Hallo ihr Lieben,
leider musste das letzte Update ausfallen, weil meine Technik nicht mitgespielt hat. Die ganzen letzten Tage hatte ich damit zu kämpfen, keine Daten zu verlieren und nun, nachdem mein Rechner zeitweilig die Oberhand hatte, kann ich Erfolg vermelden und bin wieder online. Vielen Dank für eure Reviews, auch für die zu „Bettgeschichten". Da wird es auch bald weitergehen.
52. Ein wichtiger Entschluss
Die Rückkehr nach Hogwarts verlief unspektakulär. Hermine und Severus verließen am frühen Nachmittag das neue Hauptquartier des Ordens und gingen ein paar Straßen weit, bevor sie gen Hogwarts apparierten.
Den Weg zum Schloss legten sie schweigend zurück. Oft in diesen Tagen, die sie sich allein in Hogwarts befanden, waren sie zu kleinen oder größeren Spaziergängen aufgebrochen, doch nie war die Stimmung zwischen ihnen so merkwürdig gewesen, wie jetzt. Beide hatten viel Stoff zum Nachdenken aus dem Ordenssitz mitgenommen und so waren beide in ihre Gedanken vertieft.
Hermine hatte vor wenigen Stunden die erste Gelegenheit seit langem gehabt, mit Harry, Ron und Ginny zu sprechen, doch all dies hatte Gefühle in ihr hoch gewirbelt, die sie nicht wirklich verstand und auch nicht haben wollte. Die ohnehin nicht große Wiedersehensfreude mischte sich mit der Erinnerung an die Enttäuschung, dass die Jungs ihr nicht zugetraut hatten mit auf die Suche nach den Horkruxen zu gehen und mit dem Ärger über die nicht geringer gewordene Verachtung für Severus.
Vielleicht hatte sie zu viel erwartet, als sie annahm, auch ihre Freunde wären in den letzten Monaten erwachsener geworden, so wie sie selbst. Unverkennbar war dies nicht der Fall, oder in so viel geringerem Ausmaß, dass sie kaum einen Unterschied zu vorher sah. Wie gern hätte sie den beiden einfach gesagt, sie sei mit Severus zusammen und wolle keinen Kontakt mehr, wenn sie das nicht akzeptieren könnten, doch zum einen war der Kontakt nun wohl nicht mehr zu vermeiden und zum anderen war es nicht der richtige Zeitpunkt, um den Jungs ihr Liebesleben zu offenbaren.
Nur Ginny war für sie keine solche Enttäuschung gewesen und somit der einzige Lichtblick an diesem Tag. Ginny war fast ein Jahr jünger als sie selbst und die Jungs und doch trat sie ihr wie eine Erwachsene gegenüber, strahlte beinahe schon die Souveränität ihrer Mutter aus und weckte in Hermine das Gefühl, doch außerhalb von Hogwarts noch einen Menschen gefunden zu haben, dem sie vertrauen konnte. Hätte sie mehr Zeit gehabt, wäre sie gern mit ihr in ein leeres Zimmer verschwunden, um ein langes Gespräch zu führen. Vielleicht würde sich dazu irgendwann die Gelegenheit ergeben.
Severus dachte unterdessen weniger über die Menschen nach, die er nach so langer Zeit wieder gesehen hatte, sondern mehr über die möglichen Konsequenzen seiner Abwesenheit von Hogwarts, des Kontakts zum Orden und über eventuelle Austauschmöglichkeiten für Informationen. Mary-Ann Hicks hin und her zu schicken war sicherlich eine davon, aber nicht seine bevorzugte. Eulen wären auf Dauer zu auffällig und würden allerhöchstens eine geheime Adresse ansteuern können, die beide Parteien gelegentlich auf Post kontrollierten, was bestenfalls eine Notlösung war.
Kaminverbindungen kamen wegen der Entdeckungsgefahr auch nicht in Frage und dem Orden einen persönlichen Besuch abzustatten, stand ohnehin nicht zur Wahl, es sei denn es ginge um außergewöhnlich wichtige Informationen. Die Möglichkeiten waren also eingeschränkt und er würde sich etwas einfallen lassen müssen.
Am Portal angekommen trennten sich Severus und Hermine. Er ging nach unten, um weiter nach einem Weg zu suchen, Verbindung zum Orden zu halten und Hermine wollte eine Weile allein sein. Sie ging zum Westturm und setzte sich in eines der großen, bunten Bleiglasfenster. Durch die einzige farblose Stelle im Glas betrachtete sie die Wiesen, welche zum verbotenen Wald führten und ließ sich die Ereignisse des letzten Tages noch einmal durch den Kopf gehen.
Stunden später, als schon die Dämmerung einsetzte, ging sie hinunter zum Kerker und aß mit Severus zu Abend. Wie sie selbst, war auch er immer noch schweigsam und in Gedanken sehr weit weg. Erst am nächsten Tag fiel die unergründliche Anspannung von ihnen ab, die sie seit der Entführung durch den Orden gespürt hatten. Sie nahmen den Unterricht wieder auf, lebten und arbeiteten zusammen und vermieden es eine Weile eingehend, über den Orden zu sprechen.
Erst nach fast einer Woche griff Severus das Thema wieder auf, weil ihm immer noch keine gute Idee gekommen war, um den Kontakt zum Orden zu halten. Überraschenderweise lächelte Hermine ihn nur an und erklärte ihm, das Problem sei längst gelöst. Severus schüttelte daraufhin verständnislos den Kopf und ließ sich dann von Hermine erklären, dass sie dem Orden empfohlen hatte, ein Bild für Dumbledore zu malen, in welches er von hier aus wechseln konnte.
Dazu war zwar eine spezielle Art der Magie nötig, um die beiden Bilder auch außerhalb eines Gebäudes miteinander zu verknüpfen, aber ihres Wissens nach war es kein schwieriger Zauber, wenn man erst einmal ein zweites Bild zur Hand hatte.
Severus kam ganz nah an sie heran, neigte den Kopf zu ihr herunter, küsste sie und verschwand dann wortlos in seinem Büro, um dem Orden eine Eule an eine Mittleradresse zu schicken und ein Portrait anzufordern. Er selbst war nicht in der Lage etwas anderes als Pflanzen und Steine zu skizzieren, wie es für seine Aufzeichnungen unabdingbar war. An einem Stillleben mit Sessel, Schränken und sonstigen Annehmlichkeiten hätte er sich wohl die Zähne ausgebissen. Irgendwer im Orden würde schon ein wenig mehr Talent für so etwas zeigen und dann könnte Albus problemlos und vor allem gefahrlos als Kontaktmann funktionieren. Zwar gab es auch jetzt schon einige Bilder, die mit anderen im Ordenshaus verknüpft waren, doch vertrauen wollte Severus diesen nicht. Wie viele große und kleine Finten Albus Dumbledore auch benutzt hatte, um Ereignisse oder Personen in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken – Severus vertraute ihm. Immer, wirklich immer hatte der alte Mann letztlich damit erreicht, was richtig und notwendig war.
Schon zwei Tage nach dem Absenden des Briefes, erklang in Severus Labor ein Alarm, der anzeigte, dass er eine Antwort erhalten hatte. Es war früh am Morgen, als das leise Klingeln vom Labor aus bis hin zum Schlafzimmer klang, doch selbst im Halbschlaf nahm Severus dieses wichtige Geräusch war und schälte sich aufgrund dessen aus dem Bett. Hermine erwachte nicht, als er aufstand und sich anzog und auch nicht, als er leise den Kerker verließ.
Mit schnellen Schritten eilte er zur Appariergrenze. Dort konzentrierte er sich einen langen Moment, bevor er den Zauber sprach und nach London in einen alten Schuppen apparierte, der in früheren Zeiten als Kneipe gedient hatte. Im schwachen Licht des anbrechenden Tages sah er sich um und entdeckte schnell das Päckchen, was für ihn bereit lag. Er griff danach, steckte es ein und war schon nach weniger als einer halben Stunde zurück im Kerker.
Adrenalin schoss durch seine Adern, denn was er gerade tat, war nicht ungefährlich. Er musste das Bild, was unzweifelhaft in diesem verkleinerten Päckchen steckte, nun mit dem vorhandenen von Albus verbinden und dann das Bild wieder an die Stelle schicken, an der er es abgeholt hatte. Das Risiko entdeckt zu werden war nicht sehr hoch, doch weitaus höher, als es sein würde, wenn die Verbindung erst einmal bestand. Die Magie der Bilder war nicht einmal für einen Schwarzmagier wie Voldemort zu entdecken.
Mit ungewohnt zittrigen Händen zog er das Bild und einen kurzen Begleitbrief des Ordens aus dem Packpapier und betrachtetet es. Wie gewünscht waren ein bequemer Sessel, ein Tisch und eine beträchtliche Anzahl Bücher darauf zu sehen. Albus würde sich sicherlich darin wohl fühlen.
Severus betrat das Labor und bemerkte, dass Albus noch schlief. Nun denn, Albus wusste von dem Plan, das Bildnis selbst musste für die Wirksamkeit des Zaubers nicht wach sein und so stellte Severus mit leisen Worten die Verbindung her und ging dann in die Eulerei, um den gefährlichen Teil des Plans zu beenden.
Als die Eule davon geflattert war, sah Severus ihr noch eine Weile nach und betrachtete durch die Dachluke die Ländereien. Er fragte sich, wie lang es wohl noch so ruhig sein würde, wie jetzt. Über zwei Wochen der Sommerferien waren bereits verstrichen und mit jedem Tag der kam und ging rückte der Zeitpunkt näher, an dem die Schüler zurückkehrten und damit auch die Lehrer inklusive des dreimal verdammten Martens.
Je länger Severus nach draußen blickte, desto mehr gewann die Anspannung in ihm an Boden. So viele Probleme lagen noch ungelöst vor ihm und mit jedem Tag schienen sie zu wachsen. Voldemort, Martens, Unterricht in den dunkelsten Künsten und da war noch so viel mehr. Sie mussten dringend etwas unternehmen, um all dessen Herr zu werden, befand Severus in diesem Augenblick.
Egal, was Hermine davon hielte, ab jetzt würde ihre Ausbildung hinten anstehen müssen. Sie war eine gelehrige Schülerin und weit für die paar Wochen des Unterrichts, aber weitaus wichtiger, als ihre Ausbildung, würde es jetzt sein, die Horkruxe der Reihe nach zu finden, sie zu zerstören und dann letztlich auch das zu vernichten, was von Tom Riddle noch übrig war. Nur so war zu vermeiden, dass das Leben weitergehen würde, wie bisher: Gefangen zwischen Angst um das eigene Leben und das von Hermine, dem Orden und jedem Muggelgeborenen auf diesem Kontinent. Je länger sie jetzt, da sie endlich die Unterstützung des Ordens hatten, warteten, desto schwieriger würde ihre Aufgabe werden.
Severus verließ die Eulerei. Er würde jetzt zu Hermine gehen und ihr sagen, was er vorhatte.
TBC
