Anmerkungen: Dies ist das letzte Buch. Es besteht zur Hälfte aus Angst und beschäftigt sich mit mit Padmés Depression. Zur anderen Hälfte ist es force mambo jambo und healing sex. Wer ein Problem mit dem Alter der Protagonisten hat sollte sich ausklinken. Ist ja nicht jedermanns Sache wenn alte Menschen Sex haben, lol.

Für alle anderen: Viel Spaß.

Buch Sechs: Zwei Hälften

51.

"Hoth?" Padmés Stimme überschlug sich fast. Sie stakste bis zum Ende des Zimmers, drehte sich und kam dann zurück.

"Hoth? Wirklich? Wer von euch hat sich das ausgedacht?" Als sie seinen Gesichtsausdruck sah nickte sie. "Oh ja, das dachte ich mir. Die nicht endende Geschichte von Obi-Wan und den unwirtlichsten Planeten in der Galaxis."

Padmé wandte den Blick ab und atmete ruhig ein und aus.

Obi-Wan seufzte und verschränkte die Arme.

"Wir müssen schnell mit der Übersiedlung voranschreiten bevor das Imperium einen Gegenangriff starten kann. Dann können wir immer noch über eine neue Basis nachdenken."

Padmé schnaufte. Sobald die Basis aufgeschlagen war, müsste schon einiges passieren um einen erneuten Umzug zu rechtfertigen. So etwas brauchte Zeit, Ressourcen, welche die Rebellen nicht besaßen, und eine gute Alternative.

Zwar stieß Padmé die Wahl des Planeten auf, doch verstand sie sehr wohl die Strategie dahinter.

"Nun gut," sagte sie. "Hoth. Warum auch nicht? Von der sengenden Hitze in die Eiseskälte."

Sie warf ihm einen durchdringenden Blick zu als sie sich zum gehen wandte.

"Padmé. Warte."

Er berührte ihren Arm... Sie zuckte zurück als habe er sie verbrannt.

Seit ihrer Konfrontation im Hauptquartier der Rebellen vor einigen Tagen gingen sie einander so gut es ging aus dem Weg... Nein, sei ehrlich, Padmé. Du gehst ihm so gut es geht aus dem Weg.

So gut es eben möglich war einander aus dem Weg zu gehen, als vermeintliches Elternpaar, das eine Familieneinheit als Wohnung zugewiesen bekommen hatte.

So schlief Obi-Wan auf der kleinen Schlafcouch im Wohnraum, während Padmé in dem Doppelbett im Schlafzimmer schlief. Wenn sie morgens aufwachte, war er meist bereits irgendwo auf der Basis. Meist sahen sie einander mittags für einige angespannte Minuten in der Mensa gegenüber, wo sie ihr Essen zu sich nahmen.

Die Rebellion gab ihnen mehr als genug Gesprächsstoff. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte Padmé vielleicht früher darauf bestanden das sie die Arbeit nicht bei Tisch besprachen, so war es ihr nun ganz recht. Die Zwillinge, Garen und Obi-Wan diskutierten bis sie aufstanden und gingen dann wieder ihrer Wege.

Dann kamen die Nachmittage, welche Padmé mit Cordé und Benji in dem großen Aufenthaltsräumen verbrachte, wo sich die Kinder und ihre Eltern trafen. Sie sah dabei zu wie die beiden sich mit anderen Jugendlichen befreundeten und bald schon saß sie allein in einem der großen Sessel und wartete darauf das die Zeit vorüber ging. Oftmals kratzte sie sich dann unwissentlich die Arme wund, in Gedanken versunken.

Die Abende verbrachten sie in dem tristen Quartier. Manchmal stießen Obi-Wan und die Älteren dazu, doch meist waren sie drei auch jetzt allein, nahmen ein einfaches Abendbrot zu sich und saßen dann noch einige Zeit gemeinsam zusammen bevor sie zu Bett gingen.

Dies war der vierte Tag dieser schwerfälligen Routine. Bereits gestern hatte man angefangen das wichtigste zu packen und wegzuschaffen, so dass der Umsiedlung der Basis nichts im Weg stehen würde. Morgen würden sie aufbrechen. Es schien für Obi-Wan selbstverständlich zu sein das sie mitgehen würden. Darüber gesprochen hatten sie nicht.

Jetzt, wo sie ihm gegenüber stand fragte sie sich ob es eine gute Idee wäre mit zu gehen.

Sie hatte es nicht angesprochen und er auch nicht. Doch die Frage nach dem Stand ihrer Beziehung hing zwischen ihnen wie Rauch. Würden sie dessen Ursprung nicht bald finden und löschen, würde das dazugehörige Feuer alles verschlingen.

Sie standen einander nach wie vor erstarrt gegenüber. Es war Padmé die den Blick abwandte und sich wieder in Bewegung setzte. Er folgte ihr.

"Brauchst du Hilfe?"

Sie wusste nicht recht was er meinte, doch trotzdem verneinte sie.

"Denk daran bis morgen früh fertig mit packen zu sein."

Er blieb stehen. Sie ging weiter. Das Bedürfnis sich nach ihm umzudrehen war beinahe zu stark. Doch sie kämpfte sich vor, einen Schritt nach dem Anderen. Bis zum Ende des grauen Gangs. Um die Ecke. Immer weiter. Bis sie in dem Quartier ankam doch selbst hier war sie nicht allein.

"Wo ist Dad?" fragte Benji.

Padmé seufzte und antwortete nicht.

Benji fragte nicht erneut, doch gab ein frustriertes Geräusch von sich. Vor allem für ihn war es schwer Padmés neugewonne Launenhaftigkeit zu ertragen.

"Wir müssen packen." Benji sah sie verwirrt und ungläubig an.

"Mom," sagte er und zog die Stirn kraus. ", bekommst du überhaupt etwas um dich herum mit? Wir packen seit Tagen."

Padmé sah auf und stellte fest das er recht hatte.

Erschöpft ließ sie sich nieder, alles an Ärger und Frustration das sie eben noch Obi-Wan entgegen gebracht hatte war verpufft und hatte sich stattdessen in graue Gefühlslosigkeit verwandelt. Sie wusste nicht was besser war.

Benji wandte sich murmelnd ab und verließ das Quartier. Sie sank tiefer in die Couch nieder und presste ihr Gesicht in das Kissen. Es roch nach Obi-Wan.

Es dauerte nicht lange bis sie einschlief.

Der Schweiß stach zwar in Padmés Augen und ihre Schultern- und Rückenmuskeln brannten von der ungewöhnlich körperlichen Arbeit. Aber es war eine Arbeit bei der alle halfen. Niemand wollte in den behelfsmäßig bezogenen Zelten und den Raumschiffen bleiben. In Ersteren war es zugig und trotz Isolierung so kalt das man keine seiner schützenden Kleidungsschichten ablegen konnte, während die zweite Variante zwar wärmer war, aber selbst den erprobtesten Piloten irgendwann klaustrophobisch machte. Jeder Quadratzentimeter musste schließlich sorgfältig ausgenutzt werden. Sowohl mit Ladung, als auch mit Menschen.

In den letzten Wochen hatten sie einiges geschafft. Der unermüdliche Einsatz aller trug langsam Früchte. Padmé empfand es als äußerst befriedigend nicht denken zu müssen und sich statt dessen darauf zu konzentrieren die Eisblöcke auszuschneiden.

Es war eine sehr monotone Arbeit. Der Schmerz in ihren tauben Fingern, das Brennen ihrer Armmuskeln ankerte sie im hier und jetzt und verhinderte das ihre Gedanken in gefährliche Bahnen liefen.

Bahnen die sie zu Erinnerungen führten, die wie kleine Landminen in ihrem Innern unter allen möglichen Gedankenfetzen lagen. Nur darauf wartend zu detonieren. Es war schon schlimm genug das sie Nachts dem Schrecken nicht entkommen konnte.

Sie schliefen in einem der Frachter. Aufgrund Obi-Wans neuer Stellung als General hatten sie einen kleinen Raum für sich bekommen, den sie nicht mit anderen Familien teilen mussten. Es war nicht schön, aber ausreichend. Nach einem langen Tag draußen in den Tunneln bei unmenschlich kalten Temperaturen war es Padmé egal wo sie schlief.

Sobald sie sich nieder legte schlief sie. Benji auf der einen Seite, Cordé auf der anderen Seite. Meist vergingen einige Stunden bis sie dann das nächste Mal erwachte. Manchmal schrie sie, wenn sie aus dem Schlaf auffuhr, doch oftmals wachte sie lediglich schweißgebadet und um Atem ringend auf. Einige Male hatte Obi-Wan versucht sie zu beruhigen, doch er hatte bald gemerkt das seine Nähe nicht half. Das er es im Gegenteil noch schlimmer machte und Padmé in ein zitterndes, fauchendes Bündel verwandelte.

Stattdessen war es Cordé die ihr dann beruhigend zu flüsterte und ihre Hand hielt. Ihr sagte das sie sich wieder hinlegen sollte, das sie schlafen musste, das alles gut sei.

Früher, erinnerte sich Padmé und hieb auf das Eis ein, so dass es nur so herausplatzte, habe ich das bei ihr gemacht, wenn sie aus ihren kindlichen Alpträumen aufgewacht ist und von Sith-Lords unter dem Bett erzählt hat.

So waren in jeder Nacht zumindest immer Padmé, Cordé und Obi-Wan wach. Benji schlief tief und fest. Garen grummelte einige Male bevor er sich wieder umdrehte. Die Zwillinge hatten sich bald ein anderes Nachtlager gesucht. Padmé konnte es ihnen nicht übel nehmen.

Obi-Wan war nach einiger Zeit dazu übergangen die Nachtpatrouillen zu übernehmen die keiner wollte. Padmé fragte sich wann er schlief. Doch was half es ihn zu ermahnen?

Natürlich machten diese nächtlichen Szenen bald ihre Runde. Die Rebellion mochte einem höheren Ziel dienen, doch Padmé wusste von ihrer Zeit im Senat und davor als Monarchin, das immer getratscht wurde. Es fand sich immer Zeit dazu. Es vertrieb für einen Moment die graue Tristesse des Alltags.

"Kriff!"

Die Säge fiel zu Boden. Padmé fuhr zurück, umklammerte ihre zitternde Hand. Sie konnte etwas Blut sehen das durch den Handschuh sickerte und zwischen ihren Finger austrat.

"Leutanant!" hörte sie einen ihrer Kollegen rufen. "Wir haben hier eine Verletzte!"

Der angesprochene Leutanant kam zu ihnen hinüber. Sein Name war Kaikoa, wenn Padmé sich richtig erinnerte. Er war ein Nubier.

"Herbert, ich bringe die Frau des Generals zur Krankenstation. Du überwachst hier. Kommen Sie Ma'am."

Er machte Anstalten sie hochheben zu wollen, was Padmé mit einem "Unterstehen sie sich!" unterband und den weit größeren Mann anfunkelte.

"Ich kann selbst laufen, Leutanant Kaikoa. Ich habe mir nur in die Hand geschnitten und nicht das Bein amputiert!"

Es kam eine ganze Reihe weißer Zähne zum Vorschein als er grinste.

"Aber natürlich, Ma'am. Aber ich darf sie doch begleiten um sicher zu stellen das sie auf dem Weg nicht ohnmächtig werden?"

"Es muss schon etwas mehr passieren das ich in Ohnmacht falle." schnaufte sie, doch dann lenkte sie ein: "Aber ja, sie dürfen mich begleiten."

Die Krankenstation war ein kleines Raumschiff, mit einem Medi-Droiden und einer Krankenschwester.

Als sie die Luft des warmen Raumschiffes beim betreten ins Gesicht traf wurde ihr doch etwas schwindelig. Kaikoa stützte sie, sagte jedoch nichts.

In ihrer Unachtsamkeit hatte Padmé sich beinahe die Hälfte der linken Hand abgetrennt. Der Medi-Droid verkündete das der Schnitt die Knochen nur knapp verfehlt hätte.

Sie musste dort bleiben und behandelt werden.

Die Wärme und die Schmerzmittel machten Padmé träge und schläfrig.

"Möchten sie das ich hier bleibe oder soll ich dem General Bescheid geben?"

"Er hat Besseres zu tun." Ihre Stimme kam schleppend. "Sagen sie ihm nichts. Vor allem nicht den Kin-"

Die Tür des Raumschiffes öffnete sich und enthüllte Obi-Wan und Cordé.

"Was ist passiert?" Beide waren im nächsten Augenblick an ihrer Seite, Padmé schüttelte langsam den Kopf. Cordé zog ihren dicken Anorak aus. Ihre zu Schnecken aufgerollten Haaren kamen zum Vorschein.

"Ich- ich- habe... Habe mir..." Es fiel ihr immer schwerer einen klaren Gedanken zu fassen. Ihre Zunge war so schwer, ihre Lider fühlten sich an, als seien sie mit Blei gefüllt. Sie sah zu Obi-Wan hinüber, sie fühlte Erleichterung das er hier war. Er hatte Eiskristalle in den Brauen und im Bart. Es war schwer wegzusehen.

"Die Patientin hat eine starke Dosis Schmerzmittel bekommen. Aufgrund dessen ist sie müde und wird gleich einschlafen." Der Medi-Droide nahm wieder seine Arbeit an Padmés Hand auf. Sie spürte nichts von dem was er da hinter dem kleinen Vorhang machte, der ihr die Sicht nahm.

Ihr Kopf fiel ohne ihr zu tun zurück in die Kissen.

Obi-Wan wandte sich an den Offizier. "Was ist passiert, Leutanant?"

"Sie hat sich mit der Vibro-Säge in die Hand geschnitten. Sie hat Glück, sie hat nur knapp die Knochen verfehlt."

Obi-Wan holte tief Luft und sah sie dann aus sorgenvollen Augen an. In ihrem Dämmerzustand war es plötzlich nicht mehr so schwer den Blick zu erwidern.

Ganz im Gegenteil, es war einfach. Alles war einfacher. Es war ein ruhiges, warmes Gefühl das ihren Körper durchfloss.

Er sieht so müde aus, dachte sie. Zu viele nächtliche Patrouillen.

Der Medi-Droid erklärte noch einmal was er machte, wie die übrige Behandlung aussehen würde und verkündete das bei guter Pflege nicht einmal eine Narbe zurück bleiben würde. Ihre Hand wurde mit Bakta-Streifen bedeckt und dann verbunden.

Cordé drückte ihre andere Hand und sah sie lächelnd an. Für einen Moment hatte Padmé das Gefühl Sola würde sie ansehen. Sie erwiderte das Lächeln des Mädchens. Padmé verstand nicht warum Cordés Augen sich plötzlich mit Tränen füllten.

Obi-Wan stand nun hinter Cordé. Sie redeten leise miteinander.

"Bleibst du ein bisschen bei deiner Mutter?"

"Aber natürlich."

"Sobald es dir besser geht werden wir über Sicherheitsbestimmungen und deren Einhaltung reden." Seine Stimme hielt nicht die Schärfe die er sich vielleicht erhofft hatte. Padmé musste kichern bei seinem tadelnden Gesichtsausdruck. Er sah sie an als wäre ihr ein zweiter Kopf gewachsen, doch gleichzeitig umspielten seine Lippen ein Lächeln.

So war er nun mal. So zeigte er seine Sorge. Sie sollte ihn beruhigen, sonst würde er sich noch den ganzen Tag Gedanken machen.

Der Vorsatz verschwand als ihr Körper zu zittern begann.

"Obi-Wan," sagte Padmé mit klappernden Zähnen. ",mir ist kalt."

"Haben wir hier noch Decken?" fragte er an die Krankenschwester gerichtet, die gerade das Besteck wegräumte.

"Ja, General. Einen Moment."

"Ich will keine Decke." Die Krankenschwester hielt inne und sah sie fragend an. Padmé wusste sie hörte sich an wie ein kleines Kind. Aber die Schmerzmittel machten das es ihr egal war. Sie streckte die Hand nach ihm aus und bekam seinen Umhang zu fassen. "Sei ein guter... Jedi-Ritter und gib mir- mir deinen... Umhang."

Er zog die Brauen erstaunt in die Stirn. Cordé kicherte. Kaikoa verbarg ein Grinsen hinter seiner Hand. Die Krankenschwester verschwand kopfschüttelnd und murmelte etwas von Schmerzmitteln und zugedröhnt.

Doch anstatt zu widersprechen schlüpfte Obi-Wan aus seinem Umhang und legte ihn ihr vorsichtig über. Der Stoff war noch warm, roch vertraut und kratze an den Stellen wo er ihre bloße Haut berührte. Padmé seufzte und drehte sich auf die Seite. Alles verschwamm, sie blinzelte erneut, die Lider fielen ihr zu. Sie schlief noch nicht, doch sie konnte die Augen auch nicht länger offenhalten.

Eine warme Hand streichelte ihre Wange und sie presste ihr Gesicht instinktiv näher, wollte die Wärme nicht verlieren.

"Warum bleibst du nicht hier, Dad?" fragte Cordé flüsternd. "Ich sage im Hauptquartier Bescheid das es noch ein bisschen dauert bis du wieder kommst."

Ein tiefes Seufzen.

"Ich kann nicht. Es ist noch so viel-" Er hielt inne. Räusperte sich. Dann schließlich: "Eine Stunde. Sag ihnen ich bin in einer Stunde zurück."

Sie hörte wie Cordé und der Leutanant die Station verließen und sie allein ließen. Es war Padmé gleichgültig. Sie schwamm in dem warmen Gewässern ihres Bewusstseins. Die Strömung trieb sie hier hin und dann dorthin. Hin und wieder schien das Licht auf die Wellen und sie konnte einzelne Bilder erkennen. Es war wunderschön.

Padmé versuchte ihre Augen aufzubekommen, doch alles was klappte war ein kleines Blinzeln. Sie konnte Obi-Wans verschwommene Gestalt neben sich sitzen sehen.

Für einen Moment glaubte sie sein jüngeres Selbst säße neben ihr. Padawan Obi-Wan sah besorgt auf sie nieder. Sie versuchte sich zu konzentrieren, doch alles verschwamm wieder und verschwand dann erneut in die Dunkelheit.

Trotz ihres verwirrten Zustands sah sie alles andere ganz klar. Es war als wäre sie aufgewacht, als wäre eine Starre von ihr abgefallen. Jetzt wo die angstbefallene Schicht ihres Selbst abgestreift war machte alles wieder Sinn.

Doch Worte fand sie nicht für das was sie erkannt hatte. Es hatte mit der Art zu tun wie er ihr Gesicht berührte, wie richtig es sich anfühlte und das es das Bedürfnis nach mehr in ihr erweckte. Es war als hätte sie nach einer langen Suche endlich etwas verloren geglaubtes wieder gefunden.

"Da bist du... Du ja." Sie streckte ihre Hände aus und bekam einen starken Arm zu fassen. Ohne nachzudenken zog sie ihn zu sich.

"Shhh," sie spürte wie das Bett unter ihr einsank, wo er sich neben sie setzte. "Ich bin hier."

Er wiederholte die Worte und streichelte ihr Gesicht.

Sie spürte wie sie in den Schlaf fiel. Padmé versuchte sich dagegen zu wehren. Sie musste ihm noch etwas wichtiges mitteilen. Wenn sie sich nur erinnern würde! Sie musste sich nur erinnern...

Es lag beinahe in Reichweite. Sie streckte ihr Innerstes aus, suchte nach diesem einem Moment. Dann fiel es ihr wieder ein. Da war er, der eine Moment in Vaders Schreckenskammer in dem ihr klar geworden war das sie ihm nie gesagt hatte... Ich muss ihm diesmal noch sagen das ich ihn...

Doch Padmé war bereits in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.

Später, wenn sie allein erwachte, in Obi-Wans Umhang gehüllt würde sie sich an nichts mehr erinnern und zurück blieb nur der Geschmack einer verpassten Chance und der pulsierende Schmerz in ihrer heilenden Hand.

Der Medi-Droide sollte recht behalten. Sie behielt nicht einmal eine Narbe zurück.

Als sie nach einigen Tagen zurück zu ihrer Arbeit kehrte begrüßte man sie freundlich und fragte sie wie es ihr ginge.

Sie musste nicht lügen. Es ging ihr besser. In den Nächten die sie die Schmerzmittel genommen hatte, war sie zu weit weg getreten gewesen um zu träumen oder sich zu erinnern. Doch die Schmerzmittel waren streng reglementiert und natürlich waren auch die Träume wieder gekommen.

"Alles in Ordnung?"

Sie drehte sich herum und erkannte Leutanant Kaikoa.

"Leutanant."

"Madame." Er nickte ihr zu. "Also?"

"Ja, besser, danke." Hob vorsichtig die Vibro-Säge an. "Aber diesmal werde ich davon absehen mir in die Hand zu schneiden." Sein Lächeln war breit und ansteckend. Sie stellte fest das sie es erwiderte.

"Das hört man gerne." Er zwinkerte ihr zu. Dann wurde er ernst. Zeigte in Richtung Eiswand und wandte sich seiner eigenen Säge zu.

So gingen die Tage dahin. Es wurden gute Fortschritte gemacht. Noch ein paar Wochen und man konnte beginnen die Familien umzusiedeln. Padmé arbeitete unermüdlich auf diesen Tag hin. Sie war es leid in dem engen Frachter zu schlafen. Sie sehnte sich nach einem Raum für sich. Einen Ort an dem sie die Tür schließen konnte, an dem sie sich keine Sorgen machen musste das jemand durch ihre Fassade sah.

Doch noch hatte sie die Arbeit die sie ablenkte. Was würde sie danach machen?

Dem Generalsstab mitzuteilen wer sie war, kam für sie nicht in Frage. Welche Art Hilfe war sie in ihrem jetzigen Zustand? Keine.

Welche Aufgaben gab es also auf solch einer Basis für eine Frau wie sie?

Nach einigen weiteren Wochen bekamen sie ein Quartier zugewiesen. Es war zwar weitaus kleiner als auf Yavin 4, aber dort hatte die große Tempelanlage ja bereits eine Struktur aufgewiesen. Die Basis hier, halb selbst ausgehobene Gänge, halb natürliche Höhlen hatten einen anderen Aufbau.

So standen sie nun in dem relativ großen Wohnraum, der zu höher gelegenen Schlafräumen führte. Der Höhenunterschied führte dazu das die Schlafzimmer durch die aufsteigende warme Luft beinahe angenehme Temperaturen hatten.

Cordé und Benji entschieden sich für das etwas größere Zimmer. Padmé bezog wortlos das andere. Weder Obi-Wan noch sie sagten etwas darüber das er seine Sache wie selbstverständlich neben die Schlafkoje im Wohnraum stellte.

Er übernahm auch weiterhin die Nachtpatrouillen oder die morgendlichen Schichten. Wenn sie einander sahen war es in der Mensa, im vorbeigehen auf einem Gang, abends bevor sie zu Bett ging und er kurz zurück kam um frische Kleidung anzulegen. Wenn sie sich zufällig begegneten wusste Padmé nicht was sie sagen sollte. Sie redeten über allgemeine Dinge, wie die Kinder oder die Pläne der Rebellion.

Manchmal versuchte er mit ihr über das zu reden was geschehen war, doch sie blockte ab. Wenn er sie ansah, war es voller Melancholie.

Die Kinder sagten nichts dazu. Padmé ahnte das ihr Vater ihnen verboten hatte sie zu ihrer Gefangennahme anzusprechen. Manchmal wenn Luke sie ansah, war es fragend, beinahe spekulierend. Manchmal dachte sie es wäre das Beste ihnen das letzte Geheimnis zu verraten. Doch dann dachte sie an Vader, spürte die eitrige Wunde in sich die er in ihr hinterlassen hatte und der Gedanke ihnen zu erklären das dieses Monster einmal Anakin gewesen war...

"Sie sind Nubierin, Ma'am?" Die Frage riss Padmé aus ihren schwerfälligen Gedanken. Sie blickte verwirrt auf und stellte fest das Leutanant Kaikoa neben ihr stand.

Seine leicht schräg stehenden, dunklen Augen musterten sie. Padmé sah zu dem weit größeren Mann auf und dachte einen Moment daran zu lügen.

"Ja, das bin ich."

Er schien zu glauben, das noch etwas kommen würde, doch sie wandte sich ab und legte eine halbwegs frisch wirkende Sommerfrucht auf ihr Tablett. Sie steuerte den Tisch an.

Er folgte ihr ungefragt.

"Ich habe Cordé und Afa Nubisch miteinander sprechen hören." Genüsslich biss er in seine Sommerfrucht.

Afa war der junge Mann der Cordé das Herz brechen würde sobald sie diese Basis verlassen würden. Padmé seufzte. Sie war sich sicher das er ein guter Junge war, aber wie viele Beziehungen hielten in dem Alter schon? Einen kurzen Moment dachte Padmé an Palos Augen und seine dunklen Locken.

"Er macht seinem Namen alle Ehre." sagte Padmé nun und sah sich in der Mensa um. Sie unterdrückte ein Stöhnen als sie sah und wer ihren Tisch teilte. Benji war in sein Essen vertieft, während sein älterer Bruder Garen missmutige Blicke in Richtung seiner Schwester warf. Cordé und Afa saßen nebeneinander in ein animiertes Gespräch vertieft. Das Lächeln des nubischen Jungens war ansteckend, wie das seines Vaters.

"Oh ja, er ist ein wahrer Hurrican."

Der Stolz im Ton des Mannes war nicht zu überhören und Padmé wandte sich ihm zu.

"Aus welchem Distrikt kommt ihr?" fragte er nun, als er nun ihre volle Aufmerksamkeit hatte.

"Theed. Ich komme aus Theed." Sie warf einen Blick hinüber zu den Kindern, während sie sich durch die zum Buffet strömenden Menschen kämpften. "Die Kinder waren noch nie auf Naboo."

Sein Blick enthielt Erstaunen.

"Cordé klingt wie eine Nubierin!"

"Sie hat ein Ohr für Sprachen. Sie wollen ihre Brüder nicht sprechen hören." Padmé hatte ihr Bestes getan was die sprachliche Erziehung ihrer Kinder anging. Garen, Benji und Leia verstanden Nubisch zwar, sprachen es aber mehr schlecht als Recht oder mit einem grauenhaften Standard-Akzent. Es waren Cordé und Luke, die es ohne Probleme sprachen.

Padmé balancierte das Tablett an ein paar Jugendlichen vorbei. Als sie an ihrem Tisch ankamen setzte sich Kaikoa wie selbstverständlich zu ihnen. Das Gespräch das die beiden nun führten floss ganz natürlich und erst als Garen frustriert mit den Augen rollte und sie darauf hinwies wurde ihr klar das auch sie angefangen hatten Nubisch miteinander zu sprechen.

"Ich gehe rüber zu Dad." verkündete er, als er sich von seinem Stuhl erhob.

Bei diesen Worten sah sich Padmé um. Obi-Wan war ein paar Tische weiter zu ihrer Rechten mit General Ackbar in ein Gespräch vertieft. Er war leicht vorgebeugt, die linke Hand lag auf der Tischplatte, die Rechte rieb selbstvergessen seinen grauen Bart.

Sein Haar war etwas länger als er es gewöhnlich trug.

Früher hast du ihm das Haar geschnitten. Ihre Finger krallten sich um das Besteck. Beinahe konnte sie die Schere in ihrer Hand spüren. Die Andere würde durch sein Haar fahren, wie selbstverständlich seinen Nacken berühren. Wenn sie hinab sah würde sie seine nackten Schultern darunter erblicken und dann weiter die Gerade seines Rückens. Padmé blinzelte einige Male. Sie schluckte gegen die Unruhe, das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es tat beinahe weh, doch es war keine Panik.

Er nickte seinem fischköpfigem Gegenüber nun leicht zu, formte schließlich Worte die Padmé über das geschäftige Murmeln der Menschen um sie herum nicht hören konnte. Garen kam an seinem Tisch an und sagte etwas zu ihm, was beide Männer dazu veranließ aufzusehen und zu ihr hinüber zu blicken.

Padmé spürte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Sie sah etwas in ihm aufblitzen, als sein Augenmerk verräterisch zu Kaikoa glitt, doch dann war es verschwunden und er wandte sich ab. Garen setzte sich. Der Moment war vorbei.

Sie biss abwesend auf ihrer Unterlippe herum und wandte sich wieder ihrem Essen zu. Ihr Gespräch flaute ab und erstarb.

Sie seufzte erleichtert als sich der Leutanant entschuldigte und den Tisch verließ. Doch trotzdem suchte er sie am nächsten Tag wieder in der Mensa auf.

"Und ihr Name? Alle nennen sie nur die Frau des Generals."

Padmé schnaufte und schüttelte den Kopf. Kenobis Liebchen. Die Frau des Generals. Wie erstaunlich das sie dieser Tage nur noch über den Mann definiert wurde den sie... Mit dem sie Kinder hatte. Es stieß Padmé auf, sie war nicht nur die Frau an der Seite eines Mannes.

"Mein Name ist Padmé. Padmé Thule."

"Padmé?" Er gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. "Den Namen hört man nicht mehr oft dieser Tage."

"Wie bitte?" Padmé hielt inne. Ihr Name war in jeder Generation sehr gefragt und führte oft die Namenslisten an. Sie hatte in all ihren Klassen immer zumindest ein oder zwei Mädchen mit dem selben Namen gekannt.

"Der Name wurde aus dem Register gestrichen. Imperiale Anordnung."

"Wieso?" Padmé ließ sich nichts anmerken.

"Es heißt angeblich wegen Lord Vader. Man sagt er habe eine Affäre mit Padmé Amidala gehabt, als er noch ein Jedi war. Doch vor knapp zwanzig Jahren ist sie verschwunden. Sie soll tot sein. Kurz darauf wurde das Dekret erlassen."

Padmé spürte wie sich erneut Vaders Schatten über sie legte. Sie spürte das lauter werden ihres Herzens, das dunkle Rauschen ihres Blutes in ihren Ohren. Dann den kalten Schweiß der ausbrach. Das Atmen fiel ihr schwerer und schwerer.

"Alles in Ordnung?"

"Nur etwas schwindelig."

Die Lüge kam so natürlich über ihre Lippen, das sie es beinahe selbst glaubte.

"Also wie war das mit Senatorin Amidala und Vader?"

Kaikoa sah sie verschmitzt lächelnd an.

"Sind sie nicht mit einem Jedi verheiratet? Sollten sie nicht mehr darüber wissen?"

"Wir sind nicht verheiratet."

"Ach nein? Aber er ist der Vater ihrer Kinder."

"Ja."

"Sind sie etwa seine Geliebte?" Kaikoas Stimme war nonchalant, beinahe uninteressiert. Doch sein Interesse an ihr konnte er nicht verbergen.

"Könnte er nicht mein Geliebter sein?" Bei seinem lauten Lachen drehten sich einige Köpfe in ihre Richtung.

"Nubische Frauen." Kaikoa schmunzelte kopfschüttelnd. "Ich hatte vergessen welches Feuer in den Frauen meiner Heimat brennt."

"Wenn sie das vergessen haben, steht es sehr schlecht um sie."

Damit wandte sie sich wieder dem Essen zu. Sie ignorierte den Leutanant beflissentlich für den Rest der Mahlzeit.

Doch es war offensichtlich das Leutanant Kaikoa gefallen an ihr gefunden hatte. Und auch wenn sie kein Interesse an ihm hatte, so hatte seine Aufmerksamkeit doch etwas Schmeichelndes. Sie konnte sich eingestehen das er ein attraktiver Mann war.

Seine große, muskulöse Gestalt zeugte von seiner Süd-nubischen Herkunft. Die Bewohner der südlichen Hemisphäre Naboos lebten auf der fast ausschließlich mit Wasser bedeckten Seite des Planeten. Kleine Inseln und Atollen lagen wie kleine grüne Smaragde auf blauem Grund.

Ihr Leben stand noch mehr im Einklang mit diesem Element, man sagte ihnen nach das sie geschickt wie Gungans schwammen und es noch vor dem laufen lernten.

Er hatte ihr während einem ihrer gemeinsamen Mittagessen erklärt wie er zu den Rebellen gekommen war. Das Afas Mutter vor zehn Jahren bei Unruhen auf Naboo zu Tode gekommen war. Sie war eine liebevolle Frau gewesen, erzählte er, immer noch bitter über den Verlust. Ihr Tod hatte ihn letztendlich aufgeweckt.

Seit dem waren Afa und er von einem Stützpunkt zum nächsten gezogen.

Wann immer die Sprache auf Padmé und ihr voriges Leben kam, lenkte sie ab. Was gab es zu erzählen? Dies war die einzige Zeit am Tag an dem sie nicht an Vader und daran dachte was er ihr angetan hatte.

Sie war eine ganz normale Frau. Sie hatte nur die Vergangenheit die sie in Worte fasste, ansonsten war sie lediglich eine Idee. Sie redeten über ihre nubischen Lieblingsspeisen, Orte die sie gerne wieder sehen würden, Götter die sie anbeteten.

Padmé hätte es wissen sollen das ihre Freundschaft zu dem Nubier nicht ungesehen blieb. Sie war schließlich die Frau des Generals, er der Nubier der alle überragte. Es war schwer sie zu übersehen wenn sie zusammen durch die Basis gingen.

"Mom," Leia stand an diesem Morgen etwas unsicher in dem Familienquartier. Ihr Blick glitt durch den Raum, nahm alles ein, nur ihre Mutter sah sie nicht an. ",ich habe da einige Gerüchte gehört und wollte nur..."

Padmé ahnte auf was ihre Tochter hinaus wollte, sie sagte nichts sondern kümmerte sich um ihren morgendlichen Tee. Es war noch sehr früh. Benji und Cordé schliefen noch. In einigen Minuten würde Obi-Wan von seiner Runde kommen. Er wäre durchgefroren und würde seinen dampfenden Tee dankbar entgegen nehmen.

"Einige Offiziere reden darüber das sie dich öfter mit Leutanant Kaikoa als mit Vater zusammen sehen."

Padmé goss den Tee auf. Die Dampfschwaden stiegen langsam gen Zimmerdecke.

"Und ich sehe dich ständig zusammen mit Han Solo."

Padmé schloss die Thermoskanne und platzierte sie zusammen mit Tassen und Zucker auf dem kleinen Tisch. Leia verschränkte die Arme.

"Was soll das denn heißen?"

"Eine einfache Feststellung, Leia."

Leias Stirn war gerunzelt und sie dachte immer noch über den Kommentar ihrer Mutter nach, als Padmé fortfuhr: "Man sollte nicht so viel auf Getratsche geben, Leia."

"Mutter," und Leia hatte diesen Ton in ihrer Stimme, den Padmé von sich selbst kannte. Den Ton der Politikerin, unnachgiebig und eindringlich. ",ich hoffe du bist dir bewusst das dein Verhalten auf Vater zurückfällt."

Padmé hielt inne. "Ich hoffe du bist dir bewusst das ich nicht nur die Frau deines Vaters bin."

"Das mag sein, doch in den Köpfen der Leute hier sieht das anders aus. Wenn du etwas mit diesem Mann anfängst" Leia senkte nun die Stimme, etwas das sie nicht oft tat und Padmé zeigte wie sehr das Thema ihr am Herzen lag. "dann stellst du Vater vor seinen Leuten als schwach da."

Padmé schürzte die Lippen und hob ihre Brauen spekulierend.

"Dein Vater braucht mich nicht um stark zu wirken."

Leia und Padmé standen sich einigen Augenblicke abschätzend gegenüber. Als Leia sich entschloss zu gehen öffnete sich die Tür und Obi-Wan und Luke traten ein. Doch auch auf nachfragen ihres Bruders ging Leia kopfschüttelnd ihrer Wege, während Obi-Wan und Luke sich über einer Tasse Tee austauschten.

Padmé saß ihnen in Gedanken versunken gegenüber und dachte über Leias Worte nach.

Padmé fiel nun ein das sie nichts zu dem Vorwurf selbst gesagt hatte. Das Leia im Grunde genommen auch nicht gefragt hatte ob sie etwas für den jüngeren Mann empfand. Es ging ihrer Tochter in erster Linie ausschließlich um ihren Vater und das was er repräsentierte. Vielleicht, so überlegte Padmé, war es ihr aber auch unmöglich sich vorzustellen das Padmé einen anderen vorziehen würde.

Besagter Mann schien sich diesbezüglich keine Gedanken zu machen. Im Gegenteil, er schien Padmés Freundschaft zu Kaikoa gar nicht wahrzunehmen. Oder vielleicht sah er darüber hinweg? Im Gegensatz zu ihr war er aber auch kein eifersüchtiger Mensch, die Tatsache das er kein Problem damit hatte sollte sie nicht weiter stören.

Doch es gab einen kleinen, nagenden Teil in ihr (Der Teil der es selbst niemals hinnehmen würde, würde er seine Aufmerksamkeit einer anderen zukommen lassen) der sich fragte ob es wirklich Großzügigkeit und eben nicht Vernachlässigung oder gar Gleichgültigkeit war die er ihr zukommen ließ.

Denn wenn Padmé ehrlich mit sich war... Vermisste sie Obi-Wan. Seit dem Moment ihrer Rettung, so verwirrt sie auch gewesen sein mochte, hatte sie etwas zu ihm gezogen. Zu dem Zeitpunkt hatte sie es nicht verstanden, natürlich nicht. Jetzt sehnte sie sich jedoch nach seiner Aufmerksamkeit, seiner Nähe und seinen ruhigen Worten.

Doch gleichzeitig konnte sie diese nicht annehmen sobald er sie ihr gab. Sie ertrug es nicht, als wäre seine Zuwendung zu viel. Selbst wenn ihr Umgang keine Erinnerungen in ihr auslöste und sie mit Panik erfüllte, war jedes zärtliche Wort, jede freundliche Geste zu viel für sie. Als sei ihre Seele eine Wunde und das Gewicht seiner Liebe auf diesem empfindlichsten Teil ihrer Selbst zu schmerzhaft.

Kaikoa ungetrübte Aufmerksamkeit hingegen war einfach und sie war ihm sehr dankbar dafür. Doch sie ahnte das kein Platz für einen weiteren Mann in ihrem Herzen war. Denn auch wenn dieser verborgene Ort in ihr halb zerstört und halb vernarbt war, so war es doch einem Anderen vorbehalten.

Wenn sie sich traute in sich hinein zu sehen, was sie dieser Tage nicht oft tat, dann warteten dort meerblaue Augen auf sie. Meist schloss sie dieses Bild im gleichen Atemzug wieder hinfort, beschämt das sie es nicht los lassen konnte, verwirrt das sie daran festhielt.

Doch das Bild war da, ungetrübt und unverändert. Sein Gesicht in der Sonne Tatooines, das Haar das er sich achtlos aus der Stirn schob. Die Hand zum Abschied gehoben. Und ihr Gedanke: Ich sehe dich. Dich.

Des Nachts lag sie wach, seinen Umhang um sich geschlungen, während sie das Bild hungrig betrachtete.

"Du solltest schlafen." sagte sie als Luke gegangen war, was Obi-Wan mit einem Brummen quittierte, während er über ein Datenpad vertieft dasaß und selbstvergessen seinen Tee trank. Er runzelte die Stirn, offensichtlich nicht begeistert von dem was er lass.

"Du schläfst nicht genug." Die Worte waren ihrem Mund entschlüpft bevor sie diese stoppen konnte. Er sah auf und musterte sie. Es wirkte als wolle er ihr sagen das sie ebenfalls mehr Schlaf, mehr Ruhe brauchte, doch beide wussten das dieser Einwand nichts bringen würde.

"Ich brauche nicht viel Schlaf." Die Erwiderung war mehr automatisch als eine ernstgemeinte Aussage. "Die Nachtpatrouillen sind sehr ruhig. Zwischendurch meditieren ich. Warum sollte ich diese also nicht auch ableisten?"

"Was ist mit den anderen Generälen?"

Er antwortete nicht, was ihr genug sagte.

Sie seufzte und sah auf ihre um die Tasse gekrümmten Hände.

Am Rande sah sie wie er aufstand.

"Hast du meinen Umhang gesehen? Ich scheine das alte Ding in letzter Zeit ständig zu verlegen." murmelte er während er in dem kleinen Schrank neben der Koje suchte.

Padmé verneinte, ihr Gesicht wurde verdächtig warm. Natürlich wusste sie wo es war, schließlich hatte sie es heute morgen sicher in ihrem Thermo-Schlafsack verstaut.

"Du solltest sowieso einen Anorak tragen." sagte sie tadelnd. "Der Umhang hält bei diesen Temperaturen nicht warm."

"Hmm, ja das mag sein. Es ist nur die Gewohnheit..." Er rieb sich den Nacken.

Morgen würde sie ihn wieder auftauchen lassen. Bis jetzt hatte das immer geklappt. Er würde den Umhang in dem Schrank vorfinden, einige Zeit tragen und dann würde er wieder verschwinden. Wenn er etwas vermutete so sagte er nichts.

Es war wie mit allem anderen: Sie taten so als sähen sie nicht was der andere tat oder was es bedeutete. Das machte es einfacher für alle.

Es gab solche und solche Nächte.

Die Nächte an denen sie weder träumte noch erwachte. Die Nächte an denen sie unter Theeds meerblauem Himmel spazierte. Die Nächte in denen sie vor lauter Angst bis spät morgens nicht einschlafen konnte.

Und natürlich auch die Nächte in denen sie schweißgebadet und schreiend aufwachte. Das Eis schluckte einiges an Lautstärke. Es kam nicht mehr oft vor das Padmé ihre ganze Familie aufweckte, wenn sie des Nachts in der eisigen Dunkelheit erwachte.

In den letzten Wochen hatte der Schatten sie zwar hin und wieder gequält, doch die Träume waren auszuhalten gewesen. Es war ein Schmerzpegel den sie gut aushalten konnte. Vielleicht hatte sie sich aber auch lediglich daran gewöhnt?

Was immer half war sich in Obi-Wans Umhang zu kuscheln und den bekannten Geruch einzuatmen, bis sie langsam weg döste. Es war ein kleiner Trost, den sie sich heimlich gönnte.

Was sagte es über sie aus das sie den Umhang als tröstend empfand, aber die Nähe des Mannes der ihn trug nicht aushalten konnte?

Padmé erwachte in dieser Nacht von ihrem Schreien. Es war das panische Kreischen, das im Stakkato zunahm und immer durchdringender wurde, bis Padmé vor Schrecken wach wurde und sich fragte welches Tier so gelitten hatte.

Dann öffnete sich die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Die Dunkelheit wurde von schwachem Licht aus dem Wohnraum und dem blauen Leuchten eines Lichtschwertes durchbrochen.

Das Licht warf graue Schatten auf Obi-Wans gehetztes Gesicht. Er sah sie etwas verwirrt an und ließ das Schwert langsam sinken.

Padmé starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

"Was tust du hier?" Sie sprang aus dem Bett und schlug etwas zu energisch mit der flachen Hand auf den Lichtschalter. Die Leuchtstoffröhren kamen zum Leben. Der Boden unter ihren nackten Füßen war eisig kalt.

Beide blinzelten sie gegen das grelle Licht. Padmé nahm etwas geistesabwesend wahr das er nur seine Schlafhose trug und wandte den Blick von ihm ab.

"Ich habe dich schreien gehört." Er deaktivierte das Lichtschwert mit einer fließenden Bewegung, fuhr sich dann gleichermaßen erschöpft wie abwesend durch das Haar. "Ich dachte dir sei etwas passiert."

"Was soll mir hier passieren?" Sie schnappte sich die Stola, die sie über das Ende des Bettes geworfen hatte und zog sie über ihre Schultern, verschränkte ihre Arme über ihren vor Kälte aufgestellten Brustwarzen. "Das Schlimmste das mir hier passieren könnte ist das ich aus dem Bett falle. Kein Grund mit gezogenem Lichtschwert in mein Schlafzimmer zu stürmen!"

Er starrte sie einen Moment sprachlos an. Die Augen geweitet, den Mund halboffen. Dann schüttelte er den Kopf. Hatte sich wieder gefangen und seine Züge geschult.

"Ich kann dir versichern das es sich für mich nicht so anhörte." De Verwirrung in seiner Stimme war deutlich hörbar.

"Es war nichts." Sie trat von einem Bein aufs andere um warm zu werden.

"Nichts?" fragte er und eine Braue bog sich vor Unglauben hoch in die Stirn. "Du hast dir also grundlos die Seele aus dem Leib geschrien?"

Sie gab ein Schnaufen von sich und zeigte auf die Tür.

"Du kannst beruhigt schlafen gehen."

Er antwortete nicht. Stand dort und musterte sie. Sein Blick war spürbar und schwer. Sie schluckte und trat einen Schritt vorwärts, entgegen ihrer Angst. Als wolle sie sich beweisen das sie es konnte.

"Ich möchte das du jetzt gehst."

Etwas in ihm arbeitete. Er kämpfte offensichtlich gegen seinen Ärger an. Die Kiefermuskel mahlten, als kaue er einen Teil seiner Antwort durch. Er hielt das Lichtschwert so fest umschlossen, das seine Knöchel weiß hervor traten.

Er war wütend. Wirklich wütend. Sie sah es an seinen harten, angespannten Schultermuskeln. Der Art wie er den Unterkiefer vorschob und die Lippen schürzte.

"Ja, ich gehe." Er machte auf dem Absatz kehrt und ging hinüber in das Wohnzimmer, wo er eben noch geschlafen hatte. Von ihrem Platz im Schlafzimmer konnte sie erkennen wie er sein vor Kälte steifes Hemd unwirsch überzog. Dann stieg er in die Stiefel. Es hätte albern aussehen müssen, wie er die Schlafhose in die Stiefel stopfte, doch sie konnte daran nur erkennen wie sehr sie ihn diesmal getroffen hatte.

Seine Tunika, den Gürtel, sein Schwert stopfte er in einen Beutel. Padmé beobachtete ihn mit einem Gefühl des Unwillens und Furcht.

"Was... Was tust du da?"

Als wüsstest du nicht genau was er da tut. Ihre Hände gruben sich in die Stola, zogen und drückten abwechselnd den Stoff. Unwillentlich trat sie näher.

"Die Couch in meinem Arbeitszimmer ist sehr viel bequemer als Diese hier." Die sarkastischen Worte konnten kaum seinen Schmerz überspielen. "In ein paar Stunden muss ich sowieso raus."

Schließlich ging er zur Tür, doch dort blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen, als sei ihm noch etwas eingefallen. Ohne auf sie zu achten, kehrte er in ihr Schlafzimmer zurück, suchte den Raum nach etwas ab. Er fand es in Form seines alten Umhangs, der zwischen ihren Decken lag. Ihr Gesicht brannte. Obi-Wan ergriff das Kleidungsstück und trat dann mit zielstrebigen Schritten an ihr vorbei, aus dem Schlafzimmer, in Richtung Tür.

"Ich glaube den brauchst du nicht mehr."

Sie wollte etwas sagen, ihm verbieten den Umhang mitzunehmen, doch dann wurde ihr klar wie albern dieser Gedanke war. Letztendlich ging es nicht um den Umhang selbst, sondern nur um das was er repräsentierte, als würde dies unterstreichen wie ernst er es meinte.

Es war nie der dumme alte Umhang gewesen den sie gebraucht hatte, das wusste Padmé. Aber zu mehr war sie nicht in der Lage gewesen, ihm näher zu sein war nach wie vor unmöglich. Dies war alles an Trost gewesen den sie sich gestattet hatte und die einzige Nähe zu ihm die sie hatte ertragen können.

Denn selbst sie konnte sich inzwischen eingestehen das es einen Teil in ihr gab der wusste wie es zuvor gewesen war, bevor Vader sie manipuliert hatte. Ein Teil, der sich nach ihm sehnte und ihn vermisste. Zugegeben, es war ein kleiner Teil, das letzte Fünkchen der alten Padmé die nach wie vor an sich und dem festhielt was sie gewesen war.

Zu sehen wie er nun ging war wie ein Stich in diesen Teil ihres Herzens. Es tat weh, weil sie endlich geschafft hatte was sie sich zum Ziel gesetzt hatte. Ihn fortzustoßen, so dass er nicht sehen würde was aus ihr geworden war. Gleichzeitig jedoch war sie enttäuscht darüber das er aufgab, das er einfach so aufgab.

Scham und Ärger hatten ihr Gesicht rot gefärbt. Padmé folgte ihm wortlos. Wie eine willenlose Puppe stolperte sie vorwärts. Was konnte sie sagen? Sie dachte panisch nach.

Sie musste etwas sagen. Ihre Gedanken rasten durch mögliche Satzkombination, von bitten bis fordern über schreien. Nichts erschien ihr richtig. Ihr Hals schnürte sich zu, als entschiede nun ihr Körper für sie das sie schweigen und es ertragen würde.

Noch immer wirbelten die Gedanken durch ihren Kopf, als er wortlos das Zimmer verließ und Padmé zurück ließ.

Die Tür schloss sich hinter ihm.