Es geht auf's Ende zu...jedenfalls auf das Ende des Malaysiaabschnittes...viel Spaß beim Lesen.
Neue Rätsel
Kapitel LIII
Unbekanntes Grab, Regenwald von Malaysia
Schrapp, schrapp, schrapp...
Das Geräusch klang nach einer Mischung aus Hubschrauber und antikem Häcksler und genau das war es auch. Die Konstruktion war simpel, aber effektiv. Zwei Zahnräder, mit vier Klingen bestückt, die sich in einem Abstand von drei Metern gegenüberstanden. Die Klingen waren scharf und das trotz der Jahrhunderte, die sie hier verstaubt herumgehangen hatten. Mit der Walze war auch der gesamte Fallenapparat in Bewegung gesetzt worden.
Die Klingen der beiden Häcksler hatten eine solche Form, dass sie mit jeder Umdrehung immer schneller wurden, da sie immer mehr an Schwung dazu gewannen.
„Was machen wir jetzt?!", Sheila war verzweifelt.
Der Schrei der für Tod erklärten Kreatur hallte durch die Finsternis des Abgrundes. Lara konnte ihre Verzweiflung nur zu gut nachvollziehen. Ihr ging es nämlich nicht anders. Diese Falle war sehr gefährlich und nicht einfach zu überwinden.
In England war sie einst bei dem Grab von König Artus auf ähnliche Fallen gestoßen, doch damals hatten ihr wenigstens Kisten zur Seite gestanden, mit denen sich die Dinger hatten stoppen lassen. Hier aber gab es kein Material, dass robust genug sein könnte, um diese Dinger zum Halten zu kriegen und sie hatten auch nicht genug Fläche, um gegen die Kreatur kämpfen zu können.
Die Tatsache, dass Zimmermann sich bisher immer eher als nerviges Anhängsel und weniger als brauchbarer Teil der Gruppe herausgestellt hatte, war dem ganzen Unterfangen nicht sonderlich hilfreich.
„Sieht schlecht aus, Lara.", Max kam an ihre Seite, sie konnte sehen, wie er seine Waffe gezogen in der rechten Hand hielt, bereit sich zu verteidigen.
Lara ahnte bereits, dass dies nicht viel bringen würde. Mumien gehörten meistens zu der Sorte von Kreaturen, die nicht viel Wert auf menschliche Dinge wie Sterben oder Schmerz legten. Auf Gefühle, wie Wut und Wahnsinn allerdings schon.
„Wir müssen irgendwie dieses Ding hier stoppen.", Lara deutete auf das Häckslerding vor ihnen. Doch keiner schien eine Ahnung zu haben, was getan werden musste. Fieberhaft suchte Lara die Umgebung ab, in der Hoffnung doch noch einen rettenden Ausweg zu finden. Plötzlich blieben ihre Augen an dem Maschinengewehr hängen, dass Sheila auf die Brücke gerichtet hielt.
„Da kommt irgendwas auf uns zu.", schrie die Rothaarige über das monotone Surren der Klingen hinweg. Sie deutete mit dem Kopf in dieselbe Richtung, in die sie auch zielte. Tatsächlich konnte Lara mehrere Konturen erkennen und alle trugen sie lange, graue Umhänge.
„Noch mehr von den Hütern!", kam es aus Zimmermanns Mund. Doch keiner ging wirklich darauf ein. Lara fixierte stattdessen wieder die Waffe, die sie schon vorhin hatte wunderbar gebrauchen können.
„Geben Sie mir das bitte.", Lara hoffte, dass ihr Plan funktionierte. Sheila hingegen schien gar nicht so begeistert von der Idee zu sein, erneut entwaffnet zu werden. Sie zögerte, als musste Lara andere Saiten aufziehen.
„Ich brauche ihre Waffe, dringend...", um ihre Worte zu unterstreichen, gruben sich die Klauen der Mumienkreatur gerade in dem Moment von unten durch das Holz der Brücke. Sie hatte sie erreicht und auch mit jeder weiteren, verstreichenden Sekunde, kamen die Hüter immer näher.
„Wir werden sterben, wenn Sie ihr nicht endlich die Waffe geben.", versuchte Max sie zu überzeugen. Das hatte scheinbar geholfen, denn Sheila ließ die Waffe los und reichte sie an Lara weiter. Mit einer schnellen Drehung ihres Oberkörpers warf Lara die Waffe von sich. Sie flog einige Meter und schlitterte den Rest bis zum Häcksler.
„Bitte, lass es klappen.", betete Zip an ihrem Ohr.
Es klappte. Das Maschinengewehr kam genau unter der Klinge zum Stehen und als Metall auf Metall trafen, gab es ein unangenehmes Geräusch. Lara kniff die Augen zusammen und Alister und Zip schrieen vor Schmerz auf. Für einen Moment wehrte sich das Metall und die Konstruktion gegen den plötzlichen Stopp und es schien beinah so, als würde das Maschinengewehr dem Druck nicht Stand halten, aber dann hielt der Häcksler an.
„Los!", Lara rief ihren Begleitern zu und sofort folgten ihr alle. Als sie die Klingen passierte, blickte sie sich noch mal um und sah das Gesicht der Mumienkreatur aus dem Abgrund auftauchen. Die Hüter rannten, ohne das Wesen zu beachten, an ihr vorbei. Scheinbar waren sie dafür gedacht nur lebende Wesen zu attackieren.
„Oh verdammt.", wimmerte Zimmermann und rannte noch tiefer in den Gang hinein. Lara musste jetzt schnell reagieren.
Als die Mumie ausholte und mit schnellen Sprüngen die Distanz zu ihr verringerte, warf Lara ihren Magnethaken aus. Der Haken blieb an dem Maschinengewehr hängen und im selben Moment sprang das Wesen ab.
Mit einem Kraftschrei zog Lara feste an dem Kabel ihres Magnethakens und die Waffe löste sich.
Der aufgestaute Druck in der Klingenkonstruktion entlud sich mit einem Schlag und die Falle überdrehte sich, traf das Mumienmonster im Rücken und schleuderte es gegen den Boden. Erneut gab es ein unangenehmes Knirschen, als die Klinge durch die Wirbelsäule des Monsters fuhr.
Dieses Mal war es zu viel für die Konstruktion. Das Holz barst mit einem lauten Aufprall und das Klingengebilde löste sich aus der Wand, fuhr schabend durch die Felsen und kam in einer großen Wolke zur Ruhe. Als das Krachen aufhörte, sah Lara wieder ihre anderen Verfolger hinter sich.
„Die Gefahr ist noch nicht gebannt.", kommentierte Max die Situation trocken, dann rannten sie den Gang weiter entlang. Gerade, als die Wärter sie einholten, schoben sich plötzlich hinter Max und Lara die Wände zusammen. Das war so plötzlich gekommen, dass Lara und Sheila beide erschrocken aufschrieen. Aber als sich die Wände erneut auseinander schoben, war von den Hütern nur noch Asche übrig.
„Weg da, weg da, weg da...", schrie Zip in Laras Ohr. Also rannten sie weiter. Tatsächlich war das ein guter Rat gewesen, denn der Gang war eine einzige Quetschfalle und die Wände verschoben sich ähnlich wie eine Welle. Während sich ein Teil zusammen schob, schob sich der Rest auseinander, so dass die Bewegung von oben eben einer Welle glich.
„Okay, genug...", keuchte Max schließlich und ging in die Hocke, um sich zu erholen. Auch Zimmermann tat es ihm gleich, während Sheila –die scheinbar darüber Bescheid wusste, dass man nach einem Lauf nicht direkt still stehen sollte- einige Schritte auf und ab ging. Wenige Meter weiter vor ihnen endete der Gang schließlich und Lara entschied sich dafür endlich die Sache hinter sich zu bringen.
Sie war schon viel zu lange auf der Suche nach dem dritten Stein. Außerdem wollte sie das Land verlassen, noch bevor die Grenzen geschlossen werden sollten. Der Gang endete in einem großen, runden Raum.
Hier und dort wucherten Pflanzen durch das Gestein und die Decke, in etwa drei Metern Höhe, lief zu einer schmucklosen Kuppel zusammen.
„Wow.", im Staunen bemerkte Lara die kleine Stufe nicht und als sie plötzlich das Platschen von Wasser hörte, war sie schon drin. Das Wasser selbst war nicht tief, gerade mal bis zum Knöchel reichte es.
„Sieh sich das einer an.", Alister war scheinbar genauso überwältigt wie Lara.
In der Kuppel selbst waren vier Löcher eingelassen und zu einem Podest in der Mitte führten jeweils vier Stege, die in einem neunzig Grad Winkel zueinander standen und das Wasser in vier gleichgroße Becken aufteilte.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes gab es ein großes, ebenfalls schmuckloses Tor. Dennoch war der Raum –in seiner ganzen Schlichtigkeit- eine Meisterleistung der antiken Baukunst. Einwenig wurde Lara an den Raum in dem Tempel bei Belize erinnert. Als sie noch zusammen mit Sara unterwegs gewesen war.
Sara...
Wenn Lara es schaffen würde, würde sie einen kurzen Abstecher zu ihrer Freundin machen und nach dem Rechten sehen. Vielleicht konnte Lara sogar die vier Elemente nutzen und Sara aus ihrem Gefängnis befreien. Das würde sie aber erst dann zeigen, wenn Lara es schaffen würde diesen Stein zu finden.
Sheila hatte den Raum umrundet und betrachtete nun die Tür: „Sieht massiv und unzerstörbar aus."
"Wir sind ja auch nicht hier, um etwas zu zerstören.", erwiderte Zimmermann. Lara war einwenig erstaunt über diese Aussage. Bisher hatte sie ihn für einen Profitgierigen Mann gehalten, doch scheinbar hatte er wirkliches Interesse an dieser Reise und genoss die Betrachtung antiker Bauwerke.
„Hey, seht euch das mal an.", Max deutete auf eine Wand rechts von Lara. Die Archäologin folgte seinem Ruf und sah, dass er eine Art Tafel freigelegt hatte. Die Hand des Amerikaners war mit Spinnweben und Staub bedeckt.
„Was kann das wohl bedeuten?", fragte Max an Lara gewand. Diese betrachtete das Gebilde genau.
„Das können Wolken sein.", Lara deutete auf Ringförmige Gebilde am Rande der Tafel: „Und das sind Hände, die alle auf einen Punkt zeigen."
„Hände?", Max dachte nach: „Was genau soll uns das sagen?"
Lara ließ ihren Blick erneut durch den Raum gleiten, über das Podest, was da scheinbar schmucklos in der Mitte hing, über die Lichtstrahlen, die durch die Decke fielen. „Seht mal her.", rief Zimmermann und deutete auf einen Punkt auf der Tafel.
Es ließ sich ein runder Stein erkennen aus dessen Inneren sich Lichtstrahlen erstreckten. War das hier vielleicht der Raum, in dem sie den Kristall finden würden? Warum dann aber diese massive Tür?
Lara kam ein Gedanke: „Habt ihr irgendwas dabei? Etwas mit einer spiegelnden Oberfläche?", wollte sie von der Runde wissen. Nach einem kurzen Zögern hob Sheila einen Schminkspiegel in die Höhe, den sie scheinbar in ihrer Hosentasche habt hatte.
Max deutete auf die Uhr an seinem Handgelenk und Zimmermann schob die Brille von seiner Nase runter. Lara selbst hatte ihr PDA dabei, mit dem sie das Licht würde umleiten können.
„Gut, jeder stellt sich unter einen der Strahlen.", Lara war mittlerweile echt froh, dass sie Zimmermann mitgenommen hatte, denn da Chase im Moment außer Gefecht war, war er ihre letzte Hoffnung auf die Lösung des Rätsels: „Lenkt den Lichtstrahl so um, dass er genau auf das Podest zeigt."
Sie selbst machte es mit dem Bildschirm des PDA vor und zielte mit dem gebündelten Strahl nun auf das runde Podest. Sofort wurde der Lichtstrahl von dem Podest erneut umgelenkt und zielte nun auf einen Punkt an der Decke. Von ihrer Position aus erkannte Lara, dass dort eine Art rundes Loch eingelassen war.
Also war mit der Kugel auf der Tafel das Podest gemeint und die Strahlen waren einfach die umgelenkten Hände. Ihre drei Begleiter taten es ihr gleich und dann hörte Lara das Geräusch eines sich in Gang setzenden Mechanismus.
„Erstaunlich.", wie immer begnügten sich die Jungs damit das Gesehene zu kommentieren, statt konstruktiv bei der Arbeit zu helfen. Manchmal glaubte Lara, dass sie diese nur engagiert hatte, um nicht so einsam auf ihrer Reise zu sein.
Jetzt, wo sie aber Begleitung hatte, erschienen ihr die beiden Jungs am anderen Ende der Leitung eher als kleine Störenfriede. Zwar mochte Lara sie sehr gerne und würde es ihnen niemals mitteilen, aber im Moment wünschte sie sich ernsthaft einfach nur ihr Headset ausschalten zu können.
Die Tür fuhr rappelnd nach oben und offenbarte einen weiteren Raum dahinter. Dieser war bedeutend größer und obwohl Lara noch nicht alles davon erkennen konnte, so war sie dennoch schon jetzt vollkommen überwältigt.
Zu viert gingen sie auf die neue Entdeckung zu und jetzt wusste Lara auch, dass sie am Ziel waren. Der Raum war hell erstrahlt und durch die Decke brach das Sonnenlicht, obwohl sie sich einige Meter unter der Erdoberfläche befinden mussten und eigentlich gar kein Licht hineinfallen durfte. Ein zentraler Strahl war auf ein weiteres, dieses mal viereckiges Podest in der Mitte gerichtet und dort funkelte ein grüner Smaragd, ebenso makellos wie seine beiden Kollegen.
Lara spürte nun auch wieder bewusst dieses Kribbeln in ihrem Körper, dass von den Wellen des Steines ausgesendet wurde. Sie hatten es also tatsächlich geschafft.
Der Rest des Raumes erinnerte an tropischen Regenwald. Überall Felsen, Laub, Bäume, Sträucher und andere Pflanzen.
Es war ein wirklich schöner Anblick und dennoch mahnte sie sich selbst zur Vorsicht. Gerade, als sie das neue Tor durchschritten und Lara nun den gesamten Raum überschauen konnte, hörten sie Schritte von hinten und eine männliche Stimme, die nach ihnen rief: „Lady Croft.", keuchend kam sie näher.
Lara und ihre Begleiter wirbelten herum und sahen einen der beiden Männer, die sie oben als Wachposten abgestellt hatten, auf sich zu rennen: „Lady...", er keuchte und war vollkommen außer Atem: „Lady Croft. Warten Sie. Bitte..."
Als er sie erreicht hatte, ging er in die Hocke und atmete einige Male tief ein und aus. Sein ganzer Körper sah vollkommen lädiert aus. Er hatte einige Schürfwunden, einige Blaue Flecken und mehr.
„Was ist geschehen?", wollte Sheila wissen und stellte sich neben Lara auf. Der Mann schien einen Moment zu zögern, ehe er antwortete: „Da war etwas. Eine Frau. Sie hatte...", seine Stimme wurde von einem Schrei übertönt, der Lara nur zu bekannt vor kam. Aber dennoch versuchte sie sich dagegen zu wehren.
Das konnte nicht sein, nicht sie...
Nicht...
Bevor sie den Gedanken vollenden konnte, schob sich etwas neues durch den Gang. Es lief wie eine Spinne auf sechs silbernen Metallbeinen und aus dem Rücken wuchsen Metallauswüchse, die sich zu Flügel formten. Die Augen des Wesens waren milchig und das braune Haar wehte leicht in einem unsichtbaren Wind hin und her.
Ja, sie kannte das Ding, was da vor ihr stand und noch viel schlimmer war, dass sie die Person kannte, dessen sich das Ding bemächtigt hatte.
„Oh mein Gott..."
„...Sara.", gab Alister leise und erschrocken an ihrem Ohr von sich. Es war in der Tat die Witchblade da, die sich ihnen entgegenstellte und der Mann, der sich eben zu ihnen angeschlossen hatte wimmerte erschrocken auf.
Lara zog ihre Pistolen, obwohl sie sich absolut nicht gegen ihre beste Freundin einsetzen wollte. Aber von Sara schien nichts mehr übrig zu sein. Die Witchblade bildete sich langsam zurück und nun stand Sara wieder auf ihren eigenen Beinen, während aber die Waffe immer noch ihren gesamten Körper bedeckte.
„Nicht.", Lara wirbelte herum, als sie die Stimme hörte. Sheila rief dem Mann hinterher, der sich plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufgemacht hatte. Sein Ziel war klar und Lara war bewusst, dass er den Stein nicht lebend erreichen würde.
Sie hatte die Gefahr bereits in der Luft gespürt, doch jetzt war es zu spät, als der Mann seine Hand ausstreckte, um den Stein zu berühren, überschlugen sich plötzlich die Ereignisse.
Fortsetzung folgt:
