52.

Die Leute tuschelten. Es sollte ihr egal sein. Doch das war es nicht.

"-er schläft seit einigen Tagen in seinem Arbeitszimmer."

"Tut er das?"

"Ja." Ein Raunen. "Es ist nun mal nicht alles Gold was glänzt."

"Ich habe gehört er habe sie aus Lord Vaders Klauen befreit." Ein Flüstern.

"Sollte sie dann nicht glücklich sein wieder mit ihrer Familie zusammen zu sein?"

Ja, solltest du nicht glücklich sein?

"Ich glaube ja das sie ihn betrügt."

"Psst, nicht so laut."

"Wen würdest so vorziehen, den General oder Kaikoa?" Padmé wartete nicht auf die Antwort sondern fiel zurück in die Schatten und ging dann den Weg den sie gekommen war. An Essen war nicht mehr zu denken.

Eine Woche die Obi-Wan bereits in seinem Arbeitszimmer schlief. Es war nicht so das er sie ignorierte. Nein, er hatte sich sogar für sein 'unangemessenes Verhalten' entschuldigt, doch am Abend hatte sie allein auf der Schlafcouch gesessen und vergeblich auf ihn gewartet, bis sie verstand: Er würde nicht kommen.

Natürlich nicht. Warum auch? Gab sie ihm einen Grund zurück zu kommen?

Nach wie vor mied sie jeden Kontakt. Redete kaum mit ihm. Ließ sich nicht helfen aus Angst das er die Wahrheit entdecken würde. Sie forderte Zeit und Raum für sich, er gab es ihr. Was sonst sollte er tun?

"Du bist eine faszinierende Frau, Padmé." sagte ihr Gegenüber gerade.

"Ich bin vor allem eine vergebene Frau, Kaikoa."

"Hmm, wirklich? Beinahe hättest du mich getäuscht."

"Wie meinst du das?"

"Nun, selbst wenn man nichts auf den Tratsch der Basis gibt, ist es doch recht aussagekräftig wie ihr miteinander umgeht."

"Wie gehen wir denn miteinander um?" Padmé sah hinfort, tat so als wäre dieses Thema nicht schmerzhaft. Ihre Finger zupften an ihrem Rock.

"Nicht wie ein liebendes Paar." erklärte er und beugte sich etwas näher, als wolle er über ihre Schulter sehen, als wolle er ihr ins Ohr flüstern.

Zu nah, dachte sie und drehte sich von ihm weg.

"Ich würde dich auf Händen tragen. Ich würde nicht zulassen das ein Anderer dir schöne Augen macht."

Padmé dachte unerklärlicher weise an Anakin, Rush Clovis, Palo. Jeder dieser Männer hatte auf seine Art etwas in dieser Art zu ihr gesagt.

Padmé lachte lauthals und schüttelte den Kopf. Kaikoa sah sie an, seine Stirn in Falten gelegt. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Wahrscheinlich hatte noch nie eine Frau auf diese Art auf eine seiner Offerten reagiert.

"Das ist deine Vorstellung von Liebe? Eine Frau einengen und sie auf ein Podest stellen?" Padmé stand auf, die überreife Sommerfrucht in der Hand. "Ich wusste immer was ich will. Selbst als ich dieser Art Liebe verfallen bin, wusste ich das es nicht das ist was ich verdient habe."

Kaikoa war aufgestanden und machte einen Schritt auf sie zu. Sagte ihren Namen, doch sie baute sich zu ihrer ganzen Größe auf und stoppte ihn mit ihrer erhobenen Hand.

"Ich bin kein kleines Mädchen mehr, Kaikoa. Ich lasse mich nicht von schönen Worten verführen."

Es braucht mehr als das.

Damit ließ sie ihn erstaunt stehen und ging ihrer Wege.

Doch was lang nach dieser Begegnung in ihren Gedanken blieb waren die Worte über ihr vermeintliches liebloses Verhalten Obi-Wan gegenüber.

Sie dachte an die Art wie sie ihn aus ihrem Schlafzimmer hinaus geschmissen hatte und das nur weil er sich gewagt hatte ihr gegenüber Sorge zum Ausdruck zu bringen. Und doch... Um so länger diese Dörre anhielt um so näher lernte Padmé das nach Berührung hungernde angstzerfressene Mädchen in sich kennen, das verwildert war und nichts außer Furcht und Bestrafung kannte.

Während Padmé sich mit einer eisigen Mauer aus kühlem, königlichen Gehabe umgab um alle um sich herum auf Abstand zu halten, war es doch dieses kleine Mädchen das Nachts wachlag und etwas vermisste für das sie keinen Namen und keine Erinnerungen hatte.

Es dauerte ein paar Tage in denen Kaikoa noch einige Male versuchte sie von seinen Vorzügen einzunehmen, doch sie lehnte bestimmt ab.

Inzwischen war die Basis zu einem gut funktionierenden Werkzeug geworden und langsam stellte sich wieder die tägliche Routine ein, die es vor dem Todesstern auf Yavin 4 gegeben hatte. Geheime Daten wurden gesichert, kleinere Guerilla Einsätze geflogen, Angriffe auf neutrale Gebiete verhindert.

Während all dem mussten Kadetten ausgebildet und zu Soldaten gemacht werden. Es wurden wieder Lehrstunden und praktisches Kampftraining angesetzt. Es machte schnell die Runde das der Jedi General ebenfalls praktische wie auch theoretische Stunden anbot. Die Plätze für dreißig Kadetten waren innerhalb kürzester Zeit vergeben.

"Aber da es offene Stunden sind wette ich um meinen Nachtisch das alle die Schichtfrei haben heute Nachmittag da sein werden."

"Wir sind seit sechs Wochen hier." bemerkte Cordé und schob ihren halbleeren Teller von sich. "Du kannst mir nicht erzählen das Dad seit dem noch nicht trainiert hat."

Garen griff nach Cordés Teller, sie quittierte es mit einem Seufzen. Genüsslich verspeiste er die Hälfte ihres Abendessens. Padmé beobachtete ihn abwesend.

"Klar trainiert er." meinte Garen und leckte sich die Finger. "Nur um Zeiten wo noch kein Mensch wach ist. Morgens früh, nach seiner Patrouille." Ein langgezogenes Seufzen entfuhr Garen. Er ließ den Kopf in die Hände gleiten. "Er weckt Luke oder mich morgens zum Training. Und mit morgens meine ich gegen 4 Uhr. Das ist doch eigentlich noch Nachts, oder?!"

"Und Leia bleibt verschont?" Cordé schlang ihren Thermoanorak etwas fester um sich.

"Nachdem Han Dad vor ein paar Wochen die Tür geöffnet hat, sieht er davon ab."

Cordé kicherte. Benji warf zweifelnde Blicke zwischen den Anderen hin und her. Padmé selbst verbarg ihr Lächeln hinter ihrer Hand. Die Vorstellung hatte tatsächlich etwas Amüsantes. Einen Moment hielten sie alle inne, bevor sie in lautes Gelächter ausbrachen. Garen und Cordé waren dazu übergegangen die Szene nach zuspielen und Padmé lachte bis ihr alles weh tat bei Garens Obi-Wan Imitation. Aber auch Cordés Han Solo war nicht schlecht.

Letztendlich sollte Garen recht behalten: Es sah tatsächlich so aus als würde die ganze Basis versuchen sich in den Übungs-Saal zu quetschen. Die Menschen scharten sich um die Eingangstüren und versuchten vergeblich etwas zu erkennen.

Benji zog Padmé unnachgiebig durch die Menge. Wenn jemand etwas sagte, verkündete er nur das das sein Vater war.

Als sie im vorderen Drittel angekommen waren hörte sie Obi-Wans Stimme, nahm den den coruscantischen Akzent wahr. Er ging in gleichmäßigen Schritten auf und ab.

Gerade beendete er seine einführenden Worte mit: "Luke und Leia werden ihnen die Übungen vorführen."

"Aber sind sie nicht der Ausbilder, General?" fragte eine Stimme von weiter hinten nun. Die Menschenreihen bewegten sich.

Padmé blickte sich suchend um. Noch bevor sich die Menge teilte und er hervor trat war klar wer die Frage gestellt hatte, da der Fragende alle überragte.

"Ich will nicht respektlos sein, General" Sein Gesicht und seine Haltung jedoch sagten etwas anderes. Es war die primitive Herausforderung eines dominanten Mannes an einen vermeintlich schwächeren Gegner. "Aber Sie kommen hier her und wollen uns etwas lehren, ohne uns zu zeigen das sie auch etwas auf dem Kasten haben. Ich meine... Wie alt sind sie? Fünfundsechzig? Ich glaub ich bin nicht der Einzige der nicht glauben kann das sie in der Lage sind im Kampf mitzuhalten geschweige denn uns etwas zu lehren."

Leia gab ein Geräusch von sich das nach Ärger klang. Luke legte seiner Schwester beschwichtigend die Hand auf den Arm. Er selbst musste lachen, was sich nach einem Blick seines Vaters in ein Husten verwandelte.

Obi-Wan lächelte gutmütig, als habe Kaikoa ihn nicht gerade beleidigt. Beide Männer sahen sich abschätzend an. Obi-Wan mit offener Haltung, ja beinahe unscheinbar in seinem Auftreten, Kaikoa hingegen herausfordernd mit gekreuzten Armen vor der breiten Brust.

Obi-Wan sah hinüber zu den Zwillingen. Luke und Leia warfen sich Blicke zu und traten dann im Gleichschritt aus dem Ring.

"Also, Leutanant, verstehe ich diese respektlose Frage richtig das sie mich gerne herausfordern würden?"

Kaikoa sah erstaunt aus.

"Ähmm... Ja."

"Nun dann. Treten sie in den Ring und wählen sie ihre Waffe."

Der Leutnant griff an seinen Gürtel und zog seine Klinge.

"Eine Vibro-Klinge. Gute Wahl. Doch ich selbst ziehe natürlich mein Lichtschwert vor."

"Natürlich."

Dann wandte er sich an die Umstehenden, die allesamt entweder seltsam aufgeregt waren oder beschämt wegsahen. Jedoch schienen beide Parteien zu glauben sie würden gleich dabei zusehen müssen wie Kaikoa einen alten Mann zusammenschlug.

Besagter alter Mann glitt mit einer einfachen Bewegung aus seinem Mantel und trat mit sicheren Schritten auf den Nubier zu, der ihn um ein gutes Stück überragte.

Kaikoa entzündete seine Klinge und begab sich in Kampfessstellung. Das gutmütige Lächeln Obi-Wans bekam eine gefährliche Schärfe, die Augen blitzen als er das Schwert entzündete.

Padmé hörte vereinzelte Ausrufe des Erstaunens. Die meisten hatten noch nie ein Lichtschwert gesehen, geschweige denn einen Jedi-Meister beim Kampf beobachtet. Sie wussten nicht zu was er fähig war.

Padmé schritt instinktiv vor um mehr sehen zu können. Es war seltsam. So oft hatte sie ihm dabei zugesehen, doch jedes mal wieder war seine Verwandlung erstaunlich.

Mit einer geschmeidigen Bewegung schwang er das Schwert in einem Bogen und fiel in seine Angriffsposition. Dann umkreisten sie sich einen Moment. Padmé wusste das Obi-Wan nicht angreifen würde, doch er musste nicht lange warten: Kaikoa war ungeduldig genug für beide.

Seine Bewegungen waren weitaus weicher als Padmé es erwartet hätte für einen so großen, wuchtigen Mann. Er führte sein Schwert mit der Sicherheit eines erfahrenen Kämpfers. Und als Solcher erkannte er Obi-Wan als das was er war, nach dem sie begannen die Schwerter zu kreuzen.

Der Ältere traf die harten Schläge des Nubiers ohne Zögern oder wich ihnen mit erstaunlicher Schnelligkeit aus. Ein rasante Abfolge von Angriffen und Gegenschlägen spielte sich nun vor ihnen ab. Die Aufregung der Umstehenden wuchs.

Kaikoa war ein guter Kämpfer, das konnte Padmé sehen. Er war stark, wendig für einen Mann seiner Größe und er kämpfte vorausschauend.

Doch im Gegensatz zu Obi-Wan hatte er nicht die Macht auf seiner Seite. Und es war die Macht die ihn durchfloss und ihn selbst zum Gefäß, zur Waffe machte.

Die Klingen verschwammen und tauchten wieder auf. Kreuzten sich abermals in schneller Abfolge. Beide Kämpfer drehten sich in einem gefährlichen Tanz. Kamen aufeinander zu, entfernten sich wieder voneinander.

Als Kaikoa der erste Tritt in die Kniekehle traf durchfuhr ein Raunen die Menge. Der jüngere Mann ging in die Knie und konnte nur aufgrund seiner schnellen Reaktion dem darauffolgenden Kick ausweichen. Auf seinen Zügen lag ein gewisses Erstaunen über diese Wendung.

Er kam mit einem Sprint auf Obi-Wan zu, doch mit einer einfachen Bewegung Obi-Wans Hand wurde sein Opponent gegen die gegenüberliegende Eiswand befördert. Kaikoas Wut war spürbar, als er aufsah und den Jedi anblickte. Wieder stand er auf, die Klinge nach wie vor in den Händen. Noch einmal würde er ihn nicht unterschätzen, schien sein Blick zu sagen.

Der Jedi ging zielstrebig auf ihn zu und holte ohne Vorwarnung zum Schlag aus. Kaikoa blockte.

Das Spiel begann erneut. Doch Kaikoa wurde müde. Padmé sah es in seinen Bewegungen und wenn sie es sah, so hatte Obi-Wan es längst erkannt. Einige Augenblicke später lag Kaikoa auf der Matte. Entwaffnet und mit dem Lichtschwert an der Kehle.

Die beiden Männer starrten sich an, Kaikoa brach besiegt den Blickkontakt. Obi-Wan machte einen Schritt zurück und die Klinge erlosch.

An die Menge gerichtet sagte er: "Das Alter eines Jedis spielt keine Rolle. Die Macht verleiht uns Kraft über unseren Körper, weit über die Jahre hinaus. Count Dooku, der gefürchtete Sith-Lord war weit über Achtzig und ein ausgezeichneter Kämpfer der meinem Padawan und mir im Kampf standhalten konnte. Meister Yoda war sogar über Achthundert Jahre alt und er hätte jeden Jedi im Kampf besiegen können."

Die erwartungsvollen Soldaten hörten ihm aufmerksam zu.

"Was ich damit sagen will: Unterschätzen sie ihren Gegner nicht. Niemals."

Obi-Wan verstaute sein Schwert und wandte sich dann dem angeschlagenen Kaikoa zu. Er reichte ihm die Hand, die dieser zögernd ergriff. Im nächsten Moment standen sie sich gegenüber.

"Um ihre Frage zu beantworten, Leutanant. Ich bin neunundfünfzig."

Der Nubier sah etwas peinlich berührt hinfort und rieb seinen kahlen Schädel. Er hatte etwas von einem gemaßregelten Jungen. Obi-Wan fiel die Rolle des tadelnden Lehrers leicht. Er reichte ihm seine Klinge, die der jüngere Mann wortlos annahm.

An alle gerichtet: "Finden sie sich morgen wieder hier ein. Dann fangen wir mit den geplanten Übungen an. Wegtreten."

Damit war die Vorstellung beendet.

Die Halle leerte sich. Hinter ihnen balgten sich Garen und Benji, die von Luke und Leia angefeuert wurden. Cordé war nicht zu sehen. Als Obi-Wan zu ihr Hinüber kam, tat sie gar nicht erst so als wüsste sie nicht wovon er sprach.

"Dein Liebhaber sollte sein respektloses Verhalten Vorgesetzten überdenken."

Sein Ärger war so spürbar, vibrierte zwischen ihnen so dass Padmé einige kleine Schritte zurück trat bevor sie sich davon abhalten konnte.

Er verfolgte die Bewegung mit den Augen. Seine Kiefer mahlten.

"Er ist nicht mein Liebhaber."

"Oh nein? Nun, dein Verhalten in den letzten Wochen sagt etwas anderes."

Sie verschränkte die Arme.

"Ich dachte immer du stündest über solchen Gefühlen wie Eifersucht?"

"Eifersucht?" Sein amüsierter Gesichtsausdruck weckte eine ungeahnte Wut in ihr.

"Du hast also keinerlei Problem damit wenn ich mit ihm schlafen sollte?" Die spitze Frage tat ihr selbst weh.

"Nein." Das Wort war unnatürlich schroff und sagte etwas ganz anderes. Er atmete tief und sagte dann ruhiger als zuvor. "Nein, habe ich nicht." Ihr Gesicht musste den Unglauben zeigen den sie fühlte. Wollte er sie für dumm verkaufen?

"Was jedoch nicht heißt das dass Vertrauen das es einmal zwischen uns gab nicht gebrochen wäre. Denn auch wenn du es nicht mehr wahrhaben willst, es gab einmal ein Versprechen zwischen uns. Ich ehre dieses Versprechen." Das Meerblau verbrannte sie, sie konnte es bis in ihr Innerstes spüren, wo es alles verglühte. "Immer noch."

Das Atmen fiel ihr schwer. Nun trat er vor, umfasste ihre Schultern, als wollte er sie zu sich ziehen.

"Bei allen Sith Höllen, Padmé. Ich vermisse dich. Du stehst direkt vor mir und ich vermisse dich."

Sie wusste nicht was sie sagen würde wenn sie es zu ließe und so presste Padmé die Lippen aufeinander um sich davon abzuhalten zu antworten. Als sei sie ein kleines trotziges Kind und keine gestandene Frau im Angesichts dieses Eingeständnisses.

Er schlug die Augen nieder. Schüttelte den Kopf, er wirkte frustriert. Dann nickte Obi-Wan als verstünde er, ließ von ihr ab. Er wandte sich den Kindern zu, die so taten als hätten sie nichts mitbekommen. Padmé floh, wie so oft. Sobald sie außer Sichtweite war, entließ sie zitternd den angehaltenen Atem und fiel in sich zusammen.

Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Allein ihn in dem Glauben zu lassen das sie mit Kaikoa schlafen wollte... Sie schüttelte fassungslos den Kopf. Was hatte sie erreichen wollen?

Nun stand sie hier, mit zitternden Händen, ihr Innerstes in Aufruhr und seine Stimme wiederholte diese Worte.

Während ihrer Arbeit hörte sie die Worte. Während sie in der Mensa saß, halbherzig in ihrem Essen herumstochernd und sie ihre Kinder ansah. Während er einige Meter entfernt von ihr saß und so tat als wäre nichts geschehen.

Als sie allein in ihrem Bett lag, hörte sie es. Bis in ihre Träume konnte sie es hören.

Ich ehre dieses Versprechen. Immer noch.

Die Worte folgten ihr bis in den Schlaf und hallten durch ihr Innerstes. Die dunkle Traumlandschaft die sie umgab war so anders als das, was sie sonst Nachts erwartete. Dieser Traum war anders. Es war keine Erinnerung. Denn ihre Erinnerungen fühlten sich anders an. Sie waren eine Mischung aus Lust, Angst, Scham und Ekel.

Padmé lief durch eine dunkle Welt mit weißen, blitzenden Sternen. Sie war eine braun-goldene Flamme aus Energie. Sie bestand aus pulsierenden Emotionen, doch ihr Licht war getrübt, wie durch milchiges Glas. Rastlos zog sie durch die Nacht. Tanzte über die Schwärze. Suchte etwas, jemand, ihn.

Nach einiger Zeit rief sie.

Woher wusste sie das er sie hören würde?

Sie wusste es nicht.

Woher wusste sie das er kommen würde?

Sie wusste es nicht.

Sie eilte umher. In den vergessenen Windungen ihres Selbst fand sie die halb-angelehnte Öffnung einer fast eingestürzten Tür: Es strömte Licht hindurch in die Dunkelheit.

Hier war er: Sie roch Wasser und spürte eine warme Brise. Er kam ihr entgegen als hätte er sie gesucht.

Natürlich hatte er sie gesucht. Denn sie hatte ihn ja gerufen, Padmé hatte sich darauf verlassen das er kommen würde. Sie hatte ihn eingelassen, sonst hätte er keinen Weg durch das Labyrinth ihrer Gedanken gefunden. Er war ihrer Stimme gefolgt und hatte sie letztendlich entdeckt.

Ohne ihr zu tun kam sie ihm entgegen. Unter der Oberfläche seiner schützenden Gefühlsmaske konnte sie das Flackern seines lichtdurchfluteten Seins erkennen.

Seine Energie war blau-strahlend.

Sie wollte ihm näher sein, war angezogen von ihm wie eine Motte von Helligkeit. Unschlüssig standen sie einander gegenüber. Schließlich begann sie ihn zu umrunden und bevor sie wusste was geschah tat er es ihr gleich. Die beiden Lichtgestalten zogen ihre Kreise umeinander, entfernten sich um dann wieder zueinander zu finden. Als sie einander das erste Mal berührten prickelte die Energie zwischen ihnen. Sie wurden langsamer, die Kreise kleiner, der Abstand verschwand.

Bevor sie einander erneut berührten bemerkte sie sein Innehalten, doch sonst reagierte er nicht. Er schwebte still und bewegungslos vor ihr, als habe er Angst sie könnte fliehen.

Doch Padmé stellte fest das sie keinen Drang danach verspürte. Nein, der einzige Drang war, auch wenn sie nicht verstand wieso, bei ihm sein zu wollen.

Sie glitt näher und noch ein bisschen näher, bis ihrer beider Energiefelder aufeinander trafen. Sie warfen Funken als sie sich berührten und kreuzten. Das Knacken und Knirschen war beruhigend wie ein prasselndes Feuer oder das Rauschen eines Flusses. Es hatte etwas erotisierendes.

Sie griff nach ihm. Sie musste ihm näher sein. Er kam bereitwillig. Alles was gewesen war, vergessen. Alle bösen Worte, jede Verletzung.

Es gab nur das Hier, diese schwarz-glühende Traumwelt in der es einfach war alle Vorbehalte von sich zu werfen.

Er glitt vorwärts und als er sie umschloss spürte sie wie ihrer beider Lebensenergie wie Rauch auf waberten. Seine Präsenz war warm so nah an ihrer. Padmé spürte wie sich ihr Innerstes ihm langsam öffnete und ihm entgegen kam. Ihr eigenes gedämpftes Glühen flackerte nun auf und begann zu pulsieren.

Es war das wohltuendste was sie seit langem erfahren hatte. Das Tosen in ihrem Kopf hatte innegehalten.

Ich habe gewartet das du mich rufst. Du hast mich gerufen.

Da war eine Sehnsucht in diesem Gedanken die sie tief traf. Sie hielt inne und spürte lediglich dem vibrieren ihrer Energie nach, wie sie sich mit seiner verband. Es war unmöglich zu sagen wo er begann und sie aufhörte.

Von weit weg konnte sie ihren Körper spüren, warm und sicher unter der Decke in ihrem Schlafzimmer, wie die Erregung sie umtrieb. Ihr Unterleib zog sich zusammen, das sich in ein regelmäßiges Pochen verwandelte, das sie bis in ihrem Traum wie ein Echo spüren konnte.

Es war als würde ihr Körper sich ebenso bereit machen wie es ihr Geist tat.

Doch es war nicht nur Lust die sie durchfloss, sondern ein Hunger der sie vollkommen ausfüllte und es ihr unmöglich machte an etwas anderes zu denken als daran das sie ihm nah sein wollte.

Padmé spürte schließlich wie sich dieses Zusammensein veränderte. Das Licht wurde strahlender und durchdringender. Es kam nun nicht nur noch aus ihm, sondern ebenso sehr aus ihr. Das Licht das eben noch grau in ihr geschlummert hatte schien nun erwachen und aus ihr hinaus zu brechen. Zuerst dumpf, dann aufbegehrend und golden.

Es war warm, vibrierte mit Leben und Lust. Es durchfuhr ihr ganzes Innerstes. Erweckte jeden Teil ihres Ichs mit Kraft und Energie und sie schloss sich fest um dieses erlösende Gefühl.

Sein Licht war in ihr, so wie das ihre nun auch ihn durchfloss. Sehen konnte sie es nicht, aber spüren. Die Ränder ihres Bewusstseins schlossen sich an das Seine, als ergreife sie seine Hand.

Padmé war erfüllt von einer Vielzahl unterschiedlicher Gefühle. Sie glaubte etwas in ihr schmelze, als verschmelze sie mit ihm. Das Licht nahm ihr die Sicht. Gleich passiert etwas, dachte sie in atemloser Erwartung. Die Wellen durchzuckten sie.

In der nächtlichen Dunkelheit ihres Schlafzimmers wand sich ihr Körper fiebrig unter dem Laken und suchte nach etwas. Auf ihrem Gesicht stand Schweiß. Ihrer Kehle wurde ein Stöhnen entrissen.

In ihrem Kopf wusste sie nicht mehr wo sie begann und wo sie aufhörte. Es war als wäre sie nur noch eins. Es war ein heilendes Gefühl. Sie hatte es vermisst. Sie gab sich dem Gefühl hin.

Dann hörte sie das Wort nahe an ihrem Geist und erstarrte. Es war als habe man sie mit kaltem Wasser übergossen. Ihr Innerstes wurde plötzlich so dunkel und kalt das es sie schmerzte. Es entzog sich ihm mit einer ruckartigen Bewegung das Padmé in die Wachsamkeit katapultiert wurde.

Die Heftigkeit mit der sie erwacht fühlte sich an als habe man sie aus einem fahrenden Gleiter geschmissen. Sie spürte wie die Erregung immer noch durch ihren Körper hindurch floss und sich nun mit Abneigung vermischte. Sie setzte sich schwer atmend auf und schlug die Hände vor die Brust, als wolle sie feststellen ob ihr Herz noch da war. Noch immer hörte sie die altbekannte und verhasste Liebkosung nahe ihrem Selbst: Geliebte.

Padmé wurde plötzlich mit schamhafter Sicherheit bewusst das dies kein Traum gewesen war. Sie wusste das Obi-Wan in seinem Arbeitszimmer ebenso atemlos saß und versuchte sich und seine Gefühle zu ordnen und zu verstehen. Für einen Moment dachte sie, sie könnte ihn sogar spüren, doch das war natürlich Unsinn.

Er war in meinem Traum, dachte sie schockiert.

Nach einigen Minuten hatte sie sich so weit gesammelt das sie aufstehen konnte. Ihr Knie waren noch weich.

Sie stolperte in Richtung Tür und dann den Gang hinunter. Im Dämmerlicht der Flurbeleuchtung konnte sie ihn auf sich zukommen sehen. Beide hielten inne und starrten sich an. Ihrer beider Atem stieg in weißen Schwaden auf.

Er schüttelte nur den Kopf, die Augen geweitet, die Handflächen nach oben ausgestreckt, als wolle er ihr zeigen das er unbewaffnet sei.

"Du warst in meinem Traum." Ihre Stimme war unnatürlich laut auf dem leeren Gang. "Du warst in meinem Kopf! Du warst... Warst..." Sie schlug die Hände vor den Mund und schüttelte ungläubig den Kopf. Als sie sich wieder zusammengerissen hatte sah sie ihn mit stechendem Blick an.

"Ich... Ich weiß... Ich habe keine Erklärung dafür..." Er sah beschämt aus.

"Keine Erklärung?" Sie gestikulierte wild mit den Armen, während ihre Stimme lauter, schriller wurde. "Du bist der Jedi!"

Ihre Stimme hallte den langen Gang hinab. Er sah aus als habe er genauso wenig Ahnung wie sie was gerade passiert war.

Sein Gesicht war gerötet. Ihre Blicke trafen sich. Padmé vergaß zu atmen. Sie erinnerten sich was sie geteilt hatten. Sie würde jetzt nicht daran denken wie richtig es sich angefühlt hatte. Wie ein Teil in ihr auf etwas gewartet hatte.

Beinahe, dachte sie verwirrt, beinahe wären wir wieder... Sie wusste nicht wie sie den Gedanken beenden sollte.

Padmés Gesicht brannte vor Scham. Wie hatte das passieren können?

Gerade als sie wieder ansetzen würde ihm Vorwürfe zu machen, murmelte er: "Du hast mich gerufen, Padmé."

Die Art wie er es sagte, klang als gäbe es für ihn keine Möglichkeit nicht zu ihr zu kommen, wenn sie ihn rief. Wenn sie ihn brauchte. Auf egal welche Art.

Sie sah beschämt fort, als sie an die Sehnsucht dachte die sie in ihm gespürt hatte.

Die Atemlosigkeit, das plötzliche Verlangen das sie durchschoss nahm ihr die Fähigkeit klar zu denken.

"Ja." Sie blickte zu Boden. "Ja, das habe ich."

Sie hatte ihn gerufen. Es wäre vermessen das nicht zuzugeben.

Was für ein Durcheinander, dachte sie als sie ihr Gesicht in ihren Händen vergrub. Sie zitterte. Ob vor Kälte oder der übermächtigen Emotionen die sie durchliefen, war ihr nicht klar.

Er seufzte. "Wir sollten das nicht hier besprechen."

Automatisch nickte Padmé und sie gingen beide zurück in ihre Kabine. Als sich die Türen hinter ihnen schlossen standen sie einen Moment unschlüssig da. Das Dämmerlicht der Beleuchtung machte die Spannung zwischen ihnen noch deutlicher. Padmé erhöhte die Helligkeit auf ein Maximum ohne ihn anzusehen.

"Ich mache mir einen Tee." Sie ging hinüber in die kleine Küche. "Möchtest du auch?"

Er bejahte.

Mit zitternden Hände bereitete sie den Tee vor und versuchte sich zu beruhigen. Als der Tee fertig war, brachte sie die Tassen hinüber zu dem Esstisch und setzte sich ihm gegenüber. Einen Moment herrschte unangenehmes Schweigen.

"Das Problem ist das ich dich nach wie vor abschirme." sagte er schließlich ohne Einleitung. "Es scheint so... Es scheint als seien inzwischen meine letzten Reserven angegriffen. Ich bin unkonzentriert und offensichtlich... Ist auch meine Impuls-Kontrolle angegriffen." Er sah hinfort. Seine Wangen waren wieder gerötet.

"Aber... Du hast jahrelang die Zwillinge abgeschirmt."

"Oh ja, aber die beiden waren Kinder. Und ich musste nicht-" er hielt inne, schluckte. "Ich schirme dich nicht nur ab, Padmé. Ich schirme mich auch gegen dich ab. Deine Emotionen sind sehr stark. Es ist anstrengend mich abzugrenzen, zumal mein Geist..."

Er schien Worte zu suchen die es richtig ausdrückten.

"Zumal mein Geist es anders gewöhnt ist. In gewissen Situation versuche ich mental nach dir zu greifen. Tagsüber ist das einfach zu steuern, doch nachts ist das schwer zu kontrollieren. Inzwischen scheine ich nicht mehr die Energie dafür zu haben."

Das Gesagte hing bedeutungsschwer zwischen ihnen. Sein Geist griff nach dem ihrem. War es das was passiert war? Sie hatte ihn gerufen und er war zu ihr gekommen ohne an die Konsequenzen zu denken, ohne es zu hinterfragen, weil er sich... Was? Nach dieser Verbindung sehnte?

Padmé schob den Gedanken beiseite und musterte ihn. Sah er deshalb so abgekämpft, so müde aus?

"Was ich damit sagen will ist... Du musst deine Schilde wieder aufbauen. Ich dachte sie würden sich regenerieren, doch dem ist nicht so. Wahrscheinlich weil deine Verletzungen noch nicht geheilt sind. Dein Geist ist genau so verletzlich wie am Anfang."

Nun war sie es die fort sah. Der Vorwurf in dem was er sagte war ganz klar erkennbar. Nach wie vor weigerte sie sich das er ihr half. Denn dann, das wusste sie, würde er das ganze Ausmaß ihrer Verletzung sehen.

"Also muss ich... Was genau tun?" sie biss sich abwesend auf die Unterlippe.

"Deine Schilde stärken."

"Wie?"

"Du weißt genau wie, Padmé."

Sie stellte sich vor wie sie in Theed stehen würden. In der Ruine des Palastes. Padmé erschauerte.

"Nein, das kann ich nicht."

"Du hast keine Wahl, Padmé. Wenn ich dich nicht abschirme bist du verletzbar, beeinflussbar. Dadurch das deine Wunden nicht verheilt sind habe ich keine Ahnung was passieren könnte wenn ich dich nicht mehr schütze. Du könntest das Imperium auch ebenso gut darauf aufmerksam machen wo sich die Rebellen, wo sich Luke und Leia, befinden."

Sie biss die Zähne aufeinander, ballte die Fäuste unter dem Tisch und schüttelte den Kopf.

"Was denkst du wird passieren?" Seine Stimme war so unglaublich sanft, das ihr die Tränen in die Augen schossen.

Du wirst sehen was ich wirklich bin. Wie mein Innerstes aussehe.

"Padmé, nichts was er getan hat wird etwas daran ändern was ich für dich empfinde." Er kam zu ihr, ließ sich vor ihr nieder und Padmé schluckte, weil sie sich erinnern wollte, aber nicht konnte. "Weißt du denn nicht länger was du für mich bist, Padmé?" Seine Stimme klang so ernst das sie ihn einfach nicht ansehen konnte, aus Angst was sie sonst noch dort erkennen würde. "Meine Gefährtin, Liebste und Gelieb-"

"Nennmich nicht so." Padmé schlug mit der geballten rechten Faust auf die Tischplatte. Die Teetasse ratterte. "Hör auf mich so zu nennen. Ich kann es nicht ertragen."

Er war erstarrt. Sein Gesicht war leer. Sie konnte nicht anders als ihn noch weiter von sich zu stoßen.

"Ich bin nicht deine Liebste. Ich bin niemandes Liebste! Ich bin nicht mehr die Frau die du gekannt hast. Die bin ich nicht!"

"Wenn du mich nur helfen lassen würdest-" Ein letzter Versuch. Doch wieder stieß sie ihn fort.

"Du willst mir helfen?" Sie stand vom Tisch auf und sah auf ihn nieder. "Sieh es dir an! Schau dir an was er aus mir gemacht hat!"

Er runzelte die Stirn. Einen Moment glaubte sie er würde ablehnen, doch dann stand auch er auf, trat einen Schritt näher.

Sie konnte spüren wie ein Teil von ihm vorsichtig in ihre Gedanken vordrang. Es war schwierig ruhig dabei zu bleiben, es auszuhalten und nicht wie eine Verrückte zu schreien. Sie beobachtete ihn. Er hatte die Stirn in Konzentration zusammengezogen.

Die Falte zwischen seinen Brauen ist tiefer geworden, stellte sie abwesend fest.

Sie konzentrierte sich auf die grauen Einschlüsse in seinen Augen, die man nur sah wenn man ihm nah genug kam.

Sie wusste welche Erinnerung sie ihm zeigen müsste damit er verstand. Vor ihrem inneren Auge spielte sich die Szene ab.

Unsere Hochzeitsnacht, dachte sie und sie wurde von Angst und Lust gleichermaßen überspült. Die Emotionen drohten sie mit sich zu reißen.

Ohne sie genauer anzusehen schob sie das Bild in ihrem Innerem nach vorne, zu ihm, so dass er es ohne Probleme würde sehen können.

Der Moment des Verstehens änderte alles. Seine Augen kamen von innen zurück, der Blick fand ihren. Sie waren leicht geweitet. Er verstand endlich. Das leichte Kopfschütteln drückte Unglauben aus. Dann fielen seine suchenden, mentalen Hände von ihr ab. Anders konnte sie es nicht erklären, seine Präsenz war plötzlich vollkommen verschwunden, als habe er sich innerlich so weit es nur ging von ihr entfernt.

Padmé brach den Blickkontakt.

Sie hatte genug gesehen. Er auch.

Als sie schließlich sprach war ihre Stimme ergriffen von Emotionen.

"Verstehst du jetzt?" Ihre Fäuste waren neben ihrem Körper geballt "Verstehst du es?"

Ich ehre dieses Versprechen. Immer noch.

Er hatte diese Worte gesagt in dem Versuch ihr klar zu machen was er für sie empfand. Doch seine Erinnerung auf der dieses Versprechen basierte war anders als die ihre. Trotz allem hatte es etwas in ihr zum Klingen gebracht, etwas das sie nicht verstand.

Denn ihre Erinnerung war die eines ganz anderen Versprechens. Eines Versprechens das Vader ihr immer und immer wieder eingeflüstert hatte bis es keine anderen Worte mehr gab außer den seinen aus Obi-Wans Mund.

Oh ja, sie wusste es war Vader. Sie wusste es war nur Obi-Wans Gesicht das er trug. Das er nicht nur seiner Stimme bemächtigte. Es war nur ihre Erinnerungen mit denen er spielte.

Ja, es war Vader der sie aus den rotglühenden Augen ansah, doch was nützte dieses Wissen?

Was nützte dieses Wissen wenn der Rest ihres Ichs unfähig war Lüge und Wahrheit auseinander zu halten? Wenn er sie so tief in ihrem Selbst verletzt hatte das sie nicht länger unterscheiden konnte. Kein Vertrauen mehr hatte in ihre Wahrnehmung und ihre Realität. Wenn vermeintliche Vergangenheit und die Schrecken einer Handvoll Tage verschwammen bis es ein einziger Alptraum war.

"Wie kann ich mich sicher fühlen in deiner Nähe? Wie kann ich neben dir schlafen? Neben dir aufwachen?" Sie schüttelte den Kopf, als wüsste er nicht bereits die Antwort.

Er schüttelte noch immer den Kopf, den Mund halboffen und in so etwas wie Schmerz verzogen.

"Das kann ich nicht." Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie war unfähig zu sagen ob aus Wut oder Trauer.

"Ich wünschte du hättest mich dort gelassen." Sie hielt seinen Blick als sie die nächsten Worte sagte. Er musste verstehen. Sie musste sehen das er es verstand. "Zumindest hätte ich mich dann irgendwann gar nicht mehr an euch erinnert."

Das war der Moment in dem die Hoffnung in seinen Augen erstarb. Seine Lider schlossen sich, das Blau war vergessen. Sie bemerkte seine hängenden Schultern. Er wirkte besiegt. Ja, geradewegs alt.

Selbst im Kampf gegen den um Jahre jüngeren Kaikoa hatte er nicht so müde, so ausgelaugt gewirkt. Nichts mehr erinnerte an den Jedi-Meister bewiesen hatte das er mehr war als das was man sehen konnte.

Es dauerte eine Weile, in der er nur dort stand und tiefe Atemzüge nahm. Sie wusste das er mit jedem Atemzug seine Gefühle in die Macht entließ. Trotzdem fühlte es sich wie eine Ewigkeit an, bis er wieder aufsah.

Etwas hatte sich verändert, das wusste sie. Es war fast so als sähe sie ein anderer Mann an. Mit zusammengezogenen Brauen erwiderte sie den Blick. Er fuhr sich über den Bart und sagte dann mit seltsam tonloser Stimme:

"Was nun, Padmé? Willst du warten bis er dich findet und beendet was er angefangen hat?"

Die Worte taten weh. Sie wandte sich ab und nahm den vergessenen Tee und trank einige Schlücke. Das Getränk war aromatisch und heiß. Es tat gut etwas anderes zu spüren als Enttäuschung und Verbitterung.

Ihr fiel keine Antwort ein. So schüttelte sie nur den Kopf.

"So kann das nicht weiter gehen." sagte er nach einiger Zeit des Schweigens.

"Du hast recht." Ihre Stimme war krächzend. Sie dachte an eine ferne, dunkle Zukunft. "Ich dachte... Ich dachte mir das ich gehen sollte. Vielleicht kann ich Vader von euch fort locken."

"Was willst du deinen Kindern sagen, Padmé?"

"Was ist mit den Kindern?"

"Sie brauchen dich."

Ihr Auflachen war kalt und scharfkantig.

"Ich bin ihnen in diesem Zustand keine Mutter mehr."

"Also wirst du sie verlassen..."

"Was ist die Alternative? Sie mitnehmen? Ihnen der Gefahr aussetzen von Vader gefangen genommen zu werden?"

"Du kannst nicht weg laufen."

Sie sah in seinen Augen den Gedanken das die alte, die wahre Padmé niemals davon gelaufen wäre.

"Was für eine Wahl habe ich? Hier kann ich nicht bleiben. Ich sollte fort gehen. Vielleicht kann ich ihn weg locken."

Er schwieg. Dann sagte er mit zitternder Stimme: "Bleib. Kämpfe. Ich bitte dich."

Sie hatte keine Antwort. Wieder war er es der das Schweigen brach: "Luke und Leia werden weiterhin an vorderster Front dem Imperium entgegentreten. Ebenso Garen. Glaubst du sie sind hier sicher? Sie sind alt genug um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, aber was ist mit Cordé und Benji? Du kannst sie nicht einfach allein lassen."

"Ja, du hast recht." Er hatte Recht. Sie waren immer noch ihre Kinder. Sie sollte sich bemühen diese Rolle auszufüllen. "Sie sollten nicht hier sein. Sie sollten ein Leben haben. Oder zumindest etwas mehr Sicherheit." Sie nickte abwesend und sagte dann mehr zu sich selbst: "Ja, ich denke das ist das Beste."

Obi-Wan runzelte die Stirn und schüttelte verwirrt den Kopf. Dann trat er vor, sein Atem streifte ihr Gesicht: "Was willst du damit sagen? Willst du unsere Familie trennen?"

Schweigen.

"Es wäre das Sinnvollste."

"Das kann nicht dein ernst sein. Du warst es die dafür argumentiert hat zusammen zu bleiben."

"Was schlägst du sonst vor?"

"Das wir zusammen bleiben. Hier, als Familie."

"Auf der Basis? Nein, ich kann nicht hier bleiben. Offensichtlich nicht. Wie soll das funktionieren? Du willst etwas das ich dir nicht geben kann. Hoth ist noch schlimmer als Tatooine..." Er verzog den Mund zu einer missbilligenden Linie. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.

"Nun gut." Er nickte, rieb sich das Gesicht, ob aus Schlafmangel oder Frustration war schwer zu sagen. "Nun gut. Wohin also?"

"Naboo." Die Antwort kam ohne Umschweife.

Er gab ein freudloses Lachen von sich, das ihren Ärger weckte.

"Naboo. Ja, natürlich. Der sicherste Planet in dieser Galaxie."

Ihre Antwort war schneidend: "Ich habe es satt auf irgendwelchen Outer Rim Planeten zu versauern. Ich gehe nach Hause. Cordé und Benji kommen mit mir. Du kannst hier weiterhin den General spielen."

Sein Gesicht hielt nun etwas das sie nicht deuten konnte. "Was ist wenn ich mit euch komme?"

"Du willst die Zwillinge und Garen allein lassen?"

"Sie sind alt genug um-"

"Welchen Zweck hätte es das du mit uns kommst?"

"Welchen Zweck? Eure Sicherheit."

"Sicherheit? So wie ich das sehe gibt es keine Sicherheit."

"Aber ich habe dir vor langer Zeit etwas versprochen, Padmé."

"Komm mir nicht so. Ich erinnere mich nicht mal an die Hälfte dessen. Und die andere Hälfte ist eine Lüge. Lassen wir die Vergangenheit ruhen."

Im Guten wie im Schlechten, dachte sie bitter.

Seine Fassungslosigkeit äußerte sich in wiederholtem Kopfschütteln. Er wandte sich ab und ging unruhig auf und ab.

"Ich kann nicht hier bleiben." schloss sie, mit flacher Stimme.

"Mit mir, meinst du." Sie sagte nichts. Es war nicht nötig.

Sie wandte sich ab. Es war Padmé nicht möglich Obi-Wan anzusehen. Sie wollte nicht sehen das er letztendlich das Gleiche über sie dachte wie sie selbst- Das er verstand das sie nicht ausreichte, das sie innerlich hohl und gleichermaßen abstoßend war...

Der Gedanke hielt eine erstaunliche Bedrohung für sie, deren Ursprung sie nicht erkennen konnte.

"Nun gut." sagte er. "Wir trennen uns. Das bedeutet aber auch das du deine Schilde aufbauen musst. Ich lasse nicht zu das du Cordé und Benji in unnötige Gefahr bringst. Wenn du gehen willst, fangen wir morgen an deine Schilde aufzubauen. Weigerst du dich, musst du alleine gehen."

Er trank den letzten Rest viel zu heißen, bitteren Tees und verzog den Mund.

"Um so schneller wir damit anfangen um so eher kannst du mich vergessen." Er knallte die Tasse auf den Tisch. "Ich finde selbst hinaus."

An der Tür angekommen sah er über die Schulter zurück und sagte: "Keine Angst. Heute Nacht bist du sicher vor mir, ich werde nicht schlafen."

Die Türen glitten zu.

Bis er einen Weg durch ihre eingestürzten Schilde, das Chaos und die Unordnung die nach wie vor in ihr herrschte war einiges an Zeit vergangen.

"Solange du das nicht willst, werde ich auch keinen Weg hinein finden."

Er war an diesem Morgen ein Ausbund an Jedi-Perfektion. Sie wusste nicht ob er tatsächlich wach geblieben war, doch er sah nicht so aus. Nein, stattdessen wirkte er wie jemand der bereit war einen neuen Abschnitt anzufangen. Sein Gesicht drückte Entschlossenheit aus.

Beim Frühstück hatten Garen und Luke darüber gestöhnt das ihr Vater sie beide viel zu früh aus dem Bett geschmissen hätte um unbarmherzig Katas zu üben und zu kämpfen.

Zu diesem Zeitpunkt war auch Han Solo zu ihnen gestoßen und neckte die beiden das sie sich von ihrem alten Vater hatten schlagen lassen. An sie gerichtet meinte Solo: "Was ist sein Geheimnis?"

Padmé spürte Traurigkeit in sich aufwallen und sie wusste anhand Lukes prüfendem Blick das sie nicht schnell genug gewesen war, das fromme Lächeln aufzusetzen. Sie zuckte mit den Achseln.

"Jedi-Disziplin."

Diese Disziplin war es die ihm nun ermöglichte nicht frustriert aufzugeben sondern weitere Übungen mit ihr durchzugehen, in der Hoffnung das sie sich soweit öffnen konnte das er in ihre Gedankenwelt schlüpfen konnte ohne sie noch mehr zu verletzen.

Padmé musste an die halb-zerstörte Tür denken die sie in ihrem Traum gesehen hatte. Die Tür. Die samtig schwarze Dunkelheit. Ihre schwebenden aufeinander zukommende Lichtkörper. Padmé spürte wie etwas in ihr bei diesen Gedanken erwachend den Kopf hob. Etwas nachgab.

Dann... Stand er vor ihr.

Sie brauchte etwas um sich zu sammeln. Es war keine Enttäuschung die sie durchfloss, aber es war eine Art Ernüchterung. Es war nicht das bekannte Gesicht des Padawans das sie ansah. Er war es: Der erfahrene Jedi-Meister, der General.

War sie wirklich so närrisch gewesen zu glauben das nach allem was geschehen war es überhaupt eine Möglichkeit gab das sie ihn hier erblicken würde?

Offensichtlich, dachte sie frustriert.

Als er sie nun ansah fiel ihr das erste Mal auf wie ähnlich seine Augen dem Blau des Himmels waren.

Das Aufbauen der Schilde war eine anstrengende Sache.

Padmé erduldete es. Sie hatte ihm verboten etwas anzufassen. Außer ihr Ratschläge zu geben oder sie zu verbessern stand er lediglich daneben und sah ihr zu.

Wenn sie ihn anblickte, dann wusste sie das etwas nicht richtig an dieser ganzen Sache war. Er stand dort, starr und unnachgiebig. Eine verhüllte Figur gegen den meerblauen Himmel. Sein weißes Haar zeichnete sich sehr genau auf dem Blau ab.

Sie räumte Schuttberge hinweg. Er sah mit gequältem Gesichtsausdruck dabei zu. Wenn sie aufblickte, sah er hinfort. Es ging quälend langsam voran.

Lass mich dir helfen, sagte er immer wieder. Doch sie lehnte ab.

Lass mich dir helfen. Die Frage wurde seltener. Es blieb bei dem Nein.

Sie tat ihr Bestes. Wie so oft in letzter Zeit war es nicht genug.

Nach einiger Zeit, sobald sie müde wurde, beendete er die Sitzung. Es kam ihr meist nur wie wenige Minuten vor. In Wirklichkeit waren es mehrere Stunden.

Sobald sie allein war fiel sie in ihr Bett und schlief. Jeden Tag begann sie mit bleierner Müdigkeit und beendete ihn genauso.

Denn auch wenn er jetzt wusste, oder besser ausgedrückt, verstand was Vader getan hatte, so konnte sie es doch nicht ertragen das er das ganze Ausmaß dessen sah.

Lass mich dir helfen.

Nein.

Wann fragte er sie das letzte Mal? Sie konnte es nicht genau sagen. Im Grunde genommen war es auch egal. Letztendlich hörte er auf zu fragen. Beobachtete mit unbeweglicher Mine ihr mühseliges Vorankommen. Er hätte auch fort sehen können, so tun können als sehe er nicht ihre Frustration, ihren Ärger, ihre Traurigkeit. Doch das tat er nicht. Er sah sie. Er sah sie.

Doch er fragte nicht mehr. Er war wie ein Spiegelbild des dunklen Schattens auf der anderen Seite Theeds, doch im Gegensatz zu diesem Schatten war er gefangen durch seinen moralischen Kodex, seine Liebe und sein Versprechen ihre Wünsche zu respektieren.

Nach der ersten Woche beschlossen sie den Kindern ihre Entscheidung mitzuteilen.

Er sagte zwar das sie entschieden hätten, redete von wir und uns, doch die Kinder sahen sie an als wüsste sie was gerade passierte.

"Was ist wenn wir hier bleiben wollen?" Cordés Frage kam unerwartet.

Diesmal war es an Padmé zu antworten: "Ihr seit noch nicht alt genug diese Entscheidung zu treffen. Ihr solltet nicht auf einer Basis groß werden, egal wie heher das Ziel dieser Rebellion ist."

"Das habt ihr jetzt festgestellt? Warum nicht vor sieben Wochen? Vor vierzehn Wochen? Wir sind jetzt seit fast drei Monaten hier. Warum jetzt? Wir haben Freunde hier. Ich will hier nicht weg."

Padmé schüttelte den Kopf. Natürlich wollte sie nicht weg. Sie war verliebt. Afa und sie waren ein Pärchen. Natürlich wollte sie bleiben.

"Du und Benji werden mit mir kommen. Wenn ihr volljährig seit könnt ihr eure eigenen Entscheidungen treffen."

Luke und Leia warfen sich unauffällig Blicke zu. Garen sah Padmé missbilligend an. Benjis hängende Schultern waren aussagekräftig.

Luke und Leia sagten nichts.

"Dann... Sind wir also keine richtige Familie mehr?" fragte Benji, die Augen weiter auf die Tischplatte gerichtet.

Unbequemes, schmerzhaftes Schweigen, das sich in Padmés Innerstes grub wie Scherben in ihre Handflächen.

Willst du das wirklich? fragte sie sich selbst. Für einen Moment zweifelte sie.

Dann: Willst du das er leidet?

Die Stimme war nicht ihre eigene und doch war sie es. Doch diese Frage... Was für eine dumme Frage war das? Es war selbstverständlich das sie das nicht wollte. Das sie es nicht ertragen würde und doch würde sie sein Herz brechen wenn-

Dann löse das Band.

Ich kann nicht. Ich weiß nicht wie.

Und das war die Wahrheit. Die reine Wahrheit. Aber ach, die Dunkelheit hatte doch immer eine Antwort.

Ich kann dir helfen, Liebste.

Padmé presste die Lippen aufeinander, bohrte ihre Fingernägel in ihre Handflächen bei der Erinnerung. Es war nur ein Moment, bevor sie ihre Lippen in ein Lächeln verzog und sich zu ihrem jüngsten Sohn drehte.

"Natürlich sind wir noch eine Familie."

"Nur das wir Dad und Garen und Luke und Leia nicht mehr sehen werden." Benjis Unterlippe zuckte verdächtig.

Bitte fang jetzt nicht an zu weinen, sie fragte sich was sie dann tun würde.

Leia saß nun stocksteif auf ihrem Stuhl, als begriffe sie nun auch das es nicht nur ihre Geschwister etwas anging was hier besprochen wurde. Auch sie war Teil davon, auch wenn sie volljährig war.

"Euer Vater wird euch besuchen, wir haben bereits-"

Garen sagte was alle dachten: "Es ist wegen diesem Leutanant, nicht wahr?"

Seine grünen Augen wirkten wie erleuchtete Smaragde in seinem ernsten Gesicht.

Obi-Wan erhob sich von seinem Platz und Garens Augen ließen von seiner Mutter ab, kamen auf seinem Vater zum erliegen. Die beiden starrten sich an.

Es war offensichtlich das auf mentaler Ebene eine hitzige Diskussion stattfand. Spannung lag in der Luft. Padmé spürte wie sich die Härchen in ihrem Nacken aufrichteten, als würde ein Gewitter aufsteigen.

"Ren." Cordé legte beschwichtigend ihre Hand auf den Oberarm ihres älteren Bruders. Er blinzelte, als erwache er und sah zu ihr hinüber, das Gesicht verlor für einen Moment die Härte, doch nicht die Entschlossenheit. Er gab ein Geräusch von sich und schob den Stuhl ebenfalls zurück um aufzustehen. Unbewusst spiegelte er seinen Vater.

"Ich gehe mit Cordé und Benji." Mit einem letzten Blick auf seinen Vater gerichtet fügte er hinzu: "Irgendwer muss ja auf sie aufpassen."

Niemand sagte mehr etwas. Die Kinder verließen zusammen das Quartier. Obi-Wan stand noch immer vor ihr, selbst jetzt. Selbst jetzt.

Als die Tür sich schloss verlor seine Haltung an Kraft. Sein Kopf senkte sich. Seine rechte Hand begann seinen Bart zu reiben. Es dauerte einige Augenblicke bevor er sich ihr zuwenden konnte.

Doch er sagte nichts.

Weil alles was er sagte in der Art lag wie er sie anblickte.

Padmé blieb allein zurück. Auf einmal fragte sie sich ob das was sie tat wirklich richtig war oder ob sie nicht noch sehr viel mehr Schaden anrichtete.

Als Stichtag ihrer Abreise hatten sie einen längeren Einsatz Obi-Wans gewählt. Ihre Schilde waren immer noch dünn wie Papier, aber Padmé hielt an ihrem Vorhaben fest.

Obi-Wan wartete bis zum letzten Tag um sie aus seinen Schilden zu entlassen. Vielleicht in der Hoffnung das sie ihre Meinung änderte?

Es war spät abends und sie waren allein. Es war klar weshalb er da war, doch er zögerte das ganze heraus, als fürchte er sich vor dem Moment. Sie trank den letzten Rest ihres Tees, nahm die Tassen und trug sie hinüber zur Anrichte.

"Wollen wir?"

Er schluckte, nickte etwas steif.

"Du solltest dich hinsetzen."

"Ich möchte stehen."

"Padmé."

Sie bewegte sich nicht. Ein kapitulierendes Seufzen. Doch er stand auf, platzierte sich vor ihr.

"Ich lasse dich jetzt los." warnte er.

Padmé wartete. Sie spürte nichts. Dann dachte sie: Das ist einfacher als erwartet.

Im nächsten Moment traf es sie wie ein Faustschlag in den Magen, die Luft blieb ihr weg. Sie taumelte. Er war da und hielt sie.

Einen Moment war sie desorientiert, ihre Augen waren ohne ihr tun zugefallen. Es war ein Gefühl wie Schwindel, als wäre der Boden unter ihren Füßen weggezogen worden. Sie konnte nicht wirklich sagen wo ihr Mittelpunkt war, alles schien einfach ohne einen festen Platz in ihr zu existieren.

Sie hatte ihre schwer erlangte Balance verloren. Sie bohrte ihre Finger in seine Arme.

War plötzlich daran erinnert das sie sich genauso gefühlt hatte nachdem Vader-

"Ruhig atmen." forderte eine Stimme durch den Sturm hinweg. "Konzentriere dich auf deine Mitte. Jetzt atme. Ein und aus, genau so. Das machst du gut. In einigen Momenten geht es dir besser."

Aber es dauerte noch einige Zeit bis sie die Augen wieder aufschlagen konnte und sie erkannte das sich nichts geändert hatte. Gleichzeitig war alles anders.

Sie konnte nicht sagen woran es lag. Was sich genau verändert hatte, doch sie spürte es so genau, wie sie seine Arme spürte.

Es war schwer sich von ihm abzuwenden, doch sie tat es trotzdem.

Irgendwann musste sie es ja tun. Nur zögernd ließ Obi-Wan sie los, den Mund zu einer missbilligenden Linie verzogen. Die meerblauen Augen sahen sie bedauernd an.

Später, allein in ihrem Schlafzimmer auf Naboo, in ihrem immer wiederkehrenden Traum in dem sie durch das behelfsmäßig wiederhergestellte Theed irrte, ein Gefühl das etwas sehr verkehrt in ihrem Inneren war, erkannte sie verstört das der Himmel über ihr grau war.

Grau. Nicht blau. Und für einen kurzen Moment verstand sie es. Er war wirklich fort.

Sie war allein.

Mit einem Schluchzen schlug sie die Hände vor ihr Gesicht.

"Wessen Haus ist das?"

Sein Blick war nicht zu deuten als er sagte: "Es ist unser Haus." Dann verbesserte er sich: "Dein Haus."

Es war ohne Frage genau die Art Haus das sie sich gewünscht hatte. Ein kleines eigenes Haus. Weißgetüncht, mit den anmutigen Windungen und Verzierungen des typisch nubischen Stils. Mit einem Garten, sogar einem See.

Etwas abgelegen von Theeds Straßen, doch nah genug als das sie ihre Erledigungen auf dem Markt tätigen konnte. Nah genug an dem Viertel in dem sie ausgewachsen war, nahe ihrem Elternhaus, sollten diese dort noch wohnen.

Es war wunderschön.

Verräterische Tränen stachen in ihren Augen, die sie ihn nicht sehen ließ. Rasch schritt sie über den Weg. An der Tür angekommen war sie gefasst genug ihn wieder ansehen zu können.

Die untere Etage bestand fast ausschließlich aus einem riesigen, lichtdurchfluteten Raum mit großer Fensterfront die eine wunderschönen Ausblick auf die dahinterliegende Terrasse und die angrenzenden Bäume zuließen.

Angeschlossen daran lag ein großer, barrierefreier Essbereich.

Dahinter kam man über einen kleinen Flur in die Küche, eines der zwei Fenster zeigte nach vorne, so dass man von hier aus den Weg im Auge hatte der zum Haus führte. Das andere zeigte einen kleinen schattigen Kräutergarten, den man über eine schmale Seitentür erreichen konnte.

Padmé stand in der Küche und sah hinaus auf die im Schatten wachsenden Kräuter. Als sie die Tür öffnete kam ihr ein kühler Wind entgegen. Jemand, wahrscheinlich die Vorbesitzer, hatten die Pflanzen ordentlich nebeneinander gepflanzt und sie waren ineinander gewachsen, so dass man zwar Sorten erkannte, aber das Einzelne im Gesamtbild verschwand. Am Rande entdeckte sie die kleinen blauen Blütenköpfe des Auge-des-Geliebten.

Sie hatte einen Kloß im Hals und konnte nicht sagen wieso.

Als sie mit den Kindern die zweite Etage erforschte stand Obi-Wan abwartend hinter ihr. Die Kinder diskutierten darüber wer welches Zimmer bekommen würde. Bei jedem neuen Zimmer ging die Diskussion von neuem los. Bei der nächsten Tür sagte Obi-Wan: "Das ist das Schlafzimmer eurer Mutter."

Es war für einen Moment still. Wahrscheinlich erwarteten sie das Padmé widersprach, doch als sie die Tür aufstieß konnte sie das nicht.

Sie hielt inne und sah sich um. Die Fensterfront nahm einen Großteil der Wand ein, die Fenster waren eingefasst in nubische Rahmen, die aufwendig verziert waren.

Von hier oben hatte man einen noch schöneren Ausblick über den Garten, die Bäume und dahinter den See. Sie konnte nichts dazu sagen, nickte schließlich. Sie hörte wie die Drei wieder anfingen zu diskutieren, diesmal auf der anderen Seite des Flures.

Padmé beschlich plötzlich das Gefühl des Verlustes. Es war als fühle sie etwas, weit in sich drin, das nicht mehr da sein sollte. Sehnsucht. Wie die Schmerzen in einem amputierten Gliedmaß.

Sie dachte daran wie er das Haus ausgesucht hatte. Wie er sich Gedanken darüber gemacht hatte was ihr gefallen würde, das er wollte das sie jeden morgen mit dieser Aussicht aufwachte.

Von hier konnte sie wunderbar dem blass-blau des Morgengrauen zusehen das langsam durchbrochen wurde vom langsamen Erwachen der Sonne. Und darunter ein Zipfel des schwarz anmutenden Sees. Der Holzsteg, der Hain aus Nussbäumen.

Selbst jetzt, dachte sie traurig.

Sie schluckte und drehte sich um.

"Danke."

Er senkte den Kopf.

"Ich warte unten auf dich."

Sie stand noch einige Zeit am Fenster und dachte nach.

Obi-Wan würde nur eine Nacht bleiben. Sie dachte an die Zeit danach und fand das sie keine Ahnung hatte was sie tun würde. Sie stand an einem Anfang und hatte das erste Mal in ihrem Leben keine Ahnung wohin sie wollte.

Die Zukunft war ein verschwommenes, angsteinflößendes Etwas. Fast ebenso trüb und grau wie die Vergangenheit die sie versuchte zu vergessen. Den einzigen Anker hatte sie von sich geworfen und trieb nun auf hoher See, verloren und unwissend und voller Angst darüber das der nächste Sturm sie umbringen, das nächste Raubtier sie töten würde.

Den Abend verbrachten sie zusammen, doch es lag eine seltsame Spannung in der Luft. Cordé blickte ihren Vater mehrmals mit Tränen in den Augen an, während Garen schweigend und vor sich hin starrend nur antwortete wenn er angesprochen wurde. Benji wirkte auf einmal wieder wie ein kleiner Junge und nicht wie ein Dreizehnjähriger.

Han Solo und Chewbacca waren auf dem Schiff geblieben. Padmé hatte Solo zu Obi-Wan sagen gehört das er keinen Bedarf an passiv-aggressiven Familienessen hatte.

Als sie zu Bett ging saßen die Kinder und Obi-Wan noch im Wohnraum zusammen. Niemand fragte sie ob sie dazu kommen wollte. Sie hätte sowieso abgelehnt. Sie ging im Halbdunkel die Treppe hinauf und betrat ihr Schlafzimmer. Die Fensterflügel hatte sie offen gelassen und sie starrte in die Dunkelheit hinaus.

Am nächsten morgen verabschiedete sich Obi-Wan von Cordé, Garen und Benji. Padmé beobachtete die Szene voller plötzlich aufwallender Schuldgefühle.

Zu spät, dachte sie bitter. Das hättest du dir vorher überlegen sollen.

Cordé weinte bittere Tränen, so wie sie bereits beim Abschied von Luke und Leia geweint hatte, beim Abschied von Afa. Sie schluchzte bitterlich und Obi-Wan tätschelte ihr etwas schwerfällig den Rücken, murmelte etwas in ihr Haar.

Danach warf sich Benji in seine Arme. Das Gesicht war bewegungslos, auch wenn Padmé die Tränen sehen konnte die er zurück hielt. Garen hingegen war nach wie vor wütend. Er machte keinen Hehl daraus. Er nahm seine jüngeren Geschwister zur Seite und nickte seinem Vater zu.

"Garen, du-" begann Obi-Wan, doch dieser schüttelte lediglich den Kopf.

"Nein."

Dabei blieb es.

Obi-Wan nickte und verabschiedete sich mit einem etwas hölzern klingenden "Möge die Macht mit euch sein."

Garen beobachtete ihn bis er aus der Tür trat, dann schwenkte sein Blick zu Padmé. Sie erwiderte den Blick ruhig und wusste plötzlich das Garen und sie sich auf eine Weise ähnlich waren, die sie niemals erwartet hatte. Er hatte ihre Selbstgerechtigkeit, ihren Stahl, ihre Arroganz, ihr Durchhaltevermögen.

Offensichtlich hatte er von ihr ebenfalls die Fähigkeit Obi-Wan zu verletzen.

Er war in diesem Moment mehr ihr Sohn als jemals zuvor.

Padmé presste widerwillig die Lippen zusammen und trat dann eiligst aus dem Haus und Obi-Wan hinter her. Er wartete am Ende des Kiesweg auf sie.

Dann gingen sie zusammen zu dem Waldstück in dem der Falcon auf ihn wartete.

"Ich werde versuchen so oft es meine Pflichten zu lassen euch zu besuchen."

"Du hat keine Verpflichtung mir gegenüber. Wir haben uns nie etwas geschworen." Ihre Worte waren kühl. Sie konnte beobachten wie sie bei ihm eine Reihe von Gefühle auslösten. Ärger, Trauer, Resignation. Sein Kiefermuskel zuckte verräterisch.

Ja, vielleicht hatten sie nie vor den Hutten gestanden und die Worte gesagt, aber Padmé wusste es war eine blanke Lüge ihrerseits zu sagen das sie sich nie etwas geschworen hatten. Nicht alles war auf die Worte zu reduzieren die man sagte.

"Meine Kinder? Bin ich ihnen verpflichtet?" Seine Stimme war ruhig, seine Hände waren auf dem Rücken gefaltet.

"Du kannst sie sehen wann immer du willst. Das Gästezimmer steht dir offen."

"Ich brauche nicht viel, das weißt du."

"Spiel nicht den Märtyrer, Obi-Wan. Es steht dir nicht zu Gesicht."

Er antwortete nicht darauf und sie gingen weiterhin neben einander her. Der Abstand zwischen ihnen war groß. Als wollten sie beide auf Nummer sicher gehen das sie sich nicht berühren würden. Das auch er den Abstand einhielt den sie vorgab, weckte in ihr wieder verwirrende Gefühle.

"Vielleicht tut dir diese Trennung gut." Er seufzte, als wüsste er das dies nur eine kleine Hoffnung war.

"Ja, vielleicht." lenkte sie ein, doch als er sie ansah, wurde ihr klar das er wusste was sie eigentlich dachte. Sie sah beschämt hinfort.

"Auch wenn du nichts mehr weißt..." begann er, den Blick auf die sanfte grüne Landschaft gerichtet hinter der sich der Falcon gegen die Sonne abzeichnete . "Nichts mehr wissen willst von dieser Vergangenheit... Es ist die Einzige die ich kenne."

Sein Blick glitt zurück zu ihr, richtete sich auf sie als er fortfuhr: "Unser Leben war gut. Ich habe durch dich einen Sinn in der Zeit auf Tatooine gefunden. Durch dich, die Kinder, hat mein Leben eine Bedeutung jenseits des Ordens bekommen. Etwas das ich niemals für möglich gehalten habe.

Solange habe ich mit mir selbst gehadert dieses Leben anzunehmen, deine Liebe zu akzeptieren... Doch inzwischen weiß ich ohne Zweifel das mein Platz an deiner Seite ist. Es spielt keine Rolle wo du bist, wo ich bin-"

Padmé spürte wie sich die Worte durch ihre schützende Schale brannten. Fühlte das etwas in ihr Feuer fing und verbrannte, erstarb und zu Asche wurde.

"Selbst wenn uns ein ganzes Universum trennt, es ändert nichts an meinen Gefühlen für dich. Wenn wir uns jetzt trennen weiß ich das dies nicht für immer ist."

Einen Moment standen sie sich schweigend gegenüber. Padmé hatte die Arme um sich selbst geschlungen um die morgendliche Kühle zu vertreiben, denn sie hatte ihre Stola vergessen. Er trug seinen Umhang. Padmé musste unvermittelt an all die Nächte denken die ihr dieses Kleidungsstück Trost gespendet hatte. Sie fühlte den Drang die Hände nach ihm auszustrecken und Obi-Wan an sich zu ziehen um seinen Geruch einatmen zu können. In der Frische des Morgens würde er herb und männlich riechen, woher sie das wusste konnte sie nicht sagen.

Ihr Atem kam etwas unregelmäßig und stieß in weißen Nebelwolken zwischen ihnen auf.

Ihr Innerstes war aufgewühlt, schlug hin und her zwischen Ablehnung und Sehnsucht, bis der Moment, in dem sie etwas hätte antworten können, verstrich.

Wortlos wandte er sich ab und ging die letzten Meter durch die wogenden Gräser, hinüber zum Falcon, wo Solo und der Wookie auf ihn warteten. Sie dachte er würde sich umdrehen, doch nein, das tat er nicht.

Bis zum letzten Moment wartete sie. Er ging die Rampe hinauf. Verschwand.

Vielleicht war es so einfacher für ihn. Mit einem Zischen schloss sich das Raumschiff. Padmé ging einige Schritte rückwärts und beobachtete das allmähliche Aufsteigen.

Es dauerte einige Zeit bis sie den Weg zu ihrem neuen Heim antrat.