Ich muss euch heute leider mal ohne Antworten auf eure Reviews ins neue Kapitel schicken. Ich hatte heute einen Fahrradunfall und hab arge Probleme mit dem rechten Arm. Aber sobald es mir wieder besser geht, hole ich die Antworten nach.


Kapitel 51


Die Herbstsonne schien durch das von Schlieren nahezu blinde Fenster und ließ die in der Luft tanzenden Staubflocken glitzern wie etwas, das Muggel sich vielleicht als Feenstaub vorstellten. Ein letzter Rest wohlige Wärme, eine blasse Erinnerung an den vergangenen Sommer, drang mit dem gelben Licht in die vier Wände, zwischen denen momentan absolute Stille herrschte.

Dabei war der Raum nicht einmal verlassen. Harry saß bereits seit gut zwei Stunden hier und arbeitete die Berichte der Auroren durch, um sie mit seiner Unterschrift abzusegnen und den Akten zukommen zu lassen. Normalerweise überflog er die Texte nur, zumal ihm bei einigen Handschriften auch gar nichts anderes übrig blieb; er hätte sie ohnehin nicht entziffern können.

Doch bei dem Bericht, den er gerade in der Hand hielt, sogen seine Augen jedes einzelne der klar geschriebenen Wörter auf, als behüteten sie das Geheimnis des Heiligen Grals.

Es war ein Bericht von Tonks, der die Geschehnisse ihres letzten Außeneinsatzes objektiv in Worte fasste. Harry tippte sich nachdenklich gegen das Kinn, während er las. Irgendetwas stimmte an der ganzen Sache nicht.

...toter Mann, rücklings auf dem Boden liegend, keine sichtbaren Verletzungen, keine signifikanten Tätowierungen...'

Er schnalzte mit der Zunge und kräuselte die Nase.

Auffällig waren das fensterlose Zimmer, ein strenger Geruch und die vorhandene Restkörperwärme.'

Manchmal wünschte Harry sich, in ein Blatt Pergament auf dieselbe Weise eindringen zu können, in die er auch in Erinnerungen in einem Denkarium eindringen konnte. Denn das, was ihn gerade die Stirn runzeln ließ, war nichts, das direkt in dem Bericht stand. Es schien vielmehr zwischen den Zeilen hervorzusickern wie ein schlechter Geruch.

Am meisten störten ihn die letzten Worte des Berichts: ‚Auch nach magischer Analyse war keine eindeutige Todesursache festzustellen.'

Wenn ein Analysezauber keine Todesursache nennen konnte, dann nicht, weil es keine gab, sondern nur, weil sie noch nicht bekannt und dementsprechend auch nicht in den Zauber eingearbeitet worden war. Auch die Magie war nur so intelligent wie derjenige, der sie erdachte, und es war schon des Öfteren vorgekommen, dass aufgrund eines solchen Analyseergebnisses die Pferde scheu gemacht worden waren – grundlos.

Durch und durch unzufrieden mit dem Resumée, das er aus seinen Überlegungen ziehen konnte, ließ Harry das Pergament fallen und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er musste sich noch einmal mit Tonks zusammensetzen und sie ein wenig aushorchen. Vielleicht konnte sie ihm auch die Erinnerung an den Einsatz überlassen, dann konnte er sich auf eigene Faust etwas genauer umsehen. Am liebsten wäre er sofort losgegangen, um diese Sache zu erledigen, doch Tonks hatte um einen freien Nachmittag gebeten und er würde sie nicht wegen eines vagen Verdachts darin stören. Das war bei einer Schwangeren für gewöhnlich eines der denkbar schlimmsten Vergehen, dessen man sich schuldig machen konnte.

Also würde der Bericht ohne seine Unterschrift auf dem Schreibtisch verweilen, bis er morgen die Gelegenheit haben würde, sie zu der Sache zu befragen.


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„Ich wünsche einen guten Morgen, Albus." Minerva sah ihn über die Gläser ihrer Brille hinweg scharf an.

„Vielen Dank, dir auch, Minerva", erwiderte er höflich und deutete eine leichte Verbeugung an.

„Du bist und bleibst ein unverbesserlicher Chameur", war ihre Antwort, doch er war überzeugt, dass sie sich geschmeichelt fühlte. Das tat sie schon, seitdem sie dieses kleine Spiel vor über zwanzig Jahren begonnen hatten. Sie spielten es noch immer mit kindlicher Begeisterung, jeden Morgen pünktlich um halb acht.

Deswegen verkniff der Schulleiter sich auch eine Antwort auf ihre Äußerung und nahm stattdessen neben ihr in der Mitte des Lehrertisches Platz. „Gab es irgendwelche nennenswerte Zwischenfälle seit unserer letzten Unterhaltung?", fragte er und bezog sich damit auf die Belange der Schule.

„Keine nennenswerten, nein."

„Gut." Er goss sich eine Tasse Kaffee ein und nahm sich einen Toast.

„Hast du schon die neuste Ausgabe des Tagespropheten gelesen?" Minervas Stimme hatte diesen gewissen Unterton. Sie wollte klingen, als betreibe sie Small-Talk, doch sie hatte es auf etwas ganz Bestimmtes abgesehen. Die Tatsache, dass sie ihn bei ihrer Frage nicht ansah, sondern ihre Blicke aufmerksam über die frühstückenden Schüler wandern ließ, bestätigte seinen Verdacht.

„Nein. Ich fürchte, ich bin noch nicht dazu gekommen", fügte er sich mit einem Schmunzeln in sein Schicksal. „Stand denn etwas Interessantes darin?" Er nahm vorsichtig einen Schluck Kaffee und zog über die bittere Note die Nase kraus. In seiner Jugend hatte er immer angenommen, dass der Gefallen am Kaffee irgendwann von alleine kommen würde, doch egal, wie viele Morgen mit jenem Gebräu ins Land zogen, er konnte sich einfach nicht damit anfreunden. Und trank ihn dennoch in zuverlässiger Regelmäßigkeit.

„Mh-hm", war vorerst alles, was von Minervas Seite zurückkam. Sie biss ruhig von ihrem gebutterten Toast ab und kaute ausgiebig. Dann trank sie von ihrem Tee und betupfte sich die Mundwinkel mit ihrer Serviette. Als sie endlich wieder zu sprechen begann, hatte Albus beinahe vergessen, worum es ging: „Ein Artikel über den Wahlkampf."

„So? Nun, wenn ich mich recht erinnere, ist das nicht der erste seiner Art." Und auch nicht das erste Gespräch, das sie darüber am Frühstückstisch führten, denn Minerva stieß seine notwendige Manipulation Arthurs ebenso sauer auf wie Harry.

„In der Tat. Doch dieser enthält einige äußest detaillierte Zitate aus Arthurs Rede. Oder sollte ich sagen aus deiner Rede?" Ihre unangenehme Betonung lie Albus schuldbewusst dreinblicken, was durch seinen massiven Bartwuchs jedoch glücklicherweise nicht auffiel.

„Warum bezeichnen wir sie nicht diplomatisch als ‚unsere Rede'?", schlug er vor, wagte es dabei allerdings nicht, seiner Kollegin in die Augen zu schauen.

„Du weißt ganz genau, was ich von dieser Sache halte, Albus." Mit diesen Worten war auch alle aufgesetzte Höflichkeit verschwunden. Ihre Stimme war scharf wie ein Messer und hätte er in seinem Leben nicht schon so viele Gespräche dieser Art geführt (einen großen Anteil davon sogar mit Minerva selbst), hätte sie ihm sicherlich auch einen empfindlichen Stich versetzt.

So allerdings schaffte er es, gelassen genug zu bleiben, um nun seinerseits betont gemächlich erst von seinem Toast zu kosten und dann einen weiteren Schluck des bitteren Kaffees zu nehmen, ehe er sich wieder ihrem missbilligenden Blick zuwandte. Wie erwartet ertrug sie es wesentlich weniger gut, so lange auf die Folter gespannt zu werden.

Albus setzte ein liebliches Lächeln auf, das er sich irgendwann einmal von Severus abgeguckt hatte und das Minerva mit so wundervoller Zuverlässigkeit auf die Palme trieb. Manchmal, aber auch wirklich nur manchmal, konnte Albus es direkt nachvollziehen, dass Severus mit jedem auf diese Art umsprang.

„Du kannst dir deine Sticheleien in Zukunft sparen, meine Liebe. Harry hat mir vor einigen Tagen das Versprechen abgerungen, Arthur über alles aufzuklären, sobald er es ins Amt geschafft hat."

Sie zog konsterniert eine Augenbraue in die Stirn – möglicherweise eine Geste, die sie sich von Severus abgeguckt hatte. „Äußerst großzügig, dass ihr ihn doch schon so bald in das Schmierentheater einweihen wollt."

„Ich fürchte, wir können das Risiko, es zu einem früheren Zeitpunkt zu wagen, nicht eingehen." Als Minerva zu einer weiteren Antwort ansetzte, fügte er etwas resoluter hinzu: „Ich gedenke nicht, dieses Thema noch weiter zu diskutieren, Minerva. Nimm es hin, wie es ist, oder erzähl es ihm selber. Aber dann trägst auch du die Verantwortung für alle Konsequenzen." Er ließ ihr einen eindringlichen Blick zukommen und war erleichtert zu sehen, dass sie sich wieder ihrem Frühstück zuwandte, wenn auch mit äußerst säuerlicher Miene.

Der Schulleiter seufzte lautlos. In Momenten wie diesen missfiel es ihm, dass ausgerechnet er derjenige war, der die Seite des Guten anführen sollte. Nach allem, was er getan hatte. Doch solange sich kein anderer für diesen Posten fand, würde er ihn weiter bekleiden müssen. Mit allen Konseqenzen.


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Als Hermine neben dem Geräteschuppen ihrer Eltern apparierte, schob sich gerade die Sonne durch die hartnäckiger werdende Wolkendecke und kitzelte sie an der Nase. Sie blinzelte gen Himmel und lächelte, ehe sie über den Rasen zur Terrassentür stapfte und sich mit einem Klopfen bemerkbar machte.

Es dauerte kaum eine halbe Minute, bis Jane Granger aus der Küche kam und erfreut lächelte, während sie sich die Hände an einem Geschirrtuch abtrocknete. „Schön, dich so bald wiederzusehen", begrüßte sie Hermine und schloss sie kurz, aber mit der bedingungslosen Herzlichkeit einer Mutter in die Arme.

„Ich freue mich auch", erwiderte Hermine und zog sich die feuchten Schuhe aus, bevor sie das Wohnzimmer betrat.

„So hat dein sonderbarer Wunsch, in ein Land zu ziehen, das tatsächlich mit noch schlechterem Wetter aufwartet als unseres, doch ein Gutes."

„Du findest also tatsächlich etwas Positives an der Sache, ja?", neckte Hermine ihre Mutter. „Kaum zu glauben."

Die Ältere verzog zerknirscht das Gesicht. „Ich geb mir große Mühe", verriet sie ihr dann und zwinkerte ihr zu.

Hermine lächelte und folgte ihrer Mutter dann in die Küche. „Ist Dad gar nicht da?", fragte sie erstaunt, als eine genauere Inspektion des heimeligen Raums ergebnislos blieb.

„Nein. Es gab Probleme mit einigen Rechnungen, er ist noch in der Praxis und kümmert sich darum."

„Hoffentlich nichts Gravierendes", erkundigte Hermine sich.

„Nein, nein. Nur das übliche. Falsche Adresse, falsche Telefonnummer... Wenn sich auch der Name als falsch herausstellt, wandert es weiter zur Polizei und verläuft sich irgendwann im Sande. Du weißt ja, es gibt immer ein paar schwarze Schafe." Jane zuckte gleichmütig die Schultern.

„Ja, ich weiß", stimmte Hermine zu. Sie hatte des Öfteren am Rande mitbekommen, dass sich ihr Vater mit Problemen wie diesem hatte herumschlagen müssen – und vor allem hatte sie mitbekommen, wie sehr es ihm als Mediziner missfiel, sich mit diesem Papierkram zu beschäftigen.

„Aber er hat mir die Unterlagen hier gelassen, die Scott ihm zugeschickt hat. Warte, ich hol sie dir." Jane legte das Geschirrtuch, das sie über ihre Schulter geworfen hatte, auf die Arbeitsplatte und verschwand kurz aus der Küche.

Hermine sah sich um und als sie eine Kanne Tee entdeckte, nahm sie sich eine Tasse aus dem Schrank und goss sich etwas davon ein. Auch wenn sie auf dem Weg von der Uni hierher nur kurz an der frischen Luft gewesen war, so zog das nass-kalte Wetter doch immer sofort ihre Beine hinauf und ließ sie auf äußerst unangenehme Art frösteln. Dagegen gab es kaum etwas Besseres als einen wohlschmeckenden Earl Grey.

„Hier sind sie", murmelte Jane, als sie in die Küche zurückkehrte und dabei gedankenverloren durch die Unterlagen blätterte. „Drei Häuser hat er dir erstmal rausgesucht. Er meinte, du sollst schauen, ob etwas Passendes dabei ist, sonst würde er noch weiter schauen." Sie reichte ihr die Zettel mit einem Lächeln.

Hermine stellte die Tasse auf der Arbeitsplatte ab und nahm die Bögen interessiert entgegen. Als sie nach Hogwarts mit ihrem Studium begonnen hatte, war es furchtbar ungewohnt gewesen, wieder mit strahlend weißen und akkurat zugeschnittenen Papieren zu arbeiten, wo sie doch seit Jahren nur noch das altertümliche Pergament gewohnt gewesen war. Mittlerweile hatte sie sich allerdings wieder halbwegs damit arrangiert, auch wenn sie Pergament noch immer für schöner hielt. Es hatte einfach mehr Stil.

Sie überflog die Angebote kurz und auf den ersten Blick gefielen ihr alle drei ausnehmend gut. Doch wenn sie dort wirklich ein Trankunternehmen führen wollten, würde Snape schon seine eigenen Vorstellungen von ‚ausnehmend gut' darlegen und sie hatte irgendwie das untrügliche Gefühl, dass seine und ihre Vorstellungen da weit auseinander gingen.

„Wunderbar", kommentierte sie jedoch vorerst, um den neugierigen Blick ihrer Mutter zu befriedigen. „Mir gefallen sie alle, aber da ich ja nicht alleine dorthin ziehen werde, zählt meine Meinung leider nicht allzu viel." Sie lächelte schief.

„Überlegt es euch gut, Mine. Scott hat dir seine Nummer mit aufgeschrieben. Er sagte, es wäre vermutlich sinnvoller, wenn ihr direkt miteinander in Kontakt tretet. Dein Vater hat zwar nicht das Geringste gegen seine Vermittlerrolle einzuwenden, aber ich denke auch, dass es unnötig Zeit kostet. Ruf ihn an und sag ihm, ob etwas Passendes dabei ist, oder ob er weiterschauen soll. Ihr könnt auch jederzeit die Häuser vor Ort besichtigen."

„Das wird wohl auch nötig sein, bevor ich von allen Parteien eine endgültige Zusage bekomme." Ihre Augenbrauen zuckten kurz in die Höhe, als sie an die ganzen Einwände und Ansprüche dachte, die Snape mit Sicherheit haben würde.

„Wirst du uns irgendwann erklären, warum du England so unbedingt den Rücken kehren musst?", fragte ihre Mutter und sah sie besorgt an.

„Irgendwann, ja", versprach Hermine. „Und bis es soweit ist, müsst ihr euch wohl oder übel mit dem Versprechen zufrieden geben, dass nicht ich England den Rücken kehren muss, sondern jemand, der mir sehr wichtig ist. Ich möchte an seiner Seite bleiben, komme was wolle."

„Ja", stimmte ihre Mutter zu und strich ihr zärtlich die Haare aus dem Gesicht, „so haben wir dich auch erzogen, meine kleine große Mine."


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Es gab genau zwei Möglichkeiten, die das erklärten, was Severus gerade mit eigenen Augen sah. Die erste war, jemand wollte ihn auf den Arm nehmen. Die zweite, er träumte. Da er jedoch das unwirkliche Gefühl eines so verrückten Traumes nicht empfand, blieb eigentlich nur die erste Möglichkeit übrig.

Wenn er sich die Sache allerdings noch einmal durch den Kopf gehen ließ... es gab weitaus wirksamere Methoden, ihn auf den Arm zu nehmen, als Black einen kaum benutzen Backofen putzen zu lassen. Auch wenn es ein äußerst erinnerungswürdiges Bild war, ihn auf dem Boden knien zu sehen, während sein Oberkörper halb im Ofen verschwand.

„Muss ich befürchten", machte Severus ihn auf seine Anwesenheit aufmerksam, woraufhin Black sich prompt den Kopf stieß, „dass jemand in dieses Haus eingedrungen ist und dich fluchwendend ausgeschaltet hat, oder wirst du mir alleine erklären, was genau du da tust?"

Der andere Mann stierte ihn böse an. „Kein Fluch, Schniefelus. Aber was ich hier tue, ist doch wohl offensichtlich, oder?"

„Ganz und gar nicht", erwiderte der Tränkemeister, nahm sich einen Apfel aus der Schale auf dem Tisch und setzte sich auf den hinteren der beiden nebeneinander stehen Stühle, so dass er seine Füße äußerst lässig auf den anderen legen konnte. „Die hingebungsvolle Art, auf die du deinen Hintern in die Luft streckst, könnte durchaus auch andere Absichten haben als das Reinigen eines unbenutzten Küchenobjekts." Er biss demonstrativ in den Apfel, so dass es laut knackte.

„Jetzt wo du es sagst...", überlegte Black. „Wirkt es denn?"

„Nein", nahm Severus ihm mit einem einzigen Wort jegliche Hoffnung auf eine Erlösung. Und dabei feixte er auch noch über das ganze Gesicht.

„Dann verschwinde wieder in dein Labor", grollte Black und wandte sich wieder dem Inneren des Backofens zu, um dort weiterzumachen, wo er unterbrochen wurde.

„Nur weil ich nicht vorhabe, mich wie ein hormongesteuerter Teenager auf dich zu stürzen, heißt das noch lange nicht, dass ich diesen Anblick nicht genießen werde." Er gab ein dunkles Lachen von sich. „Was bringt dich denn dazu, einen Backofen zu putzen, anstatt allen Leuten mit Kaminanschluss auf den Geist zu gehen?"

„Todbringende Langeweile", antwortete Black ohne zu zögern und die Worte hallten dumpf von den Wänden des Backofens wider.

„Und da sage noch einmal jemand, Langeweile würde nicht dazu taugen, aus einem elenden Tunichtgut ein fleißiges Schneiderlein zu machen." Er drehte den Apfel etwas und biss ein weiteres Mal knackend hinein, ohne dabei den Blick von Black abzuwenden. „Was gedenkst du denn als nächstes zu putzen, Black?"

„Das entscheide ich, wenn es soweit ist", erwiderte der andere trocken.

„Zögere nicht, mir Bescheid zu sagen, wenn dir die Aufgaben ausgehen. Meine Toilette könnte mal wieder eine gründliche Reinigung vertragen."

Black schnaubte laut vernehmlich. „Es tut mir unglaublich leid, dich enttäuschen zu müssen", sagte er dann in einem so gedehnten Ton, dass der Sarkasmus sogar einem Professor Binns aufgefallen wäre, „aber dein Klo ist selbst mir zu dreckig."

„Das trifft mich jetzt tief", stellte Severus desinteressiert fest.

Black zog den Kopf aus dem Backofen. „Das hab ich mir gedacht." Dann zog er einen Eimer heran, der Severus bisher gänzlich entgangen war, und spülte den Schwamm, mit dem er den armen Ofen drangasalierte, in dem darin befindlichen Seifenwasser aus.

Während der Blick auf den Backofen für Severus so frei war, schielte er aufmerksam in alle Ecken und grinste zufrieden, als er gefunden hatte, nach was er suchte. „Da oben rechts ist noch was", schnarrte er und deutete mit seinem dünnen knochigen Zeigefinger auf die Stelle, die ihm ins Auge gefallen war.

Black hob langsam seinen Blick. „Hast du schon mal Dreckwasser von Weitem getrunken, Schniefelus?", fragte er mit drohender Stimme und nahm den Eimer auf, als wolle er ihm den Inhalt von da, wo er hockte, entgegenkippen.

„Nein. Und du lässt mich diese Erfahrung auch besser jetzt nicht machen, denn das Echo wäre ein äußerst schmerzhaftes", erwiderte Severus drohend und wandte sich wieder seinem Apfel zu.

In diesem Moment erklang ein Rauschen aus dem Wohnzimmer, das einen Besucher ankündigte, der über das Flohnetzwerk zu ihnen kam. Urplötzlich breitete sich ein Grinsen auf Blacks Gesicht aus. Er warf den Schwamm ins Wasser, stellte den Eimer in den Ofen und ließ die Klappe mit einem lauten Knall zufallen. „Meine Rettung", verkündete er inbrünstig. Als die Stimme von Remus Lupin vage fragte, ob jemand da sei, lief er begeistert wie ein kleiner Junge an Weihnachten aus der Küche, um seinen Freund zu begrüßen.

Severus seinerseits verdrehte die Augen und stand auf. Er trat lieber den Rückweg ins Labor an, bevor Lupin noch auf die Idee kam, ihn mit in dieses Gespräch zu verwickeln.


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Mit einem Gefühl tiefer Melancholie nahm Hermine die einbrechende Dunkelheit zur Kenntnis, als sie in der Nähe des Grimmauldplatzes Nummer zwölf apparierte. Es war kaum halb sechs und schon verschwanden die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont, so als gäbe es auf der anderen Seite der Erdhalbkugel etwas Interessanteres zu sehen als hier im grauen England.

Mit einem Kopfschütteln riss sie sich aus ihren Gedanken, schulterte ihre Tasche und schlich sich vorsichtig hinauf zum verborgenen Eingang zwischen den Nummern elf und dreizehn. Die Anspannung, die der Umgang mit dem Fidelius-Zauber noch immer bei ihr verursachte, fiel von ihr ab wie eine Schicht alte Farbe, während sie in den Flur trat. Sie wollte gerade die Stufen ins obere Stockwerk hinaufsteigen, als Sirius' Stimme an ihre Ohren drang. Er rief sie in die Küche. Ohne ihre Jacke auszuziehen oder auch nur ihre Tasche abzustellen, folgte sie seinem Ruf und schielte neugierig um die Ecke.

„Hallo Remus, Sirius", begrüßte sie die beiden Männer, die sie dort anfand, doch die Mienen der beiden ließen ihr augenblicklich das Herz in die Hose rutschen. „Was ist passiert?", fragte sie mit belegter Stimme durch das heftige Pochen hindurch, das ihre Schläfen beben ließ.

Remus räusperte sich umständlich und bevor er antwortete, wandte er den Blick von ihrem Gesicht ab und starrte die klare Flüssigkeit an, die sich in seinem Glas befand. „Dora hat das Baby verloren."