Kapitel 52: Der Schock

Währenddessen stand auch das Treffen zwischen Seamus und Blaise an. Der dunkelhaarige Slytherin stopfte noch schnell die letzte Ecke seines Toasts in seinen Mund, würgte es mit ebenfalls dem letzten Schluck seines Kürbissaftes herunter und stand dann hastig vom Tisch auf, worauf skeptische Blicke der anderen Slytherins folgten, Blaise diese aber ignorierte.

Er wollte sich dringend wieder mit Seamus vertragen, zwar wusste er nicht, ob er wirklich etwas für den Iren empfand, doch hatte er gemerkt, dass die letzten Worte Seamus' ihn wirklich verletzt hatten.

Er fing noch einmal Harrys mittlerweile völlig verwirrten Blick auf, bevor er aus der Großen Halle stürzte und sich auf zum See machte. Aus einem unerfindlichen Grund war er ziemlich nervös, sah sich zu allen Richtungen um, bis er bereits jemand anderen Dunkelhaarigen am See sitzen saß.

Teils stieg Erleichterung, teils Angst in ihm auf. Da Seamus ihn nicht zu bemerken schien, räusperte er sich kurz. Doch der Ire reagierte noch immer nicht. Schließlich trat Blaise auch die letzten Schritte nach vorne und ließ sich vorsichtig neben Blaise in die Wiese sinken.

„Danke, dass du überhaupt gekommen bist...", begann Blaise, unsicher darüber, was er überhaupt sagen sollte. Es kam ihm vor als hätte er alles, was er zu sagen geplant hatte, innerhalb von Sekunden vergessen.

Seamus blickte nur starr auf die Seeoberfläche, seine Augen hatte er zu schmalen, nachdenklichen Schlitzen verformt.

„Ähm...bist du noch sehr sauer?", versuchte Blaise es erneut und hätte sich im nächsten Moment am liebsten mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen. Natürlich war Seamus noch sauer.

Seamus atmete tief durch, bevor er Blaise, der ihn von der Seite ansah, endlich zurück in die Augen blickte, dabei aber noch immer zornig zu sein schien: „Sauer?"

Blaise verzog sein Gesicht, als hätte ihn tatsächlich gerade jemand geschlagen. Er zögerte noch eine Weile, bevor er den Blick senkte und entschuldigend nickte, was für seinen Charakter eigentlich ziemlich untypisch war und er selbst nicht wusste, warum ihm Seamus nicht einfach egal war.

„Verdammt, Blaise...", begann der Gryffindor dann, sah zurück in Richtung See und senkte den Blick dann ebenfalls, „...ich war nie sauer...eher enttäuscht."

Blaise legte seine Stirn in Falten, während Seamus Worte ihn wirklich trafen und er vorsichtig wieder aufsah: „Ich weiß, dass das gestern Abend schwachsinnig war. Es ist ja auch nichts passiert. Ich habe schon mit Draco darüber geredet. Er war eifersüchtig auf dich, deswegen hatte er mitmachen wollen..."

„Eifersüchtig?", nun erwiderte auch Seamus den Blick wieder und sah in Blaise kastanienbraune Augen. „Äh...ja, er dachte, ich würde dich irgendwann lieber mögen als dich...", stotterte Blaise unsicher.

Nun lachte Seamus doch leise auf: „Aber er hat doch Harry..."

„Er hatte als besten Freund gemeint."

Seamus nickte verstehend.

Eine Weile herrschte Stille, während Seamus einen Stein hob und ihn betrachtete, als wäre er das Interessanteste der Welt. Schließlich fragte er, ohne von dem grauen Stein wegzublicken: „Und ist es so?"

Blaise zuckte mit den Schultern: „Na ja, Draco wird wohl mein bester Freund bleiben."

Seamus seufzte auf, wollte gerade aufstehen, als Blaise schon fortfuhr: „Er hatte also keinen Grund auf diese Sache eifersüchtig zu sein....wenn es um die Sache des besten Freundes geht...doch wenn es um lieber haben geht...auf eine ganz bestimmte Art und Weise...könnte er, hätte er nicht Harry...schon eifersüchtig sein!"

Blaise grinste, versuchte es sich zwar zu verkneifen, doch war es offensichtlich, während er nun auch versuchte, die Oberfläche des Sees erneut anzufixieren. Er spürte Seamus Blick auf sich, wusste jedoch nicht, was er tun oder weiterhin sagen sollte.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Blaise sich doch überwand und ebenfalls zur Seite blickte und somit in Seamus geweiteten Augen sehen konnte, wobei dessen Mund ebenfalls leicht geöffnet war, das Entsetzten und die Ungläubigkeit ihm nur so im Gesicht geschrieben standen.

„Was?", Blaise lachte leise auf, mehr unsicher als dass er sich wirklich über den Gryffindor lustig machen sollte.

Seamus schloss seinen Mund nun wieder, runzelte seine Stirn kurz ungläubig, bevor er erwiderte: „Meinst du damit jetzt das, was ich denke?"

Blaise zuckte mit den Schultern, versuchte unberührt zu bleiben, obwohl er sich schlecht fühlte, nicht sicher war, ob er etwas komplett Falsches gesagt hatte und die Freundschaft somit vollkommen zerstört hatte. Sein Blick wanderte zurück über den See.

Schon wieder herrschte Stille, während Blaise den Blick des anderen noch immer auf sich spürte, Seamus aus seinem Blickwinkel sehen konnte.

„Du sagtest du hättest Draco wegen Harry nicht geküsst...", begann Seamus schließlich leise, „...was war der wahre Grund?"

Blaise schüttelte ungläubig seinen Kopf: „Bist du so schwer vom Begriff? Hab' ich das nicht eben schon gesagt? Was erwartest du? Ich bin ein Slytherin, nicht gerade einer der Gefühlsmenschen..."

Nun nickte Seamus nur noch und schüttelte gleich daraufhin ungläubig den Kopf: „Wenn es um Draco ging, schien mir das aber nicht der Fall zu sein..." „Ja, rate mal...wie ich mich ihm direkt gegenüber benommen habe! Außerdem könntest du Draco endlich mal aus alledem raushalten, das versuche ich schließlich auch!", sagte Blaise nun leicht verärgert.

Schon wieder saßen sie eine Weile schweigend da, während wieder beide auf den See blickten, der nun kleine Wellen schlug, die man nur bemerkte, wenn man die Wasseroberfläche genauer betrachtete.

„Und du bist sicher...dass ich nicht nur irgendein Draco-Ersatz bin?", fragte Seamus schließlich vorsichtig.

Blaise holte stark Luft, bevor er sich Seamus wieder zuwandte und gerade zu lauten Worten ansetzten wollte, als Seamus schon eine abtuende Geste machte und ein: „Schon okay...tut mir Leid...", murmelte.

Blaise sah ihn skeptisch an, bevor er seinen Mund wieder schloss, kurz kaum merklich nickte und Seamus dann nur noch schweigend in die Augen blickte.

Der Ire erwiderte den Blick und sie saßen eine ganze Weile so da, bis Blaise sich irgendwann wie automatisch vorzubeugen begann und seine Augen bereits nach wenigen Zentimetern zu schließen anfing, Seamus nur noch durch leicht geöffnete Augen betrachtete.

Er neigte seinen Kopf leicht zur Rechten, während Seamus das selbe zu Blaises Linken tat, der Slytherin dem Iren abwechselnd auf die Lippen und wieder in die Augen blickte.

Ihre Nasenspitzen berührten sich bereits, ihre Augen waren fast komplett geschlossen, ihre Lippen waren kurz davor, sich zaghaft zu berühren, als ein wutentbrannter Draco angestürmt kam und seinen Zwillingsbruder vor sich heran schob, laut Blaises Namen rief.

Der dunkelhaarige Slytherin seufzte auf, bevor er seinen Kopf wieder zurücknahm, Seamus unsicher anlächelte und sich dann zu Draco umdrehte. In diesem Moment hätte er seinem besten Freund am liebsten einen Fluch auf den Hals gejagt.

Draco schien zwar gemerkt zu haben, wobei er gerade gestört hatte, dachte jedoch in jenem Moment an ganz andere dinge und nahm somit auf niemanden mehr Rücksicht. Als er fast ganz bei den beiden Dunkelhaarigen angekommen war, schubste er Apus unsanft zu Boden und stellte sich aufrecht neben ihn.

„Der...", Draco atmete schwer ein und aus, „...der hat das dunkle Mal!"

Blaise und Seamus warfen sich kurz verwirrte Blicke zu, bevor sie abwechselnd zu Draco und wieder zu Apus blickten.

„Aber er ist ein Ravenclaw!", sagte Seamus schließlich.

„Ja, außerdem...", begann Blaise.

„Was außerdem?", zischte Draco zurück, „Der ist bestimmt einer von denen...ich mochte ihn von Anfang an nicht..."

„Und was sagt ‚der' dazu?", fragte Blaise nun und sah zu Apus herüber, welcher sich langsam wieder aufzurichten versuchte.

„Nichts! Er beantwortet keine meiner Fragen!", erwiderte Draco laut.

Seamus schien überhaupt nichts mehr zu verstehen, starrte nur auf den am Boden liegenden Apus.

„Vielleicht hat er ja Angst!", versuchte der Ire es schließlich leise, „Wäre zumindest kein Wunder...so wie du ihn behandelst!"

„Angst?", spottete Draco und lachte kurz ungläubig auf, während er Apus mit seinem Fuß zurück zu Boden drückte, „Der hat Dinge zu mir gesagt...oben in der Eulerei...die würdet ihr nie glauben!"

„Was denn zum Beispiel?", fragte Blaise nun ruhig und machte eine Geste, die Draco bedeuten sollte, dessen Fuß von dem anderen Blonden zu nehmen, was dieser somit tatsächlich tat.

„Er sagte, Harry würde eh bald sterben und so oder so nichts für mich fühlen...lauter solche Dinge eben!"

Seamus Augen weiteten sich, während er erneut kurze Blicke mit Blaise austauschte.

„Draco, du weißt, dass das nicht wahr ist...", war das erste der größere Slytherin erwiderte, bevor er zu dem eigentlichen Thema überging, „...mir kam er seit dem vorgetäuschten Stumm sein aber auch merkwürdig vor..."

„Ihr habt ja keine Ahnung...", ächzte Apus schließlich und wollte erneut aufstehen.

„Woher auch?", Seamus lachte hohl auf.

„Draco? Wir sollten ihn zu Dumbledore bringen. Mich wundert nur, dass niemand vorher gemerkt hat, dass er Todesesser ist!", dachte Blaise laut.

Draco schnaubte kurz, kratzte sich am Hinterkopf, bevor er laut erwiderte: „Klar! Ich habe von Dumbledore auch so ein Armband bekommen, das man über den Arm machen kann und somit das mal verdeckt und Voldemorts Kräfte nicht hindurch kommen können!"

„Er ist Todesesser?", fragte Seamus nun völlig durcheinander und blickte Blaise geschockt an, während er in Dracos Richtung nickte.

„Ein anderes Mal...", wehrte Blaise den Gryffindor ab.

„Kann ich vielleicht mal wieder gehen?", fragte Apus nun und wirkte dabei etwas nervös.

„Damit du wegrennen kannst?", Draco schüttelte schief grinsend den Kopf, „Garantiert nicht!"

„Ich geh Dumbledore holen!", entschied Blaise schließlich und wollte gerade aufstehen, als Seamus ihn zurückhielt: „Bleib lieber hier...ich mache das. Ich weiß das Passwort noch von letztens, da sollte ich Dumbledore etwas von Professor McGonagall bringen!"

Blaise zögerte einen Moment, bevor er nickte und sich wieder zurück ins Gras sinken ließ, während Seamus sich hastig auf den Weg machte.

„Ich muss jetzt wirklich gehen...", versuchte Apus erneut, während er begann sich mit seinen Händen abzustützen, Draco sich daraufhin aber neben ihn hockte und am Nacken zurück ins Gras drückte.

„Wohin so eilig, hehn?", fragte Blaise und betrachtete Apus abwertend.

„Das geht euch nichts an!", erwiderte Apus unruhig.

„Ist dir eigentlich mal aufgefallen, dass seine Haare jeden Tag anders aussahen?", fragte Blaise schließlich, während er den kurzhaarigen Blonden betrachtete.

„Habe ihn nie wirklich beachtet.", gab Draco monoton zurück, „Verdammt wo bleiben die?"

„Hey...das ist immerhin ein ganzes Stück bis zu seinem Büro..."

„Lass' mich gefälligst los...", schrie Apus nun schon fast und versuchte sich aus Dracos festen Griff zu befreien, während er immer unruhiger zu werden schien.

Draco sah Blaise fragend an, doch dieser schüttelte nur seinen Kopf, weshalb Dracos Apus nur noch fester zu Boden drückte, ihm keine Chance auf Flucht ermöglichen wollte.

Sie saßen noch eine ganze Weile so da, während Apus sich durchgehend zu befreien versuchte. Draco sah nun gerade aus und beobachtete Blaise, welcher bedrückt auf den See zu blicken schien.

„Tut mir Leid wegen vorhin...ich wollte euch wirklich nicht absichtlich stören...", murmelte Draco leise, woraufhin Blaise nur lächelnd den Kopf schüttelte: „Ist schon in Ordnung."

Erneut saßen sie schweigend an, bis Blaise Apus erneut ansehen wollte, da er sich plötzlich stärker als zuvor zu bewegen begann.

„Draco?", fragte Blaise unsicher und etwas ängstlich.

„Mh?", erwiderte Draco, der gerade völlig in Gedanken gewesen war, doch als er Blaises Panikerfülltes und skeptisches Gesicht sah, folgte er dessen Blick und sah auch auf Apus herab.

Nun begannen auch Dracos Augen sich zu weiten, während sein Mund sich kaum merklich öffnete und er augenblicklich erschrocken von Apus abließ.

Dieser machte keine Anstalten mehr, wegzulaufen, während ihm seine Kleidung zu kurz wurde und Haare ein ganzes Stück, ähnlich Dracos, wuchsen, seine Hände größer worden, man jedoch sein Gesicht nicht sehen konnte.

Blaise und Draco beobachteten das geschehen erschrocken, als Apus sich endlich wieder zu bewegen begann und erneut aufstehen wollte, Blaise jedoch augenblicklich reagierte und ihn zurück zu Boden drückte.

Draco bewegte sich jedoch kein Zentimeter mehr, traute seinen Augen nicht und atmete schwer ein und aus.

Blaise sah Dracos völlig ausdrucksloses Gesicht, bevor er Apus an der Schulter leicht drehte, so dass man dessen Gesicht sehen konnte.

Vereinzelte, blonde Strähnen fielen ihm ins Gesicht, wobei er eigentlich überhaupt nicht schlecht aussah. Er wirkte älter als Draco, sah ihm jedoch noch immer ziemlich ähnlich, hatte dieselben Haare, eine ähnliche Gesichtsform, war eben nur älter.

Noch hatte er seine Augen geschlossen, bevor er sie langsam öffnete und mit seinen königsblauen Augen erst zu Blaise blickte und dann auf die graublauen Dracos traf, welcher sich nun mit dem rechten Arm abstützte und von der Hocke auf seinen Hintern fiel, in dieser Lage rückwärts krabbelte und noch immer schwer atmete.

Blaise wusste nicht recht, was er tun sollte, blickte abwechselnd zu Draco und dem anderen Blonden, dessen Blicke wie magnetisiert aneinander klebten.

„Nein...", nuschelte Draco, bis er in einem gewissen Abstand mit dem Krabbeln aufhörte, „Nein...das ist unmöglich..."

Auch Blaise verstand erst jetzt, wer der Blonde womöglich sein konnte und blickte besorgt zu Draco herüber, durfte ‚Apus' vorerst auf keinen Fall loslassen.

In jenem Moment tauchten endlich Dumbledore und Seamus hinter einer der vielen Mauern auf, was Blaise nur dankbar begrüßte, während der neue Blonde, der eine auffällige Narbe dicht neben seinem linken Auge hatte, und Draco sich noch immer wie gefesselt anblickten.

Kaum erblickte der Schulleiter das Geschehen vom Entfernteren, begann er bereits schneller zu gehen, wobei Seamus unsicher neben ihm herstolperte.

„In Godrics Namen...", murmelte dieser schließlich und betrachtete den Neuen nun von Nahem, während Seamus Augen sich nun noch weiter als vorhin schon weiteten.

Draco und der andere Blonde, welcher seine Augen nur zu schmalen Schlitzen geformt hatte, sahen sich noch immer an, keiner von ihnen zwinkerte. Erst als Dumbledore sich ebenfalls neben den am Boden liegenden hockte und somit den Blickkontakt unterbrach, veränderte dieser seinen Gesichtsausdruck, sah aber noch immer ziemlich bedrohlich aus.

Blaise ließ endlich von dem Fremden ab, da Dumbledore genug Möglichkeiten haben würde, diesen zurückzuhalten, richtete sich hastig auf und schritt zu Draco herüber, welcher noch immer wie gebannt in diese Richtung starrte.

„Wie kann das sein?", nuschelte Draco wie in Trance.

„Vielsafttrank...", erwiderte Blaise.

„Das ist mir schon klar...", Draco wollte wütend klingen, doch stattdessen hörte er sich nur umso benommener an, „Mir kamen die Augen schon neulich so bekannt vor...aber wie kann er..."

„Deshalb immer die unterschiedlichen Haare, deshalb war er öfters nicht da und musste, wenn er da war, ziemlich oft schleunigst weg. Der Vielsafttrank hält schließlich nicht ewig. Seine haare hatte er sich wohl immer wieder neu schneiden oder zurecht zaubern müssen!", dachte Blaise laut, was wirklich eine Erklärung für all dies war.

„Das meine ich auch nicht...", nuschelte Draco und blickte noch immer gerade aus, wo Dumbledore wohl gerade versuchte mit dem Fremden zu kommunizieren, während Seamus ziemlich starr daneben stand.

„Avada-Kedavra...ich war doch dabei...ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Meine Mutter war auch dabei...das ist einfach unmöglich..."

„Draco, hör mal. Du hast mir nie genau erzählt, wer er war und was passiert ist. Das hast du seit unserer Freundschaft immer für dich behalten. Das einzige, was ich weiß ist, dass du mal einen Bruder hattest...ihn aber dann verloren hast...ich weiß nichts von einem Avada-Kedavra."

„Er hat die ganze Zeit gelebt...die ganzen Jahre, in denen ich meinen Vater für dessen Tod gehasst habe...mich selbst verantwortlich gefühlt habe. Er war es die ganze Zeit. Es gibt überhaupt keinen Apus...Mein ganzes Leben...zumindest der größte Teil...bestand aus Gedanken an ihn...dabei hat er die ganze Zeit gelebt...", stammelte Draco, immer noch wie in Trance, während Dumbledore und Seamus den Jungen zurück ins Schloss zu bringen schienen.

Blaise konnte einfach nichts erwidern, während Draco noch immer auf den Fleck starrte, an dem sein Bruder soeben noch gelegen hatte.

„Das kann nicht sein...in meinen Träumen hatte ich immer die schrecklichen Bilder im Kopf...ich habe immer wieder meinen Vater vor mir gesehen, wie er ihn umbrachte, meine Mutter, wie sie sich danach gehen ließ. Ich wollte mich schon als kleines Kind umbringen, um zu meinem Bruder zurückkommen zu können, dabei lebt er...er lebte die ganze Zeit..."

„Aber deine Mutter hat ihn doch hergebracht..."

„Das war nicht meine Mutter...wahrscheinlich nicht...", erwiderte Draco ohne eine Pause zwischen Blaises Gesagtem zu lassen.

Plötzlich lachte er sarkastisch auf: „Mein ganzes Leben war eine Lüge...ich wurde nur belogen..."

Blaise sah ihn mitfühlend an: „Dein Vater hat ihn womöglich tatsächlich irgendwo anders aufgezogen oder von jemand anderen erziehen lassen...ihn wahrscheinlich so lange gequält, bis er so geworden ist. Und jetzt, wo du deinen Plan nicht erfüllt hast, haben sie auf ihn zurückgegriffen, doch auch das scheiterte jetzt ja..."

„Ich...", Dracos Augen begannen glasig zu werden, „Er kann keiner von ihnen sein...er hat meinen Vater immer gehasst. Er hat ihn als Kind durchgehend angeschrieen, wollte nie einer von ihnen werden...ich habe hier mit Harry herumgeturtelt, während mein Bruder auf dem Schloss war...", er schluckte und senkte den Kopf, woraufhin Blaise eine Hand auf dessen Arm legte, „...was haben sie mit ihm gemacht...", es war nur noch der Hauch von Worten, „...er war nie böse gewesen..."

„Du kennst die Todesesser...selbst du kamst kälter wieder...nach gerade mal einer Woche...", erwiderte Blaise leise.

„Aber ich...ich habe...immer von ihm geträumt...ihm nachgetrauert, wollte mich wegen ihm umbringen, habe ihn immer gut in Erinnerung gehabt...er war der Einzige, der mir Hoffnung gegeben hatte, dabei ist er...das Ebenbild meines Vaters geworden..."

Blaise konnte nichts mehr sagen, hätte nicht gewusst was, weshalb er schwieg.

„Wie hat er das überlebt? Es war eindeutig ein Avada-Kedavra...", flüsterte er leise, bevor er mit einem Mal aufsprang, noch eine weile schwer atmete, bevor er auf den See zu rannte, einen Stein hob und ihn mit voller Kraft ins Wasser schmiss: „Das kann nicht sein, verdammt. DAS IST UNMÖGLICH."

Bei den letzten lauten Worten hatte Blaise seine Augen vor Schreck zusammen gekniffen, während Draco nun in eine Hocke überglitt und sein Gesicht in seinen Händen vergrub.

Blaise blieb noch eine Weile dort, wo er saß, bevor er sich aufrichtete und erschrocken umdrehte, als er Schritte hinter sich hörte.

Er verformte seine Augen zu Schlitzen, um die Person besser erkennen zu können, da die Sonne ihn blendete.

Doch als er die Gestalt schließlich erkannte, atmete er erleichtert auf: „Harry..."

Der Gryffindor nickte nur, während sein Gesicht sich mitfühlend verzogen hatte, bevor er zu dem am Seeufer hockenden Draco hinüberblickte.

Blaise sah ihn fragend an.

„Habe Seamus getroffen und aus dessen hastigen Worten verstanden, was passiert war...", Harry schluckte, kniff seine Lippen zusammen, da er im Gegensatz zu Blaise die ganze Geschichte mit Aquila kannte und auch Dracos Gefühle und Vergangenheit dazu.

Blaise erwiderte nichts weiter, nickte nur noch einmal, bevor er erst einige Schritte rückwärts stolperte und sich dann auf den Weg zurück zum Schloss machte.

Harry blieb noch eine Weile dort stehen, wo er sich gerade befand, bevor er in langsamen Schritten auf seinen Freund zuging und sich dann dicht neben ihn hockte, sah dass Draco mehr als nur ein wenig weinte, sein Gesicht tief hinter seinen Händen versteckt hatte.

Er sagte nichts, wusste, dass man in jenem Moment nichts sagen konnte, bevor er vorsichtig eine Hand auf Dracos Rücken legte, der Slytherin diese aber wieder abschüttelte.

Harry hob seine Hand erst, versuchte es dann aber erneut und erneut versuchte Draco Harrys Berührung abzuwehren, dieser sich aber nicht irritieren ließ und stattdessen einfach Dracos versuche ignorierte und seinen Arm nur weiter um Draco legte, ihn vorsichtig an sich drückte.

Es dauerte noch eine Weile, bis Draco es aufgab und sich dafür nur umso fester an den Gryffindor drückte, seine Hände endlich hob um sein Gesicht nun in Harrys Schulter zu vergraben und sich dafür zusätzlich an dessen Oberarmen festzukrallen.

Harry schloss seine Augen daraufhin und begann Draco vorsichtig und beruhigend übers Harr zu streichen, beließ es beim Schweigen, wusste, dass in diesem Moment nichts wichtiger als die Stille war.

Sie saßen unendlich lange so da, bis Draco langsam wieder ruhiger zu atmen begann, aber noch immer nicht fähig war, aufzusehen, einfach nur so in Harrys Armen bleiben wollte.

Harry spürte dies, und versuchte nun vom Hocken ins Sitzen zu bekommen, ohne Draco jedoch loszulassen. Dieser löste sich tatsächlich nicht, klammerte sich nur umso fester an den Dunkelhaarigen, ließ sich von Harry mit sanfter Gewalt ebenfalls zum Sitzen bringen.

Als Draco schließlich schon wieder ungleichmäßig und unruhiger zu atmen begann, fing Harry erneut an, Draco mit seinen Fingern Spuren über den Rücken zu ziehen, drückte dessen Kopf mit der anderen Hand währenddessen vorsichtig enger gegen seine Brust, bevor er sich kurz hinunterbeugte, Draco einen zurückhaltenden Kuss aufs helle Haar gab und dann leise zu flüstern begann.

„Es ist okay...alles ist okay...", er stockte kurz, merkte, dass Draco sich durch die sanften Worte wieder etwas zu beruhigen begann, „...ich bin da...Draco...", er merkte, wie nun sogar in ihm Tränen aufstiegen, bevor er die letzten Worte nur umso leiser aussprach, „...ich liebe dich..."

TBC

A/N: Danke an alle, die zum letzten Chapter gereviewt haben. Habe mich unheimlich gefreut. Muss jetzt leider Wirtschaft lernen. Nicht böse sein. Bin froh, dass ich überhaupt noch ein Kapitel geschafft habe. DANKE ‚lieb guck'