Kathi: Hat leider etwas länger gedauert dieses Mal (wer hat bloß dieses Reallife erfunden?), aber ich hoffe, die neue MS kann es ein bisschen wieder wettmachen. :)


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- Bevor Severus zur Verabredung mit Hermine an deren Geburtstag geht (Kapitel 49).


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Es war still. Vollkommen. In seinen Räumen. In seinem Kopf.

Severus schloss die Augen und befeuchtete mit der Zunge seine Lippen. Er war ein großes Risiko eingegangen, die Nachricht an Hermine erst so spät loszuschicken. Und sie unter den Augen Minervas auszuführen, war ein noch viel größeres Risiko. Sein Nacken kribbelte, als würde die Direktorin ihn beobachten bei dem, was er gerade tat.

„Penny!", rief er mit rauer Stimme; es war Tage her, dass er sie benutzt hatte.

Die Hauselfe erschien mit einem Knallen neben ihm, das die Stille zerriss. „Professor Snape?"

Er wandte sich vom Kleiderschrank ab, in dem er nach einer geeigneten Robe suchte, und sah das kleine Wesen an. „Weißt du, ob Miss Granger meine Notiz ungesehen bekommen hat?"

Die Mundwinkel der Elfe zuckten kurz. „Nein, Sir. Aber Penny wird sich darum kümmern, Sir."

Severus nickte knapp und Penny verschwand. „Was meinst du, Alter Mann...", begann er und unterbrach sich, als die Leere in seinem Kopf wieder in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit trat. „Es war ein Fehler", murmelte er, unsicher, ob er die Einladung an Hermine oder die Abgabe von Albus' Macht meinte.

Dennoch nahm er einen schlichten schwarzen Umhang aus dem Schrank, der trotz aller Ähnlichkeit zu seiner alltäglichen Kleidung doch als Festumhang zu erkennen war. Der Schnitt war raffinierter, der Stoff feiner und in der Brusttasche steckte ein dunkelrotes Taschentuch. Er hängte den Umhang mit dem Bügel an die Schranktür, so dass er den Spiegel verbarg.

Während er auf Pennys Rückkehr wartete, ging Severus ins Wohnzimmer und schenkte sich einen Scotch ein. Der Alkohol brannte auf seiner Zunge und in seiner Speiseröhre, sein Herzschlag wurde etwas schneller und intensiver.

Obwohl Minerva kein Legilimens war und Voldemort bald endgültig der Vergangenheit angehören würde, achtete Severus noch immer sorgfältig darauf, Anflüge von Gedanken zu kontrollieren und zu bewerten. Er hatte es sich in den letzten Wochen verboten, sowohl über Albus und seine Macht, als auch über Hermine nachzudenken.

Diese wenigen Minuten, in denen er mit dem Scotch in der Hand im Halbdunkel seines Wohnzimmers stand und durch die Stille auf den dunklen Boden starrte, war das erste Mal, dass er es sich bewusst erlaubte zu denken, was ihm in den Sinn kam. Die Sehnsucht nach Hermine ließ seine Hand zittern und seine Knie weich werden.

Er sah ihre weichen Gesichtszüge, die buschigen Haare, das Leuchten in den braunen Augen, das Lächeln, das ihre geraden weißen Zähne offenbarte. Für einen Moment glaubte er, ihren Geruch in der Nase zu haben, spürte er ihre kleine Hand in seiner und hörte ihr Lachen, das verschämte Stöhnen, als er sie geküsst hatte.

Und dennoch... „Es war ein Fehler." Nicht, die Sache zwischen ihnen nicht endgültig zu beenden, sondern sie heute wieder anzufachen. In einem Jahr würde sie ihren Abschluss machen. War es denn tatsächlich so unmöglich, ein einziges Jahr zu warten, nachdem er schon fünfzehn damit verbracht hatte?

Severus schnaubte, als er zu wissen glaubte, was Albus ihm darauf geantwortet hätte. Natürlich nur der Albus, der kein Schulleiter mehr war, den es nichts anging, ob Hermine seine Schülerin war oder jemals wieder sein würde.

Das Leben", hätte er gesagt, „ist selbst in magischen Maßstäben zu kurz und ein Jahr kann es von Grund auf verändern."

„Auf dein Wohl, Alter Mann", sagte Severus und leerte sein Glas in einem Zug.

In diesem Moment kehrte Penny zurück und sah mit roten Ohren zu ihm auf. „Miss Granger hat Sirs Nachricht bekommen, Sir."

„Hat es jemand bemerkt?", fragte Severus.

„Nein, Sir. Niemand, Sir." Die Elfe knetete ihre Hände vor der Brust.

„Und Professor McGonagall?"

„Sie ist nicht in ihrem Büro, Sir."

Severus runzelte die Stirn. Nicht in ihrem Büro hieß nichts anderes, als dass sie sich an einem Ort aufhielt, den die Elfen nicht lokalisieren konnten, zum Beispiel im Raum der Wünsche. Wo auch immer Minerva sich befand, sie war der Schwachpunkt dieser Geschichte.

„Danke, Penny, du kannst gehen", entließ er die Elfe, als ihm bewusst wurde, dass sie immer noch vor ihm stand und ihn aus großen Augen anstarrte. Nachdem sie mit einer Verbeugung und einem Knall verschwunden war, schenkte Severus sich noch einen zweiten Scotch ein und stellte die Flasche anschießend weit hinten auf den kleinen Tisch. Schließlich wollte er zu dem ersten richtigen Abendessen mit Hermine nicht betrunken aufkreuzen.

Gerade als er sich dem liegen gebliebenen Briefverkehr zuwenden wollte, kam ihm ein Gedanke. Hauselfen hatten zwar eine ganz besondere Art der Magie, aber auch eine sehr einfache. Wenn Penny nach Minerva gesucht hatte, dann hatte sie nach einer Hexe gesucht.

Sein Blick verfinsterte sich. Severus lief geradewegs an seinem Schreibtisch vorbei und hinaus auf den Gang. Die Tür zu seinem Büro zog er mit einem Klicken hinter sich ins Schloss, dann raffte er seinen Umhang vor dem Körper zusammen und verschwand ein Stück den Korridor hinab in einem Geheimgang, dessen Stufen ihn an drei Stockwerken vorbei in die Nähe des Krankenflügels führte. Und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis zum Astronomieturm.

Ruhig saß sie auf der Brüstung, der Schwanz kräuselte sich von einer zur anderen Seite, ihre Schnurrhaare zuckten, wenn die Regentropfen sie berührte, ihr Blick war aufmerksam auf den Apparierpunkt gerichtet.

„Ist das dein Ernst, Minerva?", fragte Severus laut und beobachtete, wie die schwarze Katze zusammenzuckte. Sie erhob sich graziös auf ihre Pfoten und tänzelte ein Stück über die Brüstung, ehe sie ihre menschliche Gestalt annahm.

„Mein Ernst, Severus? Inwiefern?", fragte sie und stieg vom Geländer, strich ihren nassen Umhang glatt.

„Misstraust du mir tatsächlich so sehr, dass du deinen Abend freiwillig hier draußen im Regen verbringst?" Er verschränkte im Schutz der Tür zum Flur die Arme vor der Brust. Hier war es wenigstens trocken.

„Da du ja offensichtlich nach mir gesucht hast, scheint mein Verdacht nicht unbegründet zu sein." Sie tat es ihm gleich, nachdem sie unter das schmale Vordach getreten war und ihre Kleidung mit einem Zauber getrocknet hatte.

„Ich habe dich gesucht, weil ich sehen wollte, wie paranoid der Krieg dich tatsächlich hat werden lassen."

„Ich folge meiner Intuition. Ist dir ein solches Verhalten etwa fremd?"

„Allerdings. Ich folge meinem Verstand."

„Und was sagt dir dein Verstand?", fragte sie herausfordernd.

„Dass die Idee, ich könnte ein gesteigertes Interesse an Hermine Granger haben, vollkommen absurd ist. Habe ich in all den Jahren hier jemals einer Schülerin nachgestellt?"

„Nein."

„Dann erkläre mir, wie du auf den Gedanken kommst, dass sich das jetzt geändert haben könnte."

„Ich kann es nicht. Nicht objektiv", gab die Schulleiterin widerstrebend zu.

„Und trotzdem belästigst du mich und wahrscheinlich auch Miss Granger mit deiner Intuition." Er sprach das Wort so abfällig aus, wie es ihm möglich war. „Wenn dir der Gedanke, dass sie Zeit in meinen Räumen und im Labor verbringt, so missfällt, dann hol jemand anderen ins Schloss, der mir bei meiner Suche nach einer Lösung für das Voldemort-Problem helfen kann. Ich bin nicht auf Miss Granger fixiert."

Minerva presste ihre Lippen zusammen und musterte ihn so intensiv, dass Severus unwillkürlich das Kinn vorreckte. „Also gut", beschloss sie dann, „ich werde dir vertrauen." Sie kam zwei Schritte auf ihn zu. „Sorg dafür, dass ich es nicht bereue."

Severus trat einen Schritt zur Seite, als sie Anstalten machte, den Astronomieturm zu verlassen. Während sie die Stufen hinunterstieg, schluckte er schwer und schloss für einen Moment die Augen. Er konnte nur hoffen, dass Minervas Groll nicht für immer anhalten würde.