Guten Tag, Ihr Krimi-Fans,

da ich schon lange nicht mehr dran war mit Review-Antworten, an dieser Stelle auch von mir ein großes Dankeschön für Euer Interesse, die vielen netten Kommentare und das Lob, welches uns „Autorinnen" in letzter Zeit ausgesprochen wurde.

Ist natürlich schön, dass Ihr nicht nur gerne unsere Geschichte lest, sondern auch erkannt habt, wie viel Aufwand da teilweise dahinter steckt.

Auch für dieses Kapitel haben wir wieder keine Kosten und Mühen gescheut, um Euch mit einem gründlich recherchierten Bericht zu versorgen. Feuerbohne wurde extra für drei Monate in ein Labor gesperrt und hat dort nebenbei den Schweinegrippen-Impfstoff sowie das schwer entflammbare Schnäuztuch entwickelt.

Ich koche Pudding nur noch auf dem Bunsenbrenner (wir lesen ja gegenseitig Korrektur und da muss man sich natürlich auch mit der Materie beschäftigt haben) und kann anhand der hinterlassenen Fingerabdrücke leicht feststellen, wer wieder am Nutella-Glas war.

Ob Runa sich hat anstecken lassen? Keine Ahnung. Aber es gibt Gerüchte, dass man ihre Wohnung erst betreten darf nachdem man durch ein knietiefes Desinfektionsbad gewatet ist, 52 ½ Minuten mit Sagrotan besprüht wurde und sich mit dem automatischen Hochdrucksauger reinigen ließ. An was sie wohl forscht hinter verschlossenen Türen? Grübel grübel…

Übrigens

Um Georgia Germs` Anrede richtig zu stellen: In wissenschaftlichen Kreisen werden Frauen grundsätzlich mit Mrs. angesprochen, unabhängig von ihrem Familienstand. Es steht also nicht fest, dass Georgia verheiratet ist. Zumindest hat Neville bisher nicht erwähnt, dass sie einen Ring am Finger trägt. Und ihm als Top-Auror entgeht doch nun wirklich nichts!

Viel Spaß und nix wie rein ins Kapitel…..

Legi

4.11.2005 12.00 Uhr

Neville hatte das Kinn in die Handfläche gestützt und die Stirn in Falten gelegt, während er sich weiter in die Forschungsaufzeichnungen vertiefte. Bisher hatte er noch nie mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun gehabt und er war nun im Nachhinein froh darüber. Denn es fiel ihm zusehens schwerer, Ginnys Gedankengängen zu folgen.

***

17. Juli

Heute habe ich beim hiesigen Ministerium einen Antrag für eine weitere Forschungsreise nach Bulgarien gestellt, der postwendend abgelehnt wurde. Inzwischen wissen die von dem Seuchenausbruch dort.

Aus diesem Grund habe ich Dr. Slawitz meine Beobachtungen per Apparier-Eule zugesandt.

Er will mir seine Ergebnisse in Kürze übermitteln.

31. Juli

Heute hat mir Dr. Slawitz mit einer Express-Apparier-Eule seine Ergebnisse geschickt: Ungeeichte Stäbe vibrieren über den Erkrankten, nach dem Exitus bleiben sie aber schnell stehen und reagieren nicht mehr.

Ich will nach Bulgarien!

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Genervt lehnte Neville sich im Stuhl zurück und rieb sich über die Kinnstoppeln. Was meint sie denn mit „Erkrankte"? Ist hier immer noch die Rede von Ratten oder haben die Bulgaren schon menschliche Patienten? Verdammt, Ginny hätte das durchaus etwas verständlicher formulieren können, früher an der Schule war sie doch auch immer so genau gewesen!

Er beugte sich wieder über den Ordner.

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07. August

Der Tagesprophet meldet vermehrt Rattensichtungen. Ich bete, dass das nicht das bedeutet, was ich befürchte!

16. August

Heute habe ich selber eine Ratte gesehen, die torkelnd vor mir über die Straße lief. Ich habe sie geschockt und mittles neu kalibriertem Zauberstab getestet. Sein siebenunddreißiggradiges Vibrieren ist als deutliches Anzeichen für eine Erkrankung zu werten.

Merlin, alle Indizien deuten auf einen bevorstehenden Ausbruch der Pest in unserem Land hin!

Die Ratte hat sich erstaunlich schnell aus ihrer Erstarrung gelöst und verschwand in einen Gully.

19. August

Im Ministerium herrscht große Unruhe! Immer mehr offensichtlich kranke Ratten werden beobachtet und es gibt genug Menschen, die die Anzeichen richtig deuten. Der magischen Welt droht eine Panik. Ich wurde beauftragt, alle Informationen zur Vorbeugung und Abwehr des Rattenproblems und der Pest zusammenzutragen.

Gleichzeitig habe ich mir bei Ollivander ungeeichte Stäbe besorgt und bin ständig bin ständig auf der Suche nach der perfekten Einstellung, die ich an infizierten Ratten teste! Die ungeeichten Stäbe vibrieren stärker, die gebogenen scheinen empfindlicher zu reagieren. Auch beim verwendeten Material zeigen sich Unterschiede in den Ausschlägen.

Ich führte etliche Testreihen mit Verstärkungszaubern durch. Das heißt, ich eiche die Stäbe lediglich darauf, Schwingungsabweichungen auf einer noch zu ermittelnden Skala anzuzeigen. Sonst erhalten sie keinerlei Magie!

21. August

Merlin! Es ist die Pest! Die Ratten liegen in Scharen tot auf der Straße herum.

Meine Versuche haben ergeben, dass tote Ratten keinerlei Schwingungen mehr aussenden.

Heißt das, sie sind nicht mehr infektiös?

30. August

Täglich erscheinen im Tagespropheten jetzt Berichte darüber, wie man den Ratten begegnen kann. Es ist nämlich kaum möglich, sie mit magischen Mitteln zu töten. Lediglich der Avada Kedavra ist dazu zuverlässig in der Lage. Und den deswegen freizugeben würde ganz neue Probleme schaffen.

Tote Ratten sind nicht mehr infektiös! Sonst hätten wir hier längst die ersten Erkrankungen in der Zauberwelt zu verzeichnen.

Heute bin ich in eine Muggel-Zoohandlung gegangen und habe meinen Stab an einer weißen Ratte ausprobiert. Keine Reaktion! Keine Vibration, kein Kreisen wie bei manchen Ratten auf der Straße!

Meine Stäbe zeigen also zuverlässig die Erkrankung an. Das ist ein großer Fortschritt!

Auf meine Empfehlung hin werden die Ratten nun geschockt und dann vorsichtig, ohne sie zu berühren, in Muggel-Plastikbehälter verpackt, wo sie sich schnell wieder erholen und laut herumtoben.

Daraus entsteht dann gleich das nächste Problem: Wie tötet man diese Tiere? Sie sind außerordentlich zäh! Ich habe begonnen, magisches Feuer zu testen. Normales Feuer tötet nur quälend langsam und wird mit Sicherheit die Tierschützer auf den Plan rufen.

16. September

Ich habe einen Durchbruch erzielt! Meine Stabforschungen haben ergeben, dass ganz einfache, möglichst gebogene Stäbe aus Kastanie (Castanea) mit einem Kern aus Rattenhaar, die Länge spielt keine Rolle, eine ausgebrochene Infektion bei Ratten optimal anzeigen. Durch Schwingungen und Vibration. Man hält den Stab lediglich über das Tier. Er reagiert, wenn es bereits erkrankt ist.

Ob das ein Riesengewinn ist, weiß ich nicht, man merkt den Tieren ja schnell an, ob sie erkrankt sind oder nicht. Und es steht noch aus, dies an Menschen auszuprobieren, jedenfalls hat das Ministerium hunderte solcher Stäbe in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse meiner Forschung habe ich nach Bulgarien geschickt.

Ich warte auf weitere Informationen von Dr. Slawitz!

25. September

Seit Tagen experimentiere ich mit uralten Versiegelungszaubern, die ich in der Ministeriumsbibliothek recherchiert habe: 'Consigmus' hat die besten Ergebnisse gebracht und erweitert mit 'Aliquantus' verpackt er selbst die größten Ratten zuverlässig und ausbruchssicher.

Morgen wird über den Tagespropheten verbreitet werden, dass die Tiere mit einem Stupor zu schocken, dann über den 'Consigmus aliquantus' zu versiegeln sind. Damit werden die Tiere nicht getötet, aber sicher gefangengehalten, bis sie gefahrlos eingesammelt werden.

Das Abtöten der Tiere bereitet aber immer noch Probleme. Natürlich sind die Tierschützer inzwischen aktiv geworden. Nun ja, verbrennen bei lebendigem Leib ist wirklich keine schöne Todesart!

Im Moment teste ich, ob Muggel-Rattengift eine Alternative ist! Das wirkt bis jetzt sehr gut!

01. Oktober

Es ist zum verrückt werden! Die Zeitungen sind voller Lobeshymnen auf die Wissenschaftlerin Ginny Weasley, ich jedoch habe immer mehr das Gefühl, voll und ganz zu versagen. Was habe ich bisher erreicht?

Ratten, die aus ihren Löchern kommen, können jetzt vernichtet werden. Gut und schön. Aber was ist mit all den Tieren, die sich verbergen? Denen kommen wir in keiner Weise bei.

14. Oktober

Seit ein paar Tagen häufen sich die Meldungen von infizierten Menschen, die sofort in Quarantäne genommen werden. Alle Auroren und Heiler tragen inzwischen die von mir entwickelten Stäbe zum Nachweis der Pest mit sich. So kann nach Ablauf der Inkubationszeit schnell festgestellt werden, ob eine Ansteckung vorliegt oder nicht. Aber eben nicht vorher!

Zu unserem Leidwesen beträgt die Inkubationszeit wahrscheinlich sechs oder sieben Tage. Das bedeutet, dass alle Verdachtsfälle für eine Woche in Quarantäne beobachtet werden müssen.

18. Oktober

St. Mungos hat inzwischen seine Maximalkapazität erreicht.

Bisher allerdings hat sich noch kein Verdachtsfall als tatsächliche Erkrankung herausgestellt, was wahrscheinlich der guten Arbeit von Hilfsauroren zu verdanken ist, die ständig die Straßen patrouillieren und Ratten beseitigen. Und der Tatsache, dass die Muggel ihrerseits eine Großoffensive mit Rattengift gestartet haben.

Das wirft die Frage auf, warum die Zaubererwelt mit all ihren Zaubertränken kein eigenes Mittel gegen diese Plage entwickelt hat.

Der Zaubereiminister war heute hier im Seuchenzentrum und hat uns bekniet, schnell ein Heilmittel für die Pest zu entwickeln. Dabei hatte er ganz besonders mich im Blick. Ich scheine hier die ganze Hoffnung zu sein, weil ich den Schnelltest und den Versiegelungszauber entwickelt habe. Dabei arbeite ich nicht gerne unter solchem Druck.

28. Oktober

So, es ist geschehen. St. Mungos hat keine Kapazitäten mehr frei. Die Quarantäne ist überbelegt. Jetzt werden provisorische Quarantänestationen in Gasthäusern und Hotels eingerichtet, die zu diesem Zweck bei den Muggeln angemietet werden. Mal sehen, wie lange das gut geht!

Sonst keine Neuerungen!

***

Neville trank den letzten Schluck Tee aus, dann stand er auf und ging zum Büro nebenan. Als er eintrat, saß Georgia über einer Fülle von Listen und Diagrammen vertieft, die ihren doch recht schmalen Schreibtisch überdeckten. Sie hatte die Brille an einer Ecke des Tisches geparkt und sah nun aus ihren hellen brauen Augen zu ihm auf. „Brauchen Sie mich?"

Er blieb ihm Türrahmen stehen. „Ja. Kann ich jetzt Ginnys Labor sehen?"

„Natürlich. Folgen Sie mir."

Sie setzte die Brille wieder auf, sprang auf und war so schnell an der Tür, dass er kaum Zeit hatte, zur Seite zu gehen. Sie quetschte sich lächelnd an ihm vorbei, der leuchtend orange Stoff ihres Strickpullis strich kurzfristig an seinem dunklen Hemd entlang.

Dann war sie vor ihm und schritt eilig auf eine breite Türe zu.

„Die Schleuse", erklärte sie ihm beiläufig, während sie ihn in die kleine Kammer hineinwinkte und die Türe von innen zuzog.

In dem engen Raum roch er zum ersten Mal ihr zitroniges Parfum, doch der Duft wurde schnell abgelöst von einer Art feinen Nebel, der aus Deckendüsen herabzuströmen schien.

„Was ist das?" Neville starrte mit zusammengezogenen Brauen nach oben.

„Desinfektion. Physisch per Aseptik-Nebel, aber auch magisch durch diese Lichtschranke."

Sie deutete auf ein schmales, hellblaues Lichtband, das vom Boden aus im Raum hochwanderte.

Ein schriller Piepton ließ Neville zusammenzucken, doch Georgia strahlte ihn ermunternd an. „Prozedur beendet, wir können rein gehen."

Sie betraten nebeneinander ein übersichtliches Labor. Er erkannte neben einer großen Arbeitsplatte, ein paar Regalen, zwei Metallschränken und dem üblichen Schreibtisch (leer!) auch noch eine Kessel-Ausstattung, dazu Bunsenbrenner, Petrischalen, Inkubator, und jede Menge andere wissenschaftliche Gerätschaften.

Im hinteren Bereich des Raumes befanden sich mehrere Rattenkäfige, abgeschirmt durch eine Glaswand, die hell schimmerte.

Neville sah Georgia fragend an. „Die Ratten sind infiziert?"

„Einige sicher. Aber sie sind so abgeschirmt, dass keine Gefahr besteht. Selbst die Fütterung und Pflege der Tiere erfolgt über Fernsteuerung, genauso wie der Abtransport."

Sie zog einen medizinischen Handschuh über, ging zu einem Schrank und öffnet diesen. Er war leer. „Irgendwo muss sie die doch haben!" Ein neuer Versuch im Nachbarschrank schien erfolgreicher zu sein. Neville sah eine Vielzahl von unterschiedlichen Zauberstäben, die dort an nummerierten Halterungen hingen.

„Das sind also die Prototypen von Ginnys Stäben?" Neville trat einen Schritt näher.

„Nicht berühren!" aufgeregt hatte Georgia ihn am Ärmel gepackt und festgehalten.

„Schon gut, ich fasse nichts an."

Sie entließ ihn aus ihrem Griff. Er deutete auf die Stäbe. „Haben Sie auch Versuche damit durchgeführt?"

Die Wissenschaftlerin schüttelte den Kopf. „Nein, niemand außer Ginny durfte das Labor betreten. Sie hatte zuviel Angst, dass sich jemand von uns anstecken könnte."

Ach. Wie nobel. Das ist wohl auch der Grund, warum meine Kollegen niemanden vom Institut in Quarantäne genommen haben.

Er wiederholte stirnrunzelnd: „Ginny wollte sich also nur selbst der Gefahr aussetzen?"

Georgia entgegnete in ungewöhnlich sonorem Ton „Viele Forscher machen sogar Selbstversuche und verzichten auf Hilfe von Kollegen."

Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sie im Falle eines Erfolges den Ruhm nicht teilen müssen!

Unwillkürlich musterte er Ginnys Assistentin. Sie machte auf ihn einen sehr kompetenten und fleißigen, aber durchaus auch ehrgeizigen Eindruck.

„Mrs. Germs, worin bestanden denn nun Ihre Aufgaben genau?"

Sie strich sich eine Locke hinter das Ohr. „Ich war für die gesamten Auswertungen zuständig und führte Buch über die genauen Justierungen, legte Eich-Diagramme ein, versuchte einen geeigneten Maßstab für die Kalibrierung zu entwickeln – den ganzen Schreibkram eben."

Neville sah sich um. „Diese biochemische Ausrüstung – Kessel, Brenner und so weiter – wofür hat Ginny denn das alles gebraucht?"

Die Brauen über den braunen Augen schienen nach oben zu schießen. „Ihre Forschungen für ein Rattenpest-Gegenmittel natürlich. Das ist doch alles in ihren Aufzeichnungen beschrieben."

Gegenmittel?

Er schüttelte den Kopf:„Nicht in dem Ordner, den ich gelesen habe."

„Das ist aber der einzige, den ich kenne."

Sein Blick traf auf den ihren. Sie schien dasselbe zu denken wie er und sprach es auch aus:„Wir sollten wohl noch einmal in Ginnys Büro nachsehen."

Neville schüttelte den Kopf. „Nein, erst einmal hier!"

Sie zog zwei weiter dünne Handschuhe aus einem Spender. „Hier. Ziehen Sie die an."

Vorsichtig streifte er die engen, gummiartigen Teile über seine Finger. Sie schienen eher für schmale Frauenhände geschnitten zu sein. Dann begann er, zusammen mit Georgia, alle Schranktüren und Schubladen zu öffnen.

Doch von wissenschaftlichen Aufzeichnungen oder Berichten über ein Gegenmittel schien jede Spur zu fehlen.

Eine halbe Stunde später – sie hatten wieder die Desinfektionsprozedur durchlaufen, wobei Georgia diesmal noch näher neben ihm gestanden hatte – durchsuchte Neville jeden Winkel von Ginnys Schreibtisch und Büro.

Es gab keine weiteren Aufzeichnungen!

Georgia saß inzwischen neben ihm. Sie hatte den vorhandenen Ordner auf den Oberschenkeln liegen, blätterte ihn stumm durch und sah Neville schließlich mit ernstem Blick an: „Es fehlt hier Einiges!"

„Haben Sie denn keine Berichte? Was ist mit Ihren Ergebnissen, da muss es doch Kopien geben?"

Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe immer alles an Ginny weitergegeben. Sie hatte als Einzige den Gesamtüberblick. Und was das Gegenmittel betrifft – sie sagte immer, sie wird erst dann darüber reden, wenn sie etwas vorzuweisen hat."

„Gibt es sonst noch jemanden, an den sie Bericht erstattet hat? Vorgesetzte, Förderer, Leute im Ministerium?"

Wieder flogen die kurzen Locken. „Nur über die inzwischen bekannten Tatsachen: Stäbe, die Erkrankungen anzeigen und natürlich die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung durch die Nutzung von Magie. Aber über ihr neues Antidot-Projekt wusste noch niemand Bescheid. Sie hatte ja freie Hand in ihren Forschungen. Sogar die Ausreise nach Bulgarien wurde ihr überraschend genehmigt, dabei ist das Ministerium da ansonsten sehr zurückhaltend."

Neville seufzte. Statt, dass er bei den Ermittlungen einen Schritt weiter gekommen war, hatte er inzwischen immer mehr lose Enden in der Hand. Und nicht die leiseste Ahnung, wie das Alles zusammenpassen könnte.

„Mrs. Germs…"

„Nennen Sie mich doch Georgia!"

Er war sich ziemlich sicher, gerade ein ganz klein wenig zu erröten.

Schnell wieder dienstlich werden!

„Also gut. Georgia – ich nehme an, Sie wissen inzwischen, dass wir nicht mehr von einem Selbstmord ausgehen?"

Sie lächelte ihn wissend an. „Das Gerücht geht schon seit gestern hier im Institut um. Und Sie haben es bestätigt, als Sie begonnen haben, gezielte Fragen zu stellen."

Intelligent ist sie, soviel steht fest.

„Georgia, haben Sie eine Idee, wem Ginnys Tod nützen könnte?"

Sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite und meinte dann ernst: „Sie meinen – außer mir?"

Er atmete überrascht aus. „Ganz genau!"

Langsam bewegte sie den Kopf hin und her. „Keine Ahnung. Ich werde mal darüber nachdenken."

„Geben Sie mir Bescheid, wenn Ihnen noch etwas Wichtiges einfällt."

„Wenn Sie mich dafür irgendwann zum Essen einladen?"

Er grinste. „Abgemacht."

Ich scheine eine besondere Anziehungskraft auf weibliche Verdächtige in diesem Fall zu haben! Das ist ja ganz etwas Neues. Oder liegt das nur an meinem Status als ermittelnder Auror, dass plötzlich…

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als es an der Tür klopfte.

„HEREIN!" riefen Georgia und er gleichzeitig.

„Botendienst von der Perso!" Eine ältere Hauselfe in Uniform betrat das Zimmer, drückte Neville eine Akte in die Hand und verließ das Büro grußlos und mit eiligem Getrippel.

„Moment noch" rief Neville der Elfe hinterher, doch die war schon entwischt, „das ist ja nur EINE Akte!"

Stirnrunzelnd las er die Beschriftung. Leider schien diese auch Georgia nicht ausgekommen zu sein, denn sie warf ihm einen eisigen Blick zu. „Ich geh dann wohl besser nach nebenan."

Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, klappte Neville den Phone-Spiegel auf und hämmerte auf die Tasten „zwei" und „eins".

„Human Resourc.."

Er ließ Mrs. Meeger nicht ausreden. „Die Akte von Miss Germs ist gerade angekommen, aber mir fehlt noch die von Doktor Weasley!"

Die Perso-Dame setzte ein schiefes Lächeln auf. „Es tut mir leid, die Akte scheint gerade bei einem anderen Sachbearbeiter in Benützung zu sein. Ich kann im Moment nicht damit dienen."

Das gibt es doch nicht!

„Schicken Sie sie mir so schnell wie möglich ins Aurorenbüro!"

„Selbstverständlich, Mr. Longbottom."

Ihr plötzliches süßes Getue raubte ihm den letzten Nerv und er klappte den Spiegel erbost zu, ohne sich zu verabschieden.

Klasse! Wer weiß, wann die diese Akte auftreiben!

Es bleib ihm nichts anderes übrig, als Georgias übersichtliche Personalunterlagen durchzusehen.

Sie war fünf Jahre älter als Ginny. Und damit vier Jahre älter als er, stellte er insgeheim fest. Nicht, dass das irgendeine Bedeutung haben würde.

Alle Zeugnisse und Leistungsbeurteilungen waren einwandfrei. Keinerlei negative Bewertungen vorhanden. Sogar Führungsqualitäten waren ihr attestiert worden.

Er klappte die Akte wieder zu und fuhr sich unwillkürlich durch die Haare.

Im Moment schwirrte in seinem Kopf die Vielzahl an Fakten und neuen Informationen wirr durcheinander. Er würde jetzt erst einmal zurück in sein Büro gehen und das Ganze sortieren müssen. Falls ihm das überhaupt möglich war.

Aber schließlich gab es ja auch noch Hermine!

Seine Miene heiterte sich etwas auf. Immerhin war seine Kollegin für ihr analytisches Denken berühmt. Sie musste ihm helfen, ein wenig Klarheit in den Fall zu bringen.

Es war dringend notwendig, sie über die neusten Entwicklungen in diesem Fall zu unterrichten!

Aber vorher gab es noch etwas Wichtigeres zu klären: Er musste endlich mit Harry reden!

(Feuerbohne und legilimens)