54. Weddingbells

„Ich hab's!", entfuhr es Ginny etwas aufgelöst und sie zappelte auf dem Stuhl, wollte aufstehen, aber Molly hielt sie mit milder Gewalt zurück.

„Ginevra, du bewegst dich keinen Zentimeter, oder ich muss von vorne anfangen!", warnte sie ihre Tochter, während Hermine Ginnys Erklärung nicht erwarten konnte.

„Mum!", widersprach Ginny aufgeregt, aber Molly blieb eisern.

„Du hast dein Kleid an, dein Makeup ist frisch aufgetragen, und ich werde jetzt die Frisur beenden. Ich wüsste wirklich nicht, was jetzt gerade wichtiger wäre!" Ginny wandte sich auf dem Stuhl Hermine zu.

„Es braucht einen doppelten Zauber", sagte sie verschwörerisch. „Ich bin mir sicher!", versprach sie. „Auf dem ersten lag ein doppelter Zauber, weißt du? Bisher haben wir nur Objekte getestet, die singular magisch waren!" Hermines Mund öffnete sich. Sie war sich nicht sicher, ob sie verstand. Molly jedoch verstand nichts, und ihre Stimme klang gereizter.

„Ginny", sagte sie, drückte ihre Tochter an den Schultern zurück in den Stuhl, und missmutig starrte Ginny nach vorne, „ich hexe dir ein Vogelnest auf den Kopf. Halt einfach still."

„Sie ist wunderschön, nicht?", wechselte Hermine das Thema, denn heute kam es ihr mehr auf Ginny an, als auf ihren Plan. Mollys Ausdruck wurde weicher.

„Ja, wunderschön", bestätigte sie, und beendete liebevoll die letzten Handgriffe an Ginnys welliger Frisur. Gelbe Rosen steckten Ginny ab und an im Haar, während die Längen in anmutigen Wellen ihren Rücken hinabrauschten. Auch das Hochzeitskleid war in zartem Gelb gehalten und in Windeseile von der Schneiderin in Hogsmeade fertiggestellt worden. Molly hatte noch einen Gefallen eingefordert, denn Ginnys und Harrys Hochzeit erfolgte tatsächlich nur fünf Tage nach Hermines Bitte.

„Wusstest ihr, dass Ronald ein Date mitbringt?", fuhr Molly gespannt fort.

Sie tauschte einen Blick mit Ginny, aber diese zuckte die Achseln. Erwähnt hatte er es nicht, aber verdenken tat es ihm Hermine auch nicht.

„Wen?", wollte Ginny wissen, aber Molly zuckte eindeutig die Achseln.

„Als ob er mir so etwas sagen würde! Also wirklich!", entrüstete sich Molly gekränkt. „Ich bin bloß die Mutter. Nichts weiter."

„Du wirst es früh genug erfahren", entgegnete Ginny lächelnd.

„Ja, hoffentlich möchte dein Bruder nicht auch so maßlos übertrieben spontan heiraten, wie meine unsägliche Tochter", bemerkte Molly schnippisch. „Fünf Tage Zeit… unfassbar", murmelte sie, aber Ginny grinste bloß. „Fertig", sagte Molly schließlich und tat einen Schritt zurück.

Ginny war wunderschön. Abwesend drehte Hermine an ihrem eigenen Ring, dem Erbstück der Malfoys, und dachte an Draco. Sie besuchte ihn jeden Tag in der Verwahrung. Und heute, bevor die Feier losging, würde sie ihn ein letztes Mal besuchen, war sich aber noch nicht sicher, was sie ihm sagen würde.

Denn morgen wäre die Überführung. Morgen würde er nach Askaban kommen, und wäre er erst in Askaban, wüsste sie nicht, ob der Plan noch funktionieren würde.

Und bisher waren sie und Ginny sowieso wenig erfolgreich gewesen. Aber vielleicht änderte sich das heute. Es musste, denn sie hatten keine Zeit mehr. Und vielleicht hatte Ginny die Lösung des Problems erkannt. Und Hermine konnte gar nicht abwarten, es rauszufinden.

Es tat ihr wirklich leid, dass Ginny sich mit so etwas befassen musste, an ihrem gezwungenen Hochzeitstag, aber Hermine wusste keine andere Lösung.

Natürlich gab es andere Möglichkeiten. Hermine wusste, ihr Plan war so unsicher, wie jeder andere Plan. Aber sie fasste Hoffnung, denn sobald Molly fertig war, Ginny herzurichten, erhob sich ihre beste Freundin mit einem Ruck, raffte das Kleid zusammen, und sah sie auffordernd an.

„Komm mit", flüsterte sie fast.

„Wo wollt ihr hin?" Molly schien etwas zu ahnen, oder schien zumindest zu spüren, dass Ginny und sie etwas vorhatten, was vielleicht Ginnys Erscheinung schaden könnte.

„Eben nach oben", log sie so offen, dass selbst Hermine es hören konnte, und Molly verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ein Fleck, Ginny!", warnte sie ihre Tochter mahnend. „Nur ein Fleck auf deinem wunderschönen Kleid, und du kannst dir selber einen Fleck-Weg-Zauber suchen, der die Seide nicht beschädigt!"

Aber Ginny war bereits aus dem Zimmer gerauscht, Hermine hinterher. Und natürlich gingen sie nicht nach oben. Sie stahlen sich nach unten, bogen durch den schmalen Flur und schlüpften durch die Hintertüre nach draußen, nicht durch die Küche.

Im Garten der Weasley wurde das treue Zelt aufgebaut, was schon Bill und Fleur als Hochzeitszelt gedient hatte, und Hermine und Ginny achteten darauf, niemandem in die Arme zu laufen, den sie kannten. Es waren schon einige entfernte Verwandte eingetroffen, zumindest diese, die so kurzfristig Zeit hatten, aber bei der Weasley-Familie waren das immer noch dreidutzend Leute.

Und auf der Ostseite des Hauses blieb Ginny stehen. Sie wirkte so eigenartig im wilden Garten der Weasleys. Die gelbe Seide wölbte sich leicht im Wind, und Hermine begriff, dass nur der kleinste Fleck auf ihrem Kleid sichtbar sein würde. Aber Tatendrang lag auf Ginnys geschminkten Zügen.

„Verstehst du, was ich meine?", griff Ginny ihre Worte wieder auf. „Der Eimer, die Gießkanne, die Handschuhe – das waren einfach nur… Objekte. Die Maske des Todessers war nicht nur allein magisch, sondern auch noch schwarzmagisch."

„Was heißt das?", entkam es Hermine, wenig begeistert. „Wir brauchen etwas Schwarzmagisches?"

„Bestimmt wäre eine zweite Maske ideal", vermutete Ginny, aber sah sich dann demonstrativ ratlos um. „Aber so eine werden wir hier garantiert nicht auftreiben können, und ich bin mir nicht sicher, ob die Ehemaligen sie als Artefakte behalten haben. Ich denke eher nicht", schloss sie kopfschüttelnd.

„Nein, wahrscheinlich nicht", entgegnete Hermine, und sah sich ebenfalls um, dachte nach, und Ginny blickte am Haus empor.

„Wir brauchen etwas Kleines. Etwas, das man unauffällig am Körper verbergen kann." Hermine nahm an, es gab Millionen magische Dinge im Haus der Weasleys. „Ich weiß…!", sagte Ginny dann. „Und wir können es sogar testen!" Und Hermine verstummte. „Ich bin gleich zurück!"

Mit diesen Worten hatte sie sich abgewandt und verschwand mit gerafftem Kleid und schnellen Schritten zurück zum Haus, was windschief auf dem weiten Feld emporragte.

Gerade als Ginny im Haus verschwunden war, bog George um die Ecke, hatte wohl nicht nach ihnen gesucht, aber erkannte Hermine mit stirnrunzelndem Blick und kam näher.

„Hallo, Verschollene", begrüßte er sie freundlich, als er näher kam. Er trug einen dunkelblauen Anzug, und es sah wirklich gut aus, im Kontrast zu seinen roten Haaren.

„Hi, George", erwiderte sie die Begrüßung, ließ sich kurz von ihm umarmen, und dann grinste er.

„Du musst dir angewöhnen, nicht so gejagt auszusehen, Hermine", informierte er sie. Langsam hoben sich ihre Mundwinkel.

„Angewohnheit", entgegnete sie schlicht.

„Was treibst du hier draußen?", wollte er dann wissen und blickte über die undekorierte Ostseite des Grundstücks hinweg. Und Hermine versuchte, sich eine glaubhafte Ausrede einfallen zu lassen. Eigentlich trieb sie hier verbotene Dinge. Mit seiner Schwester.

„Frische Luft schnappen. Ich… fühle mich nicht mehr sonderlich wohl, so eingeengt in Häusern", erklärte sie, was sogar der Wahrheit entsprach.

George schien darüber nachzudenken, und nickte dann.

„Tut mir leid", sagte er schlicht. Hermine runzelte die Stirn, aber er fuhr fort. „Tut mir leid, dass du solange fort warst und dass… dir alles hier fremd vorkommt." Hermine schüttelte lächelnd den Kopf.

„Schon gut." Es würde ihr nicht mehr lange fremd vorkommen. Denn lange wäre sie nicht mehr hier. Aber das sagte sie nicht laut. Und dann öffnete sich die Hintertür wieder. George verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ihr wollt also beide nach Luft schnappen, ja?", bemerkte er knapp, und Ginny stoppte auf halbem Weg, als sie ihren Bruder erkannte. „Hey, Ginny, vielleicht solltest du dich umziehen! In diesem Ding willst du heiraten?", neckte er sie, aber bevor Ginny die letzten Schritte zornig überwand und ihn hätte verfluchen können, fing George an zu lachen und schloss seine Schwester in die Arme. „Kleiner Scherz, Gin", ergänzte er und Ginny erwiderte die Umarmung grinsend. „Siehst verdammt gut aus", schloss er liebevoll und löste sich wieder aus der Umarmung.

„Danke, Georgie", sagte Ginny, während ihre rechte Hand unauffällig etwas hinter ihrem Rücken verbarg. „Wo ist Angelina?"

„Redet mit Harry über das Desaster der Sheffield Shooters kurz vor Ende des Spiels gestern. Zehn Punkte mehr, und die Armen wären endlich aufgestiegen, nach zehn Jahren", erklärte er bedauernd. Dann betrachtete er sie und seine Schwester ausgiebig. „Und ich nehme an, du möchtest mir sagen, ich sollte auch zu Angelina zurückgehen?", vermutete er scharfsinnig und versuchte hinter Ginnys Rücken zu blicken. „Und wahrscheinlich soll ich auch dafür sorgen, dass Harry dort bleibt?"

Hermine tauschte einen Blick mit Ginny, ehe diese resignierte.

„Ja", murmelte Ginny dann. „Wärst du so lieb? Wir bräuchten fünfzehn Minuten", überlegte sie dann. George schien kurz abzuwägen, schien wohl kurz zu überlegen, ob er fragen sollte, was sie beide vorhatten, aber scheinbar kam er dann zu einem Schluss.

„Ehrensache, Gin", erklärte er dann achselzuckend und zwinkerte ihnen zu. „Passt auf, oder ihr werdet noch zu echten Rumtreibern", schloss er grinsend, während er sich abwandte. „Bis später", rief er ihnen über die Schulter zu, und Hermine atmete erleichtert aus.

„Ich mag ihn", sagte Ginny lächelnd, während sie ihm nachsah, wie er um das Haus verschwand. Und dann zog Ginny die Hand wieder hervor. Ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht. Hermine blinzelte überrascht.

„Zwei?", entkam es ihr dann, und ihr Blick hob sich.

„Den ersten benötigen wir, um die Durchführbarkeit unseres Vorhabens zu beweisen", erläuterte Ginny mit glühenden Wangen. „Die Frage ist nur, möchtest du – oder soll ich?"

Hier war er noch nie gewesen. Und er würde behaupten, noch nie solche Längen für irgendwen gegangen zu sein. Und er bereute bereits, an die Tür geklopft zu haben, während hinter ihm eine Fontäne irritierend laut plätscherte. Er wusste nicht mit Sicherheit, warum Leute riesige Fontänen in ihren Vorgärten hatten, aber er wusste, er würde so etwas nicht haben wollen. Fast hatte er bereits das Bedürfnis, eine Toilette aufsuchen zu müssen.

Die schwere Tür öffnete sich schließlich. Und natürlich hatte er einen Hauselfen erwartet, aber es änderte nichts an seinem natürlichen Abscheu gegenüber Menschen, die noch immer Hauselfen als Diener beschäftigten. Höchstwahrscheinlich, ohne sie zu bezahlen.

„Hey", begrüßte er den runzeligen Elf. Missbilligung stand dem alten Geschöpf so offen ins Gesicht geschrieben, als wäre Ron selbst ein Wesen, dass man besser mit der Fliegenklatsche verscheuchen müsste. „Ich hätte gerne-"

„-Grobok, wer ist an der Tür?", vernahm er eine kühle Stimme aus dem Innern.

„Grobok weiß es nicht, Madame", antwortete der Elf abschätzend, und Absätze näherten sich der Haustür. Mrs Parkinson trat neben ihren Elf und ihr Blick überflog Rons Gestalt mit vager Ablehnung.

„Ja?", wollte sie eher vorsichtig wissen, und Ron beschloss, einfach zu ignorieren, wie unangenehm dieses Treffen wirklich war.

„Ist… ahem – ist Pansy da?", fragte er, und so schnell war er sich noch nie so jung vorgekommen, so unsicher – so… eigenartig. Mrs Parkinson zog die Stirn in Falten, und tatsächlich erkannte Ron die Ähnlichkeit. Zwar hatte Mrs Parkinson die Haare streng zurückgebunden, in einer anmutige Frisur, und vielleicht umgaben einige Falten ihre Augen und ihre Mund, aber… jetzt, wo sie ihn so abwertend ansah, erkannte er die Ähnlichkeit zu ihrer Tochter. Fast musste er lächeln. Aber wirklich nur fast.

„Warum?", wollte die Frau alarmiert wissen, anstatt zu antworten.

„Ich würde sie gerne einladen, mich zu begleiten."

„Sind Sie sich da ganz sicher, Mr. – äh – Weasley?", erriet sie seinen Namen scheinbar mühelos, und Ron war sich sicher, sie kannte ihn aus der Zeitung. Oder vielleicht… hatte Pansy ihn erwähnt?

Und es war eine faire Frage, fand er. Nein, ganz sicher war er sich nicht. Aber… wer war sich schon ganz sicher bei irgendetwas? Gerne hätte er gesagt, Nein. Aber er war kein inkonsequenter Wichser mehr, und damit würde er wohl heute beginnen.

„Todsicher", bestätigte er also, ohne mit der Wimper zu zucken. Mrs Parkinson rümpfte ein wenig genervt die Nase.

„Einen Moment", vertröstete sie ihn, und der Elf verblieb wie ein Schießhund an der Haustür, wohl um sicher zu gehen, dass Ron nicht Anstalten machte, tatsächlich reinzukommen. – Was er garantiert nicht vorhatte.

Es verging ein endloser Moment, in dem ihn der Elf missmutig musterte, und Ron an alles dachte, nur nicht an rauschende Wasserfälle, an tosende Brandungen, an Toilettenspülungen –

„-Hallo?", wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Er hatte nicht gehört, dass sich hinter ihm jemand genähert hatte, und er fast erschrocken wandte er sich um. Kurz schluckte er schwer. Ein Zauberer mittleren Alters, mit wilden grauen Locken auf dem Kopf und einer gefährlich aussehenden Schusswaffe über der Schulter, stand nun direkt hinter ihm. „Kann man Ihnen helfen?", erkundigte er sich misstrauisch. Die Kleidung des Mannes verriet Ron, dass er wohl magische Jagd betrieb, und Ron wünschte sich plötzlich seinen Zauberstab direkt in seine Hand.

„Ron – Ron Weasley, Sir", ergänzte er etwas zu hastig, denn die massive Waffe maß bestimmt eineinhalb Meter, und Ron wusste es besser, als dass er es auf einen Streit mit – höchstwahrscheinlich – Pansys Vater ankommen ließ.

„Weasley?", wiederholte er, und auch seine Stirn zog sich in krause Falten. „Interessant", schloss er bloß. Und tatsächlich begutachtete er ihn mit erkennbarem Interesse. „Geoffrey Parkinson", stellte sich der Mann vor und streckte ihm tatsächlich eine massige Hand entgegen. Und natürlich schüttelte Ron die warme Hand, denn – der Mann trug eine Schusswaffe über der Schulter!

„Nettes… Gewehr, Mr. Parkinson", erwiderte Ron anerkennend, und Mr. Parkinson lachte laut auf.

„Gewehr? Die Jugend von heute. Das hier ist eine Punkt 250 Kaliber Feuersalzbüchse, die bereits mein Großvater 1890 mit zur Jagd genommen hatte", erklärte er mit gewissem Stolz, und Ron konnte absolut gar nichts mit magischer Jagd anfangen. „Schon mal einen Blaubauchfasan geschossen, Weasley?", wollte er wissen, und Ron konnte ehrlich sagen, dass er noch kein einziges Tier erlegt hatte. Weder magisch, noch mit Feuersalz.

„Nicht direkt, Mr. Parkinson." Und Mr. Parkinson schien Rons nachtschwarzen Anzug einfach zur Kenntnis zu nehmen. Vielleicht war exzentrische Kleidung in diesen Kreisen nicht ungewöhnlich, nahm Ron stirnrunzelnd an.

„Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen was!", schien ihm einzufallen, und Rons Mund öffnete sich unschlüssig. Mr. Parkinson hob eine Augenbraue. „Keine Sorge, ich beiße nicht", ergänzte er kopfschüttelnd, während er Rons Arm ergriff und ihn mitzog.

Tatsächlich gingen sie nicht sonderlich weit, denn neben dem Haus schloss sich eine Art Anbau an, wohl renovierte Stallungen, wie es schien, denn Pferde standen dort nicht, aber an der gesamten Wand hingen verschieden große Waffen, magische Bögen, Wurfmesser und allerlei Kleinigkeiten, die seinem eigenen Vater wohl große Lust auf einen Durchsuchungsbefehl im Hause Parkinson verschaffen würden.

„Beeindruckend", bemerkte Ron nickend.

„Das ist bei weitem noch nicht alles!", versprach Mr. Parkinson eifrig, und Ron war sich nicht ganz sicher, was Mr. Parkinson denken musste, weshalb er hier war, aber scheinbar war Mr. Parkinson dankbar für jede Gesellschaft, der er stolz seine Waffen präsentieren konnte. „Hier!", sagte er schließlich, nachdem er die Salzbüchse auf einen der Tische gelegt hatte, und ein weiteres Monster von der Wand nahm. „Halten Sie die! Sie glauben nicht, wie schwer diese kleinen Schätzchen sind!" Ron glaubte es ihm unbesehen, aber schon bekam er das Gewehr in die Hand gedrückt. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was er damit anfangen sollte. „Gutes Gewicht, nicht wahr?" Lauernd sah er ihn an.

„Ahem..? Ich-"

„-Dad?"

Beide Männer wandten sich um. Die Waffe sank in Rons Hand, als er Pansy in der Tür zum Anbau erkannte. „Was tust du?", wollte sie von ihrem Vater verständnislos wissen, aber dieser schien sich keiner Schuld bewusst zu sein.

„Ich zeige Weasley, wie man eine Waffe hält", entgegnete er, und Pansys Mund öffnete sich.

„Warum?" Und Mr. Parkinson wirkte eine Spur beleidigt.

„Weil du dich nicht für Schusswaffen interessierst", entgegnete er bloß. Immer noch zeichnete Pansys Blick absolute Verständnislosigkeit und sie wandte sich an ihn.

„Und was willst du hier?" Ron kam sich albern vor, mit der Waffe in der Hand.

„Ich… ah…" Das Geschoss wog schwer in seinen Armen, und Mr. Parkinson nahm ihm das Gewehr enttäuscht wieder ab.

„Sollen wir rein gehen?", schlug Mr. Parkinson munter vor, aber Pansy schüttelte den Kopf.

„Du kannst vorgehen, Dad", sagte sie bloß, und scheinbar verstand Mr. Parkinson diesen Wink. Und tatsächlich schenkte er ihm einen verständnisvollen Blick.

„Machen Sie es gut, Weasley", verabschiedete er sich, und Ron nickte überfordert. Kaum war er fort, schüttelte Pansy den Kopf.

„Was… was soll das?" Sie starrte ihn an. Er konnte sie nicht sonderlich gut einschätzen, wusste nie, was sie wirklich dachte, aber… je länger er sie betrachtete, umso schwieriger fiel es ihm, sich vorzustellen, dass er jemals echte Gefühle für Hermine gehabt hatte. Merlin, er war blind gewesen. Und er hatte keine Lust auf Spiele und Ausreden.

„Ich… wollte dich bitten, meine Begleitung zu sein. Heute, auf Harrys Hochzeit." Sie blinzelte tatsächlich. „Und ich… wollte mich entschuldigen." Sie schien etwas verwirrt zu sein.

„Weasley-", begann sie abwehrend, aber wie selbstverständlich kam er näher.

„-bitte, sag nicht nein. Ich weiß, ich bin… nicht unbedingt immer besonders clever, aber… heute Morgen bin ich aufgewacht, und zum ersten Mal wusste ich, wo ich sein wollte", entkam es ihm, immer noch überrascht. Denn ja, zum ersten Mal sah er vollkommen klar.

„Du wolltest im Jagdschuppen von meinem Vater stehen?", vermutete sie ungläubig, aber sie wich nicht vor ihm zurück, als er nahe vor ihr stand. Und er lächelte kurz.

„Ja, Parkinson. Genau hier wollte ich sein."

Und er sah sie schlucken.

„Aber… aber die anderen! Und Hermine-"

„-ich denke nicht an andere oder Hermine, wenn ich abends ins Bett gehe oder wenn ich morgens aufwache. Eigentlich muss ich nicht sonderlich viel nachdenken, um zu wissen, wo ich sein will." Unsicherheit trat in ihren Blick. „Es tut mir leid, wenn… ich dir wehgetan habe."

„Hast du nicht!", sagte sie entschieden hastig, etwas zu schnell, etwas zu defensiv.

„Es tut mir leid, Pansy", wiederholte er ungerührt, und sie biss sich auf die Lippe.

„Ich… ich kann nicht mit dir gehen. Ich-"

„-warum nicht?"

„Weil…"

„Weil?"

„Weil ich nicht kann!", fuhr sie ihn schließlich an, und sanfter Zorn flackerte in ihrem Blick. Seine Augenbrauen hoben sich. „Denkst du, du kommst hier her, machst mir irgendwelche Geständnisse und dann fliege ich in deine Arme?"

„Was für Geständnisse?", wollte er ruhig wissen, und sanfte Röte kroch in ihre Wangen.

„Nein, ich meine-"

„-ja?" Er ließ ihr keine Zeit für Ausreden. Frustriert atmete sie aus.

„Weißt du, du bist einfach-!"

Und schon hatte er seine Hände auf ihre Hüften gelegt, sie näher gezogen und seine Lippen senkten sich auf ihren halbgeöffneten Mund. Sofort versteifte sie sich, aber er ging ein wenig in die Knie. Doch sie wich zurück, ein wenig geschockt, und definitiv atemloser.

„Nein!", sagte sie zitternd. „Ich kann mich nicht auf dich verlassen, weil ich nicht weiß, wann du das nächste Mal die Reißleine ziehst und zur nächstbesten-"

„-das wird nicht passieren", versicherte er ihr blind, ohne vollkommen sicher zu sein, aber es war ein felsenfestes Gefühl, was er verspürte. Sie schüttelte ungläubig den Kopf.

„Weasley-", widersprach sie warnend, aber wieder kam er näher.

„-ich will dich, Pansy. Nur dich. Niemanden sonst."

Und sie schwieg. Und er sah, sie hasste ihn. Und gleichzeitig… tat sie das nicht.

„Ich will dich nicht!", hauchte sie beinahe, aber Tränen füllten ihre Augen. „Wirklich nicht!", beteuerte sie leise, während seine Hände den Weg um ihren Nacken fanden. Und er lächelte.

„Ok", sagte er nickend. Und dann hoben sich ihre Mundwinkel.

„Du bist ein Idiot", informierte sie ihn ruhiger. „Ein richtiges Arschloch", fuhr sie nickend fort. „Ein Riesen-" Aber er wollte es gar nicht hören. Es mochte alles stimmen, aber er war bereit, all das zu ändern.

Und er küsste sie ein zweites Mal, und dieses Mal, kam sie ihm entgegen, schlang die Arme um seinen Nacken, und eine wilde Leichtigkeit erfüllte ihn.

Alle bösen Geister waren verschwunden, und endlich sah er das Licht eines neuen Tages. So abgedroschen das auch klingen mochte.

Gespanntes Schweigen war über die Menge gefallen.

„Mr. Potter, Sie dürfen Ihre hübsche Braut nun küssen", eröffnete ihm der Beamte des Ministeriums lächelnd, und Harry kam dieser Bitte wohl nur zu gerne nach, und Hermine musste lächeln über seine unordentlichen Haare, die nie seinem Willen folgten, und sie musste lächeln über Ginnys verliebten Ausdruck, und sie klatschte sehr laut in die Hände, als die Zeremonie vorüber war, und Harry und Ginny mit einem Kuss ihre Ehe besiegelt hatten.

Das Streicherquartett spielte eine muntere Folklore, und sie spürte, wie jemand an ihren Haaren zog. Ron hatte sich zu ihr gelehnt, einen Strohhalm zwischen den Fingern.

„Wieso hast du Stroh in den Haaren?", fragte er sie, nachdem die kleine Menge an Gästen auf Ginny und Harry zutrieb, um ihnen zu gratulieren. Und Hermine musste grinsen.

Weil es funktioniert hatte, wäre die einfachste Antwort. Aber stattdessen zuckte sie die Achseln.

„Keine Ahnung", entgegnete sie. Ron runzelte die Stirn, aber Hermine wechselte das Thema, als ihr Blick auf Pansy fiel, die Ginny erreicht hatte und bereits umarmte. „Pansy Parkinson?", stellte sie also die knappe Frage, und Ron verdrehte sehr typisch die Augen, zuckte ergeben die Achseln und schenkte ihr ebenfalls einen ungläubigen Blick.

„Draco Malfoy?", ahmte er ihre Tonlage nach, und sie biss auf ihre Unterlippe und verstand. Ihre Hände legten sich über die kleine Wölbung ihres Bauches, die das lockere Kleid gut kaschierte, und beschloss, manche Dinge einfach zu akzeptieren.

„Hauptsache, dir geht's gut", entgegnete sie, und er nickte langsam.

„Jaah. Ich hoffe, dir auch", erwiderte er, und sie nickte dann. Und fast war der Kloß in ihrer Kehle unüberwindbar. Fast spürte sie die Tränen deutlich hinter ihren Augen, aber sie beherrschte sich, prägte sich Rons Gesicht einfach sehr gut ein, und zauberte ein Lächeln auf ihre Züge.

„Mir geht es wunderbar!", bestätigte sie, und dann schlossen Ron und sie sich den anderen an, um Harry und Ginny zu umarmen.

Kurz wanderte ihr Blick zu den Heuballen, weiter hinten auf dem Feld. Dort war sie nämlich gelandet. Diesen Ort hatte sie sich vorgestellt.

Ginny hatte zwei alte Übungsschnätze aus ihrem ehemaligen Kinderzimmer geholt. Den ersten hatte sie in einen Portschlüssel verwandelt, und Hermine musste zugeben, dass Ginny ihre Magie gut beherrschte. Selbst diesen komplizierten Zauber. Und Hermine hatte sich gerne als Testperson angeboten, und war am geplanten Ort gelandet. Hogsmeade, vorm Honigtopf.

Dann war Hermine zurückappariert, hatte den Portschlüssel mit dem Diffindo-Zauber versucht zu zerstören, und hatte sich dann umgesehen. Und als sie den Schnatz ein weiteres Mal berührt hatte, hatte sie das weiche Heu genau vor Augen, den Geruch, die Konsistenz – und keine Sekunde später, war sie aus dem Himmel gestürzt, direkt in den fünfhundert Meter entfernten Heuballen hinein.

Danach war sie sofort ins Ministerium verschwunden, allerdings nur für eine halbe Stunde, denn die Feier war im Begriff gewesen, anzufangen. Aber… sie hatte es nicht über sich gebracht, es ihm zu sagen. Auf einmal hatte sie Angst befallen. Angst, dass er sich vielleicht anders entscheiden könnte. Angst, dass es nicht funktionieren würde. Und vielleicht war sie abergläubisch, aber sie hatte ihm letztendlich bloß versichert, dass sie morgen bei seiner Überführung da sein würde.

Vielleicht hatte sie die Enttäuschung in seinem Blick erraten. Aber er hatte ihr versprochen, ihr zu vertrauen. Im streng bewachten Aufenthaltsraum hatte sie ihm einen kurzen Kuss gegeben, und hatte gehofft, er würde einfach spüren, dass alles gut ausgehen würde, und wie sehr sie ihn liebte. Zum Abschied hatte er ihre Bauchwölbung geküsst, und Hermine hatte es fast das Herz gebrochen, ihn unwissend zurückzulassen.

Und jetzt schlug ihr Herz schnell, denn… der zweite Schnatz, der zweite halbzerstörte Portschlüssel, lag bereits in ihrer verhexten Handtasche, oben auf.

Auf den Rennbesen, den Saatsamen, den Medikamenten, dem Werkzeug, den vielen Kleidungsstücken, den Bildern ihrer Freunde, den Tränken und Zutaten, den Büchern, dem Grammophon und den vielen anderen Kleinigkeiten, wie den schlupffertigen Eiern, die sicher verstaut in einer Anti-Bruchkiste warteten.

Aber heute würde sie glücklich sein, und diesen Abend so verleben, als wäre es der letzte auf dieser Welt. Und mit Glück würde es so sein. Mit Glück würde es so passieren, wie sie geplant hatten.

Es bestand die Chance, dass es nicht klappen würde, aber… ein Risiko gab es überall, nahm sie an. Das war es, was das Abenteuer ausmachte. Und sie war bereit!

Fest umarmte sie Harry und Ginny, als sie an der Reihe war, so dass beiden die Luft wegblieb. Jetzt wurde gefeiert!