Kapitel 53

~ Anders als geplant ~

Einige Tage später war in Hogwarts wieder alles beim Alten. Dumbledore war wieder als Schulleiter eingesetzt und rehabilitiert worden und Dolores Umbridge war nicht mehr länger für die Schule zuständig. Severus war diesbezüglich mehr als froh, jedoch trübten mittlerweile andere Aussichten und Sorgen seine Freude auf die Schulferien, die gerade erst begonnen hatten und in welchen er eigentlich des Öfteren seine kleine Familie hatte sehen wollen.

Da er Amanda diese Neuigkeiten nicht per Buch mitteilen wollte und er nach den letzten Stunden auch das dringende Bedürfnis nach ihrer Nähe hatte, machte er sich eines frühen Morgens auf den Weg zu ihr.

Amanda stand verschlafen mit Christopher auf dem Arm in der Küche und kochte sich einen Tee, als sie hörte wie jemand das Haus betrat. Verwundert wer das sein könnte, ging sie in Richtung Tür. Es war Severus, der soeben hereingekommen war und gerade wieder seinen Zauberstab einsteckte. Er hatte noch nicht bemerkt, dass Amanda ihn schon gesehen hatte. Diese betrat gerade den Flur. „Severus! Was treibt dich denn wieder mitten in der Nacht her? Ich hoffe nicht schon wieder schlechte Nachrichten." „Mitten in der Nacht?", antwortete dieser zunächst mit einer Frage. „Es ist Morgen... Und was die schlechten Nachrichten betrifft: wie man's nimmt..." Dann ging Snape auf Amanda zu, küsste sie kurz zur Begrüßung und gab danach auch Christopher einen sanften Kuss auf den Kopf. „Es fühlt sich für mich so an. Was bedeutet denn wie man's nimmt?" „Ich erzähle es dir später, in Ordnung? Lass mich erst einmal ankommen. Und erzähl mir vorher, wie es euch geht." „Wie später? Uns geht es gut."

Severus seufzte, dann ging er an Amanda vorbei in Richtung Küche, um sich einen Tee zu kochen. „Einfach nachher irgendwann." Amanda folgte ihm. „Hey... ich mach mir doch Sorgen, wenn du hier so plötzlich auftauchst und sagst es ist etwas passiert." Noch einmal wandte sich Snape um. „Ich bin primär hier aufgetaucht, weil ich euch sehen wollte – und weil ich dir nicht über unser Buch schreiben wollte. Das ist alles. Es gibt nichts, worum du dich sorgen musst. Höchstens ärgern... Ich werde in den Ferien nicht oft kommen können." „Das ist in der Tat ärgerlich, doch ich befürchte, dass es auch einen ernsthaften Grund haben wird." „Ja, natürlich. Der Dunkle Lord hat es für sinnvoll erachtet, mir Peter Pettigrew", Severus sprach diesen Namen mit größter Abscheu aus und begann schließlich, nebenher Tee zu machen, „zuzuteilen. Ich habe also das zweifelhafte Vergnügen, meine ganzen Ferien mit dieser Ratte zu verbringen. Er wird bei mir wohnen und keine Gelegenheit verstreichen lassen, seine Nase in Dinge zu stecken, die ihn rein gar nichts angehen." Grimmig schwang Snape seinen Zauberstab, um das Wasser zum Kochen zu bringen.

„Wie bei dir wohnen? Wo wohnst du denn? In Hogwarts geht das ja kaum." Das waren wirklich keine guten Nachrichten, dachte Amanda und ahnte nicht, was Severus eigentlich hergetrieben hatte. „Bevor wir uns kennen gelernt haben, habe ich in meinem Haus gewohnt, wenn ich nicht gerade in Hogwarts war. Über die Ferien wohnt niemand in Hogwarts. Nicht einmal Dumbledore ist dann permanent im Schloss." „In deinem Haus?" Amanda fragte sich, nachdem sie das recht trostlose unbewohnte Haus kannte, wie es für Severus war, einen ganzen Sommer dort verbringen zu müssen und in diesem Fall auch noch in sehr schlechter Gesellschaft. „Ja", entgegnete Snape knapp und es war deutlich herauszuhören, dass er darüber alles andere als begeistert war. „Das ist wirklich sehr schade", sagte Amanda ruhiger. „Und schlimm für dich." „Ich könnte mir in der Tat schöneres vorstellen. Schlimm wird es aber allerdings eher für Pettigrew." Ein boshaftes Grinsen umspielte Severus Lippen, während er das heiße Wasser mit Teekräutern versetzte. Amanda runzelte die Stirn. Mehr als ein „Na wenn du meinst" hatte sie allerdings nicht für Severus Worte übrig. „Glaub mir, der Verräter hat es verdient." „Wieso Verräter?"

„Er hat seine besten Freunde an den Dunklen Lord verraten. Er war der Geheimniswahrer der Potters", antwortete Snape knapp, dann fügte er noch an: „Außerdem war Pettigrew an der Auferstehung des Lords vor zwei Jahren nicht unbeteiligt. Er hat ihm wieder zu Körperlichkeit verholfen. Schon das allein wäre Grund genug, ihn leiden zu lassen." „Auch wenn seine erste Tat irgendwie etwas Gutes hatte im Nachhinein, hast du in beiden Fällen Recht." „Ach ja? Ich kann der ersten Tat nichts Gutes abgewinnen. Außer vielleicht das Potter tot ist. Ihm weine ich keine Träne nach." Amanda war durchaus überrascht über Severus gereizten Tonfall, dass hatte sie überhaupt nicht erwartet. „Wem denn dann?" Der sah sie nur kurz an und fischte dann schweigend die Kräuter aus seinem Tee, bevor er sich noch zu einer knappen Antwort durchrang. „Darüber will ich nicht reden." „Wieso das denn?" Das beunruhigte Amanda nun endgültig, was war denn damals nur los gewesen und wer aus der Potter-Familie könnte ihm etwas bedeutet haben, denn davon musste sie ja nun ausgehen. „Was bitte war an meinen Worten gerade unverständlich?", giftete Snape nun. „Ich WILL NICHT darüber sprechen!" Dann verließ er die Küche und ließ Amanda genauso wie seinen Tee einfach stehen. Er musste hier raus, dachte er sich, bevor noch ein Unglück geschah.

Perplex und auch sauer sah Amanda Severus hinterher. Was war denn da nur los? Wütend setzte sie sich auf einen Küchenstuhl. Christopher wurde auf ihrem Arm immer unruhiger und quengelte leise. Seufzend schluckte Amanda einen Großteil ihrer Wut herunter und kümmerte sich darum, ihren Sohn zu beruhigen. Severus verließ währenddessen mit raumgreifenden Schritten das Haus und hörte Christophers beginnendes Gequengel nur noch im Vorbeigehen. Draußen vor der Tür lief er schließlich unruhig und aufgewühlt auf und ab und seine Zauberstabhand spielte unbewusst ein wenig an seinem Stab. Einige Minuten später hatte er sich jedoch wieder einigermaßen beruhigt und ihm wurde bewusst, was er gerade getan hatte. Amanda musste nun zu Recht wütend auf ihn sein. Außerdem hatte er sich vor Christopher mit ihr gestritten - etwas, von dem er sich geschworen hatte, es nie tun zu wollen. Er blieb stehen und schluckte hart, als ihm dies klar wurde und sein Beschluss war plötzlich schnell gefasst. Er musste sich entschuldigen.

Amanda verstand nicht was da gerade passiert war. War Severus nur deswegen gekommen, um ihr zu sagen, dass dieser Pettigrew nun bei ihm wohnen würde? Da musste doch noch mehr sein. Christopher hatte sich in der Zwischenzeit glücklicherweise wieder beruhigt und spielte mit ihrem T-Shirt.

Nachdem er noch einmal tief durchgeatmet hatte, um wirklich sicher zu sein, dass er sich wieder beruhigt hatte, ging Severus wieder zurück ins Haus und suchte Amanda. Er fand sie noch immer in der Küche vor. Leise seufzend und reuig stand er schließlich wieder vor ihr und Christopher und sah dabei sehr müde aus. „Es tut mir leid. Ich habe überreagiert. Ich... Es ist einfach alles etwas viel im Moment. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, dass ich dich gerade so angefahren habe - und alles noch im Beisein von Christopher. Tut mir leid."

„Ich verstehe ja, dass es alles schwierig für dich ist, aber her zu kommen ohne wirklich zu sagen warum und dann so etwas... Aber gut, versuchen wir besser es zu vergessen." Amanda konnte nachvollziehen, welche Belastungen auf ihm lagen und so war sie in diesem Fall nachsichtiger als gewöhnlich. „Ich weiß, dass es keine gute Idee war. Aber ich wollte euch sehen. Ich wollte in deiner Nähe sein." Severus seufzte, dann fuhr er ruhig fort. „Lass uns ins Wohnzimmer gehen. Ich will dir ein paar Dinge sagen... soweit ich es gerade kann."

Nicht gerade zuversichtlicher stand Amanda auf und ging mit Severus ins Wohnzimmer. Noch immer mit ihrem Sohn auf dem Arm setzte sie sich. Severus setzte sich zu ihr, schwieg jedoch zunächst, weil er nicht genau wusste, wo er nun beginnen sollte. Dann atmete er jedoch tief durch und begann zu sprechen. „Heute Nacht wäre Albus fast gestorben."

Entsetzt sah Amanda ihn an. „Beinahe gestorben?! Und du sagst mir, es wäre nichts worüber ich mir Sorgen machen müsste?" Severus seufzte. „Es geht ihm wieder gut. So gut es einem gehen kann, nach derart mächtiger, schwarzer Magie. Er konnte mich noch rechtzeitig verständigen, bevor es zu spät war." „Ich muss sagen, dass verwirrt mich. Dumbledore sollte doch erkennen, wenn er auf so etwas trifft. Und es geht ihm wirklich wieder gut? Er ist ja nun auch nicht mehr der Jüngste und wenn es so Ernst war..." „Er hat es wohl bewusst riskiert. Ich weiß es nicht. Er wollte mir seine Beweggründe nicht nennen." Severus sah ein wenig genervt und frustriert aus, als er daran zurückdachte. „Ja, es geht ihm wieder gut. Ich habe mein Handwerk schließlich gelernt. Ich konnte den Fluch eindämmen. Jetzt weißt du, was ich heute Nacht gemacht habe." „Ja und es bestätigt sich der anfängliche Verdacht, dass etwas Schlimmes passiert ist. Was bedeutet Eindämmen? Ist er nun für immer eingedämmt?" „Ja. Du kennst mich wohl doch langsam recht gut", stellte Severus fest. „Aber trotzdem bin ich vor allem gekommen um euch zu sehen und dir zu sagen, dass ich in den Ferien kaum Zeit haben werde." Nach kurzem Schweigen beantwortete er schließlich noch Amandas Frage, allerdings teilweise derart vage, dass seine Antwort noch reichlich Raum für Spekulationen offen ließ. „Eindämmen bedeutet, dass ich die Ausbreitung des Fluchs in seinem Körper verhindern konnte. Und damit auch seinen sofortigen Tod. Und bis der eintritt, halten auch meine Gegenmaßnahmen."

Wirklich überzeugt oder zufrieden war Amanda mit der Antwort nicht, doch sie versuchte sich damit zufrieden zu geben. „Ach so, dann wollen wir das hoffen." „Das brauche ich nicht hoffen, das weiß ich", entgegnete Snape, überzeugt von seinem Können. Dann atmete er tief durch und knetete seine Hände, bevor er mit wohlgewählten Worten weitersprach. „Da wir schon dabei sind... Es gibt noch etwas, dass du wissen solltest, Amanda."

„Was denn?", wollte diese alarmiert wissen. „Ich habe von Dumbledore einen sehr unangenehmen Auftrag bekommen. Ich kann dir nicht mehr darüber sagen, aber er bereitet mir schon jetzt einiges an Kopfzerbrechen und wird es wohl auch in den nächsten Wochen noch tun." „Wieso unangenehm? Ist er gefährlich?" „Nein, das nicht. Einfach nur unangenehm. Nicht körperlich, sondern", Snape machte eine kurze Pause, „seelisch. Ich will ihn nicht ausführen, aber Dumbledore hat mich sehr eindringlich darum gebeten. Ich werde mich also überwinden müssen." „Das hört sich nicht gut an", meinte sie besorgt. „Ist es auch nicht. Aber ich kann die Gegebenheiten nicht ändern. Genauso wenig wie Albus." Severus sah Amanda an, nahm ihre Hand und drückte sie sanft. „Ich fürchte, der Dunkle Lord macht so langsam tatsächlich ernst. Das sind wohl die Konsequenzen."

Sie runzelte die Stirn. Das hörte sich wirklich nicht gut an. „Dann wird das hoffentlich bald ein Ende finden." „Das hoffe ich auch. Wir alle hoffen das. Jedenfalls weißt du jetzt, was mich momentan beschäftigt - zumindest ansatzweise. Tut mir leid, dass ich dir nicht mehr sagen kann. Ich hoffe, du machst dir jetzt nicht ganz so viele Sorgen, als wenn du gänzlich im Ungewissen geblieben wärst." „Hm, schwer zu sagen irgendwie. Aber vielleicht ist es so einfacher Verständnis dafür aufzubringen." „Ich hoffe es. Ich will dir damit nämlich keine zusätzlichen Sorgen bereiten." „Ich versuche das alles zu verdrängen soweit es möglich ist." „Ja. Ich wünschte, ich könnte das auch manchmal tun." Severus nahm Amanda in den Arm, küsste sie auf die Schläfe und seufzte leise. Amanda seufzte ebenfalls. „Als könnte ich das wirklich." „Ja, ich weiß." Eine Weile schwiegen sie beide, dann ergriff Severus erneut das Wort. „Und was machen wir nun noch schönes? Nach all diesem Ärger?"

„Ich weiß es nicht", sagte Amanda wahrheitsgemäß. „Hm. Ich auch nicht so recht. Vielleicht gehen wir in den Garten?" „Das ist vielleicht eine Idee. Der Kleine hier, kann sicher auch frische Luft vertragen." „Und uns schadet es auch nicht. Hast du noch irgendwas im Garten zu tun? Ich könnte dir helfen..." „Nein nein, das kann ruhig etwas vor sich hin wachsen. Das schadet überhaupt nicht." „Na wie du meinst. Ich hätte aber auch nichts dagegen, etwas im Garten zu arbeiten. Aber wir können auch einfach nur entspannen und lesen - oder so ähnlich." Severus lächelte. „Ja, das hört sich besser an. Ich habe viel Zeit im Moment noch." Langsam stand Amanda mit Christopher auf dem Arm auf und sah sich um. „Dann brauchen wir für den Kleinen noch eine Mütze. Eine Decke vielleicht nicht unbedingt, außer zum Liegen." „Wenn du mir sagst wo ich alles finde, dann hole ich es", entgegnete Severus und erhob sich ebenfalls. „Du könntest es auch herzaubern, dann sparst du dir den Weg. Aber die Decke ist gleich hier und die Mütze oben in der Schublade vom Wickeltisch."

„Also schön. Ihr Wunsch ist mir Befehl, Ma'am." Mit einem Wink seines Zauberstabs rief Snape Christophers Mütze her und nahm auch die Decke an sich. Dann gingen sie gemeinsam nach draußen.