Kapitel 49

Eine halbe Stunde später stand Vader auf der Brücke der EXECUTOR und starrte wieder einmal hinaus in das milchige Licht des Hyperraums. Es gab absolut nichts zu sehen, aber selbst wenn, hätte er es derzeit nicht wahrgenommen.

Er war tief in Gedanken und versuchte immer wieder, einen Kontakt zu Luke herzustellen – aber umsonst. Alles, was er spürte, war das Band zwischen ihnen, das stabil und einigermaßen fest war. In unregelmäßigen Abständen schien sein Sohn kurz zu sich zu kommen, dann schwappte eine Welle des Schmerzes zu ihm herüber, aber es dauerte nie lange, bis erneut Schwärze das mentale Band umhüllte.

Vader seufzte und drehte sich um. Seine Leute arbeiteten ruhig und effizient wie immer – und seit seiner Ansprache schien sich die Stimmung ein wenig verlagert zu haben. Er konnte weniger Furcht spüren – aber einen enorm gewachsenen Respekt. Schon zuvor hätte die Crew jeden seiner Befehle ohne zu zögern ausgeführt, aber zum Teil auch aus Angst vor seinem Zorn. Nun aber war ihr Vertrauen gewachsen. Sie waren entspannter, wenn auch nicht weniger aufmerksam, im Gegenteil. Ihr Eifer war immens.

Piett trat neben ihn und gab unaufgefordert Antwort auf eine Frage, die er nicht laut gestellt hatte – aber was ihn beschäftigte, war leicht zu erraten.

„Noch knapp zwei Stunden, Mylord." Firmus sah zu ihm auf, ruhig und gelassen, die Hände auf dem Rücken ineinandergelegt. „Max weist bereits die Truppen ein – er hat Schneeausrüstung ausgeben lassen."

Vader nickte, und ein leichtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Ein guter Mann. Eine Spitzencrew. Das beste Schiff von allen. „Ich habe mich mit ihm besprochen. Es sollen nur in den höheren Rängen Gefangene gemacht werden, aber ich will genug Leute zum Verhör, um herauszufinden, wer hinter dieser Aktion steckt."

„Wie finden wir heraus, wo auf dem Planeten wir suchen müssen, Mylord?" erkundigte Piett sich besorgt.

„Ich denke, die größeren Ansiedlungen können wir ignorieren.", antwortete Vader ruhig. „Gemäß unserer Datenbank ist ein Großteil des Planeten sehr zerklüftet und mit Höhlen durchsetzt. Scannen Sie abseits der Städte und Dörfer nach Wärme und Lebensformen, sobald wir in Reichweite sind, und zeigen Sie mir dann die Ergebnisse. Lukes Präsenz ist stark – sie sollte mich wie ein roter Faden zum richtigen Ort bringen."

„Es könnte schwierig sein, zu landen, ohne allzu früh auf sich aufmerksam zu machen.", wandte Piett ein. Auch er hatte sich schon mit dem Material über den Planeten beschäftigt. „Und Geher sind zu wenig beweglich für diese Art von Gelände."

Vader nickte. „Dann springen wir – und der Transporter kommt nach, um uns wieder aufzunehmen."

Piett zog eine Augenbraue nach oben. Gewiß, die Männer hatten solche Einsätze schon oft trainiert und auch schon aktiv hinter sich gebracht, aber der dunkle Lord würde es sich nicht nehmen lassen, daran teilzunehmen. Und Vader mit einem Fallschirm? Das war ein Bild, das irgendwie nicht in seinen Kopf wollte…

Laut sagte er nur: „Ich gebe General Veers Bescheid, Mylord.", und wandte sich ab, um zu seiner Station zurückzukehren.

Vader grinste nun offen unter seiner Maske, er hatte den Gedanken aufgenommen. Wart's ab, Firmus. Du wirst schon sehen.

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Leia indessen war – wie Vader versprochen hatte – höchstselbst von ihm abgeholt und zu einem Gästequartier geleitet worden, das ein paar Etagen tiefer und weiter vorn im Schiff lag. Nicht, daß es eine Bedeutung hatte, wo genau – aber es war definitiv keine Zelle. Es war zwar relativ klein, aber höchst komfortabel, mit einem Erfrischer, einem Replikator und einem Terminal, und das Bett war groß und sehr bequem.

Sie wußte, daß dennoch Wachen vor ihrer Tür standen, aber das war ihr egal – sie hatte es nicht anders erwartet, und sie würde ohnehin keinen Versuch machen, durchs Schiff zu schleichen. Erstens vertraute sie Vader in diesem Fall, und zweitens war die EXECUTOR dazu viel zu groß und glich für Fremde einem Irrgarten. Und nicht zuletzt wollte sie nicht durch kindisches Verhalten provozieren, eine angemessene Strafe zu bekommen, indem Vader ihr verbot, bei Lukes Rettung dabeizusein.

Der Flug nach Desevro war recht kurz. Sie hatte zunächst versucht, zu schlafen, was ihr aber nicht gelungen war, und nach einer Stunde des Dösens gab sie es auf und nahm vorsichtig und sehr aufrecht am Terminal Platz.

Vader hatte sie darauf hingewiesen, daß sie Zugriff sowohl auf Bibliothekscomputer als auch Holonet habe, aber das Mailprogramm deaktiviert sei. Auch das hatte sie mit einem Nicken und wenig erstaunt zur Kenntnis genommen. Aber sie wollte ohnehin nicht versuchen, jemanden zu erreichen. Han und Chewie würde sie bald wiedersehen, und die Allianz… nun, hier mußte sie sich erst einmal darüber klar werden, was es zu bedeuten hatte, daß Luke auf einem offiziellen Auftrag – na ja, verlorenging.

Stattdessen rief sie zunächst die imperiale Datenbank auf und gab den Namen „Skywalker" ein. Sie erhielt nur wenige Treffer – und mußte schmunzeln, als eins davon Lukes Steckbrief war, zu finden unter der Rubrik „Terroristen und Rebellen". Allerdings stutzte sie, als sie die immense Summe sah, die auf seinen Kopf ausgeschrieben war – warum beim fetten Hutt war keiner der Besatzung hier auf die Idee gekommen, die Belohnung einzustreichen? Angst vor dem Zorn des dunklen Lords und der lethalen Folgen, oder… Treue und Verbundenheit ihm gegenüber? Letzteres würde sie mittlerweile nicht mehr vollkommen in Frage stellen, wie noch vor einigen Tagen.

Die nächsten Treffer erwähnten einen gewissen „Anakin Skywalker", einen Jedi-Padawan, der zusammen mit seinem Meister, Obi-Wan Kenobi, Kanzler Palpatine aus den Händen seiner Entführer befreit hatte. Der Link fand sich unter „Lehrmaterial der imperialen Militärakademie" und brachte im Folgenden eine genaue und detailverliebte Beschreibung der Rettungsaktion, diverse Kämpfe gegen Kampfdroiden verschiedenster Bauart sowie einen „General Grievous" – dem Bild nach zu schließen ein Cyborg – und dem Verräter und Separatistenanführer Count Dooku sowie schlußendlich der Landung des Schiffes Grievous', der INVISIBLE HAND, auf Coruscant. Daß es dabei auseinandergebrochen war, wurde beinahe unter den Teppich gekehrt, aber mehrfach wurden die unbedingte Treue des Jungen zum Kanzler und sein grenzenloser Mut betont. Halb spöttisch, halb anerkennend wurde der damals geläufige Titel zitiert, den Skywalker von den Medien bekommen hatte: „Der Held ohne Furcht". Das Bild dazu zeigte einen Teenager mit leuchtend blauen Augen, kurzem, dunkelblonden Haar und einem dünnen Zopf, der fröhlich und unbeschwert in die Kamera grinste.

In einem weiteren, jüngeren Link fand sich ein Verweis auf General Skywalker als – ebenso erstaunlich - Mitglied des letzten Jedi-Rates und persönlichem Verbindungsmann zu Palpatine, der zu dem Zeitpunkt, kurz vor der Gründung des Imperiums, noch Kanzler der alten Republik gewesen war. Eine Besonderheit dabei war, daß Skywalker zwar Ratsmitglied und Ritter, aber kein Meister war, im Gegensatz zu allen anderen des Gremiums. Der Artikel, der, viel kürzer als der vorige, ein wenig versteckt und nichtssagend unter „Frühe Getreue des Imperiums" abgelegt war, verfügte ebenfalls über eine Bilddatei. Hier war Skywalker älter – und der lachende Lausbub war einem zornigen jungen Mann gewichen. Er war offensichtlich in den frühen Zwanzigern, der Ausdruck des mit einer auffallenden Narbe neben dem rechten Auge gezeichneten Gesichtes härter, das Haar war länger, dunkler und leicht gelockt, aber die Augen waren noch vom gleichen strahlenden Blau… dasselbe Blau wie…

Und die Narbe.

Sie beugte sich vor, sah genauer hin. Deckte das Haar mit einer Hand ab. Dachte nach.

Was auch immer es war – unbewußte Verwandtschaftsbande, schlafende Jedikräfte, das weibliche Auge, das einen Mann anders betrachtete als Luke es getan hatte, oder schlicht Intuition: sie erkannte ihn, im Gegensatz zu ihrem Bruder. Das war der Söldner. Eindeutig. Das war der Mann, dem sie auf Tatooine in der Cantina begegnet war. Und während der Operation war sie DOCH aufgewacht und hatte ihn gesehen…

Vader.

Er konnte offensichtlich ohne den Anzug sein. Aber warum trug er ihn dann noch?

Die Antwort lag für eine ausgebildete Politikerin schnell auf der Hand: zur Tarnung. Einerseits. Und andererseits war er schlicht eine Galionsfigur. Vader war ein Symbol, überall in der Galaxis. Auf Rebellenseite stand er für Tod und Verderben, aber das sah im Imperium bestimmt ganz anders aus – und vor allem hier, auf seinem Schiff. Vader ohne Rüstung und Maske wäre allerdings nicht Vader… ja, es war klar, warum er sie noch trug. Nächste Frage: wer wußte davon, daß er ohne sein konnte? Eine zumindest war klar: die Ärztin. Und sonst? Luke? Der Kaiser? Seine Offiziere?

Nachdenklich lehnte sie sich zurück. Sie würde ihn ganz einfach fragen… unter vier Augen. Vertrauen gegen Vertrauen…

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Zwei Stunden später ging der Türsummer. Leia wuchtete sich langsam und vorsichtig hoch und ging öffnen, sich insgeheim doch wundernd, daß – wer auch immer es war – nicht einfach hereinkam. Offensichtlich behandelte man sie, die ja eine der führenden Köpfe der Allianz war, wirklich als Gast und nicht als Gefangenen. Beruhigend zu wissen… und gleichzeitig erstaunlich. Vader hatte sich verändert, eindeutig.

Vor der Tür, zwischen den unbeteiligt geradeaus sehenden Wachen, stand allerdings weder Vader noch Veers, sondern die Ärztin. Corva, so hatte sie sich vorgestellt, bevor Vader zu ihnen gestoßen war. Seine persönliche Heilerin. Noch ein Punkt auf der Liste wundersamer Dinge.

„Hallo, Leia. Fühlen Sie sich stark genug, uns zu begleiten?" fragte sie lächelnd.

„Soll das ein Witz sein?" schnappte die Prinzessin. „Soll mal einer versuchen, mich davon abzuhalten!"

Von der rechten Wache kam ein kurzes Geräusch, das entweder eine Fehlfunktion des Vocoders im Helm – oder aber ein amüsiertes Schnauben gewesen sein konnte. Er kannte seinen Chef.

Lach du nur, dachte sie. Du kennst mich noch nicht.

Corva grinste. „Dies ist eine persönliche Einladung Lord Vaders, und Sie sollten sich darüber freuen, sie erhalten zu haben. Ohne hätten Sie nämlich keine Chance. – Hier entlang."

Leia folgte ihr die Gänge entlang und in einen Lift, der sonderbare Bewegungen machte – nicht nur nach unten, sondern auch zur Seite und vorwärts. „Was - ", begann sie überrascht.

„Keine Sorge, das ist normal. Die Liftkapseln hier bringen einen quer durchs Schiff – man muß zwar unter Umständen mal umsteigen, aber es hält sich in Grenzen. Die EXECUTOR ist einfach zu groß für normale Standards."

Die Prinzessin nahm das ebenso zur Kenntnis wie die peinliche Sauberkeit überall und die Höflichkeit der Leute, die ihnen begegneten. Ob die Grüße Corva, ihr oder ihnen beiden galten, war nicht auszumachen, aber sie wurde jedenfalls nicht wie ein Feind behandelt.

„Wo gehen wir hin?"

„Zur PRIDE, einer Fregatte. Sie wird die Truppen über den Einsatzort bringen."

„ÜBER?"

Corva nickte und lehnte sich an die Liftwand an. „Desevro ist ein sehr zerklüfteter Planet mit subarktischem Klima. Scans und Lord Vaders Gefühl haben einen Ort ausgemacht, offensichtlich eine Höhle, die im Gebirge liegt. Landen ist schwierig – und unbemerkt landen und sich zu Fuß annähern unmöglich. Also springen sie. – Hier sind wir."

Die Türen öffneten sich in einen riesigen Hangar, in dem sich soeben eine Hundertschaft Soldaten auf den Einsatz vorbereitete. Es herrschte, anders als bei den Rebellen, kein Durcheinander und nur wenig Hektik, im Gegenteil schien sich jeder sehr gezielt zu bewegen und genau zu wissen, wo was lag und wohin er es zu bringen hatte. Niemand war sich im Weg, niemand brüllte, und alles verlief effizient und beinahe gelassen, wie es den Anschein hatte. Mittendrin standen Vader und Veers – der ebenfalls Rüstung trug - nebeneinander und glichen gemeinsam eine Liste auf einem Datenpad ab; die Männer bewegten sich um sie herum, ohne sich an der Tatsache zu stören, daß der ranghöchste Offizier auf diesem Schiff anwesend war – der zweitmächtigste Mann des Imperiums sogar. Leias Erstaunen hatte mittlerweile ein Level erreicht, das ihre Skala zu sprengen drohte.

Nur Sekunden später beschloß sie, die Skala nach oben zu erweitern, als ihr das Schiff auffiel, das eben bereitgemacht wurde. Für ein Schiff dieser Größe hätten die Rebellen nicht einmal einen Hangar gehabt… und hier lag es seelenruhig in Gesellschaft von zwei weiteren, noch größeren – und im Hintergrund standen sogar noch AT-AT und AT-ST!

Sie blinzelte und beeilte sich dann, Corva zu folgen, die mittlerweile neben Lord Vader stand.

„Ah, Leia. Geht es Euch gut genug, um uns zu begleiten?", erkundigte Vader sich ebenfalls.

„JA!" knurrte sie ungehalten. „Stünde ich sonst hier? Natürlich will ich dabeisein!"

Vader schien amüsiert, als er sich umdrehte und eine Thermo-Latzhose, dicke Stiefel und einen Parka von einem Stapel Kisten nahm und ihr reichte. „Hier. Für später."

„Wie meint Ihr das – später?"

Er sah Corva an. „Hast du ihr das noch nicht erzählt?"

„Natürlich habe ich das."

„Was genau", wandte er sich nun wieder an Leia, „versteht Ihr also nicht an ‚wir springen'?"

Sie sah ihn verwirrt an. „Wieso?"

Er seufzte. „Wenn Ihr glaubt, ich überlasse Euch einen Fallschirm, ohne zu wissen, ob Ihr es überhaupt beherrscht, irrt Ihr Euch gewaltig. Und schon gar nicht mit einem solchen Loch in der Seite. Diesmal bleibt Ihr an Bord, bis das Schiff gelandet und es sicher für Euch ist, Prinzessin. Ihr werdet schon nicht alles von der Show verpassen, keine Sorge."

„Aber - "

Ihr Protest verklang ungehört, als er sich umwandte, um von einem Captain der Sturmtruppen in normaler Sturmtruppenrüstung die Statusmeldung entgegenzunehmen, daß alles bereit sei.

„Danke, Arik." Ohne sich weiter um Leia zu kümmern, ging Vader an Bord, gefolgt von einem schmunzelnden Veers und einer grinsenden Corva. Der junge Captain musterte Leia neugierig, bevor er ihm folgte und sah fragend zu einem anderen Offizier hinüber – jedenfalls trug er ebenfalls eine weiße Stahlplastikuniform mit den Abzeichen eines Captains, auch wenn er erstaunlich langes, im Nacken zusammengebundenes Haar hatte. Dieser nickte ihm zu.

„Geh rein, Vetter, wir kommen sofort."

Der zuvor von Vader mit Arik angesprochene Offizier nickte und ging an Bord, während der andere, seinen Helm unter den Arm geklemmt, auf Leia zukam.

„Hallöchen. Ich bin Jix, ab sofort dein Schatten. Komm mit, Onkel D wird stinkesauer, wenn es nicht pünktlich losgeht."

„Onkel D?" echote Leia verwirrt, während sie ihm folgte. Sie wollte sich bei den Soldaten einreihen, die sich dort entlang der Wand auf Sitzen festgezurrt hatten, aber Jix winkte sie weiter zu einem etwas bequemer aussehenden Sessel am Ende des großen Hauptraumes, während Arik nun die Luke schloß, sicherte und im Cockpit verschwand. Kurz darauf begannen die Motoren zu dröhnen.

„Setz dich hierhin. Das ist Onkel Ds Sessel, aber der braucht ihn nicht, er gibt für den Hinflug den Piloten."

Sie nahm eilig Platz und legte die Gurte an, während Jix sich neben ihr niederließ – grade noch rechtzeitig, denn die PRIDE hob ab und verließ den Hangar.

„Fang nochmal von vorn an.", bat Leia. „Wer bist du?"

„Wrenga Jixton, genannt Jix. Ich bin Onkel Ds Neffe – sozusagen. Ich hab ihn adoptiert." verkündete er stolz und vollkommen selbstverständlich.

Leia konnte nicht anders, sie mußte lächeln. „Du meinst, Vader hat DICH adoptiert."

„Nein, ich ihn. Hab ihm mal den Arsch gerettet."

„Du magst ihn, hm?"

„Mögen? Schwester, ich liebe ihn!" rief Jix. „Er ist der Beste! Hab nie unter einem genialeren Offizier gedient. Stimmt's, Jungs?"

Die Soldaten ringsum, die das Gespräch amüsiert verfolgt hatten, nickten und lachten.

„Und was ist dein Job?" Sie musterte ihn nochmals – er sah nicht wirklich aus wie ein normaler Soldat.

„Och, alles Mögliche. Ich spiele den Botenjungen, bin Assassine, klaue Dinge aus Gebäuden, die als einbruchssicher gelten, helfe Söhne zu retten und passe auf nette kleine Prinzessinnen auf."

„Du bist ganz schön frech.", stellte sie fest, aber nicht böse – er gefiel ihr irgendwie. „Erstaunlich, daß du noch lebst."

„Er würde mich anders gar nicht haben wollen." Jix lachte. „Der Trick besteht darin, ihn wissen zu lassen, daß man ihn nicht verarscht, sondern ernstnimmt, was er sagt. Das ist wichtig. Er schätzt Ehrlichkeit über alles."

„Das tue ich zwar, Jix, aber manchmal übertreibst du.", warf Vader trocken ein, der eben aus dem Cockpit kam.

„Nur ein kleines bißchen, Onkel D.", erwiderte Jix unschuldig.

Vader schnaubte und wandte sich den Soldaten zu. „Wir haben das Zielgebiet erreicht. Fertigmachen."

Die Männer nickten, standen auf und setzten die Helme auf, dann überprüften sie gegenseitig den Sitz ihrer Fallschirme, bevor sie eine Schlange vor der Luke bildeten, die einer der Männer nun öffnete. Vader wandte sich an einen der Offiziere.

„Aktivieren Sie Ihre Helmkamera, Captain Chakrei."

„Jawohl, Mylord."

Der Mann betätigte einen Schalter an seiner Rüstung, und ein Bildschirm aktivierte sich auf der Wand ihm gegenüber.

„Sehr gut. Sie gehen als Erster, ich richte mich nach Ihrem Signal."

Chakrei salutierte und begab sich in Position, dann wartete er auf Vaders „Einsatz.", und sprang. Die anderen folgten mit jeweils etwas Abstand zueinander.

Der dunkle Lord aktivierte mit einer Handbewegung einen zweiten Bildschirm neben dem ersten, auf dem eine Außenkamera der PRIDE zeigte, wie einer nach dem anderen aus der Luke trat, sich in den freien Fall drehte und ein gutes Stück tiefer die Reißleine zog. Bald schwebten an die fünfzig weiße Tupfen sanft zu Boden. Chakreis Kamera zeigte Berge mit tief eingegrabenen Schluchten. Direkt unter ihm war ein dunkler Fleck auszumachen – Lukes Schiff.

Veers kam aus dem Cockpit und gesellte sich zu Vader, Leia und Jix. Die Soldaten, die nicht zum Sprung eingeteilt waren, sondern als Reserve im Schiff verblieben, waren nach wie vor angeschnallt, Corva saß neben ihnen.

„Hast du es dir doch anders überlegt?" fragte Veers.

„Nein… aber ich habe noch Zeit." entschied Vader nach einem Blick auf den Bildschirm.

„Zeit?" echote Max. „Die sind doch schon fast unten!"

„Ich warte noch."

„Aber du hast noch nicht mal deinen Schirm angelegt!"

Vader drehte sich zu Max und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Vertraust du mir?"

Veers runzelte die Stirn. „Was soll der Blödsinn? Das weißt du doch!"

Leia starrte verblüfft von einem zum anderen. Daß Jix eine gewisse Respektlosigkeit an den Tag legte, na schön, das paßte zu seinem flapsigen Wesen. Aber Veers? Ein General?

Dann erinnerte sie sich an den Söldner und Veers' Worte „Er… paßt auf mich auf." – und sie ahnte, daß die beiden mehr verband. Sie mußten Freunde sein. Also war Veers der nächste Kandidat auf der „er weiß es"-Liste.

Vader drückte Veers Schulter sanft. „Vertrau mir einfach." Er ging zur Luke, sah sie nochmals an und sagte: „Wir sehen uns unten." – dann sprang er. Mit ausgebreiteten Armen, wie jemand, der ins Wasser eintauchen will – nur war da unter ihm einige hundert Meter nur eisige Luft…!