Kapitel 50


„Was hältst du von Schweden?", fragte Hermine am nächsten Morgen, während sie sich nach dem Duschen eincremte und Sirius sich zumindest einen Teil des Haarwuchses aus seinem Gesicht entfernte.

„Du meinst Elch-Schweden? Kalt-Schweden? Im-Winter-dunkel-Schweden?" Er klang mehr als skeptisch.

„Eigentlich meine ich eher Nicht-Großbritannien-Schweden, aber wenn dir die anderen Bezeichnungen lieber sind..." Sie zuckte mit den Schultern.

„Warum nehmen wir nicht ein angenehmeres Land? Spanien oder Portugal?" Ein schwärmerischer Ausdruck trat auf sein Gesicht.

„Zum Einen, weil ich nicht da leben will, wo die halbe Welt Urlaub macht. Und zum Anderen, weil sich Trankzutaten und Tränke in den Mittelmeerländern nur sehr schwer lagern lassen." Mit einem knatternden Geräusch presste sie noch mehr Bodylotion in ihre Handfläche und wandte sich dem rechten Bein zu.

„Tränke und Trankzutaten? Mich beschleicht gerade das Gefühl, dass du mir ein entscheidendes Detail deines Plans vorenthalten hast." Sein Spiegelbild sah sie scharf an und Hermine spürte, wie sie rot anlief.

„Vielleicht ein kleines...", gab sie mit leiser Stimme zu und beendete ihre Pflegeaktion, nur um sich nackt wie sie war gegen Sirius' Rücken zu schmiegen und auf gut Wetter bei ihm zu hoffen. Zu ihrer grenzenlosen Zufriedenheit wurde seine angespannte Miene auch prompt sanfter.

„Erzähl schon, Mina, was hat dein schlaues Köpfchen sich nun schon wieder ausgedacht?"

„Na ja, ich dachte mir, irgendwie müssen wir ja auch Geld verdienen. Und da weder du noch ich eine wirkliche Berufsausbildung haben und auch bei weitem nicht genug Zeit, um eine solche mal eben nachzuholen..." Sie hob ihre Hände und massierte fordernd seine harten Nackenmuskeln.

„Und weiter?"

„Jedenfalls hab ich Professor Snape gefragt, was er davon halten würde, mitzukommen."

Sofort war jegliche entspannende Wirkung ihrer Bemühungen dahin und Sirius versteifte sich unter ihrem Griff. Allerdings nicht, um – wie sie erwartet hatte – Zeter und Mordio zu schreien, sondern um in schallendes Gelächter auszubrechen. „Schniefelus? Mit uns im Ausland? Das hast du ihn nicht ernsthaft gefragt!"

Hermine setzte eine mürrische Miene auf und kehrte zu ihrer Bodylotion zurück. „Doch, Sirius. Stell dir vor, du und deine Zukunft seid mir wichtig genug, um einen Kotzbrocken wie Snape mit ins Boot ziehen zu wollen, nur um deinen Hintern aus dem Vereinten Königreich zu schaffen. Und weißt du was? Ich hab mich sogar verdammt gut dabei geschlagen! Eine wirklich urkomische Vorstellung, nicht wahr?" Wütend schüttelte sie den Inhalt der Cremetube nach unten und presste ihn wutentbrannt auf ihre Hand. Da sie dabei Sirius mit bitterbösen Blicken traktierte, entging ihr die Tatsache, dass sie viel zu viel davon erwischte.

„Das ist in der Tat äußerst amüsant", stimmte er zu und seine Heiterkeit verlor dabei nicht im Mindesten an Intensität. Im Gegenteil, er schien zutiefst interessiert, noch mehr von ihrem aberwitzigen Versuch zu hören, und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen das Waschbecken. Mit dem Handtuch um die Hüften und dem halben Gesicht voller Rasierschaum.

Hermines Verärgerung besänftigte das allerdings nicht. Während sie versuchte, die Unmengen an Bodylotion auf ihren verbliebenen Körperpartien zu verteilen, ließ sie ihren angestauten Frust an ihm aus: „Freut mich, dass wenigstens du deinen Spaß an der Sache hast. Denn im Gegensatz zu dir habe ich um mein Leben gebangt, als ich da unten in seinem Labor stand und ihm das Versprechen abgerungen habe, zumindest einmal über die Sache nachzudenken." Eine kleine Übertreibung konnte sicherlich nicht schaden.

„Das hat er dir versprochen? Schniefelus?"

„Nicht zu fassen, oder? Aber ja, er hat es versprochen. In meinem Beisein!" Sie machte eine wilde Geste mit den Händen, wobei ihr bewusst wurde, dass sowohl ihre Handflächen, als auch ihr Bauch von einer dicken weißen Cremeschicht bedeckt waren. „Verdammter Mist!", zischte sie und stieß Sirius beiseite, um sich wenigstens den Überschuss von ihren Händen zu waschen.

Der Animagus kicherte leise und beobachtete ihr wildes Waschen mit heiterer Miene. Hermine ihrerseits konnte sich nur schwer davon abhalten, mit ihren Fäusten gegen seine Brust zu trommeln in der Hoffnung, irgendwo noch etwas Vernunft auftreiben zu können. Stattdessen versuchte sie es weiter auf verbalem Wege: „Wenn du mich ausreichend ausgelacht hast, könnten wir dann wie zwei Erwachsene über die ganze Angelegenheit sprechen?" Sie wandte sich von ihm ab, einerseits um sich wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, andererseits um sich ein Handtuch zu nehmen, mit dem sie erst ihre Hände abtrocknete und dann die Reste der Creme von ihrem Bauch wischte.

„Ich lache nicht über dich", antwortete Sirius mit süßlicher Stimme, in der noch immer die gute Laune der letzten Minuten stand.

„Ach, wirklich? Das sieht für mich aber anders aus", grollte sie.

Er legte seinen Rasierer beiseite und drehte sie zu sich herum, indem er sie bei den Schultern packte. „Um ehrlich zu sein, kann ich es kaum glauben, dass es jemanden gibt, der mich ausreichend mag, um so etwas zu organisieren. Und was auch immer du auf die Beine stellst, ob mit Schniefelus oder ohne ihn, ob am Nordpol oder in der Sahara... Es ist mir egal. Ich werde mich mit allem arrangieren können, wenn ich bloß weiterhin dieses berauschende Gefühl empfinden darf, das du in mir auslöst."

Hermine blinzelte mehrmals, nachdem er geendet hatte. „Man, ist das schmalzig."

„Hat es denn gewirkt?", fragte Sirius vorsichtig.

Hermine wackelte mit ihrer flachen Hand durch die Luft. „Ich überlege noch."

„Oh, gut. Sagst du mir Bescheid, wenn du dich entschieden hast?"

„Ja, ich denke schon." Sie nickte gönnerhaft.

„Äußerst reizend." Er beugte sich zu ihr herunter und küsste sie so kurz, dass sie keine Gelegenheit hatte, darauf zu reagieren; vermutlich hatte er Angst, sie könne bissig werden. Dann nahm er seinen Rasierer wieder auf und widmete sich dem restlichen Teil seines Wildwuchses. „Oh, Mina", rief er sie noch einmal zurück, als sie schon das Bad verlassen wollte.

„Wie kommst du plötzlich auf diesen Namen?", fragte sie mit gerunzelter Stirn.

Sirius zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Gefällt er dir nicht?"

„Bin mir nicht sicher...", murmelte sie vage. „Was gibt es denn noch?"

„Bevor du nach draußen gehst, solltest du dir den Rasierschaum aus dem Gesicht wischen."


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Hermine huschte nackt über den Flur und in ihr Zimmer. Dass sie sich das Haus nur mit Sirius und Snape teilte, hatte gewisse Vorteile, denn bei ersterem störte es sie nicht, wenn er sie nackt sah, und zweiterer zog sich schon zu einer so unerträglichen Zeit in sein Labor zurück, dass sie nichts zu befürchten hatte.

Als sie die Tür hinter sich ins Schloss schob, wurde sie von einem eifrigen Schrei empfangen und erschrak. Erst im nächsten Moment entdeckte und erkannte sie ihren tierischen Besucher: „Dexter!"

Fröstelnd, da sie in ihrem Zimmer seit mehreren Tagen nicht eingeheizt hatte, lief sie um ihr Bett herum zum Fenster, wo die kleine Eule saß und begeistert mit dem Kopf wippte. Bereitwillig ließ er sich die Notiz von seinem Bein nehmen und sprang Hermine beinahe auf den Arm, als sie einen Eulenkeks aus dem Schrank fischte. „Schon gut, schon gut, ich werde Dad sagen, dass du die Dinger ab und an auch ohne erledigten Auftrag verdient hast", versprach sie und strich über das weiche Gefieder.

Dann schnappte sie sich ihre Bettdecke und hüllte sich darin ein, ehe sie die Notiz auseinander faltete und neugierig zu lesen begann. Als sie am Ende ankam, schnaubte sie überrascht. „Das ging ja schneller, als ich zu träumen gewagt hatte", murmelte sie. Ihr Vater hatte tatsächlich bereits die ersten Vorschläge von Scott bekommen.

Mit neuem Elan kletterte sie aus ihrem Bett und begann, sich eilig anzuziehen. Auf das Frühstück würde sie heute verzichten müssen, wie ihr ein Blick auf die Uhr verriet; der kleine Streit mit Sirius hatte sie mehr Zeit und Nerven gekostet, als ihr lieb war, und sie wollte ausnahmsweise einmal pünktlich in der Uni ankommen.

Zehn Minuten später war sie soweit fertig, dass sie sich die schwarze Jacke überzog und ihre Tasche schnappte, dann verließ sie ihr Zimmer wieder und steckte bei Sirius den Kopf durch die Tür. „Ich komm heute abend später, muss noch zu meinen Eltern", informierte sie ihn knapp.

„Okay", erwiderte er perplex, während er mit einem Bein in seiner Jeans steckte und genug Halt zu finden versuchte, um auch das andere hineinzubekommen. „Hermine?", rief er sie noch einmal zurück, als sie schon wieder verschwinden wollte. Sie sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Hat es gewirkt?", fragte er neugierig.

Sie presste missbilligend die Lippen aufeinander. „Nein, hat es nicht. Ich will Eigeninitiative sehen, Sirius. Es geht um deinen Hintern, nicht um meinen. Ich kann gut auch hier bleiben." Ohne auf eine Antwort zu warten, zog sie ihren Kopf zurück und knallte die Tür ins Schloss.


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„Bei Merlins Zehennagel, denkt ihr beide eigentlich, nur weil ich euch im Bett hatte, könntet ihr mein Labor als Durchgangsbahnhof benutzen?", fauchte Severus, als Black um kurz vor acht den Kopf zur Tür hereinsteckte.

„Beruhig dich, Schniefelus! Ich wollte nur wissen, ob du den Whiskey gesehen hast. Vorgestern war da noch eine halbe Flasche."

„Ja, ich hab ihn gesehen. Und nun schwirr ab!", war die ätzende Antwort, wenn er dabei auch eine gewisse Genugtuung empfand.

„Und wo hast du sie gesehen?", fragte Black weiter, klang genervt und gereizt gleichermaßen.

„Hier, in diesem Labor, als ich ihren Inhalt in meinen Kessel gekippt habe." Es war ihm ein wahrer Genuss, diese Worte auszusprechen.

„Du Vollidiot!", rief der andere aus und kam nun ganz ins Labor. Die Tür knallte laut ins Schloss. „Das war die letzte Flasche, die wir hatten."

Severus zog eine Augenbraue in die Stirn. „Man könnte meinen, weltweit wäre der Whiskey ausgegangen. Besorg dir halt neuen."

„Natürlich, ich werd mal eben eine Eule an Tom schicken, damit er uns mit Whiskey versorgt. Nein, warte! Das kann ich ja gar nicht, ich bin ja offiziell tot!" Die letzten Worte spie er dem Tränkemeister wütend entgegen.

„Dann lass Granger unterschreiben." Severus konnte das Drama dieser Sache noch immer nicht nachvollziehen, doch als Black auf seine letzten Worte nur mit einem unverständlichen Murmeln reagierte, begann er allmählich zu verstehen. Ein gemeines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Sag bloß, es krieselt im Paradies", schnarrte er.

„Geht dich nichts an", murrte Black.

„Dann geh mir nicht länger auf die Nerven."

„Ist ja sonst keiner da", war die launische Antwort.

„Es gibt bestimmt genug Verrückte, die sich über ein Kamingespräch mit dir freuen. Dein Patensohn zum Beispiel." Das Wort Patensohn zog er so sarkastisch in die Länge, dass Black im Affekt die Hände zu Fäusten ballte.

Doch bevor die erwartete (und provozierte) Reaktion über Severus hereinbrach, wurde er plötzlich ruhig. Er überlegte einen Moment – was ein Anblick mit Seltenheitswert war – und nickte dann zustimmend. „Du hast Recht, Schniefelus!"

„Ich geb dir gleich Schniefelus!", knurrte Severus und ärgerte sich darüber, dass er seinen Kessel gerade nicht verlassen konnte. Es juckte ihn, Black eine zu verpassen; er hatte in der Beziehung sowieso noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.

„Schon gut, Schniefelus, schon gut", murmelte der andere und verschwand.

„Ich werde diese Tür mit Flüchen belegen", nahm der Tränkemeister sich zähneknirschend vor, während er das dunkle Holz mit giftigen Blicken bedachte.


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Nachdenklich drehte Tonks sich vor dem Spiegel von einer Richtung in die andere und betrachtete ihren nackten Körper aus allen Perspektiven, die für sie ersichtlich waren. Noch konnte man ihr nichts von der Schwangerschaft ansehen. Ihr Bauch war genauso flach, ihre Brüste genauso klein wie immer. Wie lange würde es wohl dauern, bis man ihren Untermieter so deutlich sehen würde, wie sie ihn manchmal zu spüren glaubte?

Sie biss sich verlegen auf die Unterlippe. Als sie ihrer Mutter gegenüber erwähnt hatte, dass sie das Baby manchmal in sich spüren konnte, hatte die laut aufgelacht. „Das einzige, das du jetzt in deinem Bauch spürst, sind Blähungen, mein Kind!", hatte sie gesagt und Tonks wurde wieder rot, nur weil sie daran zurückdachte.

„Blähungen...", murmelte sie leise und zog eine Schnute. „Sie hat ja keine Ahnung. Wir beide spüren einander, nicht wahr, Baby?" Zärtlich strich sie sich über ihren Bauch und legte dann die Handfläche direkt auf ihren Bauchnabel. Diese kleine Vertiefung schien ihr gerade jetzt, mit dem Spott ihrer Mutter im Hinterkopf, wie die einzige Möglichkeit, Kontakt zu ihrem ungeborenen Kind aufnehmen zu können.

Nach ein paar Augenblicken, in denen sich rein gar nichts tat, sank sie in sich zusammen und wandte sich vom Spiegel ab. „Diese ganze Angelegenheit wäre weniger nervenaufreibend, wenn ich mich nur ein kleines bisschen schwangerer fühlen würde."


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Die Schale mit dem Flohpulver in der Hand, setzte sich Sirius im Schneidersitz vor den Kamin und entzündete mit seinem Zauberstab ein fröhlich tanzendes Feuer. Erst kurz bevor er das grüne Pulver in die Flammen werfen wollte, kam ihm der Gedanke, dass es möglicherweise zu früh für derartige Gespräche war. Er sah sich zur Uhr um und wog nachdenklich den Kopf. Kurz nach acht.

Dann entschied er, dass weder ein Säugling noch der Berufsalltag es einem ermöglichten, so lange zu schlafen, und warf das Flohpulver ins Feuer. „Harry Potter!", sagte er deutlich, nachdem er seinen Kopf in die angenehm prickelnde Wärme getaucht hatte, und ließ den exakten Kamin absichtlich ungenannt. Meistens fand das Flohfeuer den richtigen Kamin von alleine und er würde nicht in die Verlegenheit kommen, Ginny in einem ungünstigen Augenblick anzutreffen.

„Guten Morgen, Sirius!", wurde er nach kurzer Zeit begrüßt und grinste breit, als er das Gesicht seines Patensohns erkannte.

„Hallo, Harry!" Ohne sich aus dem Feuer zurückzuziehen, stellte er die Schale, die er auf seinem Schoß gehabt hatte, neben sich auf den Fußboden. „Bist du noch zu Hause oder schon im Ministerium?"

„Im Ministerium. Warum?"

„Oh, nur so. Ich dachte, ich könnte vielleicht vorbeikommen, aber ich glaube, unter diesen Umständen lasse ich das lieber bleiben." Sirius kräuselte die Nase und nickte seine eigenen Schlussfolgerungen als richtig ab.

„Wenn du mich fragst, halte ich es nicht einmal für klug, dass du dich in das Kaminsystem des Ministeriums einklinkst, aber da du ja nun schon mal da bist und mein Kamin glücklicherweise nicht überwacht wird..."

„Äußerst zuvorkommend", erwiderte Sirius fröhlich.

„Worum geht es denn?"

„Ich würde mir ja unter normalen Umständen redlich Mühe geben, so lange um den heißen Brei herumzureden, bis du von alleine drauf kommst", begann er, „ aber diese Position ist echt unbequem, also nenn ich das Kind beim Namen."

„Ich wäre dir sehr dankbar", stimmte Harry zu.

„Es geht um Geld." Sirius machte eine kurze Pause, in der sich Harrys Augenbrauen zusammenzogen, so dass sich eine steile Falte dazwischen bildete. „Ich könnte einiges gebrauchen, wenn ich mich wirklich aus diesem beschaulichen Land entfernen wollte und bei weiteren Überlegungen in dieser Richtung habe ich mich spontan an mein Testament erinnert, das wohl vor einigen Jahren, als ich unglücklicherweise durch diesen Vorhang stolperte, seine Verwendung gefunden haben wird."

„Das hat es", stimmte Harry zu. „Dein Verlies in Gringotts ist noch immer unangetastet. Ich hab es lediglich auf meinen Namen umschreiben lassen, musste das Geld darin aber nie nutzen. Natürlich gehört es dir." Er lächelte warm.

„Ich wusste, dass du mein Anliegen verstehen würdest." Sirius ließ seine Stimme stolz klingen, doch insgeheim war er froh darüber, dass das Gespräch so unspektakulär abgelaufen war. Er unterhielt sich nicht gerne über das liebe Geld; vor allem nicht darüber, dass er welches besaß – beziehungsweise besessen hatte, bis man ihn für tot erklärt hatte. Es war wirklich erstaunlich, zu wie viel Geld man im Laufe einer sechsmonatigen Liäson kommen konnte, wenn man sie mit einer Frau mit zweitem Gesicht führte und nebenbei an der Muggelbörse spekulierte.

„Natürlich verstehe ich es. Ich brauche das Geld nicht und selbst wenn – ich wäre lieber arm wie eine Kirchenmaus, wenn du dich dafür in Sicherheit bringen könntest. Mein Pate ist mir wichtiger."

„Erzähl das nicht deiner Frau, die denkt bestimmt ein bisschen anders über eure finanzielle Absicherung", mahnte Sirius ihn mit einem Zwinkern.

„Ich denke, Ginny wäre da der gleichen Meinung."

„Ja, möglicherweise", erwiderte Sirius unbestimmt.

„Wie auch immer, wenn du möchtest, gehe ich gleich heute nach der Arbeit nach Gringotts und kläre die Formalitäten bezüglich deines Verlieses. Du musst mir nur sagen, auf welchen Namen ich es umschreiben lassen soll."

Sirius dachte einen Moment nach. „Schreib es auf Hermines Namen um. Da sie die vernünftigere von uns beiden ist und noch dazu nicht strafrechtlich verfolgt wird, ist das wohl das Beste."

Harry zog seine Augenbrauen in die Stirn. „Weiß sie denn schon von ihrem Glück?"

Sirius grinste diabolisch. „Bisher noch nicht. Aber sie wird damit leben müssen. Man sollte von einem Black eben niemals verlangen, Eigeninitiative zu zeigen."


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Als Severus um die Mittagszeit das Labor verließ, war es angenehm ruhig im Grimmauldplatz. Seitdem er mit Albus darüber gesprochen hatte, dass der Krieg immer weiter hinter dem Leben verschwand, hatte der Strippenzieher sich auffällig selten hier blicken lassen. Entweder organisierte er seine Armee jetzt von Hogwarts aus und am Orden vorbei, oder er organisierte im Moment gar nichts (abgesehen von der hanebüchenen Idee, Arthur Weasley zum Zaubereiminister zu machen) und ließ sich deswegen nicht hier blicken.

Doch wenn er ehrlich zu sich selbst war, konnte er sich die zweite Möglichkeit eigentlich nicht vorstellen. Der alte Mann hatte immer einen Plan in der Hinterhand. Und er hatte jeden seiner Pläne soweit durchdacht, dass es dem Dunklen Lord schwer fallen dürfte, nur einen davon zu durchkreuzen.

Da niemand in der Nähe war, dem er eine Erklärung schuldig gewesen wäre, schnalzte Severus anerkennend mit der Zunge und für einen ganz kleinen Moment bedauerte er es sogar, dass er nicht länger Teil dieser Pläne war.

Natürlich, sie hatten ihm das Leben zur Hölle gemacht und mehr als einmal hatte er sich gewünscht, von einem der Treffen einfach nicht lebend wieder nach Hogwarts zurückzukehren; doch alles in allem war ein Leben unter Folter besser als eines, das nicht existierte. Denn auch wenn er es nicht einmal für zehn Millionen Galleonen zugeben würde, nur in einem Labor zu stehen und Tränke zu brauen, war so haarsträubend unbefriedigend, dass er ernsthaft darüber nachdachte, in Grangers Plan einzuwilligen.

An dieser Stelle seiner Gedanken, die er ohnehin gerne beendet hätte, wurde er auf ein Geräusch aufmerksam, das er im ersten Moment nicht zuordnen konnte. Er war die Treppe in das obere Stockwerk hochgestiegen, da er sich für eine Weile in sein Zimmer zurückziehen und Berichte ausformulieren wollte. Nun jedoch blieb er stehen und lauschte angestrengt.

Das Geräusch wiederholte sich nicht und nach beinahe einer halben Minute schlich er zur Tür der Promenadenmischung hinüber. Da Black neben ihm als einziger gerade anwesend war, konnte eigentlich nur er die Ursache dieser Geräusche sein.

Severus beugte sein Ohr zur Tür und lauschte erneut. Zehn Sekunden lang, und dann noch einmal fünfzehn. Dann endlich war wieder etwas zu hören, aber – zu seinem Erstaunen – nicht aus Blacks Zimmer, sondern aus dem von Granger.

Er zog eine Augenbraue in die Stirn und schlich zur gegenüberliegenden Tür. Und als er hier so aufmerksam die Ohren spitzte wie zuvor an Blacks Tür, konnte er eine konstante Geräuschkulisse ausmachen, bestehend aus leisen Quietschen, diskretem Knistern und dumpfem Knacken.

Der Tränkemeister blinzelte irritiert und schlug sich nicht lange mit der moralischen Seite seines Vorhabens herum. Er zückte seinen Zauberstab und öffnete die unverschlossene Tür lautlos und ohne Spuren darauf zu hinterlassen. Als sie nach innen aufschwang, bot sich ihm ein Bild, das ihn ungläubig schnauben ließ.

Das Bücherregal und der Fußboden davor sahen furchtbar aus. Überall flogen Papierschnipsel herum, durchsetzt von bunten Stücken fester Büchereinbände. Das nur angelehnte Fenster ließ ab und an einen Windzug herein, der das Chaos munter weiter im ganzen Raum verteilte. Im ersten Moment schien es, als hätte es mitten im Zimmer ein Schneegestöber gegeben.

Als Severus sich von diesem unerwarteten Anblick gelöst hatte, fand er die Ursache für den frevelhaften Umgang mit dem gedruckten Wort im Nu. Eine kleine braune Eule sprang geschäftig auf einem der Bücherregale herum und gab sich die größte Mühe damit, ein weiteres von Grangers Büchern herauszuziehen, um es am Boden genüsslich in kleine Stücke zu zerlegen. Dabei quietschte sie so herzerweichend glücklich, dass sich unfreiwillig ein Lächeln auf Severus' Gesicht ausbreitete.

„Das sieht nach einer tagesfüllenden Beschäftigung aus", murmelte er der Eule zu. „Aber ich bezweifle, dass du dafür Eulenkekse bekommen wirst."

Mit diesen Worten ließ er die Tür wieder zufallen und nahm sich fest vor, heute Abend rein zufällig in der Küche zu sitzen, wenn Granger das erste Mal ihr Zimmer betrat.