Secrets Are Walls That Keep Us Alone

Kapitel zweiundfünfzig

Remus lehnte an der Wand des Gemeinschaftsraums und beobachtete, wie die Menge explodierte, als Sirius und James hereinkamen. Mädchen kreischten, Jungs jubelten und pfiffen.

James und Sirius grinsten. Sirius trat zur Seite und breitete seine Arme aus um auf James zu zeigen, der sich elegant verbeugte. Dann deutete James auf Sirius, der sich ebenfalls verbeugte. Alle lachten und klatschten.

„Warum stehn wir hier rum?" rief Sirius.

„Her mit der Party!" brüllte James.

Die Musik pulsierte durch den Raum, der Bass ließ die Büchertürme an den Rändern des Raumes hin und her wanken, brachte lose Blätter zum herumschweben, wie Konfetti. Irgendjemand legte einen Zauber auf die Lampen, so dass sie ihre Farben wechselten und blinkten. Was für ein sinnloser Zauber. Das einzige wofür er gut ist, ist jemandem einen Anfall zu verpassen, dachte Remus mit einem Kopfschütteln.

Offenbar hatten jedoch alle anderen ziemlich viel Spaß. Die Leute begannen zu tanzen, und um den Tisch, auf dem jemand Essen aufgebaut hatte, drängte sich eine Menschenmenge.

Trotzdem war das einzige, was Remus wollte, hochzugehen und von dem Lärm wegzukommen. Natürlich war er froh, dass sie gewonnen hatten, aber er hatte kein Interesse an der Party.

„Lass uns James und Sirius suchen!" rief er Peter über die Musik hinweg zu. Peter schaute ein bisschen verwirrt, stimmte dann jedoch mit einem Nicken zu.

Die beiden bahnten sich einen Weg durch die unzähligen Gryffindors, und versuchten vergeblich ihre Freunde unter den dunklen Umrissen in dem schummrigen Licht, zu finden. Remus hatte den vagen Eindruck, dass einige dieser Schüler aus anderen Häusern sein mussten, denn es konnte einfach nicht so viele Gryffindors geben. Er entschied sich schließlich nur nach James zu suchen, weil der größer war und somit leichter zu entdecken sein sollte.

„Siehst du sie?" rief Peter.

„Nein – Ja, da ist James!" antwortete Remus und deutete auf ihn. Sie kämpften sich durch die Menge, bis sie ihn erreicht hatten.

„Moony! Wurmschwanz!" rief James erfreut.

„Gutes Spiel!" lobte Remus.

„Danke!" sagte Sirius, als er zu ihnen trat. „Krone, schau was sie mir gegeben haben!" er hielte eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit in die Luft.

„Klasse!" James nahm sie ihm ab, öffnete den Verschluss und nahm einen großen Schluck.

Sirius nahm die Flasche zurück, und trank ebenfalls.

„Ihr solltet wirklich nicht so viel trinken," warnte sie Remus.

„Oh, entspann dich Remus!" sagte James. „Lern mal Party zu machen!"

Remus schüttelte den Kopf, musste jedoch lächeln. „Ich glaube, ich verzieh mich mal nach oben."

„Was? Nein, Moony, geh nicht!" versuchte ihn Sirius zu überreden.

„Ja, lass uns bleiben!" sagte Peter.

„Komm schon, Remus!" sagte James und nahm einen weiteren Schluck aus der Flasch, die Sirius gebracht hatte.

„Oh, na gut," sagte Remus grinsend. „Also, was ist das?"

Sirius nahm die Flasche und trank einen langen Zug. „Feuerwhiskey. Willst du auch?" Er bot ihm die Flasche an.

„Äh, nein, danke. Wisst ihr, ihr solltet das wirklich nicht trinken. Ihr seid minderjährig; wenn ihr erwischt werdet, könntet ihr rausgeworfen werden. Nicht zu vergessen, dass Alkohol das Urteilsvermögen vermindert und –"

„Du hörst dich an wie ein Lehrbuch," meinte Sirius. „Trink und sei fröhlich, denn heute Abend haben wir den Quidditchpokal gewonnen!"

„Ja!" jubelte James.

„Wo ist Lily?" fragte Peter.

„Keine Ahnung." James runzelte die Stirn und sah sich um. „Ach, sie wird schon noch auftauchen. Sirius gib mal – oh, danke."

„Lily wär ziemlich sauer, wenn sie dich das trinken sähe," sagte Remus.

„Dann lassen wir es sie am besten nicht sehen, oder?" James leerte die Flasche und warf sie zur Seite. „Schau, kein Problem."

„Das wird ein sehr lange Nacht, nicht wahr?" fragte Remus Peter.

„Peter zuckte mit den Schultern. „Könnte lustig werden."

Remus und Peter verzogen sich wieder an den Rand der Menge. Remus schaute zu, wie James weiter Feuerwhiskey trank und Sirius ein Mädchen fand, mit dem er rummachte. Es war alles so lächerlich, fand er. James würde nachher absolut fürchterlich sein und Remus würde ihn überreden müssen ins Bett zu gehen. Zumindest war Sirius vernünftig genug gewesen mit dem trinken aufzuhören, bevor er richtig betrunken war. Auch wenn sich Remus ziemlich sicher war, dass Sirius das Mädchen, dass er da küsste nicht mal kannte.

„Manchmal wünsche ich mir wirklich so wie er zu sein," sagte Peter plötzlich.

„Wer?" fragte Remus und sah ihn an. Er folgte Peters sehnsüchtigem Blick zu James. „James?"

„Ja," Peter seufzte.

„Warum?"

„Na, schau ihn doch an!" forderte ihn Peter auf.

„Ich sehe einen sehr betrunkenen Jungen, der Morgen viele Schmerzen haben wird. Und vermutlich ziemlichen Ärger mit seiner Freundin."

„Zumindest hat er eine Freundin," murmelte Peter. „Der Rest von uns hat keine."

„Ich wusste gar nicht, dass du nach einer suchst," sagte Remus lächelnd. „Aber warum forderst du nicht einfach jemanden zum tanzen auf?"

Peter sah ihn mit großen Augen an. „Warum sollte ich das tun?"

Remus zuckte mit den Schultern. „Warum nicht?"

„Ich mach das nur, wenn du es auch machst," sagte Peter.

„Ich tanze nicht," sagte Remus. „Geh einfach und frag jemanden."

„Ich kann nicht."

„Natürlich kannst du. Schau, dieses Mädchen da drüben. Geh fragen," befahl ihm Remus. Sie war ein hübsches Mädchen, mit langem, braunem Haar. Peter warf Remus noch einen unsicheren Blick zu, bevor er auf sie zuging.

Remus sah belustigt zu, wie Peter das Mädchen etwas unbeholfen zum tanzen aufforderte und breit ginste, als sie ja sagte. Peter schaute mit einem breiten Grinsen zu Remus hinüber, der ermutigend nickte.

Diese Party wollte einfach nicht enden. Die Beleuchtung machte Remus verrückt, jeder Lichtblitz durchzuckte seine Retina, ließ ihn in der darauffolgenden Dunkelheit helle Punkte sehen, die seine Augen verbrannten. Die Lichter waren in Gryffindorfarben. Das Rot ertränkte alles in leuchtendem Blut; das Gold war, als ob man direkt in die Sonne schaute. Die Musik wirbelte um ihn herum, trommelte auf jeden Zentimeter seines Körpers, mit der Kraft eines festen Gegenstnades. Remus rieb sich die müden Augen und wiederstand nur schwer dem Drang sich die Ohren zuzuhalten.

Er warf einen Blick auf seine Uhr, musste dafür jedoch die Augen zusammenkneifen und sie sehr nah vor sein Gesicht halten. Er vermutete, dass wenn ihn jetzt jemand sehen würde, jeder dächte er würde eine mikroskopische Untersuchung der inneren Funktionsweise seiner Uhr vornehmen, und nicht nur versuchen sie zu lesen.

Es war schon fast elf, eine sehr gute Zeit zum gehen. Er ließ seinen Blick über die wogende Menge schweifen und suchte nach einem bekannten Gesicht.

Peter tanzte noch immer mit diesem Mädchen, und Remus sah, dass sie beide ziemlich glücklich aussahen. Er würde sie in Ruhe lassen. Sirius hatte sich von dem ersten Mädchen losgeeist, und unterhielt sich mit dem nächsten. Remus bahnte sich einen Weg zu ihm.

„Sirius!" rief er, als er nah genug dran war.

Sirius drehte sich um und sagte mit gesenkter stimme. „Rem, du bist nicht grade förderlich für meine Chancen hier."

„Du findest schon eine andere, wenn das hier nicht klappt," sagte Remus, warf dem Mädchen jedoch ein Lächeln zu. Sie konnte ihn nicht hören.

Sirius seufzte laut und wendete sich wieder dem blonden Mädchen zu. „Nur eine Sekunde, in Ordnung?" Sie verzog das Gesicht, nickte jedoch. Sirius schaute wieder zu Remus. „Ja?"

„Ich will ins Bett."

Sirius zog die Augenbrauen hoch. „Und du brauchst mich um dich zuzudecken?"

„Nein. Behalt James im Auge, in Ordnung?"

„Warum, was ist mit ihm los?" Sirius schaute über die Menge und sah James sofort. „Oh, das. Ja, ich werd auf ihn achten."

„Gut. Danke."

„Uh–huh." Sirius' Aufmerksamkeit war schon wieder auf die Blondine gerichtet. Remus verdrehte die Augen und machte sich auf den Weg zur Wendeltreppe, mit dem erleichterten Gefühl, zumindest diese Verantwortung los zu sein.

„Hey." Lily hielt ihn am Arm fest.

„Oh, hi."

„Wo gehst du hin?" fragte sie.

„Bett," sagte Remus.

„Schon? Nicht in der Stimmung für ne Party?"

„Nie."

Lily lachte. „Ich bin auch nicht besonders begeistert. Und es ist auch nicht so, als ob es James interessieren würde, dass ich hier bin." Sie sah zu ihm hinüber.

„Wirst du ihn nicht anschreien oder so was?" fragte Remus.

„Nicht vor morgen früh," erwiderte sie.

„Warum nicht?"

„Es wird mehr weh tun, wenn ich bis morgen warte." Sie lächelte hinterhältig. „Nein, wirklich, es macht mir eigentlich nichts aus, wenn er sich betrinkt, solange er nichts zu dummes anstellt."

„Sirius passt auf ihn auf."

„Oh, jetzt fühl ich mich natürlich gleich besser," meine Lily sarkastisch. „Nein, ich bin mir sicher, das geht alles gut."

„Ja, wird es. Gut, ich geh jetzt ins Bett."

„Gute Nacht."

Wie sich herausstellte, war es im Schlafsaal viel zu laut zum schlafen. Der Bass dröhnte dumpf in den Steinen auf dem Boden; die leichteren Gegenstände stöhnten, wenn sie auf dem Boden erzitterten. Remus zog sich um und streckte sich dann mit einem Buch auf seinem Bett aus.

Es war ungefähr halb zwölf, als Peter hereinkam. Er sah ziemlich glücklich aus. Er sagte nicht viel, legte sich nur in sein Bett und starrte mit einem verträumten Grinsen auf die Vorhänge seines Himmelbettes.

Irgendwann um Mitternacht, öffnete sich die Tür abermals und merkwürdig schlurfende Schritte lenkten Remus' Aufmerksamkeit von seinem Buch auf Sirius, der sich redlich Mühe gab, James zu stützen, der trotz Sirius festem Griff, bedenklich hin und her schwankte.

„Geht's ihm gut?" fragte Remus.

„Oh, ja," sagte Sirius so lässig, wie er konnte, während er von zu viel Gewicht zu Boden gedrückt wurde. „Er hatte nur ein bisschen zu viel Feuerwhiskey. Nicht wahr, James?"
James lachte. „Und hast du gesehn, wie ich den Schnatz gefangen hab? Es war so großartig, ich war..." James laberte weiter, während Sirius sie beide zu James' Bett hinüberbugsierte.

„Brauchst du Hilfe?" fragte Remus.

„Nö," grunzte Sirius. „Ich schaffs schon."

„Hat er irgendwas dummes angestellt?"

„Nichts anderes als sonst auch." Sirius hievte James auf sein Bett und richtete sich schwer atmend wieder auf.

„Warum bist du nicht so betrunken wie er?" fragte Remus mit gerunzelter Stirn.

Sirius begann James Schuhbänder aufzuknoten. „Weil ich weiss, wann ich aufhören muss. Ich bin vermutlich nicht ganz nüchtern, aber auch nicht ganz besoffen. Man muss seine Grenzen kennen, nicht wahr James?"

„Ich fühl mich nicht besonders," stöhnte James. Sirius warf ihm einen kurzen Blick zu und sprang dann schnell zur Seite, als James sich über die Bettkante beugte und sich übergab.

„Großartig," murmelte Sirius. „Äh, Moony? Du kennst doch diesen Putzspruch?"

Remus langte nach seinem Zauberstab auf dem Nachttisch. Er schwang ihn einmal, und die Sauerei war verschwunden.

„Danke," sagte Sirius und sah dann wieder zu James. „Fühlst du dich jetzt besser?"

James nickte leicht, mit geschlossenen Augen. „Müde..." Sirius seufzte und zog eine Decke über James, dann holte er ein Glas Wasser und stellte es auf seinen Nachttisch.

„Also, Peter," fing Sirius ganz unschuldig an, als er anfing in seinem Koffer zu kramen. „Wer war das Mädchen?"

„Ihr Name ist Rebecca," sagte Peter glücklich. „Wir gehen nächstes Wochenende zusammen nach Hogsmeade."

„Glückwunsch," sagte Sirius, bevor er im Badezimmer verschwand um sich umzuziehen.

„Siehst du, ich habs dir doch gesagt," sagte Remus, als er sicher war, dass Sirius sie nicht mehr hören konnte.

Peter nickte.

Plötzlich verstummte die Musik. Remus und Peter blickten sich erleichtert an. „Was meinst du hat es beendet?" fragte Remus, grade als Sirius aus dem Badezimmer trat.

„Wahrscheinlich hat McGonagall die Anlage gefunden. Ich hab James genommen und hab mich verzogen, als ich gesehn hab, dass sie kommt," sagte Sirius und legte sich in sein Bett.

„Aber das ist gut, ich bin eh müde."

„Kein Wunder, nach dem Spiel, das du heute gemacht hast," sagte Remus. „Du warst wirklich gut."

„Danke," murmelte Sirius, während er sein Kissen zurechtdrückte. „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben."

Sie schwiegen alles für einen Augenblick.

„Ich mach das Licht aus, okay?" fragte Remus leise.

Er bekam keine Antwort. Sirius und Peter waren schon eingeschlafen.