Kapitel 51

Das Mittagessen bestand heute lediglich aus einem Eintopf, der Harry aber so gut schmeckte, dass er versucht war, Jane um einen dritten Teller zu bitten. Scheinbar war es Tradition bei den Grangers, dass es am Tage vor Weihnachten nur leichte Kost gab. Mrs. Granger begründete dies auf Harrys Feststellung hin damit, dass es meist hektisch an diesem Tage zuging und es was Schnelles gibt, dass man vorbereiten kann.

Doch Harry störte dies nicht wirklich. Er hatte sich durch seine Jahre in Hogwarts nie ernsthafte Gedanken darüber gemacht, wie anstrengend solch Vorbereitungen für ein Fest waren. Ja selbst bei den Dursleys gab es diese nicht. Jedenfalls nicht für ihn, denn Tante Petunia hatte stets darauf geachtet, dass Harry zwar sämtlich Zimmer sauber machte, mit den Vorbereitungen zum Festessen, von dem er dann doch widerwillig einen kleinen Teil abbekam oder dem Schmücken des Weihnachtsbaumes hatte er dann aber nichts mehr zu tun. Seine Tante wollte einfach nicht, dass er vielleicht irgend etwas am Essen machte, dass ihren Duddyspatz verärgerte.

Diese Gedanken, mit Ausnahme dem des Weihnachtsbaumes aber erst einmal verwerfend war der Gryffindor nun gespannt, was wohl nach dem Essen passieren würde. Denn dass etwas geschehen würde, spürte Harry genau. Schließlich wurden alle anderen immer aufgeregter und man beäugte Hermines Vater mit erwartungsvollem Blick. Schließlich grinste Dr. Granger und mit einem „So sei es" erhob sich der Hausherr. Er führte alle Gäste aus dem Esszimmer in Richtung des Wohnzimmers, welches Harry, so kam es ihm in den Sinn, seit gestern Abend nicht mehr betreten hatte.

Dort angekommen fiel sein erster Blick auf die große grüne Tanne in der Mitte des Zimmers. Doch was ihn ein wenig überraschte war die Tatsache, dass der Baum gänzlich ohne Schmuck glänzte. Harry schaute sich etwas unsicher zu Hermine und deren Eltern um und bemerkte, dass diese immer hibbeliger wurden. Schließlich kamen auch noch David und Maggie, jeder mit einer Tasche in der Hand in den Raum und es ertönt ein „Wow" aus beiden Mündern.

Hermine lächelte über diesen Ausdruck des Erstaunens und wandte sich dann an ihren Freund, der immer noch leicht unsicher zwischen dem Baum und ihr hin und her schaute. Dann küsste sie ihn leicht auf den Mund und meinte, „Glaub mir, Harry, das wird bestimmt lustig."

„Lustig? Was wird lustig? Und warum ist euer Baum nicht geschmückt?"

Hermine grinste auf Harrys Feststellung hin und deutete dann auf eine große Kiste hinter dem Baum. „Harry, der Baum ist noch grün, weil es bei den Grangers nun mal Tradition ist, dass wir alle zusammen, und zwar am Vortag von Weihnachten, den Baum schmücken. Verstehst du, Harry? Jeder darf seine Vorstellungen mit einbringen und es ist immer ein großer Spaß, wenn der Baum geschmückt wird, denn alles ist erlaubt und es gibt nur eine Regel, die befolgt werden muss."

„Regel", kam es ungläubig aus Harry Mund.

„Ja Schatz, nur eine Regel. Und sie besagt, dass es dem jeweiligen Hausherren obliegt, den Baum zu besorgen und den Stern auf die Spitze zu setzen."

Harry sah Hermine überrascht an, verstand aber was sie ihm gerade gesagt hatte. Dann jedoch überkam ihn ein anderer Gedanke. Denn während er sah, wie David und Maggie plötzlich allerlei Baumschmuck auspackten, fiel ihm auf, dass er ja nichts dabei hatte. Wie sollte er denn nun mit am Baum wirken, wenn er nichts mit hatte. Hermine, die scheinbar Harrys Gedanken lesen konnte, versuchte ihren Freund aber zu beruhigen und auch Jane meinte, dass es kein Beinbruch sei.

Doch gerade in diesem Moment fiel Harrys Blick auf Mr. Granger, der mit der Baumspitze fertig war und begann die Kerzenhalter an den Baum zu stecken. Und wie er dies so sah, durchzuckte ein Gedanke seinen Geist. Er sprach Hermines Vater vorsichtig an und bat ihn darum, ob er sich nicht um die Beleuchtung des Baumes kümmern dürfte. Henry Granger sah den Schwarzhaarigen überrascht an, lächelte aber wenige Sekunden später. „Natürlich darfst du das, Harry. Sag mir nur, was du brauchst."

Harry nickte, meinte aber, dass er alles habe, was nötig sei, um seine Vorstellungen zu verwirklichen. Allerdings rief dies fragende Blicke bei den anderen im Raum hervor und Hermine wollte wissen, was Harry denn vorhatte. Der Gryffindor lächelte aber nur selbstbewusst und erwiderte keck, dass sie sich überraschen lassen müsse. Dann führte ihn sein Weg zu einem Tisch, welcher etwas abseits stand und während die anderen ihn interessiert beobachteten, begann sich der Schwarzhaarige auf seine magischen Kanäle in den Händen zu konzentrieren.

„Oh wow, das ist stablose Magie", rief Viktoria erstaunt und sah Harry bewundernd an. Hermine bat sie aber sofort, nichts darüber zu verraten. Denn diese Fähigkeit bei Harry sollten ja so wenig wie möglich kennen. Maggies Mutter verstand, versprach das Geheimnis zu bewahren und kümmerte sich dann wieder um ihre Tochter. Maggie hatte nämlich kleine Papierengel gebastelt und Viktoria wollte diese nun so verzaubern, dass sie sich leicht bewegten und jedem, der am Baum vorbei ging zuwinkten.

Harry bekam dies aber nur am Rande mit, denn seine Konzentration galt vielmehr den etwa tennisballgroßen Glaskugeln, von denen er bisher fünfzehn Stück beschworen hatte. Ihm fehlten jetzt nur noch fünf und dann musste er sie noch mit Fäden versehen und überall am Baum verteilen. Und während er dies tat, bewunderte Harry auch die ganzen Sachen, mit denen die anderen die Tanne mittlerweile geschmückt hatten. Besonders gefielen Harry die kleinen Holzfiguren aus dem Krippenspiel, die David, wie er leicht stolz verriet, selbst geschnitzt und bemalt hatte.

Als dann auch der letzte Lamettafaden ausgerichtet war, trafen sich alle Blicke bei Harry. Jeder wollte nun wissen, wie der Gryffindor denn den Baum beleuchten wollte. Harry lächelte alle geheimnisvoll an und wie ein Gaukler auf dem Jahrmarkt machte er eine ausladende Bewegung und schnippte plötzlich mit dem Finger. Sofort entfachte sich in jeder der einzelnen Glaskugel eine kleine, sich ständig bewegende und die Farbe verändernde Flamme. Und eben dieses Zusammenspiel der vielen kleinen Feuer tauchte den Raum in ein wohlig- warmes Bild.

„Meine Güte Harry, wie hast du das gemacht?", fragte Jane Granger bewundernd und bedachte Harry mit einem erwartenden Blick.

Harry sagte einfach „Magie" und grinste. Da aber auch die anderen wissen wollten, woher das Feuer kam, erbarmte sich Harry, auch wenn ihn nun ein leichter Rotschimmer zierte und er sagte. „Nun, das Feuer kommt von meinen elementaren Kräften und wird genährt durch meine Liebe und meine Gefühle zu Hermine." Mit diesen Worten zog der Gryffindor seine Freundin ganz fest an sich heran und küsste sie vor den Blicken der anderen auf den Mund.

Allerdings wurde dieser Moment beendet, als Dr. Granger plötzlich auflachte und meinte, „Nun Harry, dies ist ein wirklich beeindruckendes Stück Zauberei. Doch wenn das so ist, nun dann denke ich, dass wir die Kugeln über Nacht wieder löschen sollten. Ich mein ja nur, ihr zwei... heute Nacht allein in einem Zimmer ... Nicht dass uns das Haus abfackelt. ... Autsch".

Harry konnte gar nicht so schnell rot werden, wie er wollte. Doch dies brauchte er auch gar nicht mehr, denn schon im nächsten Moment musste er sich das Lachen über seinen zukünftigen Schwiegervater verkneifen, da Mrs. Granger ihren Mann vor den Augen aller einen Rippenstoß verpasste und ihn dann runter machte. Alles in allem hatte Hermine Recht behalten. Das Baumschmücken bei den Grangers war wirklich eine lustige Sache und wenn dies nur der Auftakt zum Fest war, dann freute sich Harry schon richtig auf die nächsten Tage.

Gegen Abend hatte es wieder leicht zu schneien begonnen. Sämtliche Bewohner des Hauses hatte sich unter dem Weihnachtsbaum eingefunden und man erzählte sich Geschichten aus früheren Zeiten. Glücklicherweise wurde Harry davor verschont selbst etwas über sich zu erzählen und so kam es, dass dem Gryffindor allmählich die Augen zufielen.

„Nun, ich denke, es wird Zeit fürs Bett", verkündete Mrs. Granger und schickte sich an, zusammen mit Viktoria, die kleine Maggie in ihr Zimmer zu bringen. Auch Harry stand auf und verabschiedete sich von den Erwachsenen, während Hermine noch einen Moment mit ihrem Vater sprechen wollte.

Oben in Hermines Zimmer angekommen, schnappte sich Harry sein Waschzeug und ging ins Bad. Er wollte unbedingt noch duschen, etwas, dass ihm Hermine schon voraus hatte. Schließlich kam er, bekleidet mit Boxern und T-Shirt wieder zurück und überlegte, auf welche Seite des Bettes er sich legen sollte. Es war doch schon ein komisches Gefühl, heute Nacht ganz offiziell mit Hermine zusammen in einem Bett zu schlafen. Und wo war seine Freundin eigentlich? Was wollte sie von ihrem Dad? Doch nicht noch eines seiner Kondome abstauben? Bei diesem Gedanken allein wurde Harry schon rot. Und wenn er dann erst an die Spitzen beim Frühstück dachte. Oh nein, so weit wollte er nicht noch einmal gehen.

Allerdings riss ihn das Geräusch der Tür aus seinen Gedanken und er lächelte Hermine zu, als sie das Zimmer betrat. „Oh du bist schon fertig", stellte sie fest und ging an ihren Nachtschrank. Dort holte sie sich ihr Nachthemd heraus und begann sich auszuziehen. Harry beobachtete sie dabei und schmunzelte. Und als sich Hermine auf die Bettkante setzte, um sich die Strümpfe auszuziehen, da konnte der Gryffindor nicht anders. Harry krabbelte vorsichtig zu seiner Liebsten hinüber und begann ganz sanft von hinten ihren Nacken zu küssen.

Hermine stöhnte leicht auf und hielt in ihren Bewegungen inne. Sie genoss diese Liebkosungen regelrecht und Harry intensivierte sie daher auch. Schließlich beugte sich Harry leicht vor. Es trafen sich ihre Münder und wenn jemand im Raum gewesen wäre, der Auren lesen konnte, dann hätte dieser gesehen, wie impulsiv diese bei beiden nun strahlten. Kurz darauf brach Harry aber ab und nachdem sich Hermine noch fertig umgezogen hatte, schliefen alle Zwei eng umschlungen und überglücklich ein.

„Maggie komm da raus"

Diese leisen, ja fast flehend geflüsterten Worte, ließen Harry zusammenzucken und am nächsten Morgen erwachen. Rasch öffnete der Gryffindor die Augen und erkannte David, der fieberhaft versuchte seine Stiefschwester dazu zu bewegen, sich von ihrem Beobachtungsposten am Fuße des Bettes zurückzuziehen und auch das Zimmer wieder zu verlassen. Doch die kleine Hexe schien dies nicht zu wollen. Nein, ihr gefiel scheinbar der Anblick des schlafenden Jungen der lebt. Und dass dieser sich auch noch an seine Freundin kuschelte war wahrscheinlich das Bonbon zum Feste.

Als das kleine Mädchen aber bemerkte, dass Harry erwacht war, nun da verhielt sie sich von der einen auf die andere Sekunde wie Ginny mit elf Jahren und rannte mit immer roter werdendem Kopf aus dem Zimmer. David versuchte sich noch zu entschuldigen und meinte, dass das Frühstück bald fertig sei. Harry und Hermine lachten sich an und beschlossen aufzustehen, jedoch nicht, ohne noch mehrere Minuten wild zu knutschen, was Harry das Verlangen nach einer eiskalten Dusche einbrachte.

Kurze Zeit später und im Wohnzimmer angekommen entfachte Harry die Feuer am Baum wieder und führte dann seine Freundin zum Frühstückstisch, wo der Rest der Familie schon wartete. Harry sah jeden einzelnen an und wünschte ein frohes Fest. Und als er bei Hermines Dad angelangt war, bemerkte er, dass dem Doktor etwas auf den Lippen brannte. Allein der böse Blick seitens Mrs. Grangers bewahrte Harry vor einem Kommentar, der ihn sicher wieder einmal hätte rot werden lassen.

Nach dem Essen, bei welchem man Maggie, die es gar nicht abwarten konnte zwingen musste, ein paar Scheiben Toast zu sich zu nehmen, kam man schließlich zum Hauptteil eines jeden Weihnachtsfestes ... den Geschenken.

Glücklicherweise hatte sich mit der Tatsache, dass es sich bei Viktoria um eine Hexe handelte Einiges geklärt und so musste man nicht erst versuchen, die Anwesenheit diverser Eulen plausibel darzustellen. Denn eben jene Vögel warteten auf der Terrasse und schuhuten lauthals, damit sie ihre Pakete loswurden. Hermine erbarmte sich als erste und befreite die Eulen von ihrer Last. Sie gab ihnen auch noch einige Leckereien und brachte dann die Geschenke für Harry und sich selbst, welche alle aus dem Fuchsbau stammten, ins Wohnzimmer und unter den Baum.

Danach wurden noch ein paar Weihnachtslieder gesungen und es begann das große auspacken. Harrys erster Griff ging zum Paket von Molly Weasley. Er öffnete das goldene Band, welches sich um das rote Geschenkpapier wand und zum Vorschein kam der obligatorische selbst gestrickte Pullover mit dem großen „H" auf der Brust. Und obwohl Harry wusste, dass er einen solche bekommen würde, freute sich der Gryffindor jedes Jahr wieder darauf, war er doch ein Beweis, dass ihn Mrs. Weasley wie einen Sohn ansah. Er zog den Pullover auch gleich über und beobachtete dann, wie auch die anderen ihre Päckchen verteilten.

Schließlich war er dann selbst wieder an der Reihe und es war Hermine, die ihn mit einem Buch überraschte. Doch es war nicht irgendein Buch, nein, es war eines, das man eigentlich nicht mehr bekommen dürfte. Es war ein handsigniertes Exemplar von „Der Kern der Magie- Oder die Sprünge der Evolution"

„Wow", entfuhr es Harry und er sah seine Liebste überrasch an. Doch diese war noch nicht fertig und gab dem Gryffindor noch ein zweites Buch.

„Und dass hier Harry, ist, wenn du so willst, für uns Beide. Es ist unser eigenes Fotoalbum"

Harry nahm das in roten Samt gebundene Buch und während er es berührte, glaubte er eine sonderbare Wärme in seinen Finger zu spüren. Harry sah überrascht vom Buch zu Hermine auf und seine Freundin erklärte ihm sofort, dass ein bestimmter Zauber auf dem Album lag.

Beim Wort Zauber meldete sich neugieriger Weise Mr. Granger zu Wort und wollte wissen, was denn für einer. Hermine nahm Harry aber nur kurz das Buch aus der Hand, küsste ihn und reichte das Album an ihren Vater weiter. Dieser schlug es auf und blätterte die ersten Seiten um.

„Nun Hermine, das sind wirklich schöne Bilder von dir und Harry. Doch ich verstehe nicht, was für einen Zauber du meinst. Und wieso sind hier und da immer mal einige Seiten leer?"

Hermine grinste nur und reichte das Album an Harry zurück. Dieser sah sich nun ebenfalls die Fotos an und wurde beim Betrachten mehr als nur rot. Hermines Mum bemerkte dies und schaute ihrem Schwiegersohn in spe über die Schultern. Sofort schlug Harry das Buch zu und dies rief bei seiner Freundin ein Lachen hervor.

„Nun Dad, lass es mich mal so sagen, es ist keine einzige Seite zwischendurch leer. Lediglich der Zauber verhindert, dass du die Bilder auf ihnen siehst. Es sind nämlich alles Fotos, die nicht für die elterlichen Augen, oder die fremder Personen, bestimmt sind."

Im nächsten Moment wurde es mucksmäuschenstill im Raum und Harry wünschte sich, dass seine Liebste genau diese Worte eben nicht gesagt hätte. Dann fragte er sich, wo sie diese Bilder her hatte. Allein schon das Bild auf der dritten Seite. Myrthe war ja nun wirklich nicht berühmt dafür, dass sie mit einer Kamera umgehen konnte. Und um das Thema auch so schnell wie nur möglich zu beenden, griff Harry auch schnell ein kleines flaches Päckchen vom Stapel und meinte an Hermine gewandt. „Und da wir Schatz auf der gleichen Wellenlänge sind, habe ich auch passender Weise ein Geschenk, dass in unserem Album mit Sicherheit Platz findet."

Hermine nahm das Päckchen, öffnete es und zum Vorschein kam mehrere Bilder von ihr und Harry. Die Grangers schmunzelten über Harrys Art, von sich abzulenken und schauten interessiert, wie ihre Tochter jedes einzelne Bild betrachtete. Das erste schien am See von Hogwarts aufgenommen worden zu sein und dass nächste zeigte Beide in der Bibliothek des Schlosses. Als Hermine jedoch das letzte Bild in ihren Händen hielt, runzelte sie nachdenklich ihre Stirn.

Dieses Bild zeigte sie und Harry vor dem Haus der Grangers, beide in schwarzen Lederklamotten und während Harry neben dem Motorrad von Sirius stand, hatte Hermine sich an ihn gelehnt und streichelte eine zweite Maschine, auf der ihr Eulenhelm lag.

„Ähm Harry, hier stimmt irgendwas nicht. Wann willst du denn dieses Foto gemacht haben? Ich habe doch gar kein Motorrad."

Der Gryffindor, etwas von seiner Liebsten Abstand haltend, bewunderte gerade eines von Maggies magischen Holzpferden, welches sie von David bekommen hatte, und sagte beiläufig, jedoch mit leicht fragendem Ton „Echt". Von da an dauerte es nur noch Sekunden, bis die Augen von Hermine immer größer wurden und sie ungläubig sagte, „Oh Merlin, das hast du nicht getan."

Auch die anderen sahen nun überrascht zu Harrys Freundin und dann zum Gryffindor selbst. Dieser grinste aber nur noch spitzbübisch und richtete seinen Zeigefinger auf das Foto. „Finite", sagte er ruhig und plötzlich verwandelte sich das Bild in ein kleines Ledersäckchen, oder besser gesagt ein Schlüsseletui. Kurz darauf, und wie bestellt, heulte auch schon etwas vor dem Haus der Grangers laut auf und alles was man noch von Hermine sah, war ein Kondensstreifen.

Der Lockenkopf rannte aus dem Zimmer, den Flur entlang und schließlich vor das Haus. Und dort stand sie... im totalen Kontrast zum rein weißen Schnee... ganz in schwarz und Chrom... und geziert von nur zwei Namen... Harley Davidson.

Das nächste was durch den Weihnachtshimmel der Umgebung ging, war ein hysterischer Schrei, der nach „Oh mein Gott" klang, gefolgt von einem „HARRY POTTER, DU BIST VERRÜCKT".

Doch dieser Schrei wurde rasch unterbrochen, denn Harry war an Hermine heran getreten und verschloss ihren Mund mit seinen Lippen. „Nein, bin ich nicht", hauchte er ihr ins Ohr, als sie sich wieder getrennt hatten und dann führte Harry Hermine um die Maschine herum.

„Komm setz dich mal drauf", fordert der Gryffindor seine Liebste auf, da der Lockenkopf scheinbar immer noch leicht unter Schock stand. Dann führte Harry ihre Hände an den Lenker und drehte sanft am Gasgriff. Sofort heulte die Harley wieder laut auf und riss Hermine aus ihrer Starre.

Was dann allerdings folgte schien einem Bansheefest zu gleichen. Besonders die Frauen fragten Harry, wie er so etwas nur tun konnte. Die Männer hingegen hatten alle sehnsüchtige Blicke aufgesetzt. Als dann schließlich Henry Granger meinte, dass diese Maschine ein Vermögen gekostet haben muss und Hermine sofort entsetzt zu Harry schaute, da wiegelte der Gryffindor jedoch rasch ab.

„Nein, hat es nicht, Henry. Lediglich einen kleinen Brief, ein Erinnerungsschreiben, wenn du so willst."

„Erinnerungsschreiben?", kam es aus dem Mund mehrerer Anwesender und Harry lächelte geheimnisvoll. „Jepp, hab die Leute, die dieses Schmuckstück gebaut haben nur mal darauf hingewiesen, dass ich von meinem Paten fünf Prozent der Firmenanteile geerbt habe und ob sie mir nicht einen kleinen Gefallen tun wollen."

Das nächste was man hörte, war das Husten von Hermines Onkel, der sich mörderisch verschluckt hatte. David klopfte seinem Dad auf den Rücken und fragte ob es wieder geht. Danach beglückwünschte er Harry zu seiner Geschenkwahl und es hieß zurück ins Haus zu gehen. Allerdings ließ es sich Hermine nicht nehmen, ihr neues Baby in die Garage zu fahren. Auf gar keinem Fall sollten sich Wasserflecken auf dem Lack bilden und diese Aussage rief natürlich allgemeines Lachen hervor.

Das ganze Auspacken und Verteilen der wirklich zahlreichen Geschenke dauerte fast zwei Stunden und so kam es, dass Mrs. Granger und auch Oma Hillary plötzlich panisch aufsprangen und riefen, dass sie jetzt unbedingt in die Küche müssten. Ansonsten gäbe es heute keinen Festbraten oder gar ein Dessert dazu. Viktoria hingegen schaute die Frauen leicht überrascht an, bis ihr wieder einfiel, dass es sich bei den beiden Frauen ja um Muggel handelte. Sie verstand sich so gut mit ihnen und hatte sich so gut seit gestern daran gewöhnt, so wenig wie möglich ihren Zauberstab zu benutzen, dass ihr auch entfallen war, dass es unter Muggeln nun mal einige Zeit brauchte, um ein Festmahl herzurichten.

Kaum waren Hermines Mum und deren Schwiegermutter aus dem Zimmer gestürmt, folgte ihnen Viktoria auch schon. Teils war es Neugier, teils aber auch die Lust zu schauen oder aber vielleicht mitzumachen, wenn es hieß, etwas auf Muggelart zuzubereiten. Harry musste schmunzeln als er sah, wie Ben und Maggie mit den Augen rollten. Und irgendwie erinnerte ihn dies an die Weasleys, wenn Arthur Weasley mal wieder für die Muggel schwärmte. Allerdings kam dem Gryffindor dann noch was anderes in den Sinn und mit einem entschuldigendem Blick zu Hermine rief er laut „Dobby".

Kaum war der Ruf verhallt, ploppte auch schon ein übereifriger Hauself ins Zimmer. Dobby verbeugte sich vor seinem Herrn, auch wenn dies bei Harry ein Stöhnen hervor rief und fragte, wie er zu Diensten sein kann. Harry bat aber erst einmal, dass sich sein Freund erhob und fragte dann höflich und in der Befürchtung vor dem Kommenden, ob Dobby nicht vielleicht mit in der Küche helfen wolle.

Sofort durchzog die Luft das Geräusch von stark eingezogener Luft seitens Hermine und eine Art Jubelschrei bei Dobby. Doch Harry hatte dies nicht wirklich aus reinem Eigennutz gemacht. Nein, er wollte eigentlich einen Grund für etwas ganz anderes. Denn bevor sich der kleine Hauself in die Küche begeben konnte, hielt Harry ihn noch zurück.

„Dobby, es gibt da aber eine Sache, die ich von dir verlange, wenn du mit den Damen des Hauses in der Küche arbeitest."

„Ja Harry Potter, Sir?", fragte Dobby und verbeugte sich bis zum Boden.

„Dobby, ich möchte, dass du den Damen zwar hilfst, ihnen aber nicht ihre Arbeit wegnimmst, denn ich kann mir vorstellen, dass Hermines Mum und Oma auch eine Menge Spaß dabei haben. Und wir wollen ja nicht, dass sie dann auf uns böse sind."

„Ich verstehe, Harry Potter Sir", quiekte Dobby und schlackerte mit den Ohren. Doch Harry war noch nicht fertig und griff plötzlich unter den Weihnachtsbaum zu einem Päckchen, bei dem sich jeder der Anwesenden schon gefragt hatte, für wen es bestimmt war. „Und dann wünsche ich dir noch ein schönes Weihnachtsfest, Dobby."

Harry übergab dem kleinen Elfen das Geschenk und dieser starrte es mit seinen tennisballgroßen Augen fassungslos an. Fast hätte sich sogar eine Träne gebildet, so gerührt schien Dobby. Das Nächste was man aber sah war, wie sich der kleine Kerl an Harrys Bein klammerte und seinem Herren dankte. Danach ploppte es erneut, Dobby war verschwunden und seine Ankunft in der Küche wurde durch drei grelle Schreie bestätig.

„Ich platze gleich", war alles was Harry noch herausbrachte, als er sich auf dem Sofa niederließ. Hogwarts Essen war ja schon eine Lecke, doch was die Grangerfrauen auf den Tisch gezaubert hatten, stellte alles in den Schatten. Mindestens vier Klöße hatte Harry gegessen, von den Fleischteilen verschiedenster Tierarten ganz zu schweigen.

Doch er war nicht der einzige im Hause, dem der Bauch gleich platzte und so kam es, dass Hermines Vater an seine Bar ging und jedem einen Verteiler, sprich Kräuter eingoss. Sogar Hermine trank einen Schluck und Harry konnte es sich nicht verkneifen, seine Freundin aufzuziehen, indem er meinte, dass sie heute dann kein Motorrad mehr fahren durfte. Hermine warf ihrem Freund einen bösen Blick zu und Harry wusste, dass er dafür noch büßen würde.

Gegen drei Uhr am Nachmittag begann es dann wieder leicht zu schneien und man saß gemütlich auf dem Sofa im Wohnzimmer und redete bei leiser Weihnachtsmusik. Hermine hatte sich an Harry gekuschelt und dieser ließ seine Finger durch ihre Locken wandern. Onkel Ben und Henry saßen ihnen gegenüber, während David mit Maggie und den drei Frauen im Esszimmer am Tisch eine Runde Romme spielten. Es war dann schließlich Hermines Vater, der Harry ansah und immer noch nicht glauben konnte, was seine Tochter als Geschenk bekommen hatte.

„Oh man Harry, ich fasse es einfach nicht, eine Harley"

„Natürlich Henry, für meine Liebste nur das Beste. Auch wenn ich weiß, dass wir uns genau so sehr lieben würden, wenn wir uns nur ein paar gemeinsame Stunden geschenkt hätten." Harry musste seinem Schwiegervater doch irgendwie den Wind aus dem Segel nehmen. Ihm bedeutete Hermine alles und er würde sogar sein ganzes Vermögen eintauschen für den Fall, dass Voldemort und die Gefahr die von diesem Monster ausging, dadurch verschwinden würde.

„Weißt du Henry", fuhr der Gryffindor fort, „es soll hiermit noch kein Antrag oder so etwas sein, doch eines Tages, wenn wir Voldemort und seine verdammten Horkruxe vernichtet haben..."

Hermine zog scharf die Luft ein und schaute unsicher zu Viktoria und den anderen Frauen hinüber. Klar hatten sie mit ihren Eltern über Voldemorts Seelenstückchen gesprochen, doch sie waren Muggel und hatte nicht wirklich eine Ahnung, worum es dabei ging. Viktoria hingegen war eine Hexe und konnte unter Umständen doch mal etwas davon gehört haben. Wie konnte Harry dies nur so rausrutschen? Glücklicherweise schien die Hexe am Spieltisch nichts mitbekommen zu haben und so beruhigte sich Harrys Freundin wieder ein wenig.

Allerdings war Onkel Bens Neugier geweckt und er fragte sofort nach diesen Dingern, den Horkruxen und was Harry damit überhaupt meinte. Der Gryffindor schien kurz zu überlegen und erklärte Henrys Bruder, worum es sich dabei handelte. Er erzählte von dem Tagebuch Riddles, der Kette und dem Ring, den Dumbledore zerstört hatte. Und auch von den Horkruxen, die sie noch suchen und vernichten mussten.

Besonders interessiert war Hermines Onkel, als es um die fehlenden Dinge der Gründer ging. Harry wusste zwar von Helga Huffelpuffs Tasse und dass er sie auch schon mal in einer Erinnerung gesehen hatte, doch was die Dinge von Gryffindor und Ravenclaw betraf, da gab er ehrlich zu, dass er noch im Dunkeln tappte. Schließlich waren die einzigen Dinge, die man als Relikte von Gryffindor kannte der sprechende Hut und sein goldenes Schwert. Aber Dumbledore selbst hatte ihm versichert, dass Voldemort niemals eine Möglichkeit gehabt hatte, diese Dinge in die Hände zu bekommen.

Bei Rowena Ravenclaw war die Sache noch komplizierter, weil man sie zwar als Gründerin von Hogwarts kannte, sie aber als erste von den vieren nach einer schweren Krankheit sehr früh gestorben war. Auch gab es widersprüchliche Angaben in welchem Verhältnis sie zu den beiden Zauberern stand. Die einen sagten, sie liebte Godric Gryffindor. Andere wiederum behaupteten, sie sei eine Zeit dem alten Miesepeter Salazar zugetan gewesen. Doch dies alles waren nur Gerüchte und Legenden. Zu wenig war aus der Zeit der Gründung bekannt und selbst Hermines Buch der Bücher, die Geschichte Hogwarts begann erst nach dem Tode der letzten Gründerin; Helga Huffelpuff.

Harry beendete seinen kleinen Vortrag und schaute in die nachdenklichen Gesichter der beiden Männer. Um die Sache ein wenig aufzulockern, und auch um wieder auf das ursprüngliche Thema zu kommen, räusperte sich der Gryffindor kurz und sagte dann mit ernstem Ton. „Und wenn wir dies alles geschafft haben, und wenn Hermines es auch noch will, dann wird ihr eh alles gehören, was ich mein Eigen nenne."

Harrys Freundin zuckte hoch und sah ihn an. Harry ging aber nicht auf ihr überraschtes Gesicht ein und sprach an ihren Vater gewandt weiter. „Eines Tages wird sie auch diesen hier tragen." Dabei wedelte Harry mit seiner Hand über den linken Ringfinger und hob den Tarnzauber auf, der über dem Ring seines Vaters lag. „Eines Tages wird Hermine auch ein Mitglied der alten und ehrwürdigen Potterfamilie sein."

Harry legte seinen Arm um seine Freundin und küsste sie sanft auf den Mund. Dabei entging dem Schwarzhaarigen allerdings, dass Hermines Vater mit großen Augen auf den Rubin an Harrys Hand starrte. Und erst das „Henry, was ist los?" seines Bruders ließ die beiden Liebenden sich wieder trennen.

„Dad, was ist los?", fragte nun auch Hermine besorgt, da sie dieses Verhalten ihres Vaters nicht kannte.

Henry Granger hingegen deutete wie wild auf Harrys Ring und stammelte, „Das... das ist nicht der Ring der Potters." Dann sprang er auf, rannte zu einen riesigen Regal im hinteren Teil des Zimmers und suchte fieberhaft nach einem Buch. Als er es schließlich gefunden hatte, blätterte er es durch und kam zurück.

„Dad was soll das?", fragte Hermine erneut und ihr Vater reichte Harry das Buch. „DAS hier ist der Familienring der Potters. Ich weiß es, weil es einen solchen Stein, so einen lupenreinen riesigen schwarzen Diamanten bisher nur einmal auf der Welt gegeben hat."

Harry nahm Henry das Buch ab und blickte auf die Seite und dort stand es schwarz auf weiß. Sogar eine kleine Zeichnung des Ringes war dabei. Harry musste sich erst mal setzten und fragte sich im nächsten Moment, wem denn nun der Ring an seinem Finger gehörte. Dumbledore meinte damals, dass er sehr wichtig und von unschätzbaren Wert für ihn sein sollte.

Ein Aufschrei von Hermine riss den Schwarzhaarigen aus seinen Gedanken. Der Lockenkopf hatte nämlich, nachdem sie ihren Dad gefragte hatte, woher er das Buch überhaupt habe, in selbigem weitergeblättert. Henry verriet noch schnell, dass er das Buch aus der Winklegasse mitgebracht hatte, weil doch sein Hobby die Gemmologie war. Dann ging sein Blick zu seiner immer blasser werdenden Tochter und als diese das Buch sinken ließ, konnte man ganz deutlich einen Namen unter Harrys Ring sehen... Gryffindor.

Gryffindor ... Gryffindor ... Gryffindor

Der Name raste durch Harrys Kopf und immer wieder starrte er auf den Rubin. Plötzlich jedoch durchzuckte ihn ein anderer Gedanke und sein Gesicht verlor jegliche Farbe. Harry stand auf und rannte hoch in Hermines Zimmer. Von dort kam er nur wenige Augenblick später wieder zurück, in den Händen seinen warmen Wintermantel.

„Harry, was ist los? Wo willst du hin?", fragte Hermine aufgeregt und auch die anderen schauten den Jungen überrascht an.

„Ich muss kurz mal weg, Schatz. Ich muss jemanden was fragen und kann damit nicht warten. Es würde mir sonst den Verstand rauben."

Harry küsste seine Freundin zum Abschied und versprach zum Abendessen wieder da zu sein. Dann verschwand er von der einen auf die andere Sekunde und hinterließ mehrere fassungslose Gesichter. Hermine hatte alle Hände voll zu tun, ihrer Familie nun das apparieren zu erklären.

Es waren gut anderthalb Meilen bis zum Schloss hoch, als Harry vor der Apparierbarriere von Hogwarts aus dem Nichts auftauchte und es wütete ein wirklich eisiger Schneesturm um das Schloss herum. Harry zog seinen Kragen höher und machte sich dann schnellen Schrittes auf den Weg zum Schloss. Dort angekommen liefen ihm mehrere Schüler über den Weg und auch Filch, der ihn sofort anmotzte, was er hier zu suchen und warum er sich nicht die Schuhe abgetreten habe.

Doch Harry war dieses Gemecker im Moment egal. Er wusste wo er hin wollte und ging daher die steinernen Treppen in Richtung von McGonagalls Büro hinauf. Vor dem Gargoyle stoppte der Gryffindor allerdings, denn komischerweise war der Eingang offen und was noch verwunderlicher war, die Treppen führten nach unten zu den Archiven. Harry vermutete mit einem Lächeln, dass die Direktorin vielleicht ein wenig dort unten stöberte oder sich mit Albus Dumbledore unterhielt, da der ehemalige Schulleiter nun auch dort unter in einem Bilderrahmen auftauchen konnte.

Harry ging die steinernen Stufen vorsichtig hinab und folgte dem Weg zu dem für ihn eingerichteten Raum. Und richtig, kaum war er in Hörweite, klang auch schon Dumbledores Stimme an sein Ohr, doch er unterhielt sich nicht wie angenommen mit Professor McGonagall, sondern sein Gesprächspartner war eindeutig männlich. Harry überlegte, wer es sein könnte. Ihm fiel aber nur Professor Styls ein, da Dumbledore ihm am ehesten von diesem Raum berichtete hätte. Umso geschockter war Harry daher, als er die nächsten Worte des Gemäldes vernahm.

„... wer hätte geglaubt, dass er sich so entwickelt. Und seine Liebe zu Ms. Granger wird ihm helfen, Tom auch wirklich zu besiegen, nicht wahr... Sev..."

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