Es tut mir leid, dass es eine Weile gedauert hat bis zu diesem Kapitel aber ich war bis gestern in Urlaub. Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch Spaß.

Vielen Dank an Windschatten, LittleStrawberryLove, zaika und lumivalkoinen.


Bondmate – Teil VII

Als Jim die Brücke betrat – noch immer mit einem breiten Lächeln im Gesicht – verstummten mit einem Schlag alle Gespräche und alle Gesichter wandten sich ihm zu.

Er ließ sich davon aber nicht irritieren und schlenderte stattdessen zu seinem Kapitänssessel, auf den er sich mit einem vernehmlichen ‚plop' fallen ließ. Dann sah er einmal in die Runde.

„Wie ist der Status?"

„Captain! Geht es Ihnen besser? Der Doktor meinte, Sie seien heute nicht diensttauglich."

Chekov war aufgesprungen und hatte einen Schritt auf ihn zugemacht, bevor er merkte, dass sein Verhalten möglicherweise nicht rangangemessen war. Zögernd setzte er sich wieder aber die großen blauen Baby-Augen des Russen blieben nach wie vor fragend auf ihn gerichtet. Und auch Uhura und Sulu schien seine Antwort auf Chekovs Frage offensichtlich zu interessieren.

Er lächelte beruhigend in die Runde.

„Es geht mir gut."

Und dann wurde sein Lächeln breiter, als er merkte, dass er im Grunde gewaltig untertrieb.

„Sehr gut, um genau zu sein."

Er sah, wie Suku und Chekov Blicke miteinander austauschten, die er nicht ganz deuten konnte und er sah, dass Uhura vor sich hin nickte, als hätte er etwas bestätigt, das sie schon eine Weile vermutet hatte. Und er konnte sich vorstellen, dass Uhura möglicherweise tatsächlich eine Ahnung hatte, was in den letzten Stunden passiert war. Auf Chekov und Sulu traf das offensichtlich nicht zu, denn die sahen sich an, dann wieder ihn, dann wieder sich, dann offensichtlich unentschlossen wieder zu ihm zurück, bis es ihm schließlich zu bunt wurde.

„Nun fragen Sie halt schon, was Sie wissen wollen. Ich werde Sie schon nicht beißen."

Diese Aufforderung schien Sulu völlig auszureichend, denn er hatte kaum ausgesprochen, als es aus seinem Steuermann geradezu herausplatzte:

„Im Moment kursieren Gerüchte über Sie und den Commander, Captain."

Daher wehte also der Wind – er hätte es sich denken können. Er wusste ja, dass hinter seinem und Spocks Rücken geredet und getuschelt wurde. Aber bisher war er zu abgelenkt gewesen, um sich damit zu beschäftigten. Nun, das konnte sich ja jetzt ändern.

„Was genau wird denn geredet, Hikaru? Sie können ganz offen sprechen."

Sulu wand sich ein wenig auf seinem Sessel, dann fasste er sich aber ein Herz.

„Naja … es geht das Gerücht, dass Sie und Commander Spock ein Paar sind. Sie sollen sich im Transporterraum geküsst haben. Außerdem hat man Mr. Spock und Sie angeblich morgens gemeinsam aus Ihrem Quartier kommen sehen. Und ich habe außerdem gehört, dass Sie und Spock in Jeffries-Röhre 3 … nun ja … und auf dem Observationsdeck … und im Turbolift … und … stimmt das?"

Einen Moment lang starrte er Sulu tatsächlich ein wenig sprachlos geworden an. Er hatte ja gewusst, dass auf diesem Schiff gerne getratscht wurde. Und dass dabei möglicherweise auch das eine oder andere ein wenig übertrieben oder dazu erfunden wurde. Aber das jetzt so zu hören, war schon … faszinierend. Und ebenso gefährlich. Denn Gerüchte dieser Art konnten das Vertrauen oder zumindest den Respekt der Crew in ihre beiden Führungsoffiziere gefährden. Spock und er sollten dringend etwas unternehmen.

Hey, Spock?"

Ja, Jim?"

Mir sind gerade ein paar Gerüchte über uns zu Ohren gekommen. Offensichtlich brodelt das ganze Schiff. Wir sollten da vielleicht endlich dagegen steuern und die Crew aufklären."

Ein richtiger Gedanke, Jim. Die Crew sollte über die Natur unserer Beziehung unterrichtet sein. Nichts ist für die Moral gefährlicher, als Unwissenheit und Spekulation. Allein die Wahrheit vermag Vertrauen zu stärken."

Meine Gedanken, wenn auch nicht so schön formuliert, Spock."

Er konnte Spocks Belustigung über das Band spüren und musste lächeln.

Gut, wenn du einverstanden bist, werde ich das mal in die Hand nehmen. Jetzt ist ein genauso guter Zeitpunkt wie später."

Es wäre logisch, wenn du die notwendigen Schritte einleitest. Du bist der Captain des Schiffes."

Alles klar."

Und damit unterbrach er die Verbindung zu Spock und sah sich wieder den gespannten Gesichtern seiner drei Brückenoffiziere gegenüber, die offensichtlich eine Antwort erwarteten.

Er wandte sich an Uhura.

„Lieutenant – bitte öffnen Sie einen schiffsweiten Kanal."

Sofort kam Uhura seiner Bitte nach und nickte ihm nur wenige Sekunden später zu. Er erhob sich von seinem Sessel, stellte sich aufrecht hin, weil es ihm in dieser Situation irgendwie richtiger vorkam, als während seiner geplanten Ansprache in seinem Sessel zu gammeln und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Der Gedanke, dass er dabei Spocks Grundhaltung imitierte, kam ihm nur am Rande und war sofort wieder verschwunden, weil er sich auf seine nächsten Worte konzentrieren musste.

„An alle, hier spricht der Captain."

Er machte eine kleine Pause, um der Crew Gelegenheit zu geben, ihre momentane Arbeit niederzulegen und ihm zuzuhören, aber auch, um sich seine nächsten Worte ein wenig zurecht zu legen.

„Ich weiß, dass auf diesem Schiff momentan eine Menge Gerüchte über den Beziehungsstand von Commander Spock und mir selbst im Umlauf sind und der Commander und ich halten es für an der Zeit, mit diesen Gerüchten aufzuräumen, damit sich alle wieder auf die wesentlichen Aspekte unserer Arbeit konzentrieren können. Ich mache es auch ganz kurz. Ja – der Commander und ich sind zusammen. Ja – wir haben uns im Transporterraum das erste Mal geküsst. Nein, wir hatten keinen Sex in Jeffies-Röhre 3. Auch nicht auf dem Observationsdeck. Und auch nicht im Turbolift. Ja – es mag möglich sein, dass der Commander und ich mein Quartier morgens gemeinsam verlassen haben aber wir würden es begrüßen, wenn ab sofort Spekulationen über die sexuellen Aspekte unserer Beziehung unterlassen würden. Nichts desto trotz halte ich es für erforderlich, Ihnen allen mitzuteilen, dass der Commander und ich nicht nur eine Beziehung, sondern auch ein vulkanisches Bonding eingegangen sind. Die Einzelheiten werde ich nicht erläutern, nur so viel, dass uns dieses Bonding ermöglicht, eine besondere Art der Kommunikation ohne Worte zu führen. Sollten Sie also einmal den Eindruck haben, als würden der Commander und ich uns ohne Worte verstehen, dann hat das alles seine Richtigkeit. Der Commander und ich können Ihnen allen versichern, dass unsere Beziehung in keinster Weise negativen Einfluss auf die Führung des Schiffes nehmen wird. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, sie hat jederzeit Vorrang und wir werden jederzeit danach handeln – in jeder Situation. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Ich gebe Ihnen fünf Minuten Zeit, sich über die Neuigkeiten auszutauschen, dann möchte ich jeden von Ihnen wieder auf seinem Posten und bei der Arbeit sehen. Kirk Ende."

Auf der Brücke war es mucksmäuschenstill. Gleichzeitig waren noch immer drei Augenpaare auf ihn gerichtet.

Das war … eine interessante Ansprache, Jim."

Schön, dass sie dir gefallen hat."

Insbesondere der Teil über Jeffries-Röhre 3, das Observationsdeck und den Turbolift."

Ich habe nur auf die Gerüchte reagiert."

Er konnte fühlen, wie sich Spocks Augenbraue hob.

Davon bin ich überzeugt."

Was nicht bedeutet, dass wir die Gerüchte nicht zur Realität machen können."

Die rein tatsächliche Möglichkeit möchte ich nicht in Abrede stellen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür halte ich allerdings für verschwindend gering."

Er musste sich das Grinsen verkneifen.

Wo bleibt dein Abenteuersinn, Spock?"

An deiner Seite das Universum zu erforschen beinhaltet ausreichend Abenteuer für drei Leben, Jim. Ich halte es deshalb nicht für erforderlich meine Unerschrockenheit durch intime Nähe an öffentlichen und darüber hinaus noch unbequemen Orten zu beweisen."

Er ließ Spock sein Lachen über die Verbindung spüren.

Wenn es dich beruhigt – ich habe nicht die Absicht, auch nur einen dieser Orte auszuprobieren. Du kannst deine Augenbraue also wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurücksetzen, Spock."

Als Antwort spürte er Spocks Belustigung über ihr Band und er musste lächeln.

Immerhin wissen jetzt alle Bescheid."

In der Tat."

Dann können wir ja jetzt zurück an unsere Arbeit gehen."

Ein logischer Vorschlag."

Wir sehen uns nachher?"

So, wie wir es bereits besprochen hatten, T'hy'la."

Ich wollte nur sicher gehen, dass es bei unserem Flitterabend bleibt, wenn wir schon keine Flitterwochen haben. Und jetzt – zurück an die Arbeit. Ich bin mir sicher, die fünf Minuten sind um. Wir sollten mit gutem Beispiel voran gehen."

Sehr wohl, Captain."

Wieder spürte er Spocks Belustigung und begegnete ihr mit seiner eignen. Dann zwang er sich in die Realität und auf die Brücke zurück, wo ihn immer noch drei Gesichter mucksmäuschenstill anstarrten.

Er grinste Sulu an.

„Sind jetzt alle Fragen beantwortet?"

Er sah Sulu blinzeln, als hätten ihn seine Worte aus einer Trance gerissen. Dann aber nickte er.

„Ja, Sir."

Und dann – drehte er sich zu seiner Konsole um und nahm seine Arbeit wieder auf, als sei nichts geschehen. Ein wenig zögernder folgte Chekov schließlich seinem Beispiel. Doch Uhura hatte offensichtlich andere Pläne, denn sie stand von ihrem Platz an der Kommunikationskonsole auf und kam zu ihm, bis sie dicht neben ihm stand und ihn aus großen, ernsten, schwarzen Augen ansah.

„Spock und Sie sind gebondet?"

Sie hatte nur so laut gesprochen, dass er sie verstand, Sulu und Chekov dagegen nicht. Er passte seine Stimmlage an.

„Ja."

Er vermutete, dass Uhura eine der wenigen auf diesem Schiff war, die tatsächlich eine Ahnung hatte, was ein vulkanisches Bonding bedeutete und ganz automatisch suchte er in Uhuras Gesicht nach einem Anzeichen von Verletztheit, Eifersucht oder Wut. Was er fand, war tatsächlich ein kurzer Moment, in dem er meinte, dass Uhura zwar möglicherweise nicht verletzt, aber auch nicht vollkommen unbeeindruckt von dieser Tatsache war. Und er konnte es ihr nicht einmal verübeln. Denn selbst, wenn sie für Spock nichts mehr empfand außer Freundschaft – und das glaubte er ihr – musste es sich doch ein wenig wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen, mit welcher Geschwindigkeit und Intensität Spock sich ihm zugewandt hatte, während er bei Uhura in all der Zeit, die sie zusammen waren, nicht einmal ansatzweise soweit gekommen wäre. Doch Uhura fing sich schnell wieder.

„Ich spare mir alle Fragen und Kommentare zu der Ernsthaftigkeit dieser Entscheidung und zu der kurzen Zeit, die Sie beide zusammen sind, weil ich weiß, dass zumindest Spock sich in jeder Hinsicht sicher gewesen sein muss. Ich will nur sicher gehen, dass Sie wissen, was für ein unverschämtes Glück Sie haben und dass ich Ihnen persönlich das Leben zur Hölle machen werde, wenn Sie Spock jemals verletzen oder enttäuschen sollten."

Ihnen war beiden klar, dass Uhura sich auf dünnem Eis bewegte und ihre Worte durchaus als Drohung gegenüber einem höherrangigen Offizier gewertet werden konnten. Aber er war zu klug, um irgendetwas in diese Richtung zu sagen, weil er wusste, dass Uhura sich lediglich um Spock als ihren Freund sorgte.

Er begegnete ihrem Blick offen und ebenso ernst, um Uhura zu zeigen, dass er keine Scherze machte.

„Ich weiß, dass Spock Ihnen als Freund immer noch viel bedeutet und dass Sie sich Sorgen machen und wenn man sich meine Reputation ansieht, kann ich es Ihnen nicht einmal verübeln. Aber die Zeiten sind vorbei. Ich habe mich bewusst für Spock und auch für das Bonding entschieden in dem Wissen, dass es keinen anderen mehr für mich geben kann und wird. Und da bin ich mir genauso sicher wie Spock. Und Spock wäre das Bonding nicht eingegangen, wenn er mir in dem Punkt nicht geglaubt und vertraut hätte. Und wenn Spock das kann, sollten Sie es auch können."

Einen Augenblick lang wirkte Uhura beinahe ein wenig vor den Kopf gestoßen. Aber wieder hatte sie sich schnell unter Kontrolle und nickte ihm zu.

„Ich will es versuchen. Aber wie gesagt – behandeln Sie ihn gut. Er ist kostbar."

„Das weiß ich."

Uhura nickte.

„Dann ist es gut."

Und mit wehendem Pferdeschwanz drehte sie sich auf der Stelle um, ging zurück an ihre Konsole, setzte sich und nahm die Arbeit wieder auf, als wäre nichts gewesen.

Ein wenig verwundert schüttelte er den Kopf. Dann zuckte er innerlich die Schultern. Uhura konnte auf ihre Weise definitiv energisch und dadurch beinahe beängstigend sein und er zweifelte keine Sekunde, dass sie ihre Drohung wahr machen würde. Aber es konnte ihm ja trotzdem völlig egal sein. Er wusste, wie er für Spock empfand. Und er wusste, dass er Spock niemals enttäuschen würde. Also würde er Uhura keinen Grund liefern, ihre Drohung wahr zu machen.

Er schüttelte jeden Gedanken an die seltsame letzte Stunde ab, ließ sich wieder auf seinen Sessel fallen und konzentrierte sich stattdessen auf den Zwischenbericht über den Fortschritt der Aufrüstarbeiten, den er der Admiralität an diesem Tag noch würde übermitteln müssen.


Spock war gerade mit der Kalibrierung des Antriebs beschäftigt, als sein älteres Ich sich mit auf dem Rücken verschränkten Händen neben ihn stellte.

„Ich hatte noch keine Gelegenheit, meine Glückwünsche auszusprechen, Spock. Es erfüllt mich mit Freude, dass Jim und du euch für das Bond entschieden habt."

Kurz wandte er seinen Kopf dem Botschafter zu, ohne hierbei seine Arbeit zu unterbrechen, bevor er wieder auf die Schalttafeln vor ihm blickte.

„Ich weiß deine Glückwünsche zu schätzen. Und vermutlich wäre es ohne deine Hilfe niemals so weit gekommen, also schulde ich dir wiederum Dank."

„Nein, Spock, ich glaube, da irrst du dich. Möglicherweise haben mein Rat und meine Hilfe die Dinge beschleunigt. Aber die Anziehungskraft eurer Geister aufeinander war so stark, dass es zu keinem anderen Ergebnis hätte kommen können. Und das ist möglicherweise der Unterschied zu mir und dem Jim meines Universums. Durch den Verlust seines Vaters ist dein Jim ein anderer Mensch geworden, so wie du durch den Verlust deines Heimatplaneten und deiner Mutter letztlich in der Lage warst, deine Menschlichkeit früher anzunehmen, als ich das konnte. Eure Geister haben einander gebraucht, wahrscheinlich mehr gebraucht als mein Geist und der meines Jims. Deshalb habt ihr euch früher und unbedingter aufeinander zubewegt. Es konnte nur ein Ergebnis am Ende geben."

Er dachte über die Worte seines älteren Ichs nach und musste zugeben, dass dieser wahrscheinlich recht hatte. Allein die Tatsache, dass Jims und sein Geist ein spontanes Bond miteinander eingegangen waren zeigte, wie sehr ihre Geister nach Vereinigung gestrebt hatten. Es war tatsächlich unwahrscheinlich, dass Jim und er sich diesem Drängen auf Dauer hätten widersetzen können.

„Wahrscheinlich hast du recht. Trotzdem war es eine fruchtbare und hilfreiche Erfahrung, mich mit meinen Fragen an dich wenden zu können."

„Und das kannst du jederzeit, Spock. Auch wenn unsere Erfahrungen unterschiedlich sind und auch, wenn uns viele Jahre im Alter trennen, sind wir doch im Kern dieselbe Person."

Er nickte. Im Grunde waren seine Gedanken die ganze Zeit über in dieselbe Richtung gegangen.

„Ich nehme an, du hast mit unserem Vater gesprochen."

„Ja und es war ein äußerst zufriedenstellendes und vor allem vertrautes Gespräch."

„Unser Vater liebt dich sehr, auch wenn er es möglicherweise in dieser Direktheit nicht gesagt hat. Nach dem Tod unserer Mutter möglicherweise sogar noch mehr."

„Er hat Worte gefunden, die dies hinreichend auszudrücken in der Lage waren."

„Das ist gut, Spock. Und wenn du meinen Rat willst – kontaktiere ihn regelmäßig und lasse ihn teilhaben an deinem Leben. Er ist einsam seit dem Tod unserer Mutter, auch wenn er es sich natürlich nicht anmerken lässt und sich mit seiner ganzen Kraft in den Dienst des Aufbaus der neuen Kolonie stellt. Aber wie bereits erwähnt sprechen wir oft miteinander und ich verstehe es, zwischen den Zeilen zu lesen."

„Ich werde deinen Rat berücksichtigen. Es ist mir selbst ein Bedürfnis, den Kontakt zu unserem Vater zu intensivieren."

Einen Moment schwiegen sie beide und er bewegte weiter seine Finger über die Kontrollen. Doch da sich sein älteres Ich nicht entfernte, vermutete er, dass dieser ihm noch etwas zu sagen hatte. Seine Vermutung bestätigte sich bereits im nächsten Moment.

„In zwei Tagen wird die Enterprise sich auf de Rückweg zur Erde machen und ich werde hier auf New Vulcan bleiben. Aber auch, wenn unsere Wege sich dann erst einmal wieder trennen werden, sollst du dir sicher sein, dass ich immer ein offenes Ohr und möglicherweise einen Rat für dich habe, solltest du einen solchen benötigen. Aber auch für den Fall, dass du keinen Ratschlag benötigst, würde ich mich freuen, gelegentlich von dir und Jim zu hören. Es ist mir ein persönliches Anliegen und eine persönliche Freude zu hören, wie es euch ergeht."

Er hatte seine Arbeit an den Kontrollen nun doch unterbrochen und sich dem Botschafter zugewandt. Er sah diesem in die Augen – seine eigenen Augen – und legte den Kopf leicht nach rechts.

„Ich danke dir für dein Angebot. Sei versichert, dass ich es nutzen werde, sollte ich eines Ratschlags bedürfen."

Er erlaubte sich das kleinste Lächeln, das seine Mundwinkel kaum merklich umzuckte.

„Und angesichts des unlogischen, menschlichen Verhaltens, das Jim des Öfteren an den Tag legt und dessen Bedeutung mir möglicherweise das eine oder andere Mal entgehen wird, werde ich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf dieses Angebot zurückkommen müssen."

Das antwortende, wissende Lächeln seines Alter Egos fiel ein wenig deutlicher aus als sein eigenes.

„Darüber hinaus wird es Jim und mich keine Mühe bereiten, dich regelmäßig zu kontaktieren. Ebenso, wie du an unserem Wohlergehen interessiert bist, haben wir an dem deinen Interesse."

„Damit macht ihr einen alten Mann sehr glücklich. Und nun lasse ich dich deine Arbeit fortsetzen. Wir haben noch Gelegenheit, uns voneinander zu verabschieden, wenn ich in zwei Tagen das Schiff verlassen werde."

Mit diesen Worten wandte sich der Botschafter ab und machte Anstalten zu gehen. Doch nach einigen wenigen Schritten blieb er noch einmal stehen und wandte sich um.

„Nur eines noch, Spock. Solltet ihr auf euren weiteren Reisen und Abenteuern einem Mann mit Namen Khan begegnen, solltet ihr einen möglichst weiten Bogen um ihn machen. Sollte euch dies aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein, ersuche ich dich, mich umgehend zu kontaktieren. In diesem Fall verfüge ich über wichtige Informationen, die ich mit dir und Jim teilen muss."

Ein wenig verwunderte ihn die Dringlichkeit, die er meinte aus der Stimme des Botschafters herauslesen zu können. Aber ebenso sehr, wie sie ihn verwunderte, alarmierte sie ihn auch und er beeilte sich, sich den Namen Khan gut einzuprägen, bevor er seinem älteren Ich noch einmal zunickte.

„Verstanden."

Sein älteres Ich nickte ihm zu und er meinte, in seiner Körperhaltung ein wenig Erleichterung ausmachen zu können. Doch noch bevor er über diesen seltsamen Zwischenfall hätte weiter nachdenken können, wandte sich der Botschafter um und entfernte sich endgültig.

Einen Augenblick lang sah er ihm noch nach, dann verstaute er die Information in seinem Gedächtnis, qualifizierte sie für den Moment als unwichtig und wandte sich wieder seiner Arbeit zu.


Spock war nach getaner Arbeit auf dem Weg zu Jims Quartier, als er auf etwa halber Strecke angesprochen wurde.

„Spock, warten Sie."

Er drehte sich zu Dr. McCoy um, der im selben Moment zu ihm aufschloss.

„Doktor."

Die Augenbrauen des Doktors zogen sich überdessen Nasenwurzel leicht zusammen.

„Ich dachte, wir wären uns einig gewesen, dass Sie mich Leonard nennen."

„Das ist nicht ganz korrekt. Sie hatten mich lediglich dazu aufgefordert in Erwägung zu ziehen, Sie beim Vornamen zu nennen."

Die Augenbrauen zogen sich noch ein wenig dichter zusammen.

„Ich vergaß, dass Haarspalterei eine vulkanische Spezialität ist."

Er beschloss nicht auf diesen Kommentar einzugehen.

„Gibt es einen Grund, warum Sie mich am Weiterkommen hindern?"

„Den gibt es tatsächlich. Ich lag heute Nacht nämlich stundenlang wach und habe über Jim und Sie und dieses Bonding nachgedacht. Und bin dabei zu ein paar Erkenntnissen gekommen."

„Die Sie mir, so gehe ich davon aus, mitzuteilen wünschen."

„Genau. Und wenn Sie mich endlich aussprechen lassen würden, dann könnte ich auch endlich zum Punkt kommen."

„Eine äußerst lobenswerte Bemühung."

Er hatte keine Schwierigkeiten, den Blick des Doktors mit dem Wort ‚giftig' zu umschreiben. Dann aber wurde der Blick des Doktors wieder weicher.

„Okay, hören Sie. Jim ist mein bester Freund. Er ist mir wichtig und auch, wenn ich noch immer Schwierigkeiten habe zu glauben, dass Jim sich für den Rest seines Lebens an Sie gebunden hat, ist das wohl etwas, was ich akzeptieren muss. Fakt ist, Sie werden mit einiger Sicherheit nicht mehr gehen. Und Jim bedeutet mir zu viel, um hier irgendein Risiko einzugehen. Ich will nicht, dass Jim das Gefühl bekommt, sich zwischen Ihnen und mir entscheiden zu müssen. Zum einen, weil es Jim gegenüber nicht fair wäre, zum zweiten, weil er sich sowieso für Sie entscheiden würde, zum dritten aber auch, weil ich sein bester Freund bin und er mich in der Rolle braucht, egal, was ihn mit Ihnen verbindet. Ich habe meine eigene Rolle in Jims Leben und die will und werde ich nicht aufgeben. Deshalb ist mir klar geworden, dass ich wirklich versuchen muss, mit Ihnen auszukommen, mich möglicherweise sogar mit Ihnen anzufreunden. Also sollte ich aufhören, Ihnen die Sache mit Delta Vega nachzutragen. Auch, wenn Sie Jim dort ausgesetzt haben, haben Sie das inzwischen schon viele Male wieder gut gemacht und wenn Jim Ihnen verzeihen konnte, bin ich nicht in der Position, Ihnen das nachzutragen. Und auch, wenn es mir schwer fällt, das zuzugeben, kann ich doch bis zu einem gewissen Grad sehen, was Jim in Ihnen sieht und man kann über Sie sagen, was man will aber ich weiß, dass Sie Jim gut behandeln werden. Und dass Sie ihm etwas geben, das ihm bisher niemand geben konnte. Und dann fällt es mir schon gar nicht mehr so schwer mir vorzustellen, dass ich Sie vielleicht sogar mögen könnte. Aber bilden Sie sich nur nichts darauf ein. Ich tue das nur für Jim. Damit das ganz klar zwischen uns ist."

Er hatte dem Wortschwall des Doktors stumm zugehört. Jetzt, da der Doktor geendet hatte, hob er seine linke Augenbraue.

„Was genau beabsichtigen Sie mir damit sagen, Doktor?"

„Dass Sie endlich aufhören sollen mich Doktor zu nennen und mich endlich mit meinem Vornamen ansprechen. Und mich duzen. Und begreifen, dass ich im Grunde ein ganz umgänglicher Kerl bin, weil Sie nicht mehr los bekommen."

Er hatte den Ausbruch des Doktors mit einem gewissen Grad an innerer Belustigung beobachtet. Als er aber sah, wie ernst es dem Doktor war, verlor sich diese Belustigung wieder. Und nach kurzem 0,34-sekündigem Nachdenken wurden ihm zwei Dinge klar. Zum einen, dass der Doktor gerade eben einen großen Schritt auf ihn zugekommen war, der ihn sicherlich einiges an Überwindung gekostet hatte. Und zum zweiten, dass der Doktor durchaus nicht unrecht hatte und es Jim sicherlich viel bedeuten würde, wenn er und der Doktor auf einer freundschaftlichen Ebene miteinander interagieren und kommunizieren könnten. Es würde ihm nicht sonderlich schwer fallen, da er schon seit längerer Zeit keinerlei negativen Gefühle dem Doktor gegenüber mehr hegte. Sicherlich würden der Doktor und er trotzdem häufig anderer Meinung sein und dies auch diskutieren. Aber er war inzwischen mit dem menschlichen Konstrukt der Freundschaft gut genug vertraut um zu wissen, dass dies ebenfalls Teil einer Freundschaft sein konnte – verschiedener Meinung zu sein und diese zu diskutieren. Und möglicherweise waren es gerade diese intensiven Diskussionen gewesen, die seine Meinung über den Doktor tatsächlich geändert hatten. Sie gehörten wohl dazu, wenn sich zwei starke aber so unterschiedliche Charaktere trafen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen konnten zwei solche Charaktere auch befreundet sein.

Also straffte er seine Haltung noch ein wenig mehr und ließ seine Augenbraue wieder an ihren angestammten Platz rutschen, sah den Doktor ernst und aufrichtig an und neigte schließlich leicht den Kopf.

„Das wäre durchaus akzeptabel – Leonard."

Er sah den Doktor ebenso ernst nicken und seinen Blick erwidern.

„Dann wäre das geklärt. Ich würde dir ja die Hand reichen, aber ich weiß, dass Vulkanier mit ihren Händen eigen sind und ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust, aus Versehen mit dir herumzuknutschen oder was auch immer das ist, was Vulkanier mit ihren Händen machen. Das würden meine Nerven nicht aushalten und Jim würde mich wahrscheinlich umbringen."

Er hob seine Augenbraue, während er Mühe hatte, das Zucken seiner Mundwinkel zu unterdrücken.

„Seien Sie … Sei unbesorgt, Leonard. Auch mir liegt nichts ferner, als mit dir – wie du zu sagen beliebst – ‚herumzuknutschen'."

„Gut, dann sind wir uns ja einig."

„In der Tat. Und nun entschuldige mich bitte. Ich war gerade auf dem Weg zu Jim und ich kann Jims beginnende Ungeduld über unser Bond spüren. Er erwartet mich bereits seit mehreren Minuten."

Leonard machte eine scheuchende Handbewegung.

„Ja, ja, geh nur. Ich will nicht Schuld an eurer ersten Ehekrise sein, wenn du zu spät kommst."

Er beschloss die unlogische Aussage des Doktors zu ignorieren. Stattdessen wandte er seinen Kopf leicht nach rechts. Dann drehte er sich um und ging davon, schnellen Schrittes zu Jims Quartier.


Spocks Zeitgefühl sagte ihm, dass es annähernd genau 0438 in der Nacht war.

Er lag in Jims Bett, nackt, jims kühlere Haut an seiner eigenen, wärmeren Haut. Jims Arm lag über seiner Brust, sein eigener um Jims Hüfte, ihre Beine hatten sich miteinander verhakt. Und wenn er sein Gesicht in Jims Halsbeuge vergrub, kitzelten ihn dessen blonde Haare.

Sie hatten den Abend und einen guten Teil der Nacht miteinander verbracht, hatten gesprochen, mal laut, mal über ihr Bond, hatten geschwiegen, hatten Nahrung zu sich genommen und sich schließlich erneut körperlichen Intimitäten hingegeben. Dann war Jim eingeschlafen doch er selbst konnte keinen Schlaf finden. Da er deutlich weniger Schlaf benötigte, als die Menschen an Bord, auch weniger Schlaf als Jim und er die letzten Nächte an Jims Seite hervorragend geschlafen hatte, war er in dieser Nacht nicht müde. Er verspürte andererseits aber auch nicht das geringste Bedürfnis aufzustehen, die Nähe zu Jim zu unterbrechen und sich der Meditation oder seiner Arbeit zu widmen. Vielleicht das erste Mal in seinem Leben war er vollkommen zufrieden damit, einfach nur in einem Bett zu liegen und nachzudenken und nichts anderes dabei zu tun, als den Mann, den er liebte, in den Armen zu halten und auf dessen Atemzüge zu lauschen.

In solch ruhigen Momenten wie diesem erlaubte er es sich selbst, sich darüber wundern, wie schnell sich sein Leben in den letzten Tagen und Wochen oder auch Monaten verändert hatte.

Es war noch nicht lange her, dass er seine Mutter und seinen Heimatplaneten und damit jeden sicheren Halt verloren hatte. Er hatte sich selbst verloren und neu gefunden und sich eine neue Heimat auf der Enterprise und an Jims Seite aufgebaut. Und nun lag er hier – seinen T'hy'la im Arm, mit dem er sich ein Bond teilte und noch immer hatte er in dem einen oder anderen Moment Schwierigkeiten zu verstehen, dass Jim seine eigenen Gefühle tatsächlich erwiderte und sich für ihn und ein ganzes Leben an seiner Seite entschieden hatte. Er hätte es nach seinen Erfahrungen mit Nyota nie für möglich gehalten, sich so sehr auf eine andere Person, geschweige denn einen anderen Menschen einlassen zu können, dass körperliche Berührungen und Nähe nicht länger ein schwer zu ertragendes Übel waren, sondern von ihm nicht nur geduldet, sondern auch gewollt, initiiert und genossen werden konnten.

Sein ganzes Leben, in dem er es oft aufgrund seiner gemischten Herkunft nicht einfach gehabt hatte, in dem er oft provoziert, beleidigt, unterschätzt und benachteiligt worden war, hatte sich in eine Richtung entwickelt, die seinem Verständnis von Perfektion äußerst nahe kam. Er hatte Jim, der ihn bedingungslos liebte für den, den er war, er hatte Freunde wie zum Beispiel Nyota, Leonard und sein älteres Ich, er hatte Kollegen, die ihn respektierten und schätzten, er hatte eine Aufgabe, die ihn ausfüllte, er hatte einen Vater, der jede seiner Entscheidungen unterstützte und akzeptierte und der ihn trotz seiner vulkanischen Herkunft wissen ließ, dass er ihm wichtig war und dass er stolz auf ihn war.

Er wünschte sich nur, dass seine Mutter noch am Leben wäre, um ihn jetzt zu sehen. Es hatte ihm viel bedeutet, als sein Vater die Meinung äußerte, seine Mutter hätte seine Wahl gut geheißen und Jim große Sympathie entgegen gebracht. Er war sich selbst sehr sicher, dass sein Vater recht hatte. Seine Mutter hätte Jim willkommen geheißen und sich für ihn und Jim gefreut. Umso schmerzhafter war es, dass sie nicht mehr am Leben war.

Er zwang sich, diesen Gedanken beiseite zu schieben und sich erst in seiner nächsten Meditation mit ihm ausführlich zu befassen. Stattdessen konzentrierte er sich auf das Band, auf Jims ruhige Präsenz in seinem Geist. Er spürte die Ruhe und den tiefen Frieden, die Jims Geist im Schlaf ausstrahlte und ließ sich davon umfangen.

Ein wenig fester schlang er seinen Arm um Jims Taille, um diesen noch ein wenig näher an sich heranzuziehen. Dann vergrub er leicht sein Gesicht in Jims Halsbeuge. Und hielt still. Und er hatte keine Intention, diese Position in den nächsten 2 Stunden zu verlassen.