Ron hätte sich wahrscheinlich zurückhalten können. Aber er wollte es nicht – es war immerhin urkomisch. Harry Potter hatte Loony Lovegood auf ein Date eingeladen.
„Also ich finde es süß.", meinte Hermine von der Seite.
„Außerdem ist es überhaupt nicht deine Sache, nur weil du langsam bist, muss es nicht der Rest der Welt sein.", erwiderte Harry dann.
Ron konnte sich einfach nicht einkriegen. Nach ein paar tiefen Atemzügen war die größte Hürde – der Lachanfall – überstanden. Doch ein Grinsen konnte er weder verkneifen noch unterdrücken.
„Okay, ich verstehe ja, aber du musst zugeben, dass es lustig ist!", warf er ein, „Wie hat sie überhaupt reagiert?"
Harry kratzte sich am Kopf und obwohl das bei Ron selbst eine Angewohnheit war, zeigte es bei Harry Nervosität und er musste noch einmal loslachen.
„Also abgesehen davon, dass sie mich angeschaut hat, als wäre ich der letzte Idiot, lief es ganz gut. Sie war überrumpelt. Kann ich im Grunde auch verstehen aber… ich denke es war eine gute Entscheidung.", erwiderte Harry, „Außerdem habt ihr es selbst gesagt. Ich sollte etwas Normalität in mein Leben bringen."
„Aha. Und deswegen hast du Loony auf ein Date eingeladen." Ron hatte nichts gegen das Mädchen. Aber für Normalität war sie vielleicht nicht die beste Wahl. Das hieß natürlich nicht, dass Ron sich nicht für Harry freute. Harry hatte in seinem Leben durchaus ein wenig Freude verdient. Aber ob Luna da die Richtige war, wusste er nicht, außerdem…
„Harry sag mal ist es klug, eine Verabredung zu dritt zu haben?", fragte er und tippte sich an die Stirn.
Harry holte kurz tief Luft, ehe er erwiderte, „Ich bin mir nicht sicher, wie gut oder schlecht die Tatsache ist, dass ich eine Stimme im Kopf habe. Allerdings ist es nicht so, dass ich mich mit ihr unterhalten kann. Es ist wirklich nur so dass ich ab und zu Zusatzinfos von ihr bekomme. Ich kann mich nicht mit ihr unterhalten und sie reagiert auch nicht auf mich. Viele Dinge nehme ich auch schon ohne Hilfe wahr. Aber… Ich denke es ist okay."
„Ist es ne männliche oder eine weibliche Stimme?", fragte Ron dann.
„Es ist irgendwie beides? Es klingt eher so, als würden mehrere Stimmen perfekt synchron sprechen." Es war Harry mittlerweile nicht mehr so unangenehm, darüber zu sprechen.
„Außerdem ist gerade deswegen Luna die beste Wahl. Sie ist irre und Harry hört Stimmen.", kommentierte Hermine trocken.
„Okay könnt ihr damit aufhören? Sie ist genauso wenig irre wie ich!", rief Harry genervt.
„Also schon ein bisschen irre.", war Rons Kommentar.
„Den muss ich wohl einstecken.", murmelte Harry dann.
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„Wir haben zwanzig Rollen Pergamente sichergestellt, die aussehen, als könnten sie uns weiterhelfen. Fünf davon haben sich selbst vernichtet, doch wir haben sie mit Kameras und – nachdem die Feldzauber gefallen waren – mit Muggelkameras fotografiert. Sie werden noch bearbeitet und entschlüsselt. Die beiden Mädchen, die in Lestrange Manor gefangen waren, wurden sofort in den Schockraum der Zentrale gebracht wo sie geheilt wurden. Wir wissen noch nicht, ob psychisch mit ihnen alles in Ordnung ist. Insgesamt kamen wir auf 15 Gefangene, alle jung und in schlechter psychologischer Verfassung. Bridger konnten wir nicht ausfindig machen, wir glauben, dass er von den Schatten gefangen gehalten wird. Hitchens, der im Sommer Harry Potter angegriffen hatte, wurde ebenfalls entführt. Eine genaue Aufstellung unserer aktuellen Situation folgt, nachdem das Beweismaterial gesichtet wurde. Das englische Zaubereiministerium hat uns komplett aus England verbannt.", erklärte der Direktor dem Raum.
Thomas sah kurz in die Runde und erklärte dann, „Es gab einen Trupp, der Gefangene aus den Reihen der Todesser gemacht hatte und das ist der von Unsäglichen Williams. Natürlich begrüßen wir als Einsatzleitung die Verwendung von nicht-tödlicher Magie, allerdings muss ich dich, August, dennoch um eine Stellungnahme bitten. Es ist ein Sonderfall und der muss besprochen werden."
August stand auf. Seine Miene verriet nichts, doch Harry konnte spüren, dass er ein wenig irritiert war. „Während mein Kollege und ich das restliche Haus nach den Malfoys durchsuchten, kämpften Potter und drei Kollegen gegen Todesser, die wir zuvor in die Gartenanlage gelockt hatten. Potter hat in Eigenregie die Entscheidung getroffen, zwischen die Todesser zu springen und sie außer Gefecht zu setzen. Während seiner Aktion hat er mit einem Silberdolch einen Werwolf verletzt, der noch an der Einsatzstelle seinen Verletzungen erlag. Ein zweiter Todesser wurde noch von Potter getötet und ein weiterer von uns, als er Potter überwältigt hatte. Ich habe keine Kenntnis über Potters Beweggründe und kann keine Aussage dazu machen. Ich hatte es ihm nicht befohlen."
Thomas blickte Harry an. „Unsäglicher Potter, wir stehen hier nicht vor Gericht. Ich möchte nochmal sagen, einen Todesser ohne tödliche Mittel auszuschalten ist noch immer positiv. Sie haben allerdings sich und Ihre Einheit während ihrer Aktion in Gefahr gebracht. Der Vorfall wird in Ihrer Akte vermerkt. Wieso haben Sie diesen Todesser gefangen genommen und die anderen dennoch getötet?"
Harry wollte erst etwas sagen. Doch als er den Mund aufmachte, machte sich ein brennender Schmerz in seiner Bauchgegend breit.
Du stehst unter dem Bann der anderen Welt, vergiss das nicht., sprach die Stimme, Ich kann verhindern, dass zu etwas sagst, ich kann verhindern, dass Informationen preisgegeben werden. Der Bann ist alt und bisher hat kein Mensch versucht, ihn zu brechen, und ich halte dich nicht für fähig, das zu tun.
Ach ja, da war was., hallten Harrys eigenen Gedanken durch seinen Kopf.
„Ich kann dazu von Eideswegen keine Stellung beziehen.", erklärte Harry nun, „Ich möchte den gefangenen Todesser aber befragen. Noch heute, wenn das geht."
Alle blickten ihn verwundert an als wäre das gerade ein riesiger Fauxpas gewesen, den Harry begangen hatte. Er setzte sich wieder. Der Rest der Abschlussbesprechung wies hauptsächlich auf Fehler in dem Ablauf hin, da die Beweismittel noch nicht gesichtet wurden. Irgendwann verabschiedete Harry sich. Wenn er Interesse hatte, konnte er auch noch den Bericht lesen, allerdings war das jetzt nicht das, was er tun wollte. Er musste zu dem Gefangenen.
Wieso die Stimme darauf bestand, dass er ihn gefangen nahm, wusste er nicht. Theoretisch sollte es möglich sein, dass sie ihm einfach sagt, was er erfahren hätte, aber anscheinend lief das nicht so. Er hatte ja auch keine Ahnung, ob sie Tonks heilen konnten, oder nicht.
Der Gefangene war in eine Zelle gebracht worden, wo man ihn gefesselt hatte, da er uneinsichtig geblieben war. Wenigstens hatte er schnell aufgegeben, sodass er nun ruhig im Raum saß. Ob er mit ihm reden wollte, konnte Harry vorher nicht sagen. Aber wenn seine Hilfe im Kopf vielleicht genauso schlaue Sprüche ihm gegenüber raushauen könnte, wie sie es bei Lovegood getan hatte, war er vielleicht erfolgreich.
Der entrüstete Schrei des Mannes jedenfalls konnte ihm nur Vorteile bringen.
„Potter?", keuchte der Mann. Natürlich – er war gefallen, bevor er ihn erkennen konnte.
„Sehr gut erkannt. Da Sie meinen Namen kennen, wäre es nur fair, wenn ich Ihren Namen erfahre.", entgegnete Harry ruhig. Er hatte keine Lust vorzugeben, er wäre hier mit irgendwie freundlicher Absicht. Der Mann war kaum älter als Harry selbst. Vielleicht vier Jahre – dennoch recht jung. So jung, dass er ihn gekannt haben könnte, als er in Hogwarts war.
Der Todesser sah ihn seltsam an und fragte, „Du überlegst, ob wir zusammen in Hogwarts waren. Ja, das ist wahr. Als du gekommen bist, ging die ganze Schule den Bach runter."
Er war überraschend freundlich. Sie hatten Todesser gefangen, die deutlich unfreundlicher waren.
„Du wirkst nicht bestürzt, dass du gefangen genommen wurdest.", sprach Harry nun an.
Der Mann zuckte mit den Schultern, „Kann schon sein. Ich kenne viele, die ausrasten würden. Aber aus Angst und aus keinem anderen Grund. Ich war nicht ohne Grund in Ravenclaw. Ich weiß, dass ich hier nichts zu befürchten habe. Du hast mich aus einem Grund am Leben gelassen. Du hast mich direkt attackiert und gefesselt. Die anderen sind wahrscheinlich tot, oder?"
Harry nickte.
„Na da haben wir's. Bellatrix würde ausrasten, wenn sie wüsste, wie ich mich verhalte. Und wenn sie wüsste, dass ich sie Bellatrix genannt habe.", fuhr der Mann fort, „Ich weiß aber, dass ich ruhig bleiben muss. Ich weiß nicht, welches Land mich verurteilen wird. Aber überall ist es besser als in England. Auf den Kuss des Dementors kann ich verzichten. Daher… Selbst der Tod wäre besser. Aber vielleicht kann ich mich da rausreden, wenn ich jetzt… freundlich bin."
Seine Situation hat sich gebessert, da er gefangen genommen wurde und das weiß er genau., sprach die Stimme.
Harry setzte sich dem Mann gegenüber. Dieser räusperte sich. „Ich heiße übrigens Jonathan."
„Also, Jonathan.", begann Harry, „Du wirst wohl einiges vorbringen müssen, wenn du glaubst, dich rausreden zu können."
Der Mann lehnte sich zurück – soweit es ihm möglich war – und lächelte leicht. „Das weiß ich. Ich kann Namen nennen, ich kann alle Orte nennen, an denen ich gewesen bin. Aber das ist eine Sache für die Akten, oder? Ich glaube, dass du hinter etwas ganz Bestimmten her bist, und das hat nichts damit zu tun, irgendwelche Todesser festzunehmen."
Harry war verwundert. Der Mann schien mehr zu wissen, als Harry angenehm war. Außerdem musste er so viel wissen, dass er vielleicht in Gefahr lief, von Voldemort getötet oder gefoltert zu werden.
„Ist es deine Absicht, Schutz zu bekommen?", fragte Harry darauf. Doch weit gefehlt.
Der Mann lachte.
„Nein, nein. Das ist nichts, was den dunklen Lord interessiert, oder irgendwem vom inneren Zirkel. Außer vielleicht Snape, der ist ja der komische Vogel in der Runde. Ich weiß etwas über die Aktionen von euch, nicht von uns. Denn wenn es bei euch so läuft wie bei den Todessern – soll jetzt keine Anschuldigung sein – dann hast du keine Ahnung von den Sachen."
„So wie wir wissen, dass Voldemort ein Halbblut ist?", fragte Harry nun. Er wusste überhaupt nicht, was er davon halten sollte.
Der Mann hielt kurz inne. Harry hatte ihn überrascht. „So ähnlich.", sagte er dann vorsichtig, „Jetzt aber wirklich?"
Harry nickte stumm und behielt den Mann fest im Blick.
„Also, raus damit.", drängte Harry nun.
„Nicht so eilig. Du weißt ja gar nicht, wie ich darüber gestolpert bin. Was du sicher nicht weißt ist, Snape bildet uns teilweise aus. Er ist ein verdammt guter Schütze, wie die Muggel sagen. Von ihm lernt man, wie man kämpft. Es ist Bellatrix, die einem die Lektion über Schmerz erteilt und es ist Malfoy, der einen die Lektion über Kontrolle lehrt."
Der Cruciatus und der Imperius., sprach die Stimme.
„Also Snape meinte immer, dass Dumbledore eine gefährliche Person ist. Am Anfang lachen immer alle darüber. Echt mal, der senile alte Mann soll gefährlich sein. Und Snape ist einer der Leute, die mit ausschweifenden Reden die Gehirne der Leute matschig macht. Der Rest hat die Folterflüche aber ich schwöre, wenn ich nochmal Snape zuhören muss, weiß ich nicht wo oben und wo unten ist.
Dumbledore lügt, betrügt und lässt seinen Bluthund morden und foltern – und bleibt dabei auf seinem Podest der moralischen Überlegenheit. Genial, wenn man darüber nachdenkt. Egal wie das mit den anderen aussieht, egal was einem die anderen Todesser erzählen – Snape ist der, der dafür sorgt, dass niemand flieht oder den dunklen Lord verrät. Denn zu wem will man schon hin? Doch nicht zu dem Menschen, der dich erst aufbaut und dann tötet.
Irgendwann wundert einen nichts mehr. Wie konnten wir da angreifen, und wieso ist der Orden erst so spät gekommen? Ach, Dumbledore weiß davon. Wieso ist Snape weiter im Orden? Ach, Dumbledore ist es egal. Wie kamen wir an die Informationen von der Frau, obwohl alle anderen Agenten nach zwei Wochen oder so aufgeflogen sind? Ach, Dumbledore weiß auch davon."
Das Blut gefror in Harrys Venen. Er traute sich fast nicht zu atmen.
„Was sollte das mit dem Museum? Da war sowieso nichts. Ach, Dumbledore hat das präpariert. Ich meine, irgendwann wundert einen nichts mehr, findest du nicht?"
Vergnügt lehnte sich Jonathan nach vorn und stützte sich mit seinen Ellbogen am Tisch. Sein Grinsen würde Harry ewig im Kopf haben. Der Mann fühlte sich überlegen – und war es auch eindeutig. In dem Moment hatte Harry keine Ahnung, was er tun sollte.
„Japp. Das ist das, was ich mitbekommen habe. Kurzfassung gefällig? Dumbledore weiß, dass die Frau eine Agentin war. Das mit dem Museum war gestellt. Offenes Geheimnis bei uns, weißt du. Passiert, aber wir machen weiter. Irgendwann findet sich schon, was der dunkle Lord will. Willst du jetzt die Langfassung? Ist aber langweilig, dass sag ich dir."
Harry blickte ihn noch immer unbewegt an. „Wann?", fragte er dann vage. Doch Jonathan schien zu verstehen. Ein echter Ravenclaw eben.
„Vor einem Monat oder so. Malfoy hat sich mit Bellatrix in Malfoy Manor unterhalten. Ich war da schon immer. Sollte auf die Missus aufpassen, damit sie nicht abhaut. Bella war die Einzige, die ich ohne Begleitung da reinlassen durfte. Die Tage der Missus waren gezählt, das wussten wir aber alle schon vorher. Die haben sich auf der Treppe unterhalten. Da fiel das Wort Museum und ich wurde hellhörig. Ach und Potter, ein gemeiner Schockzauber, den Granger da hatte. Echtes Kompliment. Hätte mich fast umgehauen."
„Du warst da?", fragte Harry nun sachlich.
Jonathan nickte. „Ganz recht. Ich war das Kanonenfutter draußen, während die Schatten das Museum durchsucht haben. Wir wissen alle jetzt auch nicht genau, was da abläuft oder wonach wir suchen. Wir wissen auch nicht, wie Malfoy an die Spione kommt, von denen ich bisher dachte, sie wären fest auf eurer Seite. Ich meine, die Kleine hat sich total seltsam verhalten. Und ich kannte sie noch. War drei Jahre unter ihr in Hogwarts. Tonks? Ja Tonks. Wurde total wütend, wenn man ihren Vornamen benutzt hat."
„Das mit dem Museum?", hakte Harry nach.
Jonathan nickte, „Ja, wie wir an die Infos kamen, ist ja wohl klar. Wie Malfoy an die Leute kommt, keine Ahnung. Aber dass Dumbledore eine Muggelstadt als Ablenkung benutzt, das kann kein Todesser unterm Deckel halten. Nicht mal die Leute im inneren Zirkel. Und wenn man den dunklen Lord fluchen hört, kann man sich auch einiges denken. Nicht gerade sehr beherrscht der Mann."
„War es das, was mich schockieren soll?", fragte Harry nun nach. Was ihn dazu geritten hatte, würde er wohl nie wieder wissen.
„War das nicht Schock genug? Ich bin keiner vom inneren Zirkel. Vielleicht ein Jahr dabei. Was glaubst du, soll ich dir für Geheimnisse offenbaren? Das wars an Spionen bei euch. Jedenfalls glaube ich das. Ich weiß ja nicht, wie ihr Snape zählt."
„Wieso gehst du davon aus, dass Dumbledore von dem Verrat von Tonks weiß?", hakte Harry dann nach. Vielleicht war es ja auch nur eine Ahnung des Todessers. Aber er hatte keine Ahnung, wie er sich das erklären sollte. Es war ein halbes Jahr. Tonks litt sicher furchtbar.
Jonathan grinste abermals. „Was glaubst du, weswegen die Missus gefangen gehalten wurde? Doch nicht, weil sie schlecht im Bett ist. Sie hat Andromeda geschrieben. Sie hatte Tonks gesehen. Hat ein schlechtes Gewissen bekommen. Und du kannst deinen Arsch verwetten, dass Andromeda es Dumbledore erzählt hat. Hat wahrscheinlich ihr Gehirn weichgekocht mit irgendwelchen Reden. Oder sie obliviiert. Rechne selbst nach, du Nase. Ich sagte doch, dass ich in deren Haus kampierte."
Harry hatte genug. Er musste Dumbledore zur Rede stellen, ob der wollte oder nicht. Nach Hogwarts beordert würde er sowieso – es standen die Winterferien vor der Tür. Dass es ein freudiges Fest werden würde, daran zweifelte Harry. Langsam kam ihm Delacour wie einer der wenigen ehrlichen Menschen vor.
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Es war noch sehr früh, als Ron und Hermine zu Dumbledore ins Büro bestellt wurden. Sie waren gerade wieder in der Schule angekommen und hatten bemerkt, dass es nicht so einfach war wie bisher. Die Zeit schien sehr seltsam fortzuschreiten und dass es Dezember war, konnte keiner von ihnen glauben. Ron jedenfalls war überrascht, als diese komischen weißen Dinger vom Himmel fielen.
Natürlich mussten Vorbereitungen auf die Winterferien getroffen werden. Viele Schüler würden kurzzeitig Hogwarts verlassen und das konnte nicht ohne Aufsicht geschehen. Und nicht nur das – Dumbledore hatte wieder den ganzen Orden versammelt. Das hatte unweigerlich zufolge, dass viele Fragen gestellt wurden, die, als Hermine und Ron ankamen, fast alle bereits abgehandelt waren. Sie waren beide froh, nicht die komplette Erklärung zur Situation um Tonks durchstehen zu müssen – es war bereits schmerzhaft genug.
Das Erste, was sie hörten, war eine Frage von Arthur, „Wie werden die bleibenden Schäden eingeschätzt, die Tonks davontragen wird?"
„Es gibt keinen physiologischen Grund, weswegen sie nicht wieder die Alte werden sollte. Ihre Psyche ist eine Sache, die die Heiler erst dann begutachten können, wenn es so weit ist." antworte eine Stimme, die eindeutig zu Thomas gehörte. Der Mann war kaum anwesend, jedenfalls schien es so, er stand in einer wachenden Haltung neben Dumbledore, die nur von dem mürrischen Blick von Snape auf der anderen Seite des Direktors übertroffen wurde. Die beiden Bluthunde. Ron konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Ist etwas komisch, Mister Weasley?", fragte Snape nun ruhig, eindeutig auf Streit aus.
„Nichts dergleichen, Professor.", erwiderte Ron – schmunzelnd – mit einer angedeuteten Verbeugung.
Snape hatte darauf keine Antwort und rümpfte lediglich die Nase.
„Kann man ihr sonst noch irgendwie helfen?", fragte Molly nun, doch Thomas musste verneinen.
Shacklebolt ergriff das Wort und mit gefassten, aber durchaus angespannten Worten verkündete er, „Die… Aktion der Unsäglichen hat in England tiefe Einschnitte hinterlassen. Sie haben dem Ministerium genau das gegeben, was es wollte. Einen Vorwand. Potter ist zum Unerwünschten Nummer eins erklärt worden, weil er gesichtet wurde. Es ist denen egal, wer ihn gesichtet hat oder in welchem Kontext. Potter kam und die IVZ fiel über England her wie Geier über einen Kadaver. Alle sind ausgesperrt. Die Mysteriumsabteilung geschlossen. Zig Auroren haben den Dienst auf Drängen der Lakaie des Ministers niedergelegt. Man wollte Croaker verhaften lassen, aber der lässt sich sowas natürlich nicht gefallen. Hat ein paar Wachmänner des Ministers geschockt und wird jetzt mit Kopfgeld gesucht. Genau wie alle anderen Gesichter der Zentrale. Dumbledore wäre aus der IVZ geflogen, hätte er kein Amt inne. Immerhin ist Großbritannien ausgetreten. Ob das jetzt rechtens ist oder nicht, ist den Menschen am Ende egal. Ich weiß nicht, ob es das wert war."
„Für England sicherlich nicht. Aber wer gibt schon etwas auf England. Außerhalb von Hogwarts wird man verfolgt, gedemütigt und misshandelt. Keine freie Presse. Unfaire Gesetzte. Natürlich sind sie jetzt raus. Aber es ist nicht so dass sich die ganze Welt abgeschottet fühlt, weil sie keinen Kontakt zu England hat. Der Gedanke alleine klingt für mich absurd.", platzte eine Stimme von hinten herein, die Harry gehörte. Sein Ausdruck verbarg Anspannung und sein Ton war seltsam kalt. Ron sah ihn irritiert an und als er Augenkontakt hatte, huschte doch noch ein Funken Wärme über Harrys Gesicht, so dass Ron aufatmen konnte. Wenigstens war es nicht sein Fehler – dieses Mal nicht.
„Wie bitte?", rief Shacklebolt aus und sprang auf. Als sie sich umwandten, schienen die anwesenden Personen einzufrieren als hätte man den ganzen Raum angehalten. Als sich Ron umwandte, fand er, dass die Reaktion doch etwas übertrieben war.
„So wie ich es sagte. Hogwarts ist vielleicht der letzte Außenposten der Freiheit.", entgegnete Harry. Er war jetzt am Schreibtisch angekommen und nickte Thomas zu, ehe er sich an den Direktor wandte.
„Professor Dumbledore, ich würde mir wünschen, dass Sie gleich Zeit für mich hätten."
Auch in dem Ton bei der Frage war deutliche Anspannung zu merken und Ron fragte sich, was los war.
Dumbledore nickte aber nur und ließ das Treffen fortfahren, ohne Harry weiter Beachtung zu schenken.
Thomas ergriff das Wort, „Der offizielle Standpunkt der IVZ bezieht sich auf den Kampf gegen die Todesser. Wir sind nicht für eine Eingreifaktion gegen das magische Britannien gerüstet und haben das auch nicht im Auge. England verhält sich allerdings so unlogisch, dass eine entsprechende Aktion bald fällig werden wird, wenn nichts Anderes passiert."
„Was Anderes?", fragte Ron verdutzt. Manchmal konnte man die Leute nicht verstehen. Vielleicht auch ganz oft.
„Das fragen Sie am besten den Direktor, Mister Weasley.", entgegnete Thomas.
„Ich glaube es wäre gut, wenn wir uns der Unterhaltung gleich anschließen.", murmelte Ron und kam sich dabei ein wenig dämlich vor.
Die übrigen Anwesenden betrachteten das Geschehen ruhig.
Harry, wiederum, war permanent in der Offensive, wie es schien. „Was hat denn Professor Snape zu berichten? Ich bin sicher seine Kommentare sind besonders… wertvoll."
War das Sarkasmus? Ron verstand die Welt nicht mehr. Harry konnte schnippisch werden, ja, aber sarkastisch doch nicht.
Snape wiederum blickte Harry unverhohlen geringschätzig an, „Ich bin mir sicher, Potter, dass ich einen weitaus größeren Beitrag leiste, als Sie sich vorstellen können. Ihr Leben dreht sich schließlich darum, im Krankenhaus aufzuwachen."
„Gar kein Kommentar über meinen Vater? Sind Sie so aus der Fassung, dass ich Sie anspreche? Passiert ja sonst nicht. So ein Augenpaar wie meines hat sie schon sehr lange nicht mehr freundlich angesehen.", zischte Harry ihn an.
Es geschahen direkt mehrere Dinge gleichzeitig.
Snape zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf Harry, der nur ungerührt da stand. Dumbledore sprang auf und verschwand prompt von seinem Stuhl, um zwischen Snape und Harry aufzutauchen. Allerdings Harry zugewandt – der keinen Zauberstab hatte. Nun war allerdings der Zauberstab von Snape in seinem Rücken, welcher bereits einen Fluch auf den Lippen hatte. Keineswegs ein freundlicher, wenn Ron schätzen müsste.
„DU WAGST ES! DU ARROGANTE AUSGEBURT!", schrie Snape wie von Sinnen. Harry musste einen Nerv getroffen haben – Ron war sich nicht ganz sicher, um welchen es sich handelte.
„Harry, bitte. Wir können uns gleich unterhalten. Bis dahin fordere ich dich auf, zu schweigen. Sonst musst du den Raum verlassen.", sprach Dumbledore ruhig. Die Stimme des Direktors war resigniert.
„Potter?", kam Thomas Stimme ruhig von der Seite, „Versuch zumindest, deinen Kopf freizumachen. So wird das nichts."
Harry wirkte erneut unberührt von allen Kommentaren. Seine Augen funkelten wütend und Ron konnte sich nicht erklären, was er erfahren haben musste. Er sah zu Hermine und sie zuckte mit den Schultern. Natürlich – sie konnte nichts voraussehen, was mit einen von ihnen zu tun hatte. Und selbst wenn, so exakt war ihre Fähigkeit nicht.
Harry schien einzuwilligen und der Rest des Treffens verlief in unangenehmer Stille. Es war ein nun eher zaghaftes hin- und her zwischen den anwesenden Auroren und Thomas. Dumbledore und die anderen kommentierten kaum noch. Und schnell verließen alle den Raum mit hängenden Köpfen.
Snape schnaubte und schritt mit wehender Robe aus der Tür hinaus.
Thomas hatte seine Position nicht verändert. Harry stand hinter ihnen. Irgendwie war seine Haltung eine seltsame Spiegelung von Thomas.
Als sich zunächst niemand rührte, als die Tür zum letzten Mal zuging, wandte sich Ron an Harry, denn auch Hermine wusste wohl nicht, was sie sagen sollte.
„Wieso bringst du uns nicht aufs Laufende?", fragte Ron und Harry blickte ihn kurz an. Als er zu sprechen begann, verließ sein Blick niemals das Gesicht des Direktors.
„Sie sagten mir einmal, Professor Dumbledore, dass ich nicht annähernd so zornig auf sie sei, wie ich es sein sollte. Dass sie sich meinen Angriff auf sie ordentlich verdienen wollen. Nunja… Ich habe keine Lust, irgendetwas in ihrem Büro zu vernichten. Das würde nichts bringen. Aber glauben sie mir, so wütend wie jetzt war ich noch nie. Ich bin es schließlich nicht, dem Unrecht angetan wurde.", erklärte Harry.
„Hat das etwas mit Snape zu tun?", fragte Hermine zaghaft. Niemand korrigierte sie. Es war nicht der richtige Zeitpunkt. Dumbledore und Thomas schwiegen.
„Nein, nein. Es gab keine Nachrichten über Snape, die mich schockiert hätten. Enttäuscht, ja, aber nicht schockiert. Außerdem gibt es da nichts, was ihr euch nicht denken könnt.", antwortete Harry.
Ron wusste genau, was er meinte. „Dass er eine deutlich größere Rolle bei den Todessern spielt, als er vorgibt? Ja, das Gefühl hat glaube ich jeder."
Harry nickte, „Aber man spielt ja auch nicht beide Seiten gleichzeitig ohne etwas opfern zu müssen. Egal wie es ausgeht, er steht mit einem Bein bei der gewinnenden Seite. Seine größte Hoffnung muss sein, dass der dunkle Lord gewinnt. Der ist nämlich rachsüchtig. Aber darum geht es nicht. Es geht um Tonks und die ganze Sache mit dem Museum. Aber das hat sich der Professor schon längst gedacht."
„Na dann ist Dumbledore ja fein raus.", entgegnete Thomas, „Denn der einzige, den du dafür hassen solltest, der bin ich."
Ron wusste gar nicht, wo er hinschauen sollte. Es ging hin und her und obwohl er sehen konnte, dass Thomas Antwort Harry schockierte, wollte sich Harry nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen. Ron war angespannt und konnte nicht mehr stillhalten.
„Der Todesser, den du gefangen genommen hast, nicht wahr?", hakte Thomas nun ruhig nach. Seine Stimme hatte ihre Kälte verloren und war seltsam… behutsam.
Harry nickte, bevor er ausführte, „Ich habe ihn gefangen genommen, weil er etwas weiß. Die zweite Präsenz in meinem Kopf hat es mir verraten. Doch stellt euch meine Überraschung vor, als ich erfahren habe, dass es nichts mit Voldemort zu tun hat, sondern mit Professor Dumbledore. Denn der Feind weiß manchmal die peinlichsten Dinge von einem, die man nicht erwartet. Da dienen schließlich nicht nur blinde Mörder.
Er war in Ravenclaw, vier Jahre über uns. Er war richtig erleichtert, dass er gefangen genommen wurde – ich kann mir vorstellen, dass es überall besser ist, als in den Fängen von Voldemort und seiner Gefolgschaft. Er hat mir gesteckt, dass Narcissa Malfoy wusste, dass Tonks Kontakt zu ihrem Mann hatte. Und nicht nur das – sie hat es aus schlechtem Gewissen Andromeda geschrieben."
„Wie bitte?", rief Ron empört. Er war aufgesprungen und hatte beinahe seinen Stuhl umgeworfen. Hermine blickte Dumbledore geschockt an.
Doch Harry war nicht fertig, „Nicht nur das, ich habe auch erfahren, dass sie – der Teil ist reine Spekulation, denke ich – die Information über das Museum in den Potteries weitergeben sollte."
„Die Überlegung hatten wir auch schon.", meinte Hermine mit vorsichtiger Stimme, „Jason, Alexander und ich sind… Wir haben nachgeforscht mit offiziellen Auftrag des Direktors der Zentrale. Es… die ganze Situation war sehr seltsam. Wie das aufgebaut war, welche Informationen die Unsäglichen dazu hatten und wie dort ermittelt wurde. Wir haben Spuren gesehen, die eindeutig zu Thomas gehören und außerdem… Sind wir kurz danach auf das Geheimnis von Tonks gestoßen."
Noch hatte sich keiner der beiden bewegt. Thomas blickte sie ruhig an und mit merkwürdig leiser Stimme sagte er, „Richte Jason doch aus, er möge das nächste Mal nicht so viele Alarmzauber in meinem Büro auslösen."
Dass Thomas davon wusste, wunderte in dem Augenblick keinen mehr.
„Aber wieso?", fragte Harry nun. Es war so ruhig geworden und alle sprachen sie so leise, dass es Ron unangenehm wurde. Er war laute Stimmen gewöhnt, von zu Hause, aber jetzt gerade… Es war unheimlich.
„Zunächst einmal solltest du dich von der Auffassung verabschieden, wir wüssten nicht, was unsere Taten gekostet haben. Jede Handlung hat eine Auswirkung und mir ist bewusst, welches seelisches Leid auf Miss Tonks zukommen wird. Glaube nicht, dass irgendeine Entscheidung leichtfertig getroffen wird, dass es uns Freude bereitet, so zu handeln, wie wir es tun."
Die Stimme von Thomas war sanft. Ron konnte sich vorstellen, dass er privat immer so mit Harry redete. Doch jetzt gerade erschien es ihm falsch.
Dumbledore seufzte. „Ich denke, Mister Weasley wird es am besten nachvollziehen können, wie schwerwiegend Entscheidungen sein können."
Ron blickte den Direktor erstaunt an und fühlte sich ein wenig ertappt.
Dumbledore lächelte und nur seine Mimik, nicht aber sein Ton verriet seine Menschlichkeit, „Ich halte mich, nach all den Jahren, in der ich mit Menschen arbeite aus allen Schichten und Gruppen, für einen guten Einschätzer von Charakterzügen. Meine Erfahrungen mit der anderen Welt verraten mir, dass ihnen, Mister Weasley, das gleiche Geschenk zuteilwurde wie ich es einst erhalten habe. Manche Entscheidungen sind klein und unbedeutend und haben eine so große Tragkraft. Bei anderen ist es kompliziert. Wenn man sich dazu entschieden hat, etwas zu verstecken, mit seinem ganzen Einsatz von der Welt zu verschließen, weil es gefährlich ist, dann muss man so viele Dinge beachten. Das oberste Motiv muss einem heilig sein. Man hat das Gefühl, die Entscheidung wäre eine ständige Last, doch dem ist nicht so. Sie wurde einmal getroffen. Nun dient man dem Herrn den man sich geschaffen hat.
So verabscheuungswürdig es klingen mag, die Entscheidung war getroffen worden, lange bevor Miss Tonks oder irgendeiner von ihnen geboren war. Getroffen an dem Tag, an dem ich erfahren habe, was mein alter Jungendfreund zwischen unserer Trennung und unserem schlussendlichen Kampf getrieben hatte. Was es war, dass ihn bis an den Rand der Wirklichkeit trieb. Was es war, dass die Schatten auf ihn aufmerksam gemacht hatten. Thomas, denkst du…"
Wie im stillen Einvernehmen hatte Thomas es bereits verstanden, „Ich habe Emilia bereits kontaktiert. Sie bringt sie her."
Das stille Einvernehmen schien noch weiter zu gehen. Die Tür wurde aufgestoßen und Emilia kam herein, mit einer ziemlich dicken Akte in der Hand.
Ohne Harry anzusehen schritt sie direkt auf Thomas zu und es verging ein Moment, bis dieser die Akte entgegennahm. Sie schienen sich still zu unterhalten, bevor Emilia mit der Hand seinen Arm berührte, ihm etwas zuflüsterte und sich schnell umwendend wieder aus dem Raum schritt.
Ob sie davon wusste? Ron hatte nie wirklich viel mit der Frau zu tun gehabt, aber wenn er in die Gesichter von Harry und Hermine sah wusste er, dass sie eine viel engere Bindung zu Emilia hatten.
Thomas behielt die Akte kurz in den Händen und schien zu zögern, ehe er sie Harry zuwarf, der sie auffing.
„Lesen.", befahl Thomas in einem seltsamen Tonfall. Wahrscheinlich war es ihm unangenehm. Aber wenn er so schuldig war, wie er von sich behauptete, dann würde Ron kein Mitleid mit ihm haben.
Harry schlug kommentarlos die Akte auf. „Die ist über dich.", sagte er dann.
Hermine und Ron wandten sich gleichermaßen Harry zu und Ron ahnte Schlimmes, als Harry anfing zu lesen.
„Erzeugnis Sondernummer 1, Zwillingspaar Wagner-Grindelwald.", las Harry vor, ehe er unterbrach, „Ich bin mir nicht sicher wie hilfreich das ist. Ich weiß, dass Thomas ein Soldat von Grindelwald war! Was muss man dazu noch wissen?"
„Ungeachtet dessen, was du von Delacour weißt, solltest du dir die Akte durchlesen.", erwiderte Thomas mit etwas Schärfe in der Stimme.
Harry nickte und fuhr fort, „Gebürtiges Kind von Gellert Grindelwald und Hannelore Wagner, Arierin.
Reinheitstest zum Vergleich zu den herangezüchteten Untermenschenkindern.
Geschwisterpaar Thomas und Erick – geboren am 12. März 1924."
„Das war vor der Nazizeit.", kommentierte Harry dann.
Thomas nickte bedächtig, „Grindelwald hat sehr stark die Forschungen von Joseph Mengele beeinflusst, der seine Nomenklatur übernommen hatte. Du kannst ein paar Seiten überblättern, die medizinischen Informationen sind nicht von Belang."
„Das Erzeugnis scheint repräsentativ für die vorangestellte Versuchsreihe. Erick ist ein Squib, während Thomas die schattenmagischen Fähigkeiten der Mutter innezuhaben scheint. Tatsächlich scheint Thomas der mächtigste Kaltmagier zu sein, der bisher erzeugt wurde. Er bezieht entsprechendes Kampftraining.", las Harry weiter.
"Kaltmagier?", fragte Ron dazwischen.
„Nazibezeichnung für Schattenmagier.", erwiderte Thomas ebenso ruhig.
„Thomas ist ein trotziges Kind. Trotz mehrfacher Züchtigung – auch unter Einfluss des Cruciatusfluches – widersetzt er sich weiter Anweisungen und zieht seinen Bruder mit hinein. Erick scheint passiv zu sein. Keine magische Aktivität ist zu verzeichnen. Magische Schutzreaktionen werden nicht ausgelöst, allerdings sind diese in jedem Fall bei Thomas zu verzeichnen – egal, ob es er oder Erick ist, der der Strafe unterzogen wird."
„Was meinen die mit Schutzreaktion?", fragte Hermine nach.
„Eine magische Schutzreaktion ist ein kindlicher Reflex, der eine magische Verteidigung auslöst. Der Reflex wird bei hoher Last im Rückenmark ausgelöst.", erwiderte Thomas, „Zum Beispiel durch Verletzungen oder starke Schmerzen."
Ron zog scharf die Luft ein. Er wusste nicht so recht, was er mit der Information anfangen sollte aber es gefiel ihm absolut nicht. Harrys Stimme war mechanisch geworden. Er blätterte einige Seiten vor.
„Nach der Trennung der beiden Kinder scheint Thomas gebrochen zu sein. Er folgt Anweisungen und wehrt sich nicht mehr. Seine Kräfte lernt er zu kontrollieren. Tatsächlich eignet er sich für ein vollständiges Bewusstsein. Er ist loyal und tut Dinge, ohne Fragen zu stellen. Er wird im Rahmen des Bildungsprogrammes für junge Arier unterrichtet und lernt schnell Deutsch. Für die potentielle Unterwanderung der Briten lernt er zudem Englisch.
Thomas hat begonnen, die Lektionen des Kampftrainings besser aufzunehmen, als zuvor. Seine besondere Beziehung zu seiner Magie macht es uns möglich, ihn für den Kampf mit großen Gegnergruppen auszubilden. Erste Tests versprachen große Erfolge."
"Ihr müsst verstehen, dass Grindelwald sehr chaotisch war in seinen Forschungen.", gab Thomas zu bedenken, „Er hat gleichzeitig mehrere Phänomene beobachten wollen. Welche das genau sind, ist nicht weiter von Belang. Allerdings hatte er mit… diesem Geschwisterpaar ein sehr gutes Subjekt für seine Forschungen."
Dass er von sich und seinem eigenen Bruder in der dritten Person sprach, beunruhigte Ron ein wenig. War bestimmt nicht gesund. Vielleicht wollte er sich von seinem alten Ich distanzieren, was Ron ihm nicht verdenken konnte.
„Subjekt scheint unsterblich. Mit tödlichem Streufluch getroffen. Thomas ist dennoch am Leben. Weiter Untersuchungen ausstehend.", las Harry nun vor.
Da war es. Schwarz auf weiß. Wieso das jetzt wichtig war, wusste keiner von ihnen, aber wenigstens waren alle Zweifel um Thomas beseitigt. Er schien nicht zu sterben und nicht zu altern. Es verwunderte Ron nicht. Seine Aura war selbst für einen Schatten merkwürdig.
„Alsooo… Hast du einen… Horcrux? Also mit dir und deinem Bruder scheint ja irgendwas zu sein. Das habe ich in der anderen Welt gesehen.", hakte Ron nun nach.
Thomas schüttelte den Kopf, „Ein Horcrux ist ein Objekt einer sehr alten magischen Methodik. Es ist nicht wirklich praktikabel. Wir wissen, dass Voldemort diesen Weg zunächst versucht hatte. Harry ist Zeuge davon geworden, als er gegen den Basilisken kämpfte."
„Ja ich finde es noch immer seltsam, dass sich darüber niemand aufgeregt hat. Das Ministerium nimmt Hagrid fest statt etwas gegen das Biest zu unternehmen.", warf Ron dazwischen.
Thomas nickte zustimmend, „Wir hätten beinahe in Hogwarts ermitteln können, wäre ein Schüler gestorben. Doch eine Reihe außerordentlicher Umstände hat das verhindert. Was ein großes Glück ist, aber es ist nicht an einem Zwölfjährigen, gegen eine Schlange zu kämpfen. Voldemort hat schnell merken müssen, dass das nicht der richtige Weg ist. Dann hat er angefangen, Grindelwalds Forschung zu replizieren. Grindelwald hat ebenfalls, unter Anderem, an Unsterblichkeit gearbeitet. Doch niemanden war klar, dass mein Überleben ein Unfall war. Dass ich wieder aufgewacht bin nach dem, was einer der Trainer aus Versehen auf mich geschossen hatte, war ein Unfall. Eine Verquickung seltsamer Umstände. Grindelwald war damit nicht zufrieden – immerhin hatte er etwas Großes gefunden. Er versuchte es zu replizieren mit Tränken und Zaubern oder Verzauberungen, doch nichts hat gewirkt. Bis wir Erick gefunden hatten. Er war in einem furchtbaren Zustand und er schien innerlich zu zerfallen. Viel mehr noch versuchte er sofort die Lebensenergie dem Erstbesten zu entreißen."
Harry machte plötzlich einige Schritte nach vorn und schien auf einmal sehr irritiert, „Ich habe genug von der Dumbledore-Rhetorik! Drei knappe Sätze. Wieso lebst du und was plant Voldemort?"
Thomas nickte bedächtig, „Meine Verbindung zu meinem Bruder ist ein einseitig destruktiver Prozess. Ich lebe und zerstöre ihn. Um weitere Tests durchführen zu können, hat Grindelwald die Verbindung stabilisiert, indem er seine Seite mit Seelen angereichert hat. Er ist ein Seelenfänger wie wir ihn im Versteck der Black Familie gefunden haben und hat ähnliche Fähigkeiten wie Dementoren. Voldemort möchte die Idee mit den Horcruxen in diese Richtung weiter entwickeln, aber ihm fehlen Informationen. Er sucht den fehlenden Schlüssel, der diese Informationen enthält. Er sucht Erick. Doch Erick ist in Nurmengard und Voldemort weiß weder, dass es eine Person ist, die er sucht, noch, dass sie in Nurmengard ist. Aber sowohl arbeitet er an der Lösung als auch bedroht er uns mit dem Niederreißen von Nurmengard."
„Moment.", unterbrach Hermine, „Ron ist nicht eidgebunden für dieses Geheimnis. Ich habe das extra mit Jason machen müssen, wieso geht das jetzt so einfach?"
Dumbledore lehnte sich nach vorn, „Ich habe dazu eine Theorie. Es ist gut möglich, dass Ihnen nicht nur Gaben gegeben wurden, sondern ebenfalls der Bund zwischen ihnen dreien nun stärker ist. So stark, dass alle Verzauberungen, die auf ihnen liegen, zu denen Schwüre und Eide ebenfalls zählen, unter ihnen geteilt werden. Die Magie, die auf den Dingen liegt, erkennt nun sowohl Harry als Ordensmitglied als auch sie beide als Unsägliche."
Harry fiel etwas ein, „Aber weiß Voldemort wirklich nicht, dass es nicht Grindelwald Senior ist, der dort inhaftiert ist? Unsägliche auf der ganzen Welt kennen dieses Geheimnis, es kommt mir unwahrscheinlich vor, dass es niemand hat durchsickern lassen."
Thomas schüttelte den Kopf, „Es wird regelmäßig geprüft und ich habe eine hohe Gewissheit, dass dem nicht so ist. Ich habe ein kleines Gerät, das anzeigt, ob das Geheimnis offenbart ist. Die Formulierung ist ein wenig offener, sodass es eher Fehlalarm als verpasste Katastrophe gibt. Der Indikator auf meinem Schreibtisch."
Hermine sah plötzlich auf, „Jason hatte sich gewundert, was das sollte. Aber die Indikatoren sind doch normalerweise an Menschen gebunden, wie haben sie geschafft, es an so etwas Abstraktes wie ein Geheimnis zu bannen?"
Natürlich musste Hermine den Moment nutzen um akademische Fragen zu stellen. Dumbledore schmunzelte. Obwohl eigentlich keiner der Beiden ein Recht dazu hatte. Das bedrohliche Funkeln in Harrys Augen zeigte, dass er in dem Punkt Rons Meinung war.
„Du lächelst, Albus? Obwohl wir noch immer nicht bei dem Thema sind, dass ihr Menschen getötet und eine Frau zu möglicherweise lebenslangem Leid verurteilt habt?", zischte er wütend.
Thomas schnaufte genervt, „Es ist herzlos und es ist unrecht, doch Voldemort hätte sowieso irgendwo angegriffen. Wie viele Angriffe gab es bisher? Drei? Vier? Wie viele Angriffe gab es im ersten Krieg in derselben Zeitspanne? Zwanzig? Hundert? Wir lenken Tom ab. Wir verhindern, dass er in einen Blutrausch verfällt. Und solange er dieses Ziel im Kopf hat, wird er es nicht tun."
„Ihr spielt Katz und Maus mit einem Mann, der mordet und foltert! Wie kann man ganz bei Trost sein und das trotzdem für eine gute Idee halten?", rief Hermine empört und war ebenfalls aufgesprungen. Ron war nun der Einzige, der noch saß. Aufstehen wollte er aber deswegen nicht.
„Wie gesagt, Miss Granger, die Entscheidung war getroffen, lange bevor einer von ihnen geboren war. Nun kennt ihr ihn. Das ist der Herr, dem wir dienen und das ist das Ziel, dass wir heiligen. Wenn Nurmengard fällt, so wage ich zu behaupten, fällt die ganze Welt. Denn es ist nicht nur eine Frage, ob Voldemort sterblich ist, sondern auch eine Frage ob wir das Böse, dass in Nurmengard lauert, bannen können. Und ich sage ihnen, wir können es nicht. Nicht jetzt, und wahrscheinlich auch niemals.", entgegnete Dumbledore ruhig.
