Und weiter geht's...scheinbar hat Coralein es nicht geschafft bis zur fünfzig an einem Wochenende zu lesen. ...darum gibt es auch keinen Kuchen, aber ein neues Kapitel dennoch. Hehe...viel Spaß dabei.

Die Ankunft

Kapitel LII

Unbekanntes Grab, Regenwald von Malaysia

Als Chase Carver wieder zu sich kam, spürte er den Schmerz kaum noch. Sein ganzer Arm war vollkommen taub von der Stelle, wo der Pfeil durch seinen Rücken eingedrungen war. Er lag mit freiem Oberkörper auf einem improvisierten Lager, damit ihm auf dem kalten Beton nicht noch schlimmeres geschah, und der linke Teil seiner Brust war vollkommen einbandagiert.

„Uuuh.", gab er von sich und wollte sich erheben. Dann erst explodierte der Schmerz, auf den er gewartet hatte und er legte sich wieder hin.

„Bist du dir da wirklich sicher?", Chase hörte eine ihm fremde Stimme nicht weit von ihm entfernt sprechen.

„Ja, Mann.", gab eine zweite, etwas höhere Stimme zurück. Dennoch ließen sie sich eindeutig als Männerstimmen identifizieren. Als der Abenteurer den Kopf drehte, um nach der Quelle der Stimme zu sehen, sah er zwei Schatten in einiger Entfernung gelangweilt an die Wand gelehnt. In dem Gesicht des einen glühte etwas auf. Die Spitze einer Zigarette, wie Chase erkannte.

„Du hast echt ihre Brüste gesehen?!", worüber ihr Thema auch genau ging, Chase hatte keine Lust näher darauf einzugehen. Das Niveau war selbst ihm zu niedrig. Also hörte er wieder weg.

Seine Zunge war ganz rau und sein gesamter Mund vollkommen ausgetrocknet. Er brauchte einwenig Wasser, was ihm auch helfen würde wieder zu Kräften zu kommen. Also entschied er sich, wo die Nichtrauchende Gestalt gerade ansetze die Form der Brüste zu beschreiben, einwenig Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Er hustete laut, teils gestellt, teils weil er keine vernünftigen Worte herausbekam. Sofort wurde die Zigarette zu Boden fallen gelassen und die Waffen aufgerichtet.

„Wer ist da?", wollte einer der beiden Schatten wissen.

Na toll, diese Vollpfosten sind zu blöd ein Husten von einem Angreifer zu unterscheiden...wirklich klasse Bewacher.

Chase überlegte, erneut zu husten, aber er wollte sein Leben nicht aufs Spiel setzen, also rief er, so laut er konnte. „Hier...", seine Stimme brach ab. Er war noch zu schwach und sein Gaumen ganz ausgetrocknet. Es gelang ihm noch nicht mal mehr genügend Speichel zu produzieren.

Die Situation schien sich zu entspannen und der Schatten, der eben noch geraucht hatte, kam auf Chase zu: „Sie sind also aufgewacht.", er ging neben ihm in die Knie: „Die anderen sind noch nicht zurück, aber ich soll Ihnen sagen, dass Lady Croft sich nachher um ihre Verletzung kümmert."

Chase sah ihn an und öffnete den Mund, das Wort kam mit einigen Sekunden Verzögerung: „Wasser!"

Der Soldat nickte und reichte Chase etwas Wasser aus einem Plastikkanister, der zu ihrer Ausrüstung gehört hatte. Chase trank die Lebensspendende Flüssigkeit mit gierigen Schlücken, bis er genug hatte und lehnte sich dann zurück. Nun konnte er auch wieder leichter sprechen: „Danke!"

Mit einem weiteren Nicken ging der Soldat zu seinem Kameraden zurück und Chase hörte ihn leise: „Warum müssen wir hier Babysitten? Ich würde diese Superwaffe nur zu gern mal vor die Augen bekommen.", flüstern.

Plötzlich vernahmen sie ein Geräusch. Es klang wie scharfe Krallen auf dem Betonboden. Mist...

Chase hatte kaum Kraft und keine Waffe um sich verteidigen zu können. Seine Pistole war nicht an seinem Körper, scheinbar hatte sie jemand konfisziert. Wenn also seine glorreichen Beschützer ihn im Stich lassen würden, würde er nicht mehr lange zu den Lebenden zählen. Das Geräusch hörte abrupt auf, aber dennoch spürte Chase die Gefahr in der Luft. Etwas war hier in dieser dunklen Halle.

Wieso war bisher noch keiner auf die Idee gekommen die dreckigen Scheiben zu zerschießen?!

Der Abenteurer verdrehte die Augen und versuchte sich irgendwie, ohne große Schmerzen in eine Aufrechte Position zu bringen. Mit sehr viel Mühe schaffte er es.

Was auch immer in der Halle war, es war weit gefährlicher und weit mächtiger als alle dieser lahmen Hüter zusammen. Chase zweifelte nicht daran, dass zwei Wachmänner für diesen Job zu wenig waren. Allerdings zweifelte er an seinen eigenen Fähigkeiten. Er hing nun, halb auf den nicht schmerzenden Arm gestützt und sah zu den beiden Soldaten rüber.

„Hey, Jungs. Gebt mir eine Waffe.", versuchte er flüsternd zu ihnen herüber zu rufen. Doch keiner der beiden reagierte darauf, denn im nächsten Moment brach hier die Hölle aus.

Chase hörte ein Geräusch, als würde jemand Energie aufladen und dann mit einem schnellen Ruck wieder entladen. Ein orangefarbener Blitz durchzog sein Blickfeld und explodierte in den Kisten.

„Verdammt!", schnell rollte er sich zur Seite und schrie dabei vor Schmerz auf, als er über den bandagierten Arm rollte. Der Schmerz zog sich von seiner Brust bis hinab in die Fingerspitzen.

Holzsplitter und zerfetzter Inhalt segelte zu Boden.

„Stirb!", brüllten die Wachmänner so mutig sie konnten und jagten mehrere Salven in die Finsternis hinein. Da Chase hinter einer Maschine lag, konnte er den Angreifer nicht sehen. Weitere Blitze wurden abgefeuert, jemand schrie. Als sich die Explosion gelegt hatte, hielt sich einer der Wachmänner den Arm und fluchte laut.

Der Zweite warf seine Maschinenpistole bei Seite und stürmte hinab in das Loch im Boden, dass Chase erst jetzt auffiel.

Mit aller Mühe kam der Abenteurer schließlich auf die Beine: „Aua. Blöde Idee, Chase.", murmelte er zu sich selbst.

Der verbliebene Soldat wollte gerade nach seiner Maschinenpistole greifen, als Chase etwas bekanntes ins Blickfeld huschte. Es sah aus wie Ranken, allerdings glänzten sie silbern. Woher kannte er diese Strukturen nur? Die Witchblade?!

War Sara etwa hier? Attackierte sie die Soldaten, weil sie diese für Feinde hielt? Lara hatte berichtet, dass Sara im Koma gelegen hatte. Doch diese Ranken waren unverkennbar die Witchblade. Chase hatte nicht einmal gewusst, dass die Witchblade sich so weit verbreiten konnte, dass sie sogar Ranken ausbildete.

Er musste etwas tun, also schritt er hinter der Maschine hervor: „Sara!", rief er. Vielleicht würde sie seine Stimme erkennen. Doch als er sah, wem er da gegenüber stand, blieb ihm die Spucke weg. Es war tatsächlich Sara. Ihr Körper war aber vollkommen nackt. Die intimsten Stellen waren von den Auswüchsen ihrer Waffe verdeckt. An ihren Schultern wuchsen Dornartige Fortsetze, die sie einwenig wie eine Kriegerprinzessin aus Trashserien wie Xena erinnerten.

Sie saß auf einer Art Witchbladethron und weitere Ranken wuchsen in alle Richtungen, schlängelten sich um das gesamte Gebilde und bildeten Spinnenartige Beine. Was passiert hier?

War das da überhaupt noch Sara? Die rot glühenden Augen sprachen dagegen. Die Tatsache, dass sich die Ranken um das Handgelenk des Mannes wickelten und mit einem kräftigen Ruck den Arm von der Hand trennten, ebenfalls.

Mit einem Schrei ging der Soldat zu Boden und robbte rückwärts gegen die Wand, den blutigen Armstummel gegen seine Brust gepresst: „Bitte...verschone mi...", bevor Chase irgendwas tun konnte, zuckten die Ranken vor und bohrten sich in den Körper des Soldaten, drangen durch den Brustkorb und Augen und Mund ein, hoben ihn in die Höhe, ließen ihn einwenig zappeln, dann schleuderte die Witchblade den Leichnam davon, wo er mit einem unappetitlichen knack in der Finsternis landete.

„Oho.", Chase schluckte, als sich Sara plötzlich zu ihm wand. Sie hatte also nicht überhört, dass er ihren Namen gerufen hatte. Dann sah Chase etwas, dass er nicht für möglich gehalten hätte. Die Witchblade verformte sich erneut, formte sich so, dass Sara nun in der Luft schwebte und die Ranken, die als Füße dienten, nun aus ihrem Rücken sprossen.

So kam sie –Chase kam nicht drum herum sie mit einer Spinne zu vergleichen- auf ihn zu und ihr Körper wurde von der Witchblade näher an ihn herangetragen.

Die glühenden Augen sahen ihn an, Sara legte den Kopf schräg und zwei Ranken bewegten sich langsam auf Chase zu.

Er war wie gelähmt, konnte nicht mehr sprechen, konnte sich nicht mehr bewegen. Das war das Ende, hier würde Chase Carver also sterben, ohne jemals zu erfahren, ob ihn Lara nun vielleicht doch liebte, oder ob sie sich für diesen Max entscheiden würde.

Ich armes Schwein...

Dann huschte etwas, wie Erkenntnis über die Augen von Sara. Sie schien ihn zu erkennen und die beiden Ranken, die sich gerade um seinen Hals hatten schlingen wollen, tasteten nur sein Gesicht ab.

Fauchend wand sie sich ab und krabbelte nun ebenfalls hinab in die Tiefe.

Warum sind alle nur so scharf darauf? Was ist da unten?

Die Erkenntnis kam ihm direkt im Anschluss, ganz ohne Werbepause: „Lara!", mit diesem Wort eilte er der Witchblade hinterher und sprang, ohne zu zögern –und unbewaffnet- in die Tiefe.

Der makabere Schrei riss ab. Dafür waren jetzt die Geräusche von Klauen zu hören, wie sie sich blitzschnell über Stein bewegten.

„Weg hier.", rief Max zur Erinnerung zu, doch jeder von ihnen wusste, dass es kein Entrinnen gab. Lara suchte die Wand und die Ketten mit den Knochen ab. Keine von ihnen wäre dazu in der Lage sie zu tragen.

Aber...

Sie sah die Eisenplatten, mit denen die Ketten in die Decke geschraubt worden waren. Die Finger der Archäologin griffen nach dem Magnethaken an ihrem Gürtel.

„Was hast du vor?!", fragte Max besorgt, der Laras entschlossenen Blick bemerkt hatte.

„Ich werde uns das Leben retten.", antwortete sie knapp und warf ihren Magnethaken. Sie erwischte eine Kette und zog daran.

Tatsächlich brachen die alten Ringe bei dem ersten Ruck direkt und die Kette flog in die Tiefe, zurück blieb nur noch die Eisenplatte, die man in die Wand geschraubt hatte. Das wiederholte sie ein paar Mal, bis sich eine Art Pfad gebildet hatte. Wenn ihr Plan aufging, würde sie es auf die andere Seite schaffen.

Sie allein...

Der Gedanke kam ihr im selben Moment, als sich das Mumienwesen, plötzlich um die Ecke begab. Das Maul war aufgerissen, ein Schrei entrang sich der Kehle. Dann stürmte es weiter vor. Die Augen glühten in einem bestialischen Gelb.

„Aus dem Weg.", Lara stieß Sheila und Zimmermann zur Seite, so dass nur noch sie im Blickfeld des Monsters stand. Ihr Plan schien zu funktionieren. Denn das Monster hob an zum Sprung. Im selben Moment machte auch Lara einen schnellen Satz nach hinten. Gemeinsam mit dem Monster ging sie über den Rand.

„Lara!", hörte sie Maxwell erschrocken rufen. Doch Lara hatte nicht vor hier ihr Leben zu beenden. Sie warf den Magnethaken aus und traf tatsächlich. Ihr Flug stoppte, während das Monster brüllend in der Tiefe verschwand.

Erleichtert atmete sie aus. Doch als sie den erhofften Aufprall nicht vernahm, kamen ihr Zweifel.

„Entweder das ist eines dieser typischen, bodenlosen Löcher. Oder wir haben gleich ein ernstes Problem.", sagte sie.

Hoffen wir das es die bodenlosen Löcher sind.", sprach Zip an ihrem Ohr.

Ja. Beten wir dafür."

Lara Croft begann ihre Arme an zu spannen und zog sich wieder hinaus aus dem Loch. Jetzt hing sie etwa in der Mitte des Abgrundes.

„Passen Sie auf.", rief Sheila ihr von der anderen Seite zu.

Lara nahm Schwung und löste am höchsten Punkt den Magnethaken von dem Platte. Als er sich wieder in ihrer Hand befand, schleuderte sie ihn erneut aus. Das ganze war Millimeterarbeit und erforderte höchstes Timing.

Doch Lara hatte Glück. Erneut wurde ihr Fall gestoppt und sie wiederholte die Prozedur, bis sie den festen Boden auf der anderen Seite hatte.

„Alles in Ordnung?!", rief Max ihr von der anderen Seite zu?

„Ja!", rief Lara zurück und sah sich nun ihren neuen Ort an. Sie musste einen Weg finden ihre Freunde auf die andere Seite zu bekommen, sonst hätten sie ein großes Problem. Ihr Blick fiel erneut auf die beiden Rinnen mit Feuer. Auch auf dieser Seite brannten sie. Das lag daran, dass Schienen über den Abgrund gespannt waren, die das Feuer auch jetzt noch weiter trugen.

Wo Schienen sind, ist auch...Bingo!

Sie sah die Rolle nur wenige Meter im Gang drin. Von weitem wirkte es wie eine dieser tödlichen Rollen, an der Seite mit Spikes behaftet, in der Mitte massiv und unausweichlich. Aber wenn man näher herantrat, konnte man erkennen, dass es eine Art zusammengerollte Brücke ergab. Sie hoffte nur, dass die Holzlatten noch stabil waren.

Wie willst du das Ding bewegen?", fragte Alister.

„Ich hab da schon eine Idee.", erneut schleuderte Lara ihren Haken und bekam einen der Metallspikes zu fassen.

Das ist Selbstmord. Die Walze wird dich zur Flunder verarbeiten.", riet Zip zur Vorsicht.

„Ich mag Fisch, Zip. Und jetzt seid bitte leise. Sonst ist es eure Schuld, wenn ich sterbe.", Lara schmunzelte und zog an der Walze.

„Ist alles in Ordnung?!", rief ihr jemand von der anderen Seite herüber. Doch Lara hatte keine Zeit darauf eingehen zu können.

Sie war viel zu sehr damit beschäftigt jetzt zu rennen. Tatsächlich hatten die Spikes, für die es im Boden eigens eingelassene Löcher gab, in die sie genau einrasten konnten, die Walze ins Rollen gebracht. Lara rannte den Gang zurück den sie gekommen war. Anders als auf der anderen Seite begann hier der Abgrund erst einige Zentimeter nach dem Ende des Tunnels über ihrem Kopf, also schlug sie schnell einen Haken nach links und sprang ab.

Ihre Augen hatten sie nicht getäuscht, als sie einen Spalt zu ihrer linken glaubte gesehen zu haben. Ihre Finger gruben sich in den Spalt und sie zog die Beine an, um ihre Arme zu entlasten. So blieb sie da hängen, bis die Walze an ihr vorbei gerollt war und über dem Abgrund begann ihre wahre Tätigkeit aufzunehmen.

Das klappt ja Einwandfrei.", jubelte Alister.

„Sag ich doch.", Lara sprang seitlich von der Wand ab und landete wieder auf festem Boden. Ihre Begleiter kamen über die Brücke hinter ihr her.

„Wow.", Maxwell pfiff beeindruckt von der Brücke, die trotz der Jahrhunderte immer noch ihr Gewicht trug. Ihr Weg wurde aber abrupt nach einigen Metern gestoppt, als Lara sah, was die Dampfwalze noch in Bewegung gesetzt hatte.

Mit der Entfernung von ihrer Position, hatte Lara Zahnräder in Bewegung gesetzt und diese Zahnräder betrieben...

Ein Fallenparadies.", kommentierte ihr Computerspezialist: „Echt toll gemacht."

Damit hörte der Schrecken aber noch nicht auf, denn im nächsten Moment hörten sie erneut das ihnen allen schon bekannte Brüllen.

„Also doch nicht das bodenlose Loch.", murmelte die Grabjägerin und zog ihre beiden Pistolen. Sollte das Wesen doch kommen.

Fortsetzung folgt: