Disclaimer: wie üblich…
Zuallererst müssen wir uns bei euch entschuldigen, dass das Update so lange auf sich warten liess, doch das „Wahre Leben" schlug bei uns beiden ziemlich zu. Daher verzeiht uns bitte auch, wenn wir nicht auf jede Review eingehen – die Zeit ist im Moment zu knapp dazu. Wir haben uns aber über jede einzelne Review wahnsinnig gefreut und wir sind auch ein bisschen stolz und froh, dass ihr diese Story immer noch lest. Vielen Dank.
Und jetzt – ohne weitere Verzögerung: Weihnachten Teil 2!!
The Green Side of Life
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by The Slytherin Sisters
(Toyo Malloy & Lorelei Lee)
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Chapter fifty-three
# 53 #
„Mama? Mama??" Das Quietschen der Zellentür durchbrach die Stille im Kerker und der kleine Junge schreckte aus seinem Schlaf auf und rief nach seiner Mutter. Er wusste gar nicht mehr wie lange er schon hier war, denn er konnte die Sonne nicht sehen. Hier gab es keine Fenster. Noch vor ein paar Tagen - jedenfalls glaube der Junge es wäre so lange her - da waren noch viele Leute hier gewesen. Die vielen anderen Zellen waren alle voll gewesen mit Leuten. Doch nach und nach kamen immer diese komischen Männer und Frauen in den Mänteln, sie beschimpften sie immer mit seltsamen Wörtern, die er nicht kannte. Sie schubsten ihn immer, wenn sie jemanden aus dieser Zelle holten und er hatte sehr viel Angst vor ihnen. Erst hatten sie seinen Papa geholt. Mama hatte geweint und Tracy, seine große Schwester, und er hatten versucht sie zu trösten.
Ganz langsam waren viele andere Papas verschwunden und er hatte angefangen seine Mama zu fragen, wann Papa denn zurückkommen würde. Doch Mama hatte ihm nicht geantwortet. Dann kamen die Leute in den Mänteln wieder und sie nahmen fast alle mit, auch seine Schwester Tracy und es blieben nur ganz wenige in dem Keller mit den vielen Zellen. Wieder hatte seine Mama geweint. Sie hatte ihn umarmt und immer wieder hatte sie ihm zugeflüstert, er solle keine Angst haben und dass sie ihn beschützen würde. Aber auch Mama wurde von den Leuten mit den Mänteln geholt und er blieb ganz allein zurück.
Jetzt hoffte er Mama würde zurückkommen. Doch es waren immer mehr Leute aus den Zellen verschwunden. Manchmal war er aufgewacht und es war noch eine Person mehr aus seiner Zelle verschwunden. Dann war er irgendwann aufgewacht und war allein gewesen. Erst hatte er gedacht, dass die anderen schlafen würden und er war extra leise gewesen um niemanden zu wecken, doch dann, als er Stunden später immer noch nichts gehört hatte, wusste er ,dass er alleine war.
Dann kam eine Zeit lang niemand und er hatte Angst man hätte ihn hier vergessen. Er war hungrig und er vermisste seinen Papa, seine Mama und Tracy, doch jetzt wollte er nur noch, dass einfach irgendjemand kam.
„Mama? Mama?? Bist du das?" Er konnte die Schritte hören und vergaß für einen Augenblick seine Angst. Konnte es sein, dass Mama zurückgekommen war um ihn zu holen oder waren es wieder die Leute mit den Mänteln?
„Hallo?"
Plötzlich sah er drei Gestalten, alle schwarz angezogen und zwei von ihnen trugen unheimliche weiße Masken. Er bekam wieder Angst und drückte sich in die hinterste Ecke der Zelle.
„So. Ihr habt den hier also vergessen?" fragte eine dunkle, fast zischende Stimme.
Als er diese Stimme hörte blickte er neugierig hoch. Noch nie hatte er so eine Stimme gehört.
„Es scheint, als hätte man den da übersehen."
„Es tut uns leid, mein Lord. Wir akzeptieren jeden Strafe." Die beiden Männer mit den Masken knieten sich auf den Boden. Auf einmal flog die Zellentür auf und der Mann mit der seltsamen Stimme kam in die Zelle. Würde er ihm wehtun?
„Wie heißt du, Kleiner?" fragte die zischende Stimme und er konnte nicht anders als zu antworten.
„Ich heiße Daniel." Daniel rappelte sich auf die Beine. Es war schwer, denn er zitterte am ganzen Körper und seine Zähne begannen zu klappern. „Wer bist du, Onkel? Und wo ist meine Mama? Du wirst mir doch nicht wehtun??" Bei dem Gedanken wurde Daniel ganz mulmig und er begann jämmerlich zu schluchzen. Die zwei Gestalten die immer noch außerhalb der Zelle standen lachten leise.
Ganz unerwartet kniete sich der Mann mit der seltsamen Stimme hin. Man konnte sein Gesicht nicht sehen, denn die Kapuze hing ihm tief über den Kopf. Er streckte Daniel die Arme entgegen.
„Ich heiße Tom. Komm her, kleiner Daniel."
Er überlegte nicht einmal eine Sekunde sondern rannte regelrecht in die Arme des Mannes. Der Mann umarmte ihn und Daniel heulte. Die Tränen vor denen er Angst gehabt hatte, flossen nun in Strömen.
„Na na, Kleiner. Beruhige dich."
Daniel wurde hochgehoben und der Mann schritt aus der Zelle. Die Gestalten mit den Masken wichen überrascht zurück. „Aber Meister…" hauchte einer von ihnen so leise, dass Daniel es kaum hören konnte. Doch eine schnelle Handbewegung von Daniel's Träger schleuderte den Maskenmann gegen das Gitter der Zelle.
„Made! Wage es ja nicht meine Pläne in Frage zustellen", zischte er und schritt mit Daniel aus dem Verlies. Daniel vergrub sein Gesicht in die Schulter des Mannes der ihn trug. Hätte er sich umgesehen, dann hätte er gesehen, wie er durch ein altes Haus getragen wurde. Dunkle Ecken, schmutziger, staubiger Boden, Spinnweben und alte blasse Bilder. Daniel guckte erst aus der Schulter des Mannes hervor, als der er ihn beim Namen rief.
„Daniel?!" Er wurde auf den Boden gesetzt, griff aber nach dem Mantel des Mannes, als schien er Angst zu haben plötzlich wieder alleine zu sein. „Du musst mir jetzt gut zuhören, Junge. Ich weiß wo deine Mutter ist!" Daniel's Gesicht leuchtete und er lächelte den Mann an.
„Wirklich Onkel? Du weißt wo Mama ist?" fragte er noch einmal nach.
„Wie alt bist, Daniel?" wurde er gefragt.
„Fast sechs!" sagte er stolz und hob vier Finger seiner Hand.
„Du musst mir jetzt gut zuhören. Deine Mutter ist nicht mehr deine Mutter!" Daniel guckte verwirrt. „Ein Geist hat Besitz von deiner Mutter ergriffen. Sie hat deinen Vater umgebracht und deine Schwester. Der Geist zwingt sie dazu und sie leidet."
Daniel blickte entsetzt auf und schüttelte den Kopf. Nein, seine Mutter würde nie etwas so Böses tun. Der Mann legte eine Hand auf seine Schulter und drehte ihn in Richtung der Tür vor der sie standen. Wie von Zauberhand öffnete sich die Tür und was Daniel dahinter sah war schrecklich.
Sein Vater hing von der Decke. Sein Kopf steckte in einer Schlinge. Blutige Tränen schienen immer noch die Wangen hinab zulaufen, der Mund stand offen und die Zunge hing heraus. Sie war dunkel und aus dem Mund tropfte dickes, fast schwarzes Blut. Er hatte keine Hände mehr und Daniel wollte nur noch wegsehen, doch dann fiel ihm auf, dass sein Papa ein Loch im Bauch hatte. Aus diesem Loch hing etwas heraus das eklig aussah und von dem Daniel nicht wusste, was es war.Der Geruch aus dem Zimmer erreichte ihn und ihm wurde schlecht.
„Da!" Der Mann zeigte auf den Boden und Daniel wollte eigentlich gar nicht hinsehen, doch… Tracy! Warum waren ihre Haare rot? Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie hatte einen Gesichtsausdruck als hatte sie Schmerzen gehabt. Sie hatte nichts an und es schien als würde sie in ihrem Blut baden. Ihr Unterleib war an vielen Stellen aufgeschlitzt und sie blutete zwischen ihren Beinen. Etwas langes Schwarzes schien dort herauszuragen. Daniel hatte genug gesehen er drehte sich weg und warf sich regelrecht in die wartenden Arme des Mannes. Er konnte es nicht glauben. Seine Mutter war doch immer lieb zu ihm gewesen!
„Warum??" schluchzte Daniel und versuchte das Bild von seinem Vater und seiner Schwester aus seinem Kopf zu vertreiben. Warum sollte irgendjemand so etwas tun und dann auch noch seine geliebte Mama?
„Es war ein Unfall. Deine Mutter hat keine Schuld, aber der Geist ist böse und du musst ihr helfen. Du musst verstehen." Der Mann, Tom, richtete eine Art von Stab auf ihn. Vielleicht ein Zauberstab? War dieser Mann vielleicht ein Zauberer?
„Ja, ich bin ein Zauberer", antwortete Tom auf Daniel's stille Frage. „Und du musst verstehen, deshalb werde ich dir zeigen was vorgefallen ist, damit du mir glaubst." Er tippte mit dem Stab an Daniel's Stirn. Er konnte seine Augen nicht mehr offen halten.
Als er die Augen schloss wurde er fast von den Bildern übermannt.
Er sah wie seine Mutter mit weiten Augen und einem schrillen Lachen seinem aufgehängten Vater den Bauch aufschlitzte. Es war fast so als könnte er ihre Verrücktheit spüren und das Glimmen in ihren Augen sehen, als sie ihm das Messer tief in den Bauch stieß, wieder und immer wieder, lachend und kreischend, während sich das Blut seines Vaters auf dem Boden verteilte. In einer Ecke saß die weinende Tracy, hysterisch und ausgelöst bettelte sie darum, dass ihre Mutter doch aufhören möge. Doch als die Mutter das Interesse an der verstümmelten Leiche ihres Ehemannes verlor, wandte sie sich mit teuflischem Blick und grausamem Lächeln Tracy zu. Das Mädchen wurde gefesselt und die Mutter schnitt ihr mit demselben Messen Wunden in die Beine, auf den Rücken und in die Arme. Tracy weinte und schrie, doch die Mutter lachte nur, als sie ihr das Messer zwischen die Beine stieß. Enttäuscht, dass Tracy durch den Schmerz das Bewusstsein verlor, trat sie solange auf den Kopf des Mädchens ein bis sie tot war.
An diesem Punkt hörten die Bilder auf. Daniel sank auf die Knie.
Tom beruhigte ihn und redete ihm zu. Daniel spürte wie ein bisher unbekanntes Gefühl in ihm aufkam. Er fühlte Wut und sein junger Geist lechzte nach Rache. „Wo ist der Geist?" fragte er Tom, den Zauberer, während er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte. Tom lächelte aufmunternd.
„Der Geist ist immer noch im Körper deiner Mutter. Du musst sie erlösen, sonst werden die Seelen deines Vaters und deiner Schwester nie Ruhe finden und deine Mutter wird gefangen sein und der Geist wird sie weiter quälen und sie wird noch viele Menschen töten." Tom zog ein großes silbernes Messer aus seinem Umhang. „Hier! Damit musst du ihr ins Herz stechen. Glaubst du, dass du das schaffst?"
Daniel nahm das Messer in die Hand und beäugte es intensiv. Er wollte stark sein, er musste stark sein. Er würde es schaffen. „Wirst du mir helfen?" Tom nickte ihm zu und Daniel schien es, als würde das Messer in seinen Händen und das Gewicht das auf seinen Herzen zu lasten schien, kleiner zu werde.
Voldemort lächelte. Kinder waren ja so einfach. Der kleine Muggel ging vor ihm her und umklammerte das Messer krampfhaft. So konnte er auch nicht sehen, wie Voldemort erneut seinen Zauberstab erhob und das Kind mit einem Zauber belegte, der seine Sprachfähigkeit änderte. Der Junge sprach und verstand jetzt nur noch Latein. Eine Sprache, die der Dunkle Lord perfekt beherrschte. Er würde es nicht merken und sein kleiner Plan würde funktionieren. Er führte das ahnungslose Kind weiter durch die staubigen Flure seines Anwesens hin zu einem anderen Zimmer. Hier lag die Frau, die Mutter des kleinen Muggel, immer noch beschmiert mit dem Blut ihrer Familie, die sie unter einem leichten Körperkontroll-Fluch umgebracht hatte. Voldemort mochte diesen speziellen Fluch besonders. Mann kontrollierte den Körper, den Ausdruck und die Stimme des Opfers voll und es erlebte dennoch alles was es tat mit. Oh, Muggel waren ja so einfach zu quälen, man konnte sich ständig neue Dinge ausdenken.
Sie kamen zu der Tür hinter der die Mutter des Jungen angekettet war. Voldemort legte dem Jungen die Hand auf die Schulter. Daniel versuchte ein Lächeln, das inmitten seiner Tränen mehr als mitleiderregend aussah, jedenfalls wenn Voldemort so etwas wie Mitleid gehabt hätte. Voldemort öffnete die Tür und er und der Junge traten ein.
Die Frau zeigte sofort die erwünschte Reaktion. Sie rief nach dem Jungen und schrie Voldemort an und weinte und wehrte sich gegen die Ketten. Der Junge hatte die Augen weit aufgerissen und blickte auf die Frau. Er wich einen Schritt zurück und hielt sich mit seiner kleinen Hand an Voldemort's Robe fest. Mit der Anderen hielt er das Messer fest umschlossen. Immer noch schrie die Mutter.
„Du Teufel. Lass meinen Jungen gehen, fass ihn nicht an!" Mit jeden Wort rückte der Junge näher an Voldemort. Die Sprache der Frau klang fremd und barsch in seinen Ohren.
„Was sagt sie… es. Es ist doch der Geist, oder?" fragte Daniel.
„Ja. Denk daran - deine Mutter ist tot. Und das ist die Sprache der Geister. Es ist gut, dass du sie nicht verstehst. Sie ist nicht besonders nett."
Nach einem weiteren Ausbruch der Mutter hielt sich der Junge die Ohren zu.
„Ich würde an deiner Stelle lieber ruhig sein, Muggel- Schlampe. Du verängstigt noch dein eigenes Junges. Und dabei hat er eine so schwere Aufgabe vor sich, schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass man seine eigene Mutter umbringt", sagte Voldemort mit ruhiger Stimme. Die Mutter blickte ihn wie vom Donner gerührt an. Voldemort wandte sich dem Jungen zu. „Du musst jetzt stark sein und zuschlagen, kleiner Daniel. Ich werde sie halten so dass der Geist dich nicht angreifen kann."
Der Junge nickte, doch Voldemort konnte genau sehen wie der Junge versuchte seine Angst herunterzuschlucken.
Daniel machte ein paar Schritte und hielt das Messer vor der Brust. Voldemort erhob den Zauberstab und die Frau erstarrte.
„Jetzt, Kleiner."
Voldemort genoss diesen Anblick in vollen Zügen, wie der kleine Daniel vor seiner Mutter stand, die ihn anflehte doch aufzuhören, das Messer immer noch unsicher vor der Brust, die großen Tränen in den Augen und die Blicke auf den Körper seiner Mutter gerichtet, mit dem Verstand eines Kindes nach einer Stelle suchend, an der er trotz seiner wenigen Kraft mit dem Messer etwas erreichen konnte. Einige Sekunden stand er einfach nur da, das Messer in der Hand, dann folgte mit einem Schrei der erste Stoß. Er traf die Frau an der Schulter und sie schrie vor Schmerz. Von der Reaktion überrascht, zog Daniel das Messer auf der Schulter seiner Mutter und ließ es fallen. Die Tränen rannen nun ungehemmt über sein Gesicht und er fiel auf die Knie um das Messer aufzuheben.
„Schnell, ich kann den Geist nicht mehr länger halten!" log Voldemort und erfreute sich an der Panik die in dem Jung hoch kroch. Daniel stolperte zurück auf seine Füße. Der Junge schloss die Augen und stieß noch einmal mit dem Messer zu. Dieses Mal, zu Voldemorts großem Vergnügen, erwischte Daniel sie genau am Hals. Das Messer durchstach ihre Kehle und durchtrennte ihre Halsschlagader. Das Blut spritzte auf Daniel's Gesicht und Kleidung, der Junge schrie auf.
Voldemort konnte seine Augen, die nun feurigrot aus der Dunkelheit der Kapuze leuchteten, von dem Anblick nicht abwenden. Von der sterbenden und röchelnden Mutter, die versuchte ihren Sohn zu rufen, das blutverschmierte, weinende Kind…
In diesem Moment war Voldemort sich sicher, vor einem einmaligen Kunstwerk zu stehen. Terror, Gewalt, Nötigung, Manipulation, Trauer und Verzweiflung verschmolzen in dieser einmaligen Szene.
Voldemort schritt auf den Jungen zu.
„Das hast du gut gemacht, kleiner Daniel", lachte er nun voller Bosheit. Daniel schien es nicht zu bemerken. Der verstörte Junge warf sich in Voldemort's Arme und weinte herzzerreißend. Voldemort lachte weiter: „Ja, kleiner Daniel. Mein kleiner Mörder, mein kleiner Teufel. Das hast du gut gemacht."
„Aber Tom…" schluchzte Daniel. Voldemort setzt den Jungen ab und zog seine Kapuze zurück. Zum ersten Mal sah Daniel in das reptilienartige Gesicht des Zauberers.
„Du hast mich nicht enttäuscht, kleiner Muggel. Du hast mir ein schönes Geschenk gemacht…" er kniete sich zu Daniel auf den Boden, so dass sie sich in die Augen sehen konnten. Er führte seine kalte Hand an die Wange des Jungen und streichelte sie. Man konnte nicht sagen welche Emotion in den Augen des Jungen dominierte, vielleicht Angst, vielleicht Erstaunen.
„Das war einfach wunderschön", flüsterte er dem Jungen zu.
„Und jetzt habe ich auch ein Geschenk für dich, Daniel." Voldemort beugte sich vor und hauchte dem Jungen ein Kuss auf die Lippen. „Einen schnellen Tod." Mit den Worten des Todesfluches senkte Lord Voldemort erneut seine Lippen auf die des Jungen und konnte die Macht und den Tod in dem kleinen Körper fühlen.
Daniel starb.
Lord Voldemort's Weihnachtsfestwar schön.
„Meister, ich habe gute Nachrichten." Wurmschwanz betrat das Arbeitszimmer des Dunklen Lords.
„Crucio!" Wurmschwanz fiel zu Boden und schrie. Er hatte Glück, denn Fluch hielt nur kurz an. „Sage mir, Wurmschwanz, warum habe ich das getan?"
„Weil ich eingetreten bin ohne um eure Erlaubnis zu bitten, mein Gebieter", keuchte die Ratte.
„Gut, gut."
„Mein Lord – Maximillan Graves ist gerade zurückgekehrt und er hat das, was ihr wolltet, beschaffen können."
Ein leichtes Lächeln zog sich über Voldemort Gesicht. Erst jetzt konnte Pettigrew erkennen, dass der Dunkle Lord den Körper eines kleinen Junge im Arm hielt. Der kleine Körper war schlaff und leblos. Voldemort hatte den Kopf des Jungen gegen seine Brust gelegt und streichelte das Haar des Jungen.
„Wurmschwanz. Heute ist wirklich ein guter Tag! Was für ein schönes Weihnachtsfest."
Remus konnte nicht ahnen, wie recht er mit seiner Vermutung gehabt hatte. Hogwarts war in diesen Tagen tatsächlich eine kleine Oase des Friedens und der Harmonie.
Als Remus seinen Tee ausgetrunken hatte, fischte er ein kleines, silbrig-golden verpacktes Päckchen aus dem schon recht dezimierten Geschenkestapel und reichte es Lucius mit einem entschuldigenden Lächeln.
„Für dich. Es ist zwar nicht viel, aber..."
„Klappe, Lupin!" wies Lucius ihn gutgelaunt zurecht. „Und jetzt gib schon her. Ich will wissen, was es ist."
Lucius war tatsächlich neugierig, was der Werwolf ihm schenkte.
Als er fertig war mit Auspacken, hielt er eine kleine Holzkiste mit Zigaretten in den Händen, ein kleines rechteckiges Metallstück und ein gut 5 cm langes, schwarzes Röhrchen.
Die Zigarettenmarke kannte und schätzte er, doch der Rest liess ihn ratlos zu Remus aufsehen.
„Das ist doch irgendein Muggelkram, oder?" fragte Lucius misstrauisch, als er sah, wie Remus und sogar Harry versuchten, sich ein Lachen zu verbeissen. Remus setzte sich neben Lucius und nahm ihm das Metallstück aus der Hand.
„Das hier ist ein sogenanntes Zippo-Feuerzeug", erklärte Remus. „So macht man es auf." Der Werwolf klappte den oberen Teil einfach zur Seite weg. „Und anzünden tut man es so." Er rieb mit dem Daumen über ein kleines Metallrad und direkt daneben erschien wie durch Zauberei eine kleine, bläuliche Flamme.
„Interessant", gab Lucius widerwillig zu. „Und wie löscht man es wieder?"
„Einfach so", sagte Remus und liess den Deckel wieder zuschnappen.
„Aha", machte Lucius. „Und das da?" fragte er und hielt das schwarze Röhrchen in die Höhe.
„Das ist eine Zigarettenspitze", erläuterte Remus geduldig, obwohl ihm die Sache für Lucius' Geschmack eindeutig zu viel Spass machte.
„Pass auf, das funktioniert so", sagte Remus. Er nahm sich eine der Zigaretten, steckte sie geübt in die Zigarettenspitze und steckte sich diese zwischen die Lippen. Dann nahm er das Feuerzeug, liess es aufschnappen, entzündete die Zigarette an der kleinen Flamme und schloss es wieder. Alles in einer fliessenden, unaufdringlichen Bewegung. Er machte ein, zwei Züge, nahm die Zigarettenspitze zwischen zwei Finger und liess den Rauch gespielt lasziv aus seinem Mund entweichen.
Harry und Draco starrten ihn fast mit offenem Mund an und auch Severus' Blick hing an dem Werwolf, der sich seiner Wirkung scheinbar nicht bewusst war.
Sogar Lucius musste zugeben, dass es sehr elegant und auch ein wenig verrucht aussah und er beschloss, sich diese Fähigkeiten ebenfalls anzueignen.
„Okay, gib her – zuviel Nikotin ist nicht gut für Werwölfe", sagte Lucius und Remus händigte ihm gutgelaunt seine Geschenke wieder aus.
Der blonde Slytherin benötigte allerdings ein paar Versuche, bis es ihm gelang, die kleine Flamme zu erzeugen, doch sobald ihm die Technik vertraut war, funktionierte es hervorragend.
„Gar nicht mal so dumm", murmelte er anerkennend und bedankte sich aufrichtig bei Lupin. Die Idee der Zigarettenspitze gefiel ihm von Minute zu Minute besser. Es brachte seine schmalen, aristokratischen Hände viel besser zur Geltung als ein normaler Zigarillo.
Mittlerweile hatte Harry sein Geschenk für Severus überreicht. Es handelte sich um eine Messeneuheit – verzauberte Tinte. Durch einen Zauberspruch nahm die Tinte jede gewünschte Farbe an.
Harry erhielt dafür von Severus ein anerkennendes Nicken.
„Scheint eine brauchbare Idee zu sein", sagte Severus nachdenklich. „Ich brauche nur noch eine Feder, wenn ich Arbeiten korrigiere. Obwohl..." Er machte eine kleine Pause. „Bei einigen der Anwesenden benötige ich so oder so fast nur rote Tinte."
Harry wurde ein wenig rot, doch er grinste und murmelte: „Gar nicht wahr..."
„Sie sind nicht dumm, Potter – nur so entsetzlich faul", sagte Severus und drückte ihm eine blaue Schachtel in die Hand. „Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben."
Harry's Grinsen rutschte ein wenig in Verlegenheit ab, doch er öffnete die Schachtel und entnahm ihr ein grosses, schweres Buch.
„Ein Lehrbuch für Zaubertränke?" fragte er perplex.
„Sie werden es für ihre Prüfungen brauchen können – und ich wünsche nicht, schon wieder von Ihnen enttäuscht zu werden", bemerkte Severus spröde.
Harry zog eine kleine Grimasse und sah noch mal in die Schachtel hinein.
„Da ist noch was drin", stellte er überrascht fest.
„Scharfsinnig wie immer", kommentierte Severus sarkastisch.
Harry zog einen seltsam schillernden Stoff heraus und sah Severus ungläubig an.
„Mein Tarnumhang? Sie geben mir meinen Tarnumhang zurück?"
„Nur unter der Bedingung, dass ich Sie nicht wieder darin eingewickelt aus irgendeinem Schlamassel retten muss", erwiderte Severus nachdrücklich.
„A propos Schlamassel", mischte sich Draco ein. „Das ist für dich, Harry", sagte er und reichte dem jungen Gryffindor ein schweres, dunkelgrünes Päckchen.
Harry packte es aus und starrte verwundert auf ein etwas überdimensioniertes Schachbrett inklusive Figuren.
„Ein Schachspiel?"
„Oh Mann, Potter – das ist nicht irgendein Schachspiel", sagte Draco und knuffte ihn spielerisch in die Schulter. „Das ist ein Lernschachspiel – damit du endlich mal besser wirst. Ich habe keine Lust, für den Rest meines Lebens mit dir Koboldstein zu spielen." Kaum hatte Draco zu Ende gesprochen, biss er sich auf die Zunge. Moment, was hatte er da gerade gesagt? Für den Rest seines Lebens? Hoffentlich hatte niemand so genau zugehört...
In diesem Moment ringelte sich Soraya an Harry's rechtem Ohr herunter und legte sich bequem auf seinem Brillengestell zurecht.
„Na – du? Ausgeschlafen?" fragte Harry auf Parsel.
„Ja, Meister – Was habt Ihr da?" zischelte Soraya zurück und glitt tiefer, bis sie sich über das Schachbrett schlängelte.
„Ein Lernschachspiel – Draco findet, ich hätte es nötig..." „Der blonde junge Mann? Und? Hat er Recht?"Harry runzelte die Stirn. Diese Schlange war etwas vorwitzig. Aber irgendwie gefiel ihm das. Soraya sah ihn abwartend an und Harry zuckte zur Antwort mit der Schulter.
„Was ist mit ihr?" fragte Draco und deutete auf Soraya. „Hat sie Hunger?"
„Nein – sie ist nur neugierig", erwiderte Harry. „Danke, Draco. Das ist ein super Geschenk." Er hielt kurz inne und grinste. „Aber du bist dir hoffentlich im Klaren darüber, dass die Rache fürchterlich sein wird. Irgendwann werde ich dich bei diesem Spiel schlagen. Und zwar so vernichtend, dass du dir wünschen wirst, du hättest mir das nie geschenkt."
Draco winkte lässig ab und sah in diesem Augenblick seinem Vater ähnlicher als je zuvor. „Träum weiter, Potter."
„Draco, hast du eigentlich schon den Brief deiner Mutter gelesen?" fragte Lucius, während er noch Harry's Geschenk begutachtete. Man konnte gegen den Gryffindor sagen, was man wollte – Geschmack hatte er. Es war ein kleines Medaillon an einer dünnen, goldenen Kette. Mit einer hübschen, unaufdringlichen Schlangengravur. Bei der Überlegung, welche Bilder er hineintun konnte, wurde Lucius allerdings ein wenig melancholisch, da ihm ausser seinem Sohn und seinem besten Freund kein passenderer Kandidat einfiel.
„Nein – wo ist er denn?" erwiderte Draco und sah sich suchend um.
„Auf dem Kaminsims", entgegnete Lucius geistesabwesend und klappte das Medaillon wieder zu.
Immerhin schien Draco seine Mutter nicht allzu sehr zu vermissen. Doch das war auch kaum zu erwarten gewesen. So abgöttisch Narcissa ihren Sohn geliebt und verwöhnt hatte, solange er noch klein gewesen war, so wenig hatte sie ihn verstanden als er älter wurde und heranwuchs.
Draco holte sich den Brief und las ihn noch im Stehen. Gelegentlich lächelte er.
Harry betrachtete ihn dabei nachdenklich. Er hatte schon sehr, sehr lange nichts mehr von Sirius gehört und fast so lange nicht mehr an ihn gedacht. Dafür schämte er sich und gleichzeitig war er auch ein wenig neidisch auf Draco, weil dieser einen Brief bekommen hatte und er nicht. Er seufzte leise und streichelte sacht seine kleine Schlange, der dies ausserordentlich gut zu gefallen schien. Harry hoffte sehr, dass es Sirius gut ging und entschloss sich dann dafür in einer gewissen fatalistischen Haltung keine Nachrichten für gute Nachrichten zu halten.
„Ich schreibe ihr morgen zurück", meinte Draco als er den Brief zuende gelesen hatte und legte in wieder zurück auf den Kaminsims.
„Aber vergiss es nicht", mahnte Lucius.
„Ja, Vater", erwiderte Draco folgsam. „Und hier ist auch mein Geschenk für dich", fuhr er strahlend fort. „Ich bin echt gespannt, ob es dir gefällt."
Lucius musterte ihn skeptisch und öffnete den dicken, gefütterten Umschlag, den sein Sohn ihm reichte.
Er zog eine Mappe heraus, in der zahlreiche Blätter lagen, die sich bei näherer Betrachtung als Noten entpuppten.
„Debussy?" fragte Lucius mit einem Anflug von Ehrfurcht in seiner Stimme. „Wie alt..."
„Vom Meister selbst, Dad. Es sind Originale", antwortete Draco mit Stolz. Nach der Reaktion seines Vaters zu schliessen, gefiel diesem das Geschenk ausserordentlich gut.
Lucius erhob sich ohne ein weiteres Wort, ging zum Klavier, klappte den Deckel der Tastatur auf, nahm auf dem Hocker Platz und stellte die Notenblätter behutsam auf den Ständer.
Keine Sekunde später erfüllte die liebliche Melodie von „L'isle joyeuse" den Raum.
Harry und Remus lauschten schon nach den ersten Takten mit offenen Mündern.
„Merlin – er ist wirklich gut", flüsterte Remus seinem Liebsten gedämpft zu.
„Das hat er alles seiner Grossmutter zu verdanken. Sie hat ihn verprügelt, wenn er nicht üben wollte", erwiderte Severus respektlos.
Lucius hörte mitten im Stück auf und klappte den Deckel der Tastatur wieder zu.
„Und das hätte ich bei Draco auch machen sollen", erklärte er grinsend.
„Warum spielst du es nicht zuende?" bat Remus. „Es war wunderschön."
Lucius lächelte geschmeichelt. „Später vielleicht." Dann küsste er seinen Sohn auf die Stirn. „Danke, mein kleiner Drache… und hier ist dein Geschenk!"
Er zog einen Schlüsselbund aus der Tasche seines Morgenmantels und reichte ihn seinem Sohn. Draco beäugte den schlangenförmigen Anhänger und die Schlüssel neugierig.
„Wofür sind die?" fragte er schliesslich und liess die Schlüssel aneinanderklirren.
„Da du ja nächstes Jahr volljährig wirst haben Severus und ich gedacht du könntest vielleicht eine eigene Wohnung brauchen", erläuterte Lucius lächelnd. „Wir hatten das schon länger geplant… bevor sich die Ereignisse so überschlagen haben…", sagte Lucius in entschuldigendem Tonfall. „Da du dich im Moment nicht selbst davon überzeugen kannst, wirst du es mir deshalb einfach glauben müssen, wenn ich dir sage, dass es eine sehr moderne Penthouse-Wohnung in der Nähe der Winkelgasse ist."
Draco war für einen Moment sprachlos, doch dann sprudelte er vor Dankbarkeitsbezeugungen fast über und umarmte Severus und Lucius überglücklich. Es schien ihm wirklich nichts auszumachen, dass er eine Wohnung besass, die er wohl solange nicht würde betreten dürfen, solange Voldemort nicht endgültig besiegt war.
Remus stellte fest, dass Draco mit seinem blonden Haar manchmal wie ein Engel aussehen konnte – wenn er wollte. Vorhin, als Harry und Draco ihm ihr Geschenk überreicht hatten, war davon allerdings nicht sehr viel zu sehen gewesen.
Sie hatten ihm Wollhandschuhe und einen warmen Schal geschenkt. Das wäre noch nichts aussergewöhnliches gewesen, doch die beiden hatten so nachdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Strick-Accessoires aus Lammwolle hergestellt waren, bis Lucius und Severus nicht mehr länger an sich halten konnten und beide Witze über Wölfe im Schafspelz gemacht hatten. Draco's und Harry's Grinsen nach zu urteilen hatte damit das Geschenk seinen Zweck erfüllt.
Wäre er ein so nachtragender Lehrer wie Severus, würde er nach den Ferien sicher eine Gelegenheit finden wollen um ihnen das heimzuzahlen. Doch er war kein Lehrer wie Severus – was er gelegentlich bedauerte... Doch das Gelächter war so ansteckend, dass er schliesslich mit einstimmte.
Weihnachten im Kreise der Familie mochte zwar anstrengend, nervig und manchmal auch ermüdend sein, doch für Remus war diese Feier das wunderbarste, was ihm seit langem passiert war – Severus einmal ausgenommen...
Remus sah sich mit einer matten Zufriedenheit im Raum um. Es hier aus, als ob eine Geschenkpapierfabrik explodiert wäre. Überall lag zerrissenes Geschenkpapier und bunte Schleifen herum, doch niemand störte sich daran. Die ausgepackten Geschenke stapelten sich auf dem Fussboden vor dem Kamin, wenn sie nicht gerade zum x-ten Mal begutachtet wurden, wie zum Beispiel gerade Draco nochmals seine Zeig-mir-wo-du-bist-Taschenuhr in Augenschein nahm und sich mit Harry freundschaftlich über die Beschriftung zankte.
„Müde?" flüsterte Severus ihm mit seidiger Stimme ins Ohr.
„Ein wenig", antwortete Remus lächelnd. „Und du?"
„Nicht zu sehr um mir nicht zu wünschen, dass wir jetzt alleine wären..."
Remus konnte ein wohliges Stöhnen nicht unterdrücken, diese Stimme, der warme Atem an seiner Wange, der Gedanke an diese grünen und schwarzen Seidenschals... wobei er sich nicht entscheiden konnte, wer von ihnen in den Genuss des Gefühls von Seide auf nackter Haut kommen sollte und wer das Vergnügen haben würde, die Knoten zu knüpfen.
„Weißt du, wir...", fing Remus gerade an, als Lucius sie unterbrach.
„Genug geturtelt", sagte Lucius und stand auf. Er ging wieder hinüber zu dem Klavier und klappte den Deckel auf.
Severus erhob sich mit einem leisen Seufzen ebenfalls und stellte sich hinter Lucius um auf die Noten zu sehen.
Lucius improvisierte ein kleines Vorspiel und dann fing Severus an zu singen.
„ Oh come all ye faithful, joyful and triumphant, Oh come ye, oh come ye to Bethlehem…"
Remus lehnte sich glücklich in die Kissen zurück und liess die Musik und Severus' wunderbare, samtige, dunkle Stimme auf sich wirken.
Soweit es ihn betraf war dies wirklich das beste Weihnachtsfest aller Zeiten!
tbc.
Lorelei (hopst in den Raum): Hi – da bin ich wieder!
Severus: Wozu um alles in der Welt brauchst du denn jetzt noch Krücken?
Lucius: Genau – ich denke, dein Knie ist wieder in Ordnung?
Lorelei: Damit ich euch im Zweifelsfall besser verprügeln kann, wenn ihr mal wieder nicht spurt!
Toyo (murmelt): Gib's ihnen, Schwester...
Lucius (zu Toyo): Das habe ich gehört!
Lorelei (schmollt): Was ist das überhaupt für eine Begrüssung? Ich war ewig weg und... (wird von Severus heftig umarmt)
Severus (sehr leise): Du hast uns wahnsinnig gefehlt...
