Ihr Lieben,
entschuldigt die Verspätung beim neuen Kapitel – ich bin gerade im Umzugswahnsinn von Deutschland nach Österreich und da brauchen solche Dinge wie Einrichtung des WLAN etc. eben ihre Zeit. Nun geht es aber hoffentlich wie gewohnt weiter.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Euer Kleines
Kapitel 50: Die Falle schnappt zu
Nach einem weiteren prüfenden Blick in die Runde, den die Schüler arglos erwiderten, nickte Severus ihnen zu und eilte nach draußen, um seinen Patronus an Kingsley und sein Team zu schicken – er brauchte hier dringend Verstärkung und musste sich rechtlich absichern, denn Straftaten, die über die Grenze der magischen Gesellschaft hinausgingen, waren immer schwierig in der Händelung.
Wenige Minuten später tauchte Kingsley mit zwei seiner Kollegen vor den Zelten auf und schaute Severus verwundert an, der ihn ohne großes Federlesen ins Wohnzimmer führte. Dort sollten die Schüler ihre Aussage wiederholen. Er selbst wollte sich lieber auf die Lauer legen, damit die Schurken nicht entkamen. Er wunderte sich ein bisschen über den Zorn, der in ihm brannte. Er kannte sich eigentlich als einen kühlen und berechnenden Kopf, aber wenn jemand seiner Hermine etwas zu Leide tun wollte, war es damit nicht weit her. Wo das „seine" herkam, darüber wollte er auch lieber nicht nachdenken.
Er ging hinter dem Stall in Deckung und wartete auf die Entführer und auf die beiden Auroren, die nach der Vernehmung zu ihm stoßen würden.
Bald hörte er ein Motorgeräusch, das im stillen Moor umso lauter wirkten. Kurz darauf schlugen Autotüren zu und er konnte deutlich Stimmen ausmachen, die ihm genug verrieten.
„So, dann wollen wir doch mal sehen, was die kleinen Ratten zu diesem Essen hier sagen. Auf ihrer tollen Schule sind sie sicher Besseres gewöhnt." Das gehässige Lachen, das darauf folgte, ließ Severus einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen.
„Besonders dieser Lockenkopf wird sicher was zu meckern haben. Wenn die keine Ruhe gibt, werden wir ihr wohl das Maul stopfen müssen. Sie redet sowieso viel zu viel. Ihre ewige Fragerei geht mir auf die Nerven!"
Während dieser Unterhaltung klirrte die Kette des Vorhängeschloss und nichtsahnend öffneten die Entführer die Stalltür. Drei traten hindurch und starrten ins Halbdunkel. Auf ihre erschrockenen und überraschten Ausrufe folgten ihnen der letzte eilig und genau darauf hatte Severus nur gewartet. Lautlos stellte er sich in die geöffnete Stalltür und wartete ab bis ihn die vier Männer bemerkt hatten. Das Licht hinter ihm zeichnete ihn als eine beeindruckende Gestalt und ohne Mühe bluffte er:
„Ich an Ihrer Stelle würde nun gar nichts mehr sagen. Tobias Snape, Scotland Yard. Meine Kollegen von Interpol sind ebenfalls vor Ort."
Von dem Alarm, den er im Zelt installiert hatte, längst aufgeschreckt tauchten nun auch Kingsley und seine Kollegen auf und bezogen neben ihm Position.
Kingsley mit seiner beeindruckend tiefen Stimme übernahm das Reden: „Sie werden beschuldigt, Luna Lovegood, Hermine Granger, Ginevra Weasley, Lavender Brown, Ronald Weasley, Harry Potter, Neville Longbottom und Jeremy Michelson gestern Abend von ihren Zelten hierhergebracht und gegen ihren Willen festgehalten zu haben, um Lösegeld von ihren Eltern zu erpressen. Sie sind verhaftet. Ein Anwalt wird Ihnen zur Seite gestellt."
Kingsley, der mehr Erfahrung hatte mit solchen Straftaten, zückte ungerührt seinen Zauberstab und ließ dünne Fesseln entstehen, die sich um die Handgelenke der vier Männer wickelten. Die waren zuerst noch viel zu überrascht, um zu bemerken, was eigentlich passierte, aber dann brachen sie in recht hysterisches Geschrei aus, was Severus nur Kopfschmerzen verursachte. Nun ohne Skrupel hob er ebenfalls den Zauberstab und versteinerte sie einen nach dem anderen, sodass wieder himmlische Ruhe auf dem Moor herrschte.
„Snape, Sie sollten darüber nachdenken, zur magischen Strafverfolgung zu wechseln – Sie haben eine erstklassige Falle gestellt. Die Gedächtnisprotokolle der Schüler sind erstellt, einem Verfahren steht nichts mehr im Wege. Ich denke, eine weitere Aussage der Beteiligten wird nicht nötig sein." Kingsley nickte ihm noch einmal anerkennend zu und apparierte dann mit seinen Kollegen und den Entführern.
Severus atmete auf, als sie endlich verschwunden waren. Er mochte Kingsley, schätzte seine ruhige und überlegte Art und wusste, dass der Mann gute Arbeit leistete; trotzdem war er immer froh, dass er mit der magischen Strafverfolgung so wenig wie möglich zu tun hatte, denn als Jugendlicher war er immer schnell mit dem Zauberstab zur Hand gewesen, wenn James oder Sirius ihn gereizt hatten und er wusste, dass das magische Gesetz da erbarmungslos sein konnte.
Einen Moment starrte er noch auf den Stall und spürte der unbändigen Wut nach, die in ihm aufkam, wenn es darum ging, dass jemand seiner Hermine etwas zu leide tun wollte. Schließlich wandte er sich mit seiner jahrelang im Klassenzimmer geübten Drehung ab, aber den spontanen Magieausbruch, mit dem der Stall in Flammen aufging, konnte er trotzdem nicht verhindern. Innerhalb weniger Minuten war von dem baufälligen Gebäude nur noch ein rauchender Haufen Schutt und Asche übrig.
Zurück im Zelt berichtete er knapp: „Die Entführer sind von Kingsley abgeführt worden. Die magische Strafverfolgung wird ihren Weg gehen. Von Ihnen wird keine weitere Aussage mehr benötigt." Für einen kurzen Moment schwieg er und ließ den Blick über die erwartungsvolle Gruppe wandern, dann fuhr er fort: „Molly, ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du noch eine halbe Stunde Deiner Zeit erübrigen könntest. Ich werde zurück nach Hogwarts apparieren und meine Sachen holen, damit ich die Gruppe auf dem Rest des Weges begleiten kann."
Ron sah so aus, als wolle er widersprechen, aber er ließ es gar nicht dazu kommen: „Mr Weasley, sparen Sie sich den Atem. Ich dulde keine Widerworte."
Mrs Weasley, dankbar für das Angebot, sprang nun ein: „Severus, ich bin so froh, dass Du sie keinen Moment mehr aus den Augen lassen wirst. Selbstverständlich bleibe ich hier, damit Du packen kannst. Wer hätte aber auch ahnen können, dass sie gleich einer Bande von Kidnappern in die Arme laufen! Diese Welt ist einfach nur schlecht."
Severus nickte nur und verschwand wortlos aus dem Zelt. Hermine wäre ihm gerne hinterhergegangen, wusste aber, dass jetzt kein guter Zeitpunkt war, um Dinge wie magische und emotionale Verbundenheit mit ihm zu diskutieren. Also blieb sie, wo sie war und tröstete sich mit dem Gedanken, dass es in den nächsten Tagen genug Gelegenheit gäbe, mit ihm zu sprechen.
Zwar saß der Schock der Nacht und des Erwachens noch tief, aber langsam sickerte auch durch, dass sie die nächsten Tage mit Severus verbringen würde und da er bei den anderen nicht sonderlich beliebt war, würde sie ihn nicht teilen müssen. Allmählich machte sich ein breites und freudiges Grinsen auf ihrem Gesicht breit und mit viel mehr Enthusiasmus als irgendwer außer Ginny, die sie sehr genau beobachtet hatte, erwartet hatte, schloss sie sich den Planungen für den weiteren Verlauf ihres Wanderurlaubs an. Die Stimmung besonders von Ron war bei der Aussicht, die restlichen Tage unter der Fuchtel des strengen Zaubertränkelehrers zu stehen, reichlich gedämpft und nur lustlos schlug er eine neue Route vor. Er konnte ja auch nicht ahnen, dass Severus ohnehin die meiste Zeit mit Hermine verbringen würde und sein wachsames Auge auf die anderen sehr diskret ausfallen würde.
