Azkaban
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Seit der Schlacht waren inzwischen gut zwei Wochen ins Land gezogen, welches allmählich zur Ruhe kam. Die Zauberwelt hatte angefangen aufzuatmen. Die Meisten zumindest. Jedoch nicht Hermione.
Daniel entließ sie erst jetzt, auf ihr mehrmaliges Drängen und Betteln, endlich aus dem St. Mungos. Sie wäre psychisch noch zu mitgenommen, hatte er gemeint, was sie anders sah und sich keine Sekunde länger ans Bett fesseln ließ.
Kaum aus der Klinik raus, führte sie ihr Weg weder nach Hause, noch zu den Weasleys. Nein, sie verschwand direkt ins Ministerium, zu der entsprechenden Verwaltungsstelle der Strafkammer und organisierte sich, auf nicht ganz legalem Weg, eine Zutrittsberechtigung für Azkaban. Dort drohte sie jedoch, beim Direktor der Gefängnisaufsicht, auf Granit zu beißen, als sie schilderte, zu wem sie wollte.
„Besucher sind nicht gestattet!", schnauzte sie der bullige, stark untersetzte Mann mit Halbglatze ungehobelt an. Dabei blitzte in den kleinen Schweinchenaugen eine helle Freude auf. Hermione knurrte innerlich.
Sie hatte es bereits geahnt. Blaise hatte ihr erzählt, dass sie niemanden zu Draco ließen. Weder seine Freunde, noch seine Mutter, oder gar jemanden vom Orden, denn Tonks und Remus waren ebenfalls abgeblitzt.
Vielleicht gestaltet sich die Sache bei anderen Personen aber ein wenig anders?, dachte sie durchtrieben und setzte ein furchtbar enttäuschtes Gesicht auf.
„Wirklich zu schade", seufzte sie, zog einen Schmollmund und spielte gedankenverloren mit ihrem Zauberstab.
„Eigentlich wollte ich mich noch auf spezielle Art bei ihm bedanken." „So?", spitzte der Direktor, zu dem sie wieder sah und nickte.
„Ja. Sehen Sie, ich hatte noch zwei, drei Rechnungen mit ihm offen, da er während unserer Schulzeit immer besonders nett zu mir war! Leider konnte ich mich denen nicht widmen, da die Typen vom Ministerium ihn viel zu schnell weggeschleppt haben!", funkelte sie den Dicken unsagbar wütend an.
„Granger, sagten Sie?", wiederholte er ihren Namen nachdenklich. Sie nickte.
„Sie waren doch auch mit Harry Potter an der Schlacht beteiligt? Die junge Mugglehexe, das sind doch Sie?" „Ganz recht", bestätigte sie ihm, worauf er bedächtig nickte.
„Ich kann mir gut vorstellen, wie nett dieser kleine Bastard zu Ihnen gewesen ist, Miss." „Dann verstehen Sie sicher mein Anliegen?" „Selbstverständlich." „Würden Sie mir dann den kleinen Gefallen tun und eine Ausnahme machen? Bitte. Es bleibt ein Geheimnis", versprach sie mit einem durchtriebenen Grinsen, was den Direktor selbst grinsen ließ.
„Ich denke, da lässt ich etwas einrichten. Kommen Sie." Damit stand er auf und deutete ihr, ihm zu folgen. Einerseits erleichterte Hermione es, andererseits kochte aufs Neue die Unruhe in ihr hoch. Es behagte ihr nicht, dass man sie nur auf die vermeintliche Bitte, dass sie Draco schaden wollte, zu ihm ließ.
„Es ist wirklich ärgerlich, dass das Gremium sein Urteil nicht bei allen durchsetzen konnte. Diese ganzen Bastarde gehören ein für alle Mal von der Erdoberfläche getilgt", sinnierte der Direktor wütend.
„Solch widerliches Gesocks wie die, gehört bis in die Ewigkeit bestraft! Wenn es möglich wäre, sollte man ihr Dasein als Geister auch noch an Ketten binden", meinte er weiter, in der Hoffnung, dass Hermione in seine Hasspredigt einstimmte. Doch die Löwin hörte ihm kaum zu, da das mulmige Gefühl in ihr immer schlimmer wurde, je tiefer sie in die Katakomben vordrangen. Ihr Blick huschte unentwegt an einigen der Zellentüren vorbei, aus denen sie Schreie, gequältes Gejammer und Gewinsel vernahm. Der Direktor sah es.
„Keine Sorge, Miss. Diese Verbrecher kommen hier nie mehr raus. Nach einer angemessenen Zeit, wenn sie gebrochen sind, werden sie allesamt den Dementoren vorgeführt. Na ja… Alle außer diesem kleinen Wichser! Mir ist es wirklich unbegreiflich, warum ausgerechnet der Orden des Phönix jetzt so einen Aufstand wegen dieser Kakerlake macht!", grunzte er. Zum Glück schien der Mann nicht zu wissen, dass sie selbst ein Mitglied des Ordens war und -
„Du dreckiges Schlammblut!", zischte plötzlich eine leicht wahnsinnige Stimme zornig. Hermione zuckte unter dem Laut und der Beschimpfung unweigerlich zusammen und wich getrieben hinter den Direktor. Als sie aufblickte, entdeckte sie Lucius Malfoy an den Gitterstäben des kleinen Verschlags seiner Zelle, der sie verhasst anstarrte.
„Du elende Missgeburt! Was willst du hier? Nach dem Blutsver-" „Silencio!", warf sie dem alten Malfoy rasch entgegen, bevor er etwas sagte, was den Direktor nur stutzig machen würde. Dieser musterte Hermione kurz verwundert, die allein auf den Anblick Lucius' weiß im Gesicht geworden war.
Der Dicke schien sich dann allerdings seinen Teil zu denken und richtete seinen Zauberstab ebenfalls gegen den Blonden, worauf es ihn richtig in seine Zelle zurückwarf. Im nächsten Moment schloss sich der kleine Verschlag, aus dem er gesehen hatte und es kehrte Ruhe ein.
„Keine bange, Miss. Dieser Teufel wird seine Strafe bekommen." „Merlin sei Dank", murmelte sie noch immer klopfenden Herzens und strich sich fahrig über die Stirn.
„Man wird Ihnen hier nichts zuleide tun, keine Sorge. Wenn etwas sein sollte, ein Ruf genügt und unsere geschätzten Kollegen sind sofort zur Stelle. Es kann auch jemand bei Ihnen bleiben, wenn Sie das wünschen? Es bleibt alles in diesem Haus. Kein Wort wird diese Mauern je verlassen", versicherte der Direktor ihr schmunzelnd, worauf sie nickte.
„Danke, aber… Ich würde es vorziehen, ungestört zu sein", gab sie ihm noch immer leicht zittrig zurück und sah nochmal nervös nach hinten zu der Zelle, in der Dracos Vater hockte. Wenig später verschwanden sie um eine Ecke, sodass sie seine Zelle nicht mehr sah. Nur kam damit die Ruhe nicht zurück, sondern löste sich noch stärker im Nichts auf.
Der Trakt, den der Direktor nun mit ihr betrat, führte sie ungleich tiefer in das unheilbringende Gemäuer. Dieser war noch dunkler und kälter als die Vorangegangenen. Kalt genug, dass ihr Atem Kondenswölkchen heraufbeschwor und sie ihre Jacke fester um den Körper schlang.
Sie konnte nicht sagen warum, irgendwie hatte sie aber das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Darüber hinaus meinte sie jegliches Gefühl von Wärme zu verlieren. Es war ein Gefühl wie das der -
„Dementoren?", entwich es ihr entsetzt, als urplötzlich eines dieser Geschöpfe, wie aus dem Nichts, vor ihr auftauchte und drohte, ihr noch mehr die Kraft zu nehmen. Dass es nicht dazu kam, lag an ihrem Begleiter, der einen kleinen Patronus heraufbeschwor und den Dementor damit auf Abstand hielt. Dieser verschwand nur Sekunden später in den kalten, düsteren Schatten des Gemäuers.
„Bitte entschuldigen Sie", drehte der Mann sich zu Hermione, die noch immer zitterte und ihn bleich, mit vor Entsetzen geweiteten Augen, ansah.
„Was macht der hier?", entwich es ihr fassungslos. Verdammt, Ginny hatte gesagt, Kingsley hätte diese Todesboten abziehen lassen! Wie kam es dann, dass einer von denen hier herumschwebte?
„Etwas Unbehagen verbreiten", schmunzelte ihr Gegenüber, worauf sich ihre Augen panisch weiteten.
„Wissen Sie, unser Aushilfs-Minister…", schnarrte der Direktor abfällig.
„… war doch tatsächlich der Meinung, es wäre unmenschlich, diese Kreaturen in Azkaban zu belassen. Wir hier waren allerdings der Ansicht, dass ihre Anwesenheit in gewissen Fällen durchaus noch tragbar ist." „In gewissen Fällen?", stammelte Hermione. Ihr Begleiter grinste nur durchtrieben, sodass ihr die Antwort direkt ins Gesicht sprang.
Draco.
Sie hatten ihn also wirklich hier unten mit diesen Dingern weggesperrt, um ihn zusätzlich zu quälen! Etwas, was sie Hermiones Meinung nach mit Lucius und den übrigen Death Eatern machen konnten, aber doch nicht mit ihm!
„So, da wären wir", verkündete der Direktor fröhlich und blieb an einer schwarzen Zellentür stehen. Diese war komplett geschlossen, ganz anders als die in den oberen Trakten, was Hermione das Herz noch verängstigter hämmern ließ.
Schließlich schloss der Mann die schwere Tür auf und öffnete diese. Dadurch fiel ein schmaler Lichtstrahl in die dunkle, feuchtkalte Zelle, in der Hermione in der ersten Sekunde nichts erkannte. Hinter ihr sprach der Direktor unterdessen einen Zauber, der das Verlies etwas erhellte und die Hexe den Blonden, zusammengekrümmt auf dem Boden liegend, vor sich entdeckte.
Auf den Anblick hatte sie das beklemmende Gefühl, ihr Herz würde still stehen. Ihr wich mit einem Schlag sämtliche Wärme aus dem Körper, ebenso wie ihre Kraft drohte im Nichts zu verschwinden. Sie hätte so um ein Haar ihren Zauberstab fallengelassen.
„Sie kommen klar, Miss Granger?", fragte der Direktor noch immer lächelnd, worauf sie gar nicht reagierte. Stattdessen sah sie entsetzt, wie auch aschfahl auf die reglose, zerbrechliche Gestalt, die mit dem Rücken zu ihr, in Ketten, kaum zwei Meter entfernt auf dem feuchten Boden lag.
„Miss?" „Ich… J-Ja. Ja, natürlich", stammelte Hermione. Sie hatte Mühe, ihre Fassade aufrechtzuerhalten, da alles in ihr danach schrie, sofort zu Draco zu stürzen und ihn zu sich zu nehmen.
Verdammt, was haben diese Bastarde ihm angetan?
„Nun, wenn Sie bei irgendetwas Hilfe benötigen oder dergleichen… Einer der Kollegen ist in der Nähe. Sie brauchen nur rufen." „Danke, aber… Das wird nicht nötig sein", murmelte sie und versuchte mit ihren letzten Worten, mehr schlecht als recht, ihr Schauspiel wieder stärker aufzunehmen. Der dicke Kloß in ihrem Hals drohte jedoch alles zunichtezumachen.
„Geht es Ihnen gut?" „Ja. Es ist nur … etwas kalt", zitterte ihre Stimme ein wenig, worauf sie sich nochmal über den Oberarm rieb. Der Direktor nickte auf den Anblick verstehend.
„Das wird durch die Dementoren kommen. Ich werde veranlassen, dass sie während Ihres Aufenthalts erst einmal in einen anderen Trakt verschwinden." „Danke", zitterte sie noch immer, und das am ganzen Körper. Ihre Beine fühlten sich mittlerweile an wie Pudding, während ihr Innerstes mit jeder Sekunde mehr in Brand geriet, je länger sie ungerührt auf das vor sich sehen musste.
„Gut. Wie gesagt, wenn Sie etwas benötigen oder -" „Ich wäre jetzt gerne allein", unterbrach sie den Direktor schnell, damit er endlich ging und sie zu Draco konnte.
„Selbstverständlich. Nun, dann begleichen Sie mal Ihre Rechnung", schmunzelte er augenzwinkernd und verschwand. Hermione blieb allerdings noch einen kurzen Moment reglos stehen, um ganz sicher zu sein, dass der Typ wirklich weg war und sie nicht mehr hörte. Erst dann stolperte sie zu Draco und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen.
„Draco?", hauchte sie verängstigt, als sie ihn vorsichtig bei den Schultern ergriff und behutsam auf den Rücken drehte, was ihm ein gequältes Wimmern entlockte. Als sie ihn richtig sah, drohte der Schmerz in ihr gänzlich überzukochen. Er war mehr tot als lebendig. Was sie hier vor sich hatte, das war ein Schatten seiner selbst.
Er war restlos fahl. Das Gesicht eingefallen, der Körper ausgemergelt, wie auch grün und blau geprügelt. Um die Hand- und Fußgelenke lagen dicke Eisenschellen, die an ebenso dicken Ketten miteinander verbunden waren. Seine Gelenke waren blutig wund gescheuert und stark entzündet. Zudem waren es nicht nur diese Wunden, die seine Gestalt zierten.
Die verwanzte, graue Sträflingskleidung, die er trug, war an mehreren dutzend Stellen dunkel verfärbt. Alte aber auch frische Blutflecke wie sie erkannte, als sie das Hemd etwas hoch zog. Sein Körper war übersät mit blutigen Striemen, Schnitten und kleineren Einstichen, die stellenweise bereits eitrig waren.
Sein Gesicht war beinahe grau, zerschrammt und verdreckt. An der Stirnseite prangte noch immer die dicke Platzwunde, die er sich beim Kampf in Hogwarts zugezogen hatte. Diese war mittlerweile völlig entzündet. Unter seinen Augen, aber auch auf den verschlossenen Lidern, zeichneten sich tiefdunkle Schatten ab. Seine Lippen waren rissig und bleich. Aus diesen strömte schwer keuchend sein heißer Atem. Und er war kalt. Sein ganzer Körper war eiskalt, was kein Wunder war, hier in diesem Loch. Sie fror ja selbst und da trug sie noch wesentlich dickere Kleidung, als dieses dünne Leinenzeug, was seinen Körper verhüllte.
Sie zog sich rasch die Jacke aus und legte sie ihm über, bevor sie sich etwas anders hinhockte, um ihn richtig nehmen und warmhalten zu können. Als sie ihm die Hand vorsichtig auf die blass-kalte Wange legte, bemerkte sie da erst, dass er völlig verschwitzt war. Nur einen Moment später glitt ihre Hand auf seine Stirn. Diese glühte. Er hatte wahnsinnig hohes Fieber, was ihr noch stärker die Tränen aus den Augen trieb, die ihm letztlich aufs Gesicht tropften.
„Draco? Hörst du mich?", hauchte sie, doch er reagierte nicht, sodass ihre Hand erneut wanderte. Kurz darauf lag sie auf seiner Wange, über die sie behutsam streichelte, bevor sie ihren Zauberstab nahm. Sie versuchte seine Wunden zu säubern und mit dem Episkey ein wenig zu heilen.
Der Zauber tat allerdings mehr schlecht als recht seine Wirkung. Offensichtlich war hier auch noch schwarze Magie am Werk. Diese ganzen neuen Verletzungen schienen nicht nur aufgrund blutigster Brutalität zustande gekommen sein. Da steckte wesentlich mehr dahinter.
Mit dieser Erkenntnis schickte sie drei Patroni los. Einen zu Minerva, einen zu Tonks und einen zu Blaise, in der Hoffnung, dass die Drei irgendetwas bewerkstelligt bekamen, um Draco hier rauszuholen, denn das würde er definitiv nicht bis zur Verhandlung überleben.
Als die kleinen Geister weg waren, beschwor sie ihren Patronus, was ihr unendlich schwer fiel. Sie war kaum noch in der Lage, einen glücklichen Gedanken zu fassen, um die noch immer vorherrschende, feuchte Kälte zu vertreiben, denn der Atem der Dementoren reichte weit. Zu weit.
Als sie es geschafft hatte, rollte sich der Otter neben ihr und Draco zusammen und ließ ihnen etwas Wärme und Zuversicht. Eine leise Hoffnung, womit sie aufblickte und eine schmutzige Schale, samt kleinem Becher entdeckte. Den Becher dirigierte sie sich ran und füllte ihn mit frischem Wasser, welches sie Draco vorsichtig einflößte.
Der Blonde hustete den winzigen Schluck allerdings gequält, wie auch halb erstickend wieder heraus, der sich zudem mit etwas Blut vermischt hatte, worauf sie schmerzlich das Gesicht verzog.
„Draco?", rief sie ihn erneut, doch er murmelte nur brüchig.
„…wassa…" Daraufhin machte sie den Becher nochmal voll und versuchte ein zweites Mal, ihm behutsam etwas davon zu reichen. Zwar hustete er anfangs wieder, schluckte die klare Flüssigkeit dann aber. Und das immer gieriger. Er schien halb am Verdursten. Hermione konnte sich inzwischen denken warum.
Diese Bastarde schienen ihm zu allem Überfluss kaum das Nötigste gelassen zu haben. Und so wie dieser Direktor gesprochen hatte, schienen sie es darauf angelegt zu haben, ihn hier in diesem Loch ungesehen sterben zu lassen. Und das nur, da er durch den Orden dem Urteil mit den Dementoren entgangen war. Die Situation war für ihn dadurch jedoch nicht besser, sondern nur noch schlechter geworden.
Als er den Kopf schwach zur Seite neigte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen und sah zurück auf ihn. Er keuchte noch immer schwer, hatte scheinbar aber erstmal genug. Sie stellte den Becher beiseite und legte die Hand auf seine Wange, über die sie behutsam streichelte. In den Augen frische Tränen, die ihr im Stillen über die Züge kullerten und ihm erneut aufs Gesicht tropften.
„Wir holen dich hier raus. Ich versprech's. Wir finden einen Weg. Wir werden dir helfen, also mach jetzt nicht schlapp, hörst du? Ich werde -", stockte sie, als er schwach blinzelte.
Als sie in die fiebrig, glasigen, kleinen, grauen Augen sah, in denen kaum noch ein Funken Leben schimmerte, durchzuckte ein schmerzhafter Stich ihren Körper, der sich tief in ihr Herz bohrte. Dennoch versuchte sie zu lächeln und strich ihm behutsam, wie auch beruhigend über die Wange. Zeitgleich kullerten ihr die Tränen noch stärker aus den Augen und fanden ein weiteres Mal ihr Ziel auf seinen Zügen.
„Hey", bekam sie nur kratzig heraus, da es ihr die Kehle vermehrt zuschnürte.
„'erms. . .", zitterte seine Stimme schwach, worauf sie nickte und sich erneut ein kleines Lächeln auf die Lippen zwang. Sie wusste nicht warum, aber sie war sich sicher, dass diese brüchige Silbe ihr Name hatte werden sollen.
„Es ist alles gut. Ich werd dir helfen. Hörst du? Ich hab schon ein paar Patroni losgeschickt, damit die Anderen Bescheid wissen. Wir holen dich hier raus und dann geht's dir bald besser. Es wird alles gut, okay? Ich werd dich hier nicht alleine lassen. Ich lass dich nicht im Stich", versprach sie und strich ihm durch die strähnig gewordenen Haare.
„Du musst bloß noch ein bisschen aushalten. Okay?", hauchte sie leicht zittrig und sah ihm in die kleinen, fiebrigen Augen. Sie suchte dort nach einem Zeichen, dass er sie verstanden hatte. Doch sie fand nichts. Stattdessen zog es ihm die Lider in einem unruhigen Flattern gänzlich zu.
„Draco? Hey!", schlug sie ihm sacht auf die Wange.
„Nicht, bleib wach!", drängte sie ihn, doch er war wieder weg, was sie sich furchtbar bitter besah und ihn noch mehr umschloss. Irgendwann beschwor sie noch eine kalte Kompresse herauf, die sie ihm auf die brennende Stirn legte und ihre Hand auf dieser ruhen ließ. Mit dem anderen Arm hielt sie ihn umschlungen und damit so warm sie konnte.
„Es wird alles gut", hauchte sie und drohte in diesem bitteren Schmerz zu versinken, als sich ohne Vorwarnung die Tür öffnete und der bullige Direktor freudig zu ihr hinein lugte.
„Entschuldigen Sie, Miss. Ich wollte nur mal sehen, ob Sie zurecht-", brach er schlagartig ab, als er das Bild vor sich gänzlich erfasste.
Hermione, die, ganz anders als er erwartet hatte, nicht damit beschäftigt war, Draco zu foltern. Nein, stattdessen entdeckte er sie auf dem Boden sitzend, den schwerverletzten Jungen schützend in den Armen geborgen. Ihre Jacke lag wärmend über seiner kranken Erscheinung ausgebreitet, während ihre Hand mit einem Tuch auf seiner Stirn ruhte. Auf ihren Zügen schimmerten dutzende von bitteren Tränen, die schlagartig noch bleicher und zudem panisch wurden, als sie den Mann sah.
Der Direktor schien für ein zwei Sekunden zur Salzsäule erstarrt, bevor aus seinem Gesicht der freundliche Ausdruck wich. Dem folgte kurze Verwirrung, bis diese beinahe nahtlos in grenzenlose Wut umschlug und er damit die Zelle betrat.
„Was soll das?!", ereiferte er sich lautstark. Zeitgleich kochte unbändige Wut in Hermione hoch.
„Was das soll? Was habt ihr Bastarde ihm angetan?!" „Raus!", knurrte der Direktor zornig.
„Den Teufel werd ich!", fauchte sie, worauf etwas in den tückischen, dunklen Augen aufblitzte. Nur den Bruchteil einer Sekunde später hatte der Mann seinen Zauberstab gezückt und ihr Dracos Gestalt ruckartig entrissen „NEIN!", die er energisch gegen eine der Zellenwände schleuderte. Dort schlug der schlaffe Körper rücklings gegen die Steinmauer, bevor er an dieser herabsank und reglos liegen blieb.
„Draco!", keuchte Hermione geschockt. Sie wollte zu ihm stürzen, doch da ergriff der Direktor sie grob am Oberarm und riss sie gewaltsam zu sich.
„Es reicht!", raunte er, sodass sie versuchte, ihren Zauberstab auf den Mann zu richten. Dieser war um einiges flinker, als seine plumpe Gestalt vermuten ließ.
Er entriss ihr den Stab, noch bevor Hermione dazu kam, ihm einen Zauber entgegenzuwerfen. Stattdessen schlug sie nach ihm, doch er packte sie blitzschnell an den Handgelenken, die er ihr brutal auf den Rücken drehte, worauf sie schmerzvoll keuchte.
„Ich dulde derartige Machenschaften nicht in meinem Haus!", knurrte er unheilvoll und zwang sie halb in die Knie.
„Sie werden jetzt gehen, Miss", raunte er düster. Nur einen Moment später tauchte einer der Wärter auf.
„Die junge Dame möchte Azkaban auf schnellstem Weg wieder verlassen. Schaff sie weg und sorg dafür, dass sie draußen bleibt! Ich will hier niemanden haben! Danach schickst du mir die beiden Dementoren her. Auf sie wartet Arbeit." „NEIN!", schrie Hermione, allein auf die bloße Vorstellung, was dann sein könnte und wohl auch sein würde.
„Lasst ihn in Ruhe! Bitte! Er hat nichts getan! Er gehört nicht zu denen! Er ist kein Death Eater!", schrie sie durch die Gänge und wand sich im Griff des Wärters, der sie immer weiter von Draco wegzerrte. Die schwere Tür war mittlerweile wieder ins Schloss gefallen. Nur war Draco hinter dieser nicht allein, sondern mit dem wütenden Direktor eingesperrt, sodass ihr die fürchterlichsten Bilder durch den Kopf schossen, was ihm dieser Mann gerade antat.
„Draco! DRACO!", schrie sie verzweifelt.
„Verdammt, LOSLASSEN! Er ist keiner von denen! Er hat mit uns gekämpft! Er hat gegen die Death Eater gekämpft!", hallte ihre Stimme durch die Gänge, was auch dutzende der Insassen hörten.
„Scheint das Wizengamot aber anders zu sehen", höhnte der Wachmann gehässig. Kurze Zeit später war er mit ihr am Portal, durch welches der Wärter sie hinaus stieß.
Hermione stürzte durch den dumpfen Schlag ins Kreuz und kam so nicht mehr dazu, noch irgendwie etwas auszurichten. Das schwere Tor fiel hinter ihr ins Schloss und verriegelte sich magisch, noch bevor sie ganz auf den Beinen war, was sie dennoch nicht daran hinderte, wütend, wie auch fertig, dagegen zu hämmern.
„Lasst ihn in Ruhe! Draco! DRACO!", schrie sie wider besseren Wissens und sackte schluchzend zusammen.
Das war ein Albtraum. Das alles war ein einziger Albtraum! Sie würden ihn umbringen. Dessen war sie sich sicher. Wenn nicht auf dem direkten Weg, dann über den indirekten der Gefangenschaft.
Verdammt, er war bereits am Ende seiner Kräfte. Wenn dieser Typ und die Dementoren ihm nun noch mehr schadeten, würde er den nächsten Morgen nicht mehr erleben! Er brauchte Hilfe, und zwar jetzt, weshalb sie sich krampfhaft zur Ruhe zwang und versuchte halbwegs klar zu denken.
Minerva und Tonks hatte sie informiert, sodass es auch Remus wissen müsste. Die Drei hatten eher noch eine Möglichkeit, etwas zu reißen als sie allein. Aber wer noch? Harry vielleicht, nur würde sie den nicht so schnell überzeugen können. Davon abgesehen war auch sein Wort begrenzt. Also, wer noch? Wer könnte ihr helfen? Wer hatte Weisungsbefugnis über Azkaban?
„Kingsley!", fiel es ihr schlagartig ein. Er hatte die Dementoren abziehen lassen. Vermutlich wusste er gar nichts von den Zuständen, die hier herrschten. Ja mit großer Wahrscheinlichkeit wusste er wirklich nichts davon. Immerhin… So wie der Direktor geredet hatte… Die beiden Dementoren waren offensichtlich nur auf sein Geheiß noch in Azkaban.
Damit schnappte sie sich ihre Jacke und den Zauberstab und stürzte zurück zur Landungsbrücke mit den Booten, die sie aufs Festland brachten, von wo sie auf direkten Weg ins Ministerium apparierte. Sie hoffte inständig, dass Kingsley dort war.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
