Epilog: Besser bekannt als Das Ende (Endlich)
Jahr Eins
Während des ersten Jahres nach der Niederlage von Voldemort waren sie nach Venedig gereist. Severus hielt hier einige Vorträge über medizinische Zaubertränke. Hermine war sowohl ein Tourist der Zauber-als auch der Muggelwelt. Severus hatte sein Wort gehalten. Die beiden waren ins Ausland gereist, aber für Hermine waren die Orte und Enklaven innerhalb Englands weitaus interessanter. Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, wie viel sich noch hinter der Winkelgasse, Hogsmeads und Hogwarts befand. Sie hatte mehr Menschen kennengelernt, als sie sich merken konnte. Einige von ihnen hatten lediglich ein Autogramm gewollt, andere wollten sich einfach nur in den Ruhm aalen, den sie als Harry Potters Freundin hervorrief. Einige Wenige hatten versucht sie für ihre eigenen Zwecke auszunutzen, aber sie hatten von dem hinterlistigsten Menschen auf der Welt gelernt. Sie hatte diese Angebote meistens einfach nur weggelacht. Sie war vielleicht jung, aber ganz sicher lief sie nicht unschuldig mit weit aufgerissenen Augen durch die Welt.
Als sie draußen in dem Café Florian auf der Piazza San Marco saßen, tippte Hermine Severus auf seinen Arm, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Heute ist der sechszehnte Januar. Wirst du mich heiraten?"
Das Jahr über hatte sie sich darin geübt, seine unterschwelligen Gesichtsausdrücke zu deuten. Sie lachte beinahe auf, als sie die kurze Panik in seinen Augen erkannte. Seine Worte zeigten jedoch keinerlei Regung. „Willst du es?"
Bei dieser vorsichtigen Antwort lachte sie dann auf. „Nein, ich denke nicht. Nächste Woche fange ich meine Arbeit als Arithmantikerin an. Wir waren bisher noch immer nicht in Amerika. Nein, ich denke, ich bin noch immer zu jung dafür. Stimmst du mir da nicht zu?"
„Das tue ich", antwortete er mit einem Nicken, bevor er sich wieder der Muggel-Zeitung zuwandte, die er gerade las. Hermine nahm einen Schluck von ihrem Kaffee und wartete ganze sechzig Sekunden. „Ich denke, Ron meint es langsam ernst mit Luna."
Severus bedachte sie mit einem scharfen Blick über der Zeitung hinweg, bevor er wieder seinen Kopf senkte. „Das erklärt dann wohl, warum er zwischen seinen Zügen innerhalb eines laufenden Spieles so lange braucht."
Sie nahm einen weiteren Schluck und ließ ihn etwas entspannen. „Ich habe gestern eine Eule bekommen. Harry hat Ginny einen Heiratsantrag gemacht."
Diesmal senkte sich die Zeitung. Hermine schenkte ihm ihr unschuldigstes Lächeln.
Er betrachtete sie, wog ihre Absicht und ihr Interesse an dieser Unterhaltung ab. Nach einem sehr langen Moment gab er nur ein leises Hmmpf von sich und konzentrierte sich wieder auf die Zeitung. „Ohne Zweifel werden dann wohl schon bald eine Schar von Weasleys und Potters folgen."
Hermine ersetzte ihr unschuldiges Lächeln mit einem breiten Grinsen, selbst wenn er es nicht sehen konnte. „Ohne Zweifel", stimmte sie ihm zu, bevor sie wieder auf ihren Touristenführer hinunterschaute, um sich zu entscheiden, was sie sich morgen würde ansehen wollen.
Jahr Fünf
Als Severus durch die Hallen von St. Mungos schlenderte, war das erste Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, die vorherrschende Anwesenheit von rothaarigen Individuen. Es war wenig überraschend, dass die Weasleys ihrer Fortpflanzung treu blieben. Da entschied er, Diskretion war besser als Heldenmut und bog in einen der Seitengänge ab, die sich durch ganz St. Mungos zogen und nur von den Mitarbeitern benutzt werden durften. Er hatte gerade eine der halbgeheimen Türen erreicht, als jemand seinen Namen rief.
„Snape."
Verflixt noch mal. Er wäre beinahe entkommen.
Schicksalsergeben konfrontierte er sich dem Unausweichlichen und drehte sich herum. „Potter. Weasley."
Potter betrachtete ihn mit einer einstudierten Gleichgültigkeit, die sie beide die letzten Jahre über entwickelt hatten. Sie würden niemals Freunde sein, aber sie hatten sich auf eine Ebene der zivilen Toleranz geeinigt, mit der sie beide zurechtkamen. Weasley hingegen begrüßte ihn mit einem breiten Lächeln. „Ich hatte Sie im letzten Spiel beinahe. Ich kann wirklich nicht glauben, dass Sie ein Schlupfloch aus der Falle des Läufers gefunden haben."
Es war schon überraschend genug, dass Weasley die Jahre über wirklich erträglich geworden war. Ihre distanzierten Schachpartien hatten sie fortgesetzt und Weasley hatte, öffentlich und bei mehr als nur einer Gelegenheit, aufgrund von Snapes Unterrichts und taktischem Wissen, zahlreiche Erfolge in der Auroren-Abteilung feiern können. Nach zwei Jahren des höflichen Anfragens hatte Snape schließlich mit Weasley über die Organisation der Todesser, Voldemorts Taktiken, und wie er gegen diese Taktiken selbst angegangen war, gesprochen. Snape hatte sich geweigert, mit jemand anderen darüber zu reden.
„Ich sage Ihnen ständig, Sie verlassen sich viel zu sehr auf Ihre Läufer. Sie besitzen einen vorhersehbaren Faktor, der immer zu Ihrer letztendlichen Niederlage führt."
Ron verzog sein Gesicht, doch dann lächelte er, als er das Thema wechselte. „Ginny liegt oben auf der Entbindungsstation."
Schließlich ergriff Harry das Wort. „Die Heiler meinten, diesmal sei es ein Mädchen. Wir werden sie Molly nennen."
„Ich bin mir sicher, sie wird diesen Namen mit Stolz tragen. Haben Sie Hermine bereits Bescheid gegeben? Sie war schrecklich enttäuscht, die Geburt von James verpasst zu haben. Ich denke, diesmal würde sie gerne dabei sein."
„Ron und ich haben ihr vorhin Bescheid gegeben. Sie arbeitet im Moment an einer ziemlich komplizierten Gleichung für das Ministerium, aber sie meinte, sobald sie eine Pause machen kann, wird sie hier sein."
Severus nickte. „Wenn sie hier eintrifft, dann wird sie mich zweifelsohne finden und wir dann Mrs. Potter."
Er wandte sich von ihnen ab, um zu verschwinden, als Potter ihn aufhielt. „Wann werden Sie endlich eine ehrliche Frau aus Hermine machen? Sie verdient etwas Besseres, wissen Sie."
Severus sah, wie Ron bei Potters Frage zusammenzuckte.
„Mir war nicht bewusst, dass Hermine unehrlich ist." Ron zuckte erneut zusammen. Bevor die Situation aus dem Ruder laufen konnte und da Hermine wiederholte Male darauf bestanden hatte, dass nach ihren Worten er kein ‚absoluter Schwachkopf' sein sollte, fuhr er fort. „Die Entscheidung liegt ganz bei Hermine."
Potter legte die Stirn in Falten. „Sie sollten sie eigentlich fragen. So wird es für gewöhnlich gemacht."
Severus zog eine Augenbraue hoch und bedachte Potter mit seinem besten herablassenden Lächeln. „Hermine ist nach eigenen Angaben sowohl rechthaberisch als auch dickköpfig und ich habe festgestellt, sie wird das tun, was ihr lieb ist. Wenn sie sich eine permanentere und verbindlichere Beziehung wünscht, dann wird sie danach fragen, genau wie bei allen anderen Dingen auch."
„Sie fragt Sie. Jedes Jahr."
Er erlaubte es, seinem Lächeln noch breiter zu werden. „Tut sie das? Tut Sie das wirklich?"
Noch während die beiden darüber nachdachten, verneigte er sich knapp vor ihnen. „Wenn Sie mich dann jetzt entschuldigen würden, ich habe noch zu arbeiten. Sollte Hermine hier eintreffen, werden wir Sie aufsuchen."
Jahr Zwanzig
Hermine erschauderte gegen Severus, schnappte nach Luft. Ihr Ohr ruhte auf seiner Brust, lauschte seinem wilden Herzschlag. Geschickte Finger, die sie selbst nach all den Jahren noch immer ablenken konnten, glitten ihren Rücken hoch, kartografierte jeden einzelnen ihrer Wirbel auf den Weg hinauf.
Sie streckte sich, wölbte sich unter seiner Berührung und summte zufrieden. „Liebe dich", murmelte sie, als sie sich wieder gegen ihn legte.
„Und ich dich."
Sie lächelte gegen seine Schulter. Zwanzig Jahre und Severus war noch immer Severus. Nicht, dass sie ihn irgendwie anders haben möchte. Sie hatte bisher noch immer niemanden getroffen, der sie zugleich dermaßen herausforderte, aufregte und nervte, wie er es tat – für gewöhnlich alles zur selben Zeit.
Als seine Hand ihren Rücken verließ und sich in ihren Haaren vergrub, stützte sich Hermine auf ihren Ellbogen ab, damit sie sein Gesicht sehen konnte. „Ich werde dieses Jahr so alt sein, wie du es warst, als wir gegen Voldemort gekämpft haben, ich habe die Zauberwelt bereist. Ich habe Tausende von Menschen getroffen. Ich habe mein eigenes Verlies in Gringotts und einen Job, den ich liebe. Und ich liebe dich noch immer. Heirate mich?"
Severus musterte sie ernst. Sie war erfreut, diesmal keine Panik in seinen Augen zu sehen, noch begann sein Herz unter ihrer Hand zu rasen.
„Bin ich denn noch immer deine Wahl?"
Ihr Lächeln war langsam und gefüllt mit alle dem, was sie für diesen wundervollen und komplizierten Mann fühlte. „Immer."
„Dann ja."
ENDE
[Cariae]: Rinks Schicksal
Ich schätze, einige von euch interessiert, was aus Rink geworden ist. Normalerweise hatte ich vor, ihn mit in den Epilog einzubauen, aber irgendwie hatte es nie richtig gepasst. Also bekommt er jetzt seine eigene Randbemerkung. Schon sehr bald, nachdem Severus Hogwarts verlassen hatte, um seine Arbeit in St. Mungos aufzunehmen, bat Rink, mit Lonnys Segen, Schulleiterin McGonagall um Kleidung. Dann tauchte er vor Snapes Haustür auf und folgte ihn überall hin, bis Severus aus lauter Verzweiflung und zu Hermines immenser Belustigung, seine Dienste akzeptierte. Nach der Hochzeit von Severus und Hermine wurde Rink zu einer offiziellen Elfe im Hause der Granger.
[Xaveria]: An dieser Stelle von mir ein riesiges Dankeschön an Caeria für diese wundervolle FF und ihre Erlaubnis, dass ich sie übersetzen durfte. Vielen, vielen Dank! Ich habe diese FF seit einigen Jahren verfolgt und jedes Mal mitgefiebert und das Warten hat sich gelohnt. Es war eine der ersten FFs, die mich in das SS/HG – Genre gezogen hat und ich bin hängen geblieben.
Vielen Dank an all die lieben Leser dort draußen, die so unglaublich geduldig waren. Ihr seid einfach der Wahnsinn!
