"Woher kennst du meinen Namen?" fragte sie verstört, sie schien immer noch Angst vor mir zu haben. "Ich - Ich hab das Geld nur genommen, weil ich es brauchte! Ich musste nach Kanada, da hättest du mich nie hingelassen!" versuchte sie sich zu rechtfertigen. Ach ja das Geld - eigentlich wollte ich ihr dafür noch einmal tüchtig den Hintern versohlen, allerdings ist das schlagen von gefesselten Frauen meiner Meinung nach was für Schlappschwänze. Also war das auch schon mal gestrichen, davon abgesehen schien Annabeth in der letzten Zeit genug unerfreuliches zugestoßen zu sein. "Wirklich - ich zahl dir alles zurück! Ich arbeite für dich, wenn es sein muss, aber du kannst mich jetzt nicht töten - ich muss meiner Familie helfen!" jammerte Annabeth und ich konnte nicht einmal darüber lachen. Wieso dachte sie das ich sie umbringen wollte. "Ähm - Hallo wir reden hier von Geld Mädchen, nicht davon das du meine Freundin vergewaltigst und meinen Vater ermordet hast !" stellte ich verstört fest, jetzt mal im Ernst wie kam sie auf die Idee ich würde gewalttätig werden. "Du hättest mich übrigens einfach fragen können, dann hätte ich es dir freiwillig gegeben." bemerkte ich ernst, was dazu führte das sie sich abwandte. "Es tut mir trotzdem Leid - aber ich musste es einfach versuchen." sagte sie tonlos. Sollte ich mich jetzt dumm stellen oder mir meinen theatralischen Auftritt vermiesen. Eine schwere Entscheidung, die wie ich heute mit einem Anflug erwachsenen Stolzes bekenne zu Gunsten des vor mir liegenden Häufchen Elends ausfiel. "Naja, also ich komme eigentlich aus Kanada und heiße mit nachnahmen Pendragon." begann ich jetzt zu erzählen, verdammt, warum klang ich so unsicher. Ich hatte hier diesmal eindeutig das Heft in der Hand - es gab keinen Grund schuldbewusst zu sein.. Sie guckte ziemlich überrascht drein und schien für einen Moment sogar ihren schweren Schädel vergessen zu haben.

"bist du etwa mit Uther Pendragon verwandt?" fragte sie mit aufgerissenen Augen. Ok - woher wusste sie das denn schon wieder? Hatte bestimmt was mit ihrer Herkunft zu tun, aber bitte warum Lügen, ich hatte nichts wofür ich mich schämen musste. "Durchaus, wenn auch nur relativ entfernt. Diese alte Geschichte ist aber zum Glück endlich bereinigt, nachdem ich in der ersten Reihe stand und den Göttern ihren Olymp gerettet habe, mit meinen Leuten." erklärte ich großspurig und musste mich ernsthaft maßregeln um nicht noch prolliger zu klingen. Annabeth kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, sie sah aus wie ein Kind das zum ersten mal einen Weihnachtsbaum sieht, hatte ich etwa bunte Kugeln an den Armen? "Wie, der Olymp ist wirklich angegriffen geworden?" japste sie. "Ja, Prometheus ist mit einem Luftschiff dahingeflogen, hat ein Halbgottheer in die Schlacht geworfen, was bedeutet das ich mehr Menschen umgelegt habe als ich zählen kann. Desweiteren ist Hermes tot, Zeus wird abgesetzt, Ares ist Pazifist geworden und habe ich bereits erwähnt das Athena mich für den Versuch das Palladion zu besorgen fast umgelegt hat?" stellte ich ziemlich mies gelaunt fest. Besonders die Tatsache mich daran erinnern zu müssen wen ich alles getötet hatte sorgte dafür das es mir verdammt schlecht ging. Annabeth blickte mich mit einem Mischung aus Angst und Abscheu an. "Ihr habt Menschen getötet - wie konntet ihr das nur machen! Das - das geht doch nicht." stammelte sie "Und Zeus wird was?" sie konnte gar nichts verstehen. "Ich schwöre beim Styx das ich keinen Scheiß erzähle. Zeus wird abgewählt, weil er die Halbgötter die vorher Prometheus dienten einfach hingerichtet hat nachdem sie sich ergeben hatten ohne einen Ratsbeschluss abzuwarten, verdammter Bastard." fügte ich an, mit war es ziemlich egal das gleich darauf ein lautes donnern ertönte, welches Annabeth zusammenfahren lies. Ich grinste. "Ich denke jetzt gibt es wirklich Ärger. Der Olymp dürfte gerade wirklich kochen." bemerkte ich und dachte daran das die Götter ja auch noch über das weitere Schicksal des Pallas beraten mussten, ganz davon abgesehen das gewaltige Schäden zu reparieren waren.

"Jack - warst du eigentlich im Camp? Wer lebt noch alles." fragte Annabeth besorgt. Puh, wenn ich das so genau wüsste. "Ja, ich bin auch da gewesen. Es sind viele gefallen, allerdings weiß ich nicht genau wer - ich habe nach der Schlacht sehr lange geschlafen. Aber von ein paar Leuten weiß ich definitiv das sie noch leben. Nico di Angelo, Connor Stoll, meine Jungs, Clarisse de la Rue." zählte ich an den Fingern auf. Bei di Angelo stieß sie einen erleichterten Seufzer aus. "Ach ja stimmt Thalia Grace hab ich noch vergessen - die ist ja jetzt auch so ein Sonderfall. Artemis Jagd hat sich nämlich bis auf Thalia und ein paar ihrer Freundinnen am Ende auf Prometheus Seite gestellt als es so aussah als würde er gewinnen. Das wir übrigens nie mehr vorkommen! Dafür hat ein ausgeknobelter Eid gesorgt." dozierte ich weiter. Als ich das von den Jägerinnen erzählte lief Annabeth kreidebleich an. "Und was ist da mit meiner Mutter abgegangen?" fragte sie weiter. "Naja, die Moiren sagten das Ende der Welt voraus, dann hat Hermes die ganze Aktion zerschossen und ist hingerichtet worden - dadurch hat er dann ermöglicht das Prometheus besiegt worden ist und Athena ist vorher komplett durchgedreht, mit Depressionen und Endzeitlyrik. Als dann beschlossen wurde, dass die Camper in die Schlacht ziehen ist sie voll ausgerastet hat irgendwas davon gefaselt das man die verbleibende Zeit so gut wie möglich nutzen zu habe und nicht verlorene Schlachten kämpfen sollte. Sie hat dann versucht mich, Connor und den Rest umzulegen und ist in letzter Minute von Ares ziemlich verprügelt worden. Überhaupt, wenn Poseidon, Hades und Ares nicht gekämpft hätten statt zu flennen wie der Rest der Götter, dann sähe es jetzt anders aus." gab ich meine Meinung kund. Darauf folgte erst einmal ein kurzes Schweigen. "Wenigstens ist Percy nicht umsonst gestorben. Da der Olymp wenigstens gerettet worden ist hat sein Tod wenigstens einen Sinn." ihre Stimme klang tonlos und leer wie Wind der durch dürre Gräser fährt.

Die grauen Augen blickten wässrig drein. Ok - jetzt kamen wir also zum Kern des Problems das sich da gerade vor mir aufbaute. Wie sollte ich Annabeth erklären, dass Percy lebte und sich nicht mehr auf ihre Beziehung besinnen konnte, je vielleicht an deren Fortbestehen nicht im geringsten interessiert war! Dabei wollte ich sie ja nicht gleich in den Wahnsinn treiben - sie stand offensichtlich sowieso nicht weit davon entfernt. Ich bin noch nie gut in solchen Sachen gewesen, meine Freunde nennen mich in dieser Beziehung zu recht einen ungehobelten Klotz. "Ähm Annabeth." sie blickte mich mit neu erwachtem Interesse an, vielleicht sollte ich ihr doch die Handschellen abnehmen. "Warum hast du dich eigentlich mit diesem widerlichen Zeug eingeschmiert?" fragte ich sie um etwas Zeit zu gewinnen, verdammt mir war schlechter als vor einer Schlacht. Ok - das war wohl ein wenig geschwindelt, aber viel besser fühlte ich mich in der Tat nicht. "Ist das nicht offensichtlich. Dieser Gestank verdeckt meinen Halbgottgeruch besser als die Gegenwart von vielen Menschen!" erklärte sie nüchtern als sei es das normalste von der Welt. "Und was ist das?" fragte ich auf ihren Hautbelag deutend. "Oh, ein wenig Alraunenwurzel, jede Menge Klärschlamm und eine halbe Flasche Deo mit Wasser gemischt und aufgetragen." erläuterte sie das Rezept, wie ich aus dem verdeckten Stolz in der Stimme erkennen konnte , welches eine eigene Erfindung gewesen war. "Das ist wirklich praktisch." ich versuchte mir die Ingredienzien zu merken. "Was machst du eigentlich hier, und kannst du endlich diese bescheuerten Handschellen abmachen?" erkundigte sie sich mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein - armer Percy, der war früher wohl ziemlich unter dem Pantoffel gestanden, ok sagen wir besser der griechischen Sandale! Ich raffte mich also auf und steckte den Schlüssel in das Schloss. "Warum hast du mich überhaupt angegriffen?" fragte ich und erhielt darauf ohne zu zögern eine vermutlich sehr ehrliche Antwort. "Was würdest du machen wenn ein schwergepanzerter Bronzeautomat auf die zugetrampelt kommt! Und außerdem muss man in diesen Zeiten misstrauischer sein als sonst." gab sie schnippisch und kleinlaut zugleich zu bedenken. Automat - verdammt sah ich aus wie Terminator oder was? "Annabeth, schwörst du mir beim Styx keine Flasche mehr anzurühren?" bemerkte ich und deutete auf die leeren Glasflaschen."Warum sollte ich das tun - wenn ich genug habe sehe ich diesen ganzen Dreck hier nicht mehr." stieß sie bitter aus, die Gesichtsmuskeln zucken wie Schlangen als sie versuchte ein schluchzen zurückzuhalten. "Weil ich dir vielleicht eine Freude machen kann, zumindest eine kleine." antwortete ich in bedeutend sanfteren Tonfall. "Die wäre? Du hast meinen verräterischen Vater geköpft?" zischte sie wütend. Das war wie ein Peitschenschlag quer über mein Gesicht. "Wie konnte dieses Schwein sich nur gegen meine Mutter wenden! Wie konnte er nur dafür sorgen das alles DAS passiert.

" Annabeth hatte wohl noch mehr fluchen wollen. Allerdings begann sie jetzt wie ein kleines Kind zu weinen. Ok Jack Pendragon, jetzt heißt es Nase zu und durch! Ich setzte mich also neben sie und nahm sie in den Arm wie ein kleines Kind. Durch den Mund einatmen, durch die Nase ausatmen! "Weil er Angst hatte - und zwar um dich. Darum hat er sich gegen die Götter gestellt, das hat er mir selbst gesagt bevor er erschossen worden ist, wie es der Schlachtplan vorsah - es hätte nicht sein müssen, aber ich konnte nichts tun." erklärte ich ihr niedergeschlagen, ich bezweifle allerdings, dass sie meine Worte überhaupt mitbekam, sie reagierte jedenfalls nicht darauf und wurde erst mit der Zeit ruhiger. Ich weiß nicht wie lange wir beide da genau gesessen hatten, meine Beine waren jedenfalls eingeschlafen und ich hatte mich sogar an den grausamen Gestank gewöhnt, welchen ich eingeatmet hatte nachdem mein Mund vollkommen trocken geworden war. Annabeth schniefte und zerriss dabei die Stille die inzwischen eingekehrt war. "Also gut Jack." bemerkte sie und rückte ein Stück von mir weg, was ich nicht ungern zuließ - ich konnte mich dann immerhin wieder bequem aufrichten ich stand auf ziemlich wackligen, weil prickelnden und gefühlslosen Füßen. "Ich schwöre beim Styx keinen Alkohol mehr zu trinken. Zufrieden?" fragte Annabeth die fast schon sehnsüchtig auf eine leere Vodkaflasche starrte. Ich nickte - wenigstens würde ich so sicher sein, dass sie nicht zur Alkoholikerin würde. Das wollte ich dem armen Percy nämlich nicht aufs Gewissen laden, außerdem würde sie mir später bestimmt dankbar dafür sein! "Also gut, am besten du legst dich auf den Boden." sagte ich und atmete tief ein." Das wird jetzt kein schlechter Abklatsch von Junge tröstet Mädchen und Mädchen macht die Beine breit oder?" fragte Annabeth deren Augen sich für einen Moment in polierte Klingen zu verwandeln schienen. Bei den Göttern! Was dachte diese Frau bloß von mir - hatte ich es wirklich nötig auf solche Mittel zurückzugreifen um bei einer Frau zu landen? "Nein wird es nicht, ich will nur verhindern das ich die vielleicht auffangen muss." stellte ich nüchtern fest. Widerstrebend gehorchte sie schließlich, aber nur weil ich keine Anstalten machte weiter zu erzählen. "Ok. Also - als ich gerade nach Hause in Kanada fahren wollte brachen auf einmal ein Monster und ein Mann vor mir auf die Straße. Den Burschen habe ich dann mit der Motorhaube erwisch, obwohl ich eine Vollbremsung hingelegt habe. Ich habe das Monster erschossen und den ziemlich übel verletzten Kerl mit nach Hause genommen. Er hatte eine Amnesie und darum haben wir ihn auf den Namen Carlos getauft, beziehungsweise er hat das selbst getan. Ich habe schnell bemerkt das mit ihm etwas nicht ganz normal ist, obwohl er sich an nichts erinnern konnte sah er durch den Nebel und war eine richtige Kampfmaschine. Also kurzum ein Halbgott." erklärte ich stockend, während Annabeth ihre Fäuste ballte, dass die Knöchel weiß anliefen. Das mit dem hinlegen war wirklich eine brilliante Idee von mir gewesen.

"Er hat sich dann schließlich entschieden bei uns zu bleiben und so nach und nach haben sich Erinnerungen wieder eingestellt, wenn auch nur fragmentarisch, was auch bis heute der Fall ist." damit war die Einleitung fertiggestellt. "Und was soll mich dieser Carlos interessieren?" blaffte Annabeth ungehalten."Inzwischen kennt er seinen Namen wieder, er erinnert sich teils auch an dich - naja - er - heißt Percy Jackson." erklärte ich nervös. Anstatt in Ohnmacht zu fallen wie ich es erwartet hatte blieb sie auf dem Boden liegen. Nach vielleicht 20 Sekunden fragte sie mit bebender Stimme. "Kannst du das noch mal sagen?" sie leckte sich aufgeregt die Lippen und verzog bei dem Geschmack angewidert den Mund. "Percy Jackson lebt, du hast schon richtig gehört, er ist sogar mit mir irgendwo in der Stadt." wiederholte ich mich. Nun war ich es der fast in Ohnmacht viel, Annabeth stieß ein jubilierendes quietschen aus das bestimmt sämtlich Monster in einer Meile Umkreis anlocken würde und fiel mir um den Hals, was meinen wackeligen Stand ziemlich erschütterte und mich ungelenk gegen eine Wand taumeln ließ. "Ist das wirklich wahr?" fragte sie, die Augen zeigten das ihr Geist auf fernen Pfaden wandelte. "Ich schwöre auf den Fluss Styx und auf meine Ehre, Percy Jackson lebte noch heute Morgen und müsste es auch noch jetzt tun. Genau wie einer von deinen kleinen Brüdern - dem geht's allerdings ziemlich scheiße, seine Beine sind - halb amputiert." quetschte ich heraus. "Was ist ihm denn passiert, ein Monster?" erkundigte sie sich besorgt. Ich nickte "Lykaon - ein Glück das ich und Percy gerade rechtzeitig gekommen sind um ihn zu erledigen. Momentan ist Francois de Miseré gerade bei ihm und passt auf ihn auf." beruhigte ich sie. "Die Wunden sind so gut behandelt wie das ohne Krankenstation geht." sagte ich. Aus Annabeths Überschwang war nun eine besorgte Freude geworden. "Das ist wirklich eine Freude für mich Jack - wir können doch wieder ein Leben aufbauen. Ich und Percy. Und meinen kleinen Bruder kriegen wir auch schon wieder hin." sie schien sich gerade weit wegzuträumen, Zeit für den letzten und schwersten Dampfhammer.

"Ähm Annabeth, ich muss dir das sagen, weil ich denke du verdienst die Wahrheit. Percy ist eine gute Haut, aber er hat sich ziemlich verändert und er erinnert sich nicht an alles was zwischen euch gewesen ist - es ist zumindest ein Neustart den ihr Wagen müsst." ich klang ein wenig traurig. Annabeth atmete einmal tief durch "Das ist mir egal - wenn man jemanden liebt ist einem das egal. Auch wenn ich versuchen werde dem kleinen Algenhirn zu zeigen was er vergessen hat."Annabeth hatte wirklich ein ziemliches Vertrauen in ihre Fähigkeiten, vermutlich sogar noch mehr als ich! Ich freute mich dafür das die beiden vielleicht wieder alles ins Lot rücken konnten. Ich selbst würde vermutlich immer ein Junggeselle bleiben, aber meinen Freunden dasselbe zu wünschen war wirklich herzlos. Ich blickte mit zusammengebissenen Zähnen weg, eigentlich wollte ich nichts weniger als allein bleiben, aber Sam konnte ich nicht sagen was in mir vorging. Ich würde sie nicht in einen Loyalitätskonflikt bringen und ihre Freundschaft zerschlagen - nicht für eine sehr vage Hoffnung. "Alles in Ordnung Jack?" fragte Annabeth. "Ich bin nicht immer allein gewesen - schöne Erinnerungen." bemerkte ich mit einem schwachen lächeln. Sie blickte mich so verständnisvoll an das ich beinahe angefangen hätte zu reden. "Aber genug davon, wir sollten schauen das wir zu eurem Haus zurückkommen." bemerkte ich und klatschte in die Hände. "Hilfst du mir in die Rüstung?" fragte ich sie. "Du glaubst das du die Rüstung tragen kannst? Ich meine du magst ziemlich gute Heilkräfte zu haben, das ist wirklich beeindruckend, aber ich hab dir bestimmt ein paar Rippen gebrochen." sagte Annabeth, der jetzt ziemlich verdattert auf meinen Oberkörper starrte. "Du hast mehr Narben als alle Leute die ich je gesehen habe - und du hast mehr Muskeln als Percy!" der letzte Teil des Satzes klang ziemlich, verstört. Na, so kräftig war ihr Percy nun auch wieder nicht, oder sah sie ihn irgendwie anders als ich? Also - optisch anders, nicht das hier jemand was falsches denkt! "Bin ja auch ein bisschen älter - außerdem ist Percy kein so schmaler Teenie mehr wie zu dem Zeitpunkt als ich ihn aufgelesen habe. Zum letzteren möchte ich nur einmal erwähnen, dass ich in den Styx gefallen bin und von Lady Styx sozusagen adoptiert worden bin." erklärte ich. Annabeth japste. "Adoptiert?" sie war wohl inzwischen darauf gefasst zu erfahren das der Himmel grün und die Wolken in Wahrheit keltische Schafe waren. "Und das obwohl ich als stinknormaler Mensch geboren worden bin." bemerkte ich grinsend. "Ein Kind der Lady Styx - das hat es seit Menschengedenken nicht gegeben!" Annabeths Neugier war geweckt. "Das hat man auch gesagt als die Franzosen die ersten frühgotischen Kirchen gebaut haben." kommentierte ich staubtrocken. "Du interessierst dich für Architektur?" fragte sie und war fast schon begeistert. "Ähm - eher für Literatur und da kommen natürlich ab und an auch Baustile vor." redete ich mich raus. Eigentlich hatte ich keine Lust auf einen architektonischen Vortrag, zumindest nicht im Moment. Annabeth schien sich inzwischen wieder vollkommen unter Kontrolle zu haben. "Gut reden können wir, wenn wir mein Elternhaus erreicht haben. Mein Vater ist letztens umgezogen, aber ich finde das Haus schon." erklärte sie und wollte sofort aufbrechen.

"Moment - nicht ohne meine Rüstung, das ist ein Prototyp, genau wie das Gewehr - ich glaube ich werde dafür umgebracht wenn ich diese kostbaren Dinge einfach liegen lasse." bemerkte ich, während ich mir die Kettenhose anlegte die ich unter den Panzerplatten trug. Annabeth ließ sich nicht lange bitten und half mit in den nur äußerst kompliziert anzulegenden Brustharnisch, der auch für ihre schlanken Finger fast eine unlösbare Herausforderung darstellte. Also für Einzelkämpfer war diese Rüstung wirklich nichts, allerdings durfte man ihren Schutz wohl kaum unterschätzen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatten wir es endlich geschafft und traten aus dem dunklen Raum schließlich in den Laden hinaus, es dämmerte, ob es die Abend oder schon die Morgendämmerung war wusste ich nicht, Annabeth wirkte nervös, sie kratzte sich des Öfteren und schluckte trocken. Erste Anzeichen von Entzugserscheinungen wie mir schien. Ablenkung war hier die beste Medizin - allerdings würde ich nun zusätzlich zu meiner Sicherheit auch noch für ihre Sorge tragen. Ich bezweifelte nicht das sie mit ihrem Dolch und dem Kurzschwert gut umgehen konnte, allerdings zweifelte ich das sie momentan der Umgebung die Aufmerksamkeit schenkte die sie verdiente. Annabeth schien von dem Gedanken an ein Wiedersehen mit Percy geradezu beflügelt, sie schlug ein Tempo ein welches ich schon nach einer Viertelstunde nicht mehr halten konnte, nicht mit dieser schweren Rüstung. Ich schwitzte und mein gesamter Oberkörper fühlte sich wie nach einem dreistündigen Workout an. "Mach mal langsam." keuchte ich "Annabeth!" rief ich lauter als sie einfach nicht auf mich hörte. Sie schrak regelrecht zusammen und blickte wild um sich. "Wie schon müde Jack? Da kann es ja nicht weit her mit deinen kriegerischen Fähigkeiten sein." spöttelte sie. Ich hatte jedoch noch etwas anderes gehört, nämlich das bersten von Holz. Es erklang aus einer der Seitenstraßen hinter uns zusammen mit einem lautstarken zischen das entfernt an eine Dampflokomotive beim anfahren erinnerte. Das hörte sich gar nicht gut an, zumal das zischen immer lauten wurde. Ich spähte in die Seitenstraße hinein, die Luft flimmerte dort seltsame und ich sah tatsächlich einen Dampfzug, einen Dampfzug der dort eigentlich auf keinen Fall fahren konnte! Hier lagen nämlich keinerlei schienen. Annabeth dagegen schien das Zischen gar nicht zu hören. Das konnte kein Dampfzug sein, aber was genau kam dann auf uns zu? Ich kniff die Augen zusammen als auf einmal ein Fenster auf meinem Headupdisplay auftauchte.

"Entnebele" stand in diesem Fenster, untertitelt von einem kleinen zwinkernden Smiley. Hephaistos hatte wirklich einen kranken Sinn für Humor, aber was konnte man denn sonst schon von einem verrückten Bastler halten der zufällig als unsterbliches und immens mächtiges Wesen geboren worden war! Allerdings war es eine Tatsache das ich mich ziemlich verarscht vorkam, zumal jetzt eine Art Vorhang vor meinen Augen gelüftet wurde. Ich sah alles ziemlich seltsam, grelle rot und Weißtöne wechselten tiefstes Violett ab, dennoch konnte ich erkennen das eine gewaltige Schlange auf uns zu kroch die durchaus die Dimensionen einer 1 zu 3 Modellbahn haben konnte. Gegen Typhon war dieses Monstrum winzig, aber das war mir in der gegenwärtigen Situation wahrlich kein Trost. "Annabeth - Lauf." herrschte ich sie an. Sie zuckte zusammen und wirbelte herum, in einer fließenden Bewegung riss sie den Dolch an ihrem Gürtel aus der Scheide und stieß einen wilden Kampfschrei aus. Ein Glück das ich mehrere Schritte hinter ihr stand! Das wilde Funkeln in ihren Augen erlosch Augenblicklich und machte dem Ausdruck Platz den man unweigerlich aufsetzt wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt - im übertragenen Sinne natürlich. "Na - gaff nicht so blöd, beweg dich ich krieg das schon hin! Nimm den Rucksack mit!" befahl ich ihr und ließ meinen schweren Rucksack einfach zu Boden fallen, der Proviant würde also auf alle Fälle im Haus der Chases ankommen, was bei mir keineswegs feststand wenn ich mir diesen riesigen Regenwurm, dessen rundlicher Kopf mit mehreren Reihen rasiermesserscharfer, Dolchlanger Zähne gespickt war fertig werden würde. "Jack - das ist Irrsinn, wir kommen da schon weg. Wir laufen einfach." Annabeth war wohl nicht. "Da habe ich schon ganz andere Monster abgemurkst!" grollte ich selbstsicherer als ich war.

Währenddessen glitt der Drakon doch recht gemächlich auf uns zu. Ich erkannt auch ziemlich schnell denn Grund. Zuerst hatte ich gedacht er sei schwarz geschuppt, bis ich ein vielleicht einen halben Quadratmeter großes Gebiet an seinem Kopf bemerkte welches von grellorange Schuppe bedeckt war. Er war offensichtlich von schrecklichen Verbrennungen entstellt, eine Tatsache die mir Hoffnung gab bei den sechs in zwei versetzten Reihen angeordneten Augen die mich faustgroß wie sie waren fixierten. Ich nahm mein Geweht zur Hand, entsicherte es und hoffte das die Durschlagskraft reichen würde um dieses Biest zu erledigen. Ich legte den Hebel am Schaft um und aktivierte den Einzelschussmodus. 30 Kugeln im Magazin, zeigte mir mein Helm an. Ich kniete mich hin, stützte den linken Arm auf und zielte, während ich hörte wie sich Annabeth mit den Worten. "Du bist ein verfluchter Vollidiot Jack Pendragon." abschob. Nun war ich schon bedeutend beruhigter, zielte und feuerte. Ein Auge wurde von der Kugel zerschmettert, der Drakon zuckte zurück, richtete sich auf, entblößte dabei einen von silbernen Schuppen überzogenen Bauch und lies seinen Vorderkörper donnernd zurück auf die Erde fallen während die Augen mich fixierten und eine lange, mit Widerhaken versehene Zunge aus dem Maul schnellte.