Ich muss gestehen, ich habe schlicht und ergreifend vergessen, hier zu posten. Ich war mehr damit beschäftigt, auf einer anderen Seite mit dem Posten aufzuholen, zumal mich die Leute da auch daran erinnert haben, dass ich mal wieder posten müsste.

Hier nun also endlich das nächste Kapitel, falls tatsächlich noch jemand interessiert sein sollte.

Kapitel 34

Am Abend verließ eine Gruppe Freunde Esgaroth, um in der Ebene zu Feiern und die Nacht zu verbringen - so jedenfalls die Geschichte, die sie dem Wächter erzählten, als sie mit dem Boot aus der Seestadt herausfuhren. Verborgen in den Fässern, die in den Augen der meisten Bewohner zur Standardausstattung des Boots gehörten, und die sie deshalb nur unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter des Bürgermeisters untersuchten, befanden sich die Pfeile, die Hermine verwandelt hatte. Es waren viele Pfeile, damit es ihnen nicht wie Bards Vorfahren Girion gehen würde, dem im wichtigsten Moment die Munition ausgegangen war.

Nach einiger Diskussion hatten Hermine und Bilbo entschieden, dass der Hobbit bei Bards Kindern bleiben würde und auf den Arkenstein acht geben würde. Er hatte mit kommen wollen, aber Hermine war sich ihres Plans nicht sicher und wollte ihren Freund, der mit einem Bogen ebenso schlecht umgehen konnte wie sie, nicht unnötig der Gefahr aussetzen.

"Was würdest du gegen Smaug ausrichten wollen?", hatte Hermine gefragt, und dabei nicht anschuldigend oder herablassend geklungen, sondern resigniert. "Mit deinem Schwert kannst du inzwischen einigermaßen gut umgehen, aber es wird dir nicht gegen Smaug helfen. Bitte Bilbo. Du hast deinen Mut bewiesen, tu jetzt nichts dummes." Und da verstand Bilbo, der sich durch die Zwerge daran gewöhnt hatte, sich beweisen zu müssen und so zu tun, als hätte er keine Angst, dass Hermine nichts lieber tun würde als sich ebenfalls von Smaug fern zu halten. Aber sie hatte Fähigkeiten, die sonst keiner besaß und sah es daher als ihre Pflicht an, zu versuchen, Bard und seine Freunde zu beschützen. Vor Hermine musste er sich nicht dafür schämen, dass er trotz aller Abenteuer, die im nachhinein betrachtet, wenn alles vorbei und gut ausgegangen war sogar sehr aufregend waren, ein friedliches, sicheres Leben bevorzugte. Denn ihr ging es genauso. Und so fühlte Hermine sich ziemlich alleine, als sie gemeinsam mit Bard und seinen Freunden ihr Lager aufbaute, und war sich den neugierigen und nicht selten skeptischen Blicken der Männer nur zu bewusst.

Keiner von ihnen sprach ein Wort mit ihr, dafür wich Bard nicht von ihrer Seite und entschuldigte sich für das Misstrauen seiner Freunde. Zusammen überlegten sie, wie sie am besten vorgehen sollten, wenn Smaug auftauchen sollte. Sie mussten dafür sorgen, dass er sie nicht einfach ignorierte, und zugleich verhindern, dass er sie schon von weitem mit einem Feuerstoß vernichtete. Seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen sollte durch den Sonorus nicht allzu schwer werden, aber alle Schutzzauber, die Hermine um das Lager legen konnte, die es zugleich nicht vollkommen verbargen, waren gegen Feuer unerprobt, oder es stand zumindest nichts in den Büchern, aus denen Hermine die Zauber gelernt hatte. Sie konnte daher keine Garantie dafür geben, dass sie ihnen helfen würden.

"Ich fürchte, wir müssen einfach hoffen, dass wir ihn schnell genug besiegen können. Und falls er anfängt zu reden, uns zu verspotten, sollten wir versuchen, ihn dazu zu animieren, nicht aufzuhören. Ich glaube nicht, dass er zwischen zwei Sätzen Feuer spucken kann." Es war Bard, der seinen Freunden diese Nachricht schließlich übermittelte, bevor die Zeit des Wartens begann. Und Hermine machte sich Sorgen, denn sie wusste nicht, wie sie Smaug aufhalten sollte, wo er doch nur an wenigen Stellen empfänglich für Magie war, und wenn sie jene traf, könnte ebenso gut ein Pfeil ihn dort treffen und ihn sofort töten. Sie musste ihn irgendwie verlangsamen, ohne ihn direkt anzugreifen, sondern indirekt, durch die Umgebung. Nur wie? Erst als es, begleitet vom Gefluche der Bogenschützen, am Ende der Nacht begann zu regnen, kam ihr eine Idee. Wenn der Drache nur nicht zu lange auf sich warten lassen würde... Aber die Zwerge enttäuschten sie nicht.

Schon als Smaug den Berg mit einem Feuerstoß verließ, der das Licht der aufgehenden Sonne übertönte, wurde deutlich, dass seine Geschwindigkeit ihr größter Feind sein würde, was sie zwar schon vermutet hatten, aber bis zu diesem Moment verdrängt hatten, da sie nicht wussten, wie sie etwas daran ändern könnten. Ein Ziel zu treffen, dass sich so schnell bewegte, war schwer, und in diesem Fall mussten sie gut treffen. Trotzdem hatte Hermine das Gefühl, dass Smaug sich schwerfällig bewegte, langsamer, irgendwie unnatürlich, als wäre der Drache etwas anderes gewohnt. Und in der kurzen Zeit die es dauerte, bis er so nah bei ihnen war, dass sie reagieren mussten, konnten sie auch erkennen warum. Seine Flügel waren teilweise von glänzendem Metall überzogen, das seine Bewegungen einschränkte, und an einer Seite seines Bauches war ein dunkelroter Fleck, der sich gegen das rote Glühen des Feuers, das durch Haut und Schuppen hindurch leuchtete, stark abhob. Sie konnten sich weder sicher sein noch lange darüber nachdenken, was für eine Art von Verletzung es sein könnte, aber dass es sich um eine solche handelte, daran bestand für sie alle kein Zweifel, ebenso wenig daran, dass sie Smaug Schmerzen bereitete. Die Zwerge hatten also Erfolge verbuchen können. Wenn sie jetzt auch noch wüsste, ob sie alle am Leben waren, und Smaug nicht im Anflug wäre, wäre Hermine erleichtert. So jedoch musste es warten.

"Smaug!" rief sie dem Drachen mit durch den Sonorus verstärkter Stimme zu. Es erfüllte seinen Zweck sofort und zog die Aufmerksamkeit der rasenden Bestie auf ihre kleine Gruppe. Schnell beendete sie den Zauber wieder und hielt sich bereit, bis Smaug nahe genug bei ihnen war.
Die ersten Pfeile wurden abgeschossen und verloren an Höhe, als sie ihren ersten Versuch startete.

"Incarcarus!" Sie mochte zwar nicht den Drachen selbst verfluchen oder verzaubern können, aber für die magischen Seile, die sich um den Drachen zu wickeln begannen, war er nur ein Ziel, davor konnte seine Haut ihn nicht schützen. Smaug schwankte, als seine Bewegungen eingeschränkt wurden und sackte einige Meter ab, was die Bogenschützen sofort veranlasste, erneut ihr Glück zu versuchen. Eine Hand voll Pfeile traf mit leisem Klirren auf Drachenschuppen, aber sie waren nicht stark genug, sie zu durchbohren und prallten harmlos an ihnen ab. Dann zerriss Smaug mit einem Ruck die dünnen Seile.

"Wer wagt es, sich mir entgegen zu stellen?", wollte er donnernd wissen und starrte die Menschengruppe eindringlich an.

"Bist du etwa blind, alter Drache? Sonst wüsstest du, dass wir nur eine Gruppe einfacher Menschen sind, die nicht zulassen werden, dass du ihre Heimat zerstörst!", antwortete Bard so laut er konnte. Vermutlich hätten die beiden sich noch eine ganze Zeit darüber unterhalten können, wie ein Mensch auf die Idee kam, er könnte einen Drachen aufhalten, aber Hermine hatte dafür keine Geduld.

"Schließt eure Augen", zischte sie plötzlich, als sie einen Geistesblitz hatte. Zum Glück, und wohl auch nur, weil sie sahen, dass Bard der Aufforderung ohne zu zögern nachkam, taten bis auf einen Bogenschütze alle, wie ihnen geheißen war. Hermine prüfte es nicht und verschwendete erst recht keine Zeit damit, Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern zielte mit dem Zauberstab auf Smaugs Gesicht, das auch bei seinem Flug um sie herum eine angenehme Zielscheibe bot.

"Bombarda!" Wie erwartet fügte der Zauber Smaugs Haut keinen nennenswerten Schaden an, aber die Männer, die ihren Augen nach Hermines Ausruf wieder öffneten, sahen, wie Smaug im Flug schwankte, blinzelte und den Kopf schüttelte, als wolle er etwas störendes vertreiben. Die Explosion direkt auf seiner Nase hatte ihn kaum verletzt, aber der helle Lichtblitz, der dabei entstanden war, hatte ihn geblendet. Selbst der Mann, der die Augen nicht geschlossen hatte, blinzelte gegen die Lichtflecken vor seinen Augen an. Und Smaug landete.
Bevor er sich von seiner Benommenheit erholen und sie einfach niedertrampeln konnte, begann die kleine Gruppe ihren Angriff. Während einige, darunter auch Bard, versuchten, die ungeschützte Stelle ausfindig zu machen, an der Girion Smaug eine Schuppe vom Leib geschossen hatte, was gar nicht so einfach war aufgrund seiner Größe, versuchten die anderen, eine neue Schwachstelle zu schaffen oder Smaugs Augen zu treffen.
Hermine lenkte ihn derweil weiter damit ab, sein Maul, seine Flügel und seine Beine mit Incarcarus zu attackieren, sodass Smaug damit beschäftigt war, sich von den Seilen zu befreien und kein Feuer spucken konnte.

Eine ganze Weile geschah nichts, Pfeile und Seile flogen durch die Luft, mehrere Male musste Hermine einen Schutzschild zaubern, weil es Smaug doch gelang, einen kurzen Feuerstoß auszusenden, aber keine der beiden Seiten machte wirklich Fortschritte. Es rechnete schon fast keiner der Menschen damit, dass sie es schaffen würden, bevor ihr anfangs unerschöpflich scheinender Vorrat an Pfeilen ausging, doch dann zuckte Smaug merklich zusammen, erstarrte und fiel dann einfach zur Seite um, wo er im Matsch liegen blieb.
Die Männer und Hermine sahen den gefallenen Drachen an und benötigten mehrere Augenblicke, ehe sie ganz begriffen, was geschehen war. Dann schrie einer der Männer plötzlich auf und zeigte auf Smaugs Brust.
"Seht, dort steckt ein Pfeil. Genau da, wo Girion einst die Schuppe gelöst haben soll." Und damit war die Sache für sie entschieden. Obwohl sie nicht mit absoluter Gewissheit sagen konnten, wer den tödlichen Pfeil abgeschossen hatte und er deswegen protestierte, ernannten seine Freunde Bard zum Drachentöter, jenem, der Smaug den Todesstoß versetzt hatte. Er war schließlich der beste Schütze unter ihnen, so ihre Argumentation, daher war anzunehmen, dass er ach am besten getroffen habe.

"Akzeptiere es einfach und mach das beste daraus", riet Hermine dem Bootsführer und Schützen, der nur sein Heim hatte verteidigen wollen und nun Gefahr lief, die Verantwortung eines Helden auferlegt zu bekommen. Sie hatte durch die Art, wie Hexen und Zauberer mit Harry umgingen, schon Erfahrung damit gemacht hatte, das Menschen manchmal einfach jemanden brauchten, den sie bewundern konnten, ganz gleich ob der bewunderte es wollte oder für gerechtfertigt hielt. Es war einfacher,zu versuchen die dadurch gegebene Stellung für etwas gutes zu nutzen, als Energie darauf zu verschwenden sie abzulehnen.
Und das tat Bard dann auch, schwor sich jedoch, Hermines Beitrag, ohne den alles ganz anderes verlaufen und vermutlich längst nicht so glimpflich ausgegangen wäre, nicht zu vergessen, so wie es seine Freunde in ihrem Triumphtaumel gerade taten. Alles, was er an Gewinn daraus ziehen könnte, würde er mit ihr Teilen, begonnen mit dem Drachen, dessen Schuppen sie gerade, nun da sie sicher waren, dass Smaug wirklich tot war, schon interessiert betrachtete.

Nachdem Smaug besiegt war und Bards Freunde nach Esgaroth zurückgekehrt waren, um die frohe Botschaft zu verkünden, hatte Hermine den Körper des Drachen mit einem Statis-Zauber belegt. Sie war sich zwar nicht sicher, wie lange er halten würde, da sie noch nie versucht hatte, etwas so großes zu konservieren, aber es würde hoffentlich nicht lange dauern, ehe sie erfuhren, ob man die Schuppen und Haut verwerten konnte.

"Bei mir zuhause werden Kleidungsstücke aus Drachenhaut gefertigt, um den Träger gegen Säuren und Magie zu beschützen. Rüstungen aus den Schuppen habe ich nie gesehen, aber auch sonst werden keine Rüstungen getragen, da normales Metall nicht gegen Zauber schützen und einen nur behindern würde. Abgesehen von Tränken fällt mir nichts ein, wofür die Schuppen bei uns benutzt werden." Hermine hatte angefangen, mit Bard darüber zu reden, ob die Zwerge in der Lage wären, Rüstungen aus Drachenleder und Drachenschuppen herzustellen, war jedoch in Überlegungen abgedriftet, die Bard daran zweifeln ließen, ob sie wirklich noch mit ihm oder mit sich selbst sprach. "Falls sie es können, ist der Drache bestimmt einiges wert" schloss sie so plötzlich, wie sie vom Thema abgekommen waren. "Sag mir Bescheid, wenn du an den Kadaver willst, ich werde ihn schützen, damit niemand ihn für sich beanspruchen kann, aber ich beherrsche keine Schutzzauber, die einzelne Personen hindurch lassen, daher werden wir ihn auch nicht durchdringen können, solange er aktiv ist. Nachdem Bard seine Zustimmung gegeben und Hermine den Zauber gesprochen hatte, apparierte sie zurück in Bards Haus, während er selbst bei Smaug blieb und darauf wartete, dass die Nachricht sich in Esgaroth verbreitete und der Bürgermeister herbei geeilt kommen würde, um den Ruhm einzuheimsen.

Bards Kinder und Bilbo erschraken, als Hermine plötzlich vor ihnen erschien, aber da Bilbo sich selbst schon einmal so fortbewegt hatte und die drei Jugendlichen von Hermine fasziniert waren, akzeptierten sie es ohne viele Erklärungen. Es interessierte sie viel mehr, wo ihr Vater war.

"Macht euch keine Sorgen. Es geht ihm gut, und Smaug ist tot. Euer Vater wartet darauf, dass die Nachricht die Runde macht und will die Männer des Bürgermeisters in Empfang nehmen, die bestimmt versuchen werden, sich selbst für Smaugs Niedergang verantwortlich zu machen. Wenn ihr wollt, könnt ihr zu ihm gehen, aber ich denke es wäre besser, wenn ihr hier auf ihn wartet. Es wird bestimmt nicht lange dauern", riet sie ihnen, denn wenn die Stadt in Aufruhr geriet, war der sicherste Ort in einem Haus, fern ab von der Gefahr, von aufgeregten Menschen in den kalten See gestoßen zu werden.
"Ich will zurück zum Berg und den Zwergen sagen, was geschehen ist. Sehen, wie es Thorin geht. Willst du mich begleiten, Bilbo?", wandte sie sich dann an ihren kleinen Freund, der sofort aufstand und nickte. Er war erleichtert, dass Hermine heil zurückgekommen war, aber das erneute Zusammentreffen mit den Zwergen beunruhigte ihn noch.

"Was ist mit dem Arkenstein? Wenn wir ihn wieder in Thorins Nähe bringen, ist es bestimmt nicht gut für ihn." Hermine hatte es fast vergessen, aber Bilbo sah sich nun als Bewacher des Steins und hatte daher auch daran gedacht. "Wir können ihn nicht einfach hier lassen oder zerstören, habe ich Recht?", wollte er wissen, obwohl er die Antwort schon kannte. Wenn sie es könnten, hätte Hermine es sicher schon längst getan.

"Ihn hier zu lassen ist zu gefährlich, für Bard und auch für den Stein. Er wird nicht grundlos das Königsjuwel genannt. Er ist so etwas wie eine Krone, der Besitzer des Steins soll der König aller Zwergenreiche sein. Wenn wir ihn vernichten, ohne dass irgendjemand dabei ist, dessen Worten die anderen Zwergenvölker vertrauen, werden sie Thorin niemals anerkennen, sondern behaupten, er habe den Stein nie gefunden. Steck den Stein in deinen Rucksack, vielleicht hilft die Magie des Vergrößerungszaubers, die Magie des Arkensteins zu dämpfen." Gesagt getan, auch wenn es nur eine Vermutung und Hoffnung von Hermines Seite aus war, und schon hatte sie Bilbos Hand ergriffen und war mit ihm vor das große Eingangstor appariert, das nun, da Smaug den Berg nicht mehr bewachte, einen einfacheren Weg in den Berg bot. Sie erschienen genau vor den Zwergen, die Smaug hinaus gefolgt waren und einen Teil des Kampfes beobachtet hatten, ohne aus der Ferne erkennen zu können, was genau vor sich ging oder war an dem Kampf beteiligt war. Sofort richteten sich alle Augen auf sie, und fünfzehn Personen hielten für einen Moment den Atem an. Dann durchbrach Thorin die beinahe spürbare Anspannung, indem er die Distanz zu Hermine überwand und sie an sich zog. Er ließ ihr dabei keine Gelegenheit zu reagieren, wollte es nicht, da er nicht herausfinden wollte, was ihre Ablehnung für ihn bedeuten würden.

"Hermine", murmelte er, drückte sie, die noch immer reglos dastand, sich aber zumindest nicht gegen seine Nähe zur Wehr setzte, fest an sich. "Es tut mir Leid. Ich war so wütend, dass du alles gewusst hast und mir vorschreiben wolltest, was ich tun soll, obwohl du uns die ganze Zeit geholfen hast. Auch wenn du Recht hast, dass der Arkenstein Schuld daran hat, ist es keine Entschuldigung." Seine Worte wurden immer unverständlicher, je weiter die Entschuldigung fortschritt, und das zeigte Hermine mehr als alles andere, was Thorin ihr wirklich vermitteln wollte, ganz gleich ob bewusst oder unterbewusst. Er hatte Angst, sie zu verlieren, weil er einen Fehler begangen hatte, ganz gleich was der Grund dafür war. Diese Erkenntnis, dass sie ihm genug bedeutete, dass er Angst haben würde, war es, die sie dazu verleitete, sich in seinen Armen zu entspannen und die Umarmung zu erwidern, ihr Gesicht in seinen Haaren zu vergraben. Vielleicht, vielleicht würde alles wieder gut werden.

Bilbo gesellte sich in der Zwischenzeit zu den Zwergen, die ihn herzlich empfinden und sich mit ihm in ihrer Mitte wieder in den Berg zurück zogen, um ihrem König und seiner potentiellen Königin Gelegenheit zu geben, sich ungestört aussprechen zu können.

Weder Hermine noch Thorin hätten sagen können, wie lange sie einfach nur so da standen und es genossen, dem anderen nahe zu sein, sich aber nicht trauten, darüber zu reden, was nun geschehen würde. Schließlich jedoch löste Hermine sich von Thorin und sah ihn halb lächelnd, halb traurig an. Wie von selbst krallte sich ihre Hand in seinen Umhang, damit er trotz der Entfernung zwischen ihnen nicht einfach wieder verschwinden konnte. "Ich werde es nicht so schnell vergessen können, Thorin. Aber wenn du mir ehrlich sagen kannst, dass du es nicht wolltest und mich nicht aus freien Stücken so behandeln wirst, dann würde ich es gerne hinter mir lassen." Ihre Stimme zitterte und sie hasste sich selbst dafür, dass sie sich so schwach fühlte, aber daran, wie tief sein Verhalten, seine Ablehnung sie verletzt hatte, hatte sie auch ein für alle Mal erkennen müssen, dass es für sie kein Zurück mehr gab. Natürlich, Gefühle konnten sich mit der Zeit ändern, sie würde sich nichts vormachen und diese Möglichkeit leugnen, aber sie hoffte, dass es nicht geschehen würde. Sie wollte an seiner Seite sein.

Erneut zog Thorin sie in seine Arme, diesmal jedoch weniger, weil er ihre Nähe wollte, sondern vielmehr weil er das Gefühl hatte, sie könnte den Halt gut gebrauchen, selbst wenn sie sich zusammenriss. Außerdem musste er so nicht sehen, wie die Gefühle - Angst, Hoffnung und Liebe - sich abwechselnd in ihren Augen widerzuspiegeln schienen. Ihre Angst versetzte ihm einen Stich, und er hielt sie so lange fest, bis ihre Atmung sich beruhigte und sie sich entspannte.

"Ich verspreche es dir, meine Hexe. Ich habe nicht vor, noch einmal derartig von etwas besessen zu werden, und ohne solche Beeinflussung werde ich mit dir reden, wenn es Probleme gibt. Ich werde dich nicht ohne Vorwarnung verstoßen." Es war nicht die Liebeserklärung, die Hermine sich tief in ihrem Herzen gewünscht haben mochte, aber es war ehrlich, und das bedeutete ihr mehr, als hohle Versprechen es getan hätten. Sie hob den Kopf und lächelte ihn zaghaft an. Gerade wollte sie mit den Fingern über seine Wange streichen und sich zu einem ersten Kuss nach dieser Krise durchringen, mit dem sie hoffentlich einen neuen Abschnitt einläuten könnten, da pressten sich Thorins Lippen schon auf die ihren und sie schloss glücklich die Augen. Statt sie auf seine Wange zu legen vergrub sie ihre Hand stattdessen in seinen Haaren und hielt ihn fest, damit er den Kuss nicht zu früh beenden würde. Es fühlte sich so gut an, und ihr Herz schlug so schnell, dass sie sicher war, dass dies genau das war, was sie nun brauchte. Eine Bestätigung, dass er auch wirklich noch an ihr interessiert war, eine Bestätigung, dass zwischen ihnen noch diese Anziehung bestand.

Sie lächelte, als sie sich schließlich weit genug trennten, um einander in die Augen sehen zu können, und fand dieses Lächeln auf seinem Gesicht wiedergespiegelt. Am liebsten würde sie sich mit ihm irgendwo hin zurückziehen, wo sie ungestört wären, sodass sie einfach reden oder schweigen könnten, wie es ihnen gerade gefiel, und wo sie tun könnte, was immer ihr in den Sinn kam, ohne sich dabei seltsam zu fühlen. "Wenn all das hier vorbei ist...", murmelte sie und drückte sich noch einmal kurz an ihn. Aber dafür hatten sie keine Zeit, also fiel sie darauf zurück, seine Hand zu ergreifen und sie zu streicheln, während sie den anderen langsam nach drinnen folgten.

"Wir haben viel zu bereden."

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Die Elben hatten den Wald gerade verlassen, als Smaug aus dem Berg hervor gebrochen war, und hatten sich, als sie erkannten, dass er in einen Kampf verwickelt wurde, in einem Bogen über Tahl auf den Weg zum Berg gemacht. Tauriel stieß zu ihnen, als der Drache fiel.

"Eine Gruppe Menschen ist aus der Seestadt gekommen, als wollte sie Smaug empfangen, und genau das haben sie entgegen aller Wahrscheinlichkeiten erfolgreich getan. Smaug ist tot, daran besteht kein Zweifel", berichtete sie Legolas, der sie aufgehalten hatte, als sie zu Thranduil hatte eilen wollen. Der Elbenkönig nahm es seinem Sohn und dessen Vertrauter übel, dass sie das Waldlandreich ohne seine Erlaubnis verlassen hatten, und während er seinen Erben nicht strafen würde, zweifelte Legolas nicht daran, dass er seinen Zorn an Tauriel auslassen würde. Das wollte er verhindern, indem er Tauriel aufhielt und sie warnte. Als er Thranduil die Nachricht von Smaugs Niederlage überbrachte, lächelte der Elbenkönig.

"Dann ist es an der Zeit, uns zu holen, was uns gehört. Die Zwerge werden uns nicht aufhalten können, falls sie überhaupt noch leben. Der Berg steht weit offen, einzig Smaug hat Plünderer davon abgehalten, sich and den Schätzen zu bedienen. Die Zwerge werden ihn nicht verteidigen können, ganz gleich was sie tun." Für Thranduil war es gemessen an seinem Alter keine lange Zeit des Wartens gewesen, aber das Verlangen danach, die Sternsteine den gierigen Händen der Zwerge zu entreissen und in den Tiefen seiner Festung zu verwahren, war dennoch groß. Er wollte sie haben, mehr jedoch auch nicht, da er keines auffälligen Schmucks bedurfte, der ihn womöglich, und in diesem Fall definitiv, überstrahlen würde.

Er befahl dem Heer, außer Sicht des Berges zu bleiben und sich in der Stadtruine einzurichten, für den Fall, dass sie die Zwerge würden belagern müssen, während er mit Legolas sprach. Gemeinsam stiegen Vater und Sohn auf einen noch halbwegs intakten Wachturm, von dem aus sie mit ihren scharfen Augen weit über die Einöde blicken konnten, die sich unter Smaugs Herrschaft gebildet hatte. Doch statt der freien Fläche sah der Elbenkönig hochmütig in Richtung des einsamen Berges. Das Reich der Zwerge. Zwerge, jämmerliche Geschöpfe, die den Wert der Natur nicht erkannten und stattdessen tiefe Löcher in die Erde gruben. Ihnen war wirklich nicht zu helfen. Ruckartig wandte er sich zu Legolas um, der geduldig gewartet hatte, da ihm die Anwandlungen seines Vaters so vertraut waren, dass er schon vorausahnen konnte, wann er schweigen und sprechen würde.

"Du wirst zu den Zwergen gehen und ihnen mitteilen, dass wir hier sind. Überlassen sie uns die Sternensteine freiwillig, werden wir friedlich in unser Reich zurückkehren. Andernfalls greifen wir an." Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er mit letzterem rechnete, und die Hand, die auf dem Griff seines Schwertes lag, zeugte davon, dass er es begrüßen würde. Die Waffe war ungewöhnlich und hätte wohl viele Blicke auf sich gezogen, wenn je ein anderer als die Elbenkrieger oder Thranduils Gegner sie zu Gesicht bekommen würden. Die schmale, lange Klinge ging ansatzlos in das ebenfalls aus Metall gefertigte Heft über, da das gesamte Schwert aus einem Stück geschmiedet war.
"Es soll uns niemand nachsagen, wir hätten nicht versucht, friedlich vorzugehen. Wenn sie dazu nicht gewillt sind, ist es ihre eigene Schuld und wird niemanden überraschen." Damit entließ Thranduil seinen Sohn wieder, der sich nicht sofort auf den Weg zu den Zwergen machte, sondern erst Tauriel aufsuchte, die zwischen den Trümmern des ehemaligen Stadttores stand und beobachtete, was um Smaugs Körper herum geschah, da er mehr über den Kampf erfahren wollte. Inzwischen hatte sich um den Kadaver eine Menschenmenge versammelt, die einen Ring um den Drachen bildete, der erstaunlich viel Abstand zu ihm hatte. Es sah fast so aus, als könnten sie nicht näher heran, da einige Gestalten immer wieder vordrängten und doch nicht näher herankamen. Außerdem klang es so, als wäre ein Streit ausgebrochen, denn hin und wieder erschallten Rufe, die für das feine Elbengehör selbst in Tahl noch zu hören, wenn auch nicht zu verstehen war.

Tatsächlich war der Bürgermeister von Esgaroth inzwischen aus der Stadt gekommen und verlangte von Bard, ihm den Drachen zu übergeben, da Bard nicht dazu berechtigt gewesen war, ihn zu töten.

"Du bist Bootsmann, kein Drachentöter! Es gehört nicht zu deinen Aufgaben!", rief er immer wieder und sein Gesicht lief stetig dunkler werden rot an, da Bard ihm gar nicht zuzuhören schien und er schnell merkte, dass die Menschen auf dessen Seite standen.

"Hätte er einfach abwarten sollen, bis Smaug und angegriffen hätte?" Solche und ähnliche Fragen wurden ihm vorgeworfen und er konnte sich gerade noch davon abhalten, 'ja' zu sagen, da selbst ihm bewusst war, dass ihm die Städter diese Antwort nicht verzeihen würden.

"Ich bin der Bürgermeister, und ich bestimmte, dass Smaug mir gehört", war schließlich der letzte Weg für ihn, zu versuchen, seine Autorität wieder herzustellen. Aber Bard lächelte ihn nur freundlich an und zuckte beinahe entschuldigend mit den Schultern.

"Wenn ihr es schafft, ihn mitzunehmen, tut, was ihr nicht lassen könnte. Falls ihr es jedoch nicht könnt, werden die Frau, ohne die Smaugs Erlegung nicht möglich gewesen wäre, und ich gemeinsam über seine Verwendung bestimmen", erklärte er, wobei seine Stimme immer lauter wurde, bis ihn alle Umstehenden verstehen konnten.
"Falls die Zwerge, die in diesem Moment dabei sind, den Berg wieder zu ihrer Heimat zu machen, an Smaug Interesse haben, werde ich sie um Hilfe beim Wiederaufbau von Tahl bitten. Mit der Rückkehr der Zwerge wird auch der Handel wieder aufleben und Esgaroth eignet sich vielleicht für den Handel mit den Waldelben, nicht jedoch für Güter, die auf dem Landweg transportiert werden müssen. Sollte es soweit kommen, lade ich euch alle ein, mir zu folgen, in eine Stadt, die nicht von einem selbstherrlichen Idioten angeführt wird!" Er war sich zwar nicht sicher, wie realistisch seine Hoffnung war, aber er wollte dem Bürgermeister zeigen, dass seine Stadt nicht mehr die einzige Möglichkeit für die Menschen diesseits des Düsterwalds war. Und die Zwerge würden dankbar sein, spätestens, nachdem Hermine mit ihnen fertig war - und die Hexe hatte nicht so ausgesehen, als ob sie sich einfach geschlagen geben würden. Jetzt allerdings, da es dem Bürgermeister die Sprache verschlagen hatte und ausgiebig getestet war, dass Hermines Schutzzauber hielt, verließ er die Menge und machte sich auf den Weg, seine Familie zu beruhigen und über einen möglichen Umzug zu informieren.