Kapitel 52: Will ich den zurück?

Bella:

Seine Worte hallten in meinem Kopf:

„Bella, die letzten Schritte musst du alleine machen…. Ich werde dich jetzt verlassen. Wir werden uns wieder sehen, wenn du wieder wach bist. Bitte vertrau mir und kämpfe. Egal, was jetzt noch kommt, kämpfe!!! Kämpfe für Edward und dich…!"

Hatte ich mich wirklich in einer Traumwelt aufgehalten?

Wollte ich nicht mehr leben?

Ja, es machte alles Sinn, was er mir gesagt hatte, aber ich wollte es dennoch irgendwie nicht glauben.

Er hatte mich hier an die Grenze geführt. Ich kannte sie schon. Einmal hatte ich sie bereits überschritten. Auf der anderen Seite hatte ich so unsagbare Schmerzen gehabt. Ich war hierher geflohen. Hier ging es mir gut.

Ich wollte nicht wieder darüber.

Noch einmal konnte ich das nicht ertragen….

Ich war stark…ich war immer stark gewesen. Aber das war unmenschlich gewesen.

Und dann dachte ich wieder an meinen Edward. Er war das Beste, was mir je passiert war. Ich wollte ihn nicht verlieren… Und er sollte nicht wegen mir leiden.

Er war sicher immer noch sauer auf mich, weil ich gegen seinen Willen gespielt hatte. Aber ich glaube, diesen Ärger würde ich in Kauf nehmen können, Hauptsache er würde nicht mehr so leiden.

Das Bild, das mir Alireza durch den Kopf gejagt hatte, glich einer Folter. Es war eine Qual gewesen, Edward so zu sehen…

Dieser Schmerz war genauso groß.

Also war es egal, was ich tun würde.

Überschritt ich die Grenze würde ich wieder Schmerzen erleiden, würde ich hier bleiben, würde ich ebenfalls Leiden, denn diese Erinnerungen konnte ich nicht vergessen, so wie ich auch Edward nie vergessen konnte.

Warum hatte ich nicht früher bemerkt, dass das alles Schein war?

Ich beantwortete mir meine Frage selbst. Weil ich glücklich war. Hier war alles so, wie ich es haben wollte…

Ich wünschte mir so sehr, dass jetzt Edward und Emmet da wären. Sie würden mir die Kraft geben, diesen Weg zu beschreiten.

Ich sank auf die Knie und weinte hemmungslos. Ich weinte all den Schmerz aus mir heraus. Ich war noch nicht bereit…

Wieviel Zeit ich noch hatte, wusste ich nicht. Er hatte nichts gesagt…

Edward:

Carlisle und Emmet waren nun auch wieder gegangen. Zurück blieb ich allein mit meinem Engel…

Sanft strich ich über ihr Haar.

Wenn es sein musste, würde ich beten.

Leise offenbarte ich ihr meine Gefühle:

„Bella, niemals hatte ich solche Gefühle für jemanden, wie ich sie jetzt für dich fühle. Du bist das Wertvollste in meinem Leben, ich will dich nicht verlieren. Wenn du mich verlässt, werde ich nie mehr Lieben können, denn du bist meine Liebe. Egal, wohin du gehst, ich werde dir folgen….Bella, bitte bitte bitte, bleib bei mir….bitte!" Meine Stimme war nur noch ein leises Flehen.

Ich hatte nur noch ein paar Stunden, und dann würde der Arzt wieder kommen.

Er musste die Maschinen abstellen…

Auch meine Familie würde dann wieder da sein. Sie wollten mich nicht alleine lassen. Und ich war ihnen dankbar dafür.

Niemand wusste, was passieren würde, ob was passieren würde.

Die Stunden vergingen, und ich kann mich an keine mehr erinnern. Die Zeit war an mir vorbei gerannt….

Ich spürte die Anwesenheit der anderen im Raum, aber ich war nicht bereit, mit ihnen zu reden…

Ich wollte mit niemandem reden.

Die Angst, dass es Bella nicht schaffte, war nicht in Worte zu fassen. Sie war einfach allgegenwärtig.

Sie beherrschte mein Denken und mein Handeln.

Seit uns der Arzt noch die drei Tage eingeräumt hatte, hatte ich meine Barrikade aufgegeben. Das Tierblut, das mir Carlisle mitgebracht hatte, hatte mir ein Stück Vernunft zurückgegeben.

Wir hatten nur noch mal, als Alireza da war, die Tür verbarrikadiert, damit niemand stören konnte.

Jetzt war die Tür wieder frei…..und ich hörte die Schritte des Arztes. Sie waren mir inzwischen so vertraut geworden, dass ich ihn überall erkennen würde…

Emmet:

Der Arzt war gekommen…

Carlisle und ich standen in der Nähe von Edward. Keiner wusste, was jetzt passieren würde…

Der Arzt prüfte die Werte und schaute traurig zu Bella.

Sogar ich hatte verstanden, dass es inzwischen keine Veränderungun gegeben hatte.

Er schaute uns an…sein Blick sprach Bände.

„Es tut mir so leid…. Aber ich muss das jetzt leider tun!" Seine Stimme klang gebrochen. Es schien ihm sichtlich schwer zu fallen.

Jede Faser meines Körpers spannte sich an.

Würde meine Kleine es schaffen?

Schnell prüfte ich die Gesichter meiner Familie. Alle waren gefasst….selbst Edward. Er saß direkt bei ihr am Bett und hielt ihre Hand. Sein Blick war leer…

Aber er hatte es verstanden.

Der Zeitpunkt war gekommen.

Wie gerne hätte ich jetzt Rose an meiner Seite, aber es war nicht möglich. Sie würde bald wieder da sein…und ich hoffte so sehr, dass ich ihr glücklich in die Arme fallen konnte.

Ich sah die Hand des Arztes. Sie näherte sich dem Schalter der Maschine, welcher Bellas Herz und Atmung antrieb.

Sein Herz raste….es war unüberhörbar.

Dennoch versuchte ich meine ganze Konzentration nur auf Bella zu richten.

Ich schickte ein Stoßgebet in den Himmel.

Ich glaubte nicht an Gott, aber die Menschen taten das. Also konnte er uns vielleicht helfen.

Piep – Piep – Piep Piep – Piep – Piep Piep……..

KLICK Der Schalter war umgelegt, und die Maschine war aus.

Es war Totenstille im Raum. Keiner sagte ein Wort, niemand atmete…

Würde ihr Herz jetzt weiter schlagen?

War sie stark genug?

Piep – Piep Piep – Piep….

Das war ein selbstständiger Herzschlag.

Durften wir uns wirklich schon freuen?

War sie zurück?

Nervös trat ich von einem Fuß auf den anderen….Es war noch nicht durch gestanden. Ihr Herz musste selbstständig regelmäßig schlagen.

„Bella, du schaffst es. Gib nicht auf!" Die Worte waren zu leise, als dass der Arzt sie verstehen könnte, aber meine Familie hatte es verstanden.

Wir litten unter dieser Anspannung….

Piep – Piep Piep – Piep

Erneut hatte das Gerät einen Herzschlag angezeigt.

Wir warteten auf den Nächsten…

Piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiep-------------------------

Es kam keiner mehr. Der durchdringende anhaltende Piep-Ton durchfuhr unsere Körper. Erschrocken schnappten wir nach Luft und wichen zurück.
Das durfte nicht sein.

Das konnte nicht sein.

Sie darf nicht sterben….sie muss leben.

Ich schloss die Augen. Oh bitte, das darf nicht sein….ich ließ mich zu Boden sinken.

Jetzt hatte ich keine Kraft mehr.

Sie war uns genommen worden.

Der Schmerz war überall.

„BELLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!" es war Edwards Aufschrei gewesen. Er hatte die Augen weit aufgerissen….und dann rannte er aus dem Zimmer…

Draußen wurden Stimmen laut…und der Rest meiner Familie folgte ihm. Sie mussten ihn daran hindern, eine Dummheit zu begehen…

Es war noch keine sechzig Sekunden her, dass die Maschine ausgestellt worden war…aber dennoch war ich plötzlich hier alleine im Raum.

Nur Bella…und ich.

Ich ging zum Bett und streichelte ihr über die Wange.

Langsam näherte ich mich ihrem Gesicht.

Leise flüsterte ich ihr zu:

„Bella, Kleines, niemals werde ich jemanden wieder so in mein Herz lassen, wie dich. Ich werde dich niemals vergessen. Ich hoffe, dir geht es gut, dort wo du jetzt bist. Du wirst mir so unendlich fehlen…" Ein leises Schluchzen entfuhr meiner Brust.

Vorsichtig legte ich meine Lippen auf ihre….es war der Abschiedskuss, ein Letzter für immer.