Disclaimer: So wahr ich hier stehe, nur der Plot ist mein.
Das letzte Update ist lange her. Ich begrüße daher alle Leser, bekannte wie neue, und hoffe für unser aller Wohl, dass ich ab sofort etwas zügiger bin. Vorab schon ein großes Dankeschön fürs Lesen..
Leider konnte ich meine Beta nicht erreichen. Ich mache mir etwas Sorgen, Honey, daher: HaylesHayles, sei doch so lieb und melde dich, falls du das lesen solltest.
Es gibt einen bestimmten Satz in diesem Kapitel. Ich schwöre, bei allem, was mir heilig ist, ich habe erst nach dem Schreiben bemerkt, welche Metapher ich da eigentlich gemacht habe und musste selbst so darüber lachen, dass ich fast noch meinen Säugling geweckt hätte. Als Ansporn darf/dürfen ihn die Finderin/nen in ihren eigenen Geschichten verwenden, sofern sie möchte/n. Dann schreibt mir mal eure Vermutungen. Ich bin gespannt.
Viel Vergnügen!
Der Hausdrachen
Exakt fünf vor Zehn fuhr Edwards Volvo in der Auffahrt vor. Schon den ganzen Morgen strahlte ich wie ein Honigkuchenpferd, was Renee ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte und Charlie eine mürrische Mine bescherte, gepaart mit Augenrollen. Ich wusste, dass ich mich wie eine Verrückte benahm – eine liebeskranke Verrückte – aber ich freute mich einfach tierisch auf dieses Wochenende mit Edward... ohne Eltern... so ganz ohne Aufsicht... Die Schmetterlinge in meinem Magen schlugen Saltos. Ich sog tief Luft ein, um mich zu beruhigen, ehe ich mich verabschiedete und in den Flur hastete, wo ich Edward die Türe öffnete. Ein bunter Strauß Freesien strahlte mir entgegen. Ich schmolz innerlich.
„Für mich?", hauchte ich. Für wen sonst, kritisierte mein Verstand sofort. Ich war einfach zu überrascht. Wie in Trance streckte ich meine Hände danach aus, nahm sie in meine Arme, konnte aber meine Augen nicht davon losreißen. „Sie sind wunderschön."
„Schönheit zu Schönheit. Wobei ich finde, dass du sie noch um einige Längen schlägst", schmeichelte er mir. Fast schüchtern sah ich zu ihm auf und bemerkte erst jetzt das flache, rechteckige Päckchen unter seinem Arm. Er folgte meinem Blick. „Das... um..." Edward drehte es ein wenig in den Händen. „Hier", sagte er schließlich, streckte es mir entgegen. Es war etwas unhandlich in der Form, dafür aber erstaunlich leicht. Was wohl darin war?
„Du hättest mir doch nichts mitbringen müssen." Obwohl ich es furchtbar süß fand, dass er mich einfach so beschenkte. Edwards Blick wechselte etwas verloren zwischen dem Päckchen und mir.
„Das... ist von Alice", rückte er heraus, wirkte jetzt noch unsicherer und hob anschließend abwehrend seine Arme. „Frag mich erst gar nicht. Ich weiß nicht, was drin ist und sie hat mir ausdrücklich verboten, nachzusehen. Ich soll dir aber ausrichten, dass du es mitnehmen sollst. Du könntest es heute noch brauchen..." Edwards Augenbrauen schoben sich verwirrt nach oben, ehe ich das Präsent kritisch beäugte. Heute noch brauchen? Da war doch nicht etwa... Wäsche... Reizwäsche... drin? Allein der Gedanke ließ mich rot anlaufen. Behutsam legte ich die Schachtel auf meine kleine Reisetasche, fast als wäre sie zerbrechlich... oder die Sünde selbst. Ich nahm mir vor, in einem geeigneten, stillen Moment das Geheimnis zu lüften. Zielstrebig eilte ich in die Küche, um den Blumen vor der Abreise standesgemäß ein Bad einzulassen. Schließlich sollten sie Sonntag nicht schon den Kopf hängen lassen. Renees Augen leuchteten, als sie den Strauß erblickte und schmachtete lautstark über dessen Schönheit, während ich eine passende Vase aus dem Schrank holte.
„Guten Morgen, Renee, Charlie", verlautete es hinter mir und Renees Antwort kam Edward prompt entgegen. Charlie hingegen, schon immer der stille Typ, hatte ihm vermutlich nur zugenickt. Meine liebe Mutter wusste natürlich nichts Besseres, als Edward mitzuteilen, wie wunderbar sie es doch fand, dass er sich solche Mühe gemacht hatte und dann auch noch meine Lieblingsblumen und... so weiter und so fort, ehe ich das Ganze peinlich berührt unterbrach und ihr mitteilte, dass wir jetzt wirklich gehen mussten. Im Flur nahm ich das Paket von Alice an mich, doch mit der Tasche kam mir Edward zuvor.
„Ist das alles?", fragte er erstaunt. Ich zuckte mit den Schultern, nickte leicht.
„Es sind ja nur zwei Tage." Außer Wechselwäsche, Schlafanzug und etwas Fescherem für die Party hatte ich nichts eingepackt. Edward wirkte noch immer überrascht, aber er schulterte mein Gepäck, nahm meine Hand und führte uns nach draußen. Aufregung durchströmte mich, als ich auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Ich wusste nicht, was der Tag bringen würde und das machte es noch besser; die Fahrt, der Abend, die Übernacht- ... und dann war da ja auch noch der Abstecher. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Ich warf einen Blick zu Edward, der gerade etwas in das Navi eingab. Wo konnte er wohl noch mit mir hinwollen? Er fing meine grübelnde Mine auf, lächelte wissend und fuhr mit mir ins Ungewisse.
Wir unterhielten uns unterwegs angeregt über alles Mögliche, das bisher nicht angesprochen wurde. So erfuhr ich von einer Oma, die leidenschaftlich gerne mit Edward Karten gespielt hatte, insbesondere weil er mit seinen damalig zehn Jahren immer verlor. Und ich offenbarte meine frühreife Liebe zu einem Jungen, den ich während eines Urlaubs getroffen hatte. Zum Abschied schenkte ich ihm mein Herz – in Papierform. Ich war damals zutiefst erschüttert, dass ich die Liebe meines Lebens verlassen musste. Aber Renee erklärte mir, dass viele Fische im Wasser schwimmen und ich mit sieben noch nicht sagen konnte, ob er mein Koi war. Edward war bis zur Enthüllung des einen Details – meines Alters – eher still und nachdenklich, doch dann lachte er über mich. Und ich lachte mit. Die Überfahrt mit der Fähre gab uns Gelegenheit, uns vom langen Sitzen zu erholen. Daher spazierten wir ein wenig zwischen den Autos umher bis zur Reling und spähten Körper an Körper - der Wind war beinahe arktisch kalt - auf das Wasser hinaus. Dieser Teil der Reise hatte fast etwas Romantisches an sich, wären Edwards Annäherungsversuche unentdeckt geblieben.
Er drängte mich in eine Nische, die nicht wirklich abgelegen war und küsste mich schier in den Wahnsinn, Hände auf Erforschungskurs inklusive, als plötzlich das empörte Gezeter einer älteren Frau zu hören war. Augenblicklich fuhren wir auseinander, doch während ich beschämt die meiste Zeit den Boden anstarrte, grinste Edward nur lässig über die Beschimpfungen der alten Dame. Als sie dann endlich, zusammen mit ihrem Mann, von dannen zog, konnte selbst ich mir das Lachen nicht verkneifen. Letzterer nämlich hatte fortwährend einen Blick drauf, der deutlich zeigte, dass er sich in unsere Schuhe wünschte. Wie der Wagen wieder Boden unter den Rädern hatte, achtete ich peinlichst genau auf die Straßenschilder und Wege, die Edward einschlug. Mein Blick huschte ständig zum Navi, darauf wartend, dass die monotone Frauenstimme den berüchtigten Satz von sich gab: Sie haben Ihr Ziel erreicht. Aber nichts, das wir passierten, konnte mir auch nur einen Anhaltspunkt für unser Ziel geben. Selbst mein Bitten und Quengeln entlockten Edward keine Tipps. Fast zwanzig Minuten später jedoch wurde ich erlöst. Edward parkte den Volvo am Straßenrand, gerade als der Satz fiel. Voller Vorfreude sah ich mich um und spürte sofort eine gewisse Enttäuschung. Wir befanden uns in einer langen Allee, gesäumt von Reihenhäusern zu beiden Seiten. War es etwa doch Jacobs Adresse, der wir gefolgt waren? Ich hatte gar nicht darauf geachtet, was genau Edward eingegeben hatte. Ich wurde aus meinen Überlegungen gerissen, als Edward meine Tür öffnete.
„Das ist es?", fragte ich völlig unsinnig, während ich ausstieg und die Umgebung erneut in Augenschein nahm.
„Yep", antwortete er nur. Vage war mir Jacobs Adresse in Erinnerung, weshalb ich mich nach einem Straßenschild umsah, jedoch keines fand. Edward schlang einen Arm um meine Taille, führte uns die Häuserreihe entlang und mein Augenmerk galt jetzt den Hausnummern. Wie war gleich wieder Jacobs? Vierunddreißig? Dreiundvierzig? Irgendwie so... Doch das erste Haus zu unserer Rechten trug die Vierundzwanzig... sechsundzwanzig... achtundzwanzig... und wir wandten uns dem Haus zu. Neugierig blickte ich im Wechsel zu Edward und der Tür. Ich hielt vor Spannung die Luft an, während wir dem Haus immer näher kamen und ich schließlich gezielt nach einem Namensschild Ausschau hielt. Doch bevor ich irgendetwas Verräterisches entdecken konnte, wurde die Tür aufgerissen.
„Ed! Du bist früh dran. Da hat wohl jemand den armen Volvo zu Höchstleistungen angetrieben."
„Em." Die beiden umarmten sich in typischer Männermanier, mit dem obligatorischen Klaps auf den Rücken und was eben so dazugehörte. Es war fast amüsant zuzusehen. Gleichzeitig schlug ich mir mental auf die Stirn. Ich hatte völlig vergessen, dass Emmett hier wohnte. Da war es nur verständlich, dass Edward ihm einen kurzen Besuch abstatten würde.
„Bella, Bella, Bella", sagte er, als sie voneinander abgelassen hatten. „Schön, dich wieder mal zu sehen." Vorsichtig beugte er sich ein ganzes Stück runter, um mich ebenfalls in den Arm zu nehmen. Er schien besonders umsichtig zu sein und ich konnte mir ein Kichern gerade so verkneifen.
„Hey, Emmett", grüßte ich ihn. Meine Arme reichten nicht mal halb um seine Mitte, aber ich drückte ihn zumindest, so fest ich konnte.
„Jetzt aber erstmal rein mit euch!", verkündete er lautstark und trat etwas zur Seite. Edward ließ mir den Vortritt. Bereits der Flur versprühte einen eigentümlichen aber heimeligen Charme, der mich doch an Esme erinnerte. Einige Bilder zierten die Wände, darunter auch Fotos der Familie. „Hier entlang", sagte Emmett mit einer ausladenden Geste und bedeutete uns damit, den Flur entlang zu gehen.
„Wenn ich auch nur einen Fleck auf dem Boden finde, kannst du heute noch mal das ganze Haus auf Vordermann bringen!", schallte es uns entgegen, noch während Emmett die Tür schloss. Genau wie ich hielt auch er einen überraschten Moment lang inne.
„Ja, Schatz", antwortete der Angesprochene schließlich. Irritiert blickte ich zu Edward, der jedoch keine Miene verzog. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht damit gerechnet, dass es irgendjemanden auf dieser Welt gab, der Emmett derart in seine Schranken weisen würde. Oder könnte! „Würdet ihr bitte eure Schuhe ausziehen?", fragte er daraufhin. Edward folgte seiner Bitte, ohne mit der Wimper zu zucken, weshalb ich mich beeilte, dem ebenfalls nachzukommen. Etwas seltsam kam mir das Ganze jedoch schon vor. Ich war gespannt auf die Hausherrin, der Emmett sein Herz geschenkt hatte. Er führte uns ins Wohnzimmer, das angesichts der Größe des Hauses einen beachtlichen Teil ausmachte. Viel mehr als die Küche und vielleicht ein Gäste-WC konnte es auf dieser Etage nicht geben. „Setzt euch, setzt euch", wies Emmett uns an und verschwand hinter einer angrenzenden Tür. Edward bugsierte uns zur Couch, an dessen kurzen Ende der L-Form wir dann auch Platz nahmen. Mit einem Engelslächeln schob Edward seinen Arm hinter mir durch. Ich folgte dem Ganzen mit einer erhobenen Augenbraue. Zu mehr hatte ich keine Gelegenheit, da Emmett mit Getränken zurückkam. Er stellte alles ab und nahm dann im einzigen Sessel Platz. „Was führt euch zwei Hübschen in meine bescheidene Hü-"
„Füße vom Tisch!", herrschte es durchs Haus. Erneut zuckte ich kurz zusammen und blickte automatisch zu Emmett, der, den zweiten Fuß noch in der Luft schwebend, einen Moment lang so verharrte, ehe er beide wieder auf den Boden stellte.
„Ja, Schatz", kam es wieder von ihm und neben mir spürte ich Edwards Körper leicht vibrieren. Wenn es nicht so eigenartig gewesen wäre, den hünenhaften Emmett wie ein Hündchen den Schwanz einziehend zu erleben, hätte ich vielleicht auch gelacht. „Also, was führt euch her?", nahm er den Faden wieder auf.
„Das weißt du genau. Ich hab uns nicht umsonst angemeldet. Wo ist der Schlüssel?", entgegnete Edward, wie aus der Pistole geschossen. Schlüssel?
„Immer langsam mit den jungen Pferden. Hast du nicht was von einer Party erzählt? Das Mittagessen ist auch schon fast fertig."
„Die Feier fängt erst später an. Vor Fünf…", Edward warf mir einen kurzen fragenden Seitenblick zu, den ich auf die Schnelle nur mit einem Nicken bestätigte, „müssen wir nicht dort sein. Es gibt genug Restaurants in der Nähe. Ihr hättet nicht für uns kochen brauchen." Den letzten Satz unterstrich er mit einer eigenartigen Geste. Er zog seinen Zeigefinger von einer Seite seines Halses zur anderen, als wollte er sich köpfen… Emmett jedoch verstand den Insider, denn er lachte schallend.
„Kein Grund zur Sorge. Ob du es glaubst oder nicht, ich hab mitgeholfen. Davon abgesehen besuchst du mich so selten, da muss ich das doch ausnutzen. Wann wollt ihr zur –" Emmett brach abrupt ab. Ein kurzer Blick zu Edward erklärte das Warum. Er sah seinen Bruder finster an. „Wann wollt ihr rüber? Etwa direkt nach dem Essen? Du könntest noch ein bisschen von Zuhause erzählen, bevor ihr geht. Zumindest das bist du mir schuldig. Ich überlasse die…" Erneut stockte Emmett. Meine Wenigkeit jedoch war von der rasanten Unterhaltung leicht überfordert. Die Beiden warfen sich die Sätze zu, als wären es Bälle. Da Sport sowieso nicht zu meinen Stärken zählte und diese Diskussion auch noch zusätzliche Rätsel aufwarf, kam ich schlichtweg nicht mit. „Mein Eigentum nur selten jemandem, wie du weißt."
„Und das nicht aus freien Stücken", flüsterte Edward mehr, als das er es sagte. Emmett richtete anklagend seinen Finger gen seinen Bruder.
„Du hast ja keine Ahnung. Aber wart's nur ab. Nicht mehr lange, dann kannst du mitreden. Nicht wahr, Bella?" Er lächelte zuckersüß in meine Richtung. Sollte ich jetzt meine Zustimmung geben oder lieber verneinen? Mir rauchte noch immer der Kopf. Daher hob ich einfach abwehrend meine Hände. Am Besten nicht mit hineinziehen lassen, so ersparte ich mir unnötigen Ärger.
„Das Essen ist fertig!" Etwas erschrocken über die laute Ansage sah ich auf und erblickte eine wirklich schöne Frau in der Tür zur Küche, wie ich vermutete. Sie hatte eisig blaue Augen und einen mit hochrotem Lippenstift verzierten… ja, Kussmund, anders konnte man ihn nicht beschreiben. Ihr blondes leicht lockiges Haar fiel ihr bis in den Rücken und schimmerte während der Drehung, die sie ausführte, um in die Küche zurückzukehren, fast wie flüssiges Gold. Sie war gelinde ausgedrückt eine Schönheit, die ihresgleichen suchte. Der Hass, der jedoch auf dem hübschen Gesicht geruht hatte, machte das schöne Bild zunichte. Ich fragte mich, ob sie grundsätzlich so miesepetrig war, oder ob wir den Grund dafür lieferten. War Ersteres der Fall, wunderte ich mich, wie Emmett es mit ihr aushalten konnte. Aber Liebe machte ja bekanntlich blind. Ein leichtes Schmunzeln darüber konnte ich mir nicht verkneifen, während wir der Amazone folgten. Unerwarteter Weise führte die Tür in das Esszimmer. Das Haus hatte mehr Platz zu bieten, als es von außen den Anschein machte. Mrs. Cullen saß bereits und erdolchte uns geradezu mit ihren Blicken.
„Bella, das ist Rosalie, Rose, Bella Swan", stellte Emmett uns vor und ich streckte ihr lächelnd die Hand entgegen.
„Freut mich, dich kennen zu lernen." Sie sah kurz auf meine Hand, dann wieder zu mir und zog es schlussendlich vor, mich komplett zu ignorieren. Hatte ich etwas Falsches gesagt? Emmett räusperte sich, sah auch sichtlich verlegen aus und lächelte mich dann entschuldigend an.
„Das ist meine Rose", sagte er in die Stille, aber es machte den seltsamen Moment nicht besser. „Setzt euch", wies er uns deshalb gleich darauf an. Edward nahm ihr gegenüber Platz, ich zu seiner Rechten und Emmett hatte den Vorsitz an der Stirnseite zwischen Frau und Bruder. „Na, dann. Lasst es euch schmecken", sagte Emmett Hände reibend und nahm sich gleich mehrere Stücke des Bratens. Nach und nach beluden wir unsere Teller, wobei Emmett es nicht ausließ, jedes noch so kleine Detail zu loben. Allerdings änderte das an der kalten Schulter der Hausherrin nicht viel. Sie starrte stur auf ihren Teller. „Erzähl, wie geht's Mom und Dad so?", leierte Emmett ein Gespräch an.
„Unverändert gut, vielleicht ein klein wenig euphorisch. Für meinen Geschmack zu euphorisch", antwortete Edward zwischen zwei Bissen und Emmett grinste darauf verschwörerisch.
„Wohl nur, um ihre Ängste zu überspielen. Ein Wunder, dass ihnen noch keine grauen Haare gewachsen sind."
„Rose." Emmetts Tadel schien sie in keinster Weise zu stören. Sie hatte nicht einmal aufgeblickt. Jedoch war ich etwas überrascht über ihren Einwurf. Wie viel wusste sie? „Tja, immerhin hat ihr Jüngster jetzt auch endlich jemanden gefunden. Da dürfen sich die alten Herrschaften doch freuen." Diesmal galt Emmetts schelmischer Blick mir, was mir doch die Röte in die Wangen trieb.
„So alt sind unsere Eltern nun auch wieder nicht. Ich hätte gut noch einige Jahre ohne durchgehalten. Es war Zufall, der mir Bella in die Hände gespielt hat."
„Gezwungen wäre das passendere Wort. Wer weiß schon, welche Methoden du angewandt hast. Möglicherweise hast du sie gar dafür bezahlt."
„Rose." Wieder verhallte Emmetts anklagende Stimme im Nichts. Unbekümmert schnitt Rosalie ihre Beilagen weiterhin in kleine mundgerechte Happen. Wow. So langsam machte ich mir Sorgen, wie das Ganze hier ausgehen würde. Die Frau war jedenfalls nicht auf den Mund gefallen und scheinbar Edward in gewisser Weise ebenbürtig, zumindest wenn es um Schlagfertigkeit ging. Allerdings war ich mir jetzt fast sicher, dass wir der Grund ihrer feindseligen Haltung waren. Umso überraschender war es dann, dass Edward sich bisher nicht verteidigt hatte. Genau genommen schien es ihn gar nicht zu kümmern, was Rosalie zu sagen hatte. Diese stoische Gleichgültigkeit war mir neu. Ich überlegte, selbst etwas dagegen zu sagen, wusste aber nicht, ob es klug war, sich überhaupt einzumischen. „Dann war es ein guter Zufall. Glaub mir, eine Frau an deiner Seite wird dir gut tun." Sein Blick wandte sich Rosalie zu und wandelte sich sogleich in einen Ausdruck absolut ehrlicher Ehrerbietung und Liebe. Einer Sache war ich mir sicher: Er hätte sein Leben für sie gelassen. „Eine Frau bereichert dein Leben ungemein."
„Das will ich doch hoffen. Sonst muss ich mir am Ende gar noch überlegen, wie ich sie wieder loswerde." Grinsend zwinkerte Edward mir zu, ließ mich wissen, dass er dies nur im Scherz meinte. Obgleich ich das sowieso angenommen hatte.
„Endlich mal eine vernünftige Entscheidung. Wobei ich ihr nur raten kann, dass sie dich sitzen lässt und zwar schnellstmöglich. Alles andere gleicht einem Selbstmordkommando."
„Rosalie!" Emmett schlug sichtlich aufgebracht seine Hände auf den Tisch, brachte damit die Gedecke auf der Granitoberfläche zum Klirren.
„Du weißt genau, dass ich nur deinetwegen hier sitze!" Mit diesen Worten stand sie auf, warf ihre Serviette auf den nicht mal halb leer gegessenen Teller und verschwand in den Tiefen des Hauses. Ein betretenes Schweigen erfüllte den Raum, ehe Emmett wieder das Wort ergriff.
„Tut mir leid, ich…" Er suchte nach Worten, wirkte zerrissen. Ich konnte mir vorstellen, dass es nicht einfach war, sich zwischen Frau und Bruder zu entscheiden.
„Lass gut sein, Em. Ich hatte etwas in der Art erwartet. Es ist schließlich nicht das erste Mal", beschwichtigte Edward seinen Bruder.
„Ja… Nein… Schon, aber vor Bella hätte das nicht sein müssen. Wenigstens ein Mal könnte sie sich zusammenreißen."
„Rosalie wäre nicht Rosalie, wenn sie das tun würde", grinste Edward, was Emmett ebenfalls zu einem leichten Lächeln trieb.
„Das macht mir nichts. Ich nehme das nicht persönlich, wirklich", warf ich deshalb auch noch mit ein.
„Oh, das musst du auch nicht", beeilte Emmett sich zu sagen, „das ist eine Sache zwischen ihr und Edward. Als seine Freundin trifft es dich nur ungünstigerweise mit." Er seufzte tief, stand anschließend auf. „Ich könnte jetzt einen Scotch vertragen. Esst ruhig weiter, ich bin gleich zurück." Er verschwand ins Wohnzimmer und Edward aß weiter, als wäre nichts geschehen.
„Was hat sie gegen dich?" Es schien mir ein günstiger Moment, danach zu fragen, wenn wir schon alleine waren. Diesmal war es an Edward zu seufzen. Er legte gemächlich sein Besteck ab und sah mich dann eindringlich an. Ich kannte diesen Blick. Es dauerte einen Moment, bis mir bewusst wurde woher. Eine Mischung aus Abneigung und Widerwillen, aber auch Hoffnungslosigkeit, Resignation und vor allem abgrundtiefer Traurigkeit. „Das personifizierte Böse", murmelte ich. Edward wandte den Blick ab. Das sagte schon alles. Jetzt verstand ich auch, warum er nichts dagegen sagte, immerhin glaubte er ja selbst daran. „Warum klärt Emmett sie - " Ruckartig wandte er sich mir zu.
„Er hat es mehrfach versucht. Glaub mir, wenn Rosalie mal eine Meinung hat, kann ihr die niemand mehr ausreden." Er schüttelte leicht seinen Kopf." Es spielt keine Rolle. Lass uns weiter essen, bevor es ganz kalt ist." Oh ja, er glaubte noch immer selbst daran. Dabei hatte ich gehofft, dass sich das wenigstens ein bisschen gelegt hatte.
„Du weißt, dass das Unsinn ist", sagte ich deshalb und legte so viel Ehrlichkeit in meine Worte, wie ich konnte. Er lächelte, doch ehe einer von uns noch etwas sagen konnte, war Emmett zurückgekehrt.
„Hier." Er legte einen Schlüsselbund neben Edwards Teller ab und setzte sich. „Ich will euch nicht rausschmeißen, im Gegenteil, aber es ist vielleicht wirklich besser, wenn ihr nach dem Essen geht." Entschuldigend wechselte sein Blick zwischen uns.
„Schon okay. Wir hatten ja auch nicht vor, lange zu bleiben." Edward steckte die Schlüssel ein, sah kurz zu mir, legte dabei seine Hand auf meinen Oberschenkel und dann wieder zu Emmett. „Wir werden die verbleibende Zeit schon irgendwie totschlagen." Emmetts Augenbrauen hoben sich ein Stück, dann schüttelte er leicht grinsend den Kopf.
„Das reicht. Du verdirbst mir sonst noch den Appetit." Damit widmeten sich beide dem Essen, jeder ein verschlagenes Lächeln auf den Lippen. Ich konnte mir halbwegs ausmalen, was den Herren im Hirn umherspukte, verkniff mir aber einen Kommentar. Kopfschüttelnd versuchte ich, den fast kalten Speisen noch etwas abzugewinnen. Nach dem Essen verabschiedeten wir uns recht schnell. Emmett tat mir schon leid. Rosalie hatte sich nicht mehr blicken lassen und ich nahm an, dass er sich jetzt um Schadensbegrenzung bemühte. Ich wurde den Gedanken nicht los, selbst mit ihr zu sprechen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Aber wenn nicht einmal Emmett zu ihr vordringen konnte… wie sollte ich es dann als Außenstehende? Dieses Thema ließ mir keine Ruhe.
Gedankenverloren haftete mein Blick während der Fahrt an der Fensterscheibe. Es war kein Wunder, dass Edward nicht von diesem Irrglauben ablassen konnte, wenn nur seine Familie hinter ihm stand. Ich war natürlich von seinen guten Absichten überzeugt, jedoch… mein Wort zählte wohl nicht. Wie in Trance wandte ich mich Edward zu und betrachtete mir sein Profil. Für ihn war ich wahrscheinlich… voreingenommen. Aber sollte nicht gerade meine Meinung großes Gewicht haben? Ihm sollte doch klar sein, wenn ich nicht daran glaubte - an ihn glaubte - hätte ich mich gar nicht erst auf ihn eingelassen. Oder… wusste er das nicht? Andererseits konnte ihm wohl nicht einmal seine Familie den nötigen Halt geben, um an sich selbst zu glauben. Rosalie war zumindest teilweise eine Außenstehende. Wenn man sie überzeugen könnte… ja, dann würde er vielleicht ein wenig mehr Vertrauen in sich selbst fassen. Je mehr Leute in seinem Umfeld ihm das bestätigen würden, desto größer standen seine Chancen, aus diesem Irrglauben heraus zu kommen. Nur… wo… bei wem sollte man anfangen? Und wie…?
Ich blinzelte. Zum ersten Mal bewusst, da ich Edwards Hand an meinem Oberschenkel spürte und kehrte damit aus meiner tiefen Versunkenheit zurück. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, seine Augen hielten einen unverkennbar stolzen Glanz und sein Kopf war insgesamt gehoben, als würde er von einem Thron herabblicken. Kurzum: seine Gesichtszüge verrieten Selbstsicherheit. Er nahm wohl an, ich würde ihn gezielt anstarren. Ich ließ ihm das Vergnügen, wandte mich jedoch ab, holte einmal tief Luft, um diese Gedanken vorerst beiseite zu schieben und betrachtete nun bewusst die Umgebung. Oh… Hatten wir Seattle hinter uns gelassen? Besser gesagt: Hatten wir die Zivilisation hinter uns gelassen? Es war fast als wären wir nie aus Forks raus gekommen. Eine Mischung aus grünen und braunen Klecksen so weit das Auge reichte. Wo wollte Edward mit mir hin? Gerade als ich meinen Mund öffnete, um diese Frage zu stellen, hielten wir auch schon; mitten im Nichts. Auf zelten war ich eigentlich nicht eingestellt. Mich vor der harten Realität wappnend sah ich fast flehend zu Edward.
„Bitte sag mir, dass es hier ein Waldhotel gibt", bat ich. Er jedoch grinste und mir schwante Böses.
„Kein Hotel", bestätigte er meinen Verdacht. „Viel besser, viel… romantischer", fügte er in einem verschwörerischen Ton an. Oh je, also doch zelten. Seufzend stieg ich aus und begab mich automatisch zum Kofferraum. Schließlich konnte ich Edward nicht alles alleine tragen lassen. Der jedoch war plötzlich nicht mehr zu sehen. Irritiert drehte ich mich langsam um meine eigene Achse, aber… niemand da. Ein Anflug von Panik stieg in mir auf. Wo war er hingegangen? Wie sollte ich hier wegkommen? Steckten die Schlüssel noch? Hastig blickte ich in das Wageninnere. Nein, keine Schlüssel. Wo zum Geier war – „Bella!" Mein Kopf schoss herum, als ich seine Stimme vernahm. Die Erleichterung, nicht mehr alleine zu sein, war fast schon überwältigend. Zeitgleich sagte mir meine innere Stimme, dass ich ihn nicht so einfach davonkommen lassen sollte. Schon gar nicht, wenn ich mir den Kopf zermarterte, um ihm zu helfen. Ich setzte auf meine schauspielerischen Fähigkeiten. Scheinbar wütend stapfte ich ihm entgegen. Der freudige Ausdruck auf seinem Gesicht wandelte sich langsam zu einem fragenden und er blieb einige Meter entfernt stehen.
„Wie kannst du einfach so abhauen? Lässt mich mitten im Nirgendwo zurück! Mich hätte ein wildes Tier angreifen können! Oder ich hätte mich beim Versuch, jemanden zu finden, heillos verlaufen können! Oder – " Grob wurde ich an den Armen gepackt, Edwards eindringlicher Blick direkt vor mir.
„Beruhige dich!", herrschte er mich beinahe schon an. Erstaunt hielt ich inne und so standen wir uns einige Momente starrend gegenüber. „Ich musste nur nachsehen, ob wir richtig sind", erklärte er ruhiger. „Ich wollte die Überraschung nicht verderben, aber ich hätte dich bitten können, kurz zu warten. Es tut mir leid." Oh… Er entschuldigte sich? Damit hatte ich zwar nicht gerechnet, aber es machte die Sache noch besser. Automatisch legte ich meine Hand an seine Stirn, was ein spürbar verwirrtes Stirnrunzeln seinerseits zur Folge hatte.
„Oh, gut. Ich dachte schon du bist vielleicht krank. Dann wäre das Wochenende ja mächtig ins Wasser gefallen." Über seinen irritierten Blick stahl ich mich grinsend aus seinen Armen. Das Ganze war besser gelaufen als erwartet. Ich spähte in den Wald, um zu sehen, wo er hergekommen war. Dort entdeckte ich einen leichten Trampelpfad, kaum erkennbar, wenn ich nicht gewusst hätte, dass Edward diese Richtung eingeschlagen hatte. „Ich bin zuerst da!", rief ich ihm in einer kurzen Drehung zu. Dabei sah ich sein Gesicht. Er war noch immer sichtlich durch den Wind. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen rannte ich los. Leider musste ich nach den ersten Metern meine Geschwindigkeit drosseln, da der Pfad wesentlich schlechter wurde. Immer wieder ragte dichtes Gestrüpp in den Weg, sodass Edward mich recht schnell eingeholt hatte. Trotz des jahrelangen Wanderns war ich - sehr zu meinem Ärgernis - noch immer nicht geländetauglich.
„Hab ich dich!", rief er und kitzelte mich am Hals. Lachend drehte ich mich um, weichte ihm dabei aus. Auf einer Schulter balancierte er unsere beiden Taschen, unter dem anderen Arm hielt er… Alices Päckchen. Ach, Mist, elender. Dabei hatte ich das bis eben so schön verdrängt. „Hast du wirklich geglaubt, du könntest mich abhängen?" Edwards rhetorische Frage brachte meine Gedanken zurück. Und kratzte gleichzeitig an meinem Ego. Schnaubend stemmte ich meine Hände in die Hüften.
„Schade, Cullen. Soeben hast du meine Hilfe bei unserem Gepäck verspielt." Erhobenen Hauptes und mit gekonntem Haarschwung drehte ich mich um und stolzierte weiter den Pfad entlang.
„Was…?", kam halb lachend seine Antwort darauf. „Das ist…", ächzte er, „wirklich nicht… fair von dir… Mich ganz allein… das schwere Zeug… tragen zu lassen." Ich biss mir auf die Lippe, um nicht über seinen gekünstelten Ton lachen zu müssen, riskierte aber einen kurzen Blick nach hinten. Gemütlich schlenderte er hinter mir her. Ich verdrehte meine Augen und marschierte einfach weiter.
„Ist es noch weit?", fragte ich kurz darauf. Hinter uns wurde die Schotterfläche, auf der Edward geparkt hatte, fast vollständig von den Bäumen verdeckt und vor uns schienen diese kein Ende zu nehmen.
„Siehst du da vorne die Blautanne? Da teilt sich der Weg. Wir gehen nach rechts." Verwirrt schoben sich meine Brauen nach oben. Welche davon war denn bitteschön nicht blau? Ich versuchte krampfhaft, einen Unterschied in den Bäumen vor uns zu finden, diese eine Blautanne zu entdecken und machte plötzlich Halt, als ich direkt vor einer stand. Der Pfad führte genau darauf zu. Automatisch sah ich nach rechts. Der Weg schlängelte sich dort weiter durchs Unterholz. Edward ging an mir vorbei, lächelte mich dabei kurz an. Ich sah zurück in die entgegengesetzte Richtung.
„Wohin führt der andere Weg?", fragte ich, als ich wieder zu ihm aufschloss.
„Zu einer kleinen Quelle." Er blieb abrupt stehen, drehte sich mit einem Grinsen zu mir um. „Sie wird unser Bad sein." Während mir noch der Mund offen stand, da mein Gehirn seinen Worten keinen Glauben schenken wollte, lief er einfach fröhlich weiter. Unser… Bad? Zähneputzen ging ja noch, aber wie sollte ich mich duschen, oder wenigstens die Haare waschen? Und gehörte auch der Toilettengang dazu? Angewidert verzog ich den Mund. Dann lieber doch nicht Zähneputzen. Erneut schloss ich zu Edward auf.
„Können wir nicht wenigstens eine provisorische Dusche einrichten? Du hast doch bestimmt was zu trinken dabei. Damit ließen sich zumindest die Haare waschen. Ich hab ja nichts gegen zelten, aber ich bin es gewohnt –" Weiter kam ich nicht, denn Edward lachte plötzlich laut auf. Irritiert wartete ich, bis sein Ausbruch geendet hatte.
„Wir sind da", sagte er mit einem Schmunzeln und deutete nach links. Ich wandte den Kopf und entdeckte hinter der zweiten Baumreihe eine… Hütte… Haus? Eine bretterverkleidete… Behausung. Und sie wirkte groß.
„Nicht zelten?", fragte ich unnützerweise, während meine ungläubigen Augen den geräumigen Unterstand begafften. Edward drückte mir einen kurzen Kuss auf die Wange, klimperte dann mit… einem Schlüsselbund; Emmetts Schlüsselbund.
„Nicht zelten", bestätigte er dennoch und ging über zwei Stufen auf die kleine Veranda. Langsam näherte ich mich, staunte noch immer über diese Blockhütte. Damit hatte ich hier mitten im Wald nicht gerechnet. Edward kam zurück aus dem Inneren, ohne Taschen. „Ich muss noch das Stromaggregat anschmeißen." Er grinste über meinen verdutzten Blick. „Stell dir vor, wir haben hier sogar elektrisches Licht." Er wandte sich nach rechts, ging am Gebäude vorbei. „Ach, und Bella?" Ich sah zu ihm rüber. „Auch fließend Wasser." Er zwinkerte mir zu, verschwand dann vollends. Ich verstand nicht ganz den Sinn dahinter. Fließend Wasser war doch gut. Damit konnte man prima kochen und die Hütte sauber halten und…
Oh! Na wenn durch diesen Gedankenblitz nicht der ganz Wald abgefackelt wurde. Er hatte mich reingelegt! Elender Mistkerl! Und ich verzweifelte schier an der Tatsache, nicht richtig duschen zu können. Ich lies mir das nochmal auf der Zunge zergehen. Es. Gab. Ein. Bad! Das würde er mir büßen. Und wenn ich auf den Tag des jüngsten Gerichts warten müsste, aber das schrie geradezu nach Revanche. Grummelnd betrat ich unsere Unterkunft und stand direkt in einem gemütlich eingerichteten Wohnraum mit Couch, Kamin und Esstisch. Sogar eine winzige Küchenzeile gab es. Außerdem zwei Türen, die, wie ich vermutete, in Bad und Schlafraum führten. Mit kurzem Flackern ging das Licht an. Edward hatte dann wohl den Generator zum Laufen gebracht. Ich schaltete es vorerst aus. Das letzte Mal wurde wohl vergessen, den Schalter umzulegen. Hinter mir knarrte auch schon der Dielenboden. „Und? Gefällt es dir?" Ich drehte mich zu Edward um.
„Es hat was", antwortete ich nur und besah mir weiter den Raum. „Das ist also Emmetts… Rentnerhäuschen." Edward lachte, nahm mich in den Arm und küsste mich kurz.
„Sag ihm das bloß nicht. Er würde dich köpfen." Ich schlang meine Arme um ihn, legte meinen Kopf an seiner Brust ab. „Es ist mehr eine Art Ruhezimmer. Er kommt an den Wochenenden her, um zu entspannen." Ich sah zu ihm auf.
„Dann haben wir ihm seine Erholungsmöglichkeit genommen?", fragte ich interessiert. Das wollte ich eigentlich nicht. Schon gar nicht, nachdem er sich unseretwegen Stress mit seiner Frau eingehandelt und jetzt sicher Erholung nötig hatte.
„Kein Grund zur Sorge. Als ich es angemietet habe –"
„Du musst dafür zahlen?", unterbrach ich ihn und erntete einen tadelnden Blick.
„Nein, muss ich nicht. Aber ich habe uns angemeldet. Wie ich jedenfalls sagte, brauchst du dir keine Gedanken machen. Emmett hat sich extra deswegen die Woche frei genommen, um nicht überarbeitet zu sein." Oh… Hatte er einen derart stressigen Job? Ich wollte schon fragen, aber Edward kam mir zuvor. „Er ist Polier, hat sein Fitness-Studio quasi bei der Arbeit." Es entstand eine kurze Pause, in der wir uns einfach nur ansahen. „Wo wir gerade davon reden. Wie wär's, wenn du noch eine entspannende Dusche nimmst, bevor wir auf die Feier gehen. Ich richte uns derweil hier alles ein."
„Klingt gut." Ich löste mich von ihm, hielt ihn dann aber noch am Arm fest, da er sich bereits wegdrehte. „Unsere Taschen sind…?"
„Im Schlafzimmer", antwortete er und deutete auf eine der Türen. Ich begab mich in selbiges, fand unsere Sachen auf dem Bett, auch Alices Überraschung. Tief atmete ich durch. Das war wohl der best geeignetste Augenblick, den ich finden konnte. Vorsichtig hob ich den Deckel an. Mit einem leichten Plopp löste er sich vom unteren Teil. Ich bereitete mich auf das schlimmste vor und nahm meine Arme mitsamt Deckel langsam zur Seite. Unter dem Glassin war deutlich ein dunkles blau zu erkennen, aber keine Form. Angespannt entfernte ich das Schutzpapier und brachte so ein wunderschön geschnittenes Dekollete zum Vorschein. Mit blieb die Luft weg. Ehrfürchtig fasste ich den Stoff an den Trägern und hob ihn aus der Schachtel. Es entfaltete sich zu einem atemberaubenden Cocktailkleid im schönsten Blau-Ton, der mir je untergekommen war. Wow! Einfach nur… wow! Vorsichtig legte ich es auf das Bett, strich die sich dabei bildenden Falten heraus und fand so am Saum eine mit einem hauchdünnen Faden befestigte, kleine, beschriebene Karte.
Liebste Bella,
ich hoffe, du hast auf der Geburtstagsfeier
viel Freude mit meinem Geschenk.
Sieh es einfach als kleinen Dank für deine Hilfe,
auch wenn es sich nicht mal annähernd damit aufwiegen lässt.
Alice
Ich hatte noch nicht mal ganz zu Ende gelesen, schon fiel eine Träne an den Rand der Karte. Eilig wischte ich die übrigen weg, die sich bereits in meinen Augen gesammelt hatten. Alice hatte einen Stein bei mir im Brett. Das war das Schönste, was ich seit langem würde tragen. Ich war zwar nicht so für Kleider, aber hier konnte ich einfach nicht Nein sagen. Es war zu schade dafür, nur im Schrank hängen gelassen zu werden. Ich musste unbedingt Edward nach ihrer Nummer fragen, um mich bedanken zu können. Edward… Ich war gespannt auf seine Reaktion, wenn er mich in diesem Kleid sehen würde. Voller Vorfreude nahm ich meinen Kulturbeutel und frische Bekleidung aus meiner Tasche, nur um anschließend durch den Wohnraum ins Bad zu eilen. Frohen Mutes entkleidete ich mich und stieg unter die Dusche. Das anfänglich kalte Wasser wurde - dank des Generators - schnell warm. Ich nahm mir Zeit, rasierte Beine, Achseln und Intimbereich. Zum Glück hatte ich auch das gute Duschbad mitgenommen. Es passte zu meinem Shampoo und würde mich zur Beute aller Vegetarier machen. Großzügig seifte ich mich damit ein. Wie sagte Angela noch? Es war mein üsslich streckte ich mein Gesicht dem Wasserstrahl entgegen, der nach und nach meinen Körper vom Schaum befreite. Ein lauter Knall ließ mich zu Tode erschrocken zusammenfahren. Automatisch blickte ich zur Tür. Doch dort stand nur Edw – woah! Ich konnte nicht verhindern, dass ich den Blick abwandte. Es war wie ein Reflex. Ich sammelte mich einen Moment, eine Hand an den Fliesen, eine über meinem Herzen, und schob erfolglos dieses Bild aus meinem Kopf, nur damit es sich wieder vor mein inneres Auge drängen konnte.
„Musstest du mich so erschrecken?", fragte ich deshalb leicht verärgert, noch immer nicht in seine Richtung blickend. Herrgott, warum bereitete mir das solche Schwierigkeiten? Er hätte aber auch etwas tragen können, wenigstens ein Handtuch. Noch während ich um Fassung rang, klopfte es an die Glastüre. Ich riss meinen Kopf herum, sah ihm stur in die Augen. Er hingegen schien mich mit seinem Blick aufzuessen. Heißkalt rieselte es mir den Rücken hinunter, als er sich zusätzlich die Lippen leckte. Er wartete nicht länger, stieg zu mir unter die Dusche, nahm mich sofort in seine Arme und küsste mich begierig. Unsere nasse Haut aneinander fühlte sich zu gleichen Teilen seltsam und interessant an. Nur die plötzlich auftauchende Kälte an meinem Rücken war unangenehm. Der Schrecklaut verstummte in Edwards Mund, mein Körper presste sich noch näher an ihn, weg von den Fliesen. Edward ließ ab von meinen Lippen, nur um im nächsten Moment ein eigenartiges Geräusch von sich zu geben. Ich war noch etwas benebelt von unserem eben geteilten Kuss. Er hatte etwas rötlich-silbernes zwischen den Zähnen, lies es sogleich fallen und hielt mir dann etwas Vergleichbares, nur Größeres unter die Nase. Seine Augen blickten gierig und erwartungsvoll in meine. Erneut sah ich das Etwas an, erkannte es jetzt endlich. Oh… Unter der Dusche?
Das war's für dieses Mal. Ich versuche, versuche, versuche mich zu beeilen. Derweil soll euch der Titel des kommenden Kapitels etwas Vorfreude bereiten: Der Ironie größte Kunst
