Seraph: Oh jeh, entschuldige. Hätt ich das gewusst, hätte ichs schon noch versucht, aber ich hab mein Laptop erst heute wieder angemacht. Hm... na, ich hoff, du hattest nen schönen Urlaub und ich les dich vll. mal wieder nach den 2 Wochen :) Thx fürs Review. Lg
Amylin Christin: Hast natürlich Recht und James ist nicht tot :) Wie sollte ich meine FF ohne ihn weiter machen. Er ist meine Hauptperson, mein ein und alles +g+ Danke für das liebe Review. Den Respekt find ich richtig süß. Ich freu mich, dass du von Anfang bis jetzt dabei geblieben bist. Glg
cathleenblack: +Taschentuch reich+ Er kommt ja bald wieder. Also ich mag Remus schon auch, aber irgendwie hat ers nie so hoch in meiner Sympathieliste geschafft wie Sirius oder James. Weiß auch nicht warum. Thx fürs Review. Lg
sirad: Hallöchen :) Nein, du täuscht dich nicht. Ich hab hier einen anderen Nick aus einem mir leider vergessenen Grund. Ist nicht so, dass ich was gegen den Nick Prina hab... ist alles zu lang her als ich mich hier angemeldet hab. Der Unterschied ist nur, dass hier die Verteilung etwas anders ist, ich die FF vervollständigt habe, weil ich bei der Erstfassung viele Lücken hatte. Hab damals noch gearbeitet und oft im Eifer des Gefechts schlichtweg Situationen ausgelassen oder nicht aufgelöst, weil ichs vergessen hatte. Ich habe damals auch auf die Geschichte gepostet aber nach Chap 8 aufgehört, weil mir alles über den Kopf wuchs. Nun hab ich die Gelegenheit genutzt und sie hier auch gepostet, nur eben überarbeitet und ohne Lücken und mit weniger Rechtschreibfehler. Außerdem wird noch eine Fortsetung von Black Heart kommen, wozu ich allerdings erst die gesamte FF noch mal durchlesen muss/te damit ich mich überhaupt an alles erinnern kann, was passiert ist und was vll. noch in der Fortsetzung aufgedeckt oder wieder aufgegriffen werden kann/soll. Und was war da perfekter als die FF auf fertig zu machen, wo hier teilweise Leser sind, die nicht im Forum angemeldet sind. Sie sollen sich auch nicht extra anmelden, um mir da dann was zu schreiben und auf kann man auch unangemeldet Reviews abgeben und zudem stören hier nicht die Reviews nach den Chaps, wo man Seitenweise blättern muss, um zum nächsten Kapitel zu kommen. Also alles Gründe für mich, hier die FF auch noch zu posten. Woha, du hast grad die längste Antwort erhalten, die ich hier auf jemals geschrieben hab Öö. Thx fürs Review. Freu mich, dass es dir gefallen hat. Ich kann mich glaub ich gar nicht an deinen Namen im Forum erinnern, du kleiner Schwarzleser +g+ Lg
Chap 53: Deep Dusk III
Die Beerdigung fand nur 2 Tage später statt doch in diesen Tagen war es in Hogwarts sehr still geblieben. Die Lehrer hielten zwar weiterhin ihren Unterricht, aber in wesentlich gedrückterer Stimmung. Kein Schüler schien großartig daran interessiert zu sein zu spaßen, wenn die Marauder an ihnen vorbei gingen. Aus Rücksicht verstummten sie dann oder richteten ihnen zumindest nicht ihr Beileid aus. Es war komisch für Lilli, die sonst immer mit der Trauer allein war. Anna hatte sie mitgenommen wo immer sie mit den Maraudern auch hingingen, sei es zum Mittagessen in die Große Halle oder zur Pause auf die Ländereien. Und obwohl keiner von ihnen irgendwie großartig viel sprach, fühlte sie sich in ihrer Trauer um James von ihnen nicht allein gelassen. Sie trauerten alle, sie vermissten alle ihren besten Freund. Remus versuchte sich weiterhin abzulenken, in dem er in seine Bücher sah. Peter fiel es sehr schwer sich auf etwas zu konzentrieren. Lilli sah, wie er versuchte sich an Sirius oder Remus festzuhalten, wenn sie irgendwo hin gingen. Er hatte wohl Angst, allein gelassen zu werden. Letztenendes war es James, der Peter immer irgendwie in die Gruppe der Marauder eingeglidert hatte. James... eigentlich war er das Bindeglied von ihnen. Ohne ihn... fehlte der Kern, die Mitte... das Herz der Marauder.
Der Regen fiel auf die Fensterscheiben hinauf und durchnässte den Rasen unter ihm. Lilli saß auf ihrem Platz in Zaubertränke und schrieb die Abschiedsrede für die Trauerfeier. Sie konnte es nicht wirklich glauben, nicht wirklich fassen wie alles nur soweit kommen konnte. Sie kannte James so lange und in den letzten Monaten war soviel passiert. Sie waren sich um sovieles näher gekommen, hatten viel mehr über den anderen erfahren. Wichtiges... und unwichtiges. Ein zartes Lächeln kroch über ihre Lippen als sie an die ersten Abende ihrer Rundgänge dachte...
"Ich hab doch was falsch gemacht," ertönte James Stimme in ihren Gedanken.
"Nein... hast du nicht."
"Nein?!"
"Nein..."
"... Dann... stinke ich?!"
"Was?!"
"Stinke ich?!"
"Nein, du stinkst nicht."
"Mundgeruch?!"
"Nein, du hast auch kein Mundgeruch."
"Hm... aber du willst nicht mehr mit mir reden..."
"Das hab ich doch gar nicht gesagt."
"Nein?!"
"Nein."
"Du bist also von natur aus lieber schweigsam, verstehe, verstehe."
"Dir scheint der Sturz ja nicht viel ausgemacht zu haben, oder irre ich mich?"
"War ja nicht das erste mal!"
"Sowas gehört bei dir also zum Alltag!"
"Irgendwie schon. Schließlich bin ich beim Spiel gegen Slytherin in der 5. Klasse auch abgestürzt..."
"Ey, damals haben sich alle riesige Sorgen um dich gemacht und du findest das auch noch lustig?"
"Sorgen?"
"Klar! Alle Schüler und Lehrer hatten Tagelang Angst um dich, weil du im Krankenflügel lagst und nicht aufgewacht bist!"
"Du hast dir Sorgen gemacht?!"
"Ich-"
"Ich dachte, du hast mich in der 5. Klasse abgrundtief gehasst!"
"Nein.. hab ich nicht..."
"Du hast aber die glitschige Seekrake mir vorgezogen?"
"Das hab ich nicht, du hast mich nur aufgeregt."
"Heißt also, du hast mich nicht abgrundtief gehasst?"
"Nein."
"Was ist dein größter Wunsch?!"
"Muss ich das... heute beantworten?! Ich wünschte... ich wäre nicht mehr so einsam..."
"Ich auch..."
Wenn sie an diese Worte zurückdachte... an die gesamte Situation, an den Blick in seinen Augen... Nein, er hatte damals nicht sie gemeint, er hatte sich selbst gemeint. Sie war sich nun sicher, dass James die ganze Zeit seine wirklichen Gefühle verstecken wollte. Sie erinnerte sich an sein Lächeln, an beide Lächeln. An das Lächeln, wenn er mit Melissa zusammen war, wenn er sie hielt und dann an das Lächeln was er hatte, wenn er nur mit seinen Freunden, nur mit Sirius und Anna... und sogar mit ihr zusammen war. Er sah um so vieles freier und erleichterter aus. Als ob er die ganze Welt bezwingen könnte, als ob er sie verändern könnte, so wie er sie wollte. Sie wollte ihm immer sovieles sagen, aber am Abend bevor er abfuhr, da hatte sie es nicht über sich gebracht etwas zu sagen. Sie war es Leid gewesen immer dasselbe zu wiederholen, wo er ihr doch nicht zu glauben schien, war es Leid gegen eine Mauer zu sprechen, die einen sowieso nicht antworten konnte. Und jetzt wo er ganz weg war, da lag diese Last wie ein schwerer Stein auf ihrer Schulter drauf und sie wünschte sich, sie hätte gesprochen, auch wenn es gegen eine Mauer war. Sie spürte die Trauer, spürte den Schmerz als sie mit der Feder versuchte, passende Wörter auf das Pergament zu bringen, aber nichts ging... Kein einziges Wort wollte ihr über die Feder kriechen, keine Beschreibung aus ihren Gedanken kommen und dann passierte es einfach so. Obwohl sie krampfhaft versucht hatte die Träne zurückzuhalten, krampfhaft versucht hatte, ihre Gefühle unter Kontrolle zu behalten, ging es nicht... Sie rollte über ihre Augenwinkel an der Wange hinab und tropfte auf den Tisch und das Pergament nieder, immer mehr und mehr.
'James...'
"Miss Evans?!" ertönte Professor Ick's Stimme und riss sie aus den Gedanken heraus. Sie bemerkte erst jetzt, dass mittlerweile die gesamte Klasse sie anstarrte, dass der Lehrer sie anstarrte und dass sie alle großes Mitleid für sie empfanden... Alle? Nicht alle. Bei einigen war es Mitleid, bei anderen Unverständnis, bei wiederum anderen, bei den Slytherins war es ein verachtender Blick. Sie sagten Empörung und Hass aus und ein einfacher Satz bohrte sich in Lilli's Gedanken. 'Schlammblut, du gehörst nicht hier her. Dich will niemand. Schlammblut'
Die Gefühle überkamen sie und Lilli stand abrupt auf. "Entschuldigen sie mich," konnte sie nur noch sagen bevor sie raus rannte. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr aufhalten als sie in die Toilette stürmte und weinte. So sehr sie es verhindern wollte, aber die Trauer hatte sie vollständig eingenommen. James hatte sie vollständig eingenommen. Der Gedanke an ihn, der Gedanke an schöne gemeinsame Tage waren so schmerzvoll geworden in diesen Tagen. Nein, sie waren schön, aber der Gedanke dass es nun vorbei war, dass es keiner dieser Tage noch mal geben würde hatte sich voll und ganz in ihr innerstes eingefressen und versucht sie zu zerstören. An der Wand ließ sie sich schließlich auf den Boden sinken und versteckte ihren Kopf hinter den Knien. Tränen kullerten hinab und tropften leise auf den Boden. Ihr Körper zitterte, ihre Stimme versagte, sie weinte leise in sich hinein. Niemand interessierte es was mit ihr war, niemand würde ihr eine haltende Hand geben können. Sie hatte niemanden und sie hatte niemals jemanden gehabt. Nicht ihre Familie, keine Freunde, niemanden... Nicht mal sie selbst... Sie war einfach nur alleine. Niemand verstand sie. Sie musste sich ändern, um von wenigen akzeptiert zu werden. Wenn sie die einen akzeptierten, hassten sie die anderen. Wenn sie eine Hexe sein wollte, dann würden die Muggel sie verachten. Nein, nicht mal die Zaubererwelt wollte sie. Sie war das was die Zaubererwelt verachtete, was der Großteil verachtete, was immer jemand verachten würde... Sie war eine Muggelgeborene Hexe. Ein Schlammblut... Und je mehr sich diese Worte auf sie einstürzten um so sehnlicher wünschte sie sich James zurück. Er war der einzige, der sich um sie bemüht hatte, der versuchte ihr zu helfen, der ihre Einsamkeit erkannt hatte. Sie wollte es verstecken, weil sie sich dafür schämte. Schämte allein zu sein und niemanden zu haben. All die Jahre hatte sie sich gefragt, ob sie einer dieser Menschen war, die niemand wollte. Hatte sich gefragt, ob sie zu irgendetwas zu gebrauchen war? Sie schrieb gute Noten, die Lehrer mochten sie... aber ihre Mitschüler hassten sie... Sie hasste sich selbst... James war der einzige gewesen, den sie wirklich was bedeutete...
"Lilli?!" Erschrocken zuckte sie zusammen als sie die Stimme hörte und die Hand auf ihrer Schulter spürte... Es war Anna, die neben ihr kniete und sie mit einem merkwürdigen Blick ansah. Anna?...Sie konnte noch nichts sagen, ihre Stimme war von der Trauer eingenommen, wurde von der innerlichen Wut zum Schweigen verdonnert. Aber auch Anna sagte kein Wort. Lilli hatte sie gar nicht herein kommen hören... Eine Weile lang sahen sich beide Mädels nur an, hörten zu wie der Regen weiter gegen die Scheiben prasselte und wie die Schulglocke läutete und die Schüler langsam ihre Klassenzimmer verließen. Sanft strich Anna ihr mit der rechten Hand die von Tränen nassen Strähnchen vom Gesicht weg und ließ sich schließlich ganz zu ihr nieder.
"Eigentlich hab ich mir einen besseren Ort dafür vorgestellt als die Mädchentoilette an einem verregneten Tag... aber... wie sagt man doch? Der Moment muss passen, nicht der Ort?!"
Lilli hatte sie die ganze Zeit nur verunsichert angesehen. Sie mochte Anna, mochte sie sogar sehr. Sie hatte sie in der letzten Zeit sehr gern gewonnen und doch fühlte sie sich nicht von ihr gemocht. Ja, Anna war netter zu ihr gewesen, hatte sie sogar getröstet, eine große Geste, die sie von niemand anderen je so wunderbar erfahren durfte wie von ihr. Aber nach allem, was die letzten Jahre passiert war, da hatte sie einfach das Gefühl als ob dieses Mädchen das mehr aus Schuldgefühl machte und nicht, weil sie sie mochte, weil sie ihre Freundschaft suchte. Lilli mochte es nicht, wenn man aus Schuldgefühlen nett zu ihr war. Sie wollte das der Mensch SIE mochte, das mochte, was SIE tat und das war nicht der Fall. Bei niemanden... außer bei James... Er war vielleicht der einzige, der sie von Anfang an gemocht hatte, so wie sie war...
"Ich wollt dir das die ganze Zeit schon mal sagen, war nur nie der richtige Zeitpunkt dazu... Aber..."
Lilli schwieg. Ihr Herz schmerzte und die Tränen hatten sich weiter in ihren Augen ausgebreitet und drohten wieder zu fallen.
"Weißt du, Melissa und Ich... wir waren sehr gute Freunde... Aber unsere Freundschaft beruhte auf Rivalität. Beide sind wir Kinder aus schwarzmagischen Familien... beide hatten wir das Ansehen der gesamten Schule. Melissa war die beliebte, jeder wollte so sein wie sie, jeder liebte sie. Ich... Ich war diejenige, vor der man sich fürchtete und mit der man sich nicht anlegen wollte, aus Angst, ich könnte gewaltätig werden. Verrückt, wenn man bedenkt, dass ich Dumbledore's Urenkelin bin und Melissa die Tochter einer Generation von lauter Todessern."
'Ich habe auch nie verstanden, warum sie sie war und du du...' dachte sie. Noch konnte sie nicht reden, noch verschloss der Kloß in ihrem Hals ihre Stimme.
"Mir gefiel der Ruf... Ich brauchte keine Angst zu haben, dass mir jemand weh tut. Sirius, James und Remus waren die einzigen, die das nicht über mich dachten... Selbst Alice und Frank haben Angst vor mir. Alice sagt es nicht, aber ich kann es spüren, wenn wir gemeinsam irgendwo sind... Meine Eltern sind beides Todesser. Alice und Frank's Eltern sind alle weißmagisch. Ihre Familien sind nicht besonders stark, halten sich immer mehr im Hintergrund... Vielleicht haben sie deswegen Angst, ihnen könnte etwas passieren, wenn sie sich gegen Voldemort aussprechen vor mir... wer weiß."
'... Anna...'
"Vor einiger Zeit habe ich irgendwie begonnen dich zu mögen... Ich gebe zu, ich habe in deine Gedanken und Gefühle geblickt. Konnts mir irgendwie nicht verkneifen, weißt du... Aber... ich bin ganz ehrlich... ich habe noch nie etwas so reines und helles gesehen wie bei dir..."
Lilli verstand nicht und ihr Blick sagte auch genau das aus. Anna lachte leicht amüsiert und zog etwas aus ihrer Tasche heraus. Es war ein schwarzes Halsband an dem ein klarer Kristall in Form einer Rose glitzerte. Es war ein Diamant... in sovielen Facetten zu strahlen, das konnte nur ein echter Diamant tun.
"Diese Kette hat Rachel Esternia De Cordalles gehört... Gryffindor hat sie ihr geschenkt, kurz nachdem sie zusammen kamen. Als er es ihr schenkte, da sagte er, dass diese Kette magisch verzaubert wäre. Ihre Trägerin, sollte sie ein reines Herz haben, so würde dieser Kristall ihr Kraft und Stärke geben. Kraft zum leben, Stärke um die Dinge zu ändern, die sie ändern kann, die sie ändern möchte... Und Rachel nahm sie an... Sie wurde schwanger und gebahr eine Tochter. Diese war schwer krank und dem Tote nahe. Also nahm Rachel die Kette und schenkte es der kleinen...mit dem Wunsch... das Schicksal möchte ihr genau soviel Kraft und Stärke schenken um zu leben. Ihre Tochter lebte... Vielleicht ein Fehler von Rachel, denn der Stein hätte sie vor Slytherins Einfluss beschützt... Besagt zumindest die Sage."
"... U..und...wieso ist sie jetzt... in... in deinem Besitz?!"
"Mr. Potter hat sie mir geschenkt... An dem Abend als ich von zu Hause weglief und ihm das von meiner Familie geschildert habe. Diese Kette... hat mich beschützt... Sie hat mich vor dem Einfluss meines Vaters beschützt, als er versucht hatte, mich wieder unter einem Zauber gefügig zu machen, so dass ich auf die dunkle Seite überwechsle. Als er mir seine Kette in die Hand drückte mit dem Zauberspruch... Da hat diese Kette mir geholfen, mich wieder stark gemacht. Damals dachte ich, das alles vorbei wäre. Ich habe mit Sirius Schluss gemacht und war wirklich schon so nah dran aufzugeben... Und siehe jetzt... Mein Leben ist immer noch verpfuscht... aber... aber wenigstens tue ich das, was ich will. Ich liebe Sirius und ich will mit ihm zusammen sein... Ganz egal was mein Vater tun wird... Was kommen wird, wird kommen. Die Kette... ist also für mich unnütz geworden... "
Sie öffnete den Verschluss und legte das Band um Lilli's Hals an, die vorsichtig mit der rechten Hand nach dem Anhänger tastete.. Er war so leicht und locker und fühlte sich gar nicht wie ein Stein an, aber kaum, dass Anna ihn ihr um den Hals gelegt hatte, fühlte sie etwas warmes von der Blume ausgehen. Etwas, dass sich wie die Nähe von James anfühlte.
"Ich weiß, dass du traurig bist, Lils. Ich weiß, dass was ich dir jetzt sage, das wirst du nicht glauben. Du wirst nicken, wirst sagen, dass es nett ist, aber du wirst es noch nicht glauben... Diese Kette wird die die Stärke zurückgeben, damit du an dich selbst glauben kannst. Du bist... etwas ganz besonderes und du bist es Wert zu leben."
Sie schwieg...
"Muggelgeboren zu sein ist nichts schlechtes. Es mag viele Zauberer geben, die dir das einreden wollen. Vorwiegend schwarz-magische Zauberer, es mag weißmagische Zauberer geben, die dir das Gefühl geben, nicht dazuzugehören, aber dann... dann denke dir einfach, dass sie selbst Schuld sind! Wer so von sich selbst überzeugt ist, dass er sich über andere stellt, der hat jemanden wie dich gar nicht verdient."
Was für Worte... und Anna hatte Recht. Lilli konnte sie noch nicht glauben oder gar verinnerlichen.
"James ist... ganz anders geworden, seitdem ihr befreundet seid."
"James..."
"Ja, Lils. Ich glaub, ich habe ihn selten so glücklich gesehen, wie die Momente, nach denen er mit dir zusammen war. Ich weiß noch... an einem Abend, da hattet ihr wieder eure Rundgänge gemacht und... du bist voraus in den Mädchenschlafsaal gegangen. Ich war noch unten und ich habe ihn gesehen... Er sah anders aus. Es ging ihm gut... Du hast in ihm Hoffnung geweckt. Mit jedem einzelnen Wort, dass du zu ihm gesagt hast, obgleich es ein Tadeln war, weil er sich wieder wie ein... Gorilla benommen hat oder ob es ein Kompliment war, weil du ihn liebst... Du hattest James verändert und darauf kannst du stolz sein, Lils. Das hat bisher noch kein anderer geschafft... Schon allein deswegen bist du mehr Wert als der ganze Haufen da draußen..."
Ihre Augen blickten sie unglaubig an und Anna konnte spüren wie niedergeschlagen und alleine Lilli sich noch immer fühlte, selbst nach diesen Worten.
"Auch wenn du mir jetzt noch nicht glaubst, aber... meine Freundschaft kommt von Herzen... Es sind keine Schuldgefühle und sie ist nicht gespielt oder vorübergehend... Sie ist da... und sie wird solange bleiben so lang du sie annimmst."
Es waren eigentlich nur Worte, aber... nein, es waren nicht die Worte, die sie berührten. Es war Anna selbst... Lilli konnte es spüren, was sie ihr sagen wollte... sie sah es in ihren dunklen Augen... die strahlender und leuchtender nicht hätten sein können und so nickte sie und versuchte dabei zu lächeln.
"Danke..." flüsterte sie mit gebrochener Stimme. Anna nahm sie fest in die Arme und drückte sie mit sich wieder hoch.
"Soll ich dir helfen?"
"Hm?"
"Bei der Grabrede mein ich..."
"Oh... ähm... ja... bitte..."
"... Komm..."
Anna legte ihre Hand um Lilli's Schulter und drückte sie mit sich. Es war ein merkwürdiges Gefühl... Anna war fast wie eine große Schwester für sie geworden... eine beste Freundin und eine große Schwester in einem...
Und als der nächste Tag hereinbrach, da war es Anna, die Lilli vorsichtig anschubste, um sie aufzuwecken. Diese hatte sich von Schock abrupt aufgerichtet, doch Anna beruhigte sie sofort leicht lächelnd.
"Alles okay, Lils... Ich wollte dich nur wecken... Wir fahren bald... Du solltest dich umziehen. Die Kutsche wird uns abholen und durch einen Portschlüssel ins Anwesen der Potters bringen. Dort findet auch die Trauerfeier statt."
"... Die Trauerfeier..." Sie hatte sich vor diesen Tag gefürchtet. Wenn sie James tot sehen würde, dann würde sie die harte Realität akzeptieren müssen. Sie nickte leicht, während Anna ihr nochmal mutmachend die Schulter drückte und schon mal vorraus ging. Als sie die Tür schloss, da bleib Lilli noch eine Weile im Bett sitzen. Sie wollte nicht, dass es wirklich zu Ende war... Warum konnte sie die Zeit nicht zurückdrehen? Warum konnte sie nicht mit James sprechen an dem Abend? Dann wäre es ihm besser gegangen, vielleicht hätte sie sogar mit ihm gehen dürfen, dann hätte sie diese Entführung, seinen Tod verhindern können. Wieder kullerte die Träne über ihre Wange und Lilli fuhr mit der Hand hinauf um sie wegzuwischen. Sie musste sich nun zusammen reißen. Das Halsband...Nun kam es ihr wieder in den Sinn. Für einen Moment hatte sie das ganze für einen Traum gehalten, die Unterredung mit Anna, die Tatsache, dass sie wirklich ihre Freundschaft wollte. Mit zitternder Hand fuhr sie an ihrer Haut hinab zu dem Band und schloss ihre Augen als sie das Glas des Diamanten spürte. Es war wahr... es war kein Traum... es war... wirklich wahr.
"Na?!" begrüßte Sirius seine Freundin als diese die Stufen hinab kam und ihn sofort in eine enge Umarmung zog als sie ankam.
"Na? Wie geht's dir?!" fragte sie besorgt. Sirius versuchte zu lächeln, auch wenn es ihm nicht gelang. Anna strich lediglich einmal mit ihrer Hand über seine Wange bevor sie ihr Gesicht wieder an seiner Brust vergrub und ihn einfach nur bei sich hielt. Worte waren hier Fehl am Platz, was zählte, war die Geste.
"Lilli wird also die Rede halten?!" fragte Diana Remus besorgt, der bis dahin kein einziges Wort von sich gegeben hatte. Er nickte leicht, außer Stande etwas großartiges dazu zu sagen. Der schwere Klos saß auch in seiner Kehle fest. Diana drückte seine Hand fest in ihrer und versuchte ihn zumindest so Trost zu spenden. Lilli kam nur wenige Minuten später zu ihnen herunter, in der Hand hielt sie den Zettel, auf dem die Trauerrede stand.
"Hey, Lils," grüßte Sirius sie und sie grüßte ihn zurück. Er streckte seine Hand nach ihr aus und mit Anna und Lilli gemeinsam gingen sie schließlich zu den Kutschen hinab. Dicht gefolgt von Remus, Diana und Peter. Auch Dumbledore hatte sich mit Professor McGonagall und Professor Jaivenko in eine weitere schwarze Trauerkutsche gesetzt und als die Kutschen abfuhren, da blickte Lilli hinaus zu den Bergen...
'James hat sie auch gesehen als er hier drin saß... 'dachte sie frustriert und drückte den Zettel in ihren Händen fester... Sie dachte viel an ihn und egal wie sehr sie versuchte es nicht zu tun und sich einfach nur auf die Berge und die Landschaften konzentrieren wollte, sie schaffte es nicht. Er kam ihr doch immer wieder in den Sinn und immer wieder aufs neue sah sie seine hasselnussbraunen Augen, die sie hilfensuchend ansahen... Sie schluckte in dem Versuch den Klos, die Tränen runterzuschlucken. Lilli hatte nun schon soviel Tränen vergossen, sie wollte nicht noch mehr, wollte nicht schwach gegenüber den anderen wirken, die alle so tapfer da saßen und ihre Trauer still vor sich hinlebten. Sie war so glücklich als sie endlich ankamen und Dumbledore den Portschlüssel für das Potteranwesen an sie rüberreichte...
Und als sie ankamen, da war es Maria, die sie im Wohnzimmer empfing. Anna konnte sehen, wie schwer es James Mutter die letzten Tage ergangen sein musste. Sie sah so erschöpft und müde aus, als ob sie dem Zusammenbruch nahe wäre.
"Mrs. Potter," sagte sie sanft und kam auf sie zu, nicht wissend, ob es gut war oder nicht... Aber Mrs. Potter nahm Anna in ihre Arme und drückte das Mädchen fest. Es war... wie früher... Es war wieder so als ob sie in ihr eine eigene Tochter sehen würde.
"Sirius..." sagte Mrs. Potter und nahm auch ihn fest in die Arme... so fest, als wäre auch er ihr eigener Sohn.
"Wo... liegt er, Mrs. Potter?" fragte Sirius als sie ihn wiederlosgelassen hatte. Tränen fülten auch ihre Augen als sie sich nach rechts drehte und in einen Raum blickte, der extra für die Trauerfeier eingerichtet war, an dessen Ende der schwarze Sarg ruhte...
Anna hatte fest Sirius Hand gehalten, als er auf den Sarg zuging, der in dem ruhigen Zimmer stand. Weiße Blumen schmückten den Raum, sie waren ein Ausdruck der Trauer. Durch das Fenster strahlte die Sonne hinein, warf vielleicht die einzige Wärme in die sonst so eisige Umgebung und als er beim Sarg ankam, fiel sein Blick auf den blassen Körper seines toten Freundes hinab. Anna wollte es die ganze Zeit unterdrücken, alles was sie von außen herein fühlte, sei es von den Freunden oder von Sirius. Die Trauer war groß, der Schmerz tief, das Verlangen für diese Ungerechtigkeit in den Himmel hinaus zu schreien war da, aber sie konnte es unterdrücken, es ignorieren. Alles was sie tat, war seine Hand fester zu drücken und mit ihrer rechten Hand um seine Schulter drückte sie Sirius noch fester an sich. Er sollte wissen, dass er nicht allein war, dass sie für ihn da sein würde und dass sie dies alle zusammen durchstehen würden. Er zitterte nicht, er sagte nichts, selbst sein Ausdruck hatte sich nicht verändert. Es machte ihr Angst ihn so kalt dastehen zu sehen und auf James leblosen Körper hinabzublicken, James... Er war wirklich tot... Sie fühlte... absolut nichts mehr...
Lilli hatte zugesehen wie Sirius mit Anna in den Raum ging, in dem die Trauerfeier stattfinden würde, doch etwas hielt sie davon ab ihnen zu folgen. Vielleicht die Angst davor James in diesem Zustand zu sehen, indem sie wirklich realisieren würde, dass es entgültig vorbei war? Sie sah wie Mr. Potter sich von der Gruppe trennte und zum Garten hinaus schritt, dicht gefolgt von Dumbledore. Remus, Diana und Peter hatten indessen ihre Augen auf sie gerichtet, sie förmlich angestarrt als solle sie sie führen. Lilli konnte es einfach nicht länger ertragen und so entschuldigte sie sich mit einem Lächeln und ging nach oben. Sie wollte so tun als ob sie die Toilette aufsuchen müsse. Sie wollte es auch wirklich, wollte sich dort einsperren und einfach sitzen bleiben bis die Beerdigung begann. Die bemitleidenden Blicke rissen ein tiefes Loch in ihre Stimmung und wenn sie sie länger hätte ansehen müssen, dann hätte sie aufs neue begonnen zu weinen. Sie ging nach oben und öffnete die Tür um ins Bad zu stürmen... Abrupt stoppte sie als sie verstand, dass sie nicht im Bad war... Sie war in James Zimmer... Ein Klos war in ihrem Hals erschienen. Er war so groß, dass er sogar auf ihrem Herzen drauf lag. Sie begann zu zittern, wollte sich umdrehen und wieder gehen, aber etwas hielt sie auch hier zurück... Das Zimmer hielt sie zurück... Es war James Zimmer. Alles hier hatte ihm gehört, alles hier wurde von ihm berührt. Sie ging einen Schritt weiter hinein und ihr Blick fiel auf eine Pinnwand über seinem Schreibtisch. Es war eigentlich leer... leer bis auf ein Foto... Sie trat die paar Schritte näher um es sich genauer betrachten zu können. Das Bild zeigte ihn mit Anna, Sirius, Remus und Peter. Sie drängelten sich gemeinsam auf das Foto drauf. James war in der Mitte, links neben ihm Anna, rechts daneben Sirius.
Remus wurde noch von Anna mitumarmt, Peter stattdessen wurde ständig von Sirius aus Jux weggestoßen, der dann so tat, als hätte er aus Versehen beim Gähnen durchs Strecken den kleinen Marauder getroffen. Lilli musste für einen Moment lächeln als sie James Gesicht sah, der das sehr wohl bemerkt hatte und missbilligend den Kopf schüttelte. Sirius schien das lustig zu finden, denn er äffte James kopfschüttelnd mit dem selben missbilligenden Blick nach, was bei ihm aber wesentlich
komischer aussah und auch seine Freunde zum lachen brachte... Sie mussten wirklich sehr gute Freunde gewesen sein...
"Maria!" Erschrocken drehte sich Lilli um als sie Professor Jaivenko's Stimme hörte. Durch den Türspalt, den sie offengelassen hatte, erkannte sie Mrs. Potter, die gerade den Gang entlang gegangen war und sah wie die Professorin auf James Mutter zukam und ihr nach einem besorgten Lächeln, tröstend die Hände auf die Schulter legte.
"Wieso bist du nicht unten bei Michael?"
"Bei Michael?"
"Deinem Mann?"
Maria brachte kein Ton heraus. Lilli sah wie sie den Tränen nahe war, aber es versuchte zu unterdrücken. Stattdessen wandte sie sich von ihrer besten Freundin ab und ließ sich auf dem Sofa im Flur nieder. James Mutter wirkte sehr zerbrechlich... An Weihnachten sah Lilli sie als starke Aurorin, die gleichzeitig auch eine sehr gute Hausfrau und Mutter war... Diese Frau hier vor ihr... war dem Ende nahe.
"Maria?!" fragte Swetlana verwirrt, setzte sich neben sie hin und hatte wieder ihre Hand um die Schultern der besten Freundin gelegt.
"Maria, was ist los?"
"Es... Es ist meine Schuld, nicht, Swetlana?"
"... Deine Schuld? Was denn?"
"Das Tricia verschwunden ist und dass James hier im Haus umgebracht wurde?"
"NEIN! Maria, das war nicht deine Schuld! Merlin, red dir bitte so etwas nicht ein."
"Nein?"
Maria's Stimme hatte etwas krächzendes und gebrochenes. Wenn Lilli nicht gesehen hätte, dass es Maria war, sie hätte geglaubt, die Stimme gehöre zu einer langsam sterbenden Frau.
"Wenn ich HIER gewesen wäre, wenn ich auf meine Kinder aufgepasst hätte, dann würden sie beide noch leben."
"Maria!" sagte Jaivenko tadelnd, doch Mrs. Potter machte sich weiter Vorwürfe.
"Wieso hab ich mich wieder als vollzeit Aurorin angemeldet? Wenn ich auf Tricia und James aufgepasst hätte, dann wäre alles anders gekommen. Tricia wäre nicht mit Malfoy zusammen, er hätte sie nicht zu sich geholt, hätte sie nicht so beeinflussen können und gegen ihren Vater aufhetzen können. Dann wäre sie noch hier."
"Maria."
"Und James?!" Die Tränen standen ihr jetzt schon im Gesicht und rannen langsam über ihre Wange hinab.
"Merlin, er ist gerade mal 17!! Er hatte noch sein ganzes Leben vor sich. Ich hab ihm immer gesagt, dass er die Finger von Melissa lassen soll, aber er wollte ja nicht hören. Ich hab ihm gesagt, dass er auf sich aufpassen soll, aber er hatte schon so früh aufgegeben... Er sagte, es hätte ja doch alles keinen Sinn... Das Zuhause sollte ihm Schutz geben. Er hatte sich immer sicher gefühlt hier aber er ist HIER gestorben! HIER wurde er vergiftet. HIER! Wenn ich mich um meine Kinder gekümmert hätte, statt um meine Arbeit, dann würden beide noch leben. Ich hab unsere Familie zerstört!!"
"Maria..."
Sanft nahm die Professorin James Mutter in ihre Arme und drückte sie an sich. Lilli sah wie Maria bitterlich weinte und das Gesicht an der Schulter ihrer besten Freundin vergrub und sie konnte nicht anders als sich auf James Bett zu setzen und nicht mehr hinzusehen. Wenn sie weiterzugesehen hätte, dann wären auch ihr die Tränen gekommen...
Michael stand mit Dumbledore im riesigen Garten des Potteranwesens. Sie waren relativ weit draußen, so dass sie sicher gehen konnten von niemanden gehört zu werden.
"Wieso hat er das getan?!" fragte Michael, seine Stimme klang kalt und verbittert, seine Haltung zeigte seine Unnahbarkeit, seinen Willen von niemandem tröstende Worte entegegen zu nehmen. Er wollte alleine damit fertig werden und niemanden gegenüber auf irgendeine Weise Schwäche zeigen.
"Wieso hat Voldemort das getan? Ich dachte, er wollte die Macht... Wieso hat er meinen Sohn dann getötet?"
"Ich kann nur raten, Michael... Ich denke, dass niemand genau sagen kann, was in den Gedanken von ihm vor sich geht. Er wollte die Macht, mehr als alles andere. Irgendetwas muss ihm gezeigt haben, dass er sie unmöglich bekommen kann und vielleicht ist das der Grund warum er beschloss, dir deinen Sohn ganz weg zunehmen."
"... Er hat ihn vergiftet... In meinem eigenen Haus... Als mich..."
"Ja, so sieht es wohl aus... Wir haben keine Spuren von einem Kampf gefunden und auch keine Spuren an der Tasse."
"Weißt du was das heißt, Albus?... Mein Sohn starb in dem Glauben, dass sein Vater ihn getötet hat..."
"Ja... ich weiß..." sprach Dumbledore mit sanfter Stimme, den Blick auf seinen jungen Freund geheftet.
"Wie grausam muss jemand sein um solche Taten zu verbringen? Wie kalt muss man sein, um einen 17jährigen unschuldigen Jungen im eigenen Haus von einem Mann töten zu lassen, der sich als sein eigener Vater ausgibt? Wie böse verdammt noch mal muss diese Person sein?!"
Michael's Stimme war mit der Zeit lauter geworden und in seinem Gesicht erkannte man die unendliche Wut auf diese eine Person. Dumbledore legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, aber in diesem Moment wäre jede Rechtfertigung oder Versuch die Person zu verteidigen fehl am Platz gewesen. Bei dem verzweifelten Versuch nicht laut aufzuschreien und den Mann zu verfluchen, sah Michael seinen Vater, wie er zu ihnen in den Garten herausschritt. Harold Potter, der Zaubereiminister, der Mann, der über allem anderen stand, der Erlasse absegnete, der so mächtig war, dass man ihn fürchtete... auch er hatte seinen eigenen Enkel nicht beschützen können.
"Dad..." sagte Michael kalt, als Harold sich zu ihnen dazustellte.
"Junge... Albus."
"Entschuldigt mich," sagte James Vater und schritt von den beiden Freunden weg wieder ins Haus zurück. Diese Geste brachte Harold dazu niedergeschlagen seinen Kopf zu schütteln und zu seufzen.
"Woher hat er diese Sturrheit, Albus? Wieso kann er nicht vergeben und vergessen?"
"Er kann es, Harold... Du musst ihm nur Zeit geben. In diesen Tagen fällt es ihm schwer die Vergangenheit ruhen zu lassen."
Wieder im Haus zurückgekommen saßen Anna und Sirius mittlerweile vor James Sarg auf den kalten Marmorstufen. Sirius war in sich eingesunken, hatte den Kopf hinter seinen Knien versteckt und sich nicht bewegt, während Anna ihre Hände um seine Schultern geschlungen hatte, um ihn fest an sich zu drücken. Ihm einfach nur zu zeigen, dass er nicht allein war, auch wenn sie nichts sprach und Stille herrschte. Doch als sie die Blicke spürte, die auf sie gerichtet waren, sah sie zwangweise von ihm weg. Sie sah Mr. Potter, der am Eingang stand und sie einen Augenblick lang angesehen hatte. Dann drehte er sich um und ging wieder weg. Es war eine einzige Sekunde in der sie entschied ihm doch zufolgen. Sanft drückte sie Sirius einen Kuss auf die Schulter.
"Ich komm gleich wieder," flüsterte sie ihm leise ins Ohr bevor sie schließlich aufstand und hinaus lief. Die Haustür stand weit offen und sie vermutete, dass er vielleicht etwas frische Luft schnappen wollte. Sie ging ihm nach draußen nach und tatsächlich sah sie ihn da stehen, wie er einfach nur den Himmel anstarrte, die Hände hatte er in den Taschen vergraben, wie sein Sohn. Michael und James waren sich in so vielen so ähnlich... Nicht nur im Aussehen, nein, in ihrer ganzen Art, in ihrem ganzen Charakter.
"Mr. Potter?!" fragte sie vorsichtig, blieb aber auf Abstand. Sie wusste nicht wie er auf sie reagierte, in diesem Moment spürte sie kaum etwas. Vielleicht hatte er wieder versucht, sie aus sich rauszuhalten, so dass sie ihn nicht spüren konnte.
"Anna," sagte dieser in dem selben kalten Tonfall wie er vorhin seinen Vater begrüßt hatte. Es tat weh, dass er ihr noch immer böse zu sein schien. Trotzdem ging sie die Schritte näher zu ihm heran.
"Mr. Potter. Ich hatte keine Zeit mit ihnen zu sprechen... nach dem Vorfall an Weihnachten."
"... Keine Zeit..."
"Ich..."
Früher hatte sie mit ihm über alles sprechen können, ganz gleich was es war. Ob es etwas schönes war, was sie erlebt hatte, ob es einfach nur etwas war, was ihr plötzlich auffiel... einfach alles... In diesem Moment konnte sie nichts wirkliches mehr mit ihm reden. Sie fürchtete sich vor jedem neuen Wort und ganz egal wie sehr sie sich anstrengte, wie sehr sie versuchte ihn zu verstehen... Sie konnte nichts spüren.
"Ich... Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe... und dass ich sie enttäuscht habe."
"Ich-"
"Michael," ertönte Marcel Stone's Stimme vom Haus aus. Beide hatten sich zu
ihm umgedreht als er sie hereinwinkte.
"Der Priester ist da... Ich denke wir sollten mit der Trauerfeier beginnen."
Michael nickte stumm. Bevor er zurück ins Haus schritt warf er Anna einen Blick zu, auch dieser war noch immer undefinierbar und merkwürdig. Dann ging er wortlos an ihr vorbei und sie hatte alles verstanden... Traurig schüttelte Anna ihren Kopf als ihr klar wurde, dass er ihr niemals verzeihen würde... Wie hatte sie jeh von ihm erwarten können, dass er Verständnis für ihre Situation aufbrachte? Sie hatte ein Versprechen gebrochen und ihn Jahrelang belogen... Es gab wohl nichts, was eine solche Tat entschuldigen konnte.
"Wir haben uns alle heute hier versammelt, um uns von einem lieben Menschen zu verarbschieden," begann der Priester zu sprechen. Er stand am Altar vor dem Grab vor all den Gästen. Anna saß mit Sirius vorne bei Mrs. Und Mr. Potter, direkt hinter ihnen saßen auch Lilli, Remus und Peter. Dumbledore stand beim Priester vorne und hunderte von anderen Zauberern und Hexen saßen oder standen auch noch in der Halle. Die einen kannte Anna, die anderen waren ihr wiederrum völlig fremd. Sie
bezweifelte, dass sie alle ernsthaft James Tot betrauerte, als dass sie einfach nur anwesend sein wollten, um Mr. Potter zu zeigen, was sie
bereit waren für das Ministerium zu tun.
"James Potter, der einzige Sohn von Michael und Maria Potter, zwei Menschen, die schon genug Leid erfahren mussten. Am Ende wurde ihnen auch noch der Sohn genommen. Doch so grausam wie es klingen mag, so sind wir doch frohen Mutes, dass er in eine bessere Welt übergegangen ist. Eine Welt in der..."
Und Anna hatte aufgehört ihm zuzuhören. Sie wandte ihren Blick zu Sirius, der ausdruckslos da saß, außer Stande etwas tun zu können oder irgendwie zu fühlen. In diesem Moment, so sehr sie es vorher auch ignoriert hatte, versuchte sie seine Gefühle zu ertasten. Sie wollte wissen was in ihm vorging, was sein Herz fühlte... Nichts... absolute leere. Sie blinzelte verwirrt... Fühlte er wirklich gar nichts? Nur leere? Einfach ein tiefes Loch? Das passte nicht zu ihm. Sanft strich sie über seinen Handrücken und Sirius drückte ihre Hand zurück. Er hatte versucht zu lächeln, um ihretwillen, um ihr zu zeigen, dass er sehr wohl stark sein konnte, aber es war ein trauriges Lächeln... als ob er schon alles verloren hätte. Vielleicht stimmte das auch. James war für Sirius oft alles gewesen. Nicht nur ein bester Freund, nicht nur ein Bruder... ihre Freundschaft ging weit über das hinaus. Sie stützten sich gegenseitig, sie halfen einander, vielleicht lebten sie auch füreinander. Wer wusste das schon? Niemand würde ihre Freundschaft jemals wirklich verstehen... nicht mal sie selbst... Immer wenn sie dachte, dass sie einen von beiden durchschaut hätte, passiert wieder irgendetwas, das sie total verwirrte und überraschte. Sie hatte beide immer gleich gern gemocht... immer gleich viel geschätzt... nun fehlte ein
Teil dieses Duetts und es war nicht fair, dass es so kommen musste. Es war einfach nicht fair...
Und dann passierte es... Stone lief schnellen Schrittes auf Michael zu. Anna konnte sehen wie er ihm etwas ins Ohr flüsterte und sich Michael's Miene darauf grimmig verzog.
"Er wagt es!" raunzte Michael ohne darauf zu achten, wie laut er das ausgesprochen hatte. Allemans Blicke waren auf ihn gerichtet. Verständnislos oder auch verwirrt über seine Aussage. Er war aufgestanden und hinausgestürmt. Stone wandte sich an Dumbledore, der in der Nähe stand und schien es auch ihm mitzuteilen. Anna konnte sehen wie ihr Urgroßvater lediglich verstehend nickte, bevor er Michael folgte. Harold Potter schien einigen seiner Auroren Zeichen zu geben, bevor er mit einigen anderen Auroren den beiden nach draußen folgte. Aufruhr herrschte mittlerweile und wildes Getuschel ging umher. Selbst der Priester hatte aufgehört zu sprechen.
"Was ist da los?!" fragte Remus nach vorne zu Sirius und Anna, die sich zu ihm, Lilli, Diana und Peter umgedreht hatten und ahnungslos die Schulter zuckten. Mrs. Potter war auch schon weg gewesen und schien sich den Männern anzuschließen, die nach draußen gerannt waren.
"Todesser!!" schrie einer der Gäste schließlich auf. Die Freunde wussten nicht woher der Schrei kam, denn kurz darauf rannten alle panisch hin und her. Die einen rannten eilig hinaus, die anderen rannten irgendwo anders hin. Man sah grüne Blitze schießen. Der Todesfluch... Zauberer und Hexen, die davon getroffen zu Boden fielen.
"W-Was ist da los?" quieckte Peter verängstigt und hatte immer mal wieder verängstigt hinausgespitzelt. Bei dem ganzen Gedränge sah man jedoch kaum etwas.
"Anna, Sirius!" rief Mrs. Potter, die sich einen Weg zu den Teenagern erkämpfen musste.
"Bringt euch in Sicherheit, schnell."
"Mrs. Potter? Was ist passiert?" fragte Anna verängstigt. Diese Panik war auch in ihr hochgekrochen und sie machte sich Sorgen.
"Sind es Todesser?"
"So wie's aussieht ja. Sie haben gerade ein Dorf direkt in der Nähe des Potteranwesens überfallen und sind noch dabei alles in Schutt und Asche zu legen. Wir müssen verhindern dass sie die Dajorcas in die Fänge bekommen. Außerdem haben sich einige hier Zutritt verschafft wie es aussieht. Bleibt hier drin, verstanden? Ich werde die Tür mit einem Zauber verschließen, damit ihr in Sicherheit bleibt."
Sie drückte noch mal kurz Sirius und Anna's Schulter bevor sie sie zuversichtlich anlächelte und dann wieder raus rannte. Es dauerte kaum ein paar Sekunden mehr, da hatte sich die Tür zum Raum der Trauerfeier geschlossen. Das Knacksen des Schlosses, das versperrt wurde, war zu hören. Schreie ertönten weiter von außen, der Lärm von zerbrochenen Möbeln und zersplitternden Vasen dröhnten herein, Körper, die gegen die Türe gestoßen wurden...
Es war alles so schnell passiert und keiner von ihnen richtig mitbekommen hatte was hier eigentlich passiert war...
"Todesser?" quieckte Peter verängstigt. Diana hatte sich fester an Remus gedrückt während alle anderen sich gegenseitig verunsichert ansahen.
"Ich versteh das nicht," sagte Sirius wütend.
"Prongs ist doch schon tot. Was wollen sie denn noch?"
Anna und Lilli blickten gleichzeitig zum Sarg rüber und was beide spürten war erschreckend... Ein Herzschlag... sie hörten es ganz deutlich wie es schlug... wie James Herz schlug...Sie fühlten es als wäre es direkt neben ihnen... Es war Anna, die vorsichtig darauf zu schritt. Das ganze war so merkwürdig gewesen... Vorher hatte sie nie großen Wert darauf gelegt und sich nicht weiter darüber Gedanken gemacht, aber jetzt fiel es ihr irgendwie auf... James Tot, der nicht hätte sein müssen. Wieso sollte Voldemort den Träger seiner unendlichen Macht vernichten und damit das zerstören, wonach er all die Jahre gierte? Es sei denn James wäre nicht wirklich tot...
"Anna?!" fragte Sirius besorgt, doch sie hörte nicht auf ihn. Sie ging auf den Sarg zu und je näher sie kam umso klarer wurde es... Sie spürte nicht nur bei James nichts... Sie hatte auch vorher nichts bei Dumbledore, bei Mr. Potter oder all den anderen gefühlt. Kaum, dass sie ins Haus gekommen war schien es, als ob ihre Emphatie verschwunden war. War es Absicht gewesen? Sie erinnerte sich daran wie schlimm es ihr vor dem Quidditchspiel damals ging. Nachdem Melissa gegangen war, nachdem sie Remus auf die Wange geküsst hatte... Remus auf die Wange geküsst hatte...Ihr war es danach schlecht gegangen... Sie erinnerte sich jetzt wieder daran, an Melissa's Abschied, an ihren Augen... als sie Remus küsste, da hatte sie nicht ihn angesehen... sie hatte sie angesehen.
'Mum? Mum was tust du da? Muuuuuuuuuuuuum... Muuuuuuum...'
Schreie. Lauter als sie von draußen herein dröhnten, erklangen in ihren Gedanken wieder und hatten sie vollständig für sich eingenommen. Sie hatte es doch schon fast vergessen... wieso musste es jetzt wieder zurückkommen?
'Bist du verrückt!' schrie Han und seine Stimme hallte in ihr wieder wie ein Echo.
'Du wirst sie noch umbringen!'
'Ich versuche deinen Vater zu retten, Han also verschwinde!'
'Du wirst sie noch töten, Inga. Anna ist noch ein Kind!'
'Entweder sie oder dein Vater! Ich werde deinen Vater nicht opfern.'
'Ich werde nicht zulassen, dass du deine eigene Tochter umbringst! Sie ist auch meine Schwester!'
'Geh mir aus dem Weg, du Narr! Dein Vater stirbt.'
'Dann soll der reudige Hund doch sterben. Er hat es nicht besser verdient.'
'Wage es nicht so von deinem Vater zu sprechen.'
'Lass Anna in Ruhe!'
'Nein!'
'Anna, lauf weg.'
'Han, Han! HAN!'
Anna stoppte mitten beim Gang. Ihre Knie wurden weich und sie gaben unter dem Balast nach. Alles um sie herum begann sich zu drehen und sie schwankte. Jeden Augenblick würde sie fallen, schwäche brachte über ihr Herz hinein.
"Anna!" Sirius hatte seine Hand um sie gelegt und vor dem Niederfall gestützt. Sie atmete ruckartig, zu schnell, ihr Herz begann zu sausen. Sie hörte wieder James Herzschlag, lauter denn jeh dröhnte es in sie hinein.
"An, was ist los?!" fragte Sirius besorgt und versuchte Blickkontakt zu suchen.
"An?"
"Harpax Osculi..." sagte sie mit zitternder Stimme.
"Was?!" fragte Sirius noch mal. Lilli war mittlerweile mit Diana, Remus und Peter zu ihnen hergekommen um ihm zu helfen sie zu stützen. Sie wurde leichenblass im Gesicht, denn jegliche Farbe schien sich aus ihrer Miene verabschiedet zu haben, als ob sie kurz vor der Ohnmacht stehen würde.
"Harpax Osculi... Ein Fluch der dunklen Künste. Als Melissa damals Remus geküsst hatte... da hatte sie mich angesehen... sie hat meine Kraft geraubt und sie Remus gegeben. Deswegen war er so hyperaktiv und aggressiv an dem Abend als Werwolf. Meine Mutter hat diesen Zauber hergenommen... um meinen Vater am Leben zu halten... um meinen Bruder zu töten... Sie hat ihm alle Kraft genommen... er musste sterben damit mein Vater leben konnte... Sie wollte ursprünglich mich töten, aber er hat es nicht zugelassen... Melissa kannte diesen Zauber, da bin ich mir sicher. Sie hat ihn benutzt..."
"Anna? Worauf willst du hinaus?!" fragte Lilli vorsichtig, die nicht ganz mitkam. Den verwirrten Gesichtern der anderen zufolge, kam keiner von ihnen mit dem mit, was ihre Freundin ihnen sagen wollte.
"Es war alles geplant..."
"Was war geplant?!"
"Melissa sollte meine Emphatie außer Gefecht setzen, damit ich nach und nach die Gefühle des anderen nicht mehr ertasten und fühlen kann... Deswegen hab ich in der letzten Zeit immer seltener etwas fühlen können und die anderen spüren können... Ich konnte die Gefühle der Leute nicht mehr fühlen, die mich absichtlich aus ihren Gedanken rausgehalten haben... Denn wenn ich es weiterhin gespürrt hätte... dann wäre ich die einzige gewesen... die gewusst hätte..."
"Die was gewusst hätte?" fragte Sirius eindringlich.
"... Das James nicht wirklich tot ist..." beendete sie ihren Satz und blickte starr vor Schreck zum Sarg... Wie auch sie, wandten die Freunde ihren Blick auf den schwarzen Sarg rüber in der sie ihren toten Freund vermuteten...
"Er ist... Scheintot."
"Scheintot?!"
"Ja, Sirius... Ich kann spüren, dass er noch hier ist... Ich spüre es wieder... "
"I-Ich auch," sagte Lilli vorsichtig. "Ich kann sein Herz schlagen hören..."
"W-Wollt ihr damit sagen Prongs lebt?!"
"... Ja... Ja, ich denke schon..." sagte Anna schwach und blickte wieder zum Sarg hinter. Sie drückte sich von Sirius und Remus weg, die sie gehalten hatten, um weiter auf den Sarg zu zugehen. Sirius folgte ihr, aber Remus, Peter, Diana und Lilli hatten sich nicht vom Fleck gerührt. Zu groß war die Angst vor dem was sie sehen könnten oder was sie nicht sehen würden.
BAMM!
Alle zuckten zusammen als aufs neue ein Körper gegen die Tür krachte. Trotz allem hielt sie stand. Maria schien tatsächlich einen guten Zauber draufgelegt zu haben, der die Teenager vorerst vor jeglichem Eindringen schützen konnte.
Anna's Herz schlug nun noch heftiger. Fast schlug es schon lauter als das von James, doch sie musste sich zusammen reißen. Nun galts. Sie musste es einfach wissen und Sirius war bei ihr. Er hatte ihre Hand gehalten als sie auf den Sarg zugingen und sich aufs neue drüber beugten...
James lag noch immer leichenblass da. Er regte sich nicht, er atmete auch nicht. Vorsichtig streckte sie ihren Handrücken nach seiner Wange aus, doch als sie über die Backe strich zuckte sie erschrocken zurück. Er war noch immer eiskalt... er war tot... Wie war das möglich? Wieso spürte sie seinen Herzschlag? Und... es kam mehr... Jetzt war es nicht nur sein Herzschlag. Gefühle stürzten wieder auf sie ein ohne dass sie es verhindern konnte.
Angst von vielen Seiten, Angst von draußen, von den Auroren, die gegen die Todesser kämpften. Schmerzen, wenn sie getroffen wurden und eine Wunde erlitten, Schmerzen von ihren Freunden, Schmerzen von James... Er fühlte Schmerz, er wollte schreien. Er fühlte Angst, tiefe Verzweiflung, war verwirrt und er fühlte sich irgendwo verloren. Sie spürte Wut, die Wut der Todesser gegen die Auroren, fühlte die Finsternis in den Herzen von Voldemorts Dienern, die ein großes Loch in ihre Träger hineinfraßen. Zuvieles was alles was auf einmal auf sie einstürzte ohne dass sie es unter Kontrolle bringen konnte. Sie brach zusammen und sank in Sirius Armen zu Boden. Schreie, soviele Schreie in ihren Gedanken. Han! Sie selbst als Kind! James! Mr. Potter! Und noch so viele Fremde Stimmen, die sie niemanden zuordnen konnte.
"Hört auf! Hört auf, BITTE! Verschwindet, BITTE!" flehte Anna schreiend und hatte versucht mit ihren Händen ihre Ohren zuzuhalten. Nichts zu hören und damit vielleicht auch nichts zu spüren. Die Stimmen wurden immer lauter, drangen immer tiefer in sie hinein und sie wurden zu intensiv um sie zu ertragen...
"Anna..." rief Sirius während er sie so fest er konnte an sich drückte und versuchte ihr beruhigend mit den Händen durch die Haare zu streicheln. Sie sah aus als ob jemand sie mit einem Messer bedrohen würde, als ob ihr weh getan wurde und er musste tatenlos mitansehen wie es geschah.
"Anna... Du schaffst das. Du hast es schon mal geschafft. Du bist stark, An... Jag sie aus deinen Gedanken raus... Komm schon, An..."
Und dann plötzlich... so wie Anna auf James Sarg blickte, auf das tiefe, dunkle Schwarz, dass wie ein riesiges Loch erschien, da konnte sie eine Stimme genau raushören...
'Ich kann es nicht... Ich kann das nicht... ich kann es ihnen nicht antun... Ich kann es nicht tun... Sie werden mich hassen, wenn ich es tue... Remus wird mich hassen...'
"Diana..." flüsterte Anna unglaubig. Ihre Stimme war leise, aber nicht leise genug. Alle hatten es gehört, Diana hatte es gehört und in ihren Augen sah Anna erst jetzt etwas, dass sie die ganzen letzten Tage schon trug, was ihr nie aufgefallen war...
Es war das traurige Glänzen, welches von jemanden getragen wurde, der seine Freunde nicht verraten wollte. Alles wurde leise... Der Kampf draußen schien seinem Ende entgegen zu gehen... Stille war für eine Sekunde zu hören und dann hämmerte es laut gegen die Tür. Flüche wurden dagegen geschossen in dem Versuch sie aufzubekommen, doch Marias Zauber hatte stand gehalten... noch...
"Es tut mir leid," sagte Diana bevor sie ruckartig ihren Zauberstab zog, ihn auf die Tür richtete und den Zauber von Maria aufhob.
"Enervate!"
"Nein!" schrie Sirius schockiert auf, doch es war zu spät. Die Tür wurde aufgestoßen und Todesser um Todesser stürmten herein. Einer nach dem anderen bis sie einen Kreis um die Teenager und den Sarg gebildet hatten. Es waren mindestens 30 Zauberstäbe, die nun auf sie zielten und sie binnen weniger Sekunden entwaffnet hatten. Lilli, Remus, Peter, Sirius und Anna's Zauberstab wurde ihnen förmlich durch den Entwaffungsfluch aus dem Griff gerissen und weggeschleudert. Ein Kampf war nun nicht mehr möglich...
"Was hast du getan..." fragte Remus unfassbar, seinen Blick auf Diana geheftet, dessen Augen mehr als nur Kummer und Verzweiflung aussagten... Anna hatte ihre Gefühle gespürt und obwohl sie das volle Recht gehabt hätte um sich zuschlagen und das Mädchen anzufauchen... tat sie es nicht... Sie hatte Diana's Angst gespürt und diese war so riesig, dass Anna glaubte gleich selbst daran zerbrechen zu müssen.
Das Leid, dass sie eben noch von Diana spürte war mit einem Mal gegangen und machte einer eisigen Kälte Platz. Einer grausamen Leere, wie sie nur von einer Person kommen konnte... Voldemort.
Seiner Diener öffneten den Kreis, um ihren Herrn durchzulassen, der ohne einen Zauberstab in seiner Hand auf die Freunde zuging... oder besser... auf Anna zuging. Er blieb vor ihr stehen und hatte sie mit seinen fürchtenden roten Augen angestarrt. Sie fühlte sich unwohl und doch starrte sie zurück. Sie starrte mit der größten Verachtung, die sie für einen Menschen aufbringen konnte zurück indem selben Versuch ihre Angst vor ihm zu verbergen. Sie wusste wie gut auch er die Gedanken und Gefühle des anderen spüren konnte und das machte die Sache nicht leichter ihn aus sich herauszudrängeln. Sie schaffte es... aus dem einfachen Grund, weil Sirius bei ihr war, weil er ihr durch das festhalten ihrer Hand, ihres Körpers, die nötige Kraft und den Willen dazu gab.
"So? Muss ich es also doch offen aussprechen, Anna White?!" zischte er in beißender Tonlage, die Lilli und Diana dazu veranlasste geschockt zurück zu zucken.
"Gut... wie du wünscht... Wie lange haben wir noch?!"
Mit dieser Frage hatte er sich an einen seiner Todesser gewandt, aber nicht an irgendeinen... Er hatte sich an Adam Kingcade gewandt. Anna kannte Melissa's Onkel noch... alles an ihm konnte einem Angst machen. Er mag nicht so autoritär wie Voldemort erscheinen, doch stand er seinem Meister in Thema Grausamkeit in nichts nach.
"Gangis hält Dumbledore und Potter noch im Dorf. Wir haben noch... genug Zeit..."
Kingcade hatte diesen Satz mit einer solchen Genugtuung ausgesprochen, dass Sirius sich zusammen reißen musste, um ihm für diese Aussage nicht eine runter zu hauen. Er mochte den Kerl nicht... erst Recht nicht, wenn er daran dachte zu was er alles fähig war, was er alles mit seinen Freunden gemacht hatte und in was er Melissa verwandelt hatte... in ein Monster... in seinesgleichen.
"Gut!" sagte Voldemort zufrieden. "Gut, gut, gut. Dann kann ich Mr. Potter ja wiederbeleben... das, was hier doch jeder schon die ganze Zeit möchte... nicht wahr?!"
Er war näher zu ihnen herangeschritten während die Freunde von Angst erfüllt näher zusammen rückten... Alle bis auf Diana, die außen vor stehen blieb und schämend den Boden anstarrte, ihr Zauberstab war noch in ihren Händen. Sie hatten sie nicht entwaffent, vielleicht, weil sie sie nicht als Gefahr empfanden.
"Gibt nur ein Problem dabei... Um den jungen Potter wiederzubeleben... muss ich jemanden opfern... Wie ich sehe, habe ich genug Opfergaben zur Auswahl... Zu dumm, dass es das Blut einer bestimmten Person bedarf, um ihn zu wecken... Danach habe ich alles was ich brauche... Ich habe beide Potterkinder, ich habe die BlackHearts... DarkBreath gehört so gut wie mir."
Und er hatte Recht... erschreckenderweise hatte er mit dieser Aussage Recht. Wenn nicht noch ein Wunder geschah, dann würde dies ihr Ende bedeuten. Die Frage war nur, wen Voldemort hier opfern wollte um James zurückzuholen?
