Hier wäre dann mal wieder ein neues Kapitel. Schneller als ich selbst gedacht hatte.
Vielen Dank an meine treuesten Reviewer (inzwischen scheinbar auch die einzigen;-)) Tini und ttt. Wirklich Danke.
Ich hoffe ihr habt Spaß mit dem neuen Kapitel


Kapitel 53

Felicita kam nicht umhin die gesamte Situation als... merkwürdig zu bezeichnen.
Im sechsten Monat schwanger, eine Tatsache von der niemand etwas erfahren durfte, rannte sie mit riesigen Schritten durch das Schloss, Poppy und Remus im Schlepptau. Ihren immer weiter anwachsenden Babybauch verbarg sie nun schon eine ganze Weile durch weitfallende Umhänge. Sie hatte früh genug begonnen, sie immer häufiger zu tragen, so dass es jetzt weder Remus noch Minerva aufgefallen war, dass sie nur solche trug. Doch auch wenn ihr Kind unter Lagen von Stoff verborgen war, wenn niemand ihre Umstände bemerkte, sie war sich derer in diesem Moment sehr wohl bewusst. Zum ersten Mal spürte sie Schmerzen im Rücken, fühlte sich schwerer und unbeweglich.
Sie musste über sich selbst den Kopf schütteln.
Vier Jahre lang hatte sie sich vor genau diesem Tag gefürchtet, vor dem Tag, an dem sie sich Voldemort im Kampf würde stellen müssen.
Doch jetzt empfand sie keine Angst, sie war nichteinmal aufgeregt, stattdessen beschäfftigte sie sich mit den Beschwerden der Schwangerschaft.

Dann überschlugen sich ihre Gedanken regelrecht, es war so, als wisse sie, was nun zu tun sei.
Sie war niemals eine Führungspersönlichkeit gewesen, allenfalls ein Vorbild für junge Schüler, ohne dabei wirklich Verantwortung übernehmen zu müssen. Doch als sie in die große Halle gestürmt kam, mitten hinein in die Gruppe von Flüchtlingen aus dem Ministerium und rief

„Er kommt, wir müssen uns bereithalten.",

hatte sie genau diese Rolle übernommen, für die sie sich selbst immer unfähig gehalten hatte.
Alle Blicke waren auf sie gerichtet, verängstigt schaute man zu ihr.

„Wir dürfen keine Zeit verschwenden.
Voldemort ist mit einer Vielzahl von Todessern auf dem Weg hier her."

Sie wusste, was zu sagen war, ohne sich auch nur in irgendeiner Weise darauf vorbereitet zu haben.

„Wir müssen raus aus dem Schloss, hier können wir zu leicht in die Enge getrieben werden. Rufen Sie alle Schüler zusammen, alle Professoren und Flüchtlinge.
Keiner sollte seinen Zauberstab auch nur noch eine Sekunde aus der Hand legen."

Kaum jemand regte sich, einzig einige Mitglieder des Ordens schienen bereit zu sein zu kämpfen.

„Remus, geh und hol die Schüler."

Er nickte und lief mit schnellen Schritten davon.
Sie entdeckte die Direktorin unter den Mitarbeitern des Ministeriums

„Minerva, ist Charly schon hier?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, wir rechnen aber in den nächsten Minuten mit ihm."

Felicita hoffte inständig, dass er nicht zu spät käme.

„Es muss jemand zu Hagrid. Er sagte, er hätte noch einen Trumpf in der Hinterhand."

Kaum hatte sie es ausgesprochen, lief Hermine Granger aus dem Schloss zu seiner Hütte.
Die Mitglieder des Ordens kamen an sie heran getreten, ohne das sie auch nur ein Wort hatte sagen brauchen.
Minerva begann zu sprechen.

„Was hast du gesehen?"

Die verwunderten Blicke der Mitglieder, die sie nicht kannten, interessierte Felicita nicht.

„Sie sind auf dem Weg hierher. Severus..."

Ein Auror sah sie entsetzt an.

„Der Verräter Snape?"

Minerva antwortete, bevor die Ravenclaw es tun brauchte.

„Er ist kein Verräter, war auch niemals einer. Unterstehen Sie sich auch nur einen Fluch gegen ihn zu sprechen. Das können Sie auch gleich Ihren Kollegen mitteilen."

Sie hatte in einem Ton gesprochen, der verriet, warum die Schüler ihres Unterrichts dem Stoff immer folgten. Sie duldete keinen Widerspruch.
Der Auror nickte betreten.
Felicita fuhr fort.

„Severus hat Voldemort einen Trank verabreicht. Er schien von meinem abzuweichen. Die Wirkung war wesentlich... stärker.
Ich kann von daher nicht sagen, wieviel Zeit wir brauchen werden..."

Diesmal war es Harry, der sie unterbrach.

„Zeit wofür?"

Sie sah ihn ernst an.

„Zeit um um unser Überleben zu kämpfen, bis Voldemort so schwach ist, dass er sich nicht mehr verteidigen kann.
Du musst unbedingt auf genau diesen Moment warten, du wirst erkennen, wann es soweit ist. Bis dahin müssen wir alle nur versuchen, lange genug zu überleben."

Er stellte keine weitere Frage.
Die Schüler betraten die Halle, auch Hermine kehrte gefolgt von Hagrid zurück. In diesen Moment erhob Felicita die Stimme.

„Ich weiß, Sie haben Angst.
Doch wir haben eine realistische Chance zu überleben, wenn wir es schaffen zirka eine Stunden gegen die Todesser anzukämpfen.
Eine Stunde.
Ich beschwöre Sie alle, zunächst nur auf die Verteidigung zu setzten.
Bitte wagen Sie nicht zu viel. Verteidigen Sie sich.
Alles andere wird sich ergeben. Vertrauen Sie mir."

Alle Anwesenden waren still, lauschten ihren Worten. Es war, als hätten sie nur auf Felicita gewartet, auf jemanden der sie leitete.

„Wir sollten uns nun nach draußen begeben."

Und alle taten es, keiner Zweifelte ihre Entscheidung an.

Der Wind war eisig, kündigte bereits den ersten Schnee an. Doch bisher fielen nur feine Nieseltropfen aus den Wolken.
Felicita schaute sich auf dem Gelände um. Ihr erste Gedanke war es gewesen, sich als große Gruppe zu verschanzen, um sich gegenseitig zu verteidigen.
Doch das erschien ihr nun als zu gefährlich, eine große Gruppe, stellte auch eine große Angriffsfläche dar.
Und sie konnte sich lebhaft vorstellen, in welche Panik einige der Anwesenden verfallen würden, wenn die ersten Opfer zu Boden gingen. Nein, es sollten kleine Gruppen gebildet werden, die versuchen sollten, sich möglichst lange am Leben zu erhalten. Sei es auch durch zeitweises Flüchten.
Es würde nicht leicht werden, gewiss nicht.
Wenn Todesser in der Lage waren, den Minister zu töten, im Ministerium, wo er umringt von erfahrenen Auroren gewesen war, so konnte man ihnen alles zutrauen. Doch hier hatten sie den Überraschungseffekt auf ihrer Seite, sie würden diesen Mördern einen gebührenden Empfang bereiten.
Felicita wandte sich zu ihrer „Gefolgschaft" um. Es waren insgesamt kaum mehr als 50 Menschen. Männer, Frauen, halbe Kinder.

„Uns bleibt nicht viel Zeit, aber wir werden uns dennoch nicht planlos in diesen Kampf stürzen. Sie glauben uns überraschen zu können, doch das werden wir an deren Stelle tun.
Bildet kleinere Gruppen, möglichst die Leute zusammen, die einander kennen, um die Stärken und Schwächen des anderen wissen. Greift nicht kopflos an, verteidigt euch, solange es irgend geht, überlebt.
Das gilt für jeden. Ich möchte nicht mit ansehen, wie unsere besten Auroren schon in den ersten Minuten fallen. Wir haben eine Chance, doch nur dann, wenn wir Ruhe bewahren und nicht versuchen eine Übermacht zu besiegen.
Haltet nur eine Stunde durch und ihr werdet sehen, was ich meine.
Wir können es schaffen, gemeinsam."

Sie schaute in ungläubige Gesichter, doch keiner sprach seine Zweifel offen aus. Obwohl sie nicht wissen konnten, was eine Stunde verändern könnte, schienen sie tatsächlich bereit, dafür zu kämpfen.
In Felicita kroch eine überraschende Regung empor. Stolz.

„Verteilt euch. Sucht euch Positionen, in denen ihr nicht so schnell entdeckt werden könnt, spielt Katz und Maus mit denen.
Wir können es schaffen."

Damit trat sie beiseite. Es dauerte noch einige Sekunden, doch dann setzten sich alle folgsam in Bewegung.
Minerva, Poppy und Remus kamen auf die Ravenclaw zu.

„Ich schlage vor, wir bilden eine Gruppe?"

Sagte der Werwolf mit einem Lächeln. Es war unheimlich, doch Felicita konnte dieses Lächeln nur erwidern. Und sie sah es auch auf den anderen Gesichtern.
Vielleicht lag es daran, dass die Situation jetzt sowieso nicht mehr zu ändern war, vielleicht auch daran, dass sie alle die Realität nicht mehr wirklich wahrnahmen, die Ängste verdrängten. Felicita wusste es nicht. Doch sie war froh, die drei Menschen um sich zu haben, mit denen sie die letzte Monate ihres bisherigen Lebens verbracht hatte. Vielleicht waren es die letzten Monate überhaupt gewesen.
Doch daran wollte sie jetzt nicht denken. Heute Nacht würde sich alles entscheiden.
Adrenalin strömte durch ihren Körper, sie war hoch konzentriert, konnte spüren, dass sie kamen.

„Sie sind bereits im Wald."

Sagte sie bestimmt.
Die anderen nickten nur noch. Gemeinsam bewegten sie sich in Richtung der Gewächshäuser, geduckt, damit sie nicht sofort ins Auge stachen.
In diesem Augenblick fiel Felicita ein Problem auf, dass sie binnen Minuten alle haben würden.

„Sie tragen alle Schwarz. In zehn Minuten herrscht hier totale Finsternis, wir werden sie kaum sehen..."
Sagte sie.

„Sie uns auch nicht."

Entgegnete Remus.

Felicita durchfuhr ein Schlag, als sie die ersten Gestalten aus dem Wald kommen sah, sie und die drei anderen hatten sich gerade hinter einem der Schuppen nahe den Gewächshäusern verschanzt. Wie ein Heer stürmten die Todesser heraus, bereit alles aus dem Weg zu räumen, was sich ihnen in den Weg stellen sollte.
Es dauerte nur Sekunden, bis sie alle den ersten Schrei hörten.
Und es wurden mehr und mehr Todesser, Felicita hatte mit vielem Gerechnet, aber nicht mit einer solchen Übermacht. Es mussten mindestens 100 Menschen aus dem Wald getreten sein und der Strom riss nicht ab.
Wie Insekten verteilten sich die Mörder über das Gelände, sie bewegten sich eindeutig in Richtung des Schlosses, doch auf ihrem Weg dorthin, beseitigten sie alles, was nicht schnell genug fliehen konnte.
Nach zwei Minuten hörte Felicita auf, die Opfer zu zählen. Laut ihrer letzten Hochrechnung dürfte es nur maximal 20 Minuten dauern, bis keiner mehr da sein würde, um die nächste Stunde zu erleben.
Noch vor wenigen Minuten war sie so hoffnungsvoll gewesen, hatte geglaubt eine echte Chance zu erhalten. Nun schien dieser Gedanke schon allzu absurd.
Sie schaute zu Remus, er schien angespannt zu sein, war versucht, aufzuspringen und sich gegen dieses ungleiche Gemetzel stellen.
Sie umfasste seinen rechten Arm. Flüsterte.

„Wir können nichts tun. Ein jeder muss sich selbst verteidigen, Remus.
Du kannst dich jetzt nicht für das Leben der anderen einsetzten, sonst bist du in wenigen Sekunden genauso tot wie sie selbst."

Er sah sie strafend an.

„Tonks ist da draußen, bei Harry und Hermine..."
Felicita verstandt. Er hatte manchmal von ihr erzählt.
Sie versuchte ihn aufmunternd anzusehen.

„Sie wird wissen was sie tut. Und sie wird nicht wollen, dass du blindlinks hinausstürmst, in dem Gedanken sie retten zu müssen, während sie sich irgendwo sicher verschanzt hat."

Er nickte, schien sich von ihren Worten überzeugen lassen zu wollen.
Doch erst in diesem Augenblick verstandt Felicita, was er eigentlich gesagt hatte. Ihre Stirn legte sich in Falten.

„Warum bist du nicht bei ihr?"

„Sie passt auf Harry und Hermine auf."

Sagte er als sei es selbstverständlich und würde alles erklären.

„Und?"

Er schüttelte den Kopf.
„Was und? Sie passt auf die beiden auf. Und ich... auf dich."

Felicita drückte seinen Arm fester.

„Danke..."

Ein Schrei holte sie in die Gegenwart zurück.
Sie kamen näher.
Felicita wollte sich gerade an Minerva wenden, doch in ihrem Augenwinkel sah sie etwas, das ihre Aufmerksamkeit zu Hagrids Hütte lenkte.
War das etwa...? Das konnte nicht wahr sein!
Und doch, sie hatte diesen Gang, diese Bewegungen zu oft in ihrem Leben gesehen, als dass sie sich irren konnte.


Und nun ein kleines Rätsel. Wen hat Felicita da wohl gesehen?
Bis bald.

Eure Vestilia