Kerkermond Evolution

Fanfiction von Lady of the Dungeon



Slashig-trashige Fanfiction, in der ein gewisser schwarzhaariger Zauberer in die Spuren Frankensteins tritt und bärtige Finnen das Unterhaltungsprogramm beisteuern.

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Danke an Silbergold, Lufa, RitaSkeeta, Lola, Sally und Moonlight für Eure Reviews und Mails!

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Wir sind fast am Ende… Dies ist das vorletzte Kapitel, und für einen Teil unserer Protagonisten lösen sich heute die Rätsel. Danach wird es natürlich noch einen Epilog geben, wie stets. Viel Vergnügen dabei.



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Musik:

Metallica: Nothing else matters

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Kapitel 49. Severus: Daktaris Feuer

Snape fand Dumbledore. Niemand erfuhr jemals, was in dieser Nacht irgendwo in den Gängen und Winkeln von Voldemorts Hauptquartier zwischen Severus Snape, Albus Dumbledore und Draco Malfoy besprochen wurde. Doch Auroren zerrissen sich noch tagelang den Mund darüber, warum Madame Hoodia, die geheimnisvolle Tränkemeisterin des Ministerium zusammen mit Madam Pomfrey, der Heilerin von Hogwarts, aufgetaucht war, und was die beiden alten Hexen inmitten einer Geheimoperation dort zu suchen hatten.

Fakt war jedoch, – und so stand es auch am nächsten Morgen im Tagespropheten für jedermann zu lesen - dass es dem Ministerium geglückt war, mithilfe von US-amerikanischen Kräften das Hauptquartier von jenem, dessen Name nicht genannt werden soll, ausfindig und dem Erdboden gleich zu machen. Mehrere hochrangige Todesser waren den erfolgreichen Auroren dabei ins Netz gegangen, ebenso Kontenbelege und geheime Papiere der Todesser, aus denen ein Teil der für die nächste Zeit geplanten Anschläge und Aktionen hervorging.

Eine Verhaftungswelle, wie man sie seit dem legendären Prozess um Lucius Malfoy nicht mehr gesehen hatte, lief nicht nur durch Großbritannien, sondern durch die gesamte Magische Welt.

Es war ein herber Schlag gegen die Todesserbewegung, von dem Lord Voldemort sich lange nicht erholen würde. Die Arbeit von Jahren war binnen Stunden zunichte gemacht. Mehr als das, der Dunkle Lord sah sich jetzt internationaler Aufmerksamkeit und vereinten Kräften gegenüber. Zwar ging er nicht in die Falle, die man ihm anlässlich seiner Rückkehr nach England stellte. Irgendwie musste er davon erfahren haben und verschanzte sich in Osteuropa. Doch die helle Seite hatte ein kostbares Gut gewonnen: Zeit. Zeit, um einen jungen Zauberer auszubilden und zu rüsten, damit er der Aufgabe, die ihm eines Tages bevorstand, gewachsen sein würde.

Severus Snape verließ nach fast zwanzig Jahren Hogwarts – sehr zur Erleichterung der meisten Schüler. Es hieß, er habe in Irland ein Institut für Legilimantik und moderne Tränkekunde gegründet und widme sich dort seinen Forschungen, außerdem betreue er zusammen mit einem Heiler namens Sentensiosus Converter ein Sanatorium für mental geschädigte Zauberer.

Gelegentlich konnte man ihn in der Owl's Alley sehen, dem Dubliner Pendant der Winkelgasse, wo er Tränkezutaten und ab und zu auch Bücher erstand. Doch davon abgesehen schien der Tränkemeister ein sehr zurückgezogenes Leben zu führen.

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Dana Herriot, von den meisten Mitarbeitern und Besuchern von Summertime Farm nur ‚Daktari' genannt, reichte Gawain Gray die Flasche mit dem Ketchup. Es war ein warmer Abend Anfang Juni. Aus einem Kofferradio im Hauseingang quoll die Musik einer Heavy Metall Band, und von der Weide hörte man das Wiehern der Pferde. Der Spätfrühling war auch bei Ventus und seinen ‚Mädels' angekommen. Zufrieden lehnte die Tierärztin ihren Kopf an die Schulter des langhaarigen blonden Mannes zu ihrer Rechten. Die Panne, die sie auf dem Rückweg vom letztjährigen Wacken-Festival mit Junes VW-Bus gehabt hatte, hatte sich als Glückfall erwiesen: Sie hatte ihr unerwartet einen bärtigen Ritter mit schwerem finnischem Akzent beschert. Matti Halonen gab seine Schreinerei bei Kitee im Osten seiner Heimat kurz entschlossen auf, um an der irischen See neu anzufangen. Die Liebe war schon eine seltsame Himmelsmacht, der man sich besser nicht entgegenstellte, fand er.

Gawain Gray schob der frisch gebackenen Mrs. Nymphadora Gray ein Würstchen herüber, das er sorgsam mit Ketchup bekleckert hatte.

„Ich kau' noch an dem letzten", beschwerte sie sich grinsend. „Willst du eine fette Frau?"

Das charakteristische Geräusch einer Apparition war zu hören. Severus Snape erschien und ließ den Arm seiner zierlichen, schwarzhaarigen Begleiterin los.

„Wie du das machst, das fasziniert mich jedes Mal wieder", bekannte sie mit hinreißendem Augenaufschlag.

„Es ist wirklich nur eine Bei-Apparition, nichts Spektakuläres für einen Zauberer", sagte Gawain mit vollem Mund. „Hallo, Severus. Hi, Bella."

Begrüßungen wurden ausgetauscht.

„Kommt Draco noch?", erkundigte sich Daktari.

„Das glaube ich kaum. Er hat vor ein paar Tagen bei ‚Flouish and Blotts' eine junge Hexe aus Polen kennen gelernt, die heute ihren letzten Abend in Dublin hat", erwiderte Severus und beschwor zwei Kissen, eines für seine Begleitung, eines für sich.

„Ich wünschte wirklich, ich könnte auch zaubern", seufzte die Dunkelhaarige und reichte Severus einen Becher mit Rotwein herüber.

„Manchmal wäre das schon praktisch", stimmte Daktari ihr zu.

„Andererseits, ich finde, wir haben schon ziemlich Glück, dass wir überhaupt wissen, dass es Zauberei gibt", setzte Snapes Begleiterin ihre Überlegung fort. „Ich meine, welch ein Zufall, dass ausgerechnet in Severus' Sanatorium ein Platz frei war, als die Polizei mich letztes Jahr nach dem Unfall am Bahnhof aufgefunden hat."

Daktari nickte. „Großes Glück", sagte sie. An Zufall glaubte sie nicht. Sie war sich sicher, dass Isabella Noir, so der Pass der Frau ohne Gedächtnis, weder zufällig in Dublin noch in Severus Snapes Heilanstalt gelandet war. Doch wie alle hier stellte sie keine Fragen, auf die der bisweilen missgelaunte Zauberer ohnehin keine Antwort geben würde.

Gawain Gray grinste still vor sich hin, während er beobachtete, wie sorgsam der griesgrämige Tränkemeister mit seiner lebhaften Freundin umging, der man die Schwangerschaft noch immer kaum ansah. Dass Isabella eine Muggel war, die bisweilen noch immer über einen schlichten Aufrufezauber oder eine einfache Verwandlung in Verzückung geriet, schien den Tränkemeister eher zu amüsieren als zu stören.

Der Amerikaner gönnte seinem Freund das späte Glück. Lange genug hatte sich Snape jede emotionale Bindung an andere Menschen versagen müssen. Der Rückzug ins Privatleben war dem Slytherin sichtlich bekommen.

„Wie war eure Reise nach Amerika?", erkundigte sich Severus jetzt. „Wann seit ihr zurück gekommen, vorgestern?"

„Sonntag schon", erwiderte Dora. „Aber ich habe immer noch einen tierischen Jetlag."

„Du hast ja auch einen tierischen Ehemann", sagte Matti mit einem breiten Grinsen. Dass er in Irland zwischen lauter fleischgewordenen Mythen und Freaks leben würde, hatte der Finne ziemlich gelassen aufgenommen.

„Apropos tierisch", nahm Snape die Unterhaltung wieder auf. „Wie geht es Lupin?"

Dora zuckte die Schultern und nahm einen Schluck Bier aus ihrer Flasche.

„Na, ich würde sagen, er gewöhnt sich. So gut ein Engländer sich eben in den Staaten eingewöhnen kann. Die Freiheit in ‚Wolftown' bekommt ihm natürlich gut. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen. War ja auch eine schwere Zeit für ihn. Aber die Arbeit in der Schule macht ihm Freude."

Severus nickte. Es war bestimmt nicht einfach für Lupin. Er fragte sich, wie der sensible Remus mit dem Leben nach dem Showdown im letzten Jahr zurecht kam. Doch dass Lupin überhaupt einen Neuanfang wagte, war letztlich ein Erfolg. Mit den Skorpionen in Voldemorts Thronsaal und Lucius Malfoy war auch der Zauber von Glenkill gestorben. Lupin war frei, genau wie Lucius. Doch vermutlich war es mehr als Magie gewesen, das diese beiden am Ende verbunden hatte. Den Verstand mochte man betrügen können, mit Legilimantik, Tränken und Zauberei, doch das Herz war unbeugsam.

Severus legte den Arm um Bellatrix und spürte die Wärme, die von ihr ausging. Frei von jeder Erinnerung an ihre Vergangenheit, unbeeinflusst von den falschen Werten einer Erziehung nach reinblütigen Maßstäben, bar jeder Magie, die ihr jemals eine Rückkehr zu ihrem Dunklen Meister ermöglicht hätte, war von Bellatrix Lestrange nur eine Hülle geblieben: Eine Frau mit Eigenschaften wie Klugheit, Intelligenz, Ungeduld und Eitelkeit, aber auch Temperament und der Fähigkeit, loyal und zärtlich zu lieben. Severus hatte die Hülle mit jeder Menge Erinnerungen gefüttert hatte, die eigentlich Narcissa gehörten. Bellatrix - jetzt nur noch Bella, von Isabella, so ihr Pass, war ganz und gar sein Geschöpf. Er allein kontrollierte und nur er hatte bestimmt, was sie wusste, dachte und fühlte.

‚Frankensteins Braut', hatte Lupin sie genannt.

„Merlin, Severus, du bist noch viel gruseliger, als wir alle immer dachten", hatte ihm der Werwolf offen gesagt.

„Was ihr denkt, hat mich noch nie interessiert", hatte Severus ihm geantwortet.

Die ‚neue' Bella war klug, temperamentvoll, zugewandt und offen. Sie würde Narcissa niemals ersetzen, doch sie hatte sich einen eigenen Platz in Severus' Herz erworben.

Snape sah sich am Feuer um: Dass ausgerechnet ein Werwolf wie Gawain und seine Frau, denen die Magische Gesellschaft eine Existenz nur an ihrem Rande und unter strengen Auflagen erlaubte, die Toleranz bewiesen, ehemalige Todesser wie ihn, Draco und Bella als Freunde zu akzeptieren, berührte ihn. Ebenso wie die Selbstverständlichkeit, mit der Daktari und Matti ihn und seine neue kleine Familie in ihren Kreis aufgenommen hatten.

Draco war untergetaucht bei Severus. Er führte ein schwieriges Leben zwischen Schuld und Sühne, Vielsafttrank und simplen Maskierungszaubern. Die Auroren suchten ihn. Tonks, Gray und Dumbledore verschwiegen, was sie wussten.

Severus nahm sich ein Würstchen vom Grill und begann zu essen. Bella neben ihm wickelte sorgfältig einen Teigklumpen um einen Stock. Wie beiläufig lehnte sie sich dann gegen ihn und streichelte über seine Hand.

Safely away from the world
In a dream, timeless domain
A child, dreamy eyed,
Mother's mirror, father's pride

‚Nightwish' klang aus dem CD-Player. Nicht so laut, als das die Gespräche am Lagerfeuer gestört worden wären, aber doch vernehmlich. Severus beugte sich zu Daktari herüber.

„Die Kadenz liegt auf C-Dur", sagte er mit überlegenem Lächeln. „Wie ich es dir damals auf das Pergament geschrieben habe."

„Du meinst den Wisch mit den ganzen falschen Tonika-Lagen, den du mir unter den Scheibenwischer geklemmt hast?", erwiderte sie spöttisch.

„Streitet ihr schon wieder über die Tonarten?", erkundigte sich Matti.

„Severus hat von Harmonielehre keine Ahnung", bekräftigte Daktari.

Der Tränkemeister schnaubte empört. Mindestens die Hälfte dessen, was er ihr auf das Pergament geschrieben hatte, war richtig gewesen. Vermutlich hatte es nur an den übersteuerten Bässen und der Lautstärke auf dem Konzert in Wacken gelegen, dass sein feines Gehör so gelitten hatte und ihm Fehler unterlaufen waren. Er steckte dem Kobold – er nannte sie nur noch selten so, und auch nur in Gedanken – einen Briefumschlag zu. Sie sah ihn erstaunt an, dann riss sie das Papier unzeremoniell auf. Als sie den Inhalt sah, begann sie zu lachen.

„Himmel, Severus, wir werden uns auf dem Hinweg drei Tage lang streiten!", rief sie aus.

„Aber nein", erwiderte er. „Wir nehmen einen Portschlüssel vom irischen Ministerium aus, was den Charme hat, dass es so gut wie keinen Hinweg geben wird, auf dem du mich mit dem Krach aus deinem Autoradio nerven könntest."

„Wohin willst du mit meinem Mädchen?", erkundigte sich Matti interessiert und ließ spaßeshalber die Knöchel seiner großen Tatzen knacken.

„Bayreuth", erwiderte der Tränkemeister ungerührt. „Wagnerfestspiele. Sie schuldet mir das."

„Was spielen sie?", erkundigte sich Gawain.

„Dinge, von denen du als Amerikaner in deinem Leben noch nie etwas gehört hast", gab Severus mit spöttischem Lächeln zurück. „Das Rheingold. Die Walküre. Siegfried. Götterdämmerung."

„Siegfried und Roy, diese Rummelplatzzauberer?", fragte Gawain zurück.

Severus und Daktari starrten ihn mit mehr als nur gelindem Entsetzen an. Dieses Ausmaß der Kulturlosigkeit hatten sie dann doch nicht erwartet. Selbst Tonks ließ beinahe ihr Würstchen fallen.

„Merlin, Gawain!", rief sie entgeistert.

Der Werwolf grinste. „Kein Sorge, Liebling, ich erkenne den ‚Ring der Nibelungen', wenn ich davon höre. Ich wollte nur mal eure entsetzten Gesichter sehen und ein paar Klischees erfüllen."

„Pffff", machte Dora. „Seit Voldemort hat mich niemand mehr so erschreckt."

„Wer ist Voldemort?", erkundigte sich Bella.

„Ein weitläufiger Bekannter von früher", erwiderte Gawain. „Unangenehmer Typ. Vergisst man am besten gleich wieder."

Severus, der den Atem angehalten hatte, entspannte sich wieder. Ein Schatten huschte flügelschlagend über seinen Kopf.

„Zeit für die Raubtierfütterung", sagte Daktari und ging ins Haus. Wenig später kam sie mit einer Kunststoffbox zurück, in der klein geschnittenes, rohes Fleisch lag. Über dem Unterarm trug sie einen Lederschutz. Sie stieß einen hellen Pfiff aus. Vom Geäst der Birke über ihr glitt ein schneeweißer Gerfalke herab, der mit elegantem Schwung auf ihrer Hand landete. Elegant, allerdings beinahe daneben.

„Na, wieder kein Jagdglück gehabt heute?", spöttelte sie sanft und strich ihm durchs Gefieder.

„Wann, sagtest du, ist er dir zugeflogen?", fragte Severus mit kritischem Blick.

„Das habe ich dir noch gar nicht erzählt", gab Daktari zurück. „Vor ein paar Wochen."

Sie öffnete die Box und nahm einen Streifen Fleisch heraus, den der Vogel gierig verschlang.

„Warum fängt er sein Futter eigentlich immer noch nicht selbst?", fragte Matti. „Der Flügel ist doch wieder zusammen gewachsen."

„Ja, aber irgendwie klappt das mit dem punktgenauen Landen nicht richtig", bedauerte Daktari. „Die Hennen in Junes Stall gucken mich schon nicht mehr an, weil ich ihnen immer die Küken stehle." Sie lachte. „Alles nur für dich, Süßer", sagte sie zu dem Vogel.

Der Falke riss ihr ein weiteres Fleischstück aus den Fingern und rieb dann den Kopf an ihrer Wange.

„Erstaunlich zahm für einen Raubvogel", stellte Bella fest. „Irgendwie erinnert er mich an jemanden, aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, an wen."

Severus strich ihr sanft eine seidenweiche Strähne aus dem schönen Gesicht: „Das geht uns vermutlich allen ähnlich."

„Seht ihr ihn eigentlich auch tagsüber?", fragte Dora.

„Ab und zu taucht er auf, wenn ich mit Ventus ausreite", antwortete Daktari. „Aber sonst kommt er nur abends."

Dora tauschte einen Blick mit Gawain und Severus. „Denkt Ihr auch, was ich denke?"

„Das schreit nach Albatross-Post", antwortete ihr Mann.

„Seid ihr sicher, dass das eine kluge Idee ist?", fragte Snape. „Ich meine, Lupin fasst gerade erst wieder Fuß. Wie vielen von uns steckt ihm der Krieg noch in den Knochen. Was, wenn es doch nur ein normaler Falke mit einem schlecht verheilten Flügel ist?"

„Sollte Remus das nicht selbst entscheiden dürfen?", bemerkte Gawain.

Snape seufzte. Vermutlich hatte der Werwolf Recht.

„Vielleicht schreibst du ihm besser", sagte der Tränkemeister schließlich. „Du findest vermutlich eher die…richtigen Worte. Unsere letzte Begegnung fand in etwas angespannter Stimmung statt." Genau genommen hatte Remus Severus ein blaues Auge gehauen und den Kiefer ausgerenkt, aber die Details behielt der Tränkemeister lieber für sich.

Daktari stand auf. „Ich will noch die Pferde reinbringen. Hilft mir jemand freiwillig?"

Matti grinste und erhob sich. „Wenn ich dich im Schatten hinter dem Stall küssen darf?"

Die beiden verschwanden in der heraufziehenden Dunkelheit.

„Sag mal, Severus", begann Gawain nach Minuten des Schweigens. „Da wir schon über Wagner sprechen: Weißt du, was ich mich schon eine ganze Weile frage? Du hattest alles in der Hand, damals, auf Schloss Wahnstein. Warum hast du auf die Macht an Voldemorts Seite verzichtet?"

Der Tränkemeister musterte mit großem Interesse die Schnallen seiner Stiefel. Doch nach einer Weile des Schweigens sagte er: „Daktaris Feuer. Als mir klar wurde, dass keine Macht der Welt mir zurückbringen konnte, was ich verloren hatte, erinnerte ich mich an das, was Daktari über Normalität erzählt hat. Wie sie am Feuer saß und plötzlich feststellte, dass das Leben weitergeht, auch wenn man innerlich zu Eis erstarrt ist. Nun, Bella, Draco und ich, wir brauchten dringend alle drei einen Platz an diesem Feuer."

„Diese Flammen wären vielleicht längst erloschen, wenn du den anderen Weg gewählt hättest", sagte Dora nachdenklich.

„Ihr habt nie an mir gezweifelt?", erkundigte sich Snape. Da sie schon dabei waren, einander die Wahrheit zu sagen, konnte er diesen Punkt gleich mit klären.

„Nicht mehr als du selbst", erwiderte Gawain kryptisch und mit einem Augenzwinkern.

„Die meisten von uns haben Dumbledore vertraut, und er vertraute dir", sagte Nymphadora. „Und so ist es doch noch immer: Es ist dein Wort, auf dem Dracos Freiheit fußt."

„Der Junge hatte es schwerer als jeder andere, inklusive Potter", sagte Severus düster. „Er hat eine zweite Chance verdient."

„Hat das nicht jeder?", fragte Daktari, die eben Hand in Hand mit dem riesigen Matti um die Ecke kam, und sich wieder ans Feuer setzte. „Ich mag den Jungen. Er hat genau so ein Händchen für Pferde, wie Lou es hatte." Sie seufzte. „Ich vermisse ihn."

„Wie manche von uns", sagte Severus ernsthaft. Dann sah er den Finnen mit gerunzelten Brauen an. „Matti, du willst nicht wirklich diese Gitarre auspacken?"

Matti grinste. „Wenn Bella schon mal da ist. Wann habe ich schon eine Sängerin mit einer so wunderbaren Stimme zur Verfügung?"

Gawain lachte, als Severus das Gesicht verzog. „Daktaris Feuer, Severus, gibt es nicht ohne Daktaris Fluch. In ihrer Nähe wirst du immer Musik ertragen müssen, die du nicht magst."

„Also ich liebe Mattis Musik", bekräftigte Bella. „Und Severus mag sie auch, er gibt es nur nicht zu", ergänzte sie. Sie nahm Severus das Weinglas weg, stellte es neben ihn und drängelte sich in seine Arme.

Er brummte unwillig, ließ sie aber gewähren. Matti stimmte ein paar Akkorde an, und die Finger seiner Pranken glitten mit erstaunlicher Eleganz über die Saiten der Gitarre. Bald klang Bellas klare Stimme durch die warme Juninacht.

„So close no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trusting who we are
And nothing else matters..."

ENDE


Für alle, die jetzt noch wissen wollen, was es mit dem Falken auf sich hat, wird es einen Epilog geben.

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Die Wartezeit verkürzt Ihr Euch am besten mit der neuen Geschichte von Slytherene: "Die zweite Chance". Remus vs. Umbridge, Severus, bevor er ein Todesser wurde, Lucius und Bella in ihrer Sturm-und-Drang-Zeit, und ein paar düstere Wahrheiten über Sirius Black, die J.K. uns verschwiegen hat ;-)