Hallo ihr Lieben,

Diesmal kommt das neue Chapi wieder pünktlich ;)

Ein kleiner Teil ist aus Jaspers Sicht geschrieben, weil ich irgendwie Lust drauf hatte...

Viel Spaß beim Lesen!


Edward

Es war nicht richtig gewesen Mike zur Rede zu stellen. Trotz dessen, dass mir dies mehr als bewusst war, konnte ich mich nicht dazu bringen, es zu bereuen. Was ich allerdings bereute war, dass ich gen Ende unserer Unterhaltung die Nerven verloren hätte, wenn Jas nicht eingegriffen hätte. Trotz meines Aussetzers war das Gespräch zu meiner vollen Zufriedenheit verlaufen. Während Mr. Banner etwas erklärte, dass ich bereits in der letzten Biostunde verstanden hatte und da ich wohl schlecht eine Dreiviertelstunde Bellas Rücken anstarren konnte, obwohl das durchaus seinen Reiz hatte, ließ ich das Gespräch mit Mike Revue passieren.

Flashback

Ich sah ihn just in dem Augenblick, indem ich die Cafeteria betrat und obwohl ich wusste, dass es riskant war, ihn vor einer so großen Anzahl von Zeugen anzusprechen, konnte ich es keine Sekunde länger heraus zögern. Der Wut, die sich seit dem Moment in mir aufgestaut hatte, indem Bella verkündete, dass sie sich mit Mike treffen würde, wollte Luft gemacht werden. Genauer betrachtet war es vielleicht sogar sinnvoll, ihm in der vollbesetzten Cafeteria die Meinung zu geigen.

Bei so vielen potentiellen Zuhörern würde es mir womöglich leichter fallen, nicht zu vergessen, wo ich mich befand und mich nicht von meinem Ärger leiten zu lassen. Ich durchquerte die Cafeteria und ging auf Mike und seine Freunde zu, die gerade an der Essensausgabe warteten. Ich hatte die vier noch nicht ganz erreicht, als Mike den Kopf drehte und meinem Blick begegnete. Er schien sich durchaus darüber bewusst zu sein, dass diese Unterhaltung für ihn unangenehm werden konnte. Ich blieb vor ihm stehen und blickte auf ihn hinab. In meinem Blick lag all die Verachtung, wie ich sie nur für jemanden wie Mike empfinden konnte. Ich war noch nie sparsam mit der Verteilung der Quellen meines Ärgers gewesen. Es gab vieles und viele, die mich innerlich erzürnten, jedoch geschah es kaum Mal, dass ein abfälliger Blick nicht genug war, um meiner Wut Luft zu machen.

"Ist was?", fragte Mike scheinbar mit dem letzten Rest an Mut, den er aufbringen konnte. Mein Blick fiel auf drei seiner Freunde, die eben noch hinter ihm gestanden hatten, sich jedoch jetzt langsam zurückzogen. Zwei von ihnen, Nelson und Daniel, blieben allerdings zu beiden Seiten Mikes stehen. Dass sie ihrem Freund den Rücken stärkten, erweckte ein gewisses Maß an Respekt für die beiden in mir. Trotzdem war es wahrscheinlich besser, wenn sie nicht erfuhren, was Mike getan hatte. So viel ich wusste, hatte nämlich Nelson ebenfalls eine kleine... Schwäche für Bella und mir war nicht entgangen, wie enthusiastisch er die Neuigkeit aufgenommen hatte, dass aus Mike und Bella kein Paar geworden war.

"Ich würde gern mit dir unter vier Augen sprechen. Du weißt worum es geht", sagte ich kalt. Mikes Augen weiteten sich und er schluckte hörbar. "Das ist okay", meinte er an Daniel und Nelson gewandt, die auf seine Worte ihre Position aufgaben und nicht ohne sich noch mehrere Male neugierig umzudrehen, zu ihrem Tisch gingen. Mein Blick fand zurück zu Mike und prompt loderte die Wut auf, die sich bei meinen Überlegungen etwas verflüchtigt hatte. "Ich habe nicht vor, das publik zu machen, aber ich warne dich, fass sie noch einmal an und ich überlege es mir anders." Mike wich meinem Blick aus, doch ich meinte Verlegenheit und Frustration darin zu erkennen, bevor er die Augen niederschlug. Dass sein Gesicht und Hals sich stark erröteten, sprach für die Verlegenheit.

"Ich glaube, das geht dich nun wirklich nichts an", sagte er, bemüht seiner Stimme einen furchtlosen Ausdruck zu verleihen. "Bella ist meine Stiefschwester. Das heißt, dass mich die Angelegenheit sehr wohl etwas angeht. Weder sie noch ich haben vor dich bloßzustellen, aber ganz ohne eine Lektion wirst du nicht davon kommen." Mike sah sich hilfesuchend im Raum um und versuchte hartnäckig meinem Blick auszuweichen, aber ich konnte die Anspannung spüren, die von ihm abstrahlte. "Sie hat mir sehr deutlich gemacht, dass sie nichts von mir will und wenn ich sie vielleicht zuerst falsch verstanden habe, tut es mir leid", knurrte Mike durch seine zusammengebissenen Zähne.

"Ach", bemerkte ich mit dem erneuten Aufflackern von Ärger. "Dann hast du sie also aus versehen in Seattle sitzen gelassen. Ich habe dich nie für eine Intelligentsbestie gehalten, aber das du so dumm bist, hätte ich dir nicht zugetraut. Hast du auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, was ihr alles hätten passieren können?" Mikes Gesicht glühte. "Sie ist freiwillig gegangen!" Ich verdrehte die Augen. "Ob du es glaubst oder nicht, ich bin über den Verlauf des Abends informiert. Unschuldheucheln ist zwecklos."

Mike stieß frustriert die Luft aus. "Klar, für deine Brüder und dich ist Bella eine tolle Abwechslung, die ihr bevormunden und nach eurer Pfeife tanzen lassen könnt."

Ich zog die Augenbrauen hoch und musste mich daran hindern, Mike vorne am Kragen zu packen. Er trat von einem Bein aufs andere und schien zu befürchten, zu weit gegangen zu sein. "Pass auf was du sagst, Newton!", erwiderte ich ruhig. Ich hatte es nicht nötig Eindruck zu schinden, indem ich die Stimme erhob. Ich wusste, wie ich auf andere wirkte. Ungesellig, berechnend und distanziert. Und das störte mich nicht im mindesten, denn es hielt verlässlich die Idioten, die männlichen sowie die weiblichen, von mir fern. Mike machte einen Schritt zurück. "Wag es nicht, sie noch einmal anzufassen, hast du mich verstanden?"

"Edward!" Die vertraute, ruhige Stimme Jaspers appellierte an meine Vernunft. Ich wandte den Kopf und begegnete seinem warnenden Blick. Emmett hingegen starrte voller Abscheu auf Mike hinunter und schien nicht im mindesten gewillt, die Situation vor einer Eskalation zu bewahren. Ich hatte nicht mitbekommen, dass meine Brüder die Cafeteria betreten hatten, geschweige den, dass sie die Angelegenheit als kritisch betrachteten, denn ansonsten hätten sie nicht eingegriffen. Mike schien sich zunehmend unwohl zu fühlen. Jasper legte mir eine Hand auf die Schulter und versuchte mich mit sanfter Gewalt mit sich zu ziehen. "Ich habe gefragt, ob du mich verstanden hast!", knurrte ich Mike an, Jaspers Griff ignorierend. Mike nickte mechanisch und ich ließ ein wenig besänftigt zu, dass Jas mich wegbugsierte. Ich spürte die Blicke von ein paar Schülern auf mir ruhen, doch als ich in ihrer Richtung sah, wanden sie sich hastig ab. Ich verdrehte die Augen in Richtung Decke. Es war doch immer dasselbe mit den Klatschliebhabern. Ich fragte mich schon jetzt, welche haarsträubende Geschichte sie aus der kleinen Auseinandersetzung spinnen würden.

Flashbackende

Mr. Banner hatte eben in diesem Augenblick mit seiner detaillierten Erklärung geendet und ging nun herum, um Arbeitsblätter zu verteilen. Nach meiner kleinen Diskussion waren wir der Cafeteria auf Jaspers Wunsch hin fern geblieben. Er meinte, ich solle mich erst beruhigen. Und anschließend hatte er mir schmunzelnd mitgeteilt, dass ich mir eine möglichst plausible Erklärung würde einfallen lassen müssen, die Bellas Ansprüchen genügte.

Später, als wir von der Turnhalle zum Auto liefen, lenkte sie das erste Mal das Thema auf die Geschehnisse in der Cafeteria. "Was war das vorher?" Ich warf ihr einen schnellen Blick von der Seite zu. Sie wirkte nicht wütend, sondern schien ihren spielerischen Ton von Bio beibehalten zu haben. "Willst du das wirklich wissen?", gab ich zurück und grinste sie an. Wir waren am Auto angekommen und blieben stehen. Bella sah fest zu mir auf. Ihre Lippen verzogen sich zu einem amüsierten, fast ungläubigen Lächeln. "Wahrscheinlich nicht." Ich zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe. "Wow, wer hätte gedacht, dass das so einfach wird? Ich hatte mich auf eine nicht enden wollende Diskussion gefasst gemacht."

Bella zuckte mit den Schultern und warf mir einen neckenden Blick zu. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit von irgendetwas jenseits meines Rückens angezogen. Ihr Lächeln vertiefte sich. Ich drehte mich um. Jasper kam auf uns zu geschlendert. Sein vieldeutiges Grinsen konnte ich selbst über diesen Abstand hinweg erkennen. Er zwinkerte Bella zu, sie zwinkerte zurück. Mein Blick wanderte misstrauisch zwischen den beiden hin und her. Ich hatte schon öfters den Verdacht gehegt, dass die beiden viel vertrauter waren, als sie uns andere wissen ließen, aber komischerweise störte mich das nicht mehr wirklich. Na ja, vielleicht ein winziges bisschen, da ich mich unwillkürlich fragte, was er über sie wusste, das ich nicht wusste, aber mehr auch nicht. Jas und Bella waren sich sehr ähnlich und wenn ich meinem Bruder nicht vollkommen vertraut hätte, wäre ich wahrscheinlich doch sehr... eifersüchtig darauf gewesen, dass die beiden sich auf einer Wellenlänge zu befinden schienen.

Zuhause machte sich Bella an die Vorbereitungen für das Abendessen und Jasper zog sich in sein Zimmer zurück, Em war heute mit Rosalie nach hause gefahren. Ich setzte mich an den Flügel und fuhr fort, mit der Melodie herumzuprobieren, die mir vor ein paar Tagen im Kopf herumgespukt war und die ich als so viel versprechend empfand, dass ich sie trotz meiner Bedenken, ausweitete. Das erste Mal seit einem Jahr war mir wieder eine Melodie zugefallen und das hatte den Wunsch in mir geweckt, wieder zu komponieren.

Jasper

"Er komponiert wieder!", dachte ich überrascht und hörte genauer hin. Es war eine schöne, etwas schwermütige Melodie, die sich ab und zu lichtete und vergnügter wurde, bevor sie sich erneut verdüsterte. Ich schüttelte lächelnd den Kopf. Meinen kleinen Bruder hatte es total erwischt.

Inzwischen verfolgte ich die Geschehnisse zwischen Bella und Edward mit großem Vergnügen. Es gefiel mir, die Veränderung zu beobachten, die meinen Bruder durchlief, seit er Bella näher kennen gelernt hatte. Er schien immer mehr nach ihren Grundsätzen zu handeln und ein besseres Gespür dafür zu bekommen, wie er sich den Menschen in seiner Umgebung gegenüber am besten verhielt. Er war viel aufmerksamer, weniger verschlossen und registrierte jede Kleinigkeit an Bellas Verhalten. Auf einmal übernahm er liebend gern die Heldenrolle, gegen die er sich sonst tunlichst gewehrt hatte.

Nun, auf einmal stimmte wohl nicht ganz. Bella und Renee waren schon seit zwei Monaten, fast drei, in Forks und Edward hatte nicht plötzlich reagiert sondern anfänglich nur in ungewohnter Heftigkeit. Die Veränderung war ein langsamer, stetiger Prozess, der auch jetzt noch lange nicht abgeschlossen war. Es würde noch vieles brauchen, bis er nach so langer Zeit der inneren Abgekapseltheit für eine Beziehung bereit war, aber ich war mir sicher, dass Bella ihm diese zeit geben könnte und auch sonst die besten Voraussetzungen mitbrachte, um mit seinem Wesen zurrecht zu kommen. Meine anfängliche Besorgnis war Amüsement gewichen. Mir gefiel es, Edward dabei zu beobachten, wie er Bella betrachtete und jede ihrer Bewegungen wahrnahm. Sie schien sich seiner Blicke aber kaum bewusst zu sein, was die Situation um so komischer machte.

Bella

Am Freitagabend war es so weit. Wir hatten die ganze Woche darauf hingearbeitet, die Turnhalle in eine Galerie verwandelt, die Renees Kunstwerken gerecht wurde, organisiert, Einladungen verteilt und das Ereignis in ganz Forks bekannt gemacht. Während ich unser Werk betrachtete, konnte ich nicht anders als stolz zu sein. Die Wände der Turnhalle waren zur einen Hälfte mit schwarzen, zur anderen mit weißen Stoffbahnen verhüllte, sodass ein starker Kontrast zwischen hell und dunkel entstand. Zahlreiche Werke Renees hatten ihren Weg in die improvisierte Ausstellungshalle gefunden und präsentierten sich in ihrer vollen Pracht. Die grellen Farben leuchteten auf dem schwarzweißen Untergrund. Wir hatten zusätzlich helle Scheinwerfer organisiert, um die Halle bestmöglich auszuleuchten. Die Bilder waren perfekt in Szene gesetzt. Ich hielt ergriffen inne, obwohl ich eigentlich dringend gebraucht wurde.

Mit dem Ansturm an Besuchern hatten wir nicht gerechnet und so fehlte an allen Ecken und Enden eine helfende Hand. Es schienen fast alle Bewohner der Kleinstadt gekommen zu sein. Hier und da blitzte ein bekanntes Gesicht aus der Menge, die sich gemächlichen Schrittes durch die Halle schob. Viele von Alices Freundinnen waren hier und auch ein paar ältere Jungen, die wahrscheinlich irgendwie mit Emmett in Verbindung standen. Außerdem war scheinbar das gesamte Lehrerkollegium der Highschool vertreten, Mr. Banner bediente sich gerade mit strahlender Miene an einem der Tische, welche Häppchen und Fingerfood anboten und ich meinte aus den Augenwinkeln Mrs. Cope zu erkennen, die in die Betrachtung eines Bilds versunken war.

Zudem waren sämtliche Nachbarn, Kunstliebhaber und diejenigen, die sich einbildeten, welche zu sein her gekommen und betrachteten mit fachmännischer Miene oder echtem Entzücken die ausgestellten Bilder. Renee wurde ständig in Gespräche verwickelt, gerade unterhielt sie sich mit einem hoch gewachsenen Mann, der mit seinem maßgeschneiderten schwarzen Anzug so richtig aus der Masse heraus stach und hier nicht wirklich hinein passen wollte. Er zog die Blicke der übrigen Gäste an, die ihn teilweise schamlos angafften und es nicht wagten, ihn im Gedränge zu nahe zu kommen, geschweige denn ihn herum zuschieben oder anzurempeln. Die Blicke, mit dem sie ihn musterten, schwankten zwischen ehrfurchtsvoller Bewunderung und Pikiertheit bis hin zu blankem Abscheu.

Renee schien von Innen heraus zu strahlen. Sie war so wunderschön in ihrer schlichten weißen Bluse, unter der sich sanft ihr Babybauch wölbte, dass sich die Gäste regelrecht um sie scharten. Meine Mutter so glücklich zu sehen, machte auch mich glücklich. Es schien so, als wäre sie endlich angekommen und hätte in Carlisle ihre ganz persönliche Erfüllung gefunden. Meine anfänglichen Bedenken waren fast vollständig verstummt. Und wenn doch einmal Zweifel in mir aufstiegen, musste ich nur einen Blick auf die Gesichter der beiden, auf ihre zärtlich verschlungenen Hände werfen, auf alle die kleinen Gesten und Blicke, die verrieten, wie sehr sie sich liebten, um sie verlässlich zum verstummen zu bringen.

Mein Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Schmunzeln, als ich Edward nur ein paar Schritte entfernt mit zwei älteren Damen sprechen sah. "Aber mein Lieber, Sie werden doch wohl nicht schon weiter arbeiten? Leisten Sie uns Gesellschaft!", beschwerte sich die eine und tätschelte seinen Arm. Edward schenkte ihr ein engelsgleiches Lächeln, das nur demjenigen seine Genervtheit verriet, der ihn gut kannte. "Genau!", bekräftigte die andere Dame im purpurnen Tweedmantel. "Wir brauchen einen fachkundigen Assistenten!"

"Oh, ich kann Ihnen nicht viel über die Bilder erzählen. Da müssen Sie sich an Renee wenden, Mrs. Gordon", erwiderte Edward und versuchte sich charmant aus der Affäre zu ziehen. "Ach, papperlapapp. Warum so bescheiden? Sie können das genau so gut. Außerdem würden Sie doch wohl zwei älteren Damen keinen Wunsch abschlagen, oder?"

Edwards Mudwinkel zuckten. "Natürlich nicht."


Hoffe euch hats gefallen ;) Bis zum nächsten Mal