleich und schluckte erstmal schwer. "Ich... ich bin nicht schwul, Meister.", wisperte er dann leise. "Aber... Aber.. wenn... wenn..." Oh, wie er es hasste, so schrecklich zu stammeln! Langsam schloss er die Augen und flehte stumm, dass dies alles nur ein neuer Traum war. "Ihr seid mein Meister. Ich werde reagieren, wie Ihr es verlangt."
"Ich will nicht, dass du einfach nur gehorchst!", brüllte Lucius plötzlich, sich fragend, wann er während dieses Ausbruchs an Worten und Emotionen aufgesprungen war und auch ignorierend, dass sein ohnehin nicht geschlossener Bademantel nun vollends aufklappte und seine nackte Haut darunter zum Vorschein kam.
Mit Händen, die zu Fäusten geballt waren, stand er da - zitternd vor Zorn, vor Enttäuschung und zugleich auch Verlangen und nun war mehr seiner Verzweiflung als seines Zorns in seinen Worten. "Ich will keine seelenlose Puppe, die nur tut, was ich verlange!"
Der Sklave zuckte zusammen und taumelte zwei Schritte zurück, ehe er sich wieder fing und in geduckter Haltung stehen blieb. "Ich.. ich wäre keine ..Puppe, Mei...Meister.", wisperte er leise. "Ich... habe gelernt, wie... ich mich verhalten muss."
Lucius schloss seine Augen, zwang seinen heftig gehenden Atem sich zu beruhigen, was einfacher war als sein wild pochendes Herz und auch der Schmerz den die Worte in ihm verursachten, konnte er nicht einfach so fortschieben. Die Worte und das unterwürfige Verhalten…
…Ausgerechnet Ihm gegenüber!
Hatte er nicht alles getan, damit Severus lernte eigenständig zu denken und zu handeln? Eigene Gefühle zu entwickeln?
Dass diese Gefühle offenbar ihn nicht betrafen … Lucius sank zurück in den Sessel, barg seinen Kopf in seinen vor Anspannung verkrampften Händen.
Er wollte keine Puppe… nichts gespieltes… keine vorgeheuchelte Leidenschaft…
Einen Moment blieb Severus wie angewurzelt stehen und starrte auf den Blonden, der da noch immer so halb entblößt vor ihm saß. Dann schluckte er heftig und trat die restlichen Schritte auf ihn zu, hockte sich vor den Sessel und schlang seine Arme um ihn, um ihn sanft zu halten, so wie er es auch unzählige Male während der Ferien getan hatte.
Ein tiefes Seufzen entkam Lucius' Kehle, das verdächtig nach einem erstickten Schluchzen klang. War es denn so verkehrt sich gewollt zu wünschen? Ohne sein zutun, schlangen sich seine Beine um Severus und weil das nicht so ganz klappte, rutschte Lucius kurzerhand vom Sessel auf den Boden und benutzte nun auch seine Arme, um ihn zu umarmen und zu halten und an sich zu drücken.
Und während Lucius den Anderen noch fester an sich zog, ihn niemals wieder loslassen wollte, raunte er mit verdächtig erstickt klingender Stimme in dessen rechtes Ohr: "Ich brauche dich doch so sehr, Severus."
"Ich werde immer bei Euch sein.", murmelte der Schwarzhaarige leise und auch wenn er sich, innerlich noch immer bebend, davor fürchtete, was sicherlich kommen würde, schmiegte er sich in die Umarmung und schloss die Augen.
Ein tiefes Ein- und Ausatmen folgte und ganz langsam entspannten sich Lucius' bisher angespannt verkrampfte Muskeln und für eine kleine Weile hielt er Severus einfach nur fest. Genoss dessen Nähe, sog regelrecht wie ein Verdurstender jede seiner Bewegungen in sich auf und war für einen Augenblick ganz damit zufrieden, ihn einfach nur zu halten und… ja, auch gehalten zu werden.
Ein kleiner Teil in Severus glaubte in dem Moment tatsächlich, dass dies alles war. Dass Lucius nicht mehr von ihm fordern würde. Und ein leises Seufzen entfleuchte ihm, das tatsächlich entspannt klang.
Wie lange sie nun da saßen, wusste Lucius nicht zu sagen, doch irgendwann begannen seine Hände damit über den Rücken des Schwarzhaarigen zu streichen, während sein Kopf weiterhin auf dessen rechter Schulter ruhte.
Den Bruchteil einer Sekunde umarmte Severus den anderen etwas fester, ehe er sich vollständig entspannte und nach kurzem Zögern, Lucius ebenfalls streichelte. Auf die Art fiel nicht so schnell auf, dass seine Hände leicht zitterten.
Ein Lächeln begann, Lucius' Lippen zu umspielen, und langsam suchten sich seine Hände einen Weg unter die Schülerkleidung, was nicht so einfach war, wie er es gerne gehabt hätte.
Severus erinnerte sich an all die Lektionen, die er von seinem früheren Herrn erhalten hatte. Und sein Körper schien sich sogar noch mehr zu erinnern, als es sein Geist vermochte, und drückte sich den Händen entgegen. Der kleine Teil in ihm, der entsetzt war und sich auch vor dem ekelte, was geschehen würde, schloss er tief in sich ein. Er musste tun, was sein Meister von ihm erwartete!
Langsam suchten sich Lucius' Hände weiter ihren Weg unter die Kleidung, doch dauerte ihm dies zu lange und so rückte er ein Stück weit ab. Nicht so dass er den Kontakt verlor, aber doch soweit, dass sein Gegenüber wieder etwas Bewegungsfreiheit hatte.
"Zieh dich aus.", raunte er leise, während er die linke Hand in seine Bademanteltasche wandern ließ und ein kleines Döschen hervorholte, mit einer ganz besonderen Gleitcreme. Laut beigefügter Beschreibung rief sie bei erfolgter Reibung ein angenehm wärmendes Kribbeln hervor, das die wohligen Empfindungen noch um ein Vielfaches verstärken würde.
Innerlich erleichtert darüber, dass Lucius zumindest an Gleitcreme gedacht hatte, folgte Severus dem Befehl und begann sich langsam auszuziehen. Mittlerweile hatte er sich auch so weit beruhigt, dass seine Hände nicht mehr zitterten.
Es dauerte nicht lange und er hatte sich vollständig entkleidet.
Während Lucius beobachtete wie Kleidungsstück um Kleidungsstück zu Boden wanderte, zog er schließlich als auch das Letzte fiel seinen Zauberstab und murmelte den Aufhebungszauber, welcher den Glamour von Severus nehmen sollte.
Dass er überrascht war, als nichts passierte, wäre wohl weit untertrieben.
"Was?", begann er, wiederholte den Zauber dann aber. Vielleicht hatte er sich versprochen, eine kleine Geste falsch … doch nein. Sein Zauber war perfekt, doch zeigte er keinerlei Wirkung, fast so als wäre er gar nicht erst vorhanden und nichts da, das er aufzuheben hätte.
Zuerst rot und dann bleich werdend, senkte Severus den Kopf, sodass sein Gesicht von den fettigen Haaren verborgen war. "Der .. Der Glamour ist nicht von Euch, Meister.", wisperte er sehr leise. "Ihr... hattet ihn nicht wieder auf mich gelegt und... Professor McGonagall fand mich im Wald und hat ihn stattdessen gesprochen."
"Hat sie das...", echote Lucius mit einer
Mischung aus Unglauben, Selbstvorwürfen und Zorn, wobei er
selbst nicht wusste, welche der Empfindungen im Moment überwogen,
hatte er damit nun wirklich nicht gerechnet.
‚Ganz
Ruhig, Lucius… es war nur McGonagall … sie weiß ohnehin
bescheid …', versuchte er sich selbst einzureden und die
unbestimmbare Wut in seinem Inneren zu besänftigen, die danach
verlangte, dass für diese Übertretung eines gegebenen
Befehls, dass niemand Severus wirkliches Äußeres kennen
durfte, Vergeltung erfolgte. Seine Augen
zusammenkneifend änderte Lucius den Zauber ab, der einen fremd
gesprochenen Glamour von seinem Eigentum nehmen würde und
diesmal funktionierte es auch. Wortlos streckte er seine Hand aus,
streifte das grünsilberne Tuch mit dem Armreif und löste es
so vom gebeugten Hals.
Ein leichtes Zittern durchlief den bleichen Körper, weil Severus befürchtete, dass er nun mit einem der schmerzhaften Reifen bestraft werden würde. Doch verbarg er die Angst sofort wieder. Die seidigen, nun viel längeren Haare umspielten seine Schultern, als er den Kopf hob und Lucius anblickte.
Das grünsilberne Tuch einfach fallen lassend, ließ Lucius seine Finger durch das nun wieder seidig weiche schwarze Haar streicheln: "Was soll ich nur mit dir machen?", murmelte er dabei mehr zu sich selbst, als an sein Gegenüber gewandt.
Langsam drehte er seinen Zeigefinger so, dass sich eine der feinen Strähnen um seinen Finger wickelte. Es einfach so hinzunehmen, unbeachtet zu lassen, konnte Lucius nicht. Selbst wenn er es gewollt hätte, verlangte dieser Ungehorsam nach einer Strafe, war es doch einer seiner ureigensten und auch für die Zukunft wichtigsten Befehle gewesen, dass absolut niemand außer ihm selbst, Louis und gezwungenermaßen auch der Dunkle Lord vom wahren Äußeren seines Sklaven wussten und Lucius ahnte, dass er sich erst besser fühlen würde, wenn er sie auch vergeben hatte.
Severus war lange genug Sklave, um zu wissen, dass er nicht darum herum kommen würde. Auch wenn Lucius ihn so gut wie nie bestrafte und es eigentlich ja auch nicht seine Schuld gewesen war. Das war unwichtig.
Langsam senkte er den Kopf wieder und wartete ab, was die Strafe sein würde, während in seinem Kopf ‚Nicht Der Reif.' in einer Endlosschleife lief.
Langsam und fast schon behutsam darauf bedacht ja keine zu schnelle Bewegung zu machen, löste Lucius seinen in die Haare verwickelten Finger wieder, strich die nun wirre Strähne glatt und schnippte mit seinen Fingern, woraufhin im nächsten Moment auch schon Tuffy erschien.
"Wie kann Tuffy helfen?", fiepte die Hauselfe, während sie noch ein Stück mehr zu strahlen begann, als ihr Blick auf den Hausmenschen fiel und für Lucius unsichtbar erschien auch Dobby, lautlos und ohne das typische Plopp, mit seinen Händen ein halbes Dutzend Hühnereier jonglierend und dem fast Hauselfen dabei zuzwinkernd.
Ohne die Frage der Hauselfe zu beachten forderte Lucius: "Deinen Zauberstab… du wirst ihn dafür nicht brauchen und auch sonst keine Magie anwenden."
Ohne zu zögern drehte Severus sich zu seinen deutlich liederlich zusammen gelegten Sachen um und entnahm einer Robentasche seinen Zauberstab. Dabei fiel sein Blick auf Dobby und er konnte nicht anders, als leicht zu schmunzeln. Doch die nagende Angst in seinem Bauch, nahm wieder überhand, als er sich zurück zu seinem Meister drehte und diesem den Stab gab. Dass das absolut unnötig war, wusste Lucius sicherlich. Immerhin genügte ein einfaches Verbot und Severus wäre nur noch unter größten Schmerzen in der Lage zu zaubern, wenn überhaupt.
Mit seinen Fingern über das glatte Holz streichelnd, nickte Lucius kurz zu der Hauselfe hin, recht zufrieden mit seiner Idee einer Bestrafung. Schließlich erinnerte er sich noch gut daran, wie sehr die Ermordung des Muggelkindes seinen Sklaven mitgenommen hatte und es war ihm auch nicht entgangen, dass er sich mit den Hauselfen besonders gut verstand und das Beste daran war, Lucius musste weder selbst tätig werden, noch Severus verletzen. Zumindest nicht körperlich.
So klang seine Stimme vollkommen entspannt und mit sich im Reinen, als er nichtsdestotrotz befehlend verlangte: "Töte sie … jetzt."
So schnell den Kopf nach oben reißend, dass er sich beinahe den Hals verrenkte, starrte Severus seinen Meister vollkommen entgeistert an. "Ich... ich soll...", stammelte er und schluckte heftig, als er auch schon innerlich den Drang spürte zu gehorchen. Mit flehendem Blick sah er zwischen Tuffy und dem Blonden hin und her. "M.Mei..Meister?", hauchte er leise und am ganzen Körper zitternd. "Sie... sie gehört Euch... ich... ich..."
Lucius' Miene verdüsterte sich schlagartig, das auf dem Boden zerplatzende Ei nicht bemerkend, das Dobby aus der Hand gefallen war, ehe er die anderen verschwinden ließ und mit Tellergroßen Augen zwischen Tuffy und Severus hin und herblickte.
Leise keuchend sackte Severus nach vorn, sodass er sich mit den Armen abstützen musste, als der Sklavenbund begann, ihn zu bestrafen, weil er den Befehl seines Meisters nicht befolgte. Doch war es weitaus schlimmer als sonst.
Es bestand ein Konflikt, den der Bund nicht auflösen konnte und stattdessen mit unglaublichen Schmerzen beantwortete.
Er musste dem ausdrücklichen Befehl seines Meisters folge leisten! Aber er durfte unter gar keinen Umständen, absichtlich Eigentum seines Meisters beschädigen!
Es dauerte nicht lange und der Schwarzhaarige wandte sich am Boden, die Lippen waren blutig gebissen, weil er nicht schreien wollte. Doch hielt das nicht lange an, als es einfach zu schlimm wurde und ein gequälter Schrei sich seiner Kehle entrang, der immer mehr anschwoll.
Wie erstarrt stand Lucius da und starrte auf die sich am Boden windende Gestalt. Das hatte er so nicht gewollt, aber… es war auch eine Strafe. Sogar eine, bei der er nicht einer Hauselfe verlustig wurde, so unnütz diese Plagegeister auch sein mochten, war Lucius klug genug zu wissen, dass ohne sie viele Haushalte im Chaos versinken würden.
Dennoch tat er nichts, um die Qual zu beenden, fühlte er sich noch nicht gänzlich zufrieden gestellt.
Draußen am Waldrand sprang eine rothaarige junge Hexe auf, ihre Hand fest um den Zauberstab geschlossen und starrte mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen auf das Haus, aus welchem diese entsetzlichen Schreie klangen.
Severus schrie sich binnen weniger Minuten heiser, Speichel tropfte ihm aus dem rechten Mundwinkel und seine weit aufgerissenen Augen verdrehten sich dermaßen, dass ein roter Punkt im Weiß sichtbar wurde, wo eines der feinen Äderchen bereits geplatzt war.
Erst als es heftig an der Tür klopfte und hämmerte und eine eindeutig weibliche Stimme verlangte, augenblicklich hereingelassen zu werden, gelang es Lucius sich aus seiner Erstarrung zu lösen und Tuffy ein harsches "Verschwinde!" zuzuzischen, während er sich neben Severus kniete und den sich windenden, krümmenden Körper festhielt. Dessen Zauberstab warf er dabei achtlos auf das Kleiderbündel.
"Severus es ist gut … du musst sie nicht töten!" Eindringlich starrte er dabei in die weit aufgerissenen, verdrehten Augen, erst jetzt wirklich begreifend, was er da getan hatte. Das er ihn fast umgebracht hätte.
Der Schmerz hörte so plötzlich auf, dass eine fast schon unglaubliche Leere in ihm zu herrschen schien. Mit immer noch leicht zuckenden Muskeln und verdrehten Augen lag Severus da und rührte sich nicht. Er war im Moment nicht fähig, irgendetwas um sich herum aufzunehmen, außer der Tatsache, dass die Schmerzen nachließen und er nicht tot war.
Lucius seufzte leise auf, ehe er sacht die schweißfeuchten Haare aus der Stirn strich: "Zwing mich nicht noch einmal dazu, dir derartiges antun zu müssen.", raunte er leise, stand dann auf und wandte sich der Tür zu, die in den Eingangsbereich führte. Hielt dann aber noch einmal inne, rief seinen eigenen Zauberstab zu sich und sorgte innerhalb weniger Sekunden dafür, dass der am Boden liegende Junge wieder sowohl bekleidet, als auch sein gewöhnliches, bekanntes Aussehen besaß. Kurz bückte er sich, griff sich das aus Tuch bestehende Sklavenhalsband und wand es um den zitternden Körper, woraufhin es sich fast von selbst wieder verschloss.
"Geh … und ich hoffe für dich, dass du eine plausible Erklärung für deinen Zustand erfindest. Das nächste Mal, wenn du mich siehst, werden wir ausgiebig nachhohlen, was schon vor zwei Wochen versäumt wurde und ich möchte dabei all deine Begeisterung zu spüren bekommen!"
Wenn er schon nicht begehrt wurde, dann wollte er zumindest glauben können, dass dem so war, auch wenn er tief im Inneren wusste, dass es nur eine Illusion war. Aber selbst diese war besser, als einen leblosen Körper zu nehmen. Raschen Schrittes verließ er das Kaminzimmer, um dann in einen der vom Eingang aus nicht zufällig einsehbaren Räume zu gehen, wo er einen Spiegel so verzauberte, dass er sehen konnte, was sich an der Haustüre abspielen würde.
Mühsam rappelte Severus sich auf und wischte sich über das schweißnasse Gesicht. Seinen Zauberstab nehmend, ging er zur Tür und öffnete sie, um sich einer doch mehr als wütend wirkenden Lily Evans gegenüber zu sehen. "Was... tust du hier?", hauchte er leise und das Entsetzen schwang in seiner noch immer mehr als heiseren, kaum hörbaren Stimme mit.
"Wo ist er?", schnappte Lily, während ihre vor Wut grün blitzenden Augen versuchten, in das Innere des Hauses zu sehen. Wie sehr es sie schockierte, ihre schlimmsten Befürchtungen nun auch noch bestätigt zu sehen, darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken müssen.
Keine Ausrede… keine Ausflüchte mehr… sie musste einsehen, dass Severus tatsächlich ein Sklave war. Nur hieß das noch lange nicht, dass sie auch zulassen würde, dass ein Anderer ihn quälte.
"Wen meinst du, Evans?", fragte Severus so kalt es seine kaum vorhandene Stimme zuließ. Dabei wirkte sein nun wieder so emotionsloser Blick dennoch bittend. Sein Meister durfte auf keinen Fall erfahren, dass Lily wusste, was er war. Dann wäre die Strafe eben sicherlich noch milde im Vergleich ausgefallen.
"Na den Bastard, der dir das angetan hat!", fauchte Lily entschlossen einen Schritt in die Türe machend, um so ins Haus zu gelangen, auch wenn es ihr im nächsten Moment leid tat, dass sie den Slytherin derart anfuhr, aber sie war so voller Angst und Zorn, wollte, wer immer es war, zur Rechenschaft ziehen… ihn wenn nötig beim Ministerium anklagen wegen Misshandlung, Körperverletzung und was sonst noch alles nötig war, damit… ja… damit Severus frei käme und… genau… sie musste den Mistkerl nur erwischen… musste ihn sehen, damit sie bezeugen konnte, was sie gehört hatte und immer noch sah.
"Niemand.. hat mir irgendetwas angetan. Ich habe.", fieberhaft suchte sein Geist nach einer Lüge, die halbwegs glaubhaft war. "Ich habe nur mit einem Trank experimentiert. Das ist alles. Und du hast kein Recht hier reinzugehen." Damit schob er sie einfach zur Tür hinaus und zog diese hinter sich ins Schloss.
Lily war zu überrascht, um rechtzeitig zu reagieren, und so schloss sich die Türe, ehe sie hatte ganz eintreten können: "Natürlich… und ich habe Cruciatusopfer gesehen, die besser aussahen wie du…", murrte sie leise, deutlich zeigend, dass sie kein Wort glaubte.
Im Haus indessen nahm Lucius den Zauber von dem Spiegel. Offenbar war es Severus wieder einmal gelungen… gelungen seine Schwäche in Stärke zu verwandeln und das, wo er kaum eine Minute zuvor noch geglaubt hatte, dieser könnte sich zumindest die nächste Stunde über kaum bewegen.
Wieder war er gegangen, waren sie getrennt worden, ohne dass Lucius sein Bedürfnis hätte ausleben und seinen Hunger hätte stillen können. Zwei Wochen bis zum nächsten Hogsmeade Wochenende... zwei Wochen, die Lucius nicht gewillt war zu warten. Er würde schon einen Weg finden und… vielleicht würde ja eine Spende zur richtigen Zeit am richtigen Ort in den richtigen Händen dafür sorgen, dass ein gewisser Schüler ein wie Lucius wusste, dieses Jahr ohnehin nicht belegtes Einzelzimmer erhielt.
Ohne etwas zu antworten ging Severus einfach den Weg entlang, den er vor nicht allzu langer Zeit gekommen war. Dabei war allerdings deutlich zu sehen, dass er noch immer starke Schmerzen hatte, auch wenn er versuchte, sie zu ignorieren.
Noch einen letzten Blick auf das Haus werfend, folgte Lily dem Slytherin dann jedoch lieber. Am liebsten hätte sie ihn dazu aufgefordert sich auszuruhen, sich hinzusetzen… bis sie Hilfe geholt hätte, doch ahnte sei bereits, dass er so etwas rigoros abschlagen würde. So blieb ihr nicht viel anderes zu tun, als neben ihm zu gehen und ihren Zauberstab bereit zu halten, um jederzeit eingreifen zu können, sollte er zu fallen drohen.
Nach einigen weiteren Metern hielt es Lily einfach nicht mehr aus und sie stieß hervor: "Du solltest ihn anzeigen. Ich bin gerne bereit als Zeugin auszusagen."
Severus schwieg, bis sie sich bereits fast auf dem Weg befanden, der sie zurück zum Schloss oder nach Hogsmeade führen würde. Erst dort drehte er sich ihr langsam zu. "Erstaunlich... wie dumm selbst die klügsten Leute sein können.", murmelte er kaum hörbar und verfluchte sich innerlich, dass er während seiner Strafe nicht hatte still bleiben können, sodass er jetzt kaum noch eine Stimme hatte. "Ich denke mal, dass du begriffen hast, was ich bin.. aber was es bedeutet, weißt du nicht."
Ihre Hände in die Hüften stemmend erwiderte Lily entschlossen: "Es bedeutet, dass ich das nicht mit ansehen werde. Dass ich dir helfen werde!"
"Oh natürlich. Die große Lily Evans kann, was kein Lehrer tun würde.", meinte Severus mit vor Sarkasmus triefender leiser Stimme. Einen Moment musterte er sie, dann verließ er den Weg und setzte sich hinter einigen dichten Büschen auf den Boden, damit er vom Weg aus nicht gesehen werden würde.
Zornig und besorgt zugleich - wieso schaffte er es immer wieder sie zu verletzen? - folgte Lily ihm und hockte sich schließlich unschlüssig vor ihm hin: "Ich könnte ins Schloss laufen und Hilfe hohlen...", bot sie zögerlich an, traute sie ihm doch durchaus zu, dass er, kaum dass sie weg war, wieder irgendeine Dummheit anstellte und am Ende noch im Mungos landete. Wenn er da nicht sowieso wegen seiner Verletzungen hingehörte. Er sah wirklich alles andere als gesund aus.
"Nein. Es wird von selbst verschwinden.", murmelte Severus leise und musterte die Gryffindor vor sich. "Du weißt also, was ich bin?", fragte er nach, nur um sicher zu gehen, dass er ihr nichts verriet, was sie nicht schon wusste.
"Ein…" Lily schluckte und setzte sich nun ganz ins Gras, zog ihre Knie an und schlang ihre Arme um selbige, "… ein Sklave."
"Ein magisch begabter Sklave. Extrem selten und extrem wertvoll.", erwiderte Severus leise. "Absolute Sklaverei. Sie ist nicht auflösbar. Mein Meister könnte mich vor den Zauberergamot bringen und mich vor sämtlichen dort anwesenden Personen inklusive des Zaubereiministers zu Tode foltern und niemand würde ihn dafür belangen. Es wäre das gleiche, als hätte er vor ihren Augen seine Schreibfeder zerbrochen. Ich bin sein Eigentum... ein Gegenstand, soweit es die magischen Gesetze betrifft und nichts, was du tust, wird etwas daran ändern... außer mich in Schwierigkeiten zu bringen."
Lilys Gesicht verlor jegliche Farbe, als sie entsetzt eine Hand vor den Mund schlug: "Das… das ist unmenschlich!", würgte sie hervor. Das konnte, nein das durfte einfach nicht wahr sein!
Severus zuckte leicht mit den Schultern. "Ich bin ein Sklave. Kein Mensch im eigentlichen Sinn.", meinte er und es klang wirklich beinahe gleichgültig.
"Dann… dann macht es dir nichts aus?" Purer Unglauben schwang in Lilys Stimme mit, während sie immer noch versuchte damit klar zu kommen, dass… nein, so etwas konnte, wollte sie niemals akzeptieren.
"Ich habe keine Wahl, als es zu akzeptieren.", erwiderte Severus und zuckte erneut leicht mit den Schultern. "Ich kenne kein anderes Leben. Wie auch immer. Du solltest mir nicht mehr folgen. Wenn mein Meister herausfindet, dass... dass du es weißt." Ein unwillkürliches Schaudern durchlief seinen Körper. Lucius würde garantiert noch wütender sein, als heute schon, wenn er es erfuhr.
Entschieden schüttelte Lily ihren Kopf: "Das kann ich nicht akzeptieren. Es… es muss doch etwas geben.. irgendetwas, mit dem ich dir helfen kann. Vielleicht… ich könnte es Mister Potter erzählen. Er würde dir ganz bestimmt helfen."
"Bist du vollkommen übergeschnappt?!", erwiderte Severus, ehe er sich zurückhalten konnte. "Was habe ich gerade gesagt? Mein Meister will nicht, dass jemand von meinem Status erfährt. Und ganz sicher will ich nicht, dass Potter es erfährt.. egal welcher! Mein Meister würde es herausfinden! Und nicht einmal der Tod hebt einen einmal geschlossenen Sklavenbund wieder auf. Also schlag es dir aus dem Kopf."
Das erste, was Lily empfand, war Kränkung. Wieso beschimpfte er sie, wenn sie ihm doch nur helfen wollte? Sie meinte es schließlich doch nur gut! Doch dann gewann eine andere, weit intensivere Empfindung plötzlich die Oberhand und rasch blickte sie beiseite, konnte das Schmunzeln jedoch nicht ganz verbergen, daher stand sie rasch auf und wandte sich um. Doch ganz kommentarlos wollte sie seine Worte auch nicht auf sich sitzen lassen. "Immerhin hält dein… dein Status dich nicht davon ab, Menschen, die dich mögen und dir helfen wollen, vor den Kopf zu stoßen."
"Nur mein Meister kann mir befehlen, mich anderen gegenüber meinem Status entsprechend zu verhalten... und ich wette, dass dir das nicht gefallen würde.", murmelte Severus, während er sich mit einem leisen Stöhnen erhob. Doch dann hielt er inne und sah sie an. "Hast du gerade gesagt.. dass du mich magst?", wollte er unsicher wissen.
Langsam drehte sich Lily wieder um, so dass sie dem Slytherin ins Gesicht sehen konnte. Oh ja, sie glaubte auch nicht, dass ihr gefallen würde, was er angedeutet hatte. Dann doch lieber seine andere, sarkastische Art.
"Naja wenn… wenn du mich nicht gerade wegen meiner Herkunft beschimpfst, bist du wirklich nett… und…" Beschämenderweise spürte Lily, wie sie heiße Ohren bekam und sprach daher ganz schnell weiter: "…und… für einen Slytherin bist du… ich meine…", ‚Himmel ist das peinlich!', "…ich kann mit dir reden und du hörst auch wirklich zu… das tut sonst niemand. Nicht wirklich jedenfalls…", letzteres murmelte sie nur noch, während nun auch ihre Wangen einen deutlichen Rotton annahmen, "…ja ich mag dich wirklich."
Severus stand vollkommen ungläubig da und griff sich aus Reflex an seine Haare, um zu sehen, ob sie fettig waren, wie sie es sein sollten. Doch mit dem Glamour schien alles in Ordnung zu sein. "Am Aussehen kann's ja wohl nicht liegen.", brummelte er, während er ebenfalls leicht rot wurde.
Erleichtert, dass er sich wenigstens nicht direkt über sie lustig machte, grinste Lily erleichtert: "Komm schon so schlimm ist's nun auch wieder nicht. Außerdem… was nützt einem gutes Aussehen, wenn der Charakter nicht stimmt?"
Ihm zu sagen, dass sie seine Nase mochte - sie fand sie keineswegs zu groß - und auch seine Hände mit den langen schlanken Fingern, die so genau und vorsichtig zugleich die Zutaten im Zaubertrankunterricht behandelten. Nein, das wäre nun wirklich zu weit gegangen.
"Und... und woher weißt du, dass mein Charakter in Ordnung ist?", fragte Severus leise weiter, obwohl er eigentlich besser schweigen sollte, damit sich seine Stimme erholte.
Lily wurde schlagartig wieder ernst: "Ich glaube nicht, dass du wirklich so denkst wie die anderen Slytherin… vielleicht tust du ja nur so, um unter ihnen… überleben zu können. Aber ich glaube nicht, dass du ein böser Mensch bist, Severus."
Er wurde nun wirklich rot und sah zur Seite. Schließlich konnte sie nicht wissen, was er über die Ferien alles hatte tun müssen. "Ich werde zurück gehen... Ich muss noch lernen."
Nickend trat Lily einen Schritt zurück: "Ich begleite dich. Irgendwie ist mir nicht mehr nach Hogsmeade zumute." Außerdem wollte sie ihn auf gar keinen Fall aus den Augen lassen, denn nur zu deutlich hatte sie noch vor Augen, in welchem Zustand er ihr die Türe geöffnet hatte.
"Das wird sicher lustig.", murmelte Severus und grinste kurz. "Potter wird sicher vor Eifersucht platzen, wenn er dich neben mir gehen sieht. Vermutlich glaubt er gleich, dass ich dich verhext hätte."
"Das ist nicht lustig…", murmelte Lily, dennoch zuckten ihre Lippen verdächtig, "Er wird dann nur noch mehr eingebildete Gründe haben, dich mit seinen… Kumpanen zu ärgern."
"Wenn er das nochmal versucht, wird er sein blaues Wunder erleben.", murmelte Severus mit einem grimmigen Gesichtsausdruck, als sie auf den Weg traten, wo sich auch gleich einige Ravenclaw Schülerinnen nach ihnen umdrehten. Doch er ignorierte sie einfach und ging in Richtung Hogwarts, wobei man ihm überhaupt nicht mehr ansah, was passiert war.
Das Lily überrascht war, wäre noch weit untertrieben gewesen, als sie sah wie… natürlich sich der Slytherin auf einmal bewegte. Einzig die blutige Lippe und das bleiche Gesicht zeugten noch von dem, was sie gesehen hatte und hätte sie nicht geahnt, wie es wirklich um ihn stand, hätte sie vermutlich nur gedacht, dass er Potter, Black und Co wieder über den Weg gelaufen war.
"Deine Lippe… sie blutet noch..", murmelte sie leise, darauf achtend, dass sie stets neben ihm ging. Kurz kramte Lily in einer ihrer Robentaschen und förderte schließlich ein dunkelblau silbernes Stofftaschentuch zu Tage, in dessen linker unteren Ecke sie eigenhändig ihre Initialen eingestickt hatte. Sie reichte es ihm. "Hier…"
Überrascht griff Severus zu und hielt es sich an die schmerzende Lippe. Es war irgendwie merkwürdig. Hatte er jetzt eine... Freundin? Sollte es tatsächlich jemanden geben, der mit diesem hässlichen, abstoßenden Etwas, das er gezwungen war, für die Öffentlichkeit zu sein, etwas zu tun haben wollte? Mehr, als es herumzuschubsen und fertig zu machen?
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tbc
