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Als Blaine und Kurt gegen Mittag in Los Angeles gelandet waren und endlich ihr Gepäck hatten, wurden sie bereits von Cooper erwartet. Zuerst sahen sie ihn nicht, doch dann hörte Blaine jemanden lautstark „Blainers" rufen und schon sah er seinen Bruder mit strahlendem Gesicht auf ihn zustürmen. Kurz vor ihm blieb Cooper mit besorgtem Blick stehen und musterte ihn von oben bis unten. „Beim letzten Mal als ich dich gesehen habe, hast du noch in einem Krankenhausbett gelegen. Wie geht es deinen Rippen?"

„Gut!" erwiderte Blaine grinsend. „Alles so gut wie verheilt!"

„Super!" Cooper nahm seinen kleinen Bruder strahlend in den Arm und drückte ihn an sich, wobei er aber trotzdem recht vorsichtig war, da er ihm nicht wehtun wollte. Als nächstes drückte er Kurt freudestrahlend an sich und bei ihm nahm er keine Rücksicht, was Kurt mit einem Stöhnen quittierte. „Hey, du musst mir nicht die Rippen brechen, Cooper! Es ist auch schön, dich zu sehen!"

„Sind Mellissa und Devon auch hier?" fragte Blaine neugierig und sah sich um.

„Nein, leider nicht, denn sonst hätten wir nicht alle in ein Auto gepasst!" erwiderte Cooper, der sich Blaines Koffer schnappte. „Los lasst uns fahren, Mellissa freut sich schon darauf euch kennenzulernen!"

Eine halbe Stunde später hielt Cooper den Wagen vor einem kleinen Reihenhaus in einer nett und ordentlich aussehenden Siedlung. Der stolze Vater hatte während der gesamten Fahrt nur von seinem Sohn gesprochen und Blaine und Kurt hatten sich deswegen ab und zu angegrinst. Blaine, der seinem Bruder eigentlich vom Verkauf des Apartments berichten wollte, kam überhaupt nicht zwischen die Erzählungen seines Bruders übers Windeln wechseln, die Schlaf- und Essgewohnheiten von Devon oder die neuesten Bekanntschaften aus der Krabbelgruppe.

Als sie das Haus betraten, rief Cooper lautstark: „Ich bin wieder da, Süße, und ich habe auch jemanden mitgebracht!"

Eine zierliche Frau mit dunkelbraunem Haar, das sie hochgesteckt hatte, erschien mit einem warmen freundlichen Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie hatte große braune Augen, die aufleuchteten als sie Cooper sah. „Hey, Liebling!" Sie umarmte Cooper und gab ihm einen schnellen Kuss, dann wandte sie sich an Blaine. „Da ist ja endlich der verlorene Bruder!" Sie streckte ihm ihre Hand entgegen. „Ich bin Mellissa und ich freue mich so sehr, dich endlich mal richtig kennenzulernen." Blaine ergriff ihre Hand. „Ich freue mich auch!" erwiderte er und fand sich im nächsten Moment in einer liebevollen Umarmung wieder. Nach ein paar Sekunden unterbrach Mellissa jedoch die Umarmung und sah Blaine kritisch an. „Ich habe dir hoffentlich nicht wehgetan, oder? Wie geht die Heilung voran? Hast du noch Schmerzen an der Narbe?"

„Ich,… ähm… nein, alles ist gut!" erwidert Blaine verdutzt.

Cooper trat hinter Mellissa und schlang lächelnd seine Arme um seine Freundin. „Tut mir Leid, Brüderchen! Meine Süße hier kann einfach nicht aus ihrer Haut. Sie ist Ärztin durch und durch und da sie schon fast vier Monate nicht mehr arbeitet, ist sie ein wenig auf Entzug!"

„Hey!" Mellissa boxte Cooper schmollend gegen den Arm. „So schlimm bin ich auch nicht!" Sie löste sich von ihrem Freund und ging einen Schritt auf Kurt zu. „Und du bist Kurt, richtig?" Auch ihm hielt sie ihre Hand hin und Kurt ergriff sie nickend. „Von dir habe ich auch schon viel gehört!" sagte sie und zog ihn ebenfalls in eine Umarmung, die Kurt überrascht erwiderte. Mellissa war ihm sofort sympathisch. Sie hatte eine erfrischend unbekümmerte und freundliche Art, die irgendwie ansteckend war.

„So, ich denke, wir sollten Blaine mal endlich sein Patenkind zeigen, meinst du nicht?" fragte Cooper und Mellissa nickte lächelnd. Zusammen gingen sie alle in das Wohnzimmer des Hauses, in dem in einer Ecke, dicht am Fenster, eine Wiege stand. Blaines Herz begann schneller zu schlagen als er die Wiege sah.

„Er schläft, aber er wird bestimmt bald aufwachen, denn es ist schon zwei Stunden her, dass er zuletzt sein Fläschchen hatte!" Mellissa schaute lächelnd in die Wiege und winkte Blaine zu sich heran, der mit klopfendem Herz in die Wiege hineinschaute. Devons Anblick war überwältigend für ihn. Er fühlte sich gleich zu diesem kleinen Wesen in der Wiege hingezogen und mit zitternden Fingern strich er ihm vorsichtig über seine winzig kleinen Fingerchen, die im Schlaf leicht zuckten, als würden sie nach seiner Hand greifen wollen. Gerührt biss er sich auf die Unterlippe und konnte gerade noch die Tränen aufhalten, die er bereits herannahen spürte. Kurt trat ganz nah hinter ihn und schaute ebenfalls in die Wiege.

„Er ist wunderschön, Mellissa!" flüsterte Kurt und legte einen Arm um Blaines Schulter. Er spürte, dass sein Freund seine Nähe jetzt brauchte. Blaine war nicht in der Lage etwas zu sagen, weil der Kloß in seinem Hals einfach zu groß war.

Cooper trat zu ihnen und beugte sich zu seinem Sohn hinab. Vorsichtig nahm er das schlafende Baby aus der Wiege und murmelte ein liebevolles: „Hallo mein Kleiner, hier ist jemand, der dich unbedingt kennenlernen möchte!"

Er drehte sich zu Blaine und als dieser bemerkte, dass Cooper ihm das Baby in den Arm legen wollte, wich er einen Schritt zurück. „Moment, Cooper! Was ist, wenn ich …wenn ich ihn fallen lasse?" fragte er nervös, doch er konnte den Blick nicht von dem schlafenden Kind abwenden.

„Das wirst du nicht! Hier nimm ihn genau so!" Cooper legte seinem Bruder den schlafenden Devon behutsam in die Arme und trat dann mit einem warmen Lächeln im Gesicht zurück.

Blaine sah auf das Baby hinab und er spürte die Wärme, die es ausstrahlte. „Hey, Devon!" flüsterte er leise, während er selbst das Gefühl hatte, dass sein Herz immer lauter klopfte. „Ich bin dein Onkel Blaine!" Fasziniert beobachtete er jede Regung dieses bezaubernden Wesens in seinem Arm und dann konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Gefühle der Rührung und der unendlichen Freude über dieses neue Leben, das noch so hilflos und unselbständig, aber dennoch ein Teil seiner neuen, wiedergefundenen Familie war, bahnten sich ihren Weg und er schämte sich nicht dafür.

Kurt nahm ihn sanft am Arm und führte ihn zum Sofa des Wohnzimmers, wo Blaine sich mit Devon auf dem Arm hinsetzte. Sein Freund merkte davon fast gar nichts, zu sehr war seine Aufmerksamkeit auf das kleine Baby in seinem Arm gerichtet. Kurt sah zu Cooper, der Blaine mit Tränen in den Augen beobachtete. Er hatte Mellissa im Arm, die auch sehr gerührt aussah. Natürlich hatte Cooper ihr alles erzählt, was seinen Bruder betraf.

Blaine beobachtete Devon und bemerkte gar nicht, dass Cooper und Mellissa das Zimmer verließen und nur Kurt bei ihm blieb und sich neben ihn setzte. Nach etwa 15 Minuten begann Devon zu erwachen. Er knötterte ein wenig und sah dann zu Blaine auf und dieser Moment ließ Blaine kurz den Atem stocken als er seine wunderschönen blauen Augen sah. „Hey!" Blaine lächelte Devon an, der seinen Kopf hin und her zu drehen begann, so als würde er etwas suchen. Nach ein paar Sekunden fing er leise an zu quengeln.

„Ich denke, er hat Hunger", sagte Kurt und Blaine bemerkte erst jetzt, dass sein Freund neben ihm saß und ihn und Devon aufmerksam ansah.

Mellissa erschien im Raum und kam lächelnd auf Blaine zu. „Da habe ich doch richtig gehört! Man kann wirklich die Uhr nach ihm stellen. Leider kannst du ihn nicht füttern, Blaine, da er noch die Brust bekommt. Das kannst du aber bestimmt später mal nachholen, wenn er feste Nahrung zu sich nehmen kann! Gib mir den kleinen hungrigen Kerl!"

Blaine sah sie an und er verstand nach ein paar Sekunden erst, was Mellissa meinte. „Oh, ja, natürlich!" Er stand auf, küsste Devon auf die Stirn und nahm den Geruch des Babys wahr. Er roch nach Babypuder und Creme. Seufzend legte er Devon vorsichtig in die Arme seiner Mutter, die ihn anlächelte und dann mit ihrem Sohn zusammen das Zimmer verließ. Blaine sah ihr nach und seufzte erneut.

Kurt fasste ihn an der Hand und zog ihn neben sich auf das Sofa. „Das bedeutet dir viel. Ich meine, dass du jetzt einen Neffen hast, oder?"

Blaine nickte nachdenklich. „Vor ein paar Monaten dachte ich noch, ich hätte niemanden auf dieser Welt. Ich hatte keine Freunde, keine Familie, nur die Musik und … und ihn." Er sprach Justins Namen nicht aus, weil er ihn eigentlich am liebsten vergessen wollte. Er griff nach Kurts Hand. „Doch jetzt habe ich nicht nur dich als meinen Freund, den ich liebe, sondern da sind noch Rachel, Santana, Steve und Cooper mit Mellissa und jetzt Devon." Blaine schluckte. „Niemals hätte ich gedacht, dass mein Leben sich so sehr ändern könnte, aber du hast es möglich gemacht. Du hast mir Freunde und eine Familie zurückgegeben. Es bedeutet mir so viel, dass Devon mich bald „Onkel" nennen wird, auch wenn das noch ein wenig dauern wird. Ich kann ihm in ein paar Jahren zeigen wie man Klavier spielt. Ich…" Er stockte und Kurt sah weitere Tränen in Blaines Augen. „Ich kann dir gar nicht oft genug danken, dass du mir das alles zurückgegeben hast, Kurt!"

Bevor Kurt etwas erwidern konnte, beugte sich Blaine zu ihm und gab ihm einen Kuss. Als sie sich voneinander trennten, strich Kurt ihm liebevoll die Tränen von der Wange und lächelte ihn glücklich an. „Ich liebe dich!" flüsterte er und diesmal war er es, der Blaine küsste.

Der Kuss war sanft und zärtlich und hätte wahrscheinlich auch noch länger gedauert, als die beiden ein Räuspern von der Tür her vernahmen. „Ich will euch zwei Turteltauben ja nicht stören, aber ich würde euch gerne jetzt euer Zimmer zeigen, solange Mellissa gerade die Fütterung des Raubtieres vornimmt!" Grinsend sah Cooper seinen Bruder und dessen Freund an. „Wenn ihr wollt, könnt ihr dort so viel knutschen wie ihr wollt! Das Haus hat gute, ganz dicke Wände, müsst ihr wissen. Also, wenn ihr den Drang verspürt, noch ein paar andere Sachen miteinander zu machen, dann solltet ihr euch keinen Zwang antun! In eurem Apartment ist dies ja bestimmt nicht immer …"

„Cooper!" stoppte Blaine leicht genervt den Redefluss seines peinlichen Bruders. „Zeig uns einfach das Zimmer, okay?"

„Okay, okay, Brüderchen!" Cooper hob grinsend seine Hände. „Es gibt übrigens gleich einen Kuchen, den Mellissa extra für euch gebacken hat und heute Abend habe ich noch eine Überraschung für euch!"

„Eine Überraschung?" fragte Blaine neugierig.

„Ja, ich werde mit euch und Mellissa Essen gehen, aber das ist noch nicht die ganze Überraschung!" sagte Cooper geheimnisvoll und ließ sich danach keine weiteren Einzelheiten, was den Abend betraf, mehr aus der Nase ziehen.


Für den Abend hatte Cooper Mellissas Mutter gebeten vorbeizukommen, um auf Devon aufzupassen. Mellissa war davon etwas überrascht, weil ihr Freund ihr nichts von seinen Plänen erzählt hatte. Sie freute sich aber, da dies der erste Abend war, den sie ohne das Baby verbringen würde, seit Devon auf der Welt war.

Nach einer 30minütigen Fahrt, bei der Cooper Blaine und Kurt ein paar Sehenswürdigkeiten von L.A. gezeigt hatte, hielten sie vor einem kleinen italienischen Restaurant und Mellissas Augen wurden groß vor Erstaunen. „Du hast uns einen Tisch bei „Gino" reserviert? Das ist wirklich süß von dir, Cooper!" rief sie aus und gab ihrem Freund einen schnellen Kuss.

„Ihr müsst wissen," wandte er sich erklärend an Blaine und Kurt, „dass wir hier unser erstes richtiges Date hatten, wenn man die OP und die anschließenden Arztbesuche in meinem Zimmer im Krankenhaus nicht dazu zählt!"

Mellissa sah ihn kopfschüttelnd an und verdrehte die Augen. „Als ob man die OP als Date ansehen könnte, du Spinner? Dann hätte ich aber schon verdammt viele gehabt!"

„Auch wenn ich ein Spinner bin, liebst du mich doch, oder?" neckte Cooper sie und öffnete ihr gentlemanlike die Restauranttür.

Mellissa schritt durch die Tür und grinste ihn an. „Und wie ich dich Spinner liebe!" Dann gab sie ihm einen Kuss und lachte.

Blaine und Kurt, die diese Szene belustigt beobachtet hatten, sahen sich kurz an und grinsten. Mellissa und Cooper waren ein wundervolles Paar.

Als sie an ihrem Tisch Platz genommen hatten, fragte Kurt Mellissa nach ihrer Version, wie sie damals Cooper kennengelernt hatte und schon gab sie die Geschichte zum Besten, wie er bei einem Dreh seinen eigenen Stunt unbedingt selber spielen wollte und dann bei ihr auf dem OP-Tisch gelandet war. Sie bestellten ihr Essen, lachten viel und hatten einen wundervollen Abend. Als die Teller abgeräumt wurden, verschwand Cooper kurz auf der Toilette. Als er wiederkam, bemerkte Blaine, dass er immer wieder nervös auf die Uhr sah, was er irgendwie komisch fand. Gerade als er seinen Bruder danach fragen wollte, betraten zwei Geiger das Restaurant und steuerten zielsicher ihren Tisch an.

Alle sahen auf und ohne eine weitere Erklärung begannen die Geiger zu spielen.

Nach den ersten paar Takten erkannte Blaine das Lied sofort und er sah Kurt an, der es auch erkannt hatte und er sah ihn erstaunt und fragend an, doch dieser schüttelte nur leicht mit dem Kopf und zuckte die Schultern. Das Lied war „Everything I do von Bryan Adams". Blaine richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Geiger, die wirklich gut waren, doch dann sah er, dass Mellissa Coopers Hand ergriffen hatte und dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Dieses Lied musste für beide etwas bedeuten, das wurde Blaine plötzlich klar und ganz langsam dämmerte ihm auch, was hier gleich passieren würde.

Als die Geiger geendet hatten, klatschten alle anwesenden Gäste lautstark Beifall, die Geiger verbeugten sich ein paar Mal und verschwanden. Ungläubig sah Blaine was dann geschah und ja, seine Ahnung stellte sich als richtig heraus. Er griff nach Kurts Hand und hielt sie ganz fest.

Cooper stand auf, nahm Mellissas Hand und kniete sich mit einem Mal auf ein Knie vor sie hin.

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