A/N: Yay, DevilGirl83, schön dich wieder bei den Reviews zu sehen! Vielen Dank dafür! Ich bin gespannt, was du von den nächsten Kapiteln halten wirst, also, lass weiter von dir hören ;)


Teil III

Kapitel 53: Ein altes neues Zuhause

Die Party war in vollem Gange. Einer der Schüler war der DJ und die anderen Schüler tanzten zu der Musik, die er spielte. Andere, meistens die Eltern oder Vormunde der Absolventen, saßen an den Tisch, aßen, redeten und lachten. Alle hatten viel Spaß. Sogar Jenny, die immer noch ein bisschen verstört von den Begebenheiten des Tages war. Ein Teil von ihr konnte es immer noch nicht glauben, dass sie wirklich den Abschluss an dieser Schule gemacht hatte, dass sie in den vergangenen vier Jahren wirklich so gut geworden war.

Aber ein anderer Teil von ihr war wirklich stolz auf das, was sie erreicht hatte. Vor vier Jahren, als sie an diese Schule gekommen war und Li ihr gesagt hatte, wie sie trainieren würde – als Mensch – hätte sie nie gedacht, dass sie es schaffen würde. Sie war so tollpatschig gewesen, so unsicher. Und all das hatte sich in den letzten Jahren verändert. Sie hatte es nur nicht glauben oder bemerken wollen.

„Komm schon, Zoe, jetzt wo du fertig bist, kannst du uns doch endlich sagen, was du jetzt vorhast!", sagte Nik, womit er Jenny aus ihren Gedanken holte. Zoe hatte sich immer geweigert ihnen zu erzählen, was sie nach ihrem Abschluss machen würde und sie hatte auch kein Wort gesagt, im Gegensatz zu Ejnar, der ihnen schnell erzählt hatte, dass er ein weiteres Jahr im Ort bleiben würde bis sein Freund Mika seinen Abschluss machte. Und dann würden sie sehen, wo sie endeten.

„Okay, okay", stimmte sie lachend zu. „Ich werde es euch erzählen. Ich habe lange und hart darüber nachgedacht und habe schlossen, in die Östliche Hauptstadt zurückzukehren."

„Aber du hast dein Leben dort gehasst", warf Ejnar ein, offensichtlich von ihrer Entscheidung überrascht.

„Ich hab mein Leben gehasst", widersprach Zoe. „Es hatte nichts mit dem Ort zu tun. Aber als Li mich fand, war ich nicht das einzige Kind, das auf der Straße lebte. Ich war nicht das einzige Kind, das stehlen und andere… Dinge tun musste um zu überleben. Und deshalb will ich zurück. Ich will eine Anlaufstelle für Kinder schaffen, die wie ich nirgendwo anders hinkönnen und keine Perspektiven haben. Ich will ihnen zeigen, dass sie zu guten Menschen werden können. Li hat schon versprochen mir zu helfen bis ich das Haus alleine unterhalten kann. Es hat ein paar Schlafmöglichkeiten, eine große Küche, zwei Gemeinschaftsbäder, einen Gemeinschaftsraum und auch ein Dojo, wo die Kids entweder lernen können, sich selbst zu verteidigen oder einfach nur etwas Dampf ablassen können."

„Wow", hauchte Anisah. „Das ist wirklich… mutig, nehme ich an."

Zoe zuckte mit den Schultern, offenbar verlegen und fuhr damit fort, etwas anderes zu sagen, aber Jennys Gedanken fingen an abzuschweifen. Sie hatte wirklich noch nicht darüber nachgedacht, aber jetzt, wo Zoe ihnen erzählte was sie vorhatte, bemerkte Jenny, dass sie keine Ahnung hatte, was sie jetzt tun könnte. Immerhin hatte sie heute Morgen noch gedacht, dass sie noch ein paar Jahre an dieser Schule vor sich hatte. Und jetzt, in einer Woche, wenn das Schuljahr vorbei war, war es wirklich vorbei. Kein Kampfunterricht mehr, keine morgendlichen Joggingrunden mehr… Alles, was sie in den letzten vier Jahren gekannt hatte, war vorbei.

„Entschuldigt mich, ich hol mir was zu trinken", sagte Jenny, als sie aufstand, und ging zu den Erfrischungen. Aber als sie Li dort stehen sah, der mit Lari redete, kehrte sie auf dem Absatz um und ihre Füße trugen sie zur Tür und nach draußen. Es war nicht so, dass sie nicht mit Li reden wollte oder noch immer nachtragend war, dass er sie durch einen Trick dazu gebracht hatte in dem Turnier mitzukämpfen und den Abschluss zu machen, aber im Moment brauchte sie etwas Luft.

Die frische Sommerluft draußen beruhigte sie sofort ein wenig und sie atmete ein paar Mal tief durch bevor sie den Hof überquerte. Der Himmel war mit Sternen übersät und es war keine einzige Wolke dort oben zu sehen. Jenny seufzte. Alles war so friedlich hier draußen. Sie würde das hier wirklich vermissen – die Ruhe, die Natur, und natürlich die Menschen, wenn sie in die Westliche Hauptstadt zurückkehrte, wenn sie nach Hause zurückkehrte…

Nach Hause… Wollte sie wirklich schon wieder zurück gehen? Ihre Freunde der letzten vier Jahre hier zurücklassen. Andererseits… konnte sie wirklich hierbleiben, in dem Wissen, dass sie keinen Kampfunterricht mehr haben würde? Sie hätte immer noch die Volleyballmannschaft, aber irgendwie war die Mannschaft nicht mehr so wie früher, als sie angefangen, da immer und immer mehr ältere Schüler ihren Abschluss machten (alleine dieses Jahr hatten zwei Mädchen aus ihrer Mannschafft den Abschluss mit ihr gemacht). Sie hätte immer noch Mailin und Damian, aber Zoe, Anisah und Ejnar würden weg sein. Sel würde kurz darauf folgen. Würde sie hier überhaupt noch einen Platz haben? Was würde sie machen, wenn der normale Unterricht vorbei war? Würde Li ihr erlauben, einige Klassen zu unterrichten? Nein, das war unwahrscheinlich. Sie war immerhin noch minderjährig.

Nein, dachte Jenny, irgendwie würde sie sich fehlplatziert fühlen, wenn sie blieb, auch wenn ihre Freunde hier noch lebten. Jennys Ziel, das Kämpfen mit Schwertern zu erlernen, um sich der Drachenschwerter würdig zu erweisen, war erfüllt. Es war Zeit etwas Neues zu lernen und sie konnte damit nicht hier anfangen. Aber was könnte sie von einer Rückkehr zur Westlichen Hauptstadt erwarten? Was wartete dort auf sie?

Ihre Füße trugen sie entlang des Seeufers, näher zur Grenze des Waldes, wo ein Rascheln sie aus ihren Gedanken riss. Die Kampfhaltung, sogar ohne Schwerter, kam ganz automatisch, aber sie entspannte sich sofort, als sie die Person erkannte, die aus den Schatten trat.

Ein riesiges Grinsen breitete sich auf Jennys Gesicht aus, als sie eines der wenigen Dinge tat, von denen sie wusste, dass er es hasste. Sie rannte auf ihn zu und umarmte ihn fest. Ungebetene Tränen stiegen ihr in die Augen, welche sie schnell wegblinzelte bevor er sie bemerkte. Vegeta würde ihr nie vergeben, wenn sie weinte nur weil sie ihn vermisst hatte. Und oh, wie sie ihn im letzten Jahr vermisst hatte. Immerhin hatte sie ihn seit sie im September zur Schule zurückgekommen war nicht gesehen. Diese fast zehn Monate waren zu lang gewesen.

Bevor er sie wegschubsen konnte, ließ sie ihn los und sagte mit einem frechen Grinsen: „Hi Vegeta."

„Gör", antwortete er. Und konnte sie wirklich ein amüsiertes Grinsen auf seinen Lippen sehen? Jap, da war es. Er war auch froh, sie zu sehen, und ihm hatte die Umarmung nicht so viel ausgemacht, wie er sie immer glauben machen wollte. „Ich glaube Glückwünsche sind angemessen."

„Danke…" Sie strahlte ihn immer noch an. Wenn Vegeta so etwas sagte, dann konnte es nur bedeuten, dass er stolz auf sie und das, was sie erreicht hatte, war. Aber trotzdem… war es sooo schlimm noch etwas mehr darüber zu sagen, wie gut sie in den Kämpfen war? „Sooo… Hast du die Kämpfe gesehen?"

Ein Nicken.

„Uuuund?"

Da war es wieder, das amüsierte Grinsen auf seinen Lippen, als er antwortete: „Deine Leistung war… zufriedenstellend."

In Vegeta-Sprache hieß das sehr gut. Aber natürlich pushte er sie immer, noch mehr zu erreichen. Und sie wollte es gar nicht anders haben.

Ooh, wie gerne wollte sie ihm sagen, dass es sooo gut war, ihn wiederzusehen. Sein Lob zu hören (nun, aus seinem Mund war es Lob). Seine stetige Anwesenheit zu spüren. Aber sie konnte nichts davon sagen. Es würde ihm nur unangenehm sein.

„Sooo", sagte sie langsam, als sie sich am Seeufer hinsetzte. Sie konnte Vegeta noch immer hinter sich spüren - natürlich würde er sich nicht zu ihr hinsetzen. „Was machen wir jetzt?"

Vegeta antwortete einen Augenblick lang nicht, aber Jenny drehte sich nicht um. „Es liegt an dir", sagte er schließlich. „Li sagte, dass du so lange du willst an der Schule bleiben kannst. Wenn du es wünschst sogar, bis du deinen normalen Schulabschluss machst."

„Ich verstehe", murmelte Jenny. Das war genau das, was sie erwartet hatte. Aber hatte sie nicht eben erst gedacht, dass das etwas war, was sie nicht wollte? Dass sie hier nicht länger hergehörte? „Vegeta… was willst du?"

Schweigen. Das war die einzige Antwort, die sie erhielt, und sie hätte es wissen sollen. Andere Leute sahen es nie, aber Vegeta opferte viel mehr für sie als er sollte. Und das war nur ein weiterer Grund dafür, dass sie nicht länger an dieser Schule bleiben konnte. Außer während der Sommerferien und manchmal während der Weihnachtsferien war Vegeta in den letzten vier Jahren alleine gewesen und was er da machte wusste nur Dende. Es gab Zeiten, in denen sie nicht mal seinen Standort festlegen konnte. Er musste einsam sein.

Deshalb fällte Jenny endlich ihre Entscheidung. Sie drehte sich mit einem Lächeln zu ihm herum, als sie verkündete: „Lass uns nach Hause gehen, Vegeta."


Die letzten Tage an Lis Schule vergingen wie im Flug. Alle Absolventen packten und verabschiedeten sich langsam von dem Ort, der in den letzten Jahren ihr Zuhause, und von den Menschen, die in der Zeit ihre Familie gewesen waren. Jenny war keine Ausnahme, aber sie wollte keinen tränenreichen Abschied. Immerhin war es mit ihren Fähigkeiten kein Problem jederzeit ihre Freunde zu besuchen. Und sie würden die ganze Zeit telefonieren – zumindest war es das, was sie sich versprachen.

Ihre Freunde waren bei ihrer Entscheidung nach Hause zu gehen sehr verständnisvoll gewesen und hatten sogar gesagt, dass sie es erwartet hatten, obwohl sie natürlich gehofft hatten, dass sie bleiben würde. Jenny fühlte sich besonders schuldig, Mailin wieder in ihrem Zimmer alleine zu lassen. Sie hatten viele gute Momente in diesem Zimmer erlebt, lustige Momente, traurige Momente… Mailin und Damian waren ihre besten Freunde geworden, fast wie ein weiterer Bruder und eine weitere Schwester, und es fiel ihr schwer, sie zurückzulassen. Aber sie achtete darauf während ihrer letzten paar Tage an der Schule viel Zeit mit ihnen und natürlich auch ihren anderen Freunden Nik, Anisah, Zoe, Ejnar und Selvyn zu verbringen. Sie versicherte ihnen immer wieder, dass sie nur einen Telefonanruf oder Flug von ihnen entfernt war. Sie hatte Selvyn sogar in einem persönlichen Moment das Versprechen abgenommen, Mailin endlich auszuführen. Bevor es zu spät war. Und endlich, zwei Tage später, sah sie die beiden schüchtern händchenhaltend laufen.

Und während der letzten Tage hatte Nik sogar seinen Kampf mit Jenny bekommen, in dem sie sich verwandelt hatte und alles. Natürlich lag er nach weniger als einer Sekunde waffenlos und mit Jennys Trainingsschwert an seinem Hals mit dem Rücken auf dem Boden. Jenny war einen Augenblick lang besorgt gewesen, dass sie seinen Stolz verletzt hatte – besonders da sie zurückgehalten hatte – aber Nik hatte nur gelacht und ihre Hand genommen, als sie ihm aufhalf. Er hatte gesagt, dass er froh war so mächtige Leute auf seiner Seite zu haben.

Allzu plötzlich war es Jennys letzter Tag und sie packte ihre letzten Sachen in ihren Rucksack. Das Zimmer erschien plötzlich kahl ohne all ihr Zeug und sie war nicht die einzige, die es bemerkte.

„Es wird merkwürdig sein, weißt du?", murmelte Mailin, während sie versuchte ihre eigenen Sachen etwas auszubreiten um die Leere, die Jenny hinterlassen hatte, zu überdecken. „Hier ohne dich zu schlafen."

„Jaah, ich weiß", sagte Jenny und sie und Mailin setzten sich auf ihr Bett. „Es wird auch merkwürdig wieder zu Hause zu sein, ohne euch. Aber ich gehöre hier nicht mehr her… und du weißt, dass ich euch so oft besuchen werde, dass ihr mich bald wieder loswerden wollt."

„Ich weiß… und wir dürfen dich auch besuchen, oder?"

„Natürlich… und nun, Kopf hoch! Ich ruf euch an sobald die Telefongesellschaft uns wieder angeschlossen hat. Ich verspreche es."

„Eigentlich", erklang Damians Stimme von der Tür. „Müssen wir nicht so lange auf einen Anruf von dir warten." Er rollte ins Zimmer gefolgt von ihren anderen Freunden, und trug eine kleine bunt eingepackte Schachtel auf seinem Schoß.

Nik ging schnell an ihm vorbei und ließ sich auf ihre andere Seite fallen, wodurch die Matratze quietschte. „Jaah, du weißt doch, dass wir unseren Absolventen immer ein ‚nach-Hause-geh-Geschenk' mitgeben, und du hast immerhin auch immer was für die anderen mit zugegeben. Und wir alle glaubten, dass du das hier haben solltest…"

Er wies Damian an das Geschenk zu überreichen und Jenny nahm es ungeduldig an, bevor sie neugierig das Papier zerriss. Ooh, wie sehr sie Geschenke liebte! Sobald das Papier fort und die Schachtel geöffnet war, starrte sie auf etwas kleines, schwarz glänzendes in ihren Händen. „Ooh, ein Handy! Danke Leute!"

„Es ist ein Prepaid Handy", erklärte Damian. „Es ist schon aufgeladen und bereit benutzt zu werden. Du wirst all unsere Nummern in der Kontaktliste finden. Also ruf uns an sobald du zu Hause bist."

„Das werde ich… oh danke Leute!" Sie umarmte nacheinander jeden und fühlte plötzlich die Tränen in ihre Augen. Oh nein, sie wollte wirklich nicht weinen. Es war immerhin kein wirklicher Abschied, sondern nur ein ‚Ich seh euch später'. Und sie musste ihre Tränen unterdrücken, als sie draußen ein Ki aufflammen spürte. Es war soweit. „Vegeta ist hier… ich muss los…"

„Komm schon", sagte Mailin, als sie Jennys Hand nahm. „Wir bringen dich raus."

Die ganze Gruppe folgte Jenny nach draußen und Jenny hatte Recht gehabt – Vegeta wartete zusammen mit Li draußen in seiner üblichen Haltung, mit seinen Armen über der Brust verschränkt und einem finsteren Blick auf seinem Gesicht. Aber Jenny lächelte trotzdem. Es würde schön sein, wieder mit ihm zu leben. Ihn dazu zu bringen, wieder etwas lockerer zu werden. Er war ohne ihre Gesellschaft in den letzten Jahren viel zu steif geworden.

Nach einer weiteren Runde von ‚Ich seh euch später'-Umarmungen stand Jenny vor Li. Sie würde ihn gerne umarmen, aber wusste nicht, ob es angemessen war, deshalb streckte sie ihm einfach nur ihre Hand entgegen. Grinsend löste Li ihr Problem. Er nahm ihre Hand und zog sie in eine feste Umarmung. „Es tut mir Leid, dich gehen zu sehen", sagte er zu ihr.

„Ach, keine Angst", sagte Jenny neckend, als sie sich losließen. „Ich bin zurück bevor du es merkst." Dann nahm sie seine rechte Hand in ihre Hände und sagte: „Li, danke. Für alles. Ich… ich wünschte ich könnte mehr tun oder sagen, um das wieder gutzumachen, was du für mich getan hast… einfach nur danke sagen scheint nicht genug zu sein…"

„Es ist mehr als genug… dein Dank und zu sehen, wie sich das kleine unsichere Mädchen in eine selbstbewusste junge Frau verwandelt hat ist alles, was ich brauche."

Röte stieg in Jennys Wangen, aber sie lächelte als sie zurücktrat um neben Vegeta zu stehen. Heute Morgen hatte sie schon ihre ‚Ich seh euch späters' mit Lari, Tenshinhan, Chao-zu und Suki hinter sich gebracht, und darüber war sie froh, ansonsten hätte sie jetzt sicherlich ein paar Tränen vergossen. Aber nun war es Zeit zu gehen. Ihren Freunden – ihrer Familie eigentlich – zuwinkend rief sie, „Bis später!", und hob dann ab, gefolgt von Vegeta. Mit einem Aufflammen ihrer Energien waren sie weg.


Jenny hatte ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend, als sie und Vegeta vor der Capsule Corporation landeten. Vor mehr als vier Jahren hatten sie diesen Ort verlassen und Jenny hatte damals nicht gewusst, wann, oder ob sie überhaupt … nach Hause … zurückkehren würden. Sicher war das kleine Kapselhaus in den Wäldern eine Art Heim gewesen, aber Jenny hatte es nie geschafft, ihr Zimmer dort wirklich persönlich zu gestalten. All ihre persönlichen Sachen war in Lis Schule gewesen, die während ihrer Zeit dort ihr eigentliches Zuhause gewesen war. Aber tief im Inneren würde ihr Zuhause immer die Capsule Corporation sein.

Nur, wie sehr hatte es sich verändert, seit sie es zurückgelassen hatten? Hatte es sich überhaupt verändert? Nun, außer des Staubs, um den sich hoffentlich die Reinigungsbots gekümmert hatten, gab es nichts, was sich verändert hätte haben können. Immerhin hatte dort niemand gelebt.

Aber die Westliche Hauptstadt hatte sich ordentlich verändert. Als sie über die Stadt geflogen waren, hatte Jenny sehen können, dass sich in den letzten viereinhalb Jahren, seit sie das letzte Mal hier gewesen war, vieles verbessert hatte. Viele Gebäude waren wieder aufgebaut worden, die Stadt schien wieder lebendiger als damals, und insgesamt waren die meisten zerstörten Flächen beseitigt worden. Jenny war glücklich, das zu sehen, da das bedeutete, dass die Leute nicht länger daran festhielten, was Buu zerstört hatte, sondern bereit waren für Neues.

So wie sie es war.

All ihren Mut sammelnd – sie hatte wirklich keine Ahnung, wovor sie Angst hatte, wirklich – trat Jenny durch die Eingangstür und rümpfte sofort ihre Nase. Es war kein Staub im Flur, das hatten die Reinigungsbots sichergestellt, aber es lag trotzdem ein muffiger Geruch in der Luft. Doch das hatte sie erwartet. Eines der ersten Dinge, die sie tun musste, war so viele Fenster wie möglich zu öffnen.

Aber bevor sie das tat, musste sie ihr eigenes Zimmer sehen. Sie wollte die Reinigungsbots nicht da drinnen – das war etwas, was sie nie erlaubt hatte. Sie wollte nicht, dass irgendwelche Bots ihr Zimmer sauber machten, das tat sie lieber selbst (wenn sie es überhaupt tat). Schief grinsend, fragte Jenny sich, ob sie sich mit einer Maske und einem Staubwedel bewaffnen sollte, bevor sie sich in ihr Zimmer traute. Die Staubmäuse mussten tödlich sein.

„So, ich geh dann auspacken… und mein Zimmer fertig machen…", sagte Jenny zu Vegeta, der das Haus nach ihr betreten hatte. „Was hast du vor?"

„Trainieren."

Ihre Augen verdrehend schaute sie ihm nach als er wegging. Sie hatte fast vergessen, dass Vegeta schon das wichtigste – den Gravitationsraum – und seine wenigen persönlichen Sachen, was seine Kleidung bedeutete, am Tag zuvor zurück zur Westlichen Hauptstadt gebracht hatte.

Mit einem Seufzer machte Jenny sich auf den Weg zu ihrem Zimmer, aber schon im Flur bemerkte sie, dass es merkwürdig war, wieder zurück zu sein. Alles war so bekannt und gleichzeitig so anders. Zimmer schienen kleiner geworden zu sein – der Grund dafür könnte natürlich sein, dass sie über die letzten paar Jahre ein ganzes Stück gewachsen war – aber das Wohnzimmer war noch immer das Wohnzimmer und die Küche war noch immer die Küche. Jenny hoffte, dass sie voll ausgestattet war, denn sie war sich sicher, dass am Verhungern sein würde, wenn sie mit ihrem Zimmer fertig war.

Und da war es, die Tür verschlossen, genauso wie bei jedem anderen Zimmer in diesem Gebäude. Jennys Hand ruhte einen Moment lang auf dem Türgriff, bevor sie tief durchatmete und sie öffnete. Sie hatte Angst, was sie finden würde. Und ihre Angst war nicht unbegründet. Die Fenstervorhänge waren noch geschlossen, aber durch die kleinen Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch kleine Lücken bahnten, konnte sie den Staub durch die Luft fliegen sehen. Einer dieser Sonnenstrahlen landete auf dem Schreibtisch an der Wand und selbst da konnte sie die dicke Staubschicht sehen.

Großartig… Sie hätte den Reinigungsbots vielleicht einmal erlauben sollen, ihr Zimmer zu putzen. Nachdem Jenny ihren Rucksack draußen abgestellt hatte, ging sie als erstes zielstrebig zu ihrem Fenster, zog die Vorhänge beiseite um das Licht hereinzulassen, und öffnete dann das Fenster groß. Sofort flutete die warme Sommerluft das Zimmer und die leichte Brise wirbelte nur noch mehr Staub auf. Noch einmal seufzend, musste Jenny wohl akzeptieren, dass sie sogar mit Saiyajingeschwindigkeit den Rest des Tages in diesem Zimmer verbringen würde.

Aber bevor sie die Reinigungsmittel holte, zog Jenny ihr neues Handy aus ihrer Hosentasche und verbrachte die nächsten paar Minuten, während sie die Fenster in den wichtigsten Zimmern öffnete, damit ihren Freunden zu versichern, dass sie sicher zu Hause angekommen war und dass sie wahrscheinlich den ganzen Tag damit beschäftigt sein würde, ihr Zimmer zu putzen.

Zwanzig Minuten später war Jenny verwandelt und bewaffnet, nicht mit ihren Drachenschwertern, sondern mit einem Staubwedel, Wasser, mehreren Reinigungsmitteln, Wischlappen und dem Staubsauger. Ein amüsiertes Grinsen erschien auf Jennys Gesicht, als sie dachte das mit dieser Aufgabe vor sich liegend ein Kampfschrei nicht fehl am Platze wäre.

„Okay, bereit oder nicht, hier komme ich", flüsterte Jenny und stellte sich dann ihrem Zimmer. In den nächsten Stunden kämpfte sie mit den Staubmäusen, mit dem Kabel des Staubsaugers, überflutete unfreiwillig das Badezimmer und eroberte den Boden unter ihrem Bett zurück, wo sich noch mehr Staubmäuse niedergelassen hatten.

Der Kampf gegen sie war hart und schmerzhaft und selbst in ihrer Saiyajinform schwitzte sie ein wenig, als sie den Lappen das letzte Mal auswringte und all die Reinigungsmittel wieder in die Abstellkammer abstellte, wo sie hingehörten. Doch als Jenny das Ergebnis sah, nämlich ihr sauberes Zimmer, war sie glücklich. Sie erkannte alles wieder, die drei Betten, die Tapeten, den Schreibtisch… alles.

Und dann runzelte sie die Stirn.

Was Jenny vor sich sah war ein Kinderzimmer, nicht das eines Teenagers. Die Betten waren klein, für Kinder gemacht, die Tapete auf ihrer Seite des Zimmers zeigte Mädchensachen, rosa Herzen und Feen (sie hatte die Tapete damals schon gehasst, aber ihre Grandma hatte sie ausgesucht, deshalb wollte sie sich nicht beschweren) und auf Gotens und Trunks' Seite des Zimmers zeigte die Tapete Autos und Flugzeuge. Nur die Vorhänge waren ein neutrales dunkelblau, aber mit dem Rest konnte sie nicht leben. Das musste sich ändern. Und sie würde die nächsten paar Nächte auf der Couch im Wohnzimmer verbringen – oder in einem der Gästezimmer – denn Jenny würde niemals in ihr altes Bett passen.

Als sie sich auf ihr Bett setzte – oder das, was mal ihr Bett war – schaute Jenny sich in ihrem Zimmer um. Die Tapeten mussten natürlich weg, genauso wie das Bett. Aber… Ihr Blick landete auf Gotens und Trunks' Betten. Ihre Grandma hatte sie einmal gefragt, etwa zwei Jahre nach Buu, ob sie die Betten nicht durch etwas anderes ersetzen sollten. Jenny konnte sich nur zu deutlich an ihre Reaktion erinnern. Damals hatte sie noch an der Hoffnung festgehalten, dass Trunks und Goten durch irgendein Wunder zurückkehren würden. Aber jetzt, nach fast genau sieben Jahren p.B. (post Buu) war es klar, dass sie niemals zurückkommen würden. Wenn sie einen Weg aus dem Jenseits heraus gefunden hätten, hätten sie es bis jetzt getan.

Deshalb fühlte Jenny sich jetzt nach all dieser Zeit endlich bereit, die Betten rauszuschmeißen, um den Platz für sich selbst zu nutzen. Eine Couch wäre nett und ein eigener Fernseher, damit sie sich nicht mit Vegeta um den Fernseher im Wohnzimmer streiten musste (ja, Vegeta war ein Fernsehjunkie, selbst wenn er die Programme nur schaute um alles zu kritisieren).

Langsam aber sicher erschien ein neues Zimmer vor ihrem inneren Auge, und da sie das Bild nicht verlieren wollten, ergriff sie schnell ein Stück Papier und machte eine Skizze. Sie war nicht sehr gut, da sie ein Kunst-Legastheniker war, aber sie war sich sicher, dass sie erkennen konnte, wie sie alles haben wollte. Das nächste war eine Liste der Dinge, die sie brauchte und wie viel sie kosten könnten und je länger die Liste wurde, umso besorgter wurde Jenny, dass sie Dinge streichen musste. Deshalb fing sie an die Sachen zu umklammern, ohne die sie leben könnte.

Nachdem sie etwas zehn Minuten vor der Liste gesessen hatte ohne irgendetwas hinzuzufügen, rechnete Jenny alles zusammen und musste schlucken. Selbst wenn sie ihr Taschengeld benutzen würde, um das zu bezahlen, so müsste sie etwa drei Jahre lang ohne Geld auskommen, aber vielleicht war Vegeta großzügig und sie konnte etwas von dem Geld verwenden, das sie jeden Monat für ihre Lebenshaltungskosten bekamen (was sowieso immer viel mehr war als sie brauchten).

Mit der Liste in der Hand ging Jenny in die Küche, wo sie Vegeta fühlen konnte. Er hatte vor etwa fünfzehn Minuten eine Pause eingelegt und machte jetzt wahrscheinlich grad das Abendessen. Bei dem Gedanken an Essen, knurrte Jennys Magen und sie schaute zur Uhr in ihrem Zimmer. Halb acht Uhr abends. Kein Wunder, dass sie hungrig war. Sie hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen.

Als sie der Küche näher kam, sagte ihre Nase ihr, dass sie Recht hatte. Und sie grinste. Vegeta bereitete eine Willkommen zu Hause Mahlzeit vor, ihr Lieblingsessen, Spaghetti Bolognese. „Riecht gut", sagte Jenny, als sie sich auf ihrem Stuhl am Küchentisch niederließ. „Wann können wir essen?"

„Zehn Minuten"; war Vegetas kurze Antwort.

„Gut, ich bin am Verhungern."

Jenny hatte keine Ahnung wie lange es noch dauern würde, sich an den Anblick zu gewöhnen, wie Vegeta am Herd stand und Sauce in einem Topf umrührte, während die Spaghetti alleine vor sich hin köchelten.

Endlich, scheinbar endlose zehn Minuten später, stellte Vegeta die Spaghetti und den Topf auf den Tisch. Jenny hatte die Zeit gut genutzt, indem sie den Tisch gedeckt und jedem von ihnen ein großes Glas Wasser eingeschenkt hatte. Sie verbrachten die nächsten Minuten damit, schweigend zu essen, und man konnte nur hören, wie das Besteck auf dem Geschirr kratzte. Jenny hoffte, dass Vegeta mit einem vollen Magen ihrem Vorhaben offener gegenüberstehen würde.

Als sie fertig waren, räumte Jenny die Teller weg und packte sie in den Geschirrspüler. Vegeta blieb sitzen, was Jenny überraschte. Normalerweise würde er auf und davon sein, wieder im Gravitationsraum, in dem Moment, als sie beide fertig waren mit essen. Dann bemerkte sie, dass er die Liste, die sie erstellt hatte, in seinen Händen hielt.

Ups… sie wollte ihn doch langsam darauf vorbereiten.

„Ich sehe du hast meine Liste gefunden", sagte sie langsam, als sie sich wieder ihm gegenüber hinsetzte.

„Ja."

„Ich… ich würde diese Dinge gerne für mein Zimmer haben… es… es passt nicht mehr wirklich zu mir, weißt du?"

„Was bedeuten die Klammern?"

„Das sind die Dinge, die ich nicht unbedingt brauche, aber gerne haben möchte… Falls wir nicht genug Geld für sie haben. Ich wäre außerdem bereit, mein Taschengeld für all diese Dinge zu benutzen. Ich könnte mir sogar einen Job suchen, damit ich etwas Geld habe… Was machst du da?"

Vegeta hatte während ihrem Gebrabbel nichts gesagt, sondern war einfach aufgestanden und zu einem der Küchenschränke gegangen. Er öffnete die Tür und tippte dann eine Nummer beim Safe ein, der dahinter versteckt war. Jenny grinste bei Bulmas Versteck dafür. Kein Dieb würde jemals vermuten, dass der Safe in der Küche war. Da Vegeta mit dem Rücken zu ihr stand, konnte sie nicht sehen, was er da herausholte, aber Jenny hoffte, dass es etwas Geld war, das sie benutzen könnte.

Sie hätte nie die glänzende schwarze Kreditkarte erwartet, die Vegeta vor ihr hinlegte. Bulmas alte Kreditkarte, die jetzt Vegeta gehören würde. „Vegeta?"

„Es ist genug Geld auf unserem Konto, dass wir in den nächsten zehn Jahren bequem davon leben könnten, und es wird jeden Monat mehr. Ruf deine Freunde an und geht einkaufen." Er grinste hinterhältig, als er an Jenny vorbeiging. „Aber erst einmal werden wir trainieren."

Jenny seufzte, doch grinste glücklich. Jaah, es war schön, wieder zu Hause zu sein.


Die nächsten paar Tage vergingen wieder wie im Flug. Jenny hatte Mailin und Damian angerufen und nur einen Tag später waren zwei Besucher in der Capsule Corporation. Sie hatten ihr Lager im Gästezimmer aufgeschlagen, das Jenny bezogen hatte bis ihr Zimmer fertig war. Am ersten Tag führte Jenny sie überall herum und an den beiden Tagen danach genossen sie es all die Dinge auf Jennys Liste zu kaufen. Verdammt reich zu sein hatte definitiv Vorteile. Und das gute war, es störte Mailin und Damian überhaupt nicht. Sie hatten sogar genauso viel Spaß das Geld für das neue Zimmer auszugeben wie sie.

Nachdem sie die neuen Möbel bestellt hatten, war es Zeit das Zimmer zu streichen. Deshalb räumten sie alle Möbel aus – Jenny hatte beschlossen, die Möbel zu spenden, da sie noch im guten Zustand waren und es ganz bestimmt noch Leute da draußen gab, die sie brauchten – und bedeckten den Teppich auf dem Boden, bevor sie die Wände weiß anstrichen.

Während Jenny, Mailin und Damian darauf warteten, dass die weiße Farbe trocknete, mixten sie die die lila und grünen Farben mit noch mehr weißer Farbe, damit sie verschiedene Schattierungen von lila und grün hatten. Dann konnten sie endlich das Streichen beenden, indem sie Kreise und Spiralen und andere einfache Formen auf die weißen Wände malten.

„Perfekt", verkündete Jenny, als sie fertig waren und ihr Kunstwerk bewunderten. Ihr ganzer Körper, Kleidung, Gesicht und Haare waren mit Farbe befleckt, und Mailin und Damian sahen nicht besser aus. Aber sie hatten viel Spaß gehabt, inklusive einem Farbkampf, und verschwunden waren die Herzen, Feen, Autos und Flugzeuge.

Dann kamen die Möbel. Jenny hatte sich in ein schmales schwarzes 1,40m breites Himmelbett aus Eisen verliebt. Die Vorhänge waren in einem dunklen lila gehalten und passend dazu hatte Jenny sich lila und grüne Bettwäsche ausgesucht. Die Couch war ebenfalls lila mit grünen Kissen und sie hatten sogar die Vorhänge an den Fenstern ausgetauscht. Sie waren genauso so lila wie die Vorhänge am Bett.

Jenny hatte sogar einen Fernseher – einen 37 Zoll Flachbildschirm –, eine Stereoanlage mit Dock für ihren mp3-Player, und einen neuen Laptop für ihren genauso neuen schwarzen Schreibtisch bekommen. Sie hatten auch einen neuen Kleiderschrank und eine Kommode für ihr Zimmer gefunden, alles in schwarz. Man könnte denken, dass das den Raum düster erscheinen lassen würde, aber das tat es nicht. Die Fenster und der dazugehörige Balkon waren groß genug um genug Licht in das Zimmer zu lassen und die weißen Wände vollbrachten den Rest.

Als sie mit dem ganzen Zimmer fertig waren, schmückten Bilder von ihren Freunden, von Lis Schule und natürlich von ihrer Familie die Wände, genauso wie ein Ganzkörperspiegel neben dem Kleiderschrank. Und, an der Wand gegenüber von ihrem Bett, hatte Jenny die Drachenschwerter hingehängt, für alle sichtbar.

Ja, dachte Jenny, als sie, Mailin und Damian auf der neuen Couch saßen und fernsehschauten. Sie liebte ihr neues Zimmer einfach. All das Geld wurde gut genutzt. Sogar Vegeta stimmte den Verbesserungen zu, obwohl er sich beschwerte, dass sie nicht die königliche blaue Farbe verwendet hatte. Er hatte widerwillig nachgegeben, als Jenny ihm aufgezeigt hatte, dass sie nicht zur Königsfamilie gehörte. Und außerdem mochte sie lila und grün einfach lieber, obwohl blau eine nette Farbe war.

Wegen all dem lächelte Jenny, als sie während der erst Nacht in ihrem neuen Zimmer auf der bequemem Matratze schlief, während Mailin und Damian auf der ausklappbaren Couch und einer Matratze auf dem Fußboden lagen.

Es war wirklich gut, wieder zu Hause zu sein.

Und die nächste Hürde war noch ein paar Wochen entfernt.

Die High School der Westlichen Hauptstadt.