Tada... Ein neues Kapitel.
Vielen Dank meinen lieben, treuen Reviewern ttt und Tini. Ihr seit so gut zu mir.
Und nun, viel Spaß beim Lesen.
Kapitel 51
Schon wieder waren drei Wochen ins Land gegangen, 21 Tage, die Felicita kaum länger als drei erschienen.
Die wenigen verbliebenen Schüler waren zurückgekehrt, doch davon bekam sie kaum etwas mit, sie hörte es bloß aus den Erzählungen von Remus, Poppy oder Minerva, die sie regelmäßig besuchten.
Entgegen aller guten Vorsätze verbrachte Felicita die meiste Zeit im Labor, gönnte sich kaum eine Minute um in Ruhe durch atmen zu können. Das konnte sie unmöglich.
Der Trank hatte nicht gewirkt.
Remus hatte zwar Probleme gehabt, sich auf einen Zauber zu konzentrieren, es war ihm letztendlich aber doch gelungen, ihn durchzuführen.
Diese Erkenntnis stellte einen enormen Rückschlag dar, die Rezeptur musste wiedereinmal überarbeitet werden.
Seit Tagen analysierte sie nun schon, welche Komponente zum Versagen geführt hatte. War zu wenig Nieswurz enthalten? Reichte eine halbe Schlafbohne nicht aus? Oder war am Ende die Guarana überdosiert?
Sie wusste es nicht.
Anfangs hatte sie geglaubt, der Versuch würde erfolgreich verlaufen.
Es hatte genau 1 Stunde und 28 Minuten gedauert, bis der Trank seine eigentliche Wirkung entfaltet hatte.
Nach der Einnahme hatte sich Remus unglaublich gestärkt gefühlt, später sogar von einem regelrechten Hochgefühl gesprochen. Die negative Wirkung hatte dann so schlagartig eingesetzt, das man nur von einem totalen Überraschungsmoment sprechen konnte.
Der Werwolf hatte lachend vor Felicita gestanden, um dann von einer Sekunde auf die andere zu taumeln, beinahe in sich zu sacken.
Den Bruchteil einer Sekunde war die Ravenclaw begeistert gewesen. Doch dann hatte Remus wie vereinbart einen Patronus beschworen. Dieser mehr als komplizierte Zauber stellte schon eine Form der höchsten Magie dar. Das er noch dazu in der Lage gewesen war, zeigte deutlich das Scheitern der Monate dauernden Arbeit an.
Die junge Frau war verzweifelt.
Sie spürte, dass nicht mehr viel Zeit blieb.
Immer häufiger sah sie inzwischen in den Nächten Freunde zu Boden gehen, mit schmerzverzerrtem Gesicht oder ausdruckslosen, toten Augen. Die Schreie von Menschen verfolgten sie, überdauerten das Erwachen, brannten sich regelrecht in ihre Erinnerungen ein.
Nacht für Nacht verfolgte sie die Angst, Severus unter den Opfern zu entdecken. Das würde sie nicht verkraften.
Die Zeit drängte, sie durfte nicht scheitern!
Und so stürzte sie sich immer tiefer in die Arbeit, verdrängte das Bedürfnis nach Schlaf, Nahrung, Ruhe.
Sie wusste, dass es falsch war, wusste, dass sich ihr Körper früher oder später für dieses schändliche Verhalten rächen würde, doch sie konnte nicht anders.
Die Arbeit half ihr, sich zu beruhigen, half ihr, die Ängste zu vergessen. Nur in der totalen Konzentration fand sie ihr Leben noch erträglich.
Es gab so viel zu verdrängen.
Die Angst um Severus, Panik vor dem eigenen Versagen, davor die Erwartungen nicht erfüllen zu können, der gestellten Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Und die Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft.
Sie wollte sich darüber nicht den Kopf zerbrechen, sie wollte sich nicht über Dinge freuen, die vielleicht nicht existierten.
Nichts konnte schlimmer sein, als die Erkenntnis, dass der Stress einfach ihren Zyklus manipuliert hatte, dass es kein Kind gab, das all ihre Hoffnung erfüllen würde. Sie hätte Poppy nur zu rufen brauchen, ein kleiner unkomplizierter Zauber der Krankenschwester hätte genügt, um ihr Gewissheit zu verschaffen.
Doch sie fürchtete sich so sehr vor einer negativen Aussage, dass sie es einfach nicht über sich brachte, die Hexe anzusprechen.
Irgendwann würde sie es wissen, der Tag würde früh genug da sein. Bis dahin wollte sie an ein Kind nicht denken, wollte sich nicht in falschen Hoffnungen wiegen. Es wäre vielleicht etwas anderes gewesen, hätte sie sich ungewöhnlich gefühlt, doch außer einer starken Müdigkeit, die durchaus auf die Arbeit zurückzuführen war, fühlte sie sich wie eh und je.
Keine Übelkeit, kein außergewöhnlicher Appetit, keine Schmerzen. Nichts.
Nein, sie würde arbeiten und sich keine Gedanken machen.
Felicita war überrascht, als sich das Licht in ihren Räumen erhellte.
Hatte sie nicht erst vor kurzem die Kerzen entzündet, weil es zu dunkel zum Arbeiten gewesen war?
Ein Blick auf ihre Uhr ließ sie auffahren.
Es war schon wieder halb sieben. Sie hatte nicht einmal daran gedacht, sich hin zulegen. Sie fühlte sich müde, ohne Zweifel, doch die Erkenntnis eine Nacht hinter sich gebracht zu haben, ohne Visionen voll Schrecken, Hass und Blut ließ sie erleichtert ausatmen.
Wenn es doch nur immer so sein könnte.
Seit dem Abend, an dem Remus ihr das aktuelle Datum hatte verraten müssen, war sie versucht, die vergangene Zeit im Auge zu behalten. Seine Idee mit einem Kalender war gar nicht so schlecht gewesen.
Natürlich hatte sie sich keinen in das Labor gehängt, doch in der Kommode neben ihrem Bett lag nun ein kleiner Taschenkalender, auf dem sie jeden vergangenen Tag abstrich.
Wenn sie sich nicht irrte, war heute Samstag. Das bedeutete, dass Minerva pünktlich um halb neun, nachdem sie in der großen Halle gefrühstückt hatte, hier erscheinen dürfte.
Doch genau diesen Moment sollte die junge Ravenclaw an diesem Samstag Morgen nicht erleben.
Sie sackte in sich zusammen, als sie um acht zum Duschen von ihrem Schreibtischstuhl aufstand und blieb bewusstlos am Boden liegen.
Felicita lag auf dem Sofa im Wohnzimmer, sie hörte zwei Frauenstimmen in ihrer Nähe flüstern.
Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie sie als die Stimmen von Minerva und Poppy identifiziert hatte.
„... wenn Sie kaum schläft und isst."
Poppy schien beruhigend auf die Professorin einzureden.
„Beruhige dich Minerva. Wir können sie nicht dazu zwingen.
Ich denke nicht, dass du dich anders verhalten würdest, wenn die Verantwortung auf deinen Schultern lasten würde.
Wir müssen eben besser auf sie aufpassen."
Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort.
„Und nun raus mit dir, du hast andere Pflichten als der Krankenschwester über die Schulter zu schauen.
Ich werde mich schon um sie kümmern."
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis Minerva das einzusehen schien, denn erst nach einer halben Minute wandte sie sich zum gehen ab.
„Melde dich, falls es etwas wichtiges zu sagen gibt."
Waren ihre letzten Wort, bevor sie die Tür zum Quartier hinter sich schloss.
Genau in diesem Moment öffnete Felicita die Augen, sie hatte sich den Fragen der Direktorin nicht stellen wollen.
Poppy stand neben ihr, überprüfte gerade mit dem Zauberstab ihren Blutdruck.
„Na, bist du wieder wach?"
Die junge Frau nickte stumm.
„Schön.
Ich werde dir jetzt keine Strafpredigt vorbeten. Ich bitte dich einfach nur, besser auf dich Acht zu geben. Auch du brauchst deinen Schlaf."
Poppy führte den Zauberstab routiniert mit einigen Zentimetern Abstand zu ihrer Haut über ihren Körper.
„Bedenke, wenn der entscheidende Moment da ist..."
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich, als der Zauberstab den Unterleib der jungen Frau erreicht hatte. Sie murmelte eine Formel, ein rotes Leuchten drang aus der Spitze des Stabs.
Poppy sah Felicita verwundert an.
„Kind...
Du bist... Das ist doch unverantwortlich!
Wie kannst du dich so überanstrengen, wenn du doch alle Energie für das kleine Leben in deinem Bauch benötigst!"
Die Ravenclaw setzte sich ruckartig auf.
Den Schwindel, der sich augenblicklich wieder in ihrem Kopf ausbreitete, ignorierte sie.
„Ich bin schwanger?"
Poppy lächelte sie milde an.
„Du wusstest es nicht?
Du bist schon in der dreizehnten Woche. Du wirst im März ein Baby bekommen."
Eine Welle des Glücks brach über Felicita ein, selbst wenn sie es gewollt hätte, die Tränen die sich in ihren Augen sammelten, hätte sie unmöglich aufhalten können.
„Ich bin schwanger? Ich bekomme wirklich ein Kind?"
Die Krankenschwester setzte sich zu ihr, beruhigte sie.
„Ja, daran besteht kein Zweifel.
Schade, dass wir niemanden außerhalb der Schule benachrichtigen können, der Vater würde sich bestimmt freuen."
Die Feststellung war gesprochen wie eine Frage, dass hatte Felicita nicht überhört.
"Ja, das würde er..."
Sagte sie mit einer Traurigkeit, die sich nicht aus ihrer Stimme verbannen ließ.
Dann fuhr sie ernster fort.
„Poppy, du musst mir versprechen, dass niemand davon erfährt, niemand. Auch nicht Minerva und Remus."
Die Schwester legte die Stirn in Falten.
„Ich bin durch einen Schwur an meine Schweigepflicht gebunden. Gegen deinen Willen kann ich niemanden auch nur andeutungsweise von deiner Schwangerschaft berichten.
Doch warum willst du es ihnen nicht sagen?
Dieses Kind könnte doch ein Indiz dafür sein, dass du überlebst, dass dein Kind der letzte Erbe sein wird..."
Die Ravenclaw schüttelte den Kopf.
„Ja, ein Indiz. Jedoch keine Gewissheit.
Was ist, wenn Remus oder Minerva sich dem Kampf stellen, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass eigentlich nur wir Gewinnen können? Was geschieht, wenn sie aus diesem Gedanken heraus leichtsinnig werden, einen Fehler begehen, der das Blatt komplett wenden kann?
Oder was geschieht, wenn sie denken, dieses Kind wird ohnehin der einzige Erbe sein, was geschieht, wenn sie darüber, wenn auch nur unterbewusst, die Idee entwickeln, dass Voldemort nicht vernichtet werden muss, um zu siegen?
Ich könnte nochimmer getötet werden, bei diesem Kampf...
Es ist zu gefährlich, Poppy. Niemand darf von dem Kind erfahren, unter keinen Umständen.
Vertrau mir."
Die Krankenschwester nickte.
„Ja, du hast Recht...
Doch was willst du tun, wenn man dir die Schwangerschaft ansieht? Oder erst wenn das Kind geboren wird. Du wirst es wohl kaum hier vor den anderen verstecken können..."
Felicita sah sie ernst an.
„Bis das Kind geboren wird, hat sich schon längst alles verändert. Es dauert nicht mehr lange, Poppy. Bald wird sich alles entscheiden."
Nach diesen Worten schwiegen beide.
Wenig später verabschiedete sich die Schwester von ihrer Patientin. Jedoch nicht ohne dieser das Versprechen abzunehmen, zukünftig besser auf sich aufzupassen. Felicita gab dieses nur zu gern.
Sie würde weniger arbeiten, mehr schlafen und essen. Sie würde von jetzt an gesünder leben. Für ihr Kind. Für die Zukunft.
All die Argumente, die sie Poppy vorgetragen hatte, waren fadenscheinig.
Sie wusste, dass dieses Kind sehr wohl für die Erfüllung der Prophezeiung stehen konnte. Denn sie wusste, dass es das Kind zweier Erben war.
Ein gemeinsames Kind. Bedeutete das eine gemeinsame Zukunft, mit Severus?
Sie wusste es nicht, wollte sich auch nicht zu sehr daran festklammern, oder es gar als Tatsache feststellen.
Die Gefahr enttäuscht zu werden war einfach zu groß, nach wie vor.
Doch die Chancen, dass sie beide überleben würden hatten sich drastisch verbessert. Zum ersten Mal seit langem gab sie sich wieder ganz bewusst dieser, wenn auch noch sehr leisen, Hoffnung hin.
Und? Wie war es?
Ich bin übrigens gerade beim Erstellen einer Todesliste... Es fällt mir sehr schwer den einen oder anderen Charakter über die Klinge springen zu lassen, aber sie können ja nicht alle überleben, nicht wahr;-)
Ich kann es noch nicht exakt absehen, doch ich würde sagen, in ca 4 Kapitel ist diese Geschichte zu Ende...
Bis bald.
Eure Vestilia
