DISCLAIMER:

- Midnight Sun belongs to Stephenie Meyer; I'm just trying to make it accessible to German-speaking fans :)

- Midnight Sun ist Eigentum von Stephenie Meyer; ich versuche nur, es deutschprachigen Fans zugänglich zu machen :)

- Die Übersetzung aller Gespräche, in die auch Bella verwickelt ist, stammt aus folgender Quelle: Biss zum Morgengrauen, Piper Verlag GmbH, 5. Auflage, 2009.


Unfassbar aber wahr - wir sind beim letzten Kapitel angelangt :((

Ich werde es wieder in mehrere kurze unterteilen also dies ist noch nicht das Ende - verzweifelt nicht! :)

Viel Spaß und vielen herzlichen Dank wieder mal an Ann-Sophie die besonders in diesem Kapitel mal wieder hellseherische Fähigkeiten bewiesen hat.


12. Komplikationen

Bella und ich gingen wortlos zum Biologieunterricht. Ich versuchte, mich auf den Augenblick zu konzentrieren; auf das Mädchen neben mir; auf das, was real und tatsächlich da war; auf alles, was Alices trügerische, bedeutungslose Visionen aus meinem Kopf fernhalten würde.

Wir gingen an Angela Weber vorbei, die am Gehweg stand und eine Hausaufgabe mit einem Jungen aus ihrem Mathematikunterricht besprach. Ich überflog flüchtig ihre Gedanken in Erwartung einer weiteren Enttäuschung, doch dann wurde ich von ihrem wehmütigen Ton überrascht.

Ah, also gab es doch etwas, das Angela wollte. Unglücklicherweise war es etwas, das man nicht so einfach in Geschenkspapier wickeln konnte.

Einen Moment lang fühlte ich mich durch Angelas hoffnungslose Sehnsucht merkwürdig getröstet. Ein Gefühl von Gemeinsamkeit durchfuhr mich, von dem Angela nie erfahren würde, und in dieser Sekunde war ich eins mit dem menschlichen Mädchen.

Es war seltsam tröstlich zu wissen, dass ich nicht der Einzige war, der sich inmitten einer tragischen Liebesgeschichte befand. Gebrochene Herzen waren überall.

Im nächsten Moment war ich schlagartig und gründlich verärgert. Denn Angelas Geschichte musste nicht tragisch enden. Sie war ein Mensch und er war ein Mensch und der Unterschied, der in ihrem Kopf so unüberwindbar schien, war lächerlich, wahrhaft lächerlich im Vergleich zu meiner eigenen Situation. Es gab keinen Grund für ihr gebrochenes Herz. Was für eine traurige Verschwendung, wenn es doch keinen stichhaltigen Anlass für sie gab, nicht mit demjenigen zusammenzusein, nach dem sie sich sehnte. Warum sollte sie nicht bekommen, was sie wollte? Warum sollte nicht wenigstens diese Geschichte ein Happy End haben?

Ich wollte ihr ein Geschenk machen ... Nun, ich würde ihr geben, was sie wollte. Mit dem Wissen, das ich über die menschliche Natur besaß, würde es wahrscheinlich nicht einmal sehr schwierig werden. Ich durchsuchte das Bewusstsein des Jungen neben ihr, dem Objekt ihrer Zuneigung und er schien nicht unwillig; ihn hinderte bloß die gleiche Problematik wie sie. Hoffnungslos und voller Akzeptanz; genau wie sie.

Ein kleiner Schubs – das wäre alles, was ich ihnen geben musste.

Der Plan formierte sich schnell; das Drehbuch schrieb sich wie von selbst, ohne jegliche Anstrengung meinerseits. Ich würde Emmetts Hilfe benötigen – ihn zum Mitmachen zu bewegen, war das einzig wirklich Schwierige. Die Menschen waren soviel einfacher zu manipulieren als Vampire.

Ich war zufrieden mit meiner Lösung; mit meinem Geschenk für Angela. Es war eine angenehme Ablenkung von meinen eigenen Problemen. Wenn meine doch nur genauso einfach in Ordnung gebracht werden könnten.

Meine Stimmung hatte sich leicht verbessert, als Bella und ich uns setzten. Vielleicht sollte ich etwas positiver denken. Vielleicht gab es irgendwo da draußen eine Lösung für uns, die mir entging – so wie Angelas offensichtliche Lösung für sie so unsichtbar war. Nicht sehr wahrscheinlich ... Aber warum Zeit damit verschwenden, hoffnungslos zu sein? Wenn es um Bella ging, hatte ich keine Zeit zu verschwenden. Jede Sekunde zählte.

Mr. Banner betrat den Raum und zog einen uralten Fernseher mit dazugehörigem Videorekorder hinter sich her. Er übersprang ein Wissensgebiet, das ihn nicht besonders interessierte – Erbkrankheiten – indem er uns die nächsten drei Tage einen Film zeigte. Lorenzo's Oil war keine sehr unterhaltsame Produktion, doch das minderte die Aufregung im Raum nicht. Keine Notizen – kein Teststoff. Drei freie Tage. Die Menschen waren überglücklich.

Für mich war es so oder so gleich. Ich hatte nicht vorgehabt, irgendetwas oder irgendjemandem außer Bella meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Heute rückte ich meinen Stuhl nicht von ihrem weg, um mir mehr Raum zum Atmen zu verschaffen. Stattdessen saß ich nahe bei ihr, wie es ein normaler Mensch tun würde. Näher als wir in meinem Auto nebeneinander saßen; nah genug, dass die linke Hälfte meines Körpers sich anfühlte, als würde sie in der Hitze ihrer Haut völlig untergehen.

Es war eine merkwürdige Erfahrung; gleichermaßen angenehm und nervenaufreibend, doch ich zog dies dem Gegenübersitzen an einem Tisch vor. Es war mehr, als ich gewohnt war und doch wurde mir schnell klar, dass es nicht genug war. Ich war nicht zufrieden. Ihr so nahe zu sein, brachte mich bloß dazu, ihr noch näher sein zu wollen. Die Anziehungskraft war stärker, je näher ich ihr kam.

Ich hatte ihr vorgeworfen, Gefahr wie ein Magnet anzuziehen. In diesem Moment fühlte es sich an, als wäre das die wortwörtliche Wahrheit. Ich war eine Gefahr und mit jedem Zentimeter, den ich mir erlaubte, ihr näher zu kommen, wurde ihre Anziehung größer.

Und dann schaltete Mr. Banner das Licht aus.

Es war merkwürdig, was für einen großen Unterschied das machte, wenn man bedachte, dass das fehlende Licht für meine Augen nicht sehr viel änderte. Meine Sehkraft war genauso perfekt wie zuvor. Jedes Detail im Raum war klar zu sehen.

Warum also der plötzliche Schock von Elektrizität in der Luft; in dieser Dunkelheit, die für mich nicht dunkel war? War es, weil ich wusste, ich war der Einzige, der alles sehen konnte? Dass Bella und ich beide für die anderen unsichtbar waren? Als wären wir alleine, nur wir beide, versteckt in einem dunklen Raum, so nah nebeneinander ...

Meine Hand bewegte sich ohne meine Erlaubnis in ihre Richtung. Bloß ihre Hand zu berühren, sie in der Dunkelheit zu halten. Wäre das ein so schrecklicher Fehler? Wenn meine Haut ihr etwas ausmachte, musste sie nur ihre Hand wegziehen ...

Ich riss meine Hand zurück, verschränkte die Arme fest vor der Brust und ballte die Fäuste. Keine Fehler. Ich hatte mir selbst versprochen, ich würde keine Fehler machen; ganz gleich wie winzig sie erscheinen mochten. Sollte ich ihre Hand halten, würde ich nur mehr wollen – eine weitere unwichtige Berührung, eine weitere Bewegung in ihre Richtung. Das konnte ich fühlen. Eine neue Art von Begierde wuchs in mir und arbeitete daran, meine Selbstkontrolle zu besiegen.

Keine Fehler.

Bella verschränkte die Arme vor der Brust und ihre Hände ballten sich zu Fäusten, genau wie meine.

Was denkst du gerade? Ich wollte es ihr unbedingt ins Ohr flüstern, doch im Klassenzimmer war es zu still, um auch nur eine geflüsterte Unterhaltung zu führen.

Der Film fing an und die Dunkelheit wurde etwas heller. Bella blickte zu mir hoch. Sie bemerkte die versteifte Art, wie ich dasaß – genau wie sie – und lächelte. Ihre Lippen öffneten sich leicht und ihre Augen schienen warm und einladend.

Oder vielleicht sah ich nur, was ich sehen wollte.

Ich erwiderte ihr Lächeln; ihr Atem stockte mit einem leisen Keuchen und sie wandte schnell den Blick ab.

Das machte es schlimmer. Ich kannte ihre Gedanken nicht, doch plötzlich war ich mir sicher, dass ich zuvor richtig gelegen hatte und sie wollte, dass ich sie berührte. Sie fühlte diese gefährliche Begierde – genau wie ich.

Zwischen ihrem Körper und meinem summte die Elektrizität.

Sie bewegte sich während der ganzen Stunde nicht; behielt ihre steife, kontrollierte Haltung bei, wie ich meine beibehielt. Von Zeit zu Zeit warf sie mir einen verstohlenen Blick zu und jedes Mal fuhr es durch mich hindurch, als würde ich unter Strom stehen.

Die Stunde verging – langsam, und doch nicht langsam genug. Dies war so neu, ich hätte tagelang so neben ihr sitzen können, um das Gefühl vollständig zu erfahren.

Ich führte ein Dutzend verschiedener Diskussionen mit mir selbst, während die Minuten vergingen. Rationalität kämpfte gegen Begierde, während ich versuchte, eine Berührung zu rechtfertigen.

Schließlich drehte Mr. Banner die Lichter wieder an.

Im grellen Licht der Neonröhren kehrte die Atmosphäre im Raum wieder zur Normalität zurück. Bella seufzte, streckte sich und schüttelte ihre Finger aus. Es musste unbequem für sie gewesen sein, solange in dieser Haltung zu verweilen. Für mich war es einfacher – Bewegungslosigkeit war etwas ganz Natürliches.

Der erleichterte Ausdruck in ihrem Gesicht brachte mich zum Lachen. "Ich würde sagen, das war interessant."

"Mmmh", murmelte Bella. Sie wusste ganz klar, wovon ich sprach, gab dazu jedoch keinen Kommentar ab. Was ich nicht alles geben würde, um hören zu können, was sie in diesem Moment dachte.

Ich seufzte. Ich konnte es mir noch so sehr wünschen, es würde nichts bringen.

"Sollen wir?", fragte ich und erhob mich von meinem Stuhl.

Sie verzog das Gesicht und kam wacklig auf die Beine; ihre Hände auf der Tischplatte aufgestützt, als hätte sie Angst, sie würde hinfallen.

Ich konnte ihr meine Hand anbieten. Oder ich konnte diese Hand an ihren Ellbogen legen – nur ganz leicht – und sichergehen, dass sie nicht das Gleichgewicht verlor. Das wäre doch ganz sicherlich kein allzu schlimmer Regelbruch ...

Keine Fehler.

Sie war sehr still, während wir in Richtung Turnhalle spazierten. Die Furche zwischen ihren Augen war klar zu sehen; ein Zeichen dafür, dass sie tief in Gedanken war. Ich dachte ebenso angestrengt nach.

Eine Berührung meiner Haut würde sie nicht verletzen, argumentierte meine selbstsüchtige Seite.

Ich konnte den Druck, den meine Hand ausübte, ganz einfach regulieren. Es war nicht gerade schwierig, solange ich mich völlig unter Kontrolle hatte. Mein Tastsinn war besser entwickelt als jener der Menschen; ich konnte ein Dutzend Kristallkelche jonglieren, ohne einen einzigen zu zerbrechen; ich konnte eine Seifenblase streicheln, ohne sie zu zerplatzen. Solang ich mich unter Kontrolle hatte ...

Bella war wie eine Seifenblase – zerbrechlich und flüchtig. Vergänglich.

Wie lange würde ich meine Anwesenheit in ihrem Leben rechtfertigen können? Wie viel Zeit blieb mir? Würde ich eine weitere Chance wie diese bekommen; wie diese Sekunde? Sie würde nicht immer innerhalb meiner Reichweite sein ...

An der Tür zur Turnhalle wandte sich Bella zu mir um und ihre Augen weiteten sich, als sie meinen Gesichtsausdruck sah. Sie sagte nichts. Ich betrachtete mein Spiegelbild in ihren Augen und sah den Konflikt in meinen eigenen. Ich sah zu, wie sich mein Gesicht veränderte, als meine bessere Seite den Streit verlor.

Meine Hand hob sich, ohne dass ich ihr einen bewussten Befehl erteilt hatte. So sanft, als ob sie aus dem dünnsten Glas geformt; als ob sie so zerbrechlich wie eine Seifenblase wäre, streichelten meine Finger die warme Haut, die ihre Wangenknochen bedeckte. Sie erwärmte sich unter meiner Berührung und ich konnte spüren, wie ihr Puls sich unter der beinahe durchsichtigen Haut beschleunigte.

Genug, befahl ich, obwohl meine Hand vor Sehnsucht schmerzte, sich an die Seite ihres Gesichtes zu schmiegen. Genug.