Kapitel 48: Ich bin Joseph

Die Zeit verging und noch immer saß der Axtmann in dem luxuriösen Hotelzimmer, in welches Fiona und ihre Enkeltochter eingecheckt hatten. Ein Whiskey nach dem anderen floss seine Kehle herunter und das ganze Zimmer war in blauen Dunst von den vielen Zigaretten gehüllt. Ihm war nach feiern zumute und er hatte auch jedes Recht dazu. Voller Wut, Hass und Verzweiflung war er wieder in die Welt der Lebenden gekommen, um Fiona wieder zurück zu holen in das Reich der Toten. Er wollte sie umbringen und seiner Wut freien Lauf lassen, doch es kam alles anders…ganz anders und ihm wurde mehr und mehr bewusst, dass wenn es so etwas wie einen Seelenverwandten gab, dass es Fiona Goode war. Egal was geschehen würde, beide würden immer wieder zusammen finden. Entweder in diesen Leben oder auch in dem danach! Beide waren füreinander geschaffen und nichts und niemand würde das jemals ändern können. Und als hätte er ihn unbewusst gerufen, bekam der Axtmann plötzlich besuch.

„Was soll das hier werden? Wie mir scheint bin ich einen Deal mit einen absoluten Versager eingegangen! Ich dachte nachdem ich dir den Kopf gewaschen hatte, würdest du endlich zur Besinnung kommen und deine Arbeit erledigen. Wie mir scheint, bist du dümmer als ich dachte und vor allem schwächer!" Mit missmutigen Blick sah Papa Legba zu den Axtmann herab „Letztens noch habe ich dich in einem erbärmlichen Zustand in einem Drecksloch von Hotel gesehen und nun sitzt du hier und feierst? Darf ich fragen was es zu feiern gibt?"

Mit einem einzigen Zug trank der Axtmann seinen Whiskey aus und sah zu Legba „Was es zu feiern gibt? Die große Versöhnung! Ob es dir gefällt oder nicht mein alter Freund aber Fiona und ich sind wieder auf den besten Weg das zu werden, was immer unser Schicksal war."

„Du bist ein Idiot! Glaubst du wirklich, dass du und diese verfluchte Hexe glücklich sein könnt. Glück ist etwas für gute Menschen und nicht für zwei wahnhafte Mörder."

Ein hämisches Grinsen huschte über das Gesicht des Axtmannes und er stand langsam auf „Da sind wir uns nicht einig mein Freund! Wie definiert man Glück? Ist es nicht für jeden etwas anderes? Erst jetzt ist mir klar geworden, dass ich keine kleine Farm brauche um glücklich zu sein und auch keine Angel. Mir ist klar geworden, dass ich selbst nur dann vollkommen zufrieden sein kann, wenn auch Fiona zufrieden ist und jetzt endlich sind wir an diesen Punkt angekommen, wo wir gemeinsam glücklich sein können."

Völlig verständnislos sah Legba zu den anderen Mann und schüttelte den Kopf „Achja? Und was genau wäre das, was euch beide so zufrieden macht? Das intrigieren und morden?"

„Genau!" antwortete der Axtmann sofort und goss sich noch einen Whiskey ein „Aber nicht nur das! Es ist die Art wie wir es tun und welche Leidenschaft dahinter steckt. Ich wusste immer, dass ich zu ihr gehöre und nun sind wir endlich so weit, dass auch Fiona eingesehen hat, dass ich ihr Seelenverwandter bin."

„Tatsächlich? Und was bringt dich auf diese Idee? Woher weißt du, dass sie dir nicht wieder bei der erst besten Gelegenheit ein Messer in den Rücken rammt?"

Nachdenklich blickte der Axtmann in sein Glas und begann auf eine seltsame berührte Art zu lächeln. Kein hämisches oder dunkles Lächeln, sondern das eines glücklichen Mannes „Sie sagte meinen Namen!"

Ein dröhnendes Lachen ertönte und Legba sah amüsiert und hochnäsig zu den anderen Mann „Sie sagte deinen Namen? Ach nein, ist das nicht süß! Jeder Trottel kann das tun, das ist nichts Besonderes….es bedeutet nichts!"

Wütend knallte der Axtmann sein Glas auf den Tisch und funkelte Legba hasserfüllt an „Du hast keine Ahnung! Es bedeutet ALLES…einfach ALLES! Es ist über 100 Jahre her, dass ich das erste Mal gestorben bin. Über 100 Jahre lang, war ich für jeden nur der Axtmann…ein Massenmörder ohne Namen. Selbst als ich wieder in die Welt der Lebenden dürfte, damals vor 15 Jahren, war ich für alle nur der Axtmann. Es war, als hätte der Axtmann überlebt aber Joseph nicht. Ein Teil von mir war immer tot, bis heute."

Doch das war nicht der einzige Grund. Schon immer wusste er, dass Fiona keine Frau war, die sich schnell an jemanden binden ließ. Sie hielt die Menschen auf Abstand…emotional. Sie war niemand, der sich für private Probleme seiner Mitmenschen interessierte und schon gar nicht Anteil an ihren Sorgen nahm. Je weniger sie wusste, desto bequemer war es für sie. In den letzten 15 Jahren, hatte sie sich geweigert überhaupt zuzuhören, wenn er ihr seinen Namen sagte…..erschien ohne jegliche Bedeutung für sie und nun war alles anders. Sie hätte gehen können, aber sie tat es nicht. Sie blieb an der Tür und lauschte um seinen Namen endlich doch zu erfahren.

Legba hörte zu und winkte dann resigniert ab „Fein, gib dich deinen Wahnvorstellungen von einem schönen trauten Leben hin aber vergiss eines nicht. Ich bin raus aus dem Deal, sehe zu wie du mit der Schlampe allein klar kommst. Ich warte auf euch…..in einem Jahr werde ich die Höllen Tore wieder für euch öffnen und glaub mir, dieses Mal wird es die Hölle werden."

Mit diesen Worten verschwand Legba wieder und ließ den Axtmann wieder allein zurück. Doch jetzt war er nicht länger nur der Axtmann…er war Joseph.