Freut mich, dass die Schlittschuhidee ankommt. (Ich habe sie schon lang.) Darauf gekommen bin ich…*hust*, als ich Sailor Moon geguckt habe. Aber nicht weitersagen. ;)

Die letzte Runde der K-Spiele führt Lara in das Grab des Dschingis Khan. Doch Branden ist ihr schon auf den Fersen…

Kapitel 49 – Eisige Erde

Mongolei | Provinz Chentii-Aimag | 16:38 Uhr

„Danke Brad", verabschiedete sich Branden von dem Piloten und kletterte die Strickleiter, die am Helikopter hing, hinab. Nachdem er sicher auf dem Boden angekommen war, winkte er Brad zum Abschied, worauf hin dieser von dannen flog.

Branden ging auf den Eingang des Grabes zu. Vor dem rundlichen Gebäude fand er ein bekanntes Motorrad vor.

„Sehr gut. Der Plan ist aufgegangen", stellte Branden fest und schritt auf den Eingang zu.

„Wie es vorhergesagt habe", fügte Uma stolz hinzu.

„Was machen deine Nachforschungen?", fragte er in sein Headset.

„Laufen bestens. Ich glaube, ich bin der Lösung auf der Spur", antwortete Uma.

„Gut. Erklär es mir, während ich diesen Gang hinunterschlittere", entgegnete Branden, der das Gebäude derweil betreten hatte und nun vor einem eisigen Abhang stand. Er funktionierte seine Schuhe zu Schlittschuhen um und nahm eine Taschenlampe hervor um mit der Lichtquelle in der Hand den Hang hinabzurutschen.


Mongolei | Provinz Chentii-Aimag | Grab des Dschingis Khan | 16:39 Uhr

Lara wusste nicht, wie viele Meter sie sich nun unter dem Erdboden befand. Nach einigen Minuten des Hinabschlitterns war die Neigung immer flacher geworden, bis Lara schließlich im angenehmen Tempo eine weitere Halle erreichte und ohne Probleme mit den Kufen ihre Bewegung stoppen konnte.

„Erstaunlich wie man es damals immer wieder geschafft hat, physikalischen Gesetzen zu trotzen", stellte Lara fest, als sie den Raum aus Eis musterte.

Einige Fackeln in verzierten Halterungen erhellten die eisige Halle und auf dem Boden schlängelte sich in einer flachen Einbuchtung ein kleiner Bach aus kristallklarem Wasser entlang. Fünf verschiedene Gänge lagen vor ihr und über den Durchgängen war etwas in altmongolischer Schrift eingeritzt. Lara schlitterte langsam vorwärts, um die Schriftzeichen zu entziffern.

„Verstehst du das…Leben, findest du…dein…Ziel", übersetzte Lara langsam. Altmongolische Schrift war ihr schon seit Längerem nicht mehr untergekommen, weshalb sie es sehr sorgfältig übersetzte. „Das Leben verstehen…"

Lara versank ins Grübeln; den Blick noch immer fest auf die eingravierten Zeichen gerichtet. Zur Sicherheit suchte sie nach Fehlern in ihrer Übersetzung, konnte jedoch keine finden.

„Mein Ziel ist das Grab des Dschingis Khan. Ich muss das Leben verstehen, um es zu finden…?" Nachdenklich schweifte ihr Blick auf der Suche nach Hinweisen durch die Halle. In Gedanken versunken lief sie auf ihren Kufen langsam durch den Raum und musterte die Wände, doch auch die eingeschnitzten Bilder gaben keinerlei Anhaltspunkt.

Erst als sie beinah beim Inspizieren in das schmale Rinnsal trat, das sich durch den Raum zog, wurde sie fündig. Neben dem Wasser stand etwas geschrieben und Lara kniete nieder, um es zu lesen.

„Onon", las sie. „Onon…das ist doch ein Fluss…das habe ich schon mal gelesen…", murmelte Lara. Auch wenn niemand sie hörte, sprach Lara ihre Gedanken meist aus, wenn sie sich auf Expedition befand. Dadurch waren ihr Kopf geordneter und da sie meist allein unterwegs war, musste sie kein Urteil deswegen fürchten. „Jetzt weiß ich es!"

Ihre Forschungen hatten ergeben, dass Dschingis Khan in der Nähe des Flusses Onon geboren wurde; in der Nähe der heutigen Hauptstadt der Mongolei – Ulan Bator.

Lara sah auf und sah, dass der kleine Bach in einen der Gänge hineinreichte. Ganz als wollte er ihr den Weg weisen.

‚Das Leben verstehen…'sein Leben kennen' wäre angebrachter', ging es ihr durch den Kopf, als sie sich aufrichtete. ‚Aber die meisten großen Heerführer waren ja bekanntlich nicht gerade bescheiden.'

Sie folgte dem Rinnsal bis sie beim Durchgang angekommen war und sah auf den dunklen Weg vor ihr. Wieder entzündete sie eine Fackel.

„Weiter geht's", murmelte sie zu sich selbst und schlitterte voran.


Nur einige Minuten später erreichte auch Branden dieselbe Halle.

„Warte von hier aus ein wenig", riet Uma ihm über Headset. „Sie rätselt noch im nächsten Raum. Es ist so kompliziert, dass sie ihre Freunde in England zurate zieht. Aber immerhin haben wir so einen besseren Blick."

„Gut", erwiderte Branden.

Er wusste, dass Uma sich in das System von Croft Manor eingehackt hatte. Sie konnte nun dieselben Bilder sehen wie Zip und Alister in England und Branden davon unterrichten wie weit er von Lara entfernt war. Es war keine ehrenhafte Art, Lara die Arbeit machen zu lassen, doch Uma und Branden hatten derweil Wichtigeres herauszufinden.

„Weißt du, wie du ihr folgen kannst?", fragte Uma.

„Ja, ich folge einfach den Spuren ihrer Kufen", antwortete Branden und sah auf selbe zu seinen Füßen. „Sicher, dass du die richtige Version nun komplett hast?"

„Jeder Buchstabe. Vertrau mir", entgegnete Uma. „Es war zwar schwierig, aber man kann von Glück reden, dass wir auf den Hinweis gestoßen sind. Sonst müsste ich mal wieder um dein Leben fürchten."

„Das nervt, was?", konterte Branden und konnte fast lächeln.


Lara wusste nicht, dass Branden ihr heimlich folgte und dass Uma längst Zugriff auf die Systeme Croft Manors hatte. Zusammen mit Zip und vor allem Alister löste sie verschiedene Rätsel, die ihren Weg kreuzten, um Hindernisse zu umgehen, die richtigen Kombinationen herauszufinden und den Weg zu nehmen, der nicht in eine tödliche Falle führte. Es war nicht immer einfach, aber dennoch lösbar, da alle Fragen und Aufgabenstellungen auf das Leben von Dschingis Khan bezogen waren.

Schließlich löste Lara das letzte Rätsel, das mit seinem Tod verbunden war. Eine lange Zugbrücke aus Eis wurde an starken Eisenketten herabgelassen und öffnete den letzten Durchgang. Lara tat die ersten ‚Schritte' auf die stabile Überquerung und blieb kurz stehen. Vor ihr lag eine weitere Halle aus Eis, deren Runde Wände verschiedene Fresken zeigten. In der Mitte des vor ihr liegenden Raumes stand ein großer und pompös verzierter Sarg, auf dem etwas kleines, golden Glitzerndes blitzte.

„Die Münze!", rief Zip. „Du bist die Erste, Lara! Gewonnen!"

„Hm…", murmelte Lara. „Wo ist er?"

„Nicht hier! Das ist doch gut", antwortete Alister.

„Das ist merkwürdig", entgegnete Lara kritisch und schlitterte weiter. Sie rechnete damit, dass die Münze, die auf dem Sarg lag, ein gewöhnliches Geldstück war.


„Sie geht weiter…endlich", kommentierte Uma.

„Der Gefahr entgegen", murmelte Branden, der dieselben Bilder auf seinem Pocket PC verfolgte. Er befand sich nun nur einen Raum von Lara entfernt.

„Was sagst du?", fragte Uma.

„N-Nichts…"


Lara kam langsam vor dem Sarg zum Stehen und sah noch einmal auf die monumentalen Wandmalereien zu allen Seiten; auch an der Decke. Sie schloss Szene aus Dschingis Khans Leben aus.

„Worauf wartest du?", wollte Zip wissen.

„Auf etwas Unangenehmes", erwiderte Lara und wandte sich dann misstrauisch der Münze zu. Es war eine Münze mit der Prägung EJK, die von einem Lorbeerkranz umschlossen war. Nicht vier wie in Guatemala. Nicht zwei wie in Japan.

„Joan…Sandra…", kam es ihr leise über die Lippen.

Sie schluckte und nahm die Münze an sich.


„Lass dir nicht so viel Zeit, Mädchen…dreh sie endlich um", forderte Uma ungeduldig.

Branden spähte vorsichtig um die Ecke und erkannte Laras Gestalt in der Ferne. Noch konnte er nichts Bedrohliches erkennen.

„Mach, dass du da wegkommst, Lara…", nuschelte er.


Sie drehte die Münze in ihrer Hand um.

„Das sieht aus wie…"

„Eine Adresse?", führte Alister Laras Worte fort.

„Da haben wir unser nächstes Ziel. Mach dich auf den Rückweg", schlug Zip vor.

Lara steckte die Münze ein und drehte sich um.


„Mach, dass du wegkommst, Branden! Wir wissen, wo wir hinmüssen!", befahl Uma, doch Branden bewegte sich zunächst nicht. Er sah besorgt zur Seite. „Branden…ich weiß, was du für Lara…na ja, du weißt schon! Aber sie ist ein großes Mädchen und wird schon einen Weg finden!", versuchte Uma ihn zum Gehen zu bewegen.

„Ich würde dir glauben, wenn ich nicht wüsste, dass alle, die bisher hier waren, nicht wieder herausgekommen sind", konterte Branden.


Nachdenklich schlitterte Lara wieder in die Richtung, aus der sie gekommen war.

„Warum freust du dich nicht, Lara?", wollte Alister wissen.

„Es war zu einfach", antwortete Lara grübelnd.

„Aber dafür ist-"

„SCHEIßE, WAS IST DAS?", schrie Zip, als plötzlich ein schwarzer Schatten auf Lara zuschoss.

Blitzschnell wich Lara aus, rollte sich zur Seite und kam mit gezogenen Waffen wieder auf die Beine. Doch der Schatten war nicht mehr zu sehen. Wachsam sah sie sich zu allen Seiten um; die Finger an den Abzügen ihrer Waffen.

Hinter ihr sammelte sich eine Wolke schwarzen Rauchs, fügte sich immer fester zusammen und nahm schließlich Form an. Vier Pfoten berührten den eisigen Boden der Halle.

Lara erschrak kurz, als sie ein tiefes und bedrohliches Knurren hinter sich hörte. Als sie sich umdrehte, erkannte sie einen schwarzen Wolf mit rot glühenden Augen und gefletschten Zähnen. Er war jedoch mindestens dreimal so groß wie ein normaler Wolf es wäre, doch es war nicht nur das, was Lara alarmierte.

Adrenalin in ihren Adern ließ sie leicht zittern und sie musste enorme Disziplin von sich Verlangen, um langsam zu atmen. Der Wolf fixierte Lara noch immer und begab sich in Angriffsstellung. Lara tat es ihm gleich und entsicherte ihre Waffen.

Der Kampf begann.

Kapitel 49 | Ende

Go, Lara! Gib dem Wolf eins auf die Nuss!