A/N: Hallo? Meine lieben Leser, wo seid ihr? Habe ich euch durch die lange Pause alle verloren? Bitte meldet euch! ;)


Teil III

Kapitel 52: Das Abschlussturnier

„Denk an deinen Ellenbogen", keuchte Nik, als er dem Kampfstab, der auf ihn zuflog, auswich. „Jaah, genau so! Sehr gut!"

Er und Jenny sparrten miteinander und das schon seit drei Stunden. Abwehren, ausweichen, angreifen, fast keine Pause außer einer Minute hier und da um etwas zu trinken. Und es war auch kein leichter Sparringkampf. In den letzten Wochen hatte Nik beschlossen, nicht mehr zurückzuhalten, um zu sehen, wie Jenny damit klarkam, und sie hatte ihn überrascht. Um ganz ehrlich zu sein, hatte er vor ein paar Jahren, nachdem sie gerade angefangen hatte, fast geglaubt, dass sie diesen Level niemals erreichen würde.

Nik konnte den Schweiß an seinem Gesicht, seinem Hals und seinem Rücken herunterlaufen spüren, und er war sich sicher, dass ihr Kampf bald zu Ende sein würde, denn außer des Grinsens auf Jennys Gesicht sah sie auch ziemlich erschöpft aus. Er war sich nicht sicher, wie sie sich fühlte, aber jeder Teil seines Körpers tat weh, schrie ihn an aufzuhören, oder zumindest etwas langsamer zu machen. Jenny hatte ihn die ganze Zeit auf Trab gehalten, und das war nicht das erste Mal, dass sie das getan hatte.

Fort war das kleine Mädchen, das den Stab oder das Schwert nicht ordentlich halten könnte, fort waren die Unsicherheiten beim Kämpfen. Stattdessen stand ihm jetzt eine selbstbewusste und kompetente Kämpferin gegenüber, gegen die er wahrscheinlich verlieren würde. Schon wieder. Denn dass Jenny ihn in ihren Trainingskämpfen schlug – sei es mit dem Kampfstab oder den Schwertern – war in den letzten paar Wochen zu einer ziemlich häufigen Angelegenheit geworden. Und irgendwie war ihr das noch nicht einmal bewusst.

Er musste wirklich mit Li sprechen, beschloss er, als er versuchte und scheiterte, dem Kampfstab auszuweichen, als er damit auf dem Rücken getroffen wurde. Nik fiel auf die Knie und ließ seinen eigenen Stab fallen. „Ich gebe auf", stöhnte er, und er wusste schon dass am kommenden Morgen sein Körper mit blauen Flecken übersät sein würde. Oh jaaah, vorbei war die Zeit, als er Trainingskämpfe mit Jenny unbeschadet verließ.

„Schon?", fragte Jenny ungläubig. „Aber wir haben doch gerade erst angefangen!"

„Du verarschst mich, oder? Mein ganzer Körper ist ein einziger blauer Fleck!"

„Dann solltest du dich nicht zurückhalten und mir nicht erlauben, dich so oft zu treffen", entgegnete Jenny, als sie ihre Hand ausstreckte und ihm wieder auf die Beine half.

Nik hob seine Augenbrauen, als Jenny sich umdrehte und seinen Kampfstab mit aufhob. Dachte sie wirklich, dass er sich zurückgehalten hatte, wenn er sogar alles gegeben hatte? „Verrückt", murmelte er, sodass Jenny ihn nicht hören würde.

Aber es war ein weites Grinsen auf seinem Gesicht. Er musste wirklich mit Li reden.

„So, wir duschen dann jetzt besser. Ich seh dich beim Abendessen?"

„Natürlich", antwortete Jenny, als sie bereits auf dem Weg zur Waffenkammer war um die Kampfstäbe zurückzubringen. Erst als sie sicher war, dass Nik sie nicht mehr sehen oder hören würde, stieß sie seinen Seufzer aus. Sie hoffte wirklich, dass Nik bald damit aufhörte sich zurückzuhalten, denn während sie ihre Trainingskämpfe genoss und immer noch dachte, dass sie herausfordernd waren, so fühlte sich doch, dass sie… mehr… brauchte.


Nik stöhnte, als er seine Arme über seinem Kopf ausstreckte und bemerkte, wie ein paar Gelenke ploppten. Er fühlte sich nach der Dusche und ein paar Dehnübungen schon viel besser, aber weder das heiße Wasser noch die Übungen würden seine Haut davon abhalten, dort blau zu werden, wo Jenny ihn wirklich hart getroffen hatte. Nun, er war ein Kämpfer, also musste er damit leben. Obwohl es wehtat. Und das ganz schön. Und er war ein Mann und durfte deshalb nicht jammern. Verdammt.

Seine Schultern leicht rollend, ging er durch Lis Haus und klopfte an der Tür zu seinem Büro. Mit etwas Glück war Li noch nicht zum Abendessen gegangen und er konnte noch mit ihm reden. Er lächelte erleichtert, als Li ihn bat hereinzukommen.

„Hey Li", begrüßte Nik ihn, als er sich auf die weiche Couch in der Ecke des Büros fallen ließ. Er musste ein weiteres Stöhnen unterdrücken, in der Hoffnung, dass Li nicht bemerkte, wie weh ihm alles tat, aber der ältere Lehrer muss etwas auf seinem Gesicht gesehen haben, als er sich schmunzelnd ihm gegenübersetzte.

„Hartes Training heute?"

„Nicht wirklich", antwortete Nik. „Es war nur der letzte Trainingskampf. Ich bin fix und alle."

„Und doch bist du hier und nicht beim Essen oder in deinem Zimmer", zeigte Li auf. „Also, was bringt dich her? Ist es wegen der Abschlussprüfung?"

„In der Tat bin ich deshalb hier", gab Nik zu. „Ich glaube, ich habe noch einen Kandidaten für die Prüfung gefunden, aber ich möchte erst deine Meinung hören."

„Wer ist es?"

„Jenny." Ihre Blicke trafen sich für eine Sekunde, als Li ihn anschaute, nicht mit Überraschung, wie er es erwartet hatte, sondern mit Verständnis. „In den letzten Wochen habe ich während unserer Trainingskämpfe alles gegeben und es scheint, als ob wir etwa gleich gut sind. Ich besiege sie, sie besiegt mich. Aber… das merkwürdige ist… sie denkt ich gebe noch nicht alles."

„Also glaubst du, dass sie für die Prüfung bereit ist."

Nickend setzte Nik mit seiner Erklärung fort. „Kraftmäßig und ihrer Technik nach, ja, glaube ich, dass sie bereit ist. Sie ist mit Sicherheit einer der besten Kämpfer, die wir momentan hier haben. Sie könnte einige ältere Schüler regelrecht fertig machen, dessen bin ich mir sicher."

„Also…", sagte Li wieder nachdenklich, „glaubst du, dass sie ihr volles Potential erreicht hat, und dass es nichts mehr gibt, was wir ihr beibringen können?"

„Ja, ich glaube, dass sie soweit gekommen ist, wie die Grenzen ihres menschlichen Körpers es ihr erlauben." Der Ausdruck auf Niks Gesicht war ganz ernst. Er hatte lange und hart darüber nachgedacht und er war zu dem Schluss gekommen, dass er Jenny alles beigebracht hatte, was er wusste. Und sie hatte das Wissen wie ein Schwamm aufgesaugt. Nur zuletzt, in den letzten paar Wochen, hatte er keinen weiteren Fortschritt sehen. Andere Lehrer hatten dasselbe über sie gesagt, wenn er sich diskret erkundigt hatte. Natürlich war Nik immer vorsichtig gewesen, dass Jenny nichts von seinen Gedanken über ihr Training erfuhr. „Sie macht natürlich hier und da noch mal Fehler, aber das tun wir alle. Wir sind schließlich alle nur Menschen."

„Menschen…", murmelte Li und lehnte sich dann mit geschlossenen Augen in einem Stuhl einen Augenblick zurück. Nik wartete geduldig darauf, dass Li seine Augen wieder öffnete um seine Grübeln zu beenden, aber Lis Stimme ertönte bereits wieder bevor er seine Augen wieder geöffnet hatte. „Sag mir… glaubst du, dass wir sie zurückhalten würden, wenn wir sie noch ein Jahr hierbehielten?"

„Ja", antwortete Nik mit Überzeugung. „Ihr menschlicher Körper hat sein volles Potential erreicht. Wir können nichts weiteres tun als sie gehen zu lassen, damit sie das in ihrer Saiyajinform perfektionieren kann, was sie hier gelernt hat. Wir können ihr dieses Training nicht anbieten. Wir würden in einem Trainingskampf gegen sie keine Chance haben, und deshalb wären wir mehr eine Behinderung als eine Hilfe. Sie muss das alleine machen, oder mit Vegeta. Obwohl", fügte er grinsend hinzu, „wäre es absolut genial zu sehen, wie sie das, was wir ihr beigebracht haben, in ihrer Saiyajinform umsetzt."

Li konnte sich das Lachen über den aufgeregten Ausdruck auf dem Gesicht seines ehemaligen Schülers nicht verkneifen. „Ich bin mir sicher, dass es ‚absolut genial' wäre", stimmte er noch immer schmunzelnd zu, doch er wurde schnell wieder ernst. „Nik, ich bin froh, dass du zu mir gekommen bist, denn du hast nur das bestätigt, was ich bereits vermutet habe. Jenny ist bereit, die Prüfung abzulegen."

Nik seufzte erleichtert. Er hatte etwas Angst davor gehabt, was Li von seinem Urteil halten würde, aber ihn sagen zu hören, dass er genau dasselbe dachte, gab ihm einen kleinen Schub mehr Selbstbewusstsein. Doch noch nicht all seine Sorgen um Jenny waren fort. „Aber Li, da ist noch etwas, was mir Kopfzerbrechen bereitet. Jenny erwartet, erst in ein paar Jahren den Abschluss zu machen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie die Prüfung überhaupt ablegen will, ob sie glaubt, dass sie dafür bereit ist. Ich habe auch etwas Angst vor dem Rückschlag, den sie erfahren könnte, wenn es sich während der Prüfung zeigt, dass sie doch nicht bereit war."

„Sag mir, Nik, in den Jahren, die du hier an der Schule warst, war da jemals ein Schüler, der bei der Prüfung durchgefallen ist?" Nik dachte einen Moment lang nach, schüttelte dann aber seinen Kopf. „Siehst du? Das liegt daran, dass fast keiner durchfällt. Seit ich diese Schule gegründet habe, gab es insgesamt drei Schüler, die den Abschluss nicht geschafft haben, und das war damals ganz am Anfang. Und selbst dann waren nicht sie es, die versagt haben, sondern mein Urteilsvermögen. Doch ich glaube, dass mein Urteilsvermögen in den letzten Jahrzehnten viel besser geworden ist. Verstehst du, eigentlich hat ein Schüler, wenn ich mit den anderen Lehrern entscheide, dass er bereit ist für die Prüfung, den Abschluss schon geschafft. Die Prüfung ist nur eine Formalität, nichts anderes."

Nik war erstaunt, das zu hören. Obwohl es schon seit drittes Jahr als Lehrer hier an der Schule war, hatte er nicht gewusst, dass die Prüfung keine Bedeutung hatte. Er hatte schon bei zwei dieser Prüfungen mitgeholfen und er hatte nie vermutet, dass sie am Ende nichts bedeuteten, dass es schon entschieden war, dass der Schüler den Abschluss schaffte. „Wissen die anderen Lehrer das?"

„Einige", gab Li mit einem verlegenen Grinsen zu. „Diejenigen, denen ich am meisten vertraue, dass sie es den Schülern nicht sagen. Ich will nicht, dass die Schüler die Prüfung auf die leichte Schulter nehmen. Ab jetzt bist du einer von denen, denen ich vertraue, dass du es deinen Freunden nicht weitererzählst."

„Keine Sorge, Li", antwortete Nik mit einem Funkeln in seinen Augen. „Ich schwöre feierlich, dass ich keiner Seele erzählten werde, dass die Prüfung gar keine richtige Prüfung ist. Nun, lass uns wieder auf Jenny zurückkommen."

„Jaah, Jenny", murmelte Li nachdenklich. Er teilte Niks Sorgen darüber, dass Jenny nicht glaubte, dass sie bereit war. „Nur was sollen wir mit ihr machen?"

Beide wurden einen Moment lang still bis plötzlich ein weites, schelmisches Grinsen sich auf Niks Gesicht ausbreitete. „Ich glaube, ich habe eine Idee."


Mittwochmorgen. Die Woche war fast vorbei, genauso wie das Schuljahr. Nicht einmal mehr zwei Wochen und dann würde sie zurück zu Vegeta gehen und wieder einmal die Sommerferien damit verbringen, mit ihm zu trainieren, in der Hoffnung, dass sie auch etwas Zeit mit ihren Freunden verbringen könnte, genauso wie letzten Sommer. Aber bevor sie nach Hause gehen konnte, gab es ein großes Ereignis, auf das sie sich freute – die Abschlussprüfung, die die Schüler ablegen würden, die am Ende des Jahres ihren Abschluss machten.

Dieses Jahr würden zwei aus ihrer Gruppe den Abschluss machen – vorausgesetzt, dass sie die Prüfung bestanden. Ejnar und Zoe.

Jenny seufzte. Wenn die beiden weg waren, waren nur noch sie und Sel von ihrer Gruppe übrig. Bis jetzt hatte es noch keinen neuen Schüler gegeben, das zu ihnen gepasst hatte, wenn sie Hamal nicht mitzählte, der immerhin nur zwei Wochen dagewesen war, bevor er weggelaufen war. Blöder Feigling, fluchte sie in ihren Gedanken. Oh jaah, sie war schon lange über ihn hinweg. Aber das bedeutete nicht, dass sie nicht wütend auf ihn war, weil er so schnell aufgegeben hatte.

„Guten Morgen, Jenny", begrüßte Mailin sie mit einem strahlenden Lächeln, als sie zu Jenny ins Badezimmer stieß. „Wie war der Morgenlauf?"

„Es war okay", antwortete Jenny gähnend. Selbst nach fast vier Jahren an dieser Schule würde sie sich nie daran gewöhnen, bei Sonnenaufgang aufzustehen, oder im Winter laaaaaaange vor dem Sonnenaufgang. Wochenende und lange Schlafen klang nie so gut wie während der Monate, in denen sie so früh aufstehen musste. Sie konnte einfach nicht verstehen wie Nik, der als Lehrer nicht mehr die morgendliche Joggingrunde mitlaufen musste, sie trotzdem noch jeden Morgen begleitete. Plötzlich runzelte Jenny ihre Stirn. „Warte… Nik war nicht dabei…"

„Wirklich?", fragte Mailin ungläubig. „Er hat das nie verpasst, außer er war wirklich krank. Was hast du ihm während eures Trainingskampfes gestern angetan?"

„Nichts, wirklich", versicherte Jenny ihrer Freundin, die sie ungläubig ansah. „Wirklich! Er war gestern beim Abendessen und er war normal! Ich frag ihn einfach beim Frühstück."

„Lass uns das tun", stimmte Mailin zu.

Sie wurden beide im Badezimmer fertig und gingen dann, frisch geduscht und angezogen, zusammen zum Frühstück. Damian wartete schon auf sie an ihrem Tisch und beschwerte sich, dass sie immer so lange im Bad brauchten. Die Mädchen lachten bloß und wandten sich ihrem Frühstück zu. Ein paar Minuten später kamen Selvyn, Zoe und Ejnar hinzu.

„Hey Jenny"; sagte Zoe, als sie sich neben das jüngere, aber seit etwa zwei Jahren größere Mädchen setzte. „Ich habe Li draußen getroffen. Er möchte gerne, dass du nach dem Frühstück zu ihm kommst."

„Was hast du angestellt?", fragte Damian verdächtig.

Jenny warf ihre Hände in die Luft und schüttelte ihren Kopf. Warum dachten immer alle, dass es ihre Schuld war? „Ich habe nichts getan. Wirklich!"

Grummelnd wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Frühstück zu, aber sie wunderte sich trotzdem, warum Li sie sehen wollte. Soweit sie wusste hatte sie wirklich nichts getan, was ein Besuch bei Li zur Folge haben könnte. Und wenn Li einfach nur nett mit ihr plaudern wollte, würde er sie nicht in sein Büro rufen. Sie schaute sich um, in der Hoffnung Nik zu finden. Vielleicht wusste er mehr darüber, was Li von ihr wollen könnte. Aber ihr Freund war nirgends zu sehen.

Verdammt! Wo war er?

Sobald sie mit ihrem Frühstück fertig war, entschuldigte Jenny sich von ihren Freunden und ging schnell zu Lis Haus. Sie hatte beschlossen, dass Li einfach wissen musste, warum Nik weder zum Morgenlauf noch zum Frühstück erschienen war und dachte, dass sie diese Chance nutzen könnte, um ihm nach ihrem vermissten Freund zu fragen.

Sie musste nur einmal klopfen bevor Lis Stimme sie hereinbat und sie wollte gerade ihren Lehrer begrüßen, als sie sah, dass der eine Stuhl vor dem Tisch von niemand anderem als ihrem vermissten Freund Nik eingenommen war. „Da bist du ja!", sagte sie, anstatt Li zu begrüßen. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht, nachdem du den Morgenlauf und das Frühstück verpasst hast. Wo warst du?"

„Hey Jenny", begrüßte Nik sie mit einem frechen Grinsen und drehte sich dann ein wenig in seinem Stuhl, wobei er sein rechtes Bein zur Seite schon, ein Bein das in weißes Gips gehüllt war. „Es tut mir Leid, dass du mich vermisst hast, aber ich war im Ort um mir das hier abzuholen."

„Was ist passiert? Was hast du getan?"

Nik schmunzelte trocken. „Ich hab die letzte Treppenstufe heute Morgen verpasst und mir das Bein gebrochen. Ein bisschen peinlich, oder?"

„Tut es weh? Wann kommt der Gips ab?"

„Nah, tut nicht weh… der Gips juckt nur etwas. Und er kommt in etwa sechs Wochen ab. Und das ist ein bisschen be…scheiden."

„Und das ist auch der Grund, warum ich dich hergebeten habe", warf Li ein, davon etwas amüsiert, dass Jenny scheinbar vollständig vergessen hatte, dass er da war und dass er sie darum gebeten hatte, zu ihm zu kommen. Aber es wärmte auch sein Herz zu sehen, wie besorgt sie um ihren Freund war.

Jenny schaute erschrocken auf, ihre Augen weit. Sie hatte wirklich vergessen, dass Li auch im Raum war. Etwas errötend und mit einem verlegenen Kichern, kratzte Jenny sich am Hinterkopf. „Ups… tut mir Leid, Li, ich war etwas abgelenkt. Aber guten Morgen erst einmal."

„Guten Morgen, Jenny", schmunzelte Li wieder, beschloss jedoch dem Mädchen noch mehr Verlegenheit zu ersparen und direkt zur Sache zu kommen. „Wie du bemerkt hast, ist Nik zurzeit nicht in der Lage, seine Pflichten an dieser Schule zu erfüllen, und deshalb habe ich dich hergebeten."

„Wie meinst du das?", fragte Jenny, in deren Stimme ein verdächtiger Ton zu hören war. Warum würde Li ausgerechnet sie sehen wollte, wenn Nik verletzt war. Sie war hier immerhin nur eine Schülerin.

„Ah, mach dir keine Sorgen, Jenny. Ich bitte dich nicht, seinen Unterricht zu übernehmen. Das ist alles geregelt." Jenny stieß beinahe einen Seufzer der Erleichterung aus, als Li ihr das versicherte. Doch das Grinsen auf seinem Gesicht versprach ein ‚aber'. Sie graute sich dafür, doch war nicht überrascht, als er mit genau diesem blöden Wort fortfuhr. „Aber mit der Abschlussprüfung nächsten Samstag brauche ich wirklich deine Hilfe. Warum setzt du dich nicht, während wir darüber reden? Möchtest du einen Kaffee?"

„Nein danke", antwortete Jenny, als sie sich neben ihren Freund setzte. Sie gab ihrem Freund einen warnenden Blick, da er scheinbar eingeweiht war. Natürlich war er eingeweiht, sie war immerhin wegen ihm hier. „Also, was willst du von mir?"

„Dass du gegen Ejnar und Zoe während der Prüfung kämpfst", sagte Li frei heraus, da er dachte, dass es besser wäre, es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Ihre Augen weiteten sich, aber bevor sie etwas sagen konnte, fuhr Li fort: „Du wirst gegen Ejnar mit den Schwertern kämpfen und gegen Zoe mit dem Kampfstab. Aber keine Angst, das sind die einzigen beiden Kämpfe, bei denen du helfen musst, da Zoe während der Prüfung gegen einen anderen Abschlussschüler mit dem Schwert kämpft."

„Keine Angst?", murmelte Jenny ungläubig. „Keine Angst? Li, ich bin vierzehn verdammte Jahre alt und ich bin erst seit vier verdammten Jahren hier an der Schule! Ich kann ihnen nicht in einem richtigen Kampf gegenüberstehen! Sie werden mich fertigmachen!"

„Achte auf deine Sprache, Jenny", schalt Li sie sanft, aber lächelte innerlich. Das war genau die Reaktion, die er und Nik erwartet hatten, und er war froh, dass Nik diese brillante Idee gehabt hatte, um sie zum Kämpfen zu bewegen. Wenn sie schon so war, wenn sie nur jemanden ersetzen sollte, wie hätte sie reagiert, wenn sie ihr gesagt hätten, dass sie eine echte Teilnehmerin an der Abschlussprüfung war, was bedeutete, dass sie die Prüfung ebenfalls ablegen würde? „Ich erwarte jetzt noch keine Antwort von dir, aber morgen früh möchte ich wissen, wie du dich entschieden hast."

„Li, ich will wirklich…"

„Denk drüber nach", unterbrach er sie. „Sprich mit deinen Freunden darüber. Fälle deine Entscheidung. Und sag mir morgen Bescheid. Aber ich muss dir sagen, dass es wirklich eine große Hilfe wäre, wenn du das für uns tust. Wie du weißt, kämpfen die Schüler, die die Prüfung ablegen, immer gegeneinander. Doch dieses Mal fehlten uns zwei Teilnehmer, einer in der Kategorie ‚Schwert' und einer in der Kategorie ‚Kampfstab'. Ich hatte Nik gebeten, gegen die beiden Schüler stattdessen zu kämpfen, da er selbst erst zwei Jahre mit der Schule fertig ist. Aber nun, da Nik aus dem Rennen ist, haben wir ein Problem. Ich möchte wirklich keine älteren Lehrer fragen, da sie wegen ihrer Erfahrung einen unfairen Vorteil gegenüber den Schülern haben könnten. Und momentan bist du die einzige Schülerin an dieser Schule, die mit dem Kampfstab weit genug fortgeschritten ist, um gegen ältere Schüler anzutreten. Und da deine Arbeit mit dem Schwert auch bei weitem mehr als zufriedenstellend ist, dachten wir daran, dass du Nik in beiden Kämpfen ersetzen könntest, anstatt noch mehr Schüler einzubeziehen."

„Bitte, Jenny, denk darüber nach…"

Jenny drehte ihren Kopf und schaute in Niks weite Augen, die sie anbettelten, es zu tun. Er hatte den Welpenblick perfektioniert und er funktionierte bei vielen Leuten, nur seine Mädchen, das heißt Anisah, Zoe, Mailin und Jenny selbst waren etwas immun dagegen, nachdem sie ihm zu oft ausgesetzt gewesen waren. Heute, jedoch, fühlte Jenny Mitleid mit ihm, wegen des gebrochenen Beins und so, und erlaubte seinen Augen, dass sie sie bearbeiteten. „Okay, ich denk darüber nach und sag euch morgen Bescheid."

„Mehr wollen wir nicht, Jenny, mehr wollen wir nicht." Obwohl Li wirklich hoffte, dass sie zustimmte, dass der Saiyajin in ihr sie irgendwie dazu treiben würde, diese Herausforderung in der Öffentlichkeit gegen jemanden zu kämpfen, der scheinbar stärker war, anzunehmen. Oder vielleicht war es nicht die Saiyajinseite, sondern die mitfühlende menschliche Seite und das schlechte Gewissen, das sie dazu bewegen würde, ihren Freunden zu helfen.


Jenny kam zu spät zum Unterricht – sie hatte kaum bemerkt, dass sie die meiste Zeit vom Morgen in Lis Büro verbracht hatte – aber glücklicherweise war Suki schon von Li informiert worden, dass er mit Jenny reden musst. Mailin und Damian wollten natürlich wissen, warum sie zu Li musste, aber Jenny bekam erst die Möglichkeit ihnen die ganze Geschichte während der Mittagspause zu erzählen. Ihre Freunde lauschten gespannt und überrascht, während sie rüber zur Mensa gingen und sich an ihren Tisch setzten. Jenny war froh, das endlich losgeworden zu sein, nachdem sie seit Li und Nik sie um den Gefallen gebeten hatten, darüber gegrübelt hatte.

„Ist das geil", sagte Damian erstaunt, nachdem Jenny ihnen alles, was in Lis Büro passiert war, erzählt hatte. „Ich meine… natürlich nicht das mit Niks gebrochenem Bein, aber du weißt, was ich meine."

„Was ist geil?", wollte Selvyn wissen, als er, Ejnar und Zoe sich an ihren Tisch setzten, im gleichen Moment als Zoe leicht panisch fragte:

„Nik hat sein Bein gebrochen? Aber soll in den Prüfungskämpfen gegen Ejnar und mich antreten! Er kann kein gebrochenes Bein haben!"

„Ach, keine Angst", versuchte Damian sie schnell zu beruhigen. „Jenny ist sein Ersatz."

„Jenny ist was?", fragte Ejnar verwirrt, gerade als Jenny ausrief:

„Hey, ich habe noch nicht ja gesagt!"

„Wovon redet ihr da überhaupt?", wollte ein verwirrter Selvyin wissen.

Jenny seufzte und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Okay, Li hatte sie gebeten mit ihren Freunden darüber zu sprechen, aber sie wusste schon, was sie sagen würden. Was sie jetzt aber erst mal brauchte, war etwas Zeit um darüber nachzudenken. Alleine. Ohne die Meinung ihrer Freunde.

Glücklicherweise musste sie noch nichts sagen, da Damian, der von der Gruppe immer noch der aufgedrehteste war, beschloss seinen Freunden zu erzählen, was passiert war. „Li hat Jenny wegen Niks gebrochenem Bein gebeten, Nik in den Kämpfen gegen euch beide zu ersetzen."

„Wow!" Ejnar pfiff anerkennend. „Das ist hervorragend. Jenny, das ist wirklich eine große Ehre! Ich kann es nicht erwarten, gegen dich zu kämpfen! Es wird einfach großartig sein."

„Aber ich habe noch nicht ja gesagt!", wiederholte Jenny frustriert. Warum waren sie bloß alle so aufgeregt? Sie waren ihre Freunde, Freunde mit denen sie trainiert und gekämpft hat! Sie mussten doch alle wissen, dass sie für so etwas großes noch nicht bereit war! Sie hatte an dieser Schule noch ein paar Jahre nach, wie konnten sie also von ihr erwarten, in dem Abschluss Turnier als Gegner für zwei Prüflinge anzutreten. Li sagte, dass er nicht wollte, dass Lehrer kämpften, weil sie zu viel Erfahrung hatten und dass das unfair wäre, aber wäre es nicht auch unfair, sie gegen einen Gegner antreten zu lassen, der so viel schwächer und schlechter als sie war?

„Aber das wirst du, oder? Oder?", fragte Zoe sie. „Weil ich will wirklich nicht gegen einen Lehrer kämpfen! Und um ehrlich zu sein, wärest du nach Nik meine zweite Wahl."

„Zoe hat Recht", stimmte Ejnar zu. „Wenn sie dich wirklich gebeten haben, ihn zu ersetzen, musst du einfach ja sagen."

Jenny schüttelte ihren Kopf – sie wollte da nichts mehr drüber hören – aber als Selvyin seine Hand über ihre legte, schaute sie zu ihm auf. Seine Augen waren gütig und mitfühlend, und obwohl sie jetzt nur noch hier raus und etwas Ruhe haben wollte, weg von ihren Freunden, damit sie darüber nachdenken konnte, ohne dass irgendwer versuchte, sie zu überzeugen, blieb sie wo sie war und hörte ihm zu.

„Jenny", sagte er sanft. „Ich weiß, dass es ziemlich überwältigend ist und dass es am Ende deine Entscheidung ist. Aber bitte, denk wirklich an die Chance, die dir geboten wird. Du bekommst die Möglichkeit an dem Abschlussturnier teilzunehmen, vor Zuschauern, ohne jeglichen Druck. Stell… stell dir einfach vor, es wäre ein Trainingskampf, ein Probelauf für den Zeitpunkt, wenn du wirklich dran bist. Aber jetzt ist es egal, ob du gewinnst oder verlierst, du kannst es einfach nur aus Spaß machen."

„Aber was, wenn ich mich total blamiere?", fragte Jenny leise und sprach damit die Furcht aus, die die ganze Zeit an ihr genagt hatte, was sie davon abgehalten hatte, es überhaupt in Erwägung zu ziehen.

„Das wirst du nicht, vertraue mir", versicherte Selvyn ihr. „Du bist eine gute Kämpferin, Jenny, niemand zweifelt daran. Am wenigsten Li und Nik. Wenn sie glauben, dass du als Gegner für Ejnar und Zoe teilnehmen kannst, dann kannst du ein würdiger Gegner sein. Denk darüber nach, Jenny."

„Danke", murmelte Jenny, als sie aufstand. Sie war nicht länger hungrig, und falls sie später noch Hunger kriegen sollte, konnte sie noch immer auf einen Snack in die Küche gehen. Nun musste sie alleine sein und nachdenken. Und während sie nachdachte, konnte sie ebenso gut etwas trainieren. „Es tut mir Leid, Leute… Ich seh euch später."


Es war später am Nachmittag, nachdem das reguläre Training vorbei war, als Selvyn die Sporthalle betrat, wo Jenny sich aufgehalten hatte, seit sie sie beim Mittagessen verlassen hatte. Mit dem Abschlussturnier am Horizont und dem Beginn des Sommers wurde das meiste reguläre Training draußen abgehalten, damit die Prüflinge die Sporthalle benutzen konnten, um sich auf ihre Begegnungen vorzubereiten. Immerhin hing viel davon ab.

Als er die Tribüne der Sporthalle betrat, war er nicht überrascht Nik dort zu sehen. Er saß auf einer der Bänke und seine Krücken lagen neben ihm auf dem Boden. „Hey", begrüßte er ihn, als er sich neben den älteren Jungen setzte. „Wie geht's dem Bein?"

„Es geht ihm gut", sagte Nik zu ihm. „Es ist bloß… das Jucken nervt so!"

„Ich verstehe", murmelte Selvyn nachdenklich und wandte seine Aufmerksamkeit dann wieder Jenny zu, die mit zwei Schwertern trainierte – zwei Schwerter mit stumpfen Kanten, die Li extra für ihr Training hergestellt hatte. Im Hintergrund spielte etwas klassische Musik, die in einer Passage langsam und sanft war und ich der nächsten leicht und schnell wurde. Ihre Bewegungen waren synchron zur Musik, eine Position glitt fehlerlos in die nächste. Es sah wirklich wunderschön aus und wenn er Mailin nicht so sehr mochte, hätte er sich genau hier und jetzt in Jenny verlieben können.

Als Selvyn zurück zu Nik schaute, sah er, dass der andere Junge tief in Gedanken versunken war, obwohl er noch jede von Jennys Bewegungen beobachtete.

„Sie ist wirklich gut", sagte er zu Nik. „Ich kann verstehen, warum du sie Samstag dabei haben willst."

„Jaah, sie hat sich über die letzten Jahre zu einer großartigen Kämpferin entwickelt", antwortete Nik, seine Stimme voller Stolz.

Sie schwiegen beide wieder, und schauten wieder nur Jenny zu. Die Musik veränderte sich, das klassische Stück wurde durch die Bässe harter Rockmusik ersetzt. Sofort veränderten sich ihre Bewegungen ebenfalls, sie wurden aggressiver, schneller, härter.

„Sooo", sagte Selvyin schließlich, „was passiert nächstes Jahr mit mir? Wenn Ejnar, Zoe und Jenny weg sind, bin ich der einzige, der aus unserer Gruppe noch übrig ist."

Niks Kopf wirbelte so schnell herum, dass es ein Wunder war, dass er kein Schleudertrauma bekam. „Wovon redest du da?"

Mit verdrehten Augen sagte Selvyn: „Komm schon, Nik. Ich bin mir sicher, die anderen sind zu nervös wegen der Prüfung um es zu bemerkten, aber ich bin nicht blöd. Ich hab mich schon die ganzen letzten Wochen gefragt, warum Jenny nicht wie die anderen eingeplant wurde um ihren Abschluss zu machen, deshalb war ich nicht überrascht, als Jenny uns heute Morgen erzähle, dass du sie gebeten hast, dich zu ersetzen."

Grinsend schmunzelte Nik: „Manchmal bist du einfach zu schlau. Aber du hast Recht. Ich bin mir sicher, dass Jenny mich umbringen wird, wenn das hier vorbei ist, weil ich ihr es nicht gesagt habe. Aber du hast ihre Reaktion gesehen. Li und ich waren ziemlich sicher, dass sie niemals mitgemacht hätte, wenn sie wüsste, dass die Prüfung echt ist."

„Jaah, für jemanden, der normalerweise so eine große Beobachtungsgabe hat, erkennt sie wirklich nicht ihre eigenen Fähigkeiten."

„Jaah, das ist unsere Jenny", stimmte Nik mit einem kleinen Lächeln zu, als er seine Aufmerksamkeit wieder dem Mädchen in der Mitte der Sporthalle widmete.


Oh, lieber Dende, was zum Teufel machte sie hier?

Gekleidet in bequemer Kampfkleidung, die aus ihrem schwarzen Lieblingstrainingstop und lockerer Hose bestand, stand Jenny mitten zwischen den Prüflingen und wartete darauf, das Li ein paar letzte Worte sagte, bevor die Kämpfe begannen. Es war halb zehn Uhr morgens – die Kämpfe würden um zehn Uhr anfangen – und die Sonne schien hell und warm auf sie herunter. Ein perfekter Tag für die Demütigung, die sie heute mit Sicherheit erleben würde. Die Tribünen waren gefüllt mit Familien und Freunden von den Prüflingen, genauso wie mit anderen Schülern, die sich die Kämpfe einfach nur anschauen wollten.

„Großartig, einfach nur großartig.

Sie hatte bisher nur an einem anderen Turnier teilgenommen, und dieses Turnier hatte für sie aus nur einem Kampf bestanden bevor sie disqualifiziert worden war. Und danach war die Erde zur Hölle gefahren.

Warum, oh warum hatte ihr Neugierde und ihr Dickkopf und nicht zu vergessen ihr schlechtes Gewissen gewonnen, als sie beschlossen hatte, sie würde Li aushelfen indem sie Nik in diesem Turnier ersetzte? Es gab jetzt kein Zurück mehr und obwohl sie in den letzten Tagen hart trainiert hatte, war sie sich sicher, dass sie der Witz der Schüle sein würde, sobald das Turnier vorbei war.

„Hey Jenny!" Sie wirbelte erschrocken herum und sah Nik auf sich zu humpeln. „Wie geht's dir?"

„Einfach toll", murmelte sie und schluckte schwer. Gab es hier irgendeinen Ort, wo sie sich verstecken konnte?

„Keine Angst, Jenny", sagte Nik mit einem beruhigenden Lächeln. „Du wirst dich großartig schlagen, dessen bin ich mir sicher. Gib einfach dein Bestes und alles wird gut. Vergiss das nicht."

„Ich werde es versuchen…", murmelte Jenny wieder und nachdem er ihr ein letztes Lächeln zugeworfen hatte, humpelte Nik wieder weg, nach vorne wo Li jetzt stand.

In dem Moment wo Li sich räusperte, war alle Aufmerksamkeit sofort auf ihn gerichtet. Er lächelte freundlich, als er sagte: „Guten Morgen zusammen. Ich bin froh euch alle gesund hier zu sehen, bereit am Abschlussturnier teilzunehmen. Nun möchte ich euch gerne noch einmal an die Regeln erinnern… Die Kämpfe dauern dreißig Minuten und enden, wenn die Zeit um ist, einer von euch sich außerhalb des Rings befindet, durch Knock-out, wenn wir euch ausgezählt haben oder ihr aufgebt. Zwischen jedem Kampf wird es eine Pause von fünfzehn Minuten geben. Es gibt eine Mittagspause von viertel vor eins bis viertel vor zwei und der letzte Kampf wird um vier Uhr stattfinden. Wir werden euch bis fünf Uhr Bescheid sagen, ob ihr bestanden habt, und die Zeremonie um die Absolventen zu feiern fängt um sechs Uhr an. Und ich weiß, ich habe es euch schon einmal gesagt, aber ich möchte euch noch einmal daran erinnern, dass ihr die Kämpfe nicht gewinnen müsst, um zu bestehen. Gebt einfach euer bestes, zeigt uns alles, was ihr gelernt habt, und das sollte genügen. Habt ihr irgendwelche Fragen?"

„Wie wissen wir, wann wir dran sind?", fragte ein Junge.

Schmunzelnd antwortete Li: „Tut mir Leid, ich wusste, dass ich was vergessen hatte. An dem schwarzen Brett dort drüben findet ihr jetzt den Zeitplan für heute." Sie blickten alle über ihre Schultern um nun auf dem vorherigen leeren schwarzen Brett ein weißes Blatt Papier zu sehen. „Geht, schaut nach. Ich bin mir sicher, ihr seid alle neugierig, wann ihr dran seid."

Aufgeregtes Gemurmel brach um sie herum aus und Jenny folgte den anderen Schülern zu dem Zeitplan für die Kämpfe, wo sie nach ihrem Namen suchte. Sie wusste, dass er zweimal dort stehen würde und fand ihn schnell. Ihr erster Kampf war um halb zwölf gegen Ejnar mit den Schwertern. Und dann musste sie direkt nach dem Mittagessen um viertel vor zwei mit dem Kampfstab gegen Zoe antreten.

„Oh Gott, ich fange an", stöhnte Zoe neben ihr.

„Komm schon", sagte Ejnar, der an Jennys anderer Seite erschienen war. „Zumindest werden eure Kämpfe bald vorbei sein. Ich und Jenny müssen bis halb zwölf warten."

„Es heißt ‚Jenny und ich', aber du hast Recht", seufzte Zoe. „Okay, Jenny, bist du bereit für die Kämpfe?"

Ihr Gesicht in ihren Händen vergrabend grummelte sie: „Worauf hab ich mich da bloß eingelassen?"

„Beschwer dich nicht, Jenny", grinste Ejnar sie an und nahm ihre Hände von ihrem Gesicht weg. „Du hattest die Möglichkeit nein zu sagen, aber das hast du nicht gemacht, und nun musst du da durch. Aber komm schon, es wird bestimmt lustig! Lass uns ein paar Plätze finden und Zoe anfeuern."

„Okay", stimmte Jenny widerwillig zu und ließ sich wegziehen. „Viel Glück, Zoe!"


Zoes erster Kampf endete nach dreißig Minuten unentschieden, aber Jenny hatte immer gewusst, dass Zoes Stärke beim Kampfstab lag. Sie war trotzdem sehr gut mit dem Schwert und hatte dies in einem exzellenten Kampf gegen ihren Gegner gezeigt. Jenny was sich mehr als sicher, dass Zoe diese Prüfung bestehen würde, besonders da der andere Kampf gegen sie sein würde.

Doch während des zweiten Kampfes hatte Jenny Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und zum Ende hin verließen sie und Ejnar die Tribüne um sich auf ihren Kampf vorzubereiten. Sie versuchte sich zu entspannen und führte eine Reihe Katas durch, um sich aufzuwärmen. Das half ihr ein wenig, den Kopf klarer zu kriegen, aber die Vorbereitungszeit war zu schnell vorbei und Li verkündete, dass der nächste Kampf in fünf Minuten starten würde.

Im nächsten Augenblick standen sie und Ejnar beim Eingang zum Ring, bereit einzutreten wenn sie aufgerufen wurden.

„Bist du bereit, Jenny?", fragte Ejnar mit einem aufgeregten Grinsen.

Jenny schluckte, bevor sie murmelte: „Ich glaub, ich muss spucken."

Ejnar lachte und klopfte ihr auf den Rücken. „Behalt es bis zum Ende des Kampfes drinnen, okay?"

„Ich tu mein bestes."

„Und jetzt würde ich gerne die nächsten beiden Schüler vorstellen. Ejnar und Jenny und sie werden mit den Schwertern kämpfen", holte Lis Stimme Jenny volle Aufmerksamkeit wieder zurück zum bevorstehenden Kampf.

Sie und Ejnar betraten den Ring und hielten ein paar Meter voneinander entfernt an. Zwei Lehrer gaben ihnen ihre Waffen für den Kampf und irgendwie fühlte Jenny sich sofort ruhig, als sie die beiden Trainingsschwerter in ihren Händen hielt. Obwohl es nicht die Drachenschwerter waren, hatte sie trotzdem das Gefühl, als ob sie in ihren Händen vibrierten, als ob sie dorthin gehörten. Der Lärm der Zuschauer verschwand im Hintergrund und Jenny konnte sich auf die Situation konzentrieren. Sobald Li Bescheid sagte, würde sie gegen Ejnar kämpfen.

Endlich gab Li das Signal und ein aufgeregtes Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als Ejnar sich mit seinem Breitschwert in der rechten Hand in eine Kampfhaltung begab. Dieses hier, kämpfen, dazu wurde sie geboren, warum also hatte sie Angst? Das war ihre Arena, ihr Spielplatz. Und selbst wenn sie verlor, so würde sie so viele neue Sachen lernen.

Sie konnte das hier durchziehen.

Genau in diesem Moment griff Ejnar an und schwang sein Schwert nach ihr. Das Grinsen auf ihrem Gesicht weitete sich sogar noch mehr, als sie es schaffte, seinen Schlag mit ihren beiden Schwertern abzuwehren und ihn ein paar Schritte wegzudrücken.

Ooh, das würde so viel Spaß machen!

Der Lärm der Zuschauer um sie herum verschwand vollständig, als all ihre Konzentration auf diesem Kampf lag. Energie rauschte ihr durch die Adern, Aufregung und Adrenalin pushte sie weiter als sie je an dieser Schule gegangen war. Alles kam ihr so leicht vor – blocken, ausweichen, angreifen. Sie nutze ihren Vorteil, dass sie kleiner und flinker als der große und muskulöse Ejnar war, und wirbelte um ihn herum. Ihre Schwerter waren die Verlängerungen von ihren Armen, die sich fast selbständig bewegten.

Oder, dachte Jenny noch immer grinsend, als sie es schaffte Ejnars Bein mit der stumpfen Kante des langen Schwertes zu treffen, vielleicht hatte das ganze Training es nur geschafft, die Bewegungen mit den Schwertern zu einem Teil ihrer Kampfinstinkte zu machen. Das einzige, woran sie denken musste, war die Taktik, die sie benutzen wollte. Aber das war leicht. Während Ejnar definitiv stärker war, so war Jenny schneller, und sie benutzte das bereits zu ihrem Vorteil.

Ejnar fluchte, als Jennys Schwert auf sein Bein traf. Das tat tatsächlich weh und sie war fast zu schnell für ihn um selbst einmal ordentlich zu treffen. Aber er hatte trotzdem eine Menge Spaß. Als Jenny ihnen erzählt hatte, dass sie Lis Ersuchen Nik zu ersetzen akzeptiert hatte, war er innerlich erleichtert gewesen, dass er nicht gegen Nik kämpfen musste. Er war sich so sicher gewesen, dass er Jenny besiegen würde, obwohl sie sicherlich einen guten Kampf liefern würde. Aber jetzt war er sich plötzlich nicht mehr so sicher.

Er hatte nie erwartet, dass Jenny so gut war! Dieser Kampf übertraf alle seine Erwartungen. Er hatte schon sehr lange in einem Kampf nicht mehr so viel Spaß gehabt.

Dann, endlich, landete er auf Jennys Rücken einen Treffer, der sie zu Boden stolpern ließ. Sie stöhnte, als sie sich wieder auf die Füße hochdrückte. Verdammt, das hatte wehgetan. Ejnar war wirklich stark.

„Oh Gott, Jenny, es tut mir Leid… geht es dir gut?", fragte ihr besorgter Gegner sie, als er sich über sie beugte.

„Verdammt noch mal, Ejnar", grummelte sie. „Du solltest dir keine Sorgen um mich machen. Ich bin um Dendes Willen deine Gegnerin! Du solltest glücklich sein, dass ich zu Boden gegangen bin!"

„Ups… Stimmt ja…" Er grinste verlegten und festigte wieder seine Hand um sein Schwert.

Jennys Grinsen verwandelte sich in ein schelmisches Grinsen, als sie verkündete: „Aber warte nur ab. Ich werde dich dafür kriegen!" Und dann griff sie ihn an, schlug mit dem langen Schwert in ihrer rechten Haus, gefolgt von einem scharfen Stoß mit dem kurzen Schwert in ihrer linken Hand, als er es schaffte, den ersten Schlag zu blocken. Ejnar wirbelte herum, wobei er gerade der stumpfen Spitze des kurzen Schwerts ausweichen konnte, und konterte sofort mit einem starken Schlag von seinem Schwert.

Jenny knirschte mit den Zähnen, als sie Ejnars Schwert mit dem kurzen Schwert in ihrer linken Hand blockte. Ihr Arm vibrierte durch die Kraft hinter dem Schlag und ihre Handfläche brannte, aber sie weigerte sich, nachzugeben. Fauchend drückte sie nach vorne, aber Ejnar drückte gegen sie zurück. Anstatt an Grund zu gewinnen, verlor sie an Grund, als Ejnar sie zwang erst einen und dann zwei Schritte zurückzugehen. Letztendlich gab sie nach, als sie ihre Taktik änderte und sich zu Boden fallen ließ. Ein Bein schwang herum, womit sie Ejnar überraschte, und im nächsten Augenblick lag er auf seinem Rücken mit Jennys Schwert an seiner Kehle.

Sie grinste zu ihm hinunter, schwer atmend. Sie wollte noch nicht wirklich glauben, dass sie scheinbar gewonnen hatte. „Gibst du auf?"

Ejnar antwortete mit einem Grinsen. „Nix da." Und dann ergriff er ihr Fußgelenk und zog sie ebenfalls zu Boden. Jenny kreischte vor Überraschung, rollte sich jedoch weg. Ejnar tat dasselbe und in dem Moment, als sie sich beide wieder auf ihren Füßen befanden, trafen ihre Schwerter aufeinander. Jenny taumelte unter dieser Kraft, als sie wieder den Schmerz in ihren Handflächen und Handgelenken spürte, aber sie gab nicht nach. Ihre Schwerter trafen sich wieder und wieder, und Jenny begann wieder damit, sich auf ihre Schnelligkeit zu verlassen, um seinen Schlägen auszuweichen.

Endlich, Jenny hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen war, hatte sie es überraschenderweise geschafft, Ejnar zur Kante des Rings zu treiben ohne dass einer von ihnen es bemerkt hatte. Sie bemerkten es erst, als Ejnar einen Schritt zurücktrat, um einen Angriff auszuweichen und nur Luft unter seinem Fuß verspürte. Haltlos, fluchte er, und wäre außerhalb des Rings gelandet, wenn Jenny nicht das Schwert in ihrer linken Hand fallen gelassen hätte und sein Handgelenk ergriffen hätte. Sofort wickelten sich seine Finger um ihren Arm und Jenny zog ihn zurück.

„Nun sind wir quitt", sagte sie zu ihm, als sie ihr Schwert wieder aufnahm.

„Jaah, danke", antwortete Ejnar mit einem verlegenen Grinsen. „Du hättest mich einfach fallen lassen sollen."

„Ja, ja.. hab ich aber nicht. Und nun lass uns das hier zu Ende bringen."

„Sicher, sicher…", beantwortete Ejnar mit einem Grinsen, als er etwas bemerkte. Hinter Jenny konnte er sehen, wie Li und Nik stolz lächelten, wegen Jenny nahm er an. Scheinbar war Jenny nicht nur Niks Ersatz, nein, sie war wirklich in diesem Turnier. Nur dass sie es nicht wusste.

Sie nahmen beide wieder eine Kampfhaltung ein, aber bevor einer von ihnen den ersten Schritt tun konnte, klang ein Gong durch die Luft. Das Signal für das Ende des Kampfes.

Jenny schaute sich überrascht um, als die Menge anfing zu jubeln. War es wirklich schon vorbei?

„Die dreißig Minuten sind um", verkündete Li. „Das Kampf endet unentschieden, obwohl sowohl Ejnar und Jenny die Chance gehabt hätten, den Kampf früher zu beenden. Doch in aller Fairness haben beide ihrem Gegner noch eine Chance gegeben. Nun werden wir eine weitere Pause von fünfzehn Minuten einlegen bevor der letzte Kampf vor dem Mittagessen anfängt."

Als Jenny und Ejnar den Ring verlassen hatten, wurden sie enthusiastisch von ihren Freunden begrüßt, die ihnen zu einem großartigen Kampf gratulierten. Sie bemerkte nicht den wissenden Blick, den Nik, Selvyn und Ejnar austauschten, noch immer zu erstaunt über ihren eigenen Auftritt. Der erste Kampf in der Abschlusszeremonie und sie hatte nicht verloren. Okay, sie hatte auch nicht gewonnen, aber das war egal. Sie hatte sich einem Abschlusskampf behauptet und sie war sich sicher, dass sie darauf stolz sein konnte.

Da sie sich nun etwas weniger nervös fühlte, nachdem sie sich im ersten Kampf nicht blamiert hatte, genoss Jenny ihre erste richtige Mahlzeit in der Mittagspause. Es war sogar egal, dass sie direkt danach gegen Zoe kämpfen sollte, weil sie zum einen wusste, dass Zoe mit dem Kampfstab besser war als sie, und zweitens, sie sich und der Schülerschaft bereits bewiesen hatte, dass sie mit dem Schwert kämpfen konnte.

Ihre Freunde hatte Recht gehabt – jetzt da sie gesehen hatte, wie das Abschlussturnier war, hatte sie keine Angst teilzunehmen, wenn sie wirklich dran war.

Nach dem Mittagessen neckten Jenny und Zoe sich auf ihrem Weg zum Ring. Sie hörten nicht einmal auf, als Li sie ankündigte. Vor Vorfreude grinsend, traten sie in den Ring und akzeptieren den Kampfstab, als er ihnen gereicht wurde.

„Bist du bereit, Jenny?", fragte Zoe sie. „Bereit fertig gemacht zu werden?"

„Versuch's doch", entgegnete Jenny und sie beide gingen in eine Kampfhaltung.

Und dann, als Li sagte sie sollten anfangen, spürte Jenny wieder wie ihr Blut durch die Adern gepumpt wurde und alle anderen Geräusche verschwanden. Nur sie und Zoe waren in diesem Ring und niemand anderes.

In der nächsten Sekunde griff Zoe an und während sie damit beschäftigt war auszuweichen, abzuwehren und selbst anzugreifen bemerkte Jenny schnell, dass sie zwar gut war, aber Zoe wirklich besser war. Der Kampfstab war Zoes bevorzugte Waffe, genauso wie Jennys die beiden Schwerter waren. Jenny wusste, dass sobald Zoe ihren Abschluss hatte, Li ihr die Waffe geben würde, die sie ausgewählt hatte, einen wunderschön handgearbeiteten Stab. Und es war deswegen, dass Jenny langsam aber sicher bemerkte, dass Zoe sie besiegte. Sie verlor an Grund. Zoe war etwas kleiner als sie und hatte nun den Vorteil, den Jenny gegen Ejnar benutzt hatte.

Aber irgendwie störte das Jenny nicht so sehr, obwohl der Saiyajin in ihr bei der kommenden Niederlage ein wenig grummelte. Doch ihrer Natur getreu weigerte Jenny sich aufzugeben. Deshalb, als Zoe es schaffte sie mit einem Ende des Stabs in den Bauch zu schlagen, und sie dann mit einem weiteren Dreh entwaffnete, wollte Jenny den Kampf ohne ihren Stab fortsetzen.

Doch jetzt hatte sie einen noch größeren Nachteil. Ohne eine Waffe und mit den Schmerzen in ihrem Bauch und ihrer Hand, war sie nicht schnell genug, um den Stab abzublocken, als er ihr Gesicht traf. Etwas knackte, Schmerz schoss durch ihr Gesicht und dann fühlte Jenny etwas Warmes über ihren Mund laufen.

Verdammt! Scheinbar war ihre Nase gebrochen.

Davon abgelenkt reagierte Jenny nicht, als Zoe wieder ihren Stab nach ihr schwang und sie in den Rücken traf, auf genau die gleiche Stelle, wo Ejnars Schwert sie bereits früher am Tag getroffen hatte. Jenny fiel leicht benommen zu Boden. Sie versuchte aufzustehen, aber ein Gewicht auf ihrem Rücken hielt sie nach unten gedrückt. Jenny wusste nicht, ob es Zoes Fuß war oder ihr Stab, aber selbst als sie versuchte sich ein wenig hochzudrücken, kam sie nicht weit und wurde wieder zu Boden gedrückt.

Was sollte sie jetzt tun? Aufgeben oder weiterkämpfen bis die Zeit um war?

Glücklicherweise wurde ihr diese Entscheidung genommen, als Li anfing zu zählen. Wenn sie es nicht schaffte aufzustehen bis er die zehn erreichte, war der Kampf vorbei und sie hatte verloren.

Natürlich versuchte Jenny es weiter, aber mit dem Blut, das ihr aus der gebrochenen Nase strömte und die Schmerzen in ihrem Bauch, Gesicht und Rücken, rief Li „Zehn!" bevor sie es schaffte aufzustehen. Mit seinem Seufzer ließ sie ihren Körper schlaff werden und spürte, wie das Gewicht auf ihrem Rücken verschwand. Jenny hörte Li verkünden, dass Zoe den Kampf drei Minuten vor Ende gewonnen hatte (hatten sie wirklich fast eine halbe Stunde gekämpft?) und dann, nur einen Moment später, war sie von Füßen umringt und schließlich von Zoes besorgtem Gesicht.

„Jenny, geht es dir gut?", fragte sie besorgt.

„Es geht mir gut", stöhnte sie und sie hörte wie merkwürdige ihre Stimme durch die gebrochene Nase klang. Jetzt drückte sie sich endlich in eine kniende Position. Da, wo ihr Gesicht auf dem Boden gelegen hatte, war eine kleine Blutlache. Bäh!

„Oh Gott, es tut mir so, so Leid", entschuldigte Zoe sich, als sie Jennys zerschlagenes Gesicht und die blutende Nase sah. „Du solltest in die Krankenstation gehen."

„Es geht mir gut", bestand Jenny, in dem Wissen dass sie nur an einen ruhigen Ort gehen musste, damit sie ihre Nase wieder richten konnte, um dann diese nette Technik anzuwenden, die Tenshinhan ihr vor ein paar Jahren gezeigt hatte um ihre Nase zu heilen. „Lasst uns hier weg…"

„Okay…" Zoe und ihre anderen Freunde halfen ihr auf die Füße und führten sie dann von dem Ring und der Menge weg. „Wo willst du hin?"

„Da drüben, zu den Bäumen", sagte Jenny zu ihnen.

Sobald sie da waren, setzte sie sich hin, lehnte sich gegen einen Baum und atmete einmal tief durch den Mund ein. Verdammt, wer hätte gedacht, dass eine gebrochene Nase so wehtun könnte. „Ejnar, könntest du bitte meine Nase richten? Ich will nicht, dass sie schief ist, wenn sie geheilt ist."

„Bist du sicher…", sagte Ejnar zögerlich. Doch ein spitzer Blick von Jenny sagte ihm, dass das eine blöde Frage gewesen war. Deshalb kniete er sich vor Jenny hin, legte seine Handflächen über ihre Nase und zog. Er zuckte zusammen, als ein weiteres Knacken zu hören war, doch Jenny blieb ruhig. Es liefen Tränen vor Schmerz an ihrem Gesicht herunter und sie atmete schwer, schien jedoch ansonsten okay zu sein.

„Wie sieht's aus?", fragte Jenny, als der Schmerz von dem Naserichten weniger wurde – verdammt, das hatte wehgetan! – aber sie konnte schon hören, wie ihre Stimme normaler klang. Sie konnte noch immer die warme Flüssigkeit aus ihrer Nase laufen spüren, aber ansonsten fühlte sich ihre Nase irgendwie leichter an.

„Hübsch, wie immer", sagte Zoe mit einem besorgten Schmunzeln. „Aber ich glaube immer noch, dass du zur Krankenstation gehen solltest."

„Nah, gib mir einfach ein paar Minuten, und es wird okay sein", sagte Jenny zu ihnen, als sie schon ihre Augen schloss und tief atmete. Sie konzentrierte ihr Ki und nur ein paar Sekunden später konnte sie spüren, wie sich die Wärme um ihre Nase herum ausbreitete und sie heilte. Ihre Freunde wussten von dieser Technik, aber obwohl Jenny versucht hatte, es ihnen beizubringen, schien es nur bei Leuten zu funktionieren, die schon viel Erfahrung mit Ki hatten. Sie konnte spüren, wie die Blutung stoppte und der Schmerz zu einem leichten Pochen wurde, doch sie hielt nicht auf bis der gesamte Schmerz verschwunden war.

Sobald sie nichts mehr spürte, sogar wenn sie ihre Nase rümpfte, ließ sie ihr Ki los und öffnete ihre Augen. Alle starrten sie erstaunt an.

„Wow", hauchte Damian. „Kein blauer Fleck, keine Schwellung, kein Blut mehr."

„Jaah, man muss Ki einfach lieben", sagte Jenny grinsend, obwohl sie seinem Gedankengang schon folgen konnte. Erst vor ein paar Wochen war er wieder enttäuscht von einem Arzttermin zurückgekommen, nachdem ihm zum zigsten Mal gesagt wurde, dass es nichts gab, was den Schaden an den Nerven seiner Wirbelsäule heilen könnte. Natürlich nachdem sie ihm die Hoffnung gemacht hatten, dass sie eine neue Methode gefunden haben könnten. „Nur zu blöd, dass es nur bei kleinen Verletzungen wie diesen hier funktioniert."

„Jaah, zu blöd", stimmte Damian zu und Jenny drückte seine Hand.

„Hey Leute", hörten sie plötzlich Nik sagen, als er auf seinen Krücken zu ihnen gehumpelt kam. „Urgh, Jenny, du siehst widerlich aus. Wie geht's der Nase?"

„Die ist geheilt", sagte sie, doch als sie an sich selbst herunterschaute, zog sie eine Grimasse. Großartig, nun war ihre Lieblingstop von dem ganzen Blut ruiniert. Und sie musste sich dringend waschen. „Aber was bringt dich her?"

„Li bat mich euch auszurichten, da ihr mit euren Kämpfen durch seid, dass ihr alle bestanden habt", sagte Nik grinsend zu ihnen. „Glückwunsch, Leute! Ich wusste, dass ihr das durchziehen konntet!"

„Ja!", zischte Zoe und klatsche Ejnar ab, der genauso breit grinste. Und dann umarmten sie Jenny fest, wobei Ejnar sogar so weit ging und sie hochhob und sie einmal lachend herumwirbelte.

Jenny freute sich wirklich für ihre Freunde, aber irgendwo, tief im Inneren, hatte sie ein merkwürdiges Gefühl, als sie in Niks funkelnde Augen blickte.


Es war sechs Uhr und die Abschlusszeremonie war gerade mit Lis Glückwünschen an die Absolventen, die die Prüfung bestanden hatten – was alle waren, die beim Turnier mitgemacht hatten – angefangen. Seine Rede war großartig und dauerte nicht lange, wofür jeder dankbar war. Die Absolventen saßen in den ersten beiden Reihen und Jenny und ihre Freunde hatten Plätze direkt dahinter bekommen. Jenny konnte sehen, wie sie vor Aufregung auf ihren Stühlen hin und her rutschten und an den dunkelgrünen Talars fummelten (einige Schülerinnen waren sehr erleichtert gewesen, dass sie nicht rötlich braun waren). In nur wenigen Minuten würde Li sie nach vorne auf die Bühne rufen, wo sie ihr Diplom und ihre Waffen erhalten würden. Wenn Jenny ehrlich war, war sie ein bisschen eifersüchtig, dass sie endlich ihre Waffen erhielten. Sie konnte es nicht erwarten, die Drachenschwerter wieder in ihren Händen zu halten.

Und dann war es soweit. Li rief die Namen der Schüler auf und als Ejnar und Zoe nach vorne gerufen wurden und ihre Diplome und Waffen erhielten, jubelten Jenny und ihre Freunde extra laut, wobei sie sogar beim applaudieren aufstanden, genauso wie sie es in den letzten Jahren schon für Nik und Anisah gemacht hatten.

Sobald alle auf der Bühne standen, erwartete Jenny dass Li ein paar letzte Worte sprach und die Absolventen dann ihre Hüte in die Luft warfen, so wie er es jedes Jahr tat, aber alle wurden still, als Nik plötzlich ganz ohne Gipsbein und Krücken die Bühne betrat. Jenny stockte ihr Atem, als sie bemerkte, dass er noch ein Diplom in der Hand hielt, einen Talar und einen Hut über seinen Arm trug und in der anderen Hand sehr bekannte Schwertscheiden, aus denen zwei Ledergriffe ragten, hielt.

Nein, nein, nein, nein, nein!

„Oh…" Jenny hörte, wie Mailin neben ihr stoßartig ausatmete, als sie dasselbe, was Jenny nicht realisieren wollte, bemerkte.

Sie haben sie verdammt noch mal reingelegt!

Nik hielt mit einem schelmischen Grinsen vor dem Mikrofon an, als er über die Menge schaute. „Hallo zusammen", begrüßte er sie. „Ich bin mir sicher, viele von euch fragen sich, wo mein Gips und die Krücken abgeblieben sind. Nun, ich bin froh dass ich sie nach den letzten paar Tagen los bin, besonders da ich sie nie gebraucht habe. Es war alles nur ein ausgetüftelter Plan von Li und mir um noch eine Person dazu zu bekommen beim Abschlussturnier teilzunehmen, die sonst nie mitgemacht hätte, besonders wenn wir ihr erzählt hätten, dass sie richtig an der Prüfung teilnehmen würde."

Einige Schüler schmunzelten und viele Blicke waren auf Jenny gerichtet, da sie alle wussten, warum sie beim Turnier teilgenommen hatten – oder zumindest hatten sie bis jetzt gedacht, dass sie es wussten. Besagtes Mädchen schluckte schwer, aber innerlich schäumte sie vor Wut. Ooh, würde sie ihnen ihre Meinung geigen, sobald sie sie zu fassen bekam – am besten alleine.

„Nun, ich weiß, dass sie es nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen, deshalb werde ich es nicht lange heraus zögern. Ich hatte daran gedacht, diese lange und langweilige Rede vorzubereiten, in der ich davon erzählen würde, wie klein sie gewesen war, als sie an dieser Schule angefangen hatte, und wir damals besorgt gewesen waren, dass sie es nie lernen würde, mit den Waffen umzugehen. Nun, sie hat es geschafft, und heute hat sie es uns allen gezeigt. Aber da sie schon so aussieht, als würde sie mich am liebsten umbringen, mache ich es kurz. Liebe Schüler und Kollegen, wir haben noch eine Schülerin, die die Prüfung heute bestanden und diese Schule abgeschlossen hat. Sie wird, zusammen mit den anderen Absolventen, dieses Diplom und die Waffen erhalten, die sie ausgewählt haben. Jenny Son, komme bitte auf die Bühne und hol dir das ab, wofür du in den letzten vier Jahren so hart gearbeitet hast."

Jenny war am überlegen, einfach dickköpfig zu sein und sitzen zu bleiben, aber das Drängen und die nicht so sanften Rippenstöße von ihren Freunden neben ihr überzeugten sie, dass es wahrscheinlich viel weniger wehtun würde, wenn sie einfach nur aufstand und es hinter sich brachte. Deshalb ging Jenny seufzend unter dem Applaus der anderen Schüler auf die Bühne, wobei die Standing Ovations ihrer Freunde am lautesten waren.

Sie wollte weiter böse gucken, besonders da sie das arrogante Grinsen auf Niks Gesicht sah, doch als er ihr das Diplom und die Scheiden mit den Drachenschwertern überreichte – als sie sie in ihren Händen hielt, fühlte es sich so an als wäre sie zu Hause angekommen – musste sie einfach lächeln.

„Herzlichen Glückwunsch, Jenny… Du hast das wirklich verdient. Und… es tut mir Leid, dass wir dich reingelegt haben", sagte Nik zu ihr mit einem verlegenen Grinsen, bevor er sie fest umarmte.

„Danke", murmelte Jenny gegen seine Schulter. „Aber glaube nicht eine Sekunde, dass ich es euch nicht heimzahlen werde."

„Ich kann es kaum erwarten", schmunzelte Nik, als er sie wieder losließ. „Und jetzt ziehst du das besser an. Deine Mit-Absolventen warten."

Jenny zog die Robe noch immer grinsend an und setzte sich den Hut auf, bevor sie zu den anderen Absolventen ging. Ejnar und Zoe zogen sie zu sich, sodass sie zwischen ihnen stand, und sie klopften ihr auf die Schulter und grinsten sie an. Sie sah, dass Li sie ebenfalls anstrahlte, und irgendwie konnte sie ihm nicht mehr böse sein.

„Und nun", verkündete Li, der jetzt neben Nik stand, „möchte ich euch unsere Absolventen dieses Jahr präsentieren. Euch allen einen herzlichen Glückwunsch."

Und zusammen warfen sie zu dem wilden Applaus der anderen Schüler ihre Hüte in die Luft.