Sommerregen
Kapitel 44
Auch am Abend in ihrem Bett ließ Hermine das Ereignis im Labor nicht los. Sie lag lange wach und grübelte über alles nach. Über Severus und Harry, aber auch über James und Lily. War nicht die Tatsache, dass Harrys verstorbene Mutter dieselbe verklärte Rolle wie sie innehatte, einfach nur traurig und beschämend? Mehr denn je stand sie im Mittelpunkt dieses unbarmherzigen Streits. Sicher, Harry wusste nichts davon, was der Professor für Lily empfunden hatte und immer noch empfand. Aber auch er hatte angefangen, Snape ebenso zu hassen, wie James und Sirius es getan hatten. Abgesehen davon hatte sie immer wieder das Gefühl, im Vergleich mit Lily nur die zweite Geige zu spielen. Es kam ihr unerträglich vor, darüber nachzudenken. Sie verstand nicht, wie sie damit umgehen sollte, immer wieder zurückgewiesen zu werden, sobald Severus die Notwendigkeit sah, sie zu verschmähen.
Beleidigt zog sie es vor, die kommende Nacht in ihrem Turm zu bleiben, bis sich die erhitzten Gemüter etwas beruhigt hatten. Doch je mehr sie darüber nachdachte, desto irrsinniger erschien es ihr, Hoffnungen zu schüren, die sich niemals erfüllen würden. Grausige Schuldgefühle wurden in ihr wach. Es stand ihr nicht zu, so zu denken oder darüber zu urteilen, wie Severus zu Lily stand. Am schlimmsten aber war, dass sie Recht behalten hatte. Sie fühlte sich in ihren Vermutungen bestätigt, Dumbledores heikler Plan könnte aufgrund der ständigen Reibereien gehörig ins Wanken geraten, was eindeutig kein gutes Zeichen war. Harry und Severus würden nie Seite an Seite stehen und gegen Voldemort kämpfen. Beide hatten ihre eigenen, ganz persönlichen Gründe, ihn vernichten zu wollen. Alles andere war dabei unwichtig für sie.
Die Stille im Mädchenschlafsaal, die nur von Lavenders leisem Schnarchen durchbrochen wurde, machte es nicht besser. Gefangen in diesem beständigen Kreislauf aus Herausforderungen, Anschuldigungen und Drohungen witterte Hermine eine völlig sinnlose Verschwendung ihrer Kräfte. Dabei war es insgeheim nichts Neues, Harry und den Professor wie alte Rivalen zu erleben, die es einfach nicht lassen konnten, sich ständig zu bekriegen. Rückblickend würde sie sagen, Snape war nicht überrascht gewesen, von Harry angegriffen zu werden. Und wenn, hatte er nichts davon durchblicken lassen. Harry wiederum fehlte es ganz einfach an Erfahrung, um es mit Snape aufzunehmen. Ob ihm überhaupt bewusst war, welches Glück er gehabt hatte? Hermine bezweifelte es. Harry hatte beim Abendessen in der Großen Halle nicht den Eindruck gemacht, als hätte er begriffen, was auf ihn zukommen würde. Auch ihr fiel es unendlich schwer, damit umzugehen.
Trotz ihrer Bemühungen, unparteiisch zu bleiben, befürchtete sie, sich irgendwann auf die Seite des einen oder anderen schlagen zu müssen. Ständig wälzte sie sich im Bett herum, unfähig, Schlaf zu finden. Sie kam einfach nicht davon los. Am liebsten wäre sie aufgestanden und zu Severus gegangen, um sich zu erkundigen, ob es ihm gut ging, doch dann fiel ihr wieder ein, wie er sich ihr gegenüber verhalten hatte und dass er vermutlich nicht von ihr bemuttert werden wollte. Mit Harry war es dasselbe. Er hatte ihr wieder einmal gezeigt, dass er nicht bereit war, Snape wie seine anderen Professoren zu respektieren. Wie sollte er da damit klarkommen, ihn als Teil ihres Lebens zu sehen?
Am Morgen darauf rüttelte jemand an ihrer Schulter. Es war Ginny, die sie mit flüsternder Stimme weckte.
„Harry sagt, er will mit dir reden", sagte sie.
Hermine rieb sich die Augen. Das Frühstück zu verschlafen hätte ihr gerade noch gefehlt.
„Wie spät ist es?"
„Halb sieben."
„Ist gut. Sag ihm, ich komm gleich."
Ginny wuselte beschwingt davon. Hermine wartete, bis sie nicht mehr zu sehen war, dann schlug sie die Decke zurück und stand auf. Es war wie ein Wunder, dass die vergangenen Monate so glimpflich abgelaufen waren und niemand ihre Schwindeleien bemerkt hatte, wenn sie früh morgens aus den Kerkern gekommen war.
Als sie wenig später, eilends frischgemacht und angezogen, im Gemeinschaftsraum aufkreuzte, war sie überrascht, Harry putzmunter zu sehen. Er stand neben Ron und vermittelte einen überaus selbstzufriedenen Anblick. Offenbar hatte er sich nicht die halbe Nacht um die Ohren geschlagen, bei dem Versuch, eine Logik für alles zu finden, was mit seinem Schicksal oder Hermine und Snape zu tun hatte.
„Ich bin erstaunt, dass du von oben kommst und nicht von unten", begrüßte Harry Hermine mit einem breiten Grinsen.
„Dasselbe hab ich mich auch gerade gefragt", sagte Ron skeptisch.
Hermine brummte nur, erwiderte aber nichts darauf. Immer noch todmüde ließ sie sich in einen Sessel fallen und kauerte sich darin zusammen. Die Jungs setzten sich zu ihr.
„Was ist los, Harry? Ginny meinte, du würdest mich sprechen wollen."
„Das ist wieder mal so typisch von ihr", sagte Ron abwertend. „Sie ist meine Schwester. Wieso ignoriert sie mich immerzu? Denkt sie nicht, ich würde auch mit dir reden wollen?"
„Vielleicht macht sie das ja bloß, weil sie keine Lust hat, von dir ständig wie eine Dreijährige behandelt zu werden", gab Hermine zu bedenken.
Harry gluckste leise, was, wie Hermine fand, äußerst merkwürdig war. Wieso war er nach dem gestrigen Tag nur so gut gelaunt? Sie hatte vielmehr damit gerechnet, ihn am Boden zerstört vorzufinden, weil er erfahren hatte, dass ein Teil von Voldemorts Seele sich in ihm eingenistet hatte.
„Wir haben gute Neuigkeiten, Hermine", sagte Harry. Es klang total überzogen und Hermine spitzte die Ohren.
„Also, ich würde die Sache vorsichtiger angehen, Harry", sagte Ron mit Bedacht darauf, Hermine nicht in die Augen zu sehen. „Wir sollten vielleicht erst mal frühstücken und dann sehen, was der Tag so bringt. Du weißt ja, nicht jeder Tag ist ein besonderer Tag … manche Tage bleiben gewöhnlich, obwohl wir uns wünschen würden, dass es anders kommt."
„Ron", stieß Hermine ungeduldig aus. „Könntest du dieses Gefasel bitte beenden und mir einfach nur sagen, was hier los ist?"
„Das versuche ich ja gerade", zischte er entrüstet. „Wie du siehst, stehen wir vor einem kleinen Problem, einem Glücksproblem um genau zu sein."
„Glücklich sein ist keine Schande", sagte Harry vergnügt. „Ich finde, jeder sollte glücklich sein."
„Jeder, der es verdient", sagte Ron und räusperte sich leise.
Hermine wurde stutzig. Sie sah zu Harry, der inzwischen breiter als breit grinste und immer noch ziemlich neben der Spur wirkte.
Auf einmal schlug sie die Hände vor den Mund.
„Du hast doch nicht wieder was von dem flüssigen Glück getrunken, oder?", fragte sie an Harry gerichtet.
„Alles bestens, Hermine, ich komm mir vor wie neu geboren", verkündete Harry vollkommen aus der Luft gegriffen und sprang auf, um ein paar Kniebeugen zu machen. „Entspann dich mal."
Hermine warf ihm einen kritischen Blick zu.
„Ich kann nichts dafür", betonte Ron entschieden. „Vorhin hat er Liegestütze gemacht. Keine Ahnung, wozu das gut sein sollte."
Sichtlich aufgebracht schüttelte Hermine ihre wirre Lockenmähne.
„Das darf doch nicht wahr sein! Ist ihm nicht klar, dass es gefährlich sein kann, zu viel davon hintereinander einzunehmen? Es könnte seinem Körper übel zusetzen oder ihn um den Verstand bringen …"
„Schön, dass du das erkannt hast, Hermine", sagte Ron besorgt. „Nur leider war nichts dagegen zu machen. Seit er gestern erfahren hat, was ihm bevorsteht, ist er nicht mehr derselbe. Er benimmt sich ziemlich schräg."
„Wie bitte? Was soll das heißen, er benimmt sich schräg? Gestern beim Abendessen war er noch nicht mal bereit, zu glauben, dass es für ihn bald richtig brenzlig werden könnte."
„Ich weiß! Aber das hat sich inzwischen geändert, wie du siehst. Glaub mir, er hat erkannt, was es letztendlich bedeutet, einen Teil Voldemorts in sich zu haben."
„Das klären wir später. Noch ist es nicht soweit, deswegen in Panik zu geraten", sagte sie streng. Sie sah jedoch keineswegs so aus, als würde sie selbst daran glauben.
„Sag das ihm!"
„Wie viel hat er denn davon getrunken?", wollte Hermine vorwurfsvoll wissen. „Es könnte richtig gefährlich werden, wenn er zu viel davon eingenommen hat."
„Keine Ahnung", sagte Ron und hob die Achseln. „Aber ich glaube, das Fläschchen ist fast leer."
„Wieso bist du nicht zu mir gekommen und hast mir das gesagt? Du hättest mich viel früher -"
„Das wollte ich ja, ehrlich. Aber ich konnte ihn wohl schlecht alleine lassen, oder?"
„Also hast du den ganzen restlichen Abend, nachdem ich in meinen Schlafsaal gegangen bin, neben ihm ausgeharrt und zugesehen, wie er vor Kummer zusammenbricht?"
„Anfangs schon. Wir haben geredet, von Mann zu Mann."
„Ja, das ist er", sagte Harry freudig. „Ron ist ein toller Mann. Ein richtig guter Kumpel, der einen nie hängen lässt. Ein ehrlicher, wahrer Freund."
„Und weiter?", knurrte Hermine Ron an, die erfolglos vorgab, Harry nicht gehört zu haben.
„Tut mir wirklich leid, Hermine, aber ich bin müde geworden und eingeschlafen. Als ich dann aufgewacht bin, war er wie ausgewechselt."
Sie stöhnte auf.
„Das darf doch nicht wahr sein! Was sollen wir denn jetzt mit ihm machen? Er kann unmöglich glauben, dass er es schafft, sich über Wasser zu halten, indem er ständig dieses Zeug trinkt."
„Wir sollten ihn erst mal in die Große Halle bringen, damit er was isst", schlug Ron vor. „Er sieht zwar total bescheuert aus, wenn er so rumzappelt, aber immerhin ist er glücklich."
„Keine gute Idee", wehrte Hermine schnell ab. „Wenn wir ihn so in den Unterricht schicken, plaudert er vor Vergnügen vielleicht noch irgendwas aus, was niemand wissen sollte."
„Na gut, ich hätte da noch einen anderen Vorschlag", verkündete Ron und schielte auffällig mit den Augen in Richtung Fußboden. „Vielleicht sollten wir zu Slughorn gehen, damit er uns ein Gegenmittel zusammenmischt."
„Jaah", sagte Hermine verhalten, „das könnten wir machen." Sie hatte schon einen ähnlichen Gedanken gehabt, ihn aber mit Rücksicht auf Snapes Drohung von gestern wieder verworfen.
Gemeinsam überredeten sie Harry zu einem kleinen Spaziergang, hakten sich bei ihm unter und schleiften ihn aus dem Gemeinschaftsraum. Es ging nur langsam voran, da Harry in seinem Übermut das Bedürfnis verspürte, jedem der Portraits an den Wänden einen guten Morgen zu wünschen.
„Komm schon, Harry, wir versäumen noch das Frühstück wegen dir", murmelte Ron zähneknirschend und zerrte an seinem Arm.
Irgendwann hatten sie es geschafft und betraten das berüchtigte Territorium der Slytherins.
„Ich hoffe, Slughorn ist ein Morgenmensch", sagte Ron, als sie vor der Tür zu seinen Privaträumen zum Stehen kamen.
„Mit Sicherheit", erwiderte Hermine knapp, die dabei ironischerweise an ihre morgendlichen Erfahrungen mit Snape denken musste.
Sie klopften und warteten. Nach einer Weile versuchten sie es erneut.
„Tja", sagte Ron schließlich, „sieht nicht so aus, als wäre er da. Was er wohl um diese Zeit macht?"
„Keine Ahnung. Vielleicht nimmt er ein Bad. Wir sollten besser wieder gehen, bevor uns die Slytherins hier stehen sehen und uns in die Mangel nehmen. Sie würden sich bestimmt freuen, Harry in diesem Zustand zu -"
„In der Tat."
Snape stand keine fünf Meter hinter ihnen. Hermine sank bei seinem Anblick das Herz in die Hose: Er hatte die dünnen Lippen zurückgerollt und offenbarte ungeniert seine unregelmäßigen gelblichen Zähne. Es war nicht unbedingt so, dass sie ihn nicht schon oft genug so gesehen hätte. Irgendwie kam es ihr trotzdem wie ein fieser Wink des Schicksals vor, ausgerechnet von ihm in den Kerkern aufgegriffen zu werden.
„Habe ich nicht ausdrücklich davor gewarnt, dass es ein Fehler ist, ungeladen hier aufzukreuzen?", schnarrte Snape.
Ron starrte ihn sprachlos an.
„Wieder gesund, Professor?", fragte Harry vergnügt.
Snape machte einen großen Satz nach vorn, doch Hermine stellte sich ihm ohne zu zögern in den Weg.
„Warte, Severus! Harry hat das nicht mit Absicht gesagt. Er – er ist nicht er selbst. Er hat wohl etwas zu viel von seinem flüssigen Glück getrunken."
„Das ist richtig", bestätigte Ron. „Er ist ständig auf und ab gelaufen und konnte sich kaum stillhalten. Langsam wird er müde, glaube ich. Hat sich wohl ziemlich übernommen."
Hermine trat vorsichtig beiseite, damit Snape sehen konnte, was sie meinte. Harry enttäuschte sie nicht: Er sah aus, als würde er in Gedanken auf Wolken schweben.
„Siehst du? Wir wollten eben bei Professor Slughorn um ein Gegenmittel anfragen. Aber er hat nicht aufgemacht."
„Flüssiges Glück, sagst du?"
„Ja!"
„Nun, dann hat er Glück, dass ich ihm für seine Unverschämtheit nicht das Genick breche", sagte Snape gehässig.
„Ich verstehe, dass du wütend auf ihn bist, aber bitte hilf uns!"
Snape schien einen Moment zu überlegen, ob er ihr trauen konnte, dann streckte er den Arm aus und deutete mit geradeaus gerichtetem Zeigefinger auf die Tür zu seinem Labor.
„Rein da! Sofort."
Geknickt hakten Hermine und Ron sich wieder bei Harry unter und zogen ihn in dem Bewusstsein, dass Snape, der direkt hinter ihnen war, sie nicht aus den Augen ließ, mit sich fort.
„Wo gehen wir hin?", wollte Harry wissen.
„Das wirst du gleich sehen", sagte Ron.
„Gehen wir nach draußen zu Hagrid? Wir könnten eine Runde auf Seidenschnabel fliegen."
Nicht zum ersten Mal beschlich Hermine ein ungutes Gefühl, als sie im Beisein ihrer Freunde das Labor betrat. Erst gestern hatte sie ihre Gründe gehabt, Harry und Ron davon abzuhalten, sie in die Kerker zu begleiten. Heute war es nicht viel anders.
Snape verriegelte unbeeindruckt von ihren nervösen Blicken, die sie ihm über die Schulter zuwarf, hinter sich die Tür. Kaum hatte er das getan, schob er sich energisch an seinen Schülern vorbei, stets gefolgt vom leisen Rascheln seines wallenden Umhangs. Ohne einen Blick in ein Buch zu werfen, wandte er sich seiner Aufgabe zu und begann damit, ein paar Zutaten für ein Gegenmittel in einen Kolben zu füllen. Schon allein beim Zusehen erwachte Hermines Wissensdurst. Sie staunte nicht schlecht über die präzisen Arbeitsabläufe, die der Professor an den Tag legte, so dass sie Ron mit dem zappelnden Harry im Hintergrund ganz vergaß. Gebannt sah sie dabei zu, wie Snape einen Stopfen auf die Öffnung des Kolbens drückte und ihn kräftig durchschüttelte, bis sich die trübe Flüssigkeit im Inneren klärte. Gewissenhaft erhitzte er das Gemisch, fügte kleine Mengen weiterer Flüssigkeiten und verschiedener kristalliner Substanzen hinzu und stellte das fertige Gebräu zum Abkühlen auf die Arbeitsplatte.
Zufrieden und auch voller Erwartung streckte er seine langen dünnen Finger, dann drehte er sich Hermine zu und faltete vor dem Bauch die Hände ineinander.
„Warum bist du gestern nicht zu mir gekommen?"
Wunderbar.
Hermine fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Wieso musste er das ausgerechnet vor den Jungs zur Sprache bringen?
Auf der Suche nach den passenden Worten konnte sie die Anspannung, die von Ron ausging, förmlich spüren. Er hatte alle Hände voll damit zu tun, sich um Harry zu kümmern, der immer offensichtlichere Nebenwirkungen zeigte, weil er zu viel von dem flüssigen Glück eingenommen hatte.
„Na los, Hermine, wir warten", sagte Harry ungeduldig, was ihm einen wütenden Blick des Professors einbrachte.
„Bringen Sie ihn zum Schweigen, Weasley, bevor ich es tue."
Ron presste umgehend seine Hand auf Harrys Mund und murmelte: „Immer mit der Ruhe, Harry. Er meint es nicht so ..."
Hermine richtete sich auf und holte Luft. Es hatte keinen Sinn, den Jungs etwas vorzumachen. Ron hatte bestimmt längst gemerkt, dass es zwischen ihr und Snape kriselte, seit sie gestern zusammen hier aufgetaucht waren. Was Harry anbelangte, das war ein anderer Fall.
„Ich wusste nicht, ob du mich sehen willst", brachte sie würdevoll hervor.
Snapes Augen ruhten für etliche Sekunden auf den ihren. Er ließ nicht erkennen, ob sie ihn damit getroffen hatte, seine Kiefermuskulatur jedoch verhärtete sich. Er drehte sich um und füllte etwas von dem Gegenmittel für Harry in eine kleine Phiole ab.
„Mr. Weasley, nehmen Sie Potter und bringen Sie das zu Madam Pomfrey in den Krankenflügel. Sie soll ihm ein Bett zur Verfügung stellen und es ihm sofort verabreichen."
Ron schluckte.
„Ja, Sir."
Er wankte mit Harry im Schlepptau auf Snape zu, schnappte im Vorbeigehen nach der Phiole und steckte sie in seine Hosentasche.
„Dann mal los, Harry."
Unglücklich sah Hermine den beiden zu, wie sie sich davonmachten.
„Er wird sich doch hoffentlich bald erholt haben, oder?"
„Ihm wird erst mal hundeelend zumute sein, wenn er das Gegenmittel eingenommen hat", sagte Snape ohne allzu große Anteilnahme zu versprühen. „Hoffentlich ist es ihm eine Lehre."
Hermine spürte, wie sich ihre Eingeweide verkrampften. Ihre Sorge um Harry ging noch viel tiefer. Nicht weniger zu schaffen machte ihr Snapes vorwurfsvoller Unterton, der ohne Zweifel darauf anspielte, dass sie damit herausgeplatzt war, was Harry zu erwarten hatte. Severus war davon genauso betroffen wie sie alle, ob er es nun zugeben wollte oder nicht.
„Du solltest jetzt besser frühstücken gehen", sagte er, den Mund zu einer schmalen Linie verzogen.
Sie sahen sich einen qualvollen Moment lang in die Augen. Schließlich nickte sie.
„Ich sehe dich dann dort."
