Vielen Dank für eure Reviews :) Nun gehts aber ohne groß weitere Vorrede weiter. - Morti
Kapitel 51 - Todesängste
Remus ließ sich keuchend, seine eigene blutenden Wunden ignorierend, neben James auf die Knie fallen. "Merlin, James. Tu mir das nicht an. Bitte. Ich will Lily das nicht sagen müssen.", flüsterte er, hörte dann aber das stoßweise Atmen des jungen Mannes ebenso wie dessen rasenden Herzschlag.
"Was ist mit ihm?", platze Sirius völlig außer Atem endlich bei James angekommen heraus. Nur flüchtig nahm er den an der Wand lehnenden und sich den blutenden Arm haltenden Peter war. Seine Sorge galt James, der dalag, als sei er tot, auch wenn sich Sirius durchaus im Klaren darüber war, dass der Cruciatus nicht tötete. Nicht im eigentlichen Sinne.
James hörte seine Freunde neben sich, erkannte die Stimmen, konnte sich aber in keinster Weise äußern. Tief im Inneren wusste er, dass das durchaus normal war, vor allem nach so einer heftigen Attacke und dass es nicht hieß, dass er den Verstand verlieren würde. Aber es machte ihm trotzdem Angst. Eine Scheißangst machte es ihm. Und dann durchlief sein Köper erneut eine Welle aus Scherz, die ihn aufkeuchen ließ. Deutlich spürte er wie sich seine Muskeln aufbäumten.
Peter zuckte heftig zusammen, als er sah wie James sich aufbäumte und dabei aufschrie. Er machte sich Vorwürfe. Schwere Vorwürfe, nicht doch eingegriffen zu haben. Er hätte verflucht noch mal nur etwas mutiger sein müssen.
Remus und Sirius griffen sofort nach ihrem Freund, um ihn fest zuhalten, auch wenn sie kaum etwas gegen die Kraft seiner Muskeln, die er nicht mehr unter Kontrolle hatte, tun konnten. Es war ein Reflex. Das Bedürfnis, dass sie etwas tun konnten. Remus bemerkte nicht mal das Blut, das seinen Arm hinunter lief und James' Umhang tränkte.
Die Welle ließ nach und James versuchte krampfhaft, sich irgendwie bemerkbar zu machen, aber nicht mal seine Augenlider wollten ihm gehorchen. Er war dazu verdammt seinen Freunden zuzuhören. Und zumindest Remus schien, auch etwas abbekommen zu haben.
"Du bist auch verletzt.", sagte Sirius besorgt, nachdem James sich wieder entspannt hatte. Vorerst. Er selbst hatte schon oft genug unter diesem Fluch gestanden, um zu wissen, dass dies erst der Anfang war. Der Anfang einiger verdammt langer Tage. Aber es war ein gutes Zeichen, dass James überhaupt noch einen Laut von sich gab.
"Ist halb so wild.", sagte Remus knapp, zog aber sofort den Arm zurück und ließ das grade einsickernde Blut verschwinden. Er wusste nicht, ob James noch andere Verletzungen hatte, abgesehen von der deutlich sichtbaren Wunde am linken Arm. Und seine Lycantrophie war durchaus durch Blut übertragbar. Er wollte in jedem Fall vermeiden, dass James sich so ansteckte, auch wenn das Virus nach kurzer Zeit an der Luft abstarb.
Hinter sich hörten sie irgendwo den Ruf eines Auroren, der seinen Kollegen mitteilte, einen dieser geschockten Todesser gefunden zu haben, ein anderer hatte schon kurz zuvor den von Remus gelähmten entdeckt und beide wurden sie, zumindest nachdem was Remus' Gehör aufnahm, zum Verhör ins Ministerium geschafft.
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Es war unfassbar. Gerade als der Fluch scheinbar von ihm abfiel und er sich orientierte, um sich weg apparieren zu können, wurde er entdeckt und kurz darauf tatsächlich appariert. Allerdings nirgendwohin, wo er gern sein wollte. Die Zähne fest zusammen pressend, starrte Donald Marcus die beiden Auroren an, die ihn nun hielten und versuchte sich von ihnen loszureißen. Verbissen kämpfte er, auch wenn er absolut keine Chance hatte.
"Das hat keinen Zweck, Kleiner.", lachte Dennis Jones und packte noch etwas fester zu, während er den Mann hinter sich her in einen Kerker zog und dort einsperrte. "Mach es dir bequem. Es kann ne Weile dauern, bis wir uns um dich kümmern.", schnappte er und ließ den Zauberstab des Todessers in seine Tasche gleiten. "Obwohl... nach dem, was ihr angestellt habt, glaube ich nicht, dass du je wieder eine Zelle verlassen wirst." Damit versiegelte Dennis die Tür und macht sich auf den Weg zurück zum Hangar.
"Verblendeter NARR!", rief er dem Mann noch hinterher. Dann starrte er das kleine magische Licht an, das über der Tür glühte und der Zelle eine schummrige Beleuchtung verlieh. Es gab ein schmales Bett, einen Stuhl und einen kleinen Tisch. "Mehr als in der Zelle des Meisters.", kommentierte er nur und legte sich erst einmal hin, um sich etwas zu erholen.
Auch beim Dunklen Lord hatte er bereits einmal in einer Zelle gelegen und auf eine Bestrafung gewartet. Wenn er es recht bedachte, hatte er Glück gehabt, dass er nicht sein Leben für sein damaliges Versagen verloren hatte und er wollte gar nicht daran denken, was mit ihm passierte, wenn er hier heraus kam. Sein Meister würde garantiert mehr als ungehalten sein, dass er sich hatte fangen lassen. Nun.. damit würde er fertig werden und wenn der Lord diesmal seinen Tod forderte, würde er ihn bereitwillig geben.
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Lily hatte sich eigentlich auf einen gemütlichen Abend zu Hause gefreut, bewaffnet mit Block und Kuli, um sich Gedanken über ihre Hochzeit zu machen. Gästeliste, das Essen, die Kleidung, magische oder Muggelhochzeit. Sie wollte schon mal ein paar Dinge auflisten, um sie später mit James zu besprechen. Doch um kurz nach neun flammte ihr Kamin auf und ein Zettel flatterte herein, der sie sofort ins St. Mungos rief. Es hatte einen Großangriff gegeben auf einen Hangar am Flughafen, wo grade ein Selbstverteidigungskurs stattgefunden hatte.
Lily war Augenblicklich das Herz in die Kniekehlen gerutscht, wusste sie doch genau, dass James heute Abend dort war, um Henry zu helfen. So schnell sie konnte, apparierte sie zur Arbeit, bekam aber keine Gelegenheit, weiter über James nachzudenken. Es gab genug andere Verletze.
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Dennis hatte den Nachruf dieses Bastards einfach ignoriert. Wer der Narr sein würde, würde sich noch zeigen. Im Hangar angekommen, sah er sich um und entdeckte an einer Wand vier Gestalten, von denen mindestens einer schwer verletzt sein musste.
Zielstrebig ging er auf sie zu. "Wenn Sie verletzt… Scheiße. James. Was ist passiert?", fragte er entsetzt, als er erkannte, wer dort am Boden lag. Und die beiden Männer, die bei ihm waren, waren ihm ebenso vertraut. Sirius Black und Remus Lupin.
"Cruciatusfluch. Du- du weißt schon wer, - war es selbst", erklärte Peter, wegen der Schmerzen stockend, die ihm langsam aber sicher den Verstand raubten und ihn wohl bald in die Bewusstlosigkeit treiben würden, wenn er nicht irgendetwas dagegen bekam.
Dennis nickte Peter, dem vierten im Bunde zu und beschwor eine Trage. Er wollte noch fragen ob die drei es allein schaffen würden, als James sich plötzlich wieder unter einem Aufschrei wand und beinahe von der Trage gefallen wäre, hätte Sirius nicht geistesgegenwärtig zugepackt.
Kaum dass James gespürt hatte, wie er in die Luft gehoben wurde, liegend auf irgendwas, überrollte ihn eine neue Schmerzwelle, die ihm fast den Verstand raubte und aufschreien ließ. Wenn ich wenigstens ohnmächtig werden könnte, dachte er verzweifelt, als es endlich wieder nachgelassen hatte.
Dennis presste fest die Lippen aufeinander, um nicht einen ungehaltenen Fluch auszustoßen. "Ihr kommt allein ins Krankenhaus?", versicherte er sich dann kurz, um nach einem Nickten James auf die Aurorenabteilung zu bringen, wo er sofort versorgt wurde.
James spürte, wie sie ihn untersuchten, seine Wunden heilten. Er hörte, wie sie ihn ansprachen und er versuchte auch, sich bemerkbar zu machen. Nach wie vor vergebens. Sein Körper hatte sich völlig seiner Kontrolle entzogen. Nur die immer und immer wieder über ihn hereinbrechenden Schmerzwellen und sein unmöglich zu unterdrückender Aufschrei zeigten, dass er überhaupt noch auf Reize reagierte. Gefangen im eigenen Köper. So muss Moony sich auch fühlen, stellte James dann fest, um sich irgendwie von dem abzulenken, gegen das er machtlos war. Ein Zustand, den er jetzt schon zutiefst verabscheute.
Lily Evans hatte grade eine Frau mit einer sehr heftigen Verbrennung behandelt, als eine Schwester in grünweißer Uniform auftauchte und sie fragte, ob sie einen James Potter kenne.
Lily starrte sie zunächst entsetzt an, ehe sie stammelte: "Er… er ist mein… Verlobter." Vor ihrem geistigen Auge tauchten alle möglichen Horrorszenen auf. Sie hatte gehört, dass Voldemort selbst anwesend gewesen war und das bedeutete nie etwas Gutes.
"Kommen Sie bitte mit.", bat die Schwester, ohne Lily irgendeine weitere Auskunft zu geben, wofür diese sie am Liebsten zum Mond geflucht hätte. Oh das alles war vergessen, als sie die Aurorenstation betrat und eindeutig James' Stimme hörte, die vor Schmerzen aufschrie. Nichts und niemand konnte sie davon abhalten zu ihrem Zukünftigen zu stürzen, der leichenblass und schweißüberströmt im Bett lag, sich vor Schmerzen krümmend.
"Was… was fehlt ihm?", fragte Lily, mühsam die Tränen zurückhaltend, den Heiler, der bei ihm stand. "Er ist mit dem Cruciatus Fluch gefoltert worden, Miss. Evans. Soweit wir wissen vom Unnennbaren selbst. Er reagiert auf keinerlei äußere Einflüsse. Es tut mir leid.", erklärte der Heiler und verschwand, da er von der anderen Seite gerufen wurde.
Lily presste fest die Lippen aufeinander und tupfte James behutsam den Schweiß von der Stirn. "Ich bin es, Liebling.", flüsterte sie leise, darauf hoffend, dass er auf sie reagieren würde. Doch nichts tat sich, außer dass seine Muskeln zuckten.
James hörte Lilys Stimme sehr wohl und hätte sie am liebsten fest in den Arm genommen. Es machte ihn fuchsteufelswild, dass er sich nicht rühren konnte, sich nicht gegen die Schmerzen wehren konnte, von denen sein Körper wieder und wieder erfasst wurde.
Dennis sah sich, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass Lily zu James gebracht wurde, nach dessen Freunden um und fand sie in einem der Notfallbehandlungsräume, wo sich Remus grade von Sirius verbinden ließ.
"Das ist doch eigentlich Aufgabe der Schwestern.", stellte er nüchtern fest, auch wenn er wusste, dass Remus ein Werwolf war. Eine Tatsache, aus der James, ein Jahr nach Beginn ihrer Aurorenausbildung kein Geheimnis mehr gemacht hatte. Viele sahen James deswegen oft argwöhnisch an, aber der Name Potter war in gewissem Sinn eine Legende. James' Großvater hatte zusammen mit Dumbledore gegen Grindelwald gekämpft und ihn erledigt. Und auch James' Vater war kein Unbekannter und somit hatte auch James eine gewisse Narrenfreiheit, die er aber nie ausnutzte, soweit er es wusste.
"Ihr war es lieber, wenn ich es selbst mache. Was ist mit James?", fragte Remus, ohne auf das verwunderte Gesicht des jungen Mannes einzugehen. "Ich sag euch das nur, weil ihr seine Freunde seid.", begann Dennis und berichtete kurz, was der Heiler ihm gesagt hatte. Dass es, kurz gesagt, ziemlich mies um James stand.
Peter zuckte heftig zusammen, als er das hörte. "Nur weil er mich schützen wollte. Das darf doch nicht wahr sein.", murmelte er leise vor sich hin. Lily bringt mich um. Sie reißt mir den Kopf ab.
"Weiß Lily das schon?", fragte Sirius besorgt um die Freundin, die James wirklich über alles liebte.
"Ich hab dafür gesorgt, dass sie zu ihm gebracht wird.", erklärte Dennis. "Euch kann ich aber nicht rein bringen. Mein Vorgesetzter bringt mich um."
"Schon klar... ein Werwolf, ein Black und nur ein Freund. Verstehen wir.", meinte Remus, während Sirius vor Wut eine Hand zur Faust ballte. Immer wieder stieß er auf Barrieren, die ihm sein Familienname einbrachte. Es war zum Verrückt werden.
Dann trat ein etwas älterer Mann von Hinten an Dennis und die drei Freunde konnten beobachten wie dieser blass wurde. "Diese Schweine!", flüsterte er und sah dann den Mann an. "Weiß Kathrin das schon?" Der Mann schüttelte nur den Kopf. "Gut. Ich sag es ihr selbst. Sie ist im siebten Monat schwanger."
"Ich sorg dafür", kam es von dem älteren, ehe er verschwand.
"Was ist los?", erkundigte sich Remus vorsichtig und zuckte leicht zurück, als er die wutfunkelnden Augen von Dennis sah. "Eines dieser Schweine hat meinen Bruder umgebracht.", zischte er und stürmte dann aus dem Raum, um seiner Schwägerin diese Hiobsbotschaft zu überbringen.
Remus hinterließ für Lily eine Nachricht mit der Bitte, sie solle sofort Bescheid geben, wenn sich an James' Zustand etwas veränderte, ehe die drei verbliebenen Rumtreiber zu Peters kleinem Häuschen apparierten, um den Schock gemeinsam zu verarbeiten und auch Albus Dumbledore von diesem Vorfall zu informieren. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Schon als sie das Krankenhaus verlassen hatten, wurde Remus flau im Magen und er fühlte sich benebelt. Kaum dass sie Peters Haus dann erreicht hatten, gaben seine Knie nach und irgendetwas zog ihn mit aller Gewalt in eine tiefe, alles verschluckende Dunkelheit.
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Lily wagte es nicht, auch nur eine Minute von James' Bett zu weichen, dessen Köper sich immer wieder unter Schmerzen aufbäumte, die ihn aufschreien ließen, bis seine Stimmbänder versagten. Das Schlimmste für sie war, daneben zu sitzen und nichts tun zu können, außer ihm die Hand zu halten, oder den Schweiß von der Stirn zu wischen. Sie wusste nicht, ob er sie verstand, sie überhaupt noch erkannte.
James kämpfte die ganze Nacht gegen die Schmerzen, die seinen Verstand zunehmend vernebelten. Krampfhaft rief er sich seine Schulzeit in Erinnerung. All die schönen Momente mit Sirius, Remus und Peter, seine Versuche, Lily zu erobern. Die Ohrfeigen, die Abfuhren und der Moment, wo sie dann endlich ausgegangen waren. Die letzen Jahre, in denen sie sich mehr und mehr lieben gelernt hatten und ihre jetzige bevorstehende Hochzeit. Er nahm sich fest vor, sie nicht allein zu lassen. Niemals. Er würde nicht aufgeben. Er hatte noch nie klein bei gegeben. Nicht mal der Tod würde ihn von seiner Lily trennen können und dieser Zustand schon gar nicht.
Er wusste nicht, wie viele Stunden er unter diesen Höllenqualen gelitten hatte. Für ihn war es als seien es Wochen gewesen, wahrscheinlicher waren aber wohl nur ein paar Stunden. Das was seine Aufmerksamkeit erregte, war das veränderte Körpergefühl. Irgendwas hatte sich geändert. Vorsichtig versuchte der junge Mann die Augen zu öffnen und tatsächlich, es klappte. Es war mühsam und schmerzhaft, aber es klappte. Nachdem er noch sehr viel mühsamer den Kopf zur Seite gedreht hatte, wo sich grade jemand bewegt hatte, erkannte er seine Verlobte. Sie saß neben ihm auf einem Stuhl, währen ihr Kopf, den sie in beiden Armen vergraben hatte, auf der Matratze ruhte. Ihre leuchtendrote Haarmähne ergoss sich in Wellen über sie und ihren Rücken. Und wenn James nicht alles täuschte, weinte sie leise.
Mühsam, und unter heftigen Schmerzen, verbissen das Aufkeuchen unterdrückend, tastete er nach ihr, um sie zu berühren. Nur um sicher zu gehen, dass sie real war und nicht nur eine Einbildung. Das er doch den Kampf verloren hatte, sein Geist ihm etwas vorspielte.
Lily schreckte hoch. Sie war tatsächlich eingeschlafen. Eingeschlafen während James sie doch so sehr brauchte. Gehetzt sah sie sich einen Moment um, bis ihr Blick auf ihren Verlobten fiel, der sie tatsächlich ansah, sogar versuchte zu lächeln, bis ihn scheinbar eine erneute Schmerzwelle erfasste und stumm aufschreien ließ.
So war das nicht geplant, gestand James sich. Er hatte Lily nicht so aus dem Schlaf reißen wollen, aber als ihre Blicke sich trafen, er in die verweinten Augen sah, ging ihm das Herz auf, obwohl es zugleich schmerzte, sie so zu sehen. Die Schmerzen wurden aber kurz darauf derart real, dass er sich einen Aufschrei nicht verkneifen konnte. Zumindest wollte er schreien, doch seine Stimme war nicht mehr als das Krächzen eines kranken Vogels. Aber wenigstens waren die Wellen nicht mehr ganz so stark und die Zeitspannen zwischen ihnen wurden länger.
"James?", fragte Lily leise, nachdem der Köper ihres Verlobten wieder in sich zusammengesunken war.
James wollte ihr antworten, doch allein schon bei dem Versuch brannte seine Kehle wie Feuer. Seine Stimmbänder waren wohl überreizt, außerdem war sein Mund staub trocken. Ihm blieb also keine andere Wahl, als ihr mühsam den Kopf zuzuwenden und sie anzulächeln.
Lily schossen unwillkürlich Tränen in die Augen. James reagierte auf sie. Er reagierte tatsächlich. Es gab also noch Hoffnung. Ohne darüber nachzudenken, was sie James damit antat, zog sie ihn in ihre Arme und drückte ihn fest an sich.
James keuchte entsetzt wegen der plötzlich ruckartigen Bewegung, unter der seine eh schon strapazieren Muskeln protestierten. Zudem fehlte ihm die Kraft, die Umarmung zu erwidern, er konnte Lily nicht mal ansatzweise berühren, weil ihm dazu einfach die Kraft fehlte.
"ER IST MEIN SOHN!" donnerte es plötzlich über die gesamte Krankenstation und Lily ließ James zurück in die Kissen sinken. Es war eindeutig die Stimme ihres Schwiegervaters in spe gewesen.
Kurz darauf tauchte auch dessen zorngerötetes Gesicht am Vorhang auf. "Lily", sagte er aber dennoch mild und nahm sie in den Arm. "Wie geht es ihm? Diese Waschlappen meinten er würde ein Pflegefall bleiben.", erklärte der etwa an die 50 jährige Mann sich schwer auf seinen Gehstock stützend. Er hatte erst in den frühen Morgenstunden eine Eule bekommen, in der er benachrichtigt wurde, dass sich sein einziger Sohn mit Voldemort persönlich angelegt hatte und nun schwer verletzt im Krankenhaus lag.
Lily wollte grade antworten, als James hinter ihr sich erneut aufbäumte und sie dessen Vater, der schlagartig kreide bleich geworden war, stützend zum nächsten Stuhl schob.
Die kräftige Stimme seines Vater hatte James gar nicht entgehen können. Und wäre es ihm besser gegangen, hätte er wahrscheinlich sogar darüber gelacht, wie sehr sein Vater sich aufregte. Doch dazu fühlte er sich im Moment nicht in der Lage, und dann jagte auch schon der nächste heiße Schmerz durch seinen Köper. Mittlerweile war es ein Gefühl, als würde man ihn bei lebendigem Leib häuten.
Lily tupfte James vorsichtig die Stirn ab, nachdem dessen Körper sich beruhigt hatte und sah vorsichtig zu Mathew Potter auf, der aschfahl im Gesicht war. Seine rechte Hand umklammerte fest den Stock, ohne den er nach dem Schlaganfall vor einem halben Jahr kaum zwei Schritte gehen konnte. Seine linke Hand lag in seinem Schoß, verkrampft zu einer Faust, obwohl er auch sie nur wenig bewegen konnte. "Beruhig dich.", bat Lily leise und sah dann James an, der ihr besorgtes Lächeln verkniffen erwiderte. "Gib deinem Dad doch bitte ein Zeichen, dass du mich verstehst, ja?" Und auch mir, damit ich sicher sein kann, dass ich das nicht träume, setzte sie in Gedanken dazu.
James verstand die Bitte sehr wohl. Sein Vater war mehr als impulsiv und noch dazu schwer krank. Aufregung war alles andere als gut für ihn. Aber es kostete ihn einiges an Kraft, um auch nur ein wenig den Kopf zu drehen und mit den Lippen ein ‚alles klar' zu Formen. Aber das schien seinem Vater schon zu reichen, dessen Gesicht sich aufhellte und ihm tatsächlich ein paar Tränen auf die Wangen zauberte.
"Junge… jag mir nie wieder so einen Schrecken ein. Nie, nie wieder. Hörst du? Ich will dich nicht auch noch an diese Dreckskerle verlieren.", schniefte Mathew und nahm dankend das Taschentuch entgegen, das ihm Lily reichte.
Die junge Frau legte ihm ruhig eine Hand auf die Schulter. Vor drei Jahren, kurz nachdem James zu Hause ausgezogen war, hatte Mathew seine Frau verloren. Sie waren von einer Feier gekommen und von Todessern überfallen worden. Zwar waren sehr schnell einige Auroren gekommen, aber für Dorea kam jede Hilfe zu spät und Mathew hatte sich entsetzliche Vorwürfe gemacht seine Frau nicht gut genug beschützt zu haben. Er hatte begonnen sich mehr und mehr von allen zurück zu ziehen und im Alkohol zu versinken und je mehr James versucht hatte ihn ins Leben zurück zu holen, desto schlimmer war es geworden bis vor einem halben Jahr. Eine völlig verschreckte Hauselfe war bei ihnen aufgetaucht und hatte sie um Hilfe gerufen, da sie den Hausherren scheinbar leblos in dessen Arbeitszimmer gefunden hatte. James und Lily waren sofort zu ihm geeilt, allerdings hatte der alte Herr sämtliche Schutzzauber um das Haus aktiviert, so dass sie fast fünf Minuten brauchten, um überhaupt in die Einfangshalle gelangen zu können. Und dann war das Arbeitszimmer ebenfalls noch mal mit diversen Schutzflüchen belegt gewesen, die James alle einzeln hatte brechen müssen, was noch mal gute zehn Minuten gedauert hatte.
Als Lily sich dann endlich um den Mann kümmern konnte, war er tatsächlich mehr tot als lebendig gewesen. Er hatte einen schweren Schlaganfall erlitten und war nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Man musste aber zugeben, dass er sich seitdem sehr gut erholt hatte. Nur seine linke Hand wies noch Lähmungserscheinungen auf, ebenso wie das linke Bein. Ob er je wieder gesund werden würde, konnte keiner sagen. Doch Mathew selbst kam gut zurecht und hatte seit diesem Vorfall auch keinen Tropfen mehr angefasst.
"Bleib du bei ihm. Ich geh uns was zu trinken holen und mich kurz frisch machen.", sagte Lily und drückte ihm das nasse Tuch in die Hand. Sie musste einfach einen Moment an die Luft, um sich selbst wieder zu beruhigen.
James sah seiner Zukünftigen kurz hinterher und warf dann seinem Vater einen Blick zu, der da saß, als hätte sie ihm gesagt, er solle seinen Sohn umbringen. Mit einem nicht gezeigten Schmunzeln erinnerte sich James daran, dass sein Vater noch nie gut darin gewesen war, ihn zu pflegen. Das hatte er immer seiner Mutter überlassen. Als noch ganz kleiner Junge hatte es ihm immer sehr weh getan, dass sein Dad nicht auch mal an sein Bett gekommen war. Er hatte sogar Angst gehabt, dass sein Vater ihn nicht lieben würde. Aber heute wusste er es besser.
Mathew Potter musterte seinen Sohn nachdenklich und rutschte etwas unbeholfen mit dem Stuhl näher, um mit dem kühlen Tuch das Gesicht seines Sohnes abzuwischen. "Jami, du bringst mich noch ins Grab.", murmelte er. "Dich mit Voldemort selbst anzulegen! Hast du eine Ahnung, wie viele das bisher überlebt haben? Niemand! Niemand hat ein Duell mit ihm überstanden. Er ist noch schlimmer als Grindelwald. "
Ich schon, dachte James und schloss erschöpft die Augen. Er war todmüde, aber in ihm pulsierte die Angst, nicht wieder aufzuwachen. Deswegen verbot er es sich einzuschlafen. Etwas das von der nächsten Schmerzwelle hart auf die Probe gestellt wurde.
"James!", keuchte Mathew entsetzt. Es tat ihm in der Seele weh, seinen Sohn leiden zu sehen. Das hatte er noch nie gekonnt. Deswegen hatte er sich auch immer verkrochen, wenn der Junge krank gewesen war. Er hatte dann immer das Gefühl, versagt zu haben. Ihn nicht genug beschützt zu haben.
Lily beeilte sich an James' Bett zu kommen. Sie hatte zwei Becher Kaffee herbeigezaubert und war kurz im Bad gewesen. Mathew saß direkt an James' Bett und hielt behutsam die Hand des schon wieder schwer atmenden, blassen jungen Mannes. Leise trat sie an das Bett und strich James vorsichtig durch das schweißnasse Haar, ehe sie ihren Zauberstab zog und einen Diagnosezauber über ihn sprach, unter den wachsamen Augen ihres zukünftigen Schwiegervaters. Sie schloss kurz die Augen und löschte dann den Zauber, ehe sie James in die rehbraunen Augen sah.
Lilys Blick sprach Bände. Etwas stimmte nicht. James sah es ihr an der süßen Nasenspitze an. Sie hatte irgendwas entdeckt, das ihr Sorgen machte. Und er wollte wissen, was los war. Und er würde es wohl nur von ihr erfahren. Die anderen hielten ihn wohl eh schon für verrückt. Deswegen nahm er auch alle Kraft zusammen, die er aufbringen konnte und konzentrierte sich darauf zu fragen, was los war. Aber seine Stimme gehorchte ihm einfach nicht.
"Sch", machte Lily und legte ihm einen Finger auf die Lippen. "Nicht sprechen. Das kostet dich zu viel Kraft. Und die brauchst du.", flüsterte sie und hauchte ihm dann einen Kuss auf die Wange. "Versuch etwas zu schlafen. Das wird dir gut tun."
Mathew sah deutlich, dass seine Schweigertochter sich Sorgen machte. Ernsthafte Sorgen. "Sie hat recht, Jami. Ruhe ist das wichtigste. Dann bist du im Handumdrehen wieder auf den Beinen", versuchte er dann aber auch sein Glück und wie es schien, gab James nach.
Bei so viel Überzeugungskraft war es schwer stand zuhalten. Zumal Lilys wärmende Hand, die grade seine Wange streichelte und der Kuss ihn einlullten in purer Glückseligkeit. Er nickte nur leicht, ehe er die Augen schloss und den Kampf gegen die Müdigkeit aufgab.
Mit feuchten Augen beobachtete Lily, wie James davon driftete und sie betete zu allen Göttern, dass es nicht für immer war. So sehr sie ihn früher – zu ihrer Schulzeit – einmal gehasst hatte, so sehr liebte sie ihn heute. Und ihn zu verlieren... nicht einmal ein halbes Jahr vor ihrer Hochzeit, das würde sie nicht ertragen können.
"Lily? Was ist mit ihm?", fragte Mathew, nachdem er einen Moment lang geschwiegen hatte, um sicher zu gehen, dass sein Sohn wirklich schlief.
"Er ist noch lange nicht über den Berg. Die Folgen nehmen nur langsam ab und zehren seinen Körper aus. Jedes Mal spannen sich seine Muskeln bis zum Zerreißen an. Die Nervenenden sind vollkommen überreizt und noch hilft kein Trank. Nicht einmal, um es zu lindern. Ich kann nichts tun.", erklärt die Frau, den Tränen nah.
Mathew schloss kurz die Augen und zog Lily dann zu sich herum und in seine Arme. "Sch… Jami ist hart im Nehmen. Er wird das packen. Geh und leg dich schlafen. Ich bleib hier bei ihm und wenn sich irgendwas tut, weck ich dich. Versprochen."
Lily wischte sich die Tränen aus den Augen und nickte. Sie wusste, dass sie sich auf Mathew verlassen konnte. Außerdem war sie einfach am Ende. Sie half James nicht, wenn sie die Nerven verlor oder zusammenbrach. Außerdem war nicht weit von hier noch ein Bett frei. Eine der Heilerinnen hatte heute Nacht schon einmal darauf hingewiesen, nur sie hatte James einfach nicht allein lassen wollen.
Mathew sah Lily noch einen Moment nach und setze sich dann wieder auf den Stuhl an James' Bett, dessen Körper sich immer mal wieder heftig anspannte und sein Gesicht zu einer grotesken Maske werden ließ, die nur zu deutlich zeigte, dass er Höllenqualen litt. Es fiel Mathew schwer, das mit anzusehen und nicht sofort raus zulaufen. Aber er riss sich zusammen. Sein Junge brauchte ihn jetzt. Deswegen nahm er auch dessen Hand und redete leise, beruhigend auf ihn ein.
Wieder und wieder erlebte James Schmerzattacken. Spürte wie sein Körper sich aufbäumte, schaffte es aber nicht aufzuwachen, diesem mentalen Gefängnis zu entkommen.
Lilys Schlaf war unruhig und durchzogen von Albträumen in denen James als Pflegefall ans Bett gefesselt war, oder sie gar nicht mehr erkannte. Keuchend erwachte sie nach nur drei Stunden und brauchte einige Minuten, um sich wieder zu beruhigen. Als sie zu James kam, war auch grade ein Heiler anwesend und Mathew beobachtete ihn kritisch, während James selbst aussah, als würde er friedlich schlafen. Nur die Schweißperlen auf seiner Stirn, die leichenblasse Gesichtsfarbe und das zerwühlte Bett zeigten, dass er wohl auch eine harte Zeit hinter sich hatte.
"Was ist nun?", fragte Mathew knurrend, da der Heiler für seinen Geschmack schon viel zu lang diese Zahlen und Buchstaben anstarrte.
"Ihr Sohn ist sehr entkräftet.", erklärte der junge Mann, der doch sehr erstaunt darüber war, dass der Patient hier vor ihm überhaupt noch eine Reaktion auf die Schmerzen zeigte, abgesehen von dem Anspannen der Muskeln, das nicht bewusst von ihm ausging. Eine Reaktion, die der Körper in diesem Fall von ganz allein tat. "Ich kann Ihnen nicht sagen, ob er es übersteht, und wenn ja, in welchem Zustand.", erklärte er und löschte dann den Diagnosezauber. "Tut mir leid, dass ich Ihnen nicht mehr sagen kann."
Mathew Potter verkniff sich jedweden Kommentar dazu, denn alle hätten in irgendeinem Fluch geendet. Stattdessen nahm er wieder die Hand seines Sohnes, der in diesem Moment die Augen aufschlug.
"James", keuchte Lily erfreut und erschocken zugleich und trat einen Schritt näher an das Bett, aus dem ihr Verlobter sie mit glasigen Augen ansah, ehe sein Körper sich wieder verspannte und er lautlos aufschrie.
Er hatte es geschafft. Er hatte die Grenze zwischen Schlafen und Wachen überwunden, wenn auch nur grade. Und just in diesem Moment musste eine erneute Schmerzwelle seine Kraft auf die Probe stellen und er war fast versucht ihr nachzugeben. Aber nur fast. Der Duft von Lily, und eine Raue Hand, von der er glaubte, sie würde seinem Vater gehören, hielt ihn fest, gab ihm die Kraft nicht sofort wieder einzuschlafen.
Der Heiler sah sich erstaunt um und beobachtete wie der Blick des Auroren ziellos umher irrte. Ein deutliches Anzeichen für einen schweren Cruciatusfluchschaden. Innerlich seufzte er auf.
"Mr. Potter? Können sie mich hören?", fragte er dennoch zurück ans Bett tretend und erneut seinen Zauberstab ziehend.
James hörte den anderen Mann, sah ihn verschwommen, bis ihm seine Brille aufgesetzt wurde. Es war ein Heiler. Er versuchte ihm zu antworten, aber ihm fehlte die Kraft dazu. Stattdessen richtete er seinen Blick auf Lily, die mit zerzausten roten Haaren neben ihm stand und versuchte ihr ein Lächeln zu schenken.
"Schon gut, Liebling.", flüsterte Lily ihm zu und sah zu dem Heiler auf. "Er hat uns gestern Abend schon verstanden und sie sagten doch selbst, er ist entkräftet.", meinte sie und zog dann ihren eigenen Stab um James Kopfteil etwas aufzurichten, ehe sie ein Glas Wasser beschwor, dass sie James vorsichtig an die spröden Lippen hielt.
Gierig, wie ein Ertrinkender, schluckte James etwas von Flüssigkeit und sank anschließend in Lilys stützende Arme.
Der Heiler seufzte und ließ sie allein. Er wusste, dass Lily Evans ebenfalls hier arbeitete und er hatte sehr viel mehr zu tun, als sich eine Endlosdiskussion mit einer sturen Heilerin zu liefern.
"Lily, sei ehrlich. Wie schlecht steht es um ihn?", fragte Mathew mit einem kurzen Seitenblick auf seinen Sohn, den Lily in ihre Arme gezogen hatte.
James genoss diese Wärme, den blumigen Duft von Lilys Haaren. Es gab ihm Kraft. Die Kraft, die er brauchte, um das durchzustehen. Doch die Frage seines Vaters ließ ihn aufsehen. Er klang verzweifelt.
Lily sah etwas erstaunt zu ihrem Schwiegervater in spe auf, sagte aber nichts dazu, da James sich in ihren Armen zusammenkrümmte.
Die Schmerzen ließen ihn keuchen und er gab es auf, sich gegen die Schmerzen zu wehren. Er ließ es einfach geschehen, obwohl es das auch nicht viel erträglicher machte. Als es vorbei war, lag er in Lilys Schoß, zusammengerollt wie eine Katze.
Vorsichtig zog diese James aber wieder hoch und legte ihn zurück in die Kissen, wo sie ihm liebevoll über die Wange strich. "Du lässt mich nicht allein, oder?", fragte sie heiser, mit Tränen in den Augen. "Du bleibst bei mir, du stehst das durch, nicht wahr?"
James schloss für einen Moment die Augen und sammelte Kraft, um dann zu nickten. Eine Geste die Lily zu beruhigen schien.
"Kannst du ihm noch immer nichts geben, das ihm hilft?", erkundigte sich Mathew besorgt, dem es zu viel wurde. Er konnte seinen Sohn nicht mehr leiden sehen.
Lily seufze und zog ihren Zauberstab, um sich selbst auch einmal den Zustand von James anzusehen. Und was sie sah, war erschreckend. Es war in ihren Augen ein Wunder, dass James überhaupt bei Bewusstsein war. Er musste einen enormen Willen aufbringen. "Es wäre gefährlich ihm etwas zu geben. Sein Körper wird kaum mit den Fluchfolgen fertig. Es könnte sein, dass er ins Koma fällt und nie wieder zu sich kommt.", sagte Lily leise und beobachtete ihren Schwiegervater genau. Er sah schlecht aus. Ihn musste das hier sehr mitnehmen. "Geh ruhig, wenn du nicht mehr kannst. Ich bleib hier bei ihm. Ich kann dir ja Bescheid geben, wenn sich etwas ändert.", sagte sie und James schien dem zustimmen zu wollen.
"Nein. Ich bleibe. Er ist alles, was ich noch habe. Ich lass ihn nicht allein.", erklärte Mathew bestimmt aber auch wieder besseren Wissens. Aber er wollte nicht noch einmal versagen. Er hatte schon seiner Frau nicht beistehen können. Er würde hier bei seinem Kind bleiben.
"Na gut. Ich werd uns was zu essen besorgen. Und anschließend legst du dich hin und ruhst dich aus.", erklärte Lily und nutzte auch die Gelegenheit James' Freunden, von denen sie durch die Nachricht von Remus wusste, dass sie bei Peter waren Bescheid zu geben, dass James sie erkannte.
James unterdessen beobachtete seinen Vater genau, nachdem dieser ihm seine Brille wieder auf die Nase geschoben hatte. Er zitterte leicht, und sah aus wie eine Leiche. Er sollte sich wirklich hinlegen, ehe er auch noch hier liegt, stellte James nüchtern fest, wusste aber nicht, wie er seinem Vater das mitteilen sollte.
Doch das erübrigte sich, da Lily ziemlich resolut war und ihn, nachdem er etwas, wenn auch nur wenig, gegessen hatte, ins Bett verfrachtete. Als sie dann wieder zu James kam, holte sie eine Phiole aus der Tasche. "Ein einfaches Schmerzmittel, das deinen Körper nur leicht belastet. Das einzige, wozu der Heiler bereit war, ohne Garantie, dass es wirkt.", erklärt sie, ihm sanft über die Wange streichend.
James nickte leicht. Ein Versuch ist es Wert. Lily entkorkte das Fläschchen, um es James an die Lippen zu halten. Und der merkte schon nach dem ersten Schluck, dass es half. Nur ein wenig, aber das dumpfe Pochen, welches immer wieder durch seinen Körper jagte, ebbte etwas ab. Das einzige Problem war dabei nur, dass ihn eben genau das davon abgehalten hatte wieder einzuschlafen.
Lily sah, dass James' Anspannung lockerer wurde und ihm immer wieder die Augen zu fielen. Deswegen nahm sie ihm auch behutsam seine Brille ab und kuschelte sich neben ihn. "Schlaf noch eine Weile. Ich bleib hier bei dir. Und wenn du aufwachst, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.", hauchte sie ihm zu, ein Zittern in ihrer Stimme nur mit Mühe unterdrücken könnend. Sie hatte immer noch Angst ihn zu verlieren.
Die Wärme und Lilys weiche Stimme, sowie auch die zarte Hand auf seiner Brust taten ihr übriges dazu, dass James den Kampf gegen Morpheus verlor. Das einzige, was seinen Geist von Zeit zu Zeit wieder etwas lichter werden ließ, waren die Schmerzwellen.
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TBC
Das nächste Kapitel gibt es entweder wieder nächsten Montag, oooder wie gehabt nach dem 5. Review :)
