Tränen sind das, was uns zu Menschen macht, Kapitel 51
Weihnachten und Neujahr waren nun vorbei. Der Frühling war mit ach und krach ins Jahr 1924 eingefallen. Edward und Diana Gardner die nach ihren Flitterwochen in Schottland für die erste Zeit bei Jem und Faith unter gekommen waren, lebten nun seit gut einem Jahr auf der Farm 'Willow Grey'. Die Farm stand in Four Winds und wie sich rausgestellt hatte, war dies einst das Haus, in dem Leslie Ford einige Zeit ihres Lebens mit Dick Moore verbracht hatte.
Di und Eddie fühlten sich in ihrem Zuhause wohl. Eddie war zum Farmer geworden und Di führte den Haushalt. Keine andere Frau in ganz Four Winds hatte so ein Tadelloses sauberes Haus wie das von Diana Gardner gesehen. Di brachte täglich ihr Haus in Hochform. Von der Bühne bis hin zum Keller glänzte und funkelte alles nur so vor Sauberkeit.
Mrs Gardner begann nach dem Frühstück ihren Alltag mit putzen, wie sie es jeden Tag tat. Tag ein und Tag aus, das gleiche Spielchen, aber was hätte sie den sonst tun sollen? Kinder hatten die beiden nicht, also blieb ihr wohl nichts anderes übrig als zu putzen. So wie auch an diesem Nachmittag. Di hatte ihren Tag damit verbracht zu putzen und schaute sich triumphierend in ihrer Keimfreien Küche um.
Den halben Tag hatte sie damit verbracht den Küchenboden auf Hochglanz zu bringen und konnte sich nun darin spiegeln. "Di, weist du wo ich die Schaufeln hin habe", fragte Eddie und stapfte mit seinen Gummistiefeln die voller Schlamm waren in die Küche. "Edward Gardner, wie oft muss ich es dir noch sagen! Du sollst gefälligst deine dreckigen Schuhe draußen ausziehen. Ich habe den ganzen Tag damit verbracht diese Küche auf Hochglanz zu bringen und du, was machst du? Du bringst mir den ganzen Schmutz wieder rein", schnaubte Di und kniete sich nieder.
Sie hatte sich einen Lappen genommen und versuchte nun Eddies Schlammfußstapfen wegzuputzen. Wie besessen wischte sie einen Fleck nach dem anderen weg. Eddie machte sich große Sorgen um sie. Sie hatte sich sehr zurück gezogen und das einzigste was sie noch tat, war putzen. Er kniete sich zu ihr hinab: "Di, was ist los mit dir? Ich mache mir große Sorgen um dich. Wenn dich etwas belastet rede doch bitte mit mir", flehte Eddie und sah ihr in die Augen.
"Es ist nichts", meinte sie kühl und kümmerte sich wieder um ihren Fleck. Sie klatschte den Lappen auf den Fleck und schrubbte wie wild an ihm rum. Eddie legte seine Hände auf ihre und verhinderte damit das sie weiter schrubben konnte. "Wir müssen reden und zwar jetzt. Ich habe dich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr lächeln, geschweige den Lachen sehen oder hören. Etwas stimmt nicht und ich will das du mir sagst was es ist".
Di versuchte weiter zu schrubben gab es jedoch auf und Eddie spürte auf seinen Händen Tränen, die von Di vergossen wurden. Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und begann zu schluchzen. Eddie nahm sie in den Arm und versuchte sie zu beruhigen. "Kaum zwei Monate sind vergangen seit ihrer Hochzeit und sie ist schwanger", flüsterte Di.
"Du meinst Nan? Aber das ist doch schön für sie und Jerry. Aber was beschäftigt dich den so? Du bist nicht mehr die Di dich ich kenne und liebe. Wo ist sie, sie fehlt mir", meinte Eddie und wollte ihr einen Kuss auf die Stirn geben. Di wand sich ab und erhob sich.
"Du
verstehst überhaupt nichts!", rief sie wütend und
pfefferte den Lappen wütend in eine Ecke. Eddie erhob sich
ebenfalls: "Dann hilf mir bitte es zu verstehen".
"Sie
alle, alle sind sie kurz nach ihrer Hochzeit schwanger geworden.
Emily, Faith, Rilla und nun Nan. Und was ist mit mir? Im Juli werden
es zwei Jahre in denen wir verheiratet sind und siehst du hier
irgendwo ein Kind? Nein, nicht einmal das bringe ich fertig. Das
einzige was ich tun kann, ist putzen, waschen, kochen und nähen".
Eddie verstand allmählich um was es ging. Ihn hatte es bisher noch nicht gestört, das sie keine Kinder hatten. Er genoss es mit ihr alleine zu sein. Natürlich wünschte er sich Kinder, aber die konnten sie auch noch in drei oder vier Jahren bekommen. "Du bist also so anders, weil wir kein Kind haben? Warum bist du den nicht schon viel früher zu mir gekommen und hast mit mir gesprochen?", meinte Eddie und stand nun direkt vor Di.
"Du hättest eine andere Frau heiraten sollen, eine die fähig ist dir Kinder zu schenken und die Kraft hat, dich Glücklich zu machen. Anscheinend bin ich nicht diese Frau. Ich mache dich nicht Glücklich und kann dir nicht einmal Kinder schenken", sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und weinte bitterlich.
Es tat Eddie weh seine geliebte Di so fertig zu sehen. Er hatte nicht gewusst wie schlecht es ihr ging, welche Sorgen sie mit sich rum trug. Er löste ihr Gesicht von ihren Händen und nahm es in seine. Er schaute sie verärgert an. "Diana hör mir zu. Ich möchte nie wieder solche schrecklichen Wörter aus deinem Mund hören. Ich will nicht einmal das du so etwas denkst. Ich habe die Frau meines Lebens geheiratet, die ich mehr liebe als mein Leben. Ich möchte keine andere Frau, das einzige was ich will, das bist du.
Natürlich wünsche ich mir Kinder, aber ich weis auch, wie sehr du dir Kinder wünscht. Aber ich muss ganz ehrlich sein, ich genieße die Zeit in der ich mit dir alleine sein kann. Wir werden Kinder haben, dass verspreche ich dir. Vielleicht nicht Heute oder Morgen aber wir werden Kinder haben. Und wenn nicht die eigenen so können wir welche adoptieren. Es gibt so viele Waisenkinder auf dieser großen Welt die sich nach Liebe sehnen und ich weis, wie viel Liebe du zu geben hast. Nun hör bitte auf zu weinen. Ich ertrage es nicht dich weinen zu sehen mein Herz", lächelte Eddie und wischte ihr dir Tränen weg.
