Die Bedeutung der Schokofroschkarten
Sie dachte an die Münze in ihrer Tasche, aber zu riskieren, dass die gesamte DA hier erscheinen würde und Umbridges Verdacht sich dadurch verhärten würde.
Dann grub sie weiter in der Tasche, sie fand eine Schokofroschkarte, die Dumbledor zeigte. Sie deutete ihm zu schweigen, als er auf sie aufmerksam wurde.
„Mr Potter. Wollen sie weiter so mit uns spielen, ich gebe ihnen fünf Sekunden.", höhnte Umbridge.
Dumbledor schien zu verstehen, dass Hermine sich in einer recht hoffnungslosen Situation befand.
„Sie glauben doch nicht, dass wir sie entkommen lassen werden, nachdem sie uns hier belauscht haben.", meinte Umbridge und schleuderte einen Fluch auf die Stelle an der Hermine zuvor gestanden hatte.
Langsam kroch sie weiter. Nichts würde Umbridge daran hindern den ganzen Flur zu behexen. Dumbledor verschwand aus der Karte, sie hoffte inständig er würde um diese Zeit noch irgendjemand erreichen.
Im Lehrerzimmer saßen Flitwick, McGongall, Sprout, Vector und Sinistra verschworen um den Lehrertisch. Sie gingen einer wöchentlichen Beschäftigung nach die sie vor ihren Kollegen und Kolleginnen bisher erfolgreich geheim halten konnten. Sie trafen sich hier um Schokofroschkarten zu tauschen.
„Ich habe Hekate.", freute sich Professorin Sinistra und ließ unterdessen den Schokofrosch entwischen.
„Ach und ich hab den dritten Merlin diesen Abend. Will jemand tauschen?", seufzte Flitwick.
„Nun, ich denke wir haben alle genug von Merlin.", seufzte Professorin Vector.
„Oh, ich habe unseren alten Freund Dumbledor. Er ist sogar im Bild.", lachte Flitwick erfreut.
„Ich habe dringende Nachrichten zu übermitteln.", erklärte Dumbledor aufgebracht.
„Ach, und er tut sogar ganz wichtig.", lachte Flitwick weiter.
„Es ist Ernst, befindet sich Minerva im Raum.", mahnte er.
Flitwick erschrak und reichte die Karte der Direktorin.
„Dumbledor, sie vermissen wohl unsere Tauschabende.", freute sich Minerva, die schon das eine oder andere Gläschen Wein getrunken hatte.
„Miss Granger wird im Flur im zweiten Stock bei der Statue von Prinz Helwig dem Selbstverliebten von Dolores Umbridge behext.", erklärte er hektisch.
„Bitte wiederholen sie das.", erschrak Minerva und sprang im selben Moment auf und schnappte ihren Zauberstab.
„Im zweiten Stock!", meinte er nur hektisch.
Minerva bedeutete den anderen ihr zu folgen und so eilten sie in den Flur.
„Potter, das Spiel ist aus.", erklärte Umbridge wieder und schleuderte fünf Flüche in Folge nur knapp an Hermine vorbei.
„Vielleicht haben sie ihn schon erwischt, wir sollten den Boden absuchen.", meinte Lester und begann auf allen vieren damit.
„Ich schleudere zur Sicherheit noch ein paar Flüche in den Flur.", meinte sie und wieder entging Hermine nur knapp einem Fluch
„DOLORES!", schrillte eine Stimme durch den Gang, „Was genau tun sie hier? Weshalb schleudern sie Flüche durch einen leeren Flur!"
„McGonagall und ihre Bande. Potter hat also einen Weg gefunden sie zur Hilfe zu rufen.", höhnte sie als sie die fünf Gestalten erkannte.
„Was für dummes Zeug reden sie eigentlich?", war McGonagall verwundert.
„Nun ihr liebster Schüler Potter hat Plakate aufgehängt was hier eindeutig der Schulordnung widerspricht.", erklärte Umbridge.
„Ich kann Mr Potter hier allerdings nicht entdecken.", schüttelte sie den Kopf.
„Weil er sich unter seinem Unsichtbarkeitsumhang versteckt.", meinte Umbridge selbstsicher.
„Was ist denn das wieder für ein Unsinn. Wenn sie wollen, gehen wir und holen ihn.", erklärte McGonagall bestimmt, sie hatte keine Bedenken, da Dumbledor nur von Hermine gesprochen hatte.
„Gut, aber zuerst suchen wir den Boden hier ab.", meinte sie.
Minerva spürte wie etwas ihren Fuß streifte, ließ sich aber nichts anmerken.
Hermine kroch an ihr vorbei und wollte ihr so ein Zeichen geben wo sie sich befand.
„Woher wissen sie überhaupt, dass wir hier sind?", meinte Umbridge dann grinsend.
„Weil einige der Geister des Schlosses sich bei mir über ihr Verhalten beschwert haben.", erklärte sie ohne nur einen Augenblick zu zögern.
Umbridge verging das Grinsen, wenn sie ihr auch nicht glauben wollte.
„Also, wollen wir nun in den Turm der Gryffindors, um einen vermutlich längst schlafenden Schüler zu wecken.", meinte McGongall genervt.
„Einen Augenblick noch.", meinte Umbridge und suchte weiter den Boden ab.
„Was soll der Unfug?", schüttelte sie den Kopf und nahm sich dann den Plakaten an.
Sie riss eines herunter und zeigte es den anderen.
„Deshalb veranstaltet Ms Umbridge also dieses Theater.", wandte sie sich an ihre Kolleginnen und ihren Kollegen.
Ein Gelächter brach aus. Beleidigt erhob sich Umbridge.
„Ich werde sie noch kriegen, Potter.", schrie sie, ehe McGongall in Richtung Gryffindor Turm wies.
Die Jungen der siebten Klasse wurden unsanft aus dem Schlaf gerissen.
„Aufstehen! Raus aus den Betten!", schrie Umbridge mit ihrer schrillsten Stimme.
„Beherrschen sie sich Dolores, was soll der Wirbel, wir müssen nicht den gesamten Schlafsaal wecken.", meinte McGonagall erzürrnt.
„Wir werden diesen Raum untersuchen und eventuell illegale Besitztümer beschlagnahmen.", erklärte sie.
„Ich glaube nicht, dass sie die Bewilligung dazu haben."
„Ich schreibe dem Minister unverzüglich.", meinte Lester und verließ das Zimmer.
„Was erhoffen sie sich durch diese lächerliche Aktion, Dolores?", war McGonagall außer sich vor Wut.
Dolores zog den Vorhang von Harrys Bett zur Seite. Er rieb sich die Augen und starrte sie verwirrt an.
„Mr Potter befindet sich also hier Dolores. Können wir die Schüler nun wieder schlafen lassen.", ärgerte sich McGonagall.
„Zuerst die Durchsuchung.", meinte Umbridge bestimmt.
„Es kann Stunden dauern, bis der Minister antwortet.", war McGonagall höchst unerfreut.
„Dann werden wir warten.", blieb Umbridge dabei.
„Meine Schüler brauchen ihren Schlaf.", erklärte McGongall.
„Es gibt dringendere Angelegenheiten. Ich vermute hier ein gesetzeswidriges Objekt, und das hat höhere Priorität als dumme Schulangelegenheiten.", meinte Umbridge und stellte sich in die Tür, als würde jemand ernsthaft versuchen wollen den Raum zu verlassen.
„Nun gut.", meinte McGonagall und nahm auf einem Stuhl Platz.
McGongall entließ alle anderen und bat Flitwick nach Professorin Lupin zu sehen und sie zu wecken.
---
Hermine wartete in einer Ecke bis alle Anwesenden verschwunden waren, ehe sie immer noch getarnt nach unten zu den Räumlichkeiten von Snape lief. Sie sah sich um und klopfte heftig gegen die Tür. Sie hoffte inständig er wäre hier. Die Tür öffnete sich und Snape sah sich um.
„Ich bin es.", flüsterte Hermine und drängte sich an ihm vorbei in den Raum.
Erst nachdem er die Tür geschlossen hatte, nahm sie den Umhang ab.
„Ms Granger, wo zur Hölle haben sie sich um diese Zeit herumgetrieben. Wir hatten doch eine Besprechung vereinbart.", war er zornig.
„Mir ist etwas dazwischengekommen und das heißt ich habe jetzt keine Zeit und keinen Nerv für Moralpredigten. Umbridge weiß alles. Sie kennt den Widerstand, weiß wer aktiv ist. Sie weiß mehr über DA und den Orden als diese gegenseitig voneinander wissen.", erklärte sie aufgewühlt.
„Ach ja? Wenn sie zum Beispiel meinen, dass sich DA in der heulenden Hütte trifft, dann muss ich sie enttäuschen. Sie unterschätzen den Orden liebe Ms Granger. Ich denke Professorin McGonagall hat sie oft genug darauf hingewiesen, dass ein Informationsaustausch vorteilhaft wäre. Vorallem für ihren Verein.", schüttelte Snape beinahe belustigt den Kopf.
Hermines Gesichtsausdruck verfiel und sie wurde blass.
„Miss Granger, ihnen ist wohl bewusst, dass wir Profis sind. Was haben sie erwartet? Dass sich eine Vielzahl von Schülern und Schülerinnen unbemerkt aus dem Schloss schleichen können? Wohl kaum.", höhnte Snape.
Hermine setzte sich einfach so auf den Boden und starrte ihn kopfschüttelnd an.
„Aber es hat doch nie jemand etwas unternommen.", murmelte sie.
„Weshalb auch, wie sie sehen haben wir alles unter Kontrolle. Wir wissen wo sich unsere Schüler und Schülerinnen herumtreiben. Da der Orden die Arbeit von DA in keiner Weise behindern will, haben wir nicht eingegriffen.", erklärte er als wäre es selbstverständlich, „Außerdem gibt es hier Sessel, Ms Granger."
Hermine sah ihn mit großen Augen an.
„Professor, es gibt noch etwas, das ich ihnen dringend mitteilen wollte. Uns beide betreffend.", murmelte sie dann mehr in sich hinein.
Snape zog eine Augenbraue hoch und starrte sie verwundert an.
„Wissen sie, ich denke sie behandeln mich nicht so wie ich es verdient habe.", meinte sie mit gesenktem Kopf.
„Wie bitte?", wurde Snape ärgerlich.
„So habe ich es nicht gemeint.", erklärte sie und sah ihn nun an, „Ich denke sie behandeln mich besser, als ich es verdient habe."
Das Gespräch mit Ginny am See hatte ihr sehr zu denken gegeben.
Snape sah sie nun noch sehr viel verwunderter an als zuvor und schüttelte den Kopf. Sie glaubte sogar sein grinsen als amüsiertes Lächeln interpretieren zu können. Dann streichelte er ihr kurz den Kopf und meinte immer noch kopfschüttelnd: „Mädchen, reden sie keinen Unsinn und setzten sie sich endlich auf einen Stuhl. Ich denke sie haben einiges zu berichten."
Als sie ihn etwas hilflos ansah reichte er ihr die Hand, sie nahm sie und ließ sich von ihm aufhelfen. Sie war von seiner plötzlichen Freundlichkeit beinahe überfordert.
Hermine setzte sich auf einen der Stühle und er nahm gegenüber von ihr Platz.
„Was genau haben sie nun beobachtet und weshalb waren sie eigentlich um diese Zeit noch unterwegs?", fragte Snape in seinem üblichen kühlen Ton.
„Ich war mit einer Aktion beschäftigt.", meinte sie knapp.
Snape zog eine Augenbraue hoch.
„Ich habe Plakate aufgehängt.", meinte sie nun offen, „Dabei wurde ich von Umbridge und Lester überrascht. Aber da ich den Umhang von Harry trug, konnten sie nicht ahnen, dass ich sie belauschte."
Sie berichtete ihm so detailliert wie möglich, was sie gehört hatte und was vorgefallen war.
„Ich hatte zum Glück Dumbledor in meiner Tasche.", erklärte sie.
Snape war verwundert.
„Die Schokofroschkarte. Und offenbar hat McGonagall in diesem Moment die Karte bei sich getragen.", erklärte sie und wunderte sich dann selbst, „Merkwürdig."
Snape grinste schelmisch.
„Nun, das kommt daher, dass heute der wöchentliche Schokofroschkarten Tauschtag unter einem Kreis eingeweihter Lehrer und Lehrerinnen stattfand. Sie hatten Glück. Belustigenderweise ahnen meine lieben Kollegen und Kolleginnen nichts davon, dass längst das ganze Personal ihr peinliches Hobby kennt. Sollte McGonagall also einmal im Unterricht eine Schokofroschkarte konfiszieren, wissen sie wohin sie gelangt.", meinte er sichtlich erheitert.
Hermine grinste amüsiert, aber gar nicht wegen der Geschichte die Snape hier so offen erzählte, sondern weil sie das Gefühl hatte, dass zwischen ihnen das Eis gebrochen war.
„Nun hat sich ihr Hobby also doch als sinnvoll erwiesen. Bestimmt werden sie das beim nächsten Treffen gebührend feiern.", schüttelte er den Kopf, „Und sie hatten erfreulicherweise mehr Glück als Verstand."
„Glücklicherweise vermutete sie Harry hinter dieser Aktion. McGonagall hat sie in den Turm der Gryffindors gebracht, um ihn zu entlasten.", erklärte Hermine weiter, „Aber ich bin beunruhigt. Sie weiß zuviel und sie glaubt sie könnte den Widerstand durchschauen, wenn sie mein Denken durchschaut hat."
„Lassen sie sich nicht verunsichern, ich denke sie sind keineswegs ein offenes Buch für Umbridge und werden sie noch oft überraschen.", meinte er, „Aber Vorsicht kann nicht schaden."
„Ich werde die Direktorin morgen besuchen.", meinte Hermine, „Heute ist es dafür schon zu spät und es wäre zu auffällig."
„In der Tat.", nickte Snape.
„Und vielleicht sollte DA wirklich über die Art der Kommunikation mit dem Orden nachdenken. Schließlich kämpfen wir für die gleiche Sache, eine Vernetzung könnte dem Widerstand sehr zugute kommen.", überlegte Hermine, „Aber es beunruhigt mich sehr, dass Umbridge die Direktorin so schnell wie möglich loswerden will."
„Das ist nichts neues, Ms Granger. Sie hat es offen angekündigt, als sie die Direktorin auf Bewährung setzte.", meinte Snape unbeeindruckt.
Hermine nickte nur.
„Nun, da es für unsere Recherchen ohnehin schon zu spät ist, und wir heute nicht mehr mit der Direktorin, DA oder der Londoner Gruppe in Verbindung treten können, würde ich vorschlagen, dass wir unser Zusammenleben diskutieren.", schlug Snape schließlich vor.
---
Harry, Neville, Dean und Seamus saßen zusammen mit Tonks, McGonagall und Umbridge im Schlafsaal der Jungen. Neville war schon wieder mehr am schlafen und konnte sich kaum aufrecht halten.
McGonagall hatte sie in Kenntnis darüber gesetzt weshalb Umbridge sie zu so später Stunde belästigte. Umbridge hatte heftig protestiert, zum einen weil sie es nicht als Belästigung sah und zum anderen, weil sie meinte, dass McGonagall ihnen so nur die Möglichkeit gab sich abzusprechen, Ausflüchte zu finden oder diverse Gegenstände verschwinden zu lassen.
Harry dachte an die Karte der Herumtreiber. Glücklicherweise hatte er sie Luna und Zacharias geliehen, die ihm nicht erzählt hatten aus welchem Grund sie, sie brauchten. Das war auch der Grund, weshalb er sie nicht Hermine geborgt hatte. Allem Anschein nach war das ein Fehler gewesen.
Nach einer Ewigkeit erschien endlich Lester, der mit einem siegessicheren Lächeln ein Pergament zeigte.
„Ein Durchsuchungsbefehl, Professorin.", erklärte Umbridge unnötigerweise.
„Was für eine Überraschung.", meinte McGonagall sehr zynisch.
Harry hatte sich noch nie so gedemütigt gefühlt wie in diesem Moment. Umbridge wühlte in seinen persönlichen Sachen, warf alles auf den Boden durchblätterte Schulbücher und warf auch diese sehr unsanft auf den Boden. Die Seiten knickten und Harry ärgerte sich über die Eselohren die diese Aktion wohl hinterlassen würden, obwohl ihm seine Schulbücher sonst nie so viel bedeutet hatten. Es war ein zu intimer Eingriff in die Privatsphäre und der Groll in ihm wurde immer größer.
„Können sie nicht etwas vorsichtiger mit meinen persönlichen Gegenständen umgehen.", meinte Harry gereizt und bereute es im selben Moment.
Sie ging nur noch heftiger vor und schüttete eine Lade auf den Fussboden, sie leerte die Schultasche und stieg unsanft auf Harrys Dingen herum.
„Verdammt, sie müssen doch nicht gleich alles beschädigen.", fluchte er.
„Potter, beherrschen sie sich oder sie werden wieder einmal nachsitzen.", meinte Umbridge mit einem diabolischen Grinsen.
Harry ließ sich auf einen freien Stuhl fallen und sah ihr missmutig zu, während er sich wünschte er könnte sie einfach so behexen.
Nach einer weiteren Ewigkeit musste Umbridge zugeben keine verdächtigen Gegenstände ausgemacht zu haben.
„Ich werde sie im Auge behalten, Potter.", meinte sie zum Abschied.
McGongall würdigte sie keines Blickes.
„Sie können jetzt wieder schlafen gehen.", meinte McGongall.
Tonks blieb noch.
„Wieso darf sie das tun?", fluchte Harry.
„Weißt du, als Lehrerin dürfte ich das ja nicht sagen. Aber ich denke ein Großteil der Exekutive setzt sich aus frustrierten Arschgeigen zusammen.", meinte Tonks die selbst vor Zorn grollte.
„Entschuldigt meine Ausdrucksweise und vergesst das gleich wieder.", meinte sie dann erschrocken.
Harry nickte.
„Wenn ihr noch etwas braucht, ich werde noch eine Weile wach sein.", erklärte Tonks zum Abschied und verließ dann den Schlafsaal.
Die Jungen warteten eine Weile, ehe sie sich in der Mitte des Raumes in einem Kreis zusammensetzten und Harry einen Schallschutzzauber sprach.
„Ich dachte Hermine wollte einfach nur plakatieren.", meinte Seamus irritiert.
„Ich nehme an sie hat nichts anderes getan.", meinte Harry nachdenklich.
„Vielleicht hat sie nicht gut genug aufgepasst und Umbridge hat einen Teil ihres richtigen Umhanges gesehen, oder sie hat etwas fallengelassen.", überlegte Dean.
„Vermutlich.", meinte Harry mit bedrückter Stimme.
„Aber dass sie gleich dich dahinter vermutet ist seltsam.", warf Neville ein.
„Spekulationen werden uns nicht weiterhelfen, morgen müssen wir Hermine treffen und ein Gesamttreffen wäre ratsam.", erklärte Harry.
„Ein Gesamttreffen unter solchen Umständen?", war Dean nicht besonders begeistert.
„Wir müssen zumindest irgendeinen Weg finden uns zu treffen. So kann es nicht weitergehen.", schüttelte Harry unschlüssig den Kopf.
„Du sprichst morgen so schnell es geht mit Hermine und wir tragen die Botschaft weiter.", schlug Dean vor.
Sie nickten und kehrten zurück in ihre Betten, Schlaf fanden sie alle allerdings nicht so schnell.
---
„Wollen sie eine Tasse Tee?", fragte Snape sehr höflich, beinahe förmlich.
Hermine nickte. Allerdings war sie weniger erfreut, als Snape nach einem Hauselfen rief, der ihnen schließlich Tee brachte.
„Professor.", begann Hermine schließlich, „Ich denke das wichtigste ist, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass wir uns im Ernstfall aufeinander verlassen können müssen. Dass wir einen Konsens finden, was Handlungsmöglichkeiten im Ernstfall betrifft."
Snape nickte.
„Gut, nun ich nehme an sie sind auch dafür, dass wir alle Eventualitäten erörtern.", meinte er dann sachlich.
Nun nickte Hermine und wollte einen Schluck von dem Tee nehmen, da er noch zu heiß war stellte sie ihn wieder ab.
„Sie werden doch den Zauber kennen, um Tee zu kühlen.", seufzte Snape genervt.
Hermine starrte ihn nur mit großen Augen an, schließlich überwand er sich und zeigte ihr den Zauber.
„Danke.", meinte sie mit einem leicht zynischen Unterton.
„Also gut, angenommen der Erlass fällt nicht innerhalb des nächsten halben Jahres, wären sie bereits in Hogwarts zu bleiben, damit ich meiner Lehrtätigkeit weiter nachgehen kann?", begann Snape, „Ich bin mir sicher, dass Direktorin McGongall ihnen einen angemessenen Posten hier in Hogwarts anbieten würde."
„Selbstverständlich bin ich dazu bereit. Ich denke es ist in diesem Fall eine ausgesprochen gute Idee, da zumindest einige Mitglieder von DA in dem Falle noch länger hier anwesend sein würden und das unsere Arbeit erleichtert.", meinte Hermine.
Snape nickte anerkennend.
„Und wenn das Gesetz nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre fällt?", fragte Snape weiter.
„Ich hoffe das wird nicht der Fall sein. Falls es dennoch so sein sollte haben wir ohnehin nur zwei Optionen. Eine davon wäre es, dass sämtliche Scheinehepaare quasi rotieren um uns mehr Zeit zu verschaffen. Die andere, ein Kind zu bekommen, erachte ich als eher ungeeignet, da es nicht fair dem Kind gegenüber wäre und ich außerdem nicht vorhabe in den nächsten zwei Jahren Mutter zu werden.", antwortete sie.
„Das Rotationsprinzip erachte ich als nette Möglichkeit das Gesetz zu umgehen. Allerdings könnte der Fall eintreten, dass die Wahlmöglichkeiten beschränkt werden oder etwaige Fristen die Pläne vereiteln könnten.", warf Snape ein.
„Nun, sie wollen doch nicht etwa vorschlagen, dass wir in einem derartigen Fall ein Kind bekommen sollten. Ich denke wir beide haben kein Interesse an einem gemeinsamen Kind.", wies Hermine den Gedanken von sich.
„Nun ich spreche hier von dem höchst unwahrscheinlichen Ernstfall, dass die Optionen einzig eine Zwangsehe oder eine Schwangerschaft wären.", führte er den Gedanken näher aus.
„Ein Kind ist keine Option. Ich will gar nicht daran denken, ich bin zuversichtlich, dass das Gesetz bis dahin Geschichte ist. Andernfalls müssen wir die Optionen ein weiteres Mal durchbesprechen. Zwei Jahre sind schließlich eine lange Zeit in der viel passieren kann. Ich schlage vor diese Problematik falls es notwendig werden sollte zu einem späteren Zeitpunkt zu erörtern.", schlug Hermine vor.
Snape nickte.
„Nun, vielleicht wäre es auch angebracht über unser Verhalten in der Öffentlichkeit zu sprechen.", lenkte Snape das Gespräch in eine andere Richtung.
„Niemand erwartet, dass wir so tun als wären wir ein wirkliches Ehepaar, es geht schließlich nur darum das Gesetz zu befolgen.", wollte Hermine das Thema schnell abhaken.
„Innerhalb der Schule halte ich es auch für unnotwendig uns anders zu verhalten. Aber was ihre Eltern betrifft, ich hoffe doch sie kommen nicht auf den absurden Gedanken uns zu etwaigen Familienfeiern einzuladen.", seufzte er schwer.
„Ich kann nichts versprechen.", meinte sie mit einem süffisanten Grinsen.
„Hervorragend.", murrte Snape.
„Was ihre Familie, Freunde, Freundinnen oder ähnliches betrifft?", fragte Hermine, „Oder Außenstehende falls wir uns außerhalb der Schule befinden sollten? Ich meine es könnte durchaus merkwürdig wirken, wenn sie mich in so einer Situation Ms Granger nennen und ich sie mit Professor anspreche."
Snape starrte sie mit einem wenig begeisterten Gesichtsausdruck an.
„Gut, ich meine wenn sie den betreffenden Leuten erklären, dass es sich dabei um ein kleines Rollenspielchen handelt, weil sie es so spannend finden eine Lehrer – Schülerinnen – Beziehung nachzuspielen.", belächelte ihn Hermine.
„Schon gut, Ms Granger, ich denke ich habe ihren Einwand verstanden.", meinte er beinahe empört, „In derartigen Fällen wird es unvermeidlich sein, wenn wir uns mit unseren Vornamen ansprechen."
Hermine unterdrückte ein Grinsen.
„Was den Aufenthalt in den Räumlichkeiten betrifft, wollte ich ihnen sagen, dass sie keinerlei Bedenken haben müssen, ihre Sachen gehen mich nichts an und das weiß ich. Ich denke ich kann davon ausgehen, dass sie mit meinen Dingen ebenso verfahren werden.", meinte Hermine dann entwarnend.
„Das habe ich angenommen. Wollen sie irgendetwas an den Räumlichkeiten verändern.", meinte er eher gequält.
„Nein, nein.", tat sie gleich ab, „Solange ich den Schreibtisch dort drüben benutzen kann. Ich werde ohnehin die meiste Zeit in den neuen Gemeinschaftsräumen verbringen. Aber was ihr Labor betrifft, wie wollen sie da verfahren?"
„Solange gleiches für alles andere in diesen Räumlichkeiten auch dort geht steht es ihnen frei es zu benutzen. Es wird unvermeidlich sein, wenn wir mit unserer Aufgabe vorankommen wollen.", erklärte er.
Hermine war sehr erleichtert, sie kamen sich in diesem Gespräch entgegen und vermieden so weitere Unannehmlichkeiten.
„Was das Schlafzimmer betrifft, so habe ich überlegt, dass ein zweites Bett im Falle einer Kontrolle, die wir nicht ausschließen können, zu ernsthaften Problemen führen könnte.", meinte Snape.
„Das sehe ich auch so.", nickte Hermine zustimmend.
„Nun, unter diesen Umständen werde ich wohl weiterhin auf der Couch schlafen.", beendete er für sich das Thema.
„Nein, ich kann auf der Couch schlafen. Das ist kein Problem für mich.", warf sie abwehrend ein.
„Unsinn, sie ist ausgesprochen unbequem.", wollte Snape nichts von diesem Vorschlag hören.
Sie sahen sich eine Weile unschlüssig an, ehe Hermine erneut das Wort ergriff.
„Ihr Bett ist ziemlich groß, ich denke es ist unproblematisch, wenn wir es uns teilen.", schlug Hermine als Lösung vor.
„Würden sie sich dabei nicht unwohl fühlen?", warf Snape ein.
„Es ist nicht anders als mit ihnen im selben Raum zu schlafen. Es stört mich nicht. Wir sind schließlich beide erwachsene Menschen.", meinte Hermine sehr sachlich.
Sie war überrascht als Snape keinen zynischen Kommentar von sich gab, da sie sich als erwachsen bezeichnete. Entgegen ihrer Befürchtungen nickte er nur.
„Was meine Schularbeiten betrifft, möchte ich, dass sie sich nicht einmischen.", erklärte Hermine schließlich, „Ich bin in der Lage mir meine Zeit selbst einzuteilen und wie sie wissen ist der Widerstand auch ein großer und sehr akuter Zeitfaktor."
„Das hatte ich nicht vor Ms Granger. Sie leben ihr Leben, ich lebe meines.", sagte er nur sachlich.
„Hervorragend. Was die Benutzung des Badezimmers betrifft, so können sie es am Morgen natürlich zuerst benutzen, ich brauche nicht lange.", meinte sie schließlich.
„Mir geht es ähnlich.", meinte er nur.
„Nun denn, zu den wichtigeren Angelegenheiten. Wie ich schon sagte erachte ich es als ausgesprochen wichtig und dringend notwendig, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass wir im Ernstfall aufeinander angewiesen sind. Es ist also eine gewisse Offenheit notwendig. Wir müssen bis zu einem gewissen Grad aufeinander Vertrauen können.", erklärte Hermine schließlich.
„Das sehe ich wie sie.", sagte er sehr knapp.
„Möglicherweise ist es notwendig, dass wir einander Informationen geben, die unsere jeweilige Gruppe betrifft.", wurde sie deutlicher.
„Das ist mir ebenfalls bewusst."
Vertrauen zueinander fassen wäre Hermines Einschätzung nach das schwierigste für sie beide. Allerdings würde sich durch das Zusammenleben auf diesen engen Räumen ohnehin einiges in ihrem Umgang miteinander ändern. Da das Gespräch derart zivilisiert verlief und sie sich derart einig waren, schwanden die meisten ihrer Bedenken.
„Vielleicht ist das sogar hilfreich im Bezug auf die Vernetzung des Widerstandes.", meinte Hermine mit einem Lächeln.
Snape stimmte ihr mit einem Nicken zu.
„Ich würde ihnen empfehlen morgen mit der Direktorin auch das Thema Vernetzung zu diskutieren.", meinte Snape dann sachlich und Hermine nickte.
„Gut, wenn es weiterhin nichts zu besprechen gibt, werde ich schlafen gehen.", meinte sie und trank ihren Tee, der mittlerweile kalt geworden war in einem Zug leer.
Sie hatte sich derart auf das Gespräch konzentriert, dass sie ganz darauf vergessen hatte. Als sie die Tasse von Snape betrachtete fiel ihr auf, dass es ihm wohl nicht anders gegangen war. Auch er trank schnell aus.
Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass auch er schlafen gehen wollte, aber offenbar warteten wollte bis sie schlief.
„Nun, ich denke vorläufig hätten wir alles Dringende besprochen.", meinte Snape.
„Sie bleiben noch wach?", fragte sie.
Snape nickte.
Auf halbem Weg wandte sie sich zu ihm um.
„Sie warten doch nicht meinetwegen. Hören sie, das ist vielleicht noch ein Punkt den wir klären sollten. Ich würde sie bitten zu versuchen so normal wie möglich weiter zu leben, ich will nicht ihren Tagesablauf behindern.", erklärte sie.
„Ich habe in der Tat auch daran gedacht mich schlafen zu legen.", gestand Snape sich selbst und ihr ein.
„Dann fühlen sie sich durch meine Anwesenheit daran bitte nicht behindert.", bat ihn Hermine.
Er nickte und stand nun ebenfalls auf.
„Sie können das Bad gerne zuerst benutzen.", meinte sie dann.
Snape schüttelte nur den Kopf.
„Sie sollten sich auch durch meine Anwesenheit nicht in ihrer Routine gestört fühlen. Es mag ja sehr rücksichtsvoll sein, aber ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie es mit der Rücksicht nicht allzu sehr übertreiben würden.", meinte er sichtlich etwas unzufrieden.
„Ich nehme an es dauert einfach eine Weile bis wir einen Weg gefunden haben miteinander… ähh… normal umzugehen.", murmelte Hermine und ging dann ins Badezimmer.
